{"id":223,"date":"2018-11-04T20:36:57","date_gmt":"2018-11-04T19:36:57","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/fernwehstillerukraine\/?p=223"},"modified":"2018-11-06T12:13:31","modified_gmt":"2018-11-06T11:13:31","slug":"einmal-kiew-und-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/fernwehstillerukraine\/2018\/11\/04\/einmal-kiew-und-zurueck\/","title":{"rendered":"Einmal Kiew und zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Anfang Oktober hatte ich mein Zugticket nach Kiew gebucht, damals war das alles noch so weit hin, jetzt ist das auch schon wieder vorbei.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Es war eine sehr tolle, erlebnisreiche und spannende Zeit in der Hauptstadt der Ukraine.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\"><b>Samstag:<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">F\u00fcr mich ging es Samstagsmorgens los. Meine Gastmutter hat mich netterweise zum Bahnhof nach Drohobytsch gebracht, sodass ich etwas l\u00e4nger schlafen konnte. Morgens um 7 bin ich in den Bus nach Lviv eingestiegen und anderthalb Stunden sp\u00e4ter war ich dann auch schon dort. Da ich nat\u00fcrlich viel zu viel Zeit eingeplant habe, musste ich in Lviv noch etwas warten. Die Zugfahrt nach Kiew ging auch ohne gr\u00f6\u00dfere Probleme vor\u00fcber. Meinen Sitzplatz habe ich zwar erst nach dem dritten Anlauf gefunden, in solchen Situationen stellen meine fehlenden Sprachkenntnisse dann doch eine h\u00f6here H\u00fcrde dar, aber am Ende sa\u00df ich auf dem richtigen Platz, was ja die Hauptsache ist.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Nachdem ich angekommen war, war ich mit einer anderen Freiwilligen, Marlene, mit der ich auch die n\u00e4chsten Tage ein Zimmer im Hostel teilte, georgisch essen und sp\u00e4ter sind wir noch zu einer weiteren Freiwilligen, Ira, die in Kiew wohnt, gegangen. Es war so sch\u00f6n, sich wieder zu sehen und sich endlich mit jemandem austauschen zu k\u00f6nnen, der in derselben Situation wie man selber ist.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\"><b>Sonntag<\/b>:<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Den Morgen habe ich damit verbracht, alleine durch die Stadt zu gehen, zu fotografieren und einen ersten Eindruck von der Stadt zu bekommen. Die Sophienkathedrale, den Andreassteig und Andreaskirche, ein paar Aussichtspunkte, die Michaelskathedrale, das V\u00f6lkerdenkmal und noch einige sch\u00f6ne Stra\u00dfen habe ich besichtigt. Am Sonntag war der einzige Tag, an dem das Wetter richtig sch\u00f6n war, ansonsten war es leider ziemlich bew\u00f6lkt und nebelig. Nachmittags bin ich dann nochmal mit den anderen Freiwilligen durch die Stadt gegangen. Und wir konnten uns sogar noch dazu motivieren, Joggen zu gehen. Nach \u00fcber 40000 Schritten war ich vom ersten Tag in Kiew dann auch ziemlich kaputt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\"><b>Montag:<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Morgens ging es f\u00fcr uns zu Fu\u00df zum H\u00f6hlenkloster, sodass wir erst mal einige Zeit dorthin gehen mussten.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Im \u201eNationalmuseum der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg und im Russland-Konflikt\u201c wird die in der Vergangenheit und Gegenwart schwierige politische Situation der Ukraine thematisiert. Gerade wenn man f\u00fcr eine l\u00e4ngere Zeit in der Ukraine lebt, ist das Museum wirklich empfehlenswert. Auch wenn es dort nur wenige englischsprachige Erkl\u00e4rungen gab, haben die Bilder oft schon alles gesagt. Das tr\u00fcbe Wetter hat auch irgendwie zum Besuch gepasst, danach waren wir etwas bedr\u00fcckt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Danach haben wir im Hostel die K\u00fcche ausprobiert, das hat auch mit etwas Improvisation geklappt. Den Abend haben wir mit einer anderen Freiwilligen und ihren Freunden zusammen verbracht.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\"><b>Dienstag:<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Ich musste f\u00fcr ein Projekt an meiner Schule ins Goethe Institut, das ich auch nochmal am Donnerstag erfolglos besucht habe. Ich werde mich in den n\u00e4chsten Monaten zusammen mit Sch\u00fclerInnen aus der neunten und zehnten Klasse mit deutschen Jugendb\u00fcchern besch\u00e4ftigen.<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Am Nachmittag sind wir zusammen ins Pinchuk Art-Center gegangen. Das Thema der Ausstellung wechselt alle paar Monate. Bei unserem Besuch war es \u201eDemokratie\u201c. Es ist auf jeden Fall einen Besuch wert, ich war total begeistert.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\"><b>Mittwoch<\/b>:<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\"><i>Tschernobyl ganz nah<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Am Mittwoch war vielleicht der H\u00f6hepunkt der Kiewreise. Morgens um 7 sollte es eigentlich losgehen, daraus wurde dann acht, weil die Betreuer noch einiges organisieren mussten. Mit noch einigen Studenten aus der USA und aus ein paar anderen L\u00e4ndern, welche genau wei\u00df ich gar nicht mehr, ging es dann mit einem Kleinbus und einem F\u00fchrer nach Tschernobyl.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Wir sa\u00dfen die meist Zeit im Bus, sind ab und zu, an \u201ebesonderen\u201c Orten ausgestiegen. In Prypjat, die Stadt die am meisten betroffen war, haben wir uns auch l\u00e4nger aufgehalten. Wir haben von einem Hochhaus die Stadt von oben gesehen und konnten die etwas Stimmung, die dort herrschte gut aufnehmen. F\u00fcr mich hat sich alles etwas unrealistisch angef\u00fchlt, aber auch unheimlich so eine verlassene Stadt zu sehen. Wir haben die Reaktoren von \u201eNahem\u201c gesehen, konnten in die leerstehenden und teilweise zerst\u00f6rten H\u00e4user hereingehen und haben viel von der Geschichte der Stadt und dem Unfall erfahren. Und \u00fcber die Auswirkung auf die Menschen, was f\u00fcr mich am bedr\u00fcckendsten war. Es war wirklich beeindruckend, eine Stadt zu sehen, in der seit 30 Jahren kein Leben mehr ist, wie die Natur die Stadt einnimmt und wie sie immer mehr zerf\u00e4llt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich diesen Ausflug mitgenommen habe, auch wenn es ziemlich teuer war. Aber wenn man schon einmal f\u00fcr eine etwas l\u00e4ngere Zeit in Kiew ist, lohnt es sich, dieses Erlebnis mitzunehmen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\"><b>Donnerstag:<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Donnerstag war schon der letzte Tag zusammen mit Marlene. Wir sind mit der ber\u00fchmten Seilbahn, die als Metro genutzt wird, gefahren, waren in einem Caf\u00e9, in dem wir einen \u00fcberteuerten Kaffee getrunken haben und ich habe endlich einen Elektroladen gefunden, wo ich einen USB-Stick kaufen konnte:)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Danach habe ich mich nochmal alleine auf dem Weg gemacht. Ich habe den Turm der Sophienkathedrale bestiegen. Leider war das Wetter, wie die restlichen Tage auch, nicht besonders gut, aber trotzdem hat es sich gelohnt, auch wenn der Ausblick nicht ganz so gut war.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Bei einem weiteren Besuch im Goethe-Institut habe ich am Andreassteig gleich noch ein paar Souvenirs gekauft. Der Andreassteig ist ein Weg von der Andreaskirche zum Ortsteil Podil, wo viele kleine St\u00e4nde mit Souvenirs stehen. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">In dem Einkaufszentrum konnte ich dann auch noch einige andere Sachen besorgen, die ich hier in Drohobytsch nicht so leicht bekomme.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Dann stand auch meine erste Nacht im Frauenschlaafsaal an (die Tage zuvor habe ich mir ein Zimmer mit Marlene geteilt). Zwar bin ich jedes Mal aufgewacht, wenn jemand ins Zimmer kam, was die Nacht \u00fcber einige Male vorkam, aber f\u00fcr zwei N\u00e4chte war es gar kein Problem.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\"><b>Freitag:<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Den Freitag habe ich mit Schaufenstershopping und im Caf\u00e9 lesen verbracht. Ich habe noch die letzten Sehensw\u00fcrdigkeiten wie den Marienpalast und die Wladimirkathedrale besichtigt. Am Marienpalast war Angela Merkel sogar einen Tag zuvor. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Durch ihren Besuch, der in der Ukraine mit gro\u00dfem Interesse verfolgt wurde, wird die Bedeutung, die das Verh\u00e4ltnis der beiden L\u00e4nder hat, deutlich. Die Ukraine legt Wert auf die Freundschaft zu Deutschland, um die N\u00e4he zum Westen und die EU voranzutreiben. Gerade in den Zeiten des Krimkonflikts und der gewaltsamen Auseinandersetzung im Osten der Ukraine sind die Kontakte zu westlichen Staaten f\u00fcr die ukrainische Staatsf\u00fchrung von Bedeutung.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Abends habe ich mich mit Freunden von meiner Gastschwester getroffen, die ich teilweise auch schon bei dem Ausflug in die Berge kennen gelernt habe. Wir waren zusammen essen und sind dann noch dem Dnipro entlang spaziert. Ein sehr sch\u00f6ner Abschied von meinem Kiewurlaub!<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\"><b>Samstag:<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Die R\u00fcckfahrt war etwas anstrengender als die Hinfahrt. Weil ich nicht nachts fahren wollte, musste ich den Zug um 7 Uhr morgens ab Kiew nehmen. Da unser Hostel direkt am Maidan lag, war die Fahrt zum Bahnhof kein Problem. Dort ankommen habe ich nach einer kurzen Suche auch meinen Zug am Anzeigebrett gefunden, das Gleis stand aber nicht dort angeschrieben. Nachdem ich erfolglos ein paar Leute angesprochen hatte, bin ich zur Reiseauskunft gegangen mit recht wenig Hoffnung, dass dort Englisch gesprochen wird. Vor mir stand gl\u00fccklicherweise ein P\u00e4rchen, dass, wie ich auf ihrem Ticket sehen konnte, ebenfalls nach Lviv wollten und dieselbe Frage hatten wie ich (sch\u00e4tze ich zumindest). Also bin ich ihnen einfach gefolgt und stand tats\u00e4chlich am richtigen Gleis. Die Zugfahrt war sehr angenehm, diesmal habe ich meinen Platz auch beim ersten Versuch gefunden. In Lviv angekommen musste ich wieder mit dem Bus oder Zug zur\u00fcck nach Drohobytsch. Der Zug fuhr erst am sp\u00e4ten Nachmittag und brauchte fast doppelt so lange wie der Bus, kostete daf\u00fcr aber auch weniger als die H\u00e4lfte. Aber weil ich schon so kaputt war, entschied ich mich f\u00fcr den Bus. Aber einen Busparkplatz wie in Deutschland gibt es hier nicht. F\u00fcr mich standen die Busse kreuz und quer und haben willk\u00fcrlich geparkt. F\u00fcr die Einheimischen ist da bestimmt ein System hinter, aber ich hatte gar keinen \u00dcberblick. Die Frau an der Auskunft konnte mir zumindest sagen, auf welcher Seite vom Bahnhof der Bus abfahren sollte. Einige Zeit sp\u00e4ter stand dort auch ein Bus mit der Aufschrift Drohobytsch.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Eigentlich kauft man die Tickets immer im Bus, so wurde es mir zumindest gesagt, diesmal sollte ich sie aber an einer Kasse im Bahnhof kaufen. Bis ich das verstanden und herausgefunden habe&#8230;<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Danach musste ich noch aber eine Stunde im Bus warten, der Busfahrer hat wohl seine Mittagspause gemacht. Aber durch meine fehlenden Ukrainisch-Kenntnisse sa\u00df ich die Stunde ziemlich ahnungslos im Bus.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Ich habe schon geh\u00f6rt, dass die Busfahrer pro Fahrgast verdienen und deshalb nat\u00fcrlich m\u00f6glichst viele Leute mitnehmen m\u00f6chten. So wurde die erste halbe Stunde alle 5 Minuten angehalten um weitere Fahrg\u00e4ste mitzunehmen. Der Bus war mittlerweile total \u00fcberf\u00fcllt, es wurde immer enger und hei\u00dfer, aber ich hatte zum Gl\u00fcck einen Sitzplatz. Trotzdem war es ziemlich anstrengend. Meine Freude auf eine Dusche und gekochtes Essen in meinem ukrainischem Zuhause wuchs dementsprechend immer mehr.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Am Ende bin ich sp\u00e4ter als geplant zu Hause angekommen, aber umso gl\u00fccklicher war ich, als ich mein eigenes Bett wieder hatte. Hinter mir liegt nun eine sehr anstrengende, aber mindestens genauso sch\u00f6ne Woche mit ganz vielen neuen Erfahrungen und Eindr\u00fccken.<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang Oktober hatte ich mein Zugticket nach Kiew gebucht, damals war das alles noch so weit hin, jetzt ist das auch schon wieder vorbei. Es war eine sehr tolle, erlebnisreiche und spannende Zeit in der Hauptstadt der Ukraine. 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