{"id":132,"date":"2017-06-26T17:34:45","date_gmt":"2017-06-26T15:34:45","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/evaentdeckttogo\/?p=132"},"modified":"2017-06-26T17:44:31","modified_gmt":"2017-06-26T15:44:31","slug":"warum-ich-typisch-togo-nicht-mehr-hoeren-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/evaentdeckttogo\/2017\/06\/26\/warum-ich-typisch-togo-nicht-mehr-hoeren-kann\/","title":{"rendered":"Warum ich Typisch Togo nicht mehr h\u00f6ren kann"},"content":{"rendered":"<p>Vor knapp vier Monaten machte ich mich auf den Weg, mit Chimamanda Adichies Worten in den Ohren, mit ihrer Botschaft im Kopf und im Herzen. Und mit einem ihrer B&uuml;cher im Gep&auml;ck: <em>Heimsuchungen<\/em>, im Original <em>The Thing Around Your Neck<\/em>. In zw&ouml;lf Kurzgeschichten erz&auml;hlt Adichie von Menschen, die in Nigeria und den USA und irgendwie dazwischen zuhause sind. Sie erz&auml;hlt Geschichten verschiedener Generationen, Hintergr&uuml;nde, Leben. Einen kleinen Ausschnitt aus ihrer Kurzgeschichte <em>Jumping Monkey Hill<\/em> m&ouml;chte ich hier nun zitieren. Die Geschichte handelt von einem Schreibworkshop, der vom Briten Edward organisiert wird und zu dem junge Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus ganz Afrika in S&uuml;dafrika zusammenkommen.<\/p>\n<blockquote>\n<p><em>[&hellip;] Nach dem Abendessen las die Senegalesin aus ihrer Erz&auml;hlung vor. Es war eine windige Nacht und sie schlossen die T&uuml;r, um das Ger&auml;usch der wild wogenden B&auml;ume auszusperren. Der Rauch aus Edwards Pfeife hing im Raum. Die Senegalesin las zwei Seiten einer Begr&auml;bnisszene, mit vielen kleinen Pausen, um Wasser in kleinen Schlucken zu trinken, ihr Akzent wurde mit steigender Emotionalit&auml;t breiter und alle <\/em>t <em>klangen nun wie <\/em>z<em>. Hinterher wandten sich alle zu Edward, sogar der Ugander, der vergessen zu haben schien, dass er der Workshop-Leiter war. Edward kaute nachdenklich auf seiner Pfeife herum, ehe er sagte, homosexuelle Geschichten dieser Art spiegelten nun wirklich nicht Afrika wider.<\/em><\/p>\n<p><em>&bdquo;Welches Afrika?&ldquo;, platzte Ujunwa heraus.<\/em><\/p>\n<p><em>Der schwarze S&uuml;dafrikaner rutschte auf seinem Stuhl herum. Edward kaute weiter auf seiner Pfeife. Dann sah er Ujunwa so an, wie man ein Kind ansehen w&uuml;rde, das in der Kirche nicht stillsitzen will, und sagte, dass er jetzt nicht als ein in Oxford ausgebildeter Afrikanist spreche, sondern als einer, der sich f&uuml;r das echte Afrika interessiere und nicht westliche Vorstellungen auf afrikanische Schaupl&auml;tze &uuml;bertragen sehen wolle. Die Simbabwerin und der Tansanier und die wei&szlig;e S&uuml;dafrikanerin sch&uuml;ttelten die K&ouml;pfe, w&auml;hrend Edward sprach.<\/em><\/p>\n<p><em>&bdquo;Wir haben das Jahr 2000, das mag ja sein, doch wie typisch afrikanisch ist es, wenn eine Frau ihrer Familie erkl&auml;rt, dass sie homosexuell ist?&ldquo;, fragte Edward.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Senegalesin sprudelte etwas in unverst&auml;ndlichem Franz&ouml;sisch hervor und sagte dann, eine Minute Redefluss sp&auml;ter: &bdquo;<\/em>Ich<em> bin Senegalesin! <\/em>Ich<em> bin Senegalesin!&ldquo; [&hellip;]<\/em><\/p>\n<p>Aus &bdquo;Heimsuchungen&ldquo; von Chimamanda Ngozie Adichie, erschienen im S. Fischer Verlag GmbH (2012), S. 147-148.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Auch dieser Text, diese Worte blieben in meinem Kopf, meinem Herzen und bei mir. T&auml;glich.<\/p>\n<p>Warum ich dem Ganzen einen Blogeintrag widme? Weil ich finde, dass jede und jeder lesen sollte, was Adichie schreibt. Mehrmals. Weil ich es leid bin, dieses <em>Typisch Togo<\/em> aus M&uuml;ndern, meist wei&szlig;en, zu h&ouml;ren. Ein <em>Typisch Togo<\/em>, das Anwendung findet, wenn etwas nicht klappt, zu sp&auml;t stattfindet oder chaotisch wirkt. Nur dann. Wenn etwas typisch ist f&uuml;r Afrika. Typisch f&uuml;r Afrika. Was soll das sein?<\/p>\n<p>Wer sollte sprechen? Wer entscheiden? Ich bin es nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor knapp vier Monaten machte ich mich auf den Weg, mit Chimamanda Adichies Worten in den Ohren, mit ihrer Botschaft im Kopf und im Herzen. 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