Rumy – Geschichte(n) aus Bulgarien – Episode 2

Ich musste lernen, alleine zu lesen, aber in einem russischen Buch , weil es nur 24 Kopeken kostete. Ich weiß nicht, wie es zu uns nach Hause kam.

Mein Vater, der in seinem Leben viel gelitten hatte, beendete die Schule nie, weil er mit acht Jahren schon für sein Brot arbeiten musste, aber es gab keine Brotfront im Krieg, also glaubte er, dass alle Probleme von der aus der Hauptstadt kommen. Die deutschen Philosophen Karl Marx und Friedrich Engels waren die Hauptfiguren in seinen Reden. Seine Stimme war so laut und tief, dass die Namen von Friedrich Engels und Karl Marx in Kombination mit der Melodie „Lenin“ die Wände unseres Hauses erschütterten. Er sprach leidenschaftlich vor Freunden, ebenso armen wie halbkundigen Menschen, und ich weiß nicht, wer was verstanden hat. Aber alle waren begeistert, denn es gab nicht nur „mamaliga“ auf dem Tisch, dieses rumänische Wort heißt in unserer Region Maisbrei, sondern auch Brot und andere Gerichte!

Mit Erich Kästner trat auch deutscher Einfluss in meine Kindheitswelt ein. Ich las unerbittlich wieder und wieder Pünktchen und Anton, das doppelte Lottchen, das fliegende Klassenzimmer. Und aus „Als ich ein kleiner Junge war“ habe ich gelernt, dass Armut und Elend aus dem Krieg in Deutschland gleich sind wie in Bulgarien – schrecklich, rücksichtslos und mit bitterem Geschmack.

Später, als ich Lehrerin wurde, hängte ich ein Plakat mit den Worten von Erich Kästner an die Wand: „Die wichtigste Tugend eines Erziehers ist Geduld. Wahre Geduld (nicht Gleichgültigkeit), besteht aus Verständnis, Humor und Ausdauer.“

Verständnis, Humor und Ausdauer sind auch die Grundlage für Toleranz. Dieses Wort, lateinischen Ursprungs, bedeutet „Anstrengung“. Um einander, Menschen unterschiedlicher Ethnien, Länder, Kulturen kennenzulernen, brauchen wir diese kognitive „Anstrengung“. Und die erste Aufgabe besteht darin, die angesammelten Vorurteile über einander zu überwinden. Wenn wir den Klischees und negativen Bewertungen und Emotionen vertrauen, die von Tradition und Geschichte übrig geblieben sind, werden wir uns nie kennen, wir werden nie die Gelegenheit haben, einen bereichernden Dialog miteinander zu führen.

Als ich vierzehn war, organisierte unser Physiklehrer eine Reise nach Ostdeutschland. Wir besuchten Berlin, Magdeburg, Dresden. Wir besuchten die Galerien Zwinger… und die Gaskammern in Buchenwald. Heute können Touristen in Bulgarien auch die „Insel des Todes – Persin“ besuchen, die Teil eines Konzentrationslagers vom stalinistischen Typ ist, in dem Zehntausende unschuldiger Menschen getötet wurden. Dort kann man auch wunderbare Museen und Galerien besichtigen, in denen es genug Informationen für alle gibt, die Bulgarien und seine Geschichte entdecken wollen.

Faschistische und kommunistische Todeslager haben denselben Vorfahren – totalitäres Denken, wonach es nur eine Wahrheit und eine Art perfekter Menschen gibt, andere können getötet werden. Bulgaren, Deutsche, Juden, Russen, Amerikaner … die Namen zeigen nationale Zugehörigkeit, vielleicht tragen die Menschen die Besonderheiten der Kultur, in der sie entstanden sind … aber was für ein Reichtum kann unser Unterschied sein, wenn es Dialog und Zusammenarbeit gibt! Wenn Sie also meine Geschichten, die Geschichte meiner Familie lesen, denken Sie an die Worte von Erich Kästner: „Es gibt verschiedene Missverständnisse zwischen unseren Erinnerungen und den Augen anderer.“

Die längste Übernachtungsparty aller Zeiten (Tag 156-171)

So, es ist ne ganze Weile her, seit meinem letzten richtigen Blogbeitrag. Man könnte sagen es ist viel und gleichzeitig sehr wenig passiert. An sich wollte ich sowieso weg von meinen wöchentlichen Beiträgen und unregelmäßiger schreiben. Ja, das ist vielleicht ein seltsamer Vorsatz…

Was ist alles so passiert?

