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Von Bastel- und Spielnachmittagen…

„Du verlierst deine Ordnung
Du verlierst dein System
Du verlierst deinen Reichtum
Und du kannst nichts mehr sehn
Du stehst im Gedränge
Mitten im Geschehn
Du fängst an zu tanzen
Und kannst es nicht verstehen Willkommen im Chaos“
(Madsen – Willkommen im Chaos)

Man nehme etwa zwanzig Kinder im Alter zwischen 5 und 10 Jahren, lege ein paar Permanentmarker hinzu, lasse die technischen Geräte unbeaufsichtigt und stelle jede Menge Glitzer auf den Tisch. Das Ganze einmal umrühren, kurz ziehen lassen und für etwa zwei Minuten die Augen schließen – fertig ist das perfekte Chaos in der Bibliothek.

Schon vor Wochen hatte meine Chefin durchblicken lassen, dass Kindernachmittage in der Bibliothek immer eine ganz besondere Herausforderung wären. „Je nachdem, wie viele Kinder da sind, hast du am Ende des Tages entweder den Namen deiner Großmutter, oder, wenn wirklich viel los ist, deinen eigenen Namen vergessen“ meinte sie. Damals lachte ich nur und konnte nicht im Ansatz erahnen, als wie zutreffend sich diese Aussage herausstellen würde. Letzten Donnerstag hatte die Caritas ein Herbstbasteln für geflüchtete Kinder in der Bibliothek angesetzt. Dazu kamen noch Kinder aus den Sprachkursen des Goethe-Instituts sowie die Sprösslinge meiner Chefin. Da eine Erzieherin und eine Lehrerin sowie weitere mitgebrachte Erwachsene vor Ort waren, wurde meine Hilfe zunächst nicht gebraucht. Ich zog mich ins Büro zurück, schloß die Tür  und arbeitete vor mich hin. Etwa eine Stunde später betrat ich nichtsahnend die Bibliothek – und erkannte diese kaum wieder. Bücher und CD´s steckten falsch herum in den Regalen oder fehlten ganz, Kastanienmännchen und buntes Laub verteilten sich über alle Tische, Glitzer schwirrte durch die Luft und trat sich allmählich im Teppich fest.

Sehr herbstliche Resultate eines Bastelnachmittages.

Cooler Typ auf dem Tisch.

Das große Aufräumen konnten beginnen! Bewaffnet mit Tüchern, Putzmitteln und Müllbeuteln machte sich das komplette Team an die Arbeit. Tatsächlich halfen auch einige der Kinder brav mit und so schien zumindest das Gröbste schnell beseitigt. Als ich meinen Blick durch den Raum schweifen ließ, um weitere Spuren der Verwüstung ausfindig zu machen, blieb ich an dem dem interaktiven Whiteboard hängen, das, wie der Name schon sagt, eigentlich eine weiße Oberfläche haben sollte. Nun war sie jedoch mit grünen Malereien und schwarzen Strichen verziert. Mit großen Augen starrte ich das wundersame Kunstwerk an. „Wow – so viel Geld, zerstört in so kurzer Zeit“, dachte ich, bevor ich los eilte,  um das Internet nach einer Lösung für das Problem zu befragen. Da sämtliche Tipps und Tricks nichts brachten, beschlossen wir seufzend, das Ding erst einmal so zu belassen und zu hoffen, dass unser Techniker uns die Köpfe nur halb abreißen würde.

Doch Wunder geschehen! Als ich nach Feierabend die Bibliothek verlassen wollte, stand das Whiteboard vor mir und zwar (fast) so weiß wie es einmal gewesen war. Die zehnjährige Tochter meiner Chefin hatte mehr Ahnung gehabt als Google und Youtube zusammen und, wie auch immer, einen Weg gefunden die Malereien zum verschwinden zu bringen. Puh, Glück gehabt.

Dieses erste Chaos vom Donnerstag war dann nur die Vorstufe von dem, was uns am Samstag erwartete. Im Rahmen der Sofia Game Night hatten Veranstaltungen nicht nur in der Stadt verteilt, sondern auch im Goethe-Institut selber stattgefunden. Während sich die Erwachsenen in der zweiten Etage eine Ausstellung von bulgarischen Spieleentwicklern anschauten, sprangen im unteren Stockwerk eindeutig zu viele Kinder umher. Ich hatte mich bereit erklärt den Workshop zum Programmieren für Kinder zu unterstützen. Da bereits im Vorfeld ein paar organisatorische Dinge durcheinander geraten waren und Eltern sich anscheinend auch gerne spontan entscheiden ihre Nachkommen irgendwo abzuliefern, gab es plötzlich zu viele Kinder für zu wenige Laptops. Trotzdem konnte irgendwann mit dem Workshop begonnen werden. Zunächst gelang es jedoch kaum eine Form von Ruhe und Konzentration in den Raum zu bringen. Ich, ganz die Informatikerin die ich natürlich nicht bin, ging von Tisch zu Tisch und versuchte zu erläutern, was da auf den Bildschirmen eigentlich geschehen sollte. Meistens fuchtelte ich dazu nur mit den Händen, drückte ein paar Tasten und warf abwechselnd deutsche, englische und bulgarische Worte durcheinander. Zwischendurch flüchtete ich und versuchte in der Bibliothek einen klaren Kopf zu bekommen. Tatsächlich klappte es irgendwann und so konnte ich in der zweiten Runde des Workshops eigentlich die meiste  Zeit entspannt am PC sitzen und mich selber im programmieren eines Online-Spiels versuchen.

Parallel hatte ein weiterer Workshop stattgefunden. Kleinere Kinder sollten auf Tablets irgendein Spiel ausprobieren, zumindest laut Programmheft. Was dann der tatsächliche Inhalt war kann ich leider nicht sagen, ich weiß nur, dass dieses Mal zum Glück kein Glitzer im Spiel war. Und, dass das Freibier, dass ich als Mitarbeiterin nach Feierabend trinken konnte einer Belohnung gleichkam.

Nach den Kinderworkshops wurde ich noch als „Fotografin“ eingesetzt.

Zur Entspannung ging ich am nächsten Tag, am Sonntag, mit Finn auf den Gipfel des Vitosha-Gebirges. Obwohl, das „Gehen“ eigentlich die wenigste Zeit in Anspruch genommen hat. Erstmal fuhren wir über eine Stunde lang von Sofia aus mit dem Bus zum Berg. Da ich kein Geld für ungewollten Nervenkitzel ausgeben wollte, beschlossen wir auf den Lift zu verzichten und stattdessen direkt nach oben zu fahren. An der Berghütte gab es erst einmal einen schlechten teuren Kaffee bevor wir dann den rund zweistündigen Aufstieg zum Gipfel begannen. Oben angelangt genoßen wir leckere günstige Bohnensuppe und dann ging es auch schon wieder hinunter, um den letzten Bus zurück nach Sofia nicht zu verpassen.

Mit Finn mal wieder im Vitosha-Gebirge.

Mit Blick in Richtung Sofia.

Die öffentlichen Verkehrsmittel haben manchmal sogar Charme!

Belohnungs-Bohnen.

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Sommergefühle in Serbien

„Und was sollen, was sollen wir denn machen
außer einfach weiter unsere Feuer zu entfachen
und die Wellen tragen alles davon
Im Schatten der Häuser wächst über Wunden Beton“

(Tonbandgerät – Sekundenstill)

Beeindruckende Gebirgslandschaften, lebendige Straßenzüge, hilfsbereite Menschen, ein Wiedersehen mit den serbischen kulturweit-Freiwilligen, Temperaturen die eher an Sommer statt den bevorstehenden Wintern erinnern… die Liste der schönen Eindrücke vom Wochenende ist lang. Kein Wunder, dass der Satz „Oh, wie schön ist Serbien“ in Dauerschleife durch meinen Kopf lief.

