{"id":196,"date":"2018-10-18T17:12:23","date_gmt":"2018-10-18T15:12:23","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/fernwehstillerukraine\/?p=196"},"modified":"2018-10-18T17:12:23","modified_gmt":"2018-10-18T15:12:23","slug":"mein-leben-hier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/fernwehstillerukraine\/2018\/10\/18\/mein-leben-hier\/","title":{"rendered":"Mein Leben hier"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">\u00dcber einen Monat bin ich nun hier in Drohobytsch und mittlerweile hat sich alles mehr oder weniger eingespielt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Die Schule beginnt um halb neun, ich verlasse das Haus um circa 10 nach acht und brauche, je nachdem wie schnell ich gehe, 15 Minuten zur Schule. Das ist echt total angenehm, genug Zeit um wach zu werden, seine Gedanken zu sortieren und nach der Schule schon etwas entspannen zu k\u00f6nnen. Ich bin auch sehr froh, dass ich bei meiner \u201eGastfamilie\u201c gelandet bin, sie besteht ja quasi nur aus der Mutter. Als ich erfahren habe, dass ich nur mit der Mutter zusammen wohnen werde, war ich schon entt\u00e4uscht und habe noch versucht, eine andere M\u00f6glichkeit zu finden. Im Endeffekt bin ich sehr zufrieden hier. Meine Gastmutter ist sehr selten zu Hause, bzw. zu anderen Zeiten als ich. Wir sehen uns meistens nur Abends kurz. Durch das Sprachproblem reden wir auch nicht viel, nur das n\u00f6tigste wird \u00fcber Google \u00dcbersetzter gekl\u00e4rt, was ich zwar sehr schade finde, aber eine wirkliche Alternative gibt es auch nicht. Ich kann, wann immer ich will kochen oder meine W\u00e4sche waschen. Ich habe also die selben Freiheiten wie in einer eigenen Wohnung. Und dass ich Weihnachten mit meiner Gastfamilie feiern kann und so die ukrainischen Traditionen aus erster Hand miterlebe, finde ich besonders toll.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Mein Schultag endet meistens zwischen 14 und 15 Uhr. Dann esse ich zu Hause etwas (das Essen in der Schulmensa versuche ich so oft wie es geht zu vermeiden) und gehe meistens trainieren. Danach treffe ich ich entweder mit \u201eFreunden\u201c in der Stadt und wir gehen Essen oder Spazieren. Oder ich gehe alleine nochmal durch die Stadt oder einkaufen. Jetzt wo es noch l\u00e4nger hell ist und das Wetter so sch\u00f6n ist, m\u00f6chte noch so viel wie m\u00f6glich drau\u00dfen sein. Danach bereite ich die Unterrichtsstunden vor und mache noch verschiedene Dinge, die so anfallen. Insgesamt habe ich nat\u00fcrlich viel Freizeit, aber im Moment bin ich mit so vielen anderen Dingen ziemlich besch\u00e4ftigt, was nat\u00fcrlich sehr sch\u00f6n ist. Mal nichts zu tun zu haben hatte ich lange nicht mehr. Aber die Zeiten kommen bestimmt auch wieder. Eigentlich ganz witzig, wenn ich \u00fcberlege, dass ich vor drei Wochen noch so Angst hatte, keine Besch\u00e4ftigungen zu finden. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">In der Schule spielt sich alles immer mehr ein. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Am Anfang hatte ich ja Zweifel, ob ich mich \u00fcberhaupt einbringen kann, weil der Unterricht ja so durch getaktet ist. Das hat sich aber als falsch dargestellt. Die Lehrer nehmen mein Angebot etwas vorzubereiten immer an, und lassen mir so viel Zeit, wie ich brauche. In der zweiten H\u00e4lfte langweile ich mich dann schon ziemlich, da werde ich kaum gebraucht, aber schlie\u00dflich habe ich vor 3 Wochen noch gar nichts im Unterricht gemacht, und jetzt sind es 20 Minuten. Mit der Zeit kann ich bestimmt auch mehr Zeit in Anspruch nehmen, aber da ich gerade noch ausprobiere, was gut funktioniert, bzw. auch noch viel Zeit f\u00fcr die Vorbereitungen brauche, bin ich ganz froh, erst mal nur die erste H\u00e4lfte planen zu m\u00fcssen, auch wenn ich mich dann langweilen muss.