{"id":239,"date":"2018-11-07T19:50:17","date_gmt":"2018-11-07T18:50:17","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/fernwehstillerukraine\/?p=239"},"modified":"2018-11-07T19:50:17","modified_gmt":"2018-11-07T18:50:17","slug":"die-ukraine-kann-eben-beides","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/fernwehstillerukraine\/2018\/11\/07\/die-ukraine-kann-eben-beides\/","title":{"rendered":"\u201eDie Ukraine kann eben beides\u201c"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Im letzten Post habe ich erz\u00e4hlt, was ich alles so in einer Woche Kiew gesehen und erlebt habe. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich war es irgendwie eine ganz besondere Reise. Nicht nur, dass ich das erste Mal mehr oder weniger alleine gereist bin, sondern auch, dass sich mein Bild auf die Ukraine ver\u00e4ndert bzw. erweitert hat. Ich bin total froh, dass ich diese Reise gemacht habe, sonst w\u00fcrde ich wahrscheinlich nach meinem Aufenthalt denken, die Ukraine w\u00e4re nur so, wie ich es in meinem \u201eDorf\u201c , es ist ja eigentlich eine Kleinstadt, erlebe. In Kiew habe ich aber gesehen, dass die Ukraine auch ganz anders kann. Glamour\u00f6se Malls, Klamottenl\u00e4den wie in Deutschland, riesige Superm\u00e4rkte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Und jetzt verstehe ich auch die Sch\u00fclerInnen, die mir sagen, dass Drohobytsch doch so langweilig sei und es woanders viel cooler sei. Nat\u00fcrlich war mir vorher schon klar, dass es in Kiew anders aussieht als hier und man mehr unternehmen kann, aber jetzt kann ich wirklich nachvollziehen, dass f\u00fcr die Sch\u00fclerInnen das Leben in Kiew deutlich ansprechender ist als in Drohobytsch. Der Unterschied zwischen einer Kleinstadt und Gro\u00dfstadt ist in der Ukraine eben anders bzw. gr\u00f6\u00dfer als in Deutschland (das ist nat\u00fcrlich nur mein Eindruck, den ich durch die Reise bekommen habe).<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Auf Dauer w\u00fcrde ich das wahrscheinlich auch so sehen, aber f\u00fcr mein Freiwilligendienst bin ich sehr froh, in einer kleineren Stadt gelandet zu sein.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Beim Vorbereitungsseminar, als ich all die anderen Freiwilligen kennen gelernt habe, die in die ganze Welt verteilt gingen, hatte ich keinen Wehmut, dass es f\u00fcr mich \u201enur\u201c in die Ukraine geht und in kein Land, in das ich immer mal bereisen wollte. Als ich in Kiew ankam, zum Hostel ging und die ganzen tollen, gro\u00dfen Geb\u00e4ude sah, dachte ich das erste Mal dar\u00fcber nach, wie mein Auslandsjahr in so einer Gro\u00dfstadt wie Kiew w\u00e4re. Da m\u00fcsste ich wahrscheinlich nicht immer die selben Spazierg\u00e4nge machen, k\u00f6nnte jedes Wochenende ein anderes Museum besuchen und etwas Neues entdecken, was in meiner Stadt nach zwei Wochen schon nicht mehr m\u00f6glich war. Aber jetzt, nach der Woche Kiew bin ich so froh, hier in Drohobytsch zu sein. Nat\u00fcrlich hat so eine Gro\u00dfstadt viele Vorteile, aber halt auch Nachteile. Ich h\u00e4tte keinen 15 min\u00fctigen Schulweg, br\u00e4uchte bestimmt l\u00e4nger zum Schwimmbad, Fitnessstudio oder zu Verabredungen und w\u00fcrde wahrscheinlich am Ende doch immer die selben Spazierg\u00e4nge machen. Alles ist zu Fu\u00df erreichbar, ich habe nicht die Qual der Wahl in welches Caf\u00e9 oder Restaurant ich gehe. Von meinem Zuhause bin ich das alles gew\u00f6hnt. Deswegen ist die Vorstellung f\u00fcr mich, eine Stunde mit der Bahn zur Schule zu brauchen, und all das, was sonst noch zum \u201eGro\u00dfstadtleben\u201c dazugeh\u00f6rt, fast unvorstellbar, weil ich eben in einer Kleinstadt aufgewachsen bin. Der Erfahrung in einer Gro\u00dfstadt zu leben, w\u00e4re f\u00fcr mich etwas Neues gewesen und bestimmt auch spannend gewesen, was ich auch gerne erlebt h\u00e4tte. Und es w\u00e4re bestimmt ein weiterer Schritt aus meiner Komfortzone gewesen, aber da ich mein neues Zuhause auf Zeit eben nicht aussuchen konnte, bin ich am Ende froh, in einer Kleinstadt gelandet zu sein.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Und mir ist bewusst geworden, wie unterschiedlich unsere Erfahrungen doch sind, die wir in unserem jeweiligen Ort machen, gemacht haben und machen werden. Und das, obwohl wir bei der selben Organisation, im selben Land leben, die selben Traditionen kennen lernen und den selben Job haben. Im Bezug auf die Arbeit in der Schule unterscheiden sich teilweise unsere Aufgaben, dementsprechend auch unsere Erfahrungen, aber besonders das Leben au\u00dferhalb der Schule ist bei uns Freiwilligen so unterschiedlich. Aber das macht es auch irgendwo spannend, wenn man sich austauschen kann und einem genau das dann bewusst wird. Dabei muss ich mir nur immer klar machen, dass keine Erfahrung \u201ebesser\u201c oder \u201ewichtiger\u201c ist, dementsprechend soll ich \u00fcber die Erfahrungen, die ich machen kann, froh sein, ganz egal, wie