Am vergangenen Freitag führte mich der Betriebsausflug des Goethe-Instituts nach Serbien und somit nicht nur raus aus Bulgarien, sondern auch raus aus der EU. Zu den Programmpunkten gehörten die Besichtigung zweier serbischer Kloster, ein kurzer Ausflug in die Stadt Pirot sowie ein gemeinsames Mittagessen. Praktisch, wie ich manchmal bin, dachte ich mir „Wenn ich schon da bin, kann ich auch bleiben“.

Trotz dieser Pläne verließ ich meine Wohnung am Freitagmorgen in eher lockerer Erwartungshaltung. Da ich mich schon etwas länger nicht mehr im schulpflichtigen Alter befinde und generell eher Probleme damit habe mir Zahlen und Fakten zu merken, gab es zum Frühstück nicht nur Müsli mit Joghurt, sondern auch Erklärvideos zu Serbien und den Jugoslawienkriegen. Ein bisschen Vorbildung ist schließlich nie verkehrt.

Die Straße von Sofia in Richtung serbische Grenze führt zunächst durch Industriegebiet und später durch, meiner Empfindung nach, eher trostlose Landschaften. Braune und gelbe Felder reihen sich aneinander und auch die Berge im Hintergrund tragen nichts zur Verbesserung der Aussicht bei. Endlich an der Grenze angekommen wartet das langwierige Kontroll-Prozedere. Das regt zwar zum selbstreflexiven Denken an („Wie glücklich kann ich mich schätzen, dass es diese Kontrollen innerhalb der EU, zumindest für mich, nicht mehr gibt“ etc.), nervt aber trotzdem.

Aktueller Lebensstatus: „Balkantourist“.

Direkt hinter der Grenze sieht die Landschaft weiterhin gewöhnungsbedürftig aus. „Wer wohnt denn hier?“, fragte ich mich, als wir durch das erste Dorf direkt nach der Grenze fuhren. Zerfallene Scheunen, kaputte Dächer und alte Holzverschläge prägen die Örtlichkeiten in diesem Gebiet. Auffällig war auch die Vielzahl der (noch) nicht fertiggebauten Häuser – die teilweise keinen Putz an den Wänden und keine Fenster hatten, aber dafür wirklich alle schon einen, mehr oder weniger provisorischen, Balkon vorweisen konnten. Je weiter sich der Bus von der Grenze entfernte, desto schöner wurde die Umgebung. Plötzlich erstreckten sich die meter hohe Berge des Balkangebirges direkt neben der Straße.

Kopf einziehen!

Am ersten Programmpunkt, dem Kloster Poganovo, erwarteten uns freilaufende Welpen und eine Brücke aus Metallplatten. Das Scheppern bei jedem Schritt verlieh dem kurzen Spaziergang einen abenteuerlichen Charakter. Zum Kloster, das Ende des 14. Jahrhunderts errichtet wurde, gehört natürlich auch eine kleine Kirche. Laut Wikipedia zeichnet sie sich durch ihre Kreuzkuppel und die Fresken im Inneren aus. Laut meiner kulturbanauserischen Wenigkeit ist es darin ganz nett anzusehen, aber der Rest des Geländes weitaus interessanter. Während sich meine Kolleg_Innen also die Kirche und den Souvenirstand davor anschauten, lief ich ein Stück den Hügel hinauf, der sich hinter dem Kloster erstreckt. Und freute mich dabei, endlich mal wieder aus der Stadt rausgekommen zu sein.

Die Brücke zum Kloster.

Das Kloster Poganovo

Sieht irgendwie nach „Aschenbrödel“ aus.

Die Kirche von Kloster Poganovo.

Die Natur drumherum gefiel mir dann aber doch besser.

Der nächste Halt war wieder bei einem Kloster. Dieses erinnerte mich jedoch eher an einen bayrischen Bauernhof. Hier wartete ich vergeblich auf die angekündigten Teambuilding-Maßnahmen, stattdessen besichtigten wir erneut die Kirche und den dazugehörenden Fan-Shop. Aber ich will nicht meckern, immerhin konnte ich die Zeit nutzen um die Nasenspitze in die Sonne zu stecken und mich dabei über den dicken Pullover zu ärgern, den ich noch unter meiner Jacke trug.

Bauernhofgefühle bei Kloster Nummer 2.

Hallo, ich bins. Klosterfrau Melissengeist.

Drei Freiwillige und ein Praktikant.

Danach ging es mitten hinein ins Stadtzentrum von Pirot, einer Stadt mit rund 40.000 Einwohnern im Westen Serbiens. Ich kann keinen direkten Vergleich zu einer bulgarischen Kleinstadt herstellen, einfach weil ich bisher noch keine besucht habe. Trotzdem behaupte ich, dass es hier irgendwie freundlicher und lebendiger zuging. Unzählige Menschen liefen durch die Straßen und über den Markt, es gibt winzige Bäckereien, Fleischereien und Läden für Tiernahrung die sich aneinander reihen und der Verkehr ist zwar ähnlich anstrengend wie in Sofia, aber immerhin gibt es in Pirot auch Fahrräder und nicht nur Autos zu sehen.

Nach einem kurzen Stadtbummel ging es weiter zum letzten Punkt auf der Tagesordnung: Dem gemeinsamen Mittagessen. Und somit zum ersten Moment meines Lebens,an dem ich ernsthaft mit dem Gedanken gespielt habe, Vegetarierin zu werden. Das Menü bestand aus Fleisch, angerichtet an Fleisch. Dazu nochmal etwas mehr Fleisch und als krönender Abschluss die Beilage Wurst. Und für die bereits vegetarisch lebenden Kolleg_Innen am Tisch ein frisch geangelter Fisch samt Gräten. Lecker.

Zum Glück musste ich nach dieser Völlerei nicht wieder in den Bus steigen, sondern konnte mich mal wieder ein paar Kilometer zu Fuß fortbewegen. Wie erwähnt, wollte ich die Gelegenheit, einmal in Serbien  zu sein, nicht ungenutzt lassen und hatte mir vorher eine Unterkunft in Pirot gebucht. So dachte ich zumindest. Hätte ich mir die Adresse und den Standort vorher genauer angeschaut, hätte ich gleich gewusst, dass ich mindestens fünf Kilometer von der Stadt entfernt, in einem sehr dörflichen wirkenden Vorort, übernachten würde. Und so wanderte ich etwa 1,5 Stunden am Stadtrand entlang, bevor ich irgendwann in der Pension ankam. Dank der früh einsetzenden Dunkelheit konnte ich von dem Bergblick, wegen dem ich diese eigentlich gebucht hatte, dann gar nichts mehr sehen. Aber, um ehrlich zu sein, es hat mir gut getan einen Abend lang irgendwo in der Pampa in einem Bett zu liegen, Tagebuch zu schreiben, Hausaufgaben für den Sprachkurs zu machen und ein paar Seiten zu lesen.

Am Samstag wollte ich dann mit dem Bus weiter nach Niš (ausgesprochen wie „Niesch“ lädt der Name zu vielen Wortwitzen ein – „von Niescht kommt niescht“ usw.) fahren. Da ich das Ticket nicht online, sondern nur vor Ort erstehen konnte, beschloss ich, schon um 9 Uhr am Busbahnhof zu sein, um das Ticket für kurz nach 10 zu kaufen. Die restliche Stunde wollte ich mit Marktbesuch und Kaffee trinken füllen. Leider erfuhr ich an dieser Stelle einen Überschwang von Hilfsbereitschaft und so geschah es, dass ich von dem freundlichen Ticketverkäufer kurzerhand in einen früheren Bus geschubst wurde, der bereits um dreiviertel Acht nach Niš fahren sollte.