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Manche Aufgaben laufen nicht so gut, oder nicht wie vorgestellt, aber die Sch\u00fclerInnen merken das meistens gar nicht und die Lehrer sind bis jetzt auch immer zufrieden, auch wenn es nicht ganz funktioniert hat, also zu schwer\/leicht oder zu chaotisch war. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Ich glaube, sie wollen einfach, dass die Sch\u00fclerInnen Muttersprachler h\u00f6ren k\u00f6nnen und mal etwas anderes machen, als den gew\u00f6hnlichen Unterricht. Aber ich habe jetzt schon ein besseres Gef\u00fchl, was in der Praxis leichter umzusetzen ist und was nicht. Arbeitsbl\u00e4tter klappen eigentlich immer, sind daf\u00fcr aber nicht besonders aufregend. Kleine Spiele und kreativer Aufgaben machen meistens den Sch\u00fclerInnen mehr Spa\u00df, aber das kann daf\u00fcr auch manchmal ganz sch\u00f6n chaotisch werden. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Was das angeht, brauche ich aber einfach noch ein bisschen Zeit, was aber glaube ich normal ist, schlie\u00dflich habe ich das vorher alles noch nie gemacht. Aber wie schon erw\u00e4hnt, die Lehrer sind sehr gelassen, geben mir Tipps, aber erheben wenig Anspr\u00fcche. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Bei meinem Projekt l\u00e4uft es leider nicht so gut. Wie schon erwartet, gab es wenig bis kein Interesse, was ich mir schon fast gedacht habe. Ich h\u00e4tte in der 10.Klasse auch keine Lust gehabt, an einer Art Lese-AG teilzunehmen. Ich habe extra die Sch\u00fclerinnen an die bevorstehende DSD-Pr\u00fcfung erinnert, und dass es eine super Vorbereitung w\u00e4re, aber in der 10. Klasse kann ich noch so viel machen, da ist einer gelangweilter als der andere. Am Anfang habe ich das noch pers\u00f6nlich genommen, aber bei meine Vortr\u00e4gen sind sie genauso drauf, wie beim restlichen Deutschunterricht auch.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Beim Vorbereitungsseminar wurde uns einmal gesagt, dass wir w\u00e4hrend dem FSJ mehr mitnehmen, als wir geben. Und dieses Gef\u00fchl habe ich im Moment sehr stark. Wenn ich eine Aufgabe in der Klasse mache, frage ich mich jedes Mal, warum sie mich daf\u00fcr jetzt brauchen. Die Lehrerinnen sind nat\u00fcrlich immer in der Klasse, in den j\u00fcngeren Stufen m\u00fcssen sie ab und zu \u00fcbersetzten. Die Arbeitsbl\u00e4tter, die ich selber mache oder aus dem Internet suche, gibt es so in der Art auch in dem Arbeitsbuch der Sch\u00fclerInnen. Und auch die anderen Sachen k\u00f6nnten ohne Probleme die Lehrerinnen machen, bzw. eigentlich machen sie es auch, nur jetzt, wo ich da bin, \u00fcbernehme ich es halt. Nat\u00fcrlich ist der Aspekt, dass ich Muttersprachler bin, ein Grund, warum ich dann doch \u201ehilfreich\u201c bin, aber trotzdem f\u00fchle ich mich etwas \u201enutzlos\u201c. Das liegt aber nicht unbedingt daran, dass ich zu wenig Arbeit habe. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">An den Kindern verzweifel ich echt manchmal. Entweder sie k\u00f6nnen mich wirklich nicht verstehen, egal wie langsam und oft ich es ihnen versuche zu erkl\u00e4ren, oder sie sind zu unkonzentriert, beides kommt vor. In den j\u00fcngeren Klassen ist es einfach schwer nur auf Deutsch zu kommunizieren, da brauche ich fast immer noch die Lehrerin, die \u00e4lteren Sch\u00fclerInnen sind teilweise so gelangweilt oder unmotiviert, dass ich mir da auch dumm vorkomme. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">So ganz erf\u00fcllt mich die Arbeit deswegen leider nicht.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Aber das ist am Ende wirklich nur eine Kleinigkeit, ansonsten habe ich es an meiner Schule glaube ich echt gut angetroffen, ich bin froh immer mehr machen zu k\u00f6nnen und f\u00fcr ein paar Monate ist die Arbeit f\u00fcr mich auch in Ordnung. Ich muss einfach akzeptieren, dass ich nicht viel \u201ever\u00e4ndern\u201c kann. Die 10. Kl\u00e4ssler bekommen nicht pl\u00f6tzlich Lust auch den Deutschunterricht und die 4. Kl\u00e4ssler werden nicht automatisch konzentrierter und verstehen alles auf Deutsch.