{"id":75,"date":"2017-03-28T13:46:39","date_gmt":"2017-03-28T11:46:39","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/evaentdeckttogo\/?p=75"},"modified":"2017-03-28T17:40:25","modified_gmt":"2017-03-28T15:40:25","slug":"kleine-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/evaentdeckttogo\/2017\/03\/28\/kleine-welt\/","title":{"rendered":"Kleine Welt"},"content":{"rendered":"<p><em>Bon Voyage<\/em>\u00a0\u2013 gute Reise. Es ist etwas nach sechs Uhr, als ich unser Haus in Be, Lom\u00e9 am Samstagmorgen verlasse und mich von meiner Familie verabschiede. Mein Rucksack ist gepackt f\u00fcr meinen ersten Wochenendausflug. Mit dem Moto geht es erst zu einer Tankstelle im Norden der Stadt, von der die Taxis nach Kpalim\u00e9 abfahren.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit Sebastian und einer weiteren deutschen Freiwilligen steige ich ins Taxi. Die Fahrt ist gedr\u00e4ngt und etwas unbequem: Im Auto sitzen neben dem Fahrer und uns noch drei weitere Insassinnen. Als wir Lom\u00e9 hinter uns lassen, wird die Landschaft schnell gr\u00fcner, h\u00fcgeliger und wundersch\u00f6n. Kpalim\u00e9 ist die viertgr\u00f6\u00dfte Stadt Togos und liegt etwa 120 Kilometer n\u00f6rdlich von Lom\u00e9 direkt an der Grenze zu Ghana. In der Gegend um Kpalim\u00e9 gibt es tropischen Regenwald. Den Samstag nutzen wir deshalb sogleich f\u00fcr eine Wanderung. Unser Guide Jean-Baptiste f\u00fchrt uns zu einem gro\u00dfen Wasserfall. Auf dem Weg erkl\u00e4rt er uns einiges zur Natur um uns herum: Kakao- und Mangob\u00e4ume. Ananas und andere Fr\u00fcchte, die wir noch nie gesehen haben. Uns kommen viele Frauen und M\u00e4nner entgegen, die auf dem Kopf Kilo um Kilo Bananen in Richtung Kpalim\u00e9 tragen. Der Weg der Bananen geht von dort weiter Richtung Lom\u00e9. Die Menschen gr\u00fc\u00dfen uns freundlich: <em>Wezo lo<\/em> \u2013 Willkommen. Den Gru\u00df vieler Kinder h\u00f6ren wir schon von weitem: <em>Yovo, yovo, bon soir<\/em> \u2013 Wei\u00dfe, Wei\u00dfe, guten Tag. Sebastian kauft sich zusammengebundene Holzst\u00f6cke f\u00fcr 100 Francs in dem Glauben, es sei S\u00fc\u00dfholz. Das S\u00fc\u00dfholz stellt sich jedoch als etwas anderes heraus: Diese Art St\u00f6cke werden hier vielerorts zum Z\u00e4hneputzen verwendet. Doch kein Snack f\u00fcr Sebastian.<\/p>\n<div id=\"attachment_81\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/evaentdeckttogo\/files\/2017\/03\/IMG_2648.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-81\" class=\"size-medium wp-image-81\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/evaentdeckttogo\/files\/2017\/03\/IMG_2648-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/evaentdeckttogo\/files\/2017\/03\/IMG_2648-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/evaentdeckttogo\/files\/2017\/03\/IMG_2648-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/evaentdeckttogo\/files\/2017\/03\/IMG_2648.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/evaentdeckttogo\/files\/2017\/03\/IMG_2648-400x300.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-81\" class=\"wp-caption-text\">Fr\u00fcchte an einem Kakaobaum<\/p><\/div>\n<p>Wir baden im nat\u00fcrlichen Becken unter dem Wasserfall und essen unsere mitgebrachten Sandwiches. Unser Guide erz\u00e4hlt mir, dass er Ewe-Lehrer in einem Alphabetisierungskurs f\u00fcr Frauen seiner Kirche ist. Ich freue mich: Wir tauschen ein paar Worte auf Ewe aus und er erkl\u00e4rt mir etwas. Kleine Ewe-Nachhilfe unterm Wasserfall.<\/p>\n<p>Am Sonntag besuche ich die Familie meines togoischen Freiwilligenfreundes Edem, der gerade ein Jahr in Berlin verbringt. Mit dem Moto fahre ich zum abgemachten Treffpunkt, einer Baptistenkirche im Viertel Kligu\u00e9 Kondji. Ich warte eine Weile auf dem Sandplatz und genie\u00dfe den Augenblick: Festlich und bunt gekleidete Menschen str\u00f6men in die Kirche, es riecht nach Essen, die Sonne scheint, die Farben leuchten. Zwei Jungs sprechen mich an, sie sind vielleicht etwas j\u00fcnger als ich. Sie laden mich in die Kirche ein, aber ich erkl\u00e4re ihnen, warum ich hier bin. Wir sprechen eine Weile und stellen dann fest, dass sie Edem kennen. Sie lachen ungl\u00e4ubig: <em>Le monde est petit<\/em> \u2013 die Welt ist klein. Dann holt mich Edems Schwester ab und wir spazieren ein kurzes St\u00fcck zum Haus der Familie. Ich \u00fcbergebe Edems Geschenk an seine Schwester und seine Mutter und dann stampfen die beiden im Hof Fufu. Das Mittagessen ist gro\u00dfartig: Fufu mit scharfer So\u00dfe mit Fisch und Soja. Zum Abschied machen wir noch einige Fotos. Ich m\u00f6chte sie gerne Edem schicken. <em>Le monde est petit<\/em> \u2013 f\u00fcr mich ist das gerade ein gro\u00dfartiges Gef\u00fchl.<\/p>\n<p>Nachmittags fahren wir mit dem Taxi zur\u00fcck nach Lom\u00e9. Der Wind weht durch die offenen Fenster und es riecht so sehr nach Regen. Es d\u00e4mmert, als ich den Hof meiner Gastfamilie betrete und Nicole wiedersehe. Ein Gef\u00fchl: Nach Hause kommen.<\/p>\n<p>Reisen ist gut. Nach Hause kommen auch. Es ist ein Geschenk, beides erleben zu d\u00fcrfen. Hier in Togo.<\/p>\n<div id=\"attachment_82\" style=\"width: 353px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/evaentdeckttogo\/files\/2017\/03\/IMG_2643.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-82\" class=\" wp-image-82\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/evaentdeckttogo\/files\/2017\/03\/IMG_2643-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"343\" height=\"260\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-82\" class=\"wp-caption-text\">Unterwegs in Togo<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bon Voyage\u00a0\u2013 gute Reise. Es ist etwas nach sechs Uhr, als ich unser Haus in Be, Lom\u00e9 am Samstagmorgen verlasse und mich von meiner Familie verabschiede. Mein Rucksack ist gepackt f\u00fcr meinen ersten Wochenendausflug. 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