{"id":579,"date":"2014-02-25T17:22:43","date_gmt":"2014-02-25T16:22:43","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/eickeubosnu\/?p=579"},"modified":"2014-02-25T19:54:57","modified_gmt":"2014-02-25T18:54:57","slug":"geteilte-stadt-im-bosnischen-fruehling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/eickeubosnu\/2014\/02\/25\/geteilte-stadt-im-bosnischen-fruehling\/","title":{"rendered":"Geteilte Stadt im bosnischen Fr\u00fchling?"},"content":{"rendered":"<p>Es ebbt alles langsam ab. Es schwindet. Aus den Medien, aus den Gespr\u00e4chen, aus dem Stra\u00dfenbild. Nurnoch vereinzelt kommen Proteste vor, nurnoch vereinzelt f\u00e4hrt die Tram mich nicht zur Arbeit. Was war da los? Was ist da passiert?<\/p>\n<p>Steine folgen, Krankenh\u00e4user haben sich gef\u00fcllt. Minister fl\u00fcchten nach Kroatien und steigen ab. Der Plakatwunsch nach einer neuen Regierung scheint zu kommen.<\/p>\n<p>Initiiert sei das ganze von den 200 Parteien der Opposition, sagen Einige. Die Proteste seien geplant, um das Unk\u00f6nnen der Regierung blo\u00dfzustellen. Andere sind einfach nur geschockt. Es sei der Anfang von allem. Nein, es koche nur einmal hoch und dann beruhigen sich alle wieder. Es werde wieder Kriege geben, ganz sicher sei das. Und weg will man, das ist die L\u00f6sung.<\/p>\n<p>Fakt ist, dass dies die gr\u00f6\u00dften bosnischen Ausschreitungen seit dem Krieg waren. Und noch sind. Nur weil man nichts mehr h\u00f6rt, hei\u00dft das nicht, dass sich irgendetwas ge\u00e4ndert h\u00e4tte, das sich irgendetwas verbessert h\u00e4tte. Dass irgendjemand jetzt beruhigt w\u00e4re. So gut wie jeder hier unterst\u00fctzt die Proteste. Nur nicht die Gewalt. Gewalt schockt die Menschen hier. Gewalt geh\u00f6rt nicht in den Alltag, Gewalt tut man nicht.<\/p>\n<p>Stille Proteste wirken jedoch nicht, man bedenke die Blokaden an der Miljacka (<a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/eickeubosnu\/2013\/11\/14\/democracija\/\">hier<\/a> ein Artikel dazu). Die Situation hier schreit nach Eskalation. Und wenn man sich die Bilder aus der Ukraine anguckt, erscheint einem das alles garnichtmal so fern.<\/p>\n<p>In der Schule behandele ich Stellungnahmen zu aktuellen Themen im Unterricht. Die bringen Nachrichten mit, die sie selbst interessieren, die aktuell sind. Die letzte Doppelstunde ging es um die Proteste. Ich habe einen Haufen gelernt, einen Haufen Neues geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>So zum Beispiel, dass Sarajevo eine geteilte Stadt ist. Wir haben hier die Republika Srpska und die bosnisch-kroatische F\u00f6deration. 90 % der Stadt geh\u00f6ren zum Kanton Sarajevo, einer der zehn Kantone der F\u00f6deration. Ostsatajevo hingegen wird von der Republika regiert. Eine Stadtregierung gibt es irgendwo, der B\u00fcrgermeister sei aber nur Sprechrohr bei offiziellen Anlassereien. Und da wundert man sich noch, warum nichts funktioniert? Der kroatische Minister wurde w\u00e4hrend der Proteste in Mostar, in der katholisch dominierten Herzegovina empfangen; der serbische in Banja Luka, der Hauptstadt der F\u00f6deration. Was war gleich nochmal die Hauptstadt? Man mag diese Situation mit DDR und BRD vergleichen. Nur, dass die Teilung hier quasi in der Verfassung steht. Quasi, weil es keine Verfassung gibt. Man regiert nach dem Friedensabkommen von &#8217;95, einem fast 20 Jahre alten Wisch, wonach Roma und Atheisten keine Pr\u00e4sidenten werden k\u00f6nnen. Nur bitte drei Pr\u00e4sidenten zur Zeit, einen serbischen, einen kroatischen und einen Bosniaken. War eben das Beste. Vor 20 Jahren.<\/p>\n<p>Das w\u00e4re jetzt wohl das erste, was man angehen sollte. Ein Staat ohne Verfassung? Regierungswechel hin oder her &#8211; Geldw\u00e4sche ist laut Mund-zu-Mund der gr\u00f6\u00dfte politische Verdienst, es l\u00e4uft hinten und vorne, oben und unten schlichtweg nichts. Demokratische Strukturen waren irgendwo mal. Arbeitslosigkeit geht auf 40 % zu. Korruption ist Alltag, vom Minister hin zum Fahrkartenkontrolleur.<\/p>\n<p>Was Deutschland davon erz\u00e4hlt? Kaum etwas, passt nichtmehr in die Tagesthemen. Will keiner sehen. Kiew sieht doch momentan viel interessanter aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ebbt alles langsam ab. Es schwindet. Aus den Medien, aus den Gespr\u00e4chen, aus dem Stra\u00dfenbild. Nurnoch vereinzelt kommen Proteste vor, nurnoch vereinzelt f\u00e4hrt die Tram mich nicht zur Arbeit. Was war da los? Was ist da passiert? Steine folgen, Krankenh\u00e4user haben sich gef\u00fcllt. Minister fl\u00fcchten nach Kroatien und steigen ab. 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