{"id":118,"date":"2018-10-04T19:57:50","date_gmt":"2018-10-04T17:57:50","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/fernwehstillerukraine\/?p=118"},"modified":"2018-10-10T20:29:18","modified_gmt":"2018-10-10T18:29:18","slug":"das-gehoert-leider-auch-dazu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/fernwehstillerukraine\/2018\/10\/04\/das-gehoert-leider-auch-dazu\/","title":{"rendered":"Das geh\u00f6rt eben auch dazu"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Calibri Light, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Die letzte Woche war f\u00fcr mich ganz sch\u00f6n intensiv. Starkes Heimweh, \u00dcberforderung, Unzufriedenheit mit meiner Situation und Selbstzweifel.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri Light, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Nachdem ich das Wochenende schon etwas Heimweh hatte, wurde das leider Anfang der Woche schlimmer. Aber nach drei Wochen ist es halt so, dass alles, was vorher so neu, aufregend und au\u00dfergew\u00f6hnlich war, mittlerweile \u201enormal\u201c und zum Alltag wird. Da fangen manche Sachen, die man am Anfang als total Aufregend wahrgenommen hat, an zu nerven. Man f\u00e4ngt an an zu Hause zu denken, zu vergleichen und zu dem Schluss zu kommen, dass zu Hause alles besser ist, was im Endeffekt nat\u00fcrlich gar nicht so ist. Und meistens auch gar nicht gewollt, f\u00e4ngt man an \u00fcber seine Entscheidung ins Ausland zu gehen zu zweifeln und w\u00fcnscht sich, einfach zu Hause geblieben zu sein. Und ich glaube, egal wie oft man schon im Ausland war, solche Situationen erlebt man immer wieder an einem neuen \u201eZuhause\u201c und werden bestimmt auch noch in den n\u00e4chsten Monaten wiederkommen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri Light, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Hier eine kleine Liste mit den Dingen, die in der letzten Woche passiert sind:<\/span><\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Calibri Light, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Joggen<\/span><\/span><\/strong><span style=\"font-family: Calibri Light, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\"><b>:<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri Light, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\"> Am Anfang fand ich es noch so sch\u00f6n durch die Stadt zu laufen und alles beim Joggen kennen zu lernen. Mittlerweile w\u00fcnsche ich mir echt einen normalen Feld oder Waldweg um einfach in Ruhe laufen zu k\u00f6nnen. Dauernd laufen mir Leute entgegen, die B\u00fcrgersteige sind zum Joggen sehr ungeeignet und wenn Hunde in der N\u00e4he sind, laufe ich immer langsamer und zu vermeiden, dass mir irgendein Hund hinterherl\u00e4uft.<\/span><\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Calibri Light, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\"><b>Flug<\/b><\/span><\/span><\/em><span style=\"font-family: Calibri Light, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\"><b>:<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri Light, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\"> Zum einen wurde mein R\u00fcckflug im Februar vor verschoben. Alle m\u00f6glichen Alternativen habe ich durch \u00fcberlegt, was Zeit und Kraft gekostet hat. Die Buchung f\u00fcr meine Fl\u00fcge \u00fcber Weihnachten waren auch ziemlich kompliziert. Das alles hat dazu gef\u00fchrt, dass ich viel an zu Hause gedacht habe und so manchmal sogar schon die Tage z\u00e4hle bis es nach Hause geht.<\/span><\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Calibri Light, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\"><b>Die Sache mit den Tieren<\/b><\/span><\/span><\/em><span style=\"font-family: Calibri Light, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\"><b>:<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri Light, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\"> Erst pinkelt ein Hund von einer Freundin meiner Gastmutter auf meinen Rucksack. Nach einer W\u00e4sche in der Waschmaschine war dieser auch wieder sauber, aber trotzdem echt nervig.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri Light, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Als ich zwei Tage alleine zu Hause war, lagert sich eine von den Katzen meiner Gastfamilie in einer Abstellkammer ein, bewegt sich kaum und isst nicht mehr. Da ich gar keine Ahnung von Tieren habe, hab ich mich an das Internet gewendet. Die ersten Betrage lauteten: \u201eWenn deine Katze stirbt.\u201c Also rief ich meinen Gastvater an, der einige Stra\u00dfen entfernt wohnt. Er kommt und die Katze springt auf. Einen ganzen Tag habe ich versucht, dass diese Katze sich bewegt!