{"id":655,"date":"2014-05-18T18:38:39","date_gmt":"2014-05-18T16:38:39","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/eickeubosnu\/?p=655"},"modified":"2014-05-18T18:38:39","modified_gmt":"2014-05-18T16:38:39","slug":"von-bosnischen-seminarfluten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/eickeubosnu\/2014\/05\/18\/von-bosnischen-seminarfluten\/","title":{"rendered":"Von bosnischen (Seminar)fluten"},"content":{"rendered":"<p>Hier hie\u00df es Land unter die letzte Woche. Sowohl auf meinem Schreibtisch als auch im Rest des Landes: Bosnien und Umgebung erleben Erdrutsche, \u00dcberschwemmungen, Heimlosigkeit und (zumindest bis gestern) eine Woche Dauerregen. Da sch\u00e4tzt man es doch sehr, dass unser <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/eickeubosnu\/2014\/04\/07\/die-zweitsemesterprojektelei\/\">&#8222;BuH lacht&#8220; Seminar<\/a> alles andere als ein Bauchklatscher in braune Fluten war.<\/p>\n<p>Ganz im Gegenteil: Wenn nach drei Tagen locker-intensiver Arbeitsatmosph\u00e4re eine top Aktion auf der Stra\u00dfe steht, die Gruppe uns selbst als Familie bezeichnet, man nur konstruktives Lob und tr\u00e4nenvolle Blicke zugeworfen bekommt, kann man schon von deutlichem Erfolg sprechen. Nur die Augenringe am Montagmorgen darf man sich nicht angucken, oder gerade: Ich hab mir gesagt, dass die in 20 Jahren bestimmt wie Lachfalten aussehen.<\/p>\n<p>Gelacht haben wir n\u00e4mlich. T\u00e4glich und ausgiebig. Und nur. Nach donnerst\u00e4gigen Workshops zur allgemeinen Stra\u00dfenkunstfindung (da ging es los mit der Lacherei und sollte nie wieder aufh\u00f6ren) und Planungen am Freitag, lagen wir Freitag mit unnormal viel Publikum schwarz angezogen und mit Farbe im Gesicht auf dem Boden der Innenstadt rum, nachdem wir uns mit bunten Luftballons blau gepr\u00fcgelt hatten und die Stadt mit weiterer Tanz-Rythmus-Gedicht-Freudeabrei\u00dfzettel-Prank-Mopperei verzuckert haben. Das stille Abschlussspektakel wurde brav von Romakindern zu einer &#8222;Wir klauen die Luftballons&#8220;-Schau umfunktioniert: So soll es la schlie\u00dflich laufen auf der Stra\u00dfe. Die Stadt macht aus uns, was sie will.<\/p>\n<p>Spontan wurde dann noch vorbeifahrenden Autor applaudiert, die haben&#8217;s verstanden, die Kids. Freizeit gab es genug, Freiheiten auch, was die ganze Schose sehr angenehm f\u00fcr alle seiten gemacht hat. Soetwas wurde dann mit gemeinsamem Fr\u00fchst\u00fcck belohnt, mit dem kleinen Finger hat man gezuckt und schwupps war der ganze Raum wieder sauber.<br \/>\nNein, alles in allem will ich uns f\u00fcnf Freiwilligen und vor allem den Sch\u00fclern wirklich nur selber auf die Schulter klopfen. Gegenseitige Besuche der Sch\u00fcler sind schon geplant, was ja genau das Zeil war: Sarajevoer, hab Freunde in Banja Luka, mit denen du lachen und das Leben genie\u00dfen kannst. Und wer wei\u00df, wann man das n\u00e4chste mal zusammen die Innenstadt rockt. Wie wir da rumgelaufen sind, sieht man <a href=\"http:\/\/www.ekskluziva.ba\/galerija\/Ferhadija-ove-subote-raj-za-oci-\/50108\/444947\">hier<\/a>. Einfach mal durchklicken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach diesem Erfolg ging es wettertechnisch weniger erfolgreich weiter. Was einen nat\u00fcrlich noch gl\u00fccklicher macht, was das Vorg\u00e4ngerwochenende angeht. Den sowieso schon hoch stehenden Fl\u00fcssen durch den Aprilregen (die Una im Norden Bosnien und Herzegovinas stand am ersten Mai zwei Meter h\u00f6her als normal) wurde der Rest gegeben. Wir haben es mit den schlimmsten Fluten der letzten 100 Jahre zu tun. Bosnien und Serbien rufen den Notstand aus.<br \/>\nSarajevo uptown hat es noch gut. Hier liegen die Sands\u00e4cke nur vorsichtshalber am Flussufer, Die widerlich braunen Schlamm-Erdrutschfluten sammeln sich weiter flussabw\u00e4rts: In Ilid\u017ea. In diesem weitl\u00e4ufigen Ex-R\u00f6mertal flie\u00dfen gleich drei weitere Fl\u00fcsse mit der Miljacka zusammen und bilden somit ein wunderbar flutfreudiges Tal. Hier steht alles unter Wasser, wie in weiteren St\u00e4dten noch viel extremer, die werden von Erdrutschen geplagt. Das Eigenheim, wof\u00fcr das ganze Leben geschuftet wurde, kann man sich auf einmal vom Ufer aus angucken. Menschen sind jetzt nicht nur job- sondern auch noch heimatlos.<br \/>\nEin momentan noch aufkommendes Problem versteckt sich jedoch nicht in den Fluten, sondern vielmehr im Verrutschten. Landminen halten 100 Jahre. Der Krieg ist knapp 20 Jahre vorbei. Stra\u00dfen wurden wegen der Fluten gesperrt und werden auch noch gesperrt bleiben m\u00fcssen, bis man den Mist durchgesiebt hat.<br \/>\nEine dieser Stra\u00dfen ist die Verbindungsstra\u00dfe Banja Luka &#8211; Sarajevo, die seit diesem Wochenende nicht befahrbar ist. Folglich ist der Referent f\u00fcr das f\u00fcr dieses Wochenende angesetzte Seminar &#8222;Grammatik und Grammatikvermittlung&#8220; der ZfA in Banja Luka kleben geblieben, ebenso wie ungef\u00e4hr 40 weitere Lehrkr\u00e4fte des DSD-Programms in ihren Heimatst\u00e4dten.<br \/>\nDas Programm (wir waren diesmal nur genervte Teilnehmer &#8211; was soll man schlie\u00dflich 4 Wochen vor Schulschluss noch Grammatik vermitteln \u00fcbern? Ein wenig sp\u00e4t f\u00fcr uns&#8230;) wurde also (zu unserer geteilten Freude) um circa 80 % gek\u00fcrzt, womit wir heute zumindest einen Tag Wochenende haben, um das letzte Seminar nachzuarbeiten und das f\u00fcr n\u00e4chstes Wochenende vorzubereiten:<br \/>\nWie auch schon im Oktober werden die zuk\u00fcnftigen DSD-Schreiblinge und Schreiblinginnen mithilfe eines Vorbereitungsseminars auf den schriftlichen Aufsatzteil der Pr\u00fcfung vorbereitet. Warum nicht wieder im Oktober? Weil das zu kurzfristig war. Jemand, der in der Jugonostalgie noch nie eine Diskussion gef\u00fchrt hat, kann dies schlecht innerhalb von zwei Monaten lernen. Man braucht daf\u00fcr zwar ein ganzes Leben, jedoch bietet sich ein halbes Jahr Vorsprung doch deutlich eher an. Einfach, damit die Sch\u00fcler mal ein Gef\u00fchl daf\u00fcr kriegen, was auf sie zukommt. Samstag geht es an die Struktur des Aufsatzes, Sonntag wird geschrieben und besprochen. Seminiert eben.<\/p>\n<p>Danach hab ich dann mal wieder freiere Wochenenden. Aber wie auch zwei Tage im Komplettstress vor Beginn des &#8222;lachenden BuHs&#8220; sage ich mir jetzt: Genie\u00dfe jede Sekunde Stress, geht sowieso alles viel zu schnell vorbei. War letztes Wochenende so und wird auch f\u00fcr die letzten vier Schulwochen so sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier hie\u00df es Land unter die letzte Woche. Sowohl auf meinem Schreibtisch als auch im Rest des Landes: Bosnien und Umgebung erleben Erdrutsche, \u00dcberschwemmungen, Heimlosigkeit und (zumindest bis gestern) eine Woche Dauerregen. Da sch\u00e4tzt man es doch sehr, dass unser &#8222;BuH lacht&#8220; Seminar alles andere als ein Bauchklatscher in braune Fluten war. 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