{"id":221,"date":"2018-10-24T21:30:11","date_gmt":"2018-10-24T19:30:11","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/fernwehstillerukraine\/?p=221"},"modified":"2018-12-12T18:43:33","modified_gmt":"2018-12-12T17:43:33","slug":"wie-schnell-die-zeit-vergeht-und-was-ich-schon-so-gelernt-habe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/fernwehstillerukraine\/2018\/10\/24\/wie-schnell-die-zeit-vergeht-und-was-ich-schon-so-gelernt-habe\/","title":{"rendered":"Wie schnell die Zeit vergeht"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Man merkt schon daran, dass ich seltener einen Blogeintrag \u00fcber neue Erlebnisse schreibe, dass ich so langsam wirklich angekommen bin. Das bin ich nat\u00fcrlich auch schon fr\u00fcher, nicht erst nach sechs Wochen, aber mittlerweile gibt es in meinen Alltag immer weniger Situationen, die mich verwundern, die ich dann in dem Blog hier teilen k\u00f6nnte. Wobei das auch wiederum nicht ganz stimmt. Besonders in der Schule gibt es noch viele, kleine Situationen, die in Deutschland so auf keinen Fall vorkommen und die mich verwundern, genauso wie in der Stadt oder bei Gespr\u00e4chen. Aber die Situationen oder Erlebnisse sind halt nicht mehr so \u201eau\u00dfergew\u00f6hnlich oder besonders\u201c wie am Anfang.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Das hei\u00dft aber nat\u00fcrlich nicht, dass mein Leben hier langweilig ist und ich nichts erlebe, aber ich bin, glaube ich, einfach an dem Punkt angekommen, wo meine Tage genauso aufregend oder halt weniger aufregend sind wie zu Hause in Deutschland. Mit dem kleinen Unterschied, dass ich eben nicht in Deutschland bin, sondern in der Ukraine. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Und das muss ich mir auch immer wieder bewusst machen, wenn ich nach der Schule nichts mehr unternommen habe. Dann bekomme ich schnell das Gef\u00fchl, die Zeit hier im Ausland nicht so auszunutzen, wie ich es k\u00f6nnte. Aber unter der Woche sind vor allem die Sch\u00fclerInnen, aber auch die Studenten einfach besch\u00e4ftigt, und schlie\u00dflich soll ich ja das Leben in der Ukraine miterleben, da geh\u00f6rt es dann wahrscheinlich dazu, dass man sich unter der Woche oft nicht verabredet. In Deutschland ist das ja auch nicht anders, aber hier habe ich halt mehr freie Zeit als zu Hause und als die anderen hier. Und das sollte mich dann nicht davon abhalten die freie Zeit, die ich dann eben alleine verbringen muss, zu genie\u00dfen, auch wenn nicht immer etwas besonderes passiert. So viel freie Zeit werde ich wahrscheinlich die n\u00e4chsten Jahre nie wieder haben.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Es gibt gute Tage und auch Tage, die weniger gut laufen. Tage, an denen ich im str\u00f6menden Regen nach Hause laufen muss (das ist hier tats\u00e4chlich etwas anderes als in Deutschland, durch die vielen Schlagl\u00f6chern auf den B\u00fcrgersteigen und den teilweise nicht asphaltierten Wegen wird der Schulweg zum \u201eParkourlauf\u201c, meine hellen Schuhe sind mittlerweile dunkel grau\/braun geworden). Zu Hause angekommen, ich habe mich schon total auf einen Tee und etwas Warmes zu essen gefreut, bemerkte ich, dass der Strom ausgefallen ist. Also sitze ich mehr oder weniger im Dunklen in meinem Zimmer, da das Tageslicht, besonders wenn drau\u00dfen kein gutes Wetter ist, bei weitem nicht ausreicht. Ein Vorteil hatte das ganze aber: Da auch das WLAN nicht funktioniert hat, hab ich die Zeit einfach (gezwungenerma\u00dfen) f\u00fcr die Dinge genutzt, die ich vor mir her geschoben habe.