<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri Light, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Naja, sie wurde von einem Hund angegriffen und ist etwas krank, wie ich erfahren habe. Da ich vorher extra meine Gastschwester in Polen gefragt habe, ob sie etwas wei\u00df, was ich machen kann, und sie von dem Angriff wusste, mir aber nichts gesagt hatte, war nach der Aktion nicht gerade gut gelaunt. Wenigstens war ich dann beruhigt, und habe mir keine Sorgen mehr gemacht. Auch wenn meine Reaktion an dem Abend vom Gastvater nicht ganz ernst genommen wurde, im Eindefekt ist die Katze einige Tage sp\u00e4ter tats\u00e4chlich gestorben, also waren meine Sorgen doch nicht ganz unbegr\u00fcndet.<\/span><\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Calibri Light, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\"><b>Schule: <\/b><\/span><\/span><\/em><span style=\"font-family: Calibri Light, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">In einer 10. Klasse durfte ich zum ersten Mal einen kurzen Vortrag \u00fcber \u201eEr\u00f6rterung\u201c halten. Mein Plan ging gar nicht auf, da die Sch\u00fclerInnen so unmotiviert waren, dass ich am Ende einen Monolog gehalten hat. Auch da habe ich mir echt viel M\u00fche gegeben, aber zum einen muss ich glaub ich verstehen, dass die Sch\u00fclerInnen in der 10. Klasse einfach keine Lust auf Schule habe und ich daran auch nichts \u00e4ndern kann und zum anderen werde ich mit der Zeit bestimmt auch noch besser einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen, wie gut welche Klasse schon Deutsch kann und meine Aufgaben dementsprechend anpassen kann. Ansonsten sitze ich immer noch meistens hinten im Unterricht, was mich gar nicht erf\u00fcllt. Das habe ich mir wirklich anders vorgestellt. Klar, ich bin erst seit 3 Wochen hier und kann noch alles in die Hand nehmen und ansprechen, was ich in der n\u00e4chsten Woche auch auf jeden Fall machen werde.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri Light, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Erst diese Woche habe ich erfahren, dass nicht nur der \u201eTag der deutschen Einheit\u201c gefeiert wird, sondern auch \u201eWoche der deutschen Sprache\u201c. Nachdem ich bis jetzt nur hospitiert habe, sollte ich ja zu diesem Anlass sofort ganze Unterrichtsstunden planen und halten, unter anderem f\u00fcr Klassen, in denen ich noch nie war, sodass ich auch schlecht einsch\u00e4tzen konnte, wie ihr Deutschniveau ist. Dann habe ich noch erfahren, dass f\u00fcr die Internetseite und Sch\u00fclerzeitung Berichte dar\u00fcber geschrieben werden m\u00fcssen. Da meine ersten Unterrichtsstunde und auch aller erste Arbeit mit den Kindern gleich so etwas \u201eoffizielles\u201c ist, ist wahrscheinlich von keinem mit Absicht so gelegt worden und war auch keinem so direkt bewusst. Aber f\u00fcr mich w\u00e4re es deutlich leichter gewesen erst mal im Unterricht Aufgaben zu \u00fcbernehmen, aber manchmal l\u00e4uft es halt nicht so wie man sihc das w\u00fcnscht. Die Stunden in der 4. Klasse habe ich am Ende nur deutsche Kinderlieder gesungen, da der Rest zu schwer war. Da war ich am Ende schon echt frustriert, weil ich mir mit dem Programm totale M\u00fche gegeben haben, und 45 Minuten Lieder singen das wirklich nicht widerspiegeln. Dementsprechend nerv\u00f6s war ich vor dem n\u00e4chsten Schultag, wo ich 3 verschiedene Klassen mit unterschiedlichen Aufgaben besch\u00e4ftigen musste. Aber da hat alles echt gut geklappt, die Sch\u00fcler hatten Spa\u00df und die Lehrer waren zufrieden. Mich hat es echt total gefreut, als Sch\u00fclerInnen, die ich vorher noch nie gesehen habe, nach der Stunde zu mir gekommen sind, sich bedankt haben und gefragt haben, ob ich nicht mal in ihren Unterricht kommen will. Nach dem Schultag war ich auf jeden Fall sehr erleichtert.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri Light, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Nach diesem positiven Ereignis in der Schule, bin ich total erleichtert, dass diesmal doch alles so funktioniert hat wie ich es zu Hause mit sehr viel Zeit und Kraft vorbereitet habe. F\u00fcr mich war diese Situation, vor einer (fremden) Klasse zu stehen, die gar nicht so viel j\u00fcnger sind als ich, keine Muttersprachler sind, und nicht besonders motiviert sind, neu und etwas be\u00e4ngstigend. Aber jetzt, wo ich es eigentlich ganz gut hinter mich gebracht habe, bin ich auch etwas stolz auf mich:)<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die letzte Woche war f\u00fcr mich ganz sch\u00f6n intensiv. Starkes Heimweh, \u00dcberforderung, Unzufriedenheit mit meiner Situation und Selbstzweifel. Nachdem ich das Wochenende schon etwas Heimweh hatte, wurde das leider Anfang der Woche schlimmer. 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