{"id":592,"date":"2014-04-09T22:44:58","date_gmt":"2014-04-09T20:44:58","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/eickeubosnu\/?p=592"},"modified":"2014-04-25T19:47:04","modified_gmt":"2014-04-25T17:47:04","slug":"der-gruss-aus-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/eickeubosnu\/2014\/04\/09\/der-gruss-aus-deutschland\/","title":{"rendered":"Der Gru\u00df aus Deutschland&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><!-- [if gte mso 9]&gt;--><\/p>\n<p>&#8230;kommt eine Woche zu sp\u00e4t. Aus Zeitmangel. Eine Woche ist die Schwester zu besuch, knapp zwei Wochen begleitet man einen Austausch nach Aschaffenburg und jetzt ist schon wieder f\u00fcr zwei Wochen etwas Liebes aus Hamburg da, da steckt man die Tippzeit eben ein bisschen zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Hier die halbe Stunde Kulturschock zusammengefasst.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00a0Am Flugplatz steht er. In der Sonne, in Sarajevo. F\u00fcnf Minuten vor Check-In-Schluss, ganz zeitig, ganz bosnisch. Das viel zu gro\u00dfe Handgep\u00e4ck in Form eines f\u00fcr zwei Wochen gepackten Wanderrucksackes hat schon die Handgep\u00e4ckmarke &#8211; trotz gef\u00fchlten \u00dcbergewicht. Gut, dass der Blonde nicht aus Deutschland zur\u00fcck, sondern erstmal hin will.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Nach drei Kaffees und noch ein bisschen herumstehen springt die bosnische Masse von ihren St\u00fchlen, weg von der Check-Im-Warterei. Die Ansagen kommen vertauscht aus der Durchsage &#8211; Erst kam der letzte Aufruf f\u00fcr den Flug nach K\u00f6ln, danach durften Frauen, Kinder und Alte auf die hinteren Pl\u00e4tze. Aber flott sind sie, wenn es losgeht, da steht dann doch der junge Spusi vor der Oma am Schalter. Hat wohl die Lautsprecher nicht richtig geh\u00f6rt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00a0In K\u00f6ln regnet es. Bei 12 Grad. Es ist grau und sauber. Ein Freiwilliger steigt aus dem Flugzeug, ausgehungert. Deutsche Fluggesellschaften verlangen eben sechs Euro f\u00fcnfzig f\u00fcr ein Mini-Sandwitch. Da ist man entweder arm und halbsatt oder stolz und hungrig, wenn man wieder festen Boden unter den F\u00fc\u00dfen hat.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Es f\u00e4llt der Mamorboden auf. Es f\u00e4llt der Geruch auf. Es fallen die M\u00fclleimer auf. Und die Passkontrolle, wo ein EU-Deutscher 700 mal so schnell durchkommt als ein Bosnier.<\/p>\n<p>Mit der S-Bahn zum Bahnhof. Auf dem Weg dorthin&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">&#8230;k\u00f6nnte doch so langsam-\u00a0\u00a0\u00a0 Ah, da ist ein Schild.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Und wo-\u00a0\u00a0\u00a0 Ah, hier steht es doch, die Treppe runter.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wann f\u00e4hrt denn-\u00a0\u00a0 &#8222;Auf Gleis 2 f\u00e4hrt ein die S-Bahn nach K\u00f6ln Hauptbahnhof.&#8220;<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Danke Deutschland, danke System. Ja, System. Da kann man sich drin bewegen, sich zurechtfinden. Man kommt vom Flughafengrenzkontrollsystem in das Gep\u00e4ckabholsystem (was ich erfolgreich auf der Fast-Lane um gehen konnte, dank nur Handgep\u00e4ck) in das Gangleitungssystem in das Fahrkartenkaufsystem in das Zugsystem.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Die Bahn f\u00e4hrt an. Zumindest sieht es so aus, weil sich drau\u00dfen der Bahnsteig bewegt. Man h\u00f6rt n\u00e4mlich nichts, man f\u00fchlt n\u00e4mlich nichts. Man merkt nur dieses leichte Stupsen, wenn der Magen lieber ein St\u00fcck dichter an die Wirbels\u00e4ule will. Fachgem\u00e4\u00df und geschult wird kontrolliert, offen und ehrlich die Versp\u00e4tung zugegeben, viereinhalb Minuten. Genau.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">In K\u00f6ln am Hauptbahnhof. B\u00e4ckergeruch vom Coffee-to-go. Oder besser noch vor dem Hauptbahnhof. Da stehen Demo-Leute mit Megaphon und keiner guckt hin. Da steht dieser dusselige Blonde mit dem \u00dcbergep\u00e4ckrucksack mitten in K\u00f6ln vorm Hauptbahnhof und guckt sich erstmal um. Da sind so viele Leute. So viele Leute. So viele. Die rennen hin und her, die Treppe zum Dom hoch und wieder runter, im Businesslook mit dem Telefon an der Backe, mit Studentenlook und dem Br\u00f6tchen in der Hand, mit normal-b\u00fcrgerlichem Arbeitslook und dem Coffee-to-go. Und alle am Sprinten. Noch schnell die Regionalbahn nach Bonn kriegen, die hat ja genau drei Minuten Versp\u00e4tung, die kriegt man noch. Und wenn ich im gehen meinen Kaffee trinke kommt das Koffein bestimmt schneller ins Blut? Lauft alle, lauft!<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Der \u00dcbergep\u00e4ckrucksack steht in einem Caf\u00e9 namens Antheum. Hier gibt es Antiquit\u00e4ten und Kaffee. Neben dem Rucksack sitzt dieser komische Mensch, der vorhin noch den gesamten Bahnhofsplatz blockiert hat und nachher noch im Buchladen Loriot lesen und im Museumsladen Postkarten kaufen wird. Der Zug f\u00e4hrt n\u00e4mlich erst in ein paar Stunden weiter. Den ganzen sch\u00f6nen deutschen Laden hat der aufgehalten, er, der Dreckfleck im Bahnhofseingangssystem. Der, der in Bosnien immer alle \u00fcberholt beim sprinten, wird hier eiskalt abgeh\u00e4ngt und liegt \u00fcberrundet und stolz auf dem letzten Platz.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Meine Anschlussverbindung hat Versp\u00e4tung. 21 Minuten. Eigentlich sind nur 15 Minuten Zeit zum umsteigen. Wie sch\u00f6n, dass der zweite Zug auch 17 Minuten Versp\u00e4tung hat, da kann man dann seine Zigarette noch im gelben Quadrat rauchen, und muss sich das Nikotin nicht im Gehen zwischen Smartphone, Autoschl\u00fcssel und Rollkoffer auf hohen Schuhen durch die Z\u00e4hne saugen&#8230;<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\n<p class=\"MsoNormal\">Toll sind sie, die Deutschen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230;kommt eine Woche zu sp\u00e4t. Aus Zeitmangel. 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