Dort stieg ich dann glücklicherweise nicht direkt am Busbahnhof, sondern eine Station zu früh aus. Das hatte den Vorteil, dass ich erstens kurze Zeit W-Lan (keine EU = keine mobilen Daten = keine Kommunikation mit den Leuten, mit denen man sich verabredet hat) und zweitens noch einen Kaffee genießen konnte, bevor ich mich auf den Weg machte um Finn und Paul (zwei weitere Freiwillige in Sofia) abzuholen. Eigentlich war es Teil mein Plans gewesen, die deutsche Blase zu verlassen und auf eigene Faust etwas zu unternehmen. Da sich aber die serbischen kulturweit-Freiwilligen dazu entschlossen hatten, dass es zu einem Treffen kommen müsste, waren auch Finn und Paul kurzerhand nachgereist. So traf ich die zwei mir mittlerweile sehr vertrauten Gesichter kurze Zeit später.

Straßenbahncafé.

Niš am Abend.

Im Laufe des Nachmittags sammelten wir die serbischen Freiwilligen ein und wollten unser Glück mit der Unterkunft versuchen. Da wir den Vermieter weder telefonisch, noch per Mail oder WhatsApp erreicht hatten, wurde ich langsam unruhig. Wir verglichen nochmal Gebäude mit Bild, Reservierungstermin mit Kalenderdatum, die Telefonnummer im Internet mit der in meinem Handy. Alles stimmte, nur die Reaktion kam nicht. Dank der Hilfsbereitschaft der Nachbarn mussten wir dann aber doch nicht unter der Brücke schlafen. Sie, natürlich der serbischen Sprache mächtig, riefen für uns noch einmal bei der Agentur  an und kurze Zeit später stand eine Frau vor uns und führte uns zu einer anderen Unterkunft. Die entsprach zwar nicht ganz meinen Vorstellungen, aber um ehrlich zu sein: Mehr als Schlafen wollte ich da ja eh nicht.

Nach einer kurzen Ausruh- und Spielerunde sowie ein paar Erfrischungsgetränken, zogen wir los ins Nachtleben von Niš. Zwei verrauchte Kneipen später überkam mich plötzlich großes Berlin-Leipzig-Weh. Ich überbrückte dieses mit einem nächtlichen Heißhungeranfall, der mich dann übrigens auch all meine Pläne von wegen „Ich mach jetzt mal vegetarisch“ wieder vergessen ließ.

Mit Clara und Justus, zwei der serbischen kulturweit-Freiwilligen.

Da es natürlich nicht so toll kommt, immer nur von Kneipen und vom Essen zu berichten, erwähne ich jetzt noch schnell, dass wir am nächsten Tag zumindest ein bisschen Sightseeing gemacht haben. Besonderen Eindruck hinterließ dabei „Ćele Kula“, auch der „Schädelturm“ genannt. Errichtet wurde er vor rund 200 Jahren von den Osmanen. Sie betonierten die Schädel von gefallenen serbischen Rebellen darin ein – als Warnung vor weiteren Aufständen. Von ursprünglich 952 Schädeln sind heute keine 100 mehr erhalten. Viele von ihnen wurden im Laufe der Zeit von der serbischen Bevölkerung entwendet und bestattet. Das was übrig geblieben ist, gilt heute als nationales Mahnmal. Nach dieser Besichtigung ging es noch zur Festung von Niš. Auch sie wurde von den Osmanen errichtet, löste in mir aber weitaus weniger Unwohlsein aus, als kurz zuvor noch der Schädelturm.

Impressionen vom „Schädelturm“.

Sportliche Übungen auf den Festungsmauern.

Blick über die Dächer von Niš.

Um 16 Uhr stiegen wir in den Bus zurück nach Sofia und kamen somit in das Vergnügen der erneuten Grenzkontrolle. Da Sonntagabend Rushhour zu sein scheint, benötigten wir bei diesem Mal fast eine Stunde, bis wir endlich wieder in Bulgarien waren.

„Sind wir schon da?“ und „Wie lange dauert es noch?“

 

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Zwischen Arbeit und Alltag

„Gut dass ein Herz du hast, gut dass du fühlst“
(Gerhard Schöne – Augen, Ohren, Herz)

Während sich meine Familie und Freunde in Deutschland auf Weihnachten mit Lichtschutzfaktor 50 einstellen, sitze ich in Sofia und freue mich über den ersten bulgarischen Regen. Morgens ist der Himmel eher grau als blau, ohne Socken kann ich nicht mehr durch die Wohnung gehen und verzweifelt suche ich nach dem Trick, der die Heizung zum Laufen bringen wird. Auf dem Weg zur Arbeit steige ich mit riesigen Schritten über gelbe Blätterhaufen. Diese sehen zwar schön aus, kooperieren aber leider mit den darunterliegenden Hundehaufen. Wenigstens die müssen nicht frieren – im Gegensatz zu mir: Immer öfter greife ich zur Mütze statt zum Haarband. Für mich das wohl wichtigste Indiz, dass der Sommer endgültig vorbei ist.

Tatsächlich rennt die Zeit. Im März musste ich innerhalb weniger Tage entscheiden, ob ich für sechs oder für zwölf Monate nach Bulgarien gehen möchte. Den Spruch „Mach lieber ein Jahr, die Zeit wird so schnell vergehen“ konnte ich zwar als gut gemeinten Rat verbuchen, zweifelte jedoch an dessen Wahrheitsgehalt. Jetzt, wo ich seit fünf Wochen hier bin und mir oft wünsche, die Zeiger der Uhr anhalten zu können, muss ich mich wohl nachträglich bei all den Besserwissern vom März bedanken.

Nicht nur der Blick aus dem Fenster oder in den Kalender, auch dieses Blog zeugt davon, wie schnell die Tage vergehen. Zwei Wochen lang habe ich es nicht geschafft die gespeicherten Entwürfe zu überarbeiten und zu veröffentlichen. Dadurch könnte der Eindruck entstanden sein, dass hier entweder nichts mehr los ist, oder dass ich viel zu sehr damit beschäftigt bin, meine Freizeit und die (für mich) günstigen Preise im Restaurant zu genießen. Beide Annahmen kann ich so nicht ganz bestätigen!

Ganz im Gegenteil: Eigentlich erlebe ich hier immer noch ziemlich viel, wenn auch momentan eher auf der Arbeit, statt nach Feierabend. Bevor ich heute also endlich mal genauer berichte mit welchen Aufgaben ich meine 39 bis 42 Stunden Arbeitszeit pro Woche so fülle, vielleicht noch ein paar kurze Informationen zu den Strukturen am Goethe-Institut. Es besteht aus drei Abteilungen, die unter dem Slogan „Sprache.Kultur.Deutschland“ zusammengefasst werden. Die ersten beiden Kategorien erklären sich irgendwie von selbst: Während sich die Sprachabteilung ums Deutsch lernen kümmert, organisiert die Kulturprogrammabteilung  Veranstaltungen wie zum Beispiel Konzerte, Ausstellungen oder Theateraufführungen. Es werden nicht nur deutsche Projekte, sondern auch bulgarische Künstler_Innen eingeladen und unterstützt. Die deutsche Kulturkeule wird also weniger häufig geschwungen, als zu Beginn noch von mir befürchtet.

Blick auf das Goethe-Institut.