diese im Vergleich zu den Erfahrungen von den anderen stehen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Als ich nach meiner Ankunft am Bahnhof Samstags Abend durch den \u201eOcean Plaza\u201c (ein gro\u00dfes Einkaufszentrum in Kiew) gelaufen bin, war ich richtig geschockt. Nicht nur, weil mir bewusst wurde, wie lange ich dann doch schon in Drohobytsch bin und dieses ganze \u201eglamour\u00f6se\u201c was es, wie ich finde am besten beschreibt, nicht mehr gesehen habe und gew\u00f6hnt bin, und eben, dass es so was auch in der Ukraine gibt. F\u00fcr mich war das in dem Moment echt eine ganz andere Welt, in der ich mich gar nicht mehr so wohl gef\u00fchlt habe. Das Einkaufszentrum war aber tats\u00e4chlich sehr gro\u00df und stark geschm\u00fcckt und mit vielen teuren L\u00e4den, das kann man nicht mit dem Einkaufszentrum in K\u00f6ln-Weiden vergleichen, in das ich sonst gehe. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Aber trotzdem ist mir da nochmal bewusst geworden, wie sehr ich mich an mein neues Zuhause gew\u00f6hnt habe. Dieses \u201eglamour\u00f6se und internationale\u201c (damit meine ich die Produkte, wie Klamotten, die man zum Beispiel in Deutschland, den USA und sonst \u00fcberall kaufen kann) gibt es hier in Drohobytsch \u00fcberhaupt nicht, und vermissen tu ich es eigentlich gar nicht. Mir f\u00e4llt es schwer, dieses Gef\u00fchl oder diese Beobachtung zu beschreiben. Ich glaube, so richtig nachvollziehen kann man es nur, wenn man es erlebt hat. Nat\u00fcrlich ist Drohobytsch nicht so am Ende der Welt, wie man jetzt denken k\u00f6nnte, aber bestimme Sachen, wie Klamotten oder auch Lebensmittel, gibt es hier einfach nicht.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Als ich vor ein paar Wochen einen gro\u00dfen Supermarkt gefunden habe, h\u00e4tte ich nicht gedacht, dass es noch fast drei Mal so gro\u00dfe, wenn nicht sogar noch gr\u00f6\u00dfere, Superm\u00e4rkte gibt. In Kiew gibt es die aber:)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Und eine Sache, die ich hier mittlerweile richtig genie\u00dfe, ist, dass ich hier gar keine M\u00f6glichkeit habe, shoppen zu gehen. Erst in Kiew, als ich wieder vor den ganzen Klamotten stand, ist mir bewusst geworden, wie angenehm es eigentlich ist, wenn es keine Klamottenl\u00e4den in der N\u00e4he gibt. Als ich in den L\u00e4den stand, hatte ich pl\u00f6tzlich das Gef\u00fchl, ganz viele Sachen ganz dringend zu brauchen (was mir in den Wochen davor nie aufgefallen ist und auch jetzt komme ich ganz gut ohne die ganzen Sachen aus). Wenn es erst gar keine M\u00f6glichkeiten gibt, shoppen zu gehen, muss man eben gar nicht dar\u00fcber nachdenken, etwas zu kaufen, was am Ende echt entspannt ist.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Das ist, jetzt wo ich es in Kiew erlebt habe, eine Sache, die ich hier an meiner Stadt, wenn ich zur\u00fcck in Deutschland bin, bestimmt vermissen werde: gar nicht erst in Versuchung zu geraten etwas zu kaufen. Dieses Gef\u00fchl etwas zu brauchen, was meistens erst im Laden entsteht, wenn man den Artikel sieht, was man im Alltag jedoch nicht vermisst, ist mir nochmal bewusst geworden und hilft mir (hoffentlich) auch zur\u00fcck in Deutschland da etwas achtsamer zu handeln.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Und ab und zu trifft man in Kiew auch auf Leute, die Deutsch sprechen k\u00f6nnen:<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Weil Marlene und ich um 10 Uhr abends noch Hunger bekommen haben, sind wir zum nicht weit entfernten McDonalds gegangen. Wir haben uns nat\u00fcrlich auf Deutsch unterhalten und kurze Zeit sp\u00e4ter hat uns unser Sitznachbar angesprochen. Er war ein ehemaliger Sch\u00fcler einer DSD-Schule in Kiew, hat schon in Deutschland gearbeitet und konnte auch ganz gut Deutsch sprechen. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">In einem Secondhandshop hat eine andere Kundin kurzerhand einen ukrainischen Spruch auf einem Kleidungsst\u00fcck auf Deutsch \u00fcbersetzt, als wir nachgefragt haben. Viel konnte sie nicht auf Deutsch sagen, aber witzigerweise kannte sie genau den Spruch.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Die Verk\u00e4ufer im Supermarkt hatten teilweise auch Verst\u00e4ndnis mit uns und haben den Betrag, den wir zahlen, mussten auf Deutsch sagen k\u00f6nnen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Die Reise hat bei mir die Lust auf Mehr geweckt. Dadurch, dass diese Reise reibungslos abgelaufen ist und ich jetzt wei\u00df, wie das Reisen hier in der Ukraine so ungef\u00e4hr funktioniert, freue ich mich schon auf die n\u00e4chsten Ausfl\u00fcge.<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im letzten Post habe ich erz\u00e4hlt, was ich alles so in einer Woche Kiew gesehen und erlebt habe. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich war es irgendwie eine ganz besondere Reise. 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