Grenzerfahrung

Nach dem Vorbereitungsseminar am Werbelinsee fuhr ich mit dem FlixBus nach Warschau und von dort dann nach Minsk weiter.

Mitten in der Nacht kamen wir schließlich zur belarussischen Grenze. Der Busfahrer sagte irgendetwas auf Russisch und ein paar Leute antworteten. Ich schaute mich hilfesuchend um, doch mein Blick traf nur den eines Mannes mit Dreads, der mich daraufhin fragte, was der Busfahrer gesagt hatte. Leider hatte ich wahrscheinlich noch viel weniger Ahnung als er. Und so hofften wir beide einfach, dass wir nicht betroffen waren. Im Nachhinein denke ich auch, dass wir es nicht waren, denn der Mann hat vermutlich gefragt wer etwas zu verzollen hat. Als es schließlich nach langem Warten irgendwann weiterging, hatte ich die naive Hoffnung dass wir es über die Grenze geschafft hatten. Aber Junge war das naiv! Kurz darauf stoppte der Bus erneut, der Busfahrer sagte etwas für mich unverständliches und alle um mich herum setzen sich mitsamt ihren Pässen in Bewegung. Diesem Trend folgten das polnische Mädchen neben mir, dass ebenfalls kein russisch verstand, der Mann mit den Dreads, der ganz offensichtlich auch kein russisch verstand und ich dann. Wir standen alle in einer Reihe an und mussten unsere Pässe mit dem Visa zeigen. Eigentlich keine große Sache, trotzdem hatte ich Angst jetzt einfach um 3 Uhr nachts irgendwo in Polen an der belarussischen Grenze stehengelassen zu werden, weil mein Visum aus irgendwelchen Gründen nicht gültig war. Nachdem ich, trotz sehr kritischem Blick der Zollbeamten, durchgelassen wurde saß ich, wieder sehr naiv, erleichtert im Bus. Der Bus hielt erneut an und das Licht ging an. Ein Mann stieg ein und alle suchten wieder nach ihren Pässen und hielten diese neben ihre Gesichter. Wir taten es ihnen gleich. Als der Beamte bei mir angelangt war, sah er mich etwas länger an und fragte mich dann irgendetwas auf Russisch. Mein Herz rutschte mir in die Hose und zum ungefähr hunderttausendstenmal an diesem Tag stammelte ich so etwas wie „Sorry i don’t understand“ woraufhin er mich auf Englisch fragte wohin ich gehe. Nach einer ewigen Pause in der ich hauptsächlich überlegte wie man den Ort an den ich ging denn jetzt eigentlich richtig aussprach, antwortete ich zur Erleichterung aller „Gomel“. Schien die richtige Antwort zu sein. Doch der Mann fragte mich noch ob ich nach Russland gehen würde. Wieder eine schmerzlich lange Pause, dann „No“ und der Mann war zufriedengestellt. Eigentlich gar nicht so schwer. Als nächstes nahm er den Mann mit den Dreads neben mir ins Visier, doch der hatte ja schon beobachtet wie das ablief und antwortete deshalb souverän dass er nach Minsk ginge. Vielleicht hätte ich auch einfach „Minsk“ sagen sollen, dass wäre wesentlich einfacher auszusprechen gewesen. Das Mädchen neben mir stimmte jedenfalls zu, dass es sehr weird gewesen war und ich fragte mich auch warum der Mann gerade ausgerechnet nur mich und den Mann neben mir gefragt hatte, aber zum Glück hatte ich es ja jetzt geschafft. Dachte ich jedenfalls. Nach kurzer Fahrt hielt der Bus erneut. Diesmal nahmen alle Leute nach Anweisung des Busfahrers auch noch ihr Gepäck mit. Und so stand ich dann dort mit meinen 50 kg Gepäck. Und leider musss ich sagen, dass das nicht übertrieben ist. Nein, um genau zu sein, ist es leider sogar untertrieben. Es waren bestimmt um die 53kg Gepäck und mit denen musste ich jetzt durch ein kleines Türchen vor einen Zollbeamten stehen und meinen Reisepass rauskramen. Es folgte ein weiteres Horrorgespräch, in dem ich seeehr lange nicht wusste, worauf der Mann hinauswollte. Da er mich immer wieder und wieder fragte wohin ich nach 5 Tagen gehen würde. (Er meinte natürlich, dass ich mich registrieren lassen musste) Hatte er irgendwann erbarmen mit mir und gab mir schließlich die Antwort einfach vor und ich nickte heftig und antwortete „yes“.Richtige Antwort. Glück gehabt. Der Mann hinter dem Schalter lächelte mich an und ich ging zu meiner nächsten Hürde. Ich sollte ich bei einer Gruppe aus drei Zollbeamten meinen Koffer öffnen. Leider wurde jetzt auch den 3 Zollbeamten klar wie viel Schmarrn ich mit mir rumschleppte. Scheinbar fanden sie das aber, im Gegensatz zu mir, sehr witzig. Mehr verstand ich auch nicht.

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