Leider erinnert mich der Slogan „Sprache.Kultur.Deutschland“ an eine Werbekampagne von 2005. „Du bist Deutschland“ vermittelten uns damals unter anderem Günther Jauch und Xavier Naidoo, während im Hintergrund schmalzige Pianomusik dudelte. Im Falle des Goethe-Instituts verbirgt sich hinter dieser Formulierung eigentlich der Begriff „Information“ und somit die Abteilung in der ich eingesetzt bin: Die Bibliothek. Wie schon in einem früheren Eintrag erwähnt gibt es hier hauptsächlich deutschsprachige Literatur, Filme und Musik zum Ausleihen. Aber auch bulgarische Texte und Übersetzungen lassen sich finden. Medien wie eine Playstation, die Virtual Reality Brille und analoge Brettspiele scheinen oftmals ganz ohne Sprachbarriere zu funktionieren. Tatsächlich habe ich mit all diesen Dingen jedoch nur wenige Berührungspunkte, zumindest im Moment. An manchen Tagen fühlt es sich so an, als sei mein Büro nur zufällig in diesen Räumlichkeiten untergebracht. Statt durch die Regale zu schlendern oder am Ausleihtresen zu sitzen, verbringe ich die meiste Zeit vor dem Bildschirm. Es gibt zwei Projekte die ich in den nächsten Wochen, bzw. Monaten, unterstützen werde. Zunächst wäre da ein „Edit-a-thon“. Dahinter verbirgt sich eine Art Marathon, bei dem nicht gerannt, sondern getippt wird. Am 10. November sollen Teilnehmende aus verschiedenen osteuropäischen Ländern so viele Wikipedia Artikel verfassen, bzw. bearbeiten, wie möglich. Außerdem sollen Anfänger_Innen (sogenannte „Newbies“) die Möglichkeit haben, überhaupt erst einmal zu lernen, wie so ein Artikel in die Online-Enzyklopädie gelangt.

Für diesen „Edit-a-thon“ braucht es nicht nur gutes W-Lan und genügend Steckdosen, sondern auch Catering, Hotelzimmer, Flüge, ein Touri-Programm und starke Nerven für Elli. Denn um ehrlich zu sein überfordern mich manche der Aufgaben noch etwas. Ich glaube nicht, dass mich irgendwer als organisiert, strukturiert oder ordentlich bezeichnen würde (und wenn, dann möchte ich unter das Sofa dieser Person wirklich nur ungern einen Blick werfen). Natürlich führen die Koordination von 15 internationalen Flügen oder das Schreiben von englischen Verträgen in meinem Falle oft zu einem Chaos von Zetteln und schlecht sortierten E-Mails. Ich weiß, dass ich erst wieder ruhig schlafen werde, wenn auch der letzte Teilnehmer endlich in Sofia gelandet und im Hotelzimmer angekommen ist.

Manchmal gehört es tatsächlich auch zu meinen Aufgaben den Kaffee zu kochen – hier glücklicherweise für den Workshop, an dem ich selber teilnehmen durfte.

Am Dienstag habe ich an einer Facebook-Schulung teilgenommen. Referentin war eine der wichtigsten bulgarischen Social-Media Redakteurinnen.

Auch wenn mein Bürotisch zwischenzeitlich an einen explodierten Schreibwarenladen erinnert merke ich, dass ich dazu lerne und langsam einen Überblick bekomme. Saß ich in der ersten Woche noch völlig verwirrt herum und fragte mich „Edit-a-was, bitte?“, fand ich mich in dieser Woche bei Tee und Keksen mit einem Filmemacher wieder, mit dem ich sein Angebot für einen kurzen Film über das Event besprochen habe.

Immerhin sieht ein voller Schreibtisch stets nach viel Arbeit aus!

Die Vorbereitungen von Projekt Nummer Zwei sind im Moment ebenfalls noch viel mit dem Bildschirm verbunden. Gleichzeitig bringen sie mich jedoch auch den Büchern wieder näher. Gemeinsam mit einer anderen Freiwilligen und unserem Praktikanten soll ich die interaktiven Bibliotheksführungen unterstützen. Erwartetes Publikum: Kinder und Jugendliche. Sie sollen mit Tablets und Smartphones die Räumlichkeiten und den Bestand erkunden um sich quasi spielerisch mit unseren Angeboten auseinanderzusetzen. Noch bin ich dabei die Themen zusammenzustellen und mich in die Köpfe der jeweiligen Altersgruppe hineinzudenken: Welches Buch könnte ihnen gefallen, was für Musik hören die so und wie schreibt sich gleich dieser Youtuber?

„Natürlich mache ich das nur für die interaktiven Führungen“ – die wohl beste Ausrede für ein bisschen Spaß bei der Arbeit.

Wir probieren lieber vorher aus, wie es funktioniert.

Einmal in der Woche unterbrechen sportliche Aktivitäten den Arbeitsalltag. Am Montag gibt es die Möglichkeit zum Yoga zu gehen. Eigentlich versuche ich körperliche Anstrengungen zu vermeiden, doch in diesem Falle merke ich regelrecht wie es mir mein Rücken dankt. Und dann gibt es da noch den Sprachkurs. Montags und Mittwochs heißt es vor oder nach der Arbeit noch Vokabeln und Grammatik pauken. Das was ich dort lerne, versuche ich sooft es geht in den Alltag einzubauen: In dem Café in dem ich meine Mittagspause verbringe, lachen sie mich zwar wegen der Aussprache aus, helfen mir aber gerne weiter, wenn mir mal wieder die Worte fehlen.

Täglicher Blick auf dem Weg zur Mittagspause.

Bulgarisch lernen mit „Sigi“ und „Ivan“.

Eigentlich geht es mir ziemlich gut und ich erwische mich im Zustand grundlegender Zufriedenheit. Doch es gibt Tage, an denen mir alles ein bisschen zu viel wird. Dann sitze ich Zuhause und ärgere mich, dass ich es immer noch nicht geschafft habe aus meiner deutschen Blase auszubrechen. Langsam gibt es auch erste Anzeichen von Heimweh. Es wird bei mir interessanterweise durch Gerüche hervorgerufen. Zum Beispiel wenn ich einen Kiosk betrete und mich die Atmosphäre und die Gerüche darin irgendwie an meinen Lieblings-Späti in Leipzig erinnern. Ich glaube, es ist Zeit um mal wieder ein bisschen auszubrechen! Nächstes Wochenende plant das Goethe-Institut einen Ausflug nach Serbien. Mein Plan ist es, danach nicht einfach in den Bus zurück nach Sofia zu steigen, sondern weiter zu fahren, um zwei Nächte in einer naheliegenden Stadt zu verbringen. Danach werde ich zwar nicht behaupten können, wirklich viel von Serbien gesehen zu haben. Aber immerhin kann ich mir selbst mal wieder vor Augen führen, wie wichtig es sein kann das gewohnte Umfeld zu verlassen und auf eigene Faust etwas zu unternehmen. Ich hoffe, der Eintrag dazu wird nicht wieder so lange auf sich warten lassen ;).

Impressionen vom vergangenen Wochenende und Antwort auf die Frage „Wie passen ein Bulgare, drei Deutsche und zwei Franzosen in ein Auto?“

Impressionen von der Straße. Gehwege sind überbewertet!

Ordnung muss sein – zumindest theoretisch! Neue Putzuhr für die WG :).

Und hier die Originalgesichter…

Wenn man am Sonntag von SO einem Frühstückstisch geweckt wird…

Täglicher Blick auf dem Heimweg vom Institut.