Im Schneeldurchlauf: vor etwa zwei Wochen bin ich nach Sofia gefahren um dort meinen ersten Besuch, eine Freundin aus Deutschland zu empfangen. Nach einer anstrengenden Zugfahrt, auf der mir mehrmals Wodka angeboten wurde, bin ich an einem Donnerstag in Sofia angekommen.

Starterpack: kulturweitfreiwillige (Witz von Franzi)

Freundlicherweise durfte ich bei Josi übernachten, da Franzi erst am nächsten Tag in Sofia landete. Da die Bars hier circa zwei Wochen geöffnet hatten und wir kurz vor der nächsten Schließung waren, haben wir noch eine Bar unsicher gemacht. Ein leichtsinniger Fehler? Wer weiß…

Am nächsten Tag hatte ich noch Zeit, bevor ich zum Flughafen musste und habe deshalb erstmal ein bisschen die Sonne genossen. Zufällig war Elias auch gerade in der Innenstadt und so haben wir uns zusammen in ein Cafe auf dem Vitosha Bulevard gesetzt und bei strahlendem Sonnenschein, mit Geigenmusik eines Straßenmusikers im Hintergrund und Aussicht auf den wunderschönen Vitosha, eine heiße Schokolade geschlürft. Was kann es schöneres geben?

Danach haben wir zusammen eine neue kulturweit Freiwillige in Bulgarien, Emi, vom Busbahnhof abgeholt und Elias hat uns seine wunderschöne Wohnung, mit einem Boden, in den ich mich sofort verliebt habe, gezeigt. Danach gab es leckeres Foccacia aus dem italienischen Feinkostladen und ich habe als nicht-Sofioter die Aufgabe bekommen Emi Sofia zu zeigen. Also sind wir ein bisschen durch die gegend geschlendert, ich habe alle facts ausgepackt, an die ich mich noch von der Sofia-free-walking-tour erinnern konnte und haben uns ein wenig besser kennengelernt. Neben dem Frauenmarkt haben wir in einer Seitenstraße diesen Hund entdeckt.

Der Hund hat Eindruck bei mir hinterlassen mit diesem riesigen Knochen

Am Abend saß ich dann in der menschenleeren Metro und wurde langsam sehr aufgeregt. Mein erster Besuch, ich konnte nicht schnell genug zum Flughafen kommen. Jetzt habe ich die Möglichkeit jemandem, den ich schon so lange kenne, mein neues Leben zu zeigen, mein Bulgarien! Ich wurde ganz hibbelig und die letzten Meter wurden natürlich ganz klassisch, wie man es aus jeder romantischen Komödie kennt, gerannt. So seltsam, ein halbes Jahr haben wir uns nicht gesehen und trotzdem hat es sich so normal angefühlt zusammen in der Metro zu sitzen und zu reden.

In Josis Wohnung haben wir dann erst einmal gegessen und uns gleich neue Musik gezeigt, die wir im letzten halben Jahr für uns entdeckt hatten. Dann ging es auch schon sofort weiter zu einer anderen neuen Freiwilligen und in einer gemütlichen Runde haben wir uns alle kennengelernt.

Am nächsten Morgen, nachdem ich meine Tradition, bei Josi in der Früh zu spülen, beendet habe standen Franzi und ich mit Weihnachtsmarkttassen voll Tee auf dem Balkon und haben dem Schnee beim Fallen zugesehen und ja vielleicht habe ich auch Schneeflocken mit meiner Zunge aufgefangen. Der Küchenbalkon von Josi, eine grandiose Location.