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Ich unternehme immer mehr mit den Deutschstudentinnen, da habe ich viele Kommilitoninnen kennen gelernt. Wir waren schon zusammen in Lviv und in Drohobytsch Kaffee trinken oder Sushi essen. Ich bin total froh, dass ich in dieser Gruppe so Anschluss gefunden habe, auch wenn es bis jetzt noch sehr oberfl\u00e4chliche Gespr\u00e4che sind. Sie schreiben gerade alle ihren Master, sind nat\u00fcrlich auch deutlich \u00e4lter als ich, aber ich verstehe mich mit allen trotzdem sehr gut. Da bin ich auch gespannt, wie sich das in den n\u00e4chsten Monaten entwickelt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Ich war auch noch mit anderen 11. Kl\u00e4sslern in der Stadt, die, wer h\u00e4tte es gedacht, auch so wenig Zeit haben. Aber Samstags nachmittags\/abends treffen sich die meisten zum Spazieren gehen, da war ich die letzten Male dann auch dabei.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Richtige Freundschaften habe ich nat\u00fcrlich noch nicht geschlossen, aber in letzter Zeit kann ich mich auf jeden Fall nicht \u00fcber zu wenig sozialen Kontakten beschweren. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Ich habe mich ja schon damit abgefunden, mehr Zeit alleine zu verbringen, da war es fast schon ungewohnt die letzte Zeit wieder so viel mit anderen zu unternehmen. Aber nat\u00fcrlich freue ich ich total, dass ich immer neue Leute kennen lerne. Auch wenn es nur 2 Stunden in einem Caf\u00e9 oder w\u00e4hrend einem Spaziergang ist, die ich mit anderen zusammen verbringe, lerne ich immer mehr \u00fcber die Ukraine, die Gewohnheiten und \u00fcber die Menschen hier kennen, sodass die Treffen mein Bild jedes Fall erweitern. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Durch die fehlende Kommunikation muss ich dann etwas spontaner sein..<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Letztes Wochenende war ich zusammen mit anderen Abendessen. Ich bin ziemlich kaputt extra etwas fr\u00fcher nach Hause gekommen, um noch mit einer Freundin zu skypen und fr\u00fch ins Bett zu gehen. Daraus wurde leider nichts. Meine Gastmutter war das Wochenende \u00fcber bei ihrem Vater und hat am Sonntagabend Freunde eingeladen. Ganz selbstverst\u00e4ndlich wurde ich eingeladen Platz zu nehmen und bevor ich irgendetwas sagen konnte, wurde mir schon das Essen serviert. F\u00fcr mich gab es dann noch ein zweites Abendessen mit selbstgemachten Wein von meinem \u201eGastopa\u201c, Zartbitterschokolade, die ich schon echt vermisst habe, und Vanilleeis mit Kaffee. Den Kaffee gab es aber nicht dazu, sondern er wurde \u00fcber das Eis gesch\u00fcttet, vielleicht war das die ukrainische Form vom Eiskaffee.. Aus dem Skypen und fr\u00fch ins Bett gehen wurde dann eben nichts mehr. Aber auch wenn ich nat\u00fcrlich nicht viel verstanden habe, war es ein echt sch\u00f6ner Abend mit gutem Essen und ein paar Mal mitlachen konnte ich auch so:)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Und meinen ersten kleinen Erfolg beim Sprachen lernen hatte ich auch. Als ich abends gelesen habe und ein unbekanntest Wort gelesen habe, habe ich es automatisch nach dem kyrillischen Alphabet gelesen. Erst etwas sp\u00e4ter habe ich gemerkt, dass es kein wirklichen Sinn ergibt und habe mich dann gleich gefreut. Das zeigt zumindest, dass ich in der letzten Zeit ukrainisch gelernt habe.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Und ich wundere mich mittlerweile auch nicht mehr, wenn sich ein Hund im Supermarkt verwirrt hat, es aber keinen interessiert. Oder wenn die Sch\u00fclerInnen in der 11. Klasse einfach mitten im Unterricht gehen, weil sie zur Nachhilfe m\u00fcssen. Hier wird die Nachhilfe als wichtiger angesehen als der Unterricht selbst.<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber einen Monat bin ich nun hier in Drohobytsch und mittlerweile hat sich alles mehr oder weniger eingespielt. 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