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Der erste Besuch aus Deutschland

„Was auch passieren wird, egal, wie’s mir geht
Mein Haus ist geöffnet, egal, wo und wie spät!
Ich werd immer versuchen, mein Bestes zu geben,
für unsere Freundschaft,
Für unser Leben!“
(Enno Bunger – Wahre Freundschaft)

Von Donnerstag bis Sonntag hatte ich meinen ersten Besuch aus Deutschland zu Gast. Meine beste Freundin hatte sich auf den Weg gemacht, um mit Bus und Bahn den Osten Europas zu erkunden – dass sich ein Abstecher nach Sofia dabei nicht vermeiden ließ, versteht sich natürlich von selbst.

Leider begann Jules‘ Aufenthalt mit einer gewissen Müdigkeit meinerseits. Da sich der Botschafter „die Ehre gegeben“ hatte, uns kulturweit-Freiwillige zu einem Empfang ins Hilton-Hotel einzuladen, hing ich am Donnerstagmorgen noch ein bisschen in den Seilen. Praktischerweise fand an diesem Vormittag ein Workshop zwischen den Kulturmittlern in Sofia statt – dh. statt einfach nur hinter dem Computer zu vegetieren, hieß es Konversation betreiben. Während sich die anderen Freiwilligen (mehr oder weniger) munter mit den Vertretern von Botschaft, Stiftungen und Schulen über bevorstehende Projekte austauschten, übte ich mich im unauffälligen Kaugummi kauen.

Die 4 Damen vom Goethe-Institut.

Die bulgarischen kulturweit-Freiwilligen.

Zum Glück hatte auch dieser Vormittag irgendwann ein Ende und pünktlich zum  Mittagessen tauchte plötzlich ein riesiger Rucksack vor dem Fenster auf: Während die anderen sich auf das Buffet stürzten, stürzte ich mich auf meine beste Freundin. Da ich am Nachmittag leider noch arbeiten musste, konnte sie die Zeit nutzen um sich mal richtig auszuschlafen und um Sofia auf eigene Faust kennenzulernen. Besonders gut gefallen hat es ihr in der Straßenbahnlinie 20 – so gut, dass sie diese gleich in beide Richtungen gefahren ist, weil sie gar nicht genug davon kriegen konnte. Nachdem wir es endlich geschafft hatten uns irgendwie zu treffen, gingen wir Shopska-Salat essen und einen meiner Lieblingsorte besuchen: den großen Platz vor dem NDK-Palast.

Jules posiert auf dem Platz vor dem NDK-Palast (Nationaler Kulturpalast Sofia).

Am nächsten Tag ging ich wieder zur Arbeit, um dort eine Lesung mit einer finnischen Kinderbuchautorin vorzubereiten: Riina Katajavuori schreibt Bücher über Themen wie Umweltverschmutzung, Klimawandel oder Migration – passt diese aber einem kindergerechten Niveau an und lässt ihre Geschichten  mit tollen Grafiken illustrieren. Von der Veranstaltung selbst hatte ich dann leider gar nicht so viel: Die Autorin sprach auf Finnisch und wurde von einer Bulgarin übersetzt. Die englische Übersetzerin, die sich mein Chef an die Seite geholt hatte, sprach leider nicht laut genug, als dass ich sie hätte verstehen können.

Am Abend gingen Jules und ich mit ein paar anderen Freiwilligen und meiner Mitbewohnerin essen. Danach probierten wir ein paar der Bars aus, die sich in meinem Viertel befinden. Ich verzichtete jedoch auf das deutsche Craft-Beer und hielt mich an alkoholfreie Cocktails – denn am nächsten Tag wollten wir wandern gehen. Sofia liegt direkt am Nationalpark Vitosha-Gebirge, dh. schon von der Stadt aus gibt es einen, qualitativ vom Wetter abhängenden, Blick auf die Berge. Mit dem Linienbus dauert es nicht lange bis zum Vorort Boyana, von wo aus der Anstieg zu einem Wasserfall und dem Fernsehturm beginnt.

Am Samstagmorgen machten wir uns nach dem Frühstück also auf den Weg. Mit dem Linienbus fuhren wir nach Boyana. Die kleine Kirche, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört und die wir uns dort eigentlich angucken wollten, war leider so ausgebucht, dass wir ohne Resevierung nicht hinein konnten. Den Eintritt, den wir uns damit gespart hatten, investierten wir in Cappuccino auf der Terrasse eines Fünf-Sterne-Hotels. Danach machten wir uns auf den Weg in Richtung Wald. Durch diesen führte uns der Anstieg zunächst zum Wasserfall. Da diese geplante Strecke einer überschaubaren Kilometerzahl entsprach und wir generell eher so die Philosophie der gemütlichen Entspannung vertreten, machten wir nach den ersten paar Metern Weg erst einmal Pause. Auf einer Art Klippe (oder wie diese Ansammlung von größeren Steinen halt genannt werden kann) genossen wir die Aussicht über Sofia. Am Wasserfall angekommen stellten wir fest, dass dessen Anblick von unten zwar schön, aber spannungsmäßig eher überschaubar war. Also kletterten wir weiter in den Wald hinauf, um letztendlich über dem Wasserfall die Beine baumeln lassen zu können. Besonderes Highlight waren die drei Herren, die dort oben ihre Leibesübungen ausführten und der Meinung waren, zwei junge Frauen wie wir könnten niemals alleine von Stein zu Stein gelangen. In ihrer Motivation uns hinüber zu helfen, hätten sie mich beinahe ins Wasser geschubst. Nachdem wir Testosteronien wieder verlassen hatten, stiegen wir weiter hinauf um zum Fernsehturm „Kopitoto“ zu gelangen. Auf dem Weg dahin kamen wir an einer schönen Wiese vorbei und nutzten diese natürlich um gleich wieder eine Pause einzulegen. Von Kopitoto aus machten wir uns dann auf den Rückweg nach Boyana – Wie müde und gebrechlich wir uns dabei vorkamen ist in Anbetracht unserer sportlichen „Überbetätigung“ an diesem Tag eigentlich eine Frechheit.

Selfie-Time kurz vor der Wanderung.

Blick über Sofia. Die Stadt wirkt plötzlich so hell!

Jules – während sie so tut, als würde sie die Aussicht bewundern.

Erstmal eine kleine Foto-Session einlegen ;).

Blick auf das herbstliche Vitosha-Gebirge und den Fernsehturm „Kopitoto“.

Der Boyana-Wasserfall im Vitosha-Gebirge. Das Vitosha-Gebirge ist der erste Nationalpark Bulgariens. Seine Ausläufer reichen bis in die Vororte.

Ich, während ich so tue, als würde ich die Aussicht bewundern.

Jules und ich haben es geschafft, jemanden zu fragen, ob er uns mal fotografieren kann.

Gestern hatten wir dann tatsächlich gar nicht so viel Muskelkater wie erwartet und so musste Jules es sich gefallen lassen, von mir einmal quer durch die Stadt gehetzt zu werden. Eis essen am Brunnen vor dem Theater, kurzer Shopping-Bummel auf der Vitosha-Street, längerer Fußmarsch zum „Frauenmarkt“ (ein Markt, der seinen Namen hat, weil er früher der einzige Ort in der Stadt war, wo Frauen arbeiten und sich treffen durften), Abstecher in ein vegetarisches Restaurant und dann natürlich noch die Suche nach passenden Souvenirs für die lieben Menschen in Deutschland – am Ende waren wir dann doch ganz schön platt und so verbrachten wir die restlichen Stunden damit in meinem Bett zu liegen und Musik zu hören, bevor Jules sich gegen 22 Uhr auf dem Weg zum Busbahnhof machen musste.

In Sofia kommen plötzlich Erinnerungen an „Harry Potter“ auf.

Selfie-Time am Sonntagnachmittag.

Die letzten vier Tage waren sehr schön für mich. Obwohl Jules und ich uns seit sechs Wochen nicht gesehen haben, war alles wie immer „wie immer“. Wir kennen uns seit dem ersten Bachelor-Semester in Leipzig. Durch ihre längeren Auslandsaufenhalte und meinen Umzug nach Berlin haben wir in den letzten sechs Jahren schon öfter Situationen gehabt, in denen wir uns wochen- oder auch monatelang nicht gesehen haben. Trotzdem ist es bei jedem Wiedersehen so, als hätte das letzte Treffen nur ein paar Tage vorher stattgefunden. So fühlte es sich auch jetzt wieder an:Der wilde Mix aus tiefgründigen Gesprächen, albernem Rumgequatsche, gegenseitigen Stänkereien, Kuscheleinheiten, langen Spaziergängen und dem Gefühl, auch einfach mal schweigen zu können, hat mit mich mal wieder in meinem Glauben bestärkt, dass diese Freundschaft definitiv den Lebensabschnitt „Studium“ überstehen wird.

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Montagsstimmung…

„Denn jeder Tag ist ein Geschenk, er ist nur scheiße verpackt
Und man fummelt am Geschenkpapier rum und kriegt es nur mühsam wieder ab“
(Kid Kopphausen – Das Leichteste der Welt)

Heute ist Montag. Und zwar nicht nur im Kalender, sondern vor allem im Gemüt. Das Klingeln des Weckers habe ich heute mal wieder kreativ in meine Träume eingebunden, aber nicht zum pünktlichen Aufstehen genutzt. Und kaum hatte ich das Haus verlassen und die erste Ampel überquert, fiel mir dann mein Portemonnaie auf dem Schreibtisch wieder ein. Also hieß es nochmal umdrehen und dann im Eiltempo zur Arbeit hetzen. Irgendwie fühle ich mich heute wie die Pizza, die wir am Freitag versucht haben in unserem Ofen zu backen: Ich sehe ganz okay aus, will aber nicht so richtig aufgehen.

Warum das so ist, kann ich dunkel erahnen. Es war ganz schön viel los am Wochenende. Besuch von Freiwilligen aus Ruse und Schumen, der erste Stadion-Besuch meines Lebens, erste Schritte im bulgarischen Nachtleben, eine Weinprobe und letztendlich ein großer Stadt- und Shoppingbummel haben doch mehr Spuren im Kopf hinterlassen, als erwartet. Jetzt grüßt mich der Alltag und ich stelle fest, dass sich manche Macken, wie beispielsweise der allmorgendliche Kampf gegen den Wecker, doch nicht so leicht ablegen lassen, wie zu Beginn noch erhofft.

Doch obwohl ich heute nicht so richtig in die Spur komme und irgendwie keinen klaren Gedanken fassen kann, bin ich glücklich. Ich habe es genossen so viel Zeit mit den anderen Freiwilligen verbringen zu können, verschiedene Dinge auszuprobieren und dabei immer wieder festzustellen, wie schön Sofia als Stadt ist.

Mit kulturweit im Fußballstadion: Eine Erfahrung die den Horizon definitv erweitert!

CSKA Sofia gegen Levski. Erste bulgarische Bundesliga (Das hat mir Paul verraten).

Kontrastprogramm: Weinprobe am Abend!

Gemütlicher Sonntagsbummel durch Sofia – es gibt hier noch so viele schöne Ecken zu entdecken!

Auch hier geraten Greta und ich nochmal kurz in Fußballstimmung!

Super super schönes Café! Und super lecker!

Abschließend noch ein glückliches Grinsen! 😛

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Wochenendausflug ins Rila-Gebirge

„Wie oft muss man mit dem Kopf gegen die Wand rennen
Um für sich selber zu erkennen:
Wenn es gut ist wird es schön sein und ein Leben lang passieren
Wenn es böse ist dann beißt es und du wirst es schnell verlieren
Wenn es gut ist wird es da sein wann immer du es brauchst
Wenn es böse ist dann beißt es und dein Herz
Gibt langsam auf“
(Olli Schulz – Wenn es gut ist)

„Au! Au! Au!“ schreien meine Oberschenkel und erinnern mich freundlichst daran, dass auch sie Gefühle haben. Die Treppen im Goethe-Institut, die ich normalerweise hopse statt laufe, schleiche ich heute hinunter. Jeder Schritt tut weh. Gemeinsam mit vier anderen Freiwilligen habe ich das Wochenende genutzt, um im Rila-Gebirge wandern zu gehen. Was als Erinnerung bleibt sind nicht nur tolle Fotos, sondern eben auch der Muskelkater.

Das Rila-Gebirge befindet sich südwestlich von Sofia und ist ungefähr in zwei Stunden mit dem Auto oder dem Bus zu erreichen. Zumindest theoretisch. Es ist das höchste Gebirge des Balkans. Mittendrin befindet sich eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Bulgariens: Das Rila-Kloster. Es liegt etwa 1150 Meter über dem Meeresspiegel. Wer den Blick über die sieben Rila-Seen genießen möchte, muss nochmal 1000 Meter höher steigen. Fotos, die dabei entstehen, können praktischerweise direkt in den sozialen Medien verbreitet werden: Mein Handy, das in Berlin oft Probleme hat das Internet zu finden, zeigte mir hier oben vollen Empfang an.

Unser Ausflug begann am Samstagmorgen am Busbahnhof in Sofia. Nur dank der Hilfe eines freundlichen Bulgaren war es uns gelungen, die letzten fünf Tickets für den Bus nach Dupnitza zu ergattern. In diesem erlebten wir dann die erste wirkliche Herausforderung unserer kurzen Reise: Niemand hatte uns über die Nummerierung der Sitze aufgeklärt. So sorgten wir für etwas Chaos und mindestens zehn Minuten Verspätung, in dem wir an der zweiten Haltestelle eine Mischung aus „Bäumchen, Bäumchen wechsle dich“ und „Stuhltanz“ aufführten.

In Dupnitza stiegen wir in einen kleineren Linienbus um. Warum mir dieser so normal und bekannt vorkam, erkannte ich erst nach einem Blick in Richtung Busfahrer. Über dessen Kopf klebte das Schild: „Nicht während der Fahrt mit dem Fahrer sprechen“. Die Sticker an den Fenstern wiesen mich auf den Notausgang hin. Leider stand nirgendwo, in welcher deutschen Stadt dieser bulgarische Linienbus früher einmal Passagiere von A nach B gebracht hatte.

Die letzten Kilometer bis zum Sessellift, mit dem wir dann richtig ins Gebirge hochfahren wollten, legten wir mit einem klapprigen Minivan zurück. Warum die Polizei den Fahrer unterwegs anhielt und dessen leere Trinkflasche kontrollierte, ist mir leider bis heute noch ein Rätsel. Dank meiner Höhenangst wurde auch die Fahrt im Lift für mich zur großen Freude. Angespannt klammerte ich mich mit der einen Hand an meinem Rucksack und mit der anderen Hand an der Halterung fest. Zu keiner Bewegung fähig, harrte ich aus und fragte nur immer wieder im jammernden Tonfall, wann diese Fahrt nur endlich vorbei sei. Der Vorteil war: Ich freute mich umso mehr, als ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen spüren konnte.

Nach einer kurzen Pause begannen wir den Aufstieg zu den Rila-Seen. Von dort aus stiegen wir in ein Tal hinab, in dem wir die Nacht in einer Berghütte verbringen wollten. An der Berghütte begrüßten uns freilaufende Hunde, Katzen und Pferde. Und das Gefühl, vom Rest der Welt wirklich ganz weit weg zu sein. Der Betreiber der Hütte erzählte uns, dass es in wenigen Tagen Schnee geben würde. Obwohl die Hütte eigentlich überbelegt war, fanden auch wir glücklicherweise noch einen Schlafplatz. Und da der zwar warm, aber nicht sonderlich bequem war, fiel es nicht einmal mir am nächsten Morgen schwer, um 6 Uhr das Bett zu verlassen, um den Abstieg in Richtung Rila-Kloster zu beginnen.

Der Abstieg lässt sich eigentlich nur mit dem Wort: ANSTRENGEND erklären. Mal steil, mal steinig, mal rutschig führte uns der Weg durch hohes Gras, Rhabarberfelder und am Ende auch noch durch einen Wald. Belohnt wurden diese Strapazen mit dem Anblick des Rila-Klosters. Da ich mich dann jedoch für den Shopska-Salat und gegen das Museum entschied, kann ich darüber an dieser Stelle auch gar nicht so viel schreiben. Außer: Es sah wirklich sehr schön aus.

Die Wanderung am Wochenende hat mich sehr an meine Zeit auf dem spanischen Jakobsweg erinnert. Vor allem an die Lektion, die ich dort gelernt habe: Der Weg gibt dir was du brauchst. Ich meine das gar nicht so esoterisch, wie es vielleicht klingt. Ich meine damit eher, dass ich in Spanien gelernt habe, die Dinge etwas gelassener anzugehen. Und ein ähnliches Gefühl überkam mich am Samstag, kurz nachdem ich meine Wanderschuhe angezogen hatte. Ich wusste, dass wir irgendwie ankommen würden. Ich war dankbar für den freundlichen Bulgaren, der uns geholfen hatte, die Tickets zu kaufen. Und ich war mir sicher, dass wir in der Hütte einen Schlafplatz finden würden. In Spanien habe ich mir einen gewissen Pragmatismus angewöhnt, von dem ich hier, in der einen Woche, die ich erst hier in Bulgarien bin, schon sooft Gebrauch machen konnte.

Hier kann ich noch lachen: Foto vor dem Beginn der eigentlichen Wanderung. 

Das Rila-Gebirge hat unglaublich schöne Landschaften zu bieten.

Ein atemberaubendes Gefühl von Freiheit erwartete mich in der Berghütte.

Im Gebirge werden noch echte Pferdestärken für den Transport gebraucht!

Sind wir wirklich in Bulgarien und nicht in der Wüste?

„Uuuuuh, da gibt es Ponys!!!“

Baden leider verboten!

Ein Teil der kulturweit-Crew aus Sofia! 🙂

Das Rila-Kloster, das ich bestimmt nochmal in Ruhe und mit Zeit für die Kirche und die Museen besuchen werde.

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Здравейте от София

„Wir singen:
Ohne Arbeit wär das Leben öde
Also sing ich müde meine kleine Ode
An die Arbeit“
(Wir sind Helden – (Ode) an die Arbeit)

Vierzig Stunden Woche – Ohne mich! Das denke ich, wenn ich am Abend nur noch müde und ausgelaugt ins Bett fallen möchte und mich kaum traue, noch irgendeiner anderen Aktivität als der Zubereitung meines Abendessens nachzugehen. In mir keimt dicker Respekt für meine Eltern und Großeltern, die es irgendwie geschafft haben neben dem Job noch Familie, Freunde, den Haushalt und das liebe Vieh unter einen Hut zu bekommen. Gestern erwischte ich mich dabei, wie ich sehnsuchtsvoll durch Google Maps scrollte. Mazedonien, Serbien, Rumänien, Griechenland – all diese Länder möchte ich in den kommenden Monaten so gerne besuchen. Und auch Bulgarien selbst gilt es natürlich zu bereisen. Zum Glück bleibe ich ein ganzes Jahr und nicht nur wenige Wochen!

Obwohl die ersten Arbeitstage anstrengend waren, gefällt mir mein neuer Job. Denn: An meinem Arbeitsplatz bin ich umgeben von Büchern. Wer in Sofia ist und Lust bekommt sich durch sämtliche Werke deutscher Autor_Innen zu lesen ist hier, in der Bibliothek des Goethe-Instituts, genau richtig. Meine Aufgaben spielen sich momentan noch viel vor dem Bildschirm ab: Ich unterstütze meine Chefin bei der Vorbereitung von Veranstaltungen und Projekten. Heute hatte ich meine erste Schicht am Informationstresen. Drei Stunden lesen und ein bisschen mit den Besucher_Innen quatschen – das klingt fair, finde ich. In naher Zukunft soll ich dann noch Führungen mitgestalten und mit etwas Glück steht auch der ein oder andere Spielenachmittag mit dem deutschsprachigen Kindergarten auf dem Programm. Obwohl aller Anfang natürlich schwer ist, habe ich nach nur fünf Tagen schon das Gefühl mich recht gut eingelebt zu haben. Das gilt übrigens nicht nur für das Institut, sondern für die Stadt Sofia an sich.

Mein Arbeitsweg führt mich jeden Tag an der Alexander-Newski-Kathedrale vorbei. Vom Goethe-Institut ist es nicht weit bis zum Zentrum und bei mir in der Nähe gibt es zahlreiche Bars und Kneipen. Vor allem kulinarisch gesehen bin ich hier im siebten Baklava-Himmel. Diese klebrige Süßspeise aus Blätterteig, Nüssen und Honig hatte es mir in Berlin schon angetan. Hier gehört sie fast täglich auf meinen Speiseplan. Obst und Gemüse kaufe ich nicht mehr im Supermarkt, sondern nur noch bei den kleinen Gemüseläden, die es an jeder Straßenecke zu geben scheint.

Der Straßenverkehr ist noch etwas gewöhnungsbedürftig. Hier gilt das Gesetz der Willensstärke. Der Klügere gibt nicht nach, sondern geht einfach über die Straße, egal ob da Autos kommen. Ich sage mir einfach immer wieder, dass wohl niemand freiwillig an einem Unfall beteiligt sein möchte und selbst der radikalste Autofahrer sich im Falle des Falles an seine Bremsen erinnern wird.

Im Goethe-Institut fand am Mittwochabend eine Veranstaltung mit einem deutschen Autoren statt. Leander Steinkopf stellte uns nicht nur sein (wie ich finde ziemlich tolles) Buch vor, sondern erzählte auch von seinem Leben als Schriftsteller und seiner Beziehung zu Sofia. Er sprach von übersättigten Deutschen, die, in der Hoffnung auf ein Abenteuer, nach Osteuropa reisen. Ein bisschen konnte ich mich in dieser Aussage wiederfinden. Denn um ehrlich zu sein: Anfangs hatte ich die naive Vorstellung, dass es hier irgendwie weniger „westlich“ zugehen würde als zu Hause. Dass es hier die gleichen Marken und Läden geben würde wie in Deutschland, hatte ich nicht auf dem Schirm.

Neben den Einkaufszentren, Casinos und Touristenattraktionen gibt es jedoch auch die bulgarischen Omas, die am Straßenrand sitzen und selbstgestrickte Socken verkaufen. Es gibt Gäste in der Bibliothek, die freundlich lächeln und mir sagen, dass sie keine Eile hätten, wenn ich das gewünschte Buch nicht auf Anhieb finden kann. Es gibt die Schulklassen, deren Kunstunterricht im Park stattfindet und nicht im Klassenzimmer. Irgendwie strahlt Sofia neben aller Modernität und Hektik eine Ruhe aus, die mir das Gefühl gibt, an diesem Ort noch eine ganze Weile bleiben zu wollen.

Auf dem Heimweg geht es an der Alexander-Newski-Kathedrale vorbei.

Am Montag hat der Sprachkurs begonnen – ich übe die Namen meiner Familienmitglieder in kyrillischen Buchstaben zu schreiben.

Stets freundlich und kompetent sitze ich am Tresen der Bibliothek ;).

Ein besonders leckeres Baklava, aus der Bäckerei direkt um die Ecke.

Einer der vielen Gemüseläden.

Kontrastprogramm: Extrem-Shopping.

Bei einer Stadtführung entdeckt und für die Zukunfts-Wunschliste gespeichert: Ein buntes Tor.

In Sofia gibt es eine Menge Street-Art zu bewundern. Dieses Bild ist erst am Samstag fertig geworden.

„Stadt der Feen und Wünsche“ von Leander Steinkopf. Wundervolle Berlin-Erzählung.

Marteniza – ein bulgarischer Glücksbringer, der jedes Jahr am 1. März verschenkt wird. Und in Sofia auch Mitte September noch in den Bäumen zu finden ist.

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Nachgedanken zum Vorbereitungsseminar

„Tschau, ich bin raus. Wer suchet verschwindet“
(Alligatoah – Wie Zuhause)

Eigentlich wollte ich gar keinen Beitrag über das Vorbereitungsseminar schreiben. Doch irgendwie zwingt mich mein inneres Bedürfnis nach Struktur, nun auch noch diesen Eintrag zu verfassen.

Ende August lag die Zeit am Werbellinsee noch vor mir wie eine Ewigkeit. Was soll ich denn da nur zehn Tage lang machen? Diese Frage stellte ich mir, als ich mich auf den Weg zum Berliner Hauptbahnhof machte und auch später noch, als unser Bus durch die brandenburgische Pampa gurkte. Endlich angekommen bekam ich dann recht bald eine Antwort auf diese Frage. Uns erwartete ein straff durchgeplantes Programm, vollgepackt mit Seminaren und Workshops zu Diskriminierung und (Post-)Kolonialismus, der Auseinandersetzung mit konkreten Aufgaben, Ängsten und Erwartungen sowie einer Exkursion nach Berlin. Neben diesem inhaltlichen Zweck sollte das Seminar wohl vor allem einen sozialen Zweck erfüllen: 330 Mitfreiwillige wollten kennengelernt werden. Dass ich dabei nicht jedem, bzw. jeder (jaja, ich schreibe jetzt politisch korrekt), persönlich die Hand schütteln konnte, versteht sich irgendwie von selbst. Aber die, die ich wirklich kennenlernen durfte, möchte ich jetzt nicht mehr vermissen.

Abgeschottet vom Rest der Welt, eingebettet in einen strukturierten Tagesplan und umgeben von Gleichgesinnten, fühlten sich die Tage am See manchmal sehr nach Blase an. Diese hatte ihre Vor-, aber auch ihre Nachteile. So blieben manche Vorbereitungen zu Hause dann doch auf der Strecke, außerdem meldeten sich mit der Zeit auch Gedanken, die sich vorher noch nicht an die Oberfläche gewagt hatten. Ich fragte mich kritisch, wie sehr ich mich zum Aushängeschild Deutschlands machen lassen möchte. Aber auch, aus welcher Motivation heraus ich damals meine Bewerbung geschrieben hatte und ob das Argument „macht sich gut im Lebenslauf“ nicht noch eine Prise Idealismus vertragen könnte.

Zum Glück wurden solche Fragen meistens aufgefangen. Entweder von meiner Trainerin während der sogenannten „Homezone“ (die Kleingruppe, in der die meisten Seminare stattfanden), oder von den anderen Freiwilligen, die sich teilweise mit ähnlichen Gedanken beschäftigten. Ich freue mich jetzt schon auf das Zwischen-, bzw. auf das Nachbereitungsseminar mit Euch.

Vergangenen Montag, also fast genau vor einer Woche, ging es dann noch einmal nach Hause und somit zurück in die Realität. Packen und die letzten Abschiede standen auf dem Plan. Pünktlich kurz vor Abreise besuchte mich dann noch eine dicke Erkältung. Und so lag ich immer wieder auch nur im Bett oder auf der Couch, statt mich mental wirklich auf alles vorbereiten zu können.

Nun sitze ich in meinem Zimmer in Sofia und habe schon zwei Nächte überstanden. Morgen geht es dann wirklich los. Ein bisschen fühle ich mich wie vor sechs Jahren am Vorabend meines ersten Unitages. Damals hatte ich mich perfekt auf alles vorbereitet. Der Rucksack war gepackt, die Schnittchen geschmiert und ich ließ den Abend gemütlich vor dem Fernseher ausklingen, um am nächsten Morgen bloß pünktlich aus dem Bett zu kommen. Ganz so streng wird es wohl heute Abend nicht zugehen. Aber dennoch gebe ich zu, dass ich nicht ganz so gelassen bin, wie ich es gerne sein würde.

„Homezone 25“ – Bulgarien und Serbien.

„Erwin“ musste natürlich mit!

Pumuckl geht auf Reisen

Mein Zimmer in Sofia

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Bald!

„Und das Gelbe auf dem Schnee von gestern,
sind nur Spritzer vom Abschiedsbier.
Wenn du weißt morgen bist du fort von hier,
wenn du weißt morgen wirst du weiter ziehn.
Aus supertrist wird superschön.
Wenn du weißt morgen wirst du gehn“
(Bosse – Mordor)

Die letzte Woche in Berlin ist angebrochen. Nur noch drei Nächte in meinem Hochbett. Nur noch drei Abende, an denen ich mich mit Freunden treffen kann.  Nur noch dreimal mit den Mitbewohnis in der Küche sitzen. Ich stehe in meinem schon leeren WG-Zimmer und frage mich, wo die Zeit geblieben ist. War nicht eben noch März? Habe ich nicht gestern erst die Zusage für den Freiwilligendienst in Sofia bekommen?

Als ich die Bestätigungsmail für Bulgarien im Postfach hatte, war meine Freude riesig. Wow, Goethe-Institut! Cool, Auslandserfahrung! Endlich, weg aus Berlin! Das waren so die Gedanken, die mir damals durch den Kopf schossen. Auch in den letzten Wochen war ich „noch ganz gechillt“, wie meine Mutter das jetzt sagen würde. Arbeit, Uni-Exkursion und Kurzurlaube haben kaum Platz gelassen, irgendwie groß über die kommenden 12 Monate nachzudenken. Und wenn, dann nur mit Vorfreude.

Aber nun ist es fast so weit. Mein Freiwilligendienst beginnt offiziell am Samstag. Da fahre ich zum Vorbereitungsseminar an den Werbellinsee. Dort treffe ich zum ersten Mal auf die anderen Freiwilligen, lerne das Orga-Team von kulturweit kennen und werde wohl so richtig und wahrhaftig mit der Tatsache konfrontiert, dass es nun wirklich bald losgeht. Und plötzlich sind sie da, diese etwas unschönen Fragen in meinem Kopf: Hätten nicht 6 Monate auch gereicht? Habe ich alle wichtigen Unterlagen? Hätte ich nicht doch noch ein bisschen bulgarisch lernen sollen? Und dann dieses komische Gefühl, dass ich Berlin, bzw. „meine Berliner“, ganz schön vermissen werde. Irgendwie fühlt sich der Moment, auf den ich so lange gewartet habe, gerade viel zu nah an.

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