{"id":16,"date":"2013-09-17T12:59:55","date_gmt":"2013-09-17T10:59:55","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/eickeubosnu\/?p=16"},"modified":"2013-09-17T13:07:17","modified_gmt":"2013-09-17T11:07:17","slug":"mit-eurojoker-richtung-sued-osten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/eickeubosnu\/2013\/09\/17\/mit-eurojoker-richtung-sued-osten\/","title":{"rendered":"Mit Eurojoker Richtung S\u00fcd-Osten"},"content":{"rendered":"<p>Ich befinde mich in einem blau-wei\u00df bemalten Nachtzug, hinter mir klappt M\u00fcnchen schon die B\u00fcrgersteige hoch. Nach drei Anl\u00e4ufen passt mein Rucksack ins Abteil, nach 4 dann auch der Koffer. Der vordere Teil des Zuges f\u00e4hrt nach Budapest, der hintere (hoffentlich) nach Zagreb.Im Abteil befinden sich abgesehen von meinen Schleppankern zwei Amerikanerinnen, Mutter und Tochter auf dem Weg nach Slowenien, sowie Ivan, ein Kroate aus Split mit Arbeit in Freiburg. Die zwei restlichen, unbesetzten Betten gehen f\u00fcr mein Gep\u00e4ck drauf.<\/p>\n<p>Kurz bevor meine Augen zufallen kommt der Schaffner und sammelt die Tickets ein. Ob ich das Meine denn wiederbekomme, frage ich auf Englisch. Schlie\u00dflich brauche ich das als brav-strukturierter &#8222;kulturweit&#8220;-Freiwilliger f\u00fcr die sp\u00e4tere Abrechnung. Ivan \u00fcbersetzt. Der gute Schaffner guckt mich gro\u00dfv\u00e4terlich an, klopft mir auf die Schulter und gibt mir \u00fcber Ivan zu verstehen, dass die Fahrt ja noch nicht vorbei sei&#8230; Auf deutsch: Das Ticket wird es wohl beim Ausstieg zur\u00fcckgeben.<\/p>\n<p>Die Passkontrolle am folgenden Morgen. Der Schaffner verteilt Wasserflaschen, an Ivan und mich (die Amerikanerinnen sind bereits ausgestiegen) w\u00e4hrend der Zug durch die im Morgennebel versteckten Berge bummelt. An der &#8222;Grenzka&#8220;. Grenzbeamtin eins dreht meinen Pass einmal um die eigenen Achse, schielt auf das EU-Siegel und gibt ihn mir wortlos zur\u00fcck. Ivan darf seinen kleinen Rucksack komplett ausleeren. Als er seine Unterw\u00e4sche wieder zusammenfaltet sagt er, dies w\u00fcrde ihm jedes Mal passieren. Eine zweite Kontrolle kommt und diesmal mit Verst\u00e4rkung. Ivan scheint klarzustellen, dass der folgende Akt eher \u00fcberfl\u00fcssig sei. Beamtin eins kommt und nach f\u00fcnf Minuten Konversation scheint sie seine These zu best\u00e4tigen. Ich gebe der zweiten Beamtin meinen Pass. Sie spielt ein wenig mit den Seiten,\u00a0 schielt mir kurz in die Augen und geht daraufhin mit einem Gru\u00dfwort. Ich betrachte meinen Gep\u00e4ckhaufen und \u00fcberlege, wieviel Illegales ich drain jetzt h\u00e4tte verstecken k\u00f6nnen, und das anscheinend nur, weil mein Pass rot ist. Ich gucke besch\u00e4mt in die Ecke, wei\u00df nicht, wie ich mich dem guten Ivan gegen\u00fcber verhalten soll. Es sei seit dem EU-Beitritt wohl nicht anders als vorher, meint dieser.<\/p>\n<p>Ich frage den Schaffner, ob er mir sagen kann wo und wann mein Zug nach Sarajevo f\u00e4hrt. Er grinst mich breit an und best\u00e4tigt. Kurz darauf kommt er mit einer weiteren Wasserflasche an, und gibt sie mir. Drei andere Mitfahrer stehen um mich herum. Wieder der Eurojoker oder weil sich meine Erk\u00e4ltungsnase echt beschissen anh\u00f6rt? Oder weil ich ja noch weiter nach Sarajevo muss und die anderen nicht?<\/p>\n<p>Angekommen in Zagreb verabschiede ich mich von Ivan, der steigt jetzt in den Bus um seine Familie im S\u00fcden zu besuchen. Der Schaffner nimmt mich quasi an die Hand, und bringt mich einmal \u00fcber den Bahnsteig auf die andere Seite, von wo aus mein Zug nach Sarajevo f\u00e4hrt&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich befinde mich in einem blau-wei\u00df bemalten Nachtzug, hinter mir klappt M\u00fcnchen schon die B\u00fcrgersteige hoch. 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