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Ich musste dann noch einmal im str\u00f6menden Regen zur Schule und zur\u00fcck, um im Endeffekt nichts im Unterricht machen zu k\u00f6nnen, weil die Klassen zusammengelegt wurden und eine Stillarbeit schreiben mussten. Aber auch hier h\u00e4tte ich am Anfang davon totales Heimweh bekommen, was ich am Anfang immer bekommen habe wenn etwas schlecht gelaufen ist, und h\u00e4tte mich den Rest des Tages dar\u00fcber ge\u00e4rgert. Diesmal war ich zwar etwas schlecht gelaunt, aber habe mich ziemlich schnell damit abgefunden, es abgehackt und versucht noch das beste aus dem Tag zu machen, was auch nicht ganz funktioniert hat. Auch das zeigt mir wieder, dass die Anfangszeit, die teilweise schon echt hart war, etwas gebracht hat, ich gelernt habe und daran gewachsen bin. Somit hatte der Tag dann doch wenigstens etwas Gutes.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Da ich keine Lust hatte bei dem Wetter im Stadion zu trainieren, habe ich mich dazu entschieden, einfach mal das Schwimmbad auszuprobieren, das ganz in der N\u00e4he von meinem Zuhause liegt. Das Schwimmbad befindet sich in einem Sportzentrum, sodass ich, als ich hineingegangen bin, in einer gro\u00dfen Halle stand und gar keinen \u00dcberblick hatte. Nach kurzer Orientierungslosigkeit habe ich auf meinem Handy \u201eIch m\u00f6chte Schwimmen gehen\u201c \u00fcbersetzten lassen und einer Frau am Schreibtisch gezeigt. Sie hat mir dann einen Zettel geschrieben mit der Uhrzeit und dem Preis. Und sie hat mit Pantomime dargestellt, dass ich eine Schwimmkappe brauche. Damit war dann auch klar, dass das in den n\u00e4chsten Tagen nichts wird mit dem Schwimmen, denn an eine Schwimmkappe habe ich in Deutschland nat\u00fcrlich nicht gedacht. Danach hat sie noch einige Minuten auf ukrainisch irgendetwas erz\u00e4hlt, obwohl ja eigentlich klar war, dass ich nichts verstehe&#8230; Ich habe gel\u00e4chelt und genickt. Vor einem Monat w\u00e4re ich glaube ich, als ich gesehen h\u00e4tte, dass das Schwimmen gehen doch etwas komplizierter ist, einfach wieder nach Hause gegangen. Dass ich ohne \u00dcberlegen einfach auf fremde Leute zu gehe ohne die Sprache zu k\u00f6nnen, ist eigentlich echt ungew\u00f6hnlich f\u00fcr mich, aber in der Situation habe ich \u00fcberhaupt nicht dar\u00fcber nachgedacht, sondern wollte einfach nur wissen, wo ich schwimmen kann. Da war ich selbst etwas \u00fcberrascht von mir:)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Ich bin zwar in Deutschland immer mit dem Fahrrad zur Schule gefahren und das auch oft im Regen, aber zum einen ist meine Schulzeit mittlerweile auch schon etwas her (zumindest ist seitdem viel passiert) und zum anderen gab es in meinem letzten Schuljahr genug Freunde, die schon 18 waren und uns mit dem Auto zur Schule fahren konnten wenn es geregnet hat. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Hier in der Stadt mache ich alles zu Fu\u00df. Busse fahren zwar, aber meistens bin ich zu Fu\u00df schneller und eigentlich gehe ich auch sehr gerne zu Fu\u00df. Da ich hier alles ganz gut erreichen kann, macht mir das grunds\u00e4tzlich eigentlich gar nichts aus. Aber beim Einkaufen im Supermarkt, fr\u00fch morgens zum Bahnhof gehen zu m\u00fcssen, das beides relativ au\u00dferhalb liegen, oder wenn das Wetter mal richtig schlecht ist, vermisse ich schon ein bisschen das Auto. Mir war auch schon vorher bewusst, was es f\u00fcr ein Luxus ist, entweder gefahren zu werden oder seit ich 18 bin selbst zu fahren. Trotzdem wird mir das hier nochmal richtig bewusst, was eben die Konsequenzen sind, wenn man wirklich alles zu Fu\u00df machen muss. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">In der Schule ist es f\u00fcr mich im Moment sehr entspannt. Viele Lehrer sind auf Seminaren oder in Deutschland, sodass viel Unterricht ausf\u00e4llt oder zusammengelegt wird, in den Stunden kann ich dann meistens nicht viel machen. Das genie\u00dfe ich gerade, nach der Schule viel freie Zeit zu haben und in der Schule auch nicht so aktiv sein zu m\u00fcssen. Aber das sollte nat\u00fcrlich kein Dauerzustand werden, aber eine Woche ist da mal ganz angenehm. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Nach den Herbstferien, die n\u00e4chste Woche beginnen, bin ich noch zwei Wochen an der Schule, bis es f\u00fcr mich zum Zwischenseminar in einen Nachbarort geht. Danach finden die DSD-Pr\u00fcfungen statt, in denen ich auch eingespannt sein werde, dementsprechend werden die Wochen bestimmt schnell herum gehen. Weniger als vier Wochen sind es dann noch nach dem Zwischenseminar bis ich f\u00fcr eine Woche \u00fcber Weihnachten nach Hause fliege. Bis fast Mitte Januar sind an meiner Schule Winterferien, sodass ich noch knapp sechs Wochen an der Schule bin bis es f\u00fcr mich zum Nachbereitungsseminar nach Berlin geht. Mir war von Anfang an klar, dass ich nur sechs Monate gehen werde, und damit bin ich auch weiterhin aus verschieden Gr\u00fcnde zufrieden, aber dass meine Zeit hier irgendwie schon so \u201egez\u00e4hlt\u201c ist, hat mich dann schon sehr schockiert, als mir das in den letzten Tagen bewusst wurde. Aber umso mehr sollte ich die Zeit hier einfach genie\u00dfen und nicht so viel dar\u00fcber nachdenken, was ich vielleicht gerade falsch mache oder besser machen k\u00f6nnte. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Ich zweifel manchmal, ob ich in der Schule wirklich all das mache, was meine Aufgaben sind, ob die Lehrer zufrieden mit mir sind, ob ich andere oder mehr Sachen machen sollte. Aber ich hoffe und gehe auch davon aus, dass die Lehrerinnen sich bestimmt bei mir melden, wenn ich etwas anders machen soll. Ich kann ja auch nur aus \u201emeinem Gef\u00fchl\u201c heraus handeln, konkret wurde uns ja nie gesagt, was wir an den Schule machen m\u00fcssen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Auch an dem Wetter wird immer jeden Tag bewusst, wie schnell die Zeit hier vergeht. Als ich angekommen bin, war noch alles gr\u00fcn und warm. Vor ein paar Wochen waren die B\u00e4ume dann voller oranger Bl\u00e4tter, und die Temperatur war noch recht sommerlich. Mittlerweile sind die B\u00e4ume kahl, es regnet immer \u00f6fters, es gibt immer weniger warme Tage. Aber im Moment finde ich das kalte Wetter nach den langen und sehr hei\u00dfen Sommermonaten richtig sch\u00f6n, mal sehen wie lange das anh\u00e4lt. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Ich habe sowohl im Internet gelesen als auch von den Leuten hier geh\u00f6rt, dass es im Winter teilweise bis zu -20 Grad kalt wird. Aber trotzdem habe ich nicht damit gerechnet, dass es Ende Oktober anf\u00e4ngt zu schneien. Das war selbst f\u00fcr die Sch\u00fclerInnen eine \u00dcberraschung, die haben sich aber \u00fcber den Schnee total gefreut, ich etwas weniger. Der Schnee ist aber mittlerweile wieder geschmolzen, das Wetter ist zwar nicht unbedingt besser, aber das wird sich in den n\u00e4chsten Monaten wahrscheinlich auch erst mal nicht \u00e4ndern.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">F\u00fcr mich geht es jetzt zu meiner ersten Reise, die ich wirklich alleine mache. Wobei ganz alleine bin ich wiederum auch nicht, weil ich in Kiew ein paar andere Freiwillige treffen werde. Ich freue mich schon riesig und bin gespannt, was mich erwartet.<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man merkt schon daran, dass ich seltener einen Blogeintrag \u00fcber neue Erlebnisse schreibe, dass ich so langsam wirklich angekommen bin. 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