{"id":1,"date":"2017-03-08T21:03:11","date_gmt":"2017-03-08T20:03:11","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/evaentdeckttogo\/?p=1"},"modified":"2017-03-08T23:44:28","modified_gmt":"2017-03-08T22:44:28","slug":"hallo-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/evaentdeckttogo\/2017\/03\/08\/hallo-welt\/","title":{"rendered":"Ich erz\u00e4hle die Welt, wie ich sie erlebe"},"content":{"rendered":"<p>Vor etwa einem halben Jahr erreichte mich die Zusage f\u00fcr eine Stelle als kulturweit-Freiwillige am Goethe Institut Lom\u00e9. Lom\u00e9 ist die Hauptstadt Togos, eines kleinen afrikanischen Landes, umgeben von Ghana, Burkina Faso, Benin und dem Golf von Guinea. Ich war noch nie in Westafrika. Bis heute habe ich mein Wissen und meine Eindr\u00fccke zu Westafrika unter anderem aus verschiedenen Romanen westafrikanischer Autoren zusammengelesen, zu gro\u00dfen Teilen aus den B\u00fcchern meiner Lieblingsautorin Chimamanda Ngozi Adichie.<\/p>\n<p>Gerade deshalb m\u00f6chte ich diesen Blog gerne mit den Worten der nigerianischen Autorin er\u00f6ffnen. Eine ihrer Reden begleitet mich nun seit vielen Jahren: Es geht um die Gefahr der einen, einzigen Geschichte.<\/p>\n<h2><strong>The Danger of a Single Story<\/strong><\/h2>\n<p class=\"talk-transcript__para\" style=\"text-align: left\"><em><span class=\"talk-transcript__para__text\"><span id=\"t-167000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Ich stamme aus einer konventionellen, nigerianischen Familie der Mittelklasse.<\/span> <span id=\"t-170000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Mein Vater war Hochschullehrer.<\/span> <span id=\"t-172000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Meine Mutter war Verwaltungsangestellte.<\/span> <span id=\"t-175000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Und bei uns lebten, wie es die Norm war,<\/span> <span id=\"t-178000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Bedienstete, die oft aus den umliegenden D\u00f6rfern kamen.<\/span> <span id=\"t-183000\" class=\"talk-transcript__fragment\">In dem Jahr, in dem ich acht wurde, bekamen wir einen neuen Hausdiener.<\/span> <span id=\"t-187000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Sein Name war Fide.<\/span> <span id=\"t-189000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Das einzige, was meine Mutter uns \u00fcber ihn erz\u00e4hlte,<\/span> <span id=\"t-192000\" class=\"talk-transcript__fragment\">war, dass seine Familie sehr arm war.<\/span> <span id=\"t-195000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Meine Mutter schickte S\u00fc\u00dfkartoffeln und Reis<\/span> <span id=\"t-197000\" class=\"talk-transcript__fragment\">und unsere alten Kleider zu seiner Familie.<\/span> <span id=\"t-200000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Und wenn ich mein Abendessen nicht aufa\u00df, sagte meine Mutter:<\/span> <span id=\"t-202000\" class=\"talk-transcript__fragment\">&#8222;Iss dein Essen auf! Ist dir nicht klar, dass Menschen wie die Familie von Fide nichts haben.&#8220;<\/span> <span id=\"t-207000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Deshalb hatte ich gro\u00dfes Mitleid mit Fides Familie.<\/span> <\/span><\/em><\/p>\n<p class=\"talk-transcript__para\"><em><span class=\"talk-transcript__para__text\"><span id=\"t-211000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Dann, an einem Samstag, besuchten wir sein Dorf.<\/span> <span id=\"t-214000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Und seine Mutter zeigte uns einen wundersch\u00f6n geflochtenen Korb<\/span> <span id=\"t-218000\" class=\"talk-transcript__fragment\">aus gef\u00e4rbtem Bast, den sein Bruder gemacht hatte.<\/span> <span id=\"t-221000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Ich war \u00fcberrascht.<\/span> <span id=\"t-223000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Es w\u00e4re mir wirklich nicht eingefallen, dass jemand aus seiner Familie<\/span> <span id=\"t-226000\" class=\"talk-transcript__fragment\">irgend etwas herstellen k\u00f6nnte.<\/span> <span id=\"t-229000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Alles was ich \u00fcber sie geh\u00f6rt hatte war, wie arm sie waren,<\/span> <span id=\"t-232000\" class=\"talk-transcript__fragment\">so dass es f\u00fcr mich unm\u00f6glich geworden war, sie als irgend etwas<\/span> <span id=\"t-234000\" class=\"talk-transcript__fragment\">anderes zu sehen als arm.<\/span> <span id=\"t-237000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Ihre Armut war die einzige Geschichte von ihnen, die ich kannte.<\/span> <\/span><\/em><\/p>\n<p class=\"talk-transcript__para\"><em><span class=\"talk-transcript__para__text\"><span id=\"t-241000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Jahre sp\u00e4ter dachte ich daran, als ich Nigeria verlie\u00df,<\/span> <span id=\"t-243000\" class=\"talk-transcript__fragment\">um in den USA zu studieren.<\/span> <span id=\"t-246000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Ich war 19.<\/span> <span id=\"t-248000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Meine amerikanische Zimmergenossin war mit mir \u00fcberfordert.<\/span> <span id=\"t-252000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Sie fragte mich, wo ich so gut Englisch zu sprechen gelernt hatte,<\/span> <span id=\"t-255000\" class=\"talk-transcript__fragment\">und war verwirrt als ich ihr sagte, dass in Nigeria<\/span> <span id=\"t-257000\" class=\"talk-transcript__fragment\">zuf\u00e4lligerweise Englisch die Amtssprache ist.<\/span> <span id=\"t-262000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Sie fragte, ob sie das, was sie meine &#8222;Stammesmusik&#8220; nannte, h\u00f6ren d\u00fcrfe,<\/span> <span id=\"t-266000\" class=\"talk-transcript__fragment\">und war dementsprechend sehr entt\u00e4uscht,<\/span> <span id=\"t-268000\" class=\"talk-transcript__fragment\">als ich meine Kassette von Mariah Carey hervorholte.<\/span> <span id=\"t-270000\" class=\"talk-transcript__fragment\">[&#8230;]<\/span> <span id=\"t-273000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Sie nahm an, dass ich nicht wusste,<\/span> <span id=\"t-275000\" class=\"talk-transcript__fragment\">wie man einen Herd bedient.<\/span> <\/span><\/em><\/p>\n<p class=\"talk-transcript__para\"><em><span class=\"talk-transcript__para__text\"><span id=\"t-278000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Was mich wirklich betroffen machte: Sie hatte Mitleid mit mir,<\/span> <span id=\"t-280000\" class=\"talk-transcript__fragment\">bevor sie mich \u00fcberhaupt gesehen hatte.<\/span> <span id=\"t-282000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Ihre Grundhaltung mir gegen\u00fcber als Afrikanerin,<\/span> <span id=\"t-286000\" class=\"talk-transcript__fragment\">war eine Art g\u00f6nnerhaftes, gut meinendes Mitleid.<\/span> <span id=\"t-290000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Meine Zimmergenossin kannte nur eine einzige Geschichte \u00fcber Afrika.<\/span> <span id=\"t-293000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Eine einzige verh\u00e4ngnisvolle Geschichte.<\/span> <span id=\"t-296000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Diese einzige Geschichte enthielt keine M\u00f6glichkeit<\/span> <span id=\"t-298000\" class=\"talk-transcript__fragment\">f\u00fcr Afrikaner, ihr in irgendeiner Weise \u00e4hnlich zu sein.<\/span> <span id=\"t-302000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Keine M\u00f6glichkeit f\u00fcr vielschichtigere Gef\u00fchle als Mitleid.<\/span> <span id=\"t-305000\" class=\"talk-transcript__fragment\">Keine M\u00f6glichkeit f\u00fcr eine Beziehung als gleichberechtigte Menschen. [&#8230;]<\/span> <\/span><\/em><\/p>\n<p class=\"talk-transcript__para\">(Quelle: https:\/\/www.ted.com\/talks\/chimamanda_adichie_the_danger_of_a_single_story\/transcript?language=de)<\/p>\n<p class=\"talk-transcript__para\">Ich leihe mir Chimamanda Adichies Worte, weil ich sie wichtig finde. Wichtig f\u00fcr mich, wenn ich nach Togo fahre, um dort als FSJlerin zu arbeiten, mit einer Gastfamilie zu leben, Freunde zu finden und zu reisen. Wichtig auch f\u00fcr euch, wenn ihr meinen Blog lest. Eigentlich immer wichtig, weil wir alle viel zu oft nur eine einzelne Geschichte von etwas haben.<\/p>\n<h2 class=\"talk-transcript__para\">Ich erz\u00e4hle die Welt, wie ich sie erlebe<\/h2>\n<p>Jetzt, zwei Tage vor meiner Ausreise, habe ich das Vorbereitungsseminar von Kulturweit in der N\u00e4he Berlins fast geschafft. Neben vielen praktischen Infos, Erfahrungsaustausch, neuen Strategien und einem Schub an Motivation, sowie unglaublich gro\u00dfer Vorfreude packe ich sehr, sehr viele Fragen in meinen Koffer und nehme sie mit.<\/p>\n<p>Vielleicht kann ich diesen Fragen w\u00e4hrend meines sechsmonatigen Aufenthalts nachgehen. Sehr gerne nehme ich auch euch mit auf meine Reise. Mit Texten und Fotos werde ich versuchen, meine Erfahrungen zu teilen. Ich werde versuchen, viele Geschichten zu erz\u00e4hlen. Die Perspektive zu wechseln. Und doch: Ich kann nur erz\u00e4hlen, wie <em>ich<\/em> meine Kulturweit-Zeit erlebe. Es w\u00e4re wunderbar, wenn wir das im Kopf behalten.<\/p>\n<p>Eure Eva<\/p>\n<p>Und: Schaut euch gerne doch Adichies ganze Rede an, zu finden unter http:\/\/www.ted.com\/talks\/chimamanda_adichie_the_danger_of_a_single_story<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor etwa einem halben Jahr erreichte mich die Zusage f\u00fcr eine Stelle als kulturweit-Freiwillige am Goethe Institut Lom\u00e9. Lom\u00e9 ist die Hauptstadt Togos, eines kleinen afrikanischen Landes, umgeben von Ghana, Burkina Faso, Benin und dem Golf von Guinea. 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