{"id":266,"date":"2013-12-14T15:12:04","date_gmt":"2013-12-14T14:12:04","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/eickeubosnu\/?p=266"},"modified":"2013-12-14T15:12:04","modified_gmt":"2013-12-14T14:12:04","slug":"die-weihnachtsentspurtigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/eickeubosnu\/2013\/12\/14\/die-weihnachtsentspurtigen\/","title":{"rendered":"Die Weihnachtsentspurtigen"},"content":{"rendered":"<p>Hier feiert kaum einer Weihnachten. Und wenn, dann meistens erst am 6. Dezember. Orthodox eben. Also kommt der nur zu gut bekannte Weihnachtsstress wohl nicht aus den hiesigen Menschen heraus, etwa in Atemwolken aus k\u00e4uchenden Winterm\u00fcndern&#8230; Irgendwo bleibt man eben immer etwas deutsch.<\/p>\n<p>Nein, auch dieser Advent stellt sich soweit nicht als stressfrei heraus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">3. Dezember Schriftliche DSD-Pr\u00fcfung<\/p>\n<p>Neun Uhr drei\u00dfig. Vertretung f\u00fcr die aufsichtf\u00fchrende Lehrkraft war der Plan. Aufsicht hat sich jedoch in der Schicht vertan (schon etwas \u00dcbles, dieser Schichtunterricht) also zwei Stunden zu fr\u00fch da. Renne zur Post, in die Stadt, zur Bank und wieder aus der Stadt heraus, dreimal um die Schule &#8211; bis zu meinem sowieso geplanten Unterricht. \u00dcberschneidung mit den Vertretungsstunden. Ehne-mehne-Miste, Vertretungsstunde. Schade nur, dass nicht alle ersten Gymnasialklassen so gut deutsch sprechen wie meine DSD-K\u00fcken. Beziehungsweise toll, dass genau drei Prozent \u00fcberhaupt Hallo sagen k\u00f6nnen. Tausche dann mit einer Lehrerin, weil mein bosnisch dann (doch noch nicht) durchsetzungsf\u00e4hig genug ist.<\/p>\n<p>Da geht also mal wieder die Kommunikation in die Hose, wenn man eigentlich ganz wo anders sein sollte. Der Schelm namens\u00a0 Pr\u00fcfungsstress ist eben jedermanns Freund.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seit letzter Woche wagen dann auch endlich mal die Sch\u00fcler, ihre Pr\u00e4sentationen f\u00fcr die m\u00fcndliche Pr\u00fcfung vorzustellen, hier ein kurzer inhaltlicher Abriss der Pr\u00fcfung insgesamt:<\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><strong>Schriftliche Pr\u00fcfung:<\/strong> Schriftlicher Aufsatz, H\u00f6r- und Leseverstehen \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <strong>M\u00fcndliche Pr\u00fcfung:<\/strong> 20 Minuten Vorbereitung auf ein Thema, zehn Minuten Vorstellung und Besprechung (vergleichbar mit dem klassischen Abitur). Dann Vorstellung einer eigenen Pr\u00e4sentation zu einem eigenst\u00e4ndig gew\u00e4hlten Thema, ebenfalls zehn Minuten Vorstellung und Besprechung (vergleichbar mit dem mordernen hamburgischen Abitur).<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Das Thema der m\u00fcndlichen Pr\u00e4sentation soll eigentlich aus einem Projekt resultieren, dass man im vorigen Schuljahr durchgef\u00fchrt hat. Macht nat\u00fcrlich niemand. Steht ja auch nirgendwo als ein Muss. Fristen und Regeln sind was tolles, doch wenn es f\u00fcr den Mai hei\u00dft: THEMA EINTRAGEN, hei\u00dft dies ja nicht gleich, dass man das ganze Projekt schon durchgef\u00fchrt haben muss, beziehungsweise ebenso wenig, dass man ein Projekt braucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Themem werden also eingetragen. Die stehen dann da. In Listen, fein s\u00e4uberlich. Es folgen Themen wie: Kindheit &#8211; besser fr\u00fcher als heute?, Studierem im Ausland &#8211; sinnvoll?, facebook &#8211; Fluch oder Segen?\u00a0Bearbeitet werden die Themen genau wie in Deutschland auch &#8211; am Abend vor der Probepr\u00e4sentation. Und man merkt die Unvorbereitung aus der Nichtsch\u00fclerperspektive weitaus deutlicher, als ich jemals gedacht h\u00e4tte&#8230; Ganz sch\u00f6n erschrekend, so im R\u00fcckblick.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Die Pr\u00e4senstruktur ist immer sehr sch\u00f6n auswendig verlernt und erarbeitet: Titel vorlesen, definieren, drei Pro-Argumente, drei Contra-Argumente und die eigene Meinung. F\u00fcnf Minuten darf das sein, da geht ja auch nicht viel mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Top. Solange man nicht auf die Argumentenfolien Pro-Argumente schreibt und mit der Meinung &#8222;ICH BIN PRO!&#8220; fazitiert. Ich wei\u00df nicht, wie oft ich in den letzten Tagen gesagt habe, dass &#8222;Ich bin pro&#8220; kein deutsch ist. Aber ich hab meine Mundwinkel noch tapfer bis zum 21. mal bis zu den ohren gezogen, meine Pr\u00fcfung ist das ja schlie\u00dflich nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">\n<p style=\"text-align: left\">Samstag, 14. Dezember. Es geht los! Meine Sch\u00fctzlinge vom 4. und 5. Gymnasium haben M\u00fcndliche, Gospodin Encijani\u0107 schmei\u00dft den Vorbereitungsraum. Es resultiert: Ein Durchfall, zwei B2ler und der Rest hat doch tats\u00e4chlich die C1 geknackt. Da schwebt glatt gute Laune wie der Sarajevoer Smog \u00fcber einem, und zieht die Mundwinkel mit Leichtigkeit nach oben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Nur dass der Smog sich nicht so schnell aufl\u00f6st, wie der ganze Stress. Dieses Wochenende ist Skisaison-Er\u00f6ffnung, am Montag und Dienstag werden Europas Sprachniveaus am Gymnasium Obala verteilt. Dann wir die Woche nurnoch geweihn\u00e4chtigt und backig geschlemmt!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier feiert kaum einer Weihnachten. Und wenn, dann meistens erst am 6. Dezember. Orthodox eben. Also kommt der nur zu gut bekannte Weihnachtsstress wohl nicht aus den hiesigen Menschen heraus, etwa in Atemwolken aus k\u00e4uchenden Winterm\u00fcndern&#8230; Irgendwo bleibt man eben immer etwas deutsch. 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