Vollbepackt ging es dann in die Stadt. Erster Stopp Essen, zweiter Stopp Piercer. Einen Nasenpiercing für Franzi später schlenderten wir mit unseren schweren Rucksäcken noch etwas weiter durch Sofia, bevor wir uns in ein Café setzten und draußen ein Wahlumzug vorbeizog, im Moment sind hier nämlich Wahlen.

Dann ging es auch schon zum Busbahnhof und einmal quer durchs Land nach Sliven, Paulas und Simons Geburtstag feiern. Es hat mir wahnsinnigen Spaß gemacht Franzi dabei zu beobachten, wie sie Bulgarien wahrnimmt. Geburtstagsparty und am nächsten Tag noch, wie bei einem Familiengeburtstag, spazieren gehen und Kuchen essen, dazu türkischer Tee und für unsere Geburtstagskinder ein Kuchen aufs Haus. Eine richtig schöne Runde. Aufgrund meinem falschen Zeitmanagement mussten wir uns dann ein Taxi nehmen um noch pünktlich den Zug nach Shumen zu erwischen. 6 Stunden Zug fahren, zweimal umsteigen und wie immer vom Zugpersonal freundlich unterstützt, haben wir hungrig um 21:30 Uhr Shumen erreicht und uns erst einmal eine ganze Packung Nudel  mit Pesto genehmigt.

Leider hat es am nächsten Tag heftig geschneit, weshalb wir aber eine gute Entschuldigung hatten um ausgiebig die SecondHand-Läden nach Schätzen zu durchforsten. Natürlich haben wir auch auf dem Markt eingekauft und leidenschaftliche Puzzler, wie wir es sind, auch ein sehr kitschiges Puzzle gekauft. Abends haben wir dann erst einmal gepuzzlet und unsere neue gemeinsame Playlist abgefeiert.

Am Dienstag, bei Sonnenschein, habe ich mit Soner, Franzi die Stadt gezeigt. Einmal hin und her durchs Zentrum, wie sich das gehört. Mittagessen vom Bäcker im Park, zur Moschee laufen und im Küchenstudio eine Küche für Soner aussehen. Am Abend dann noch die spontane, leichtsinnige, wenn auch absolut lohnenswerte Idee in der Dunkelheit die vereisten Stufen zum Monument hochzulaufen. Ein bisschen gruselig war die Stimmung schon. Der Mond hat den großteil der Stufen erleuchtet, man hat nur den Wind gehört, die Lichter der Stadt hinter uns, Schnee und Nadelbäume vor uns und on top das Monument. Windstärke Eiskalt saßen wir mit unserer genialen Musik, einer Wärmflasche, einem Shumensko und Schokolade auf der Instagram-Plattform und haben auf die Stadt geschaut. Wie verrückt – wir zwei in einer eisigen Nacht in Bulgarien auf einem Berg. Der Moment bleibt in Erinnerung.

Vor allem, weil ich mich am nächsten Tag plötzlich so müde gefühlt habe und nach dem Unterricht geschlafen habe und mit Fieber aufgewacht bin. Naiv wie ich bin, dachte ich, klar eine Erkältung und mein Körper lässt sie jetzt zu, weil Franzi da ist, meine persönliche Pflegerin, die mir Tee und Selleriesuppe kocht und mich mit ihren Krankheitsweisheiten gesund pflegt. Ich war ihr echt dankbar, dass sie sich so um mich gekümmert hat. Am Freitag hatte ich schon kein Fieber mehr, generell ging es mir nicht wirklich schlecht, aber zur Sicherheit wollte ich dann doch einen Schnelltest machen. Da ich nicht wirklich schlimm krank war/bin habe ich nicht daran geglaubt, dass der Test positiv sein würde. Mit dieser Hiobs-Botschaft bin ich also wieder zurückgekommen und wir haben kurz gebrainstormed, was wir mit Franzi machen. Antwort: gemeinsam Quarantäne. Eingedeckt mit Lebensmitteln, Puzzlen und ganz vielen Beschäftigungsmöglichkeiten, starteten wir sehr POSITIV in unsere Isolation.

Ganz nach dem Motto: wir können nichts ändern und müssen das Beste daraus machen, nahmen wir die Situation, da sie für uns glücklicherweise sehr milde war, mit Humor und Optimismus an. Voller Elan freuen wir uns jeden Tag aufs puzzlen, zelebrieren das Kochen und Essen sehr, suchen uns neue Aufgaben und Projekte und machen bei jeder Gelegenheit Witze, über die wir sehr hysterisch Lachen.

Beispiele für Projekte wären: mein ekliges Abtropfgitter putzen (Danke Franzi), meinen Duschvorhang reparieren, sodass er für genau einmal Duschen gehalten hat und danach zurück zur anfänglichen Notlösung fiel, die Möbel in meinem Zimmer einmal komplett umstellen, nur um zu merken, dass sie davor ganz gut standen und alles wieder genauso hinzustellen, aber zumindest liegt jetzt überall weniger Staub in den Ecken, und zu guter letzt Blumen, Kräuter und Tomaten pflanzen.

Unsere Babys. Jeder kennt die erst Pflanze, dann Haustier, dann Kind Reihenfolge. Wir haben noch zwei Vorstufen entdeckt. 1. Piercing hegen und pflegen, 2. Sauerteigbaby, 3. Pflanze, 4. Haustier, 5. Kind. Das mit dem Piercing klappt bei Franzi ziemlich gut, ein Sauerteigbaby können wir aufgrund der unzureichenden Wärme in meiner Wohnung nicht haben, also sind wir bei Pflanzen angekommen. Auch eine Herausforderung, wenn man eine Wohnung hat, die nur Fenster Richtung Osten hat. Unsere Mission deshalb jeden Morgen: aufstehen um unsere 9 Pflanzenbabys auf den Balkon zu tragen und ihnen zumindest ein paar Stunden in der Sonne zu ermöglichen. Die zwei anderen Pflanzen, die sich zu der Sonne hingezogen fühlen sind wir. Die Stunden morgens in der Sonne zählen also zu den Tageshighlights.

So sitzen wir da, Tee trinkend, Menschen und Autos auf dem Parkplatz vor meiem Balkon beobachtend. Der kleine Nachbarsjunge hält schon täglich Ausschau nach uns. Längst ist uns die Umgebung vertraut geworden. Die Ruhe an Sonntagen, die Rufe der Kutschenfahrer, die ihre Pferde antreiben, die aufheulenden Motoren, der etwas schwerfällige dicke Hund, von dem Franzi fest überzeugt ist, dass er Schwanger ist, ich denke er hat eine tote Taube gevespert, die wir auf der Straße haben liegen sehen. Es macht unheimlich viel Spaß die Menschen zu beobachten. Den Rentner mit seiner Baskenmütze, der den ganzen Morgen auf dem Parkplatz verbringt. Außerdem ist uns aufgefallen, dass Autos, wenn man sie von oben anschaut, Ähnlichkeiten mit Raumschiffen oder Kellerasseln haben. Generell, wenn man den Autos beim Parken so zusieht, dann bekommt man sehr viel Lust das Spiel Rush hour zu spielen.

Heute ist schon Tag 8 und niemals hätte ich gedacht, dass Quarantäne zu zweit in einer Ein-Zimmer-Wohnung so okay ist. Ich dachte spätestens ab Tag 5 sterben wir vor Langeweile, gehen uns mächtig auf die Nerven und wollen einfach nur noch raus. Aber anscheinend sind wir gute Quarantänebuddies. Langeweile war bisher tatsächlich noch nicht vorhanden. Und das, obwohl wir echt wenig machen, aber irgendwie habe ich gelernt, dass man nicht immer alles auf einmal machen mus und jetzt kann ich einfach in der Sonne sitzen, ohne etwas nebenher zu machen.

Was zählt sonst so zu unseren täglichen Ritualen? Den Tee zig Mal aufzugießen, Einkaufslisten für Elena zu schreiben, in meinem georgischen 1300 Seiten Wälzer zu lesen, den ich von Paula zum Geburtstag bekommen habe und in dem man so schön abtauchen kann. Es ist sowieso erstaunlich, ich dachte ich würde die Außenwelt viel mehr vermissen, aber ich meide von mir aus Kontakte und möchte einfach nur meine Ruhe haben. Wir schweigen, machen nebeneinander unser Ding, wer telefonieren möchte geht auf unseren Telefon-Balkon, wer frische Luft will auch. Sobald es Dunkel wird, machen wir unser Ambientelicht an, schwäbeln vor uns hin, putzen uns auf dem Balkon die Zähne, reden über Humboldt, über den Franzi ihre Hausarbeit schreibt, schauen Netflix, schlucken Vitamine, achten auf unsere ausreichende Bewegung und veranstalten aus diesem Grund abendliche Tanzpartys und essen, essen, essen.

Puzzle werden als Tischdecke wirklich unterschätzt

Einmal am Tag ist es außerdem Pflicht das Puzzlestück mit Felix LObrechts Nase, dass mir Franzi mitgebracht und geschenkt hat zu berühren. Das bringt Glück und außerdem müssen wir es immer wieder fest an die Wand drücken, damit es nicht aus dem selbstgebastelten Washi-Tape-Rahem fällt. Wir sind echt genügsam. Die Zeit vergeht erstaunlich schnell dafür, dass wir so wenig machen. Wir haben Schnupfen, sind müde, schmecken nicht so viel und sitzen unsere Zeit ab. Selbst aus Niesattacken machen wir ein kreatives Spiel. Sich Gesundheit zu wünschen ist uns mittlerweile zu langweilig, deshalb wünschen wir uns andere DInge. Prodkutivität, einen guten Appetit, Schönheit, usw.

Hätte mir jemand vor einem halben Jahr gesagt, dass ich in Bulgarien 2 Wochen mit Franzi in Quarantäne bin, ich hätte gedacht: wie verrückt. Und jetzt sind wir hier, hatten eigentlich ganz andere Pläne, wollten mit dem Mietwagen durchs Land fahren, doch stattdessen wird sich wohl die Aussicht von meinem Balkon in Franzis Gedächtnis einbrennen. Und klar, vielleicht reden wir alles schön, aber was soll man denn auch sonst machen? Jedenfalls bin ich froh, dass ich nicht alleine krank bin. Das Erlebnis schweißt zusammen. Trotz der Tatsache, dass wir 24/7 seit 2 Wochen zusammen sind, haben wir noch immer gute Gespräche, größter Streitpunkt sind falsch zusammengesetzte Puzzleteile und an sich haben wir gemerkt, dass unsere Quarantäne auch nicht arg anders ist, als unsere Reise in Irland. Dort haben wir auch die meiste Zeit zu zweit verbracht. Wir hatten nur mehr Kontakt zu Kühen und Schafen und hatten mehr Bewegungsfreiheit, aber ansonsten ist das hier eine Revival-Veranstaltung.

Natürlich freuen wir uns trotzdem, wenn wir wieder raus dürfen. Es ist anstrengend andere über den eigenen Gesundheitszustand up to date zu halten und auf Hilfe angewiesen zu sein. Aber schön ist es, dass sich hier alle so um mich/uns kümmern. Durch die Quarantäne bin ich wirklich gezwungen in meinem Alltag zu sein, und das fühlt sich ziemlich gut an, so eine Routine zu haben. Ich habe mir echt viel vorgenommen für die Zeit, organisatorischen Kram, aber natürlich habe ich auch jetzt nicht die Motivation irgendetwas davon abzuarbeiten.

Was wir gelernt haben? Wir sind erschreckend gut darin uns zu isolieren, aber auch uns selbst zu beschäftigen. Mit der kulturweit playlist könnte man laut Franzi ein Café eröffnen, die eignet sich sehr gut um nebenher zu arbeiten, und ich freue mich wirklich sehr darauf wieder mein Bett für mich alleine zu haben.

Seit wir in Quarantäne sind Lachen wir wirklich ziemlich oft und herzhaft, nehmen das Geschehen draußen viel aufmerksamer wahr und hören ziemlich viel Gemischtes Hack. Es ist die längste Übernachtungsparty unseres Lebens, nur, dass man am nächsