{"id":168,"date":"2018-10-12T19:38:24","date_gmt":"2018-10-12T17:38:24","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/fernwehstillerukraine\/?p=168"},"modified":"2018-10-13T15:26:17","modified_gmt":"2018-10-13T13:26:17","slug":"erster-monat-voller-gefuehlschaos-und-kleinen-erfolgserlebnissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/fernwehstillerukraine\/2018\/10\/12\/erster-monat-voller-gefuehlschaos-und-kleinen-erfolgserlebnissen\/","title":{"rendered":"Erster Monat voller Gef\u00fchlschaos und kleinen Erfolgserlebnissen"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">\u00dcber einen Monat ist es her, dass ich von K\u00f6ln mit dem Zug nach Berlin zum Vorbereitungsseminar gefahren bin. Es f\u00fchlt sich so an, als w\u00e4re es schon mehrere Monate her, so viel habe ich seitdem erlebt. Schon die 10 Tage Vorbereitungsseminar waren f\u00fcr mich sehr intensiv, so wirklich Zeit, das alles zu verarbeiten, hatte ich gar nicht. Die zwei Tage zu Hause habe ich mit Packen und &#8222;Tsch\u00fcss-sagen&#8220; verbracht. Auch wenn ich nach zwei Wochen in der Ukraine das Gef\u00fchl hatte angekommen zu sein, hei\u00dft das nicht, dass die Zeit danach weniger intensiv f\u00fcr mich war oder ich Zeit hatte, das Erlebte Revue passieren zu lassen. Im Gegenteil, ich habe fast das Gef\u00fchl, jetzt do man sich hier eingelebt und die ersten sozialen Kontakte gekn\u00fcpft hat, wird die Zeit erst richtig intensiv f\u00fcr einen. Die ersten Tage mit den vielen neuen Eindr\u00fccken kann man mit einem Urlaub in einem neuen Land vergleichen. Erst wenn das Leben an dem Ort nicht mehr so \u201ebesonders\u201c oder aufregend ist wie am Anfang, kann man etwas besser nachvollziehen, wie es ist in dem Land zu leben. Und all die kleinen Eindr\u00fccke, die man w\u00e4hrend einer Unterrichtsstunde, eines Gespr\u00e4ches oder beim Spazierengehen macht, ver\u00e4ndern und erweitern das Bild auf die Stadt und das Land. Und dann kommen auch, wie in einem \u00e4lteren Post schon angesprochen, die Probleme, die in der ersten Zeit noch so weit weg sind. Die letzten Wochen waren f\u00fcr mich ein totales Gef\u00fchlschaos, die kleinste Ver\u00e4nderung konnte meine Stimmung komplett \u00e4ndern.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Die letzten Wochen waren f\u00fcr mich nicht immer leicht, aber mittlerweile wei\u00df ich, was mir gut tut bzw. was bei mir schnell das Heimweh hervorruft. In den letzten Wochen habe ich oft, wenn ich nach der Schule nach Hause gekommen bin, gemerkt, wie die Einsamkeit in mir aufsteigt. Mittlerweile habe ich aber gelernt, damit klar zu kommen bzw. habe Wege gefunden, dass es gar nicht erst so weit kommt. Nachdem ich mich etwas ausgeruht habe und schon mal etwas f\u00fcr die n\u00e4chsten Tage vorbereitet habe, gehe ich trainieren, und danach noch in der Stadt spazieren. Da ist immer etwas los, sodass ich oft einfach nur herum laufe und die anderen Leute beobachte. Und ich habe mich auch damit abgefunden, viel Zeit mit mir selber zu verbringen, womit ich eigentlich nie ein Problem hatte. Aber wenn man im Ausland ist, hat man die Erwartung oder den Wunsch immer etwas zu unternehmen oder mit anderen unterwegs zu sein. Aber auch diese Erwartungen habe ich versucht etwas \u201eabzusch\u00fctteln\u201c, denn dann macht mir das Alleinsein auch gar nicht mehr so viel aus.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Auch wenn ich zu Hause an vielen Wochenenden nichts unternommen habe und vielleicht die ganze Zeit zu Hause war, kann die Vorstellung so ein Wochenende hier verbringen zu m\u00fcssen, einen ganz sch\u00f6n fertig machen. Da ich diese Erfahrung jetzt schon einige Male gemacht habe, habe ich mir beim letzten Wochenende vorgenommen, einfach die Leute zu fragen, ob sie nicht doch etwas Zeit haben. Geplant war dann zusammen in die Nachbarstadt zu fahren, die ein ber\u00fchmter Kurort in der Ukraine sein soll. Sonntags morgens wurde mir dann trotzdem spontan abgesagt. Aber diesmal bin ich einfach wie unter der Woche auch spazieren gegangen, habe mir nochmal eine f\u00fcr die Stadt ber\u00fchmte Kirche angeschaut, und habe mich auf eine Bank am Marktplatz gesetzt und die Sonne genossen. Und dann haben mich sowohl am Samstag als auch am Sonntag auch noch Ukrainer gefragt, ob ich nicht noch mit ihnen spazieren gehen m\u00f6chte. Manchmal l\u00e4uft es zwar anders als geplant, aber am Ende habe ich doch noch das beste aus den Tagen gemacht. Das hat mir gezeigt, nicht gleich zu verzweifeln, wenn mal etwas nicht wie geplant l\u00e4uft, ob man etwas daf\u00fcr kann oder nicht. Am Ende gab es auch immer noch genug andere M\u00f6glichkeiten, wie ich den Tag gut verbringen konnte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Auch in der Stadt oder im allt\u00e4glichen Leben werde ich so langsam etwas \u201eaktiver\u201c. Ich bestelle trotz meiner fehlenden ukrainisch-Kenntnisse einen \u201eKaffee to go\u201c, lasse das Obst und Gem\u00fcse einfach von den Verk\u00e4uferinnen abwiegen, da bei vielen Obstsorten kein Name draufsteht und ich dementsprechend beim Wiegen nicht wei\u00df, welchen Knopf ich dr\u00fccken muss. Die Verk\u00e4uferInnen in meinem \u201eStammsupermarkt\u201c wissen mittlerweile auch, dass ich sie nicht verstehe und fragen mich gar nicht mehr, ob ich das Geld auch passend habe. Da ich meistens nicht sehe, wie viel ich bezahlen muss, und es auch nicht verstehe, bezahle ich immer mit einem 200er Schein (umgerechnet 6\u20ac). In der Schulmensa mache ich es genau anders herum. Da gibt es verschiedene Mittagsmen\u00fcs, von denen man sich beim Bezahlen am Anfang eines ausw\u00e4hlen kann. Da halte ich immer meinen 20iger Schein hin, was mittlerweile auch fast reibungslos abl\u00e4uft.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Mein Handyguthaben musste auch neu aufgeladen werden. Da ich es immer vor mir hergeschoben habe, musste ich es am Ende einen Tag vorher alleine machen, obwohl es vorher bestimmt gen\u00fcgend Situationen gegeben h\u00e4tte, in denen mir jemand geholfen h\u00e4tte. Nach einigen Versuchen hat das aber (glaube ich) auch funktioniert, meine Flat funktioniert zumindest noch..<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Und noch ein Update zu meiner Arbeit in der Schule:<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Mit meiner Schulleiterin komme ich immer besser zurecht. Sie fragt immer nach, ob es mir gut geht, was mir wiederum ein gutes Gef\u00fchl gibt zu wissen, dass nicht nur auf meine Arbeit sondern auch auf mein Wohlbefinden geachtet wird. Im Vorbereitungsseminar wurde uns gesagt, die erste Zeit nur zu beobachten und nicht zu bewerten. Wahrscheinlich habe ich die Schulleiterin zu schnell in eine Schublade gesteckt ohne lang genug zu beobachten. Aber gerade wenn man sich pers\u00f6nlich angegriffen oder \u201efalsch\u201c behandelt f\u00fchlt, passiert es so schnell, den Menschen durch diese Situation dann zu verallgemeinern und ihm gleich keine Chance mehr zu geben. Nat\u00fcrlich werde ich bestimmt auch noch die ein oder andere unsch\u00f6ne Situation im Zusammenhang mit der Schulleiterin erleben, trotzdem sollte mich mein zu schnelles Bild, was ich mir von ihr gemacht habe, nochmal \u00fcberdenken. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Ich habe angefangen, den Lehrern einfach zu sagen, dass ich n\u00e4chste Stunde etwas vorbereiten werde. Anfangs f\u00e4llt mir zu Hause auch meistens nichts ein, aber bis jetzt habe ich immer noch irgendeine Idee bekommen. Aber da habe ich auch etwas meinen eigenen Anspruch heruntergefahren. Ich muss ja nicht unbedingt \u201edas Rad neu erfinden\u201c, das hei\u00dft wenn mir nicht wirklich etwas Kreatives einf\u00e4llt, mache ich einfach eine \u00dcbung, die so in der Art auch schon mal im Unterricht gemacht wurde. Dann habe ich aber sowohl etwas zu Hause als auch in den Unterrichtstunden selbst zu tun und die Sch\u00fcler haben etwas Abwechslung. Also verbringe ich immer mehr Zeit zu Hause f\u00fcr die Unterrichtsvorbereitungen, sodass ich gar nicht mehr so viel freie Zeit habe. Vor den Unterrichtsstunden, in denen ich dann etwas vorbereitet habe, bin ich immer noch etwas aufgeregt, also ganz zum Alltag ist das noch nicht geworden. Aber je \u00f6fter ich vor der Klasse stehe, desto sicherer werde ich und desto besser kann ich einsch\u00e4tzen, wie gut die Sch\u00fclerInnen Deutsch k\u00f6nnen und was ihnen Spa\u00df macht. Teilweise verzweifel ich aber an Sch\u00fclern, die selbst die einfachsten Aufgaben nicht hinbekommen. In der vierten Klasse sollten sie eine von mir gestellte Aufgabe \u00fcber die Familie l\u00f6sen. Einige Sch\u00fcler haben dies in wenigen Minuten gel\u00f6st, andere sa\u00dfen Ewigkeiten an der Aufgabe und haben selbst mit meiner Hilfe nichts l\u00f6sen k\u00f6nnen. Gerade f\u00fcr mich als sehr ungeduldigem Menschen sind das immer sehr Nerven zerrei\u00dfende Minute:)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Manchmal habe ich das Gef\u00fchl, dass ich fast t\u00e4glich \u00fcber mich hinaus wachse. In der Schule gibt es oft Situationen, in denen ich im ersten Moment denke, das k\u00f6nne ich nie schaffen. Am Ende habe ich eigentlich alles ohne gr\u00f6\u00dfere Probleme hinbekommen, was mir nat\u00fcrlich Mut f\u00fcr die Zukunft gibt. F\u00fcr die Herbstferien habe ich Zugtickets nach Kiew gebucht. So richtig alleine verreist bin ich noch nie und dann gleich in einem Land, in dem man Sprache nicht wirklich kann. Aber auch das wird eine Situation sein, in der ich \u00fcber mich hinaus wachsen muss (und hoffentlich auch werde). <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Und was ich mir auch immer versuche bewusst zu machen: Die Riesenchance zu sehen, hier im Ausland zu leben, arbeiten zu d\u00fcrfen und dann auch noch zwischendurch reisen zu k\u00f6nnen. Und dankbar zu sein f\u00fcr die ganzen Dinge, die ich erleben darf, die in den letzten Wochen gut gelaufen sind, f\u00fcr die Riesenchance, die mir gegeben worden ist.<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber einen Monat ist es her, dass ich von K\u00f6ln mit dem Zug nach Berlin zum Vorbereitungsseminar gefahren bin. Es f\u00fchlt sich so an, als w\u00e4re es schon mehrere Monate her, so viel habe ich seitdem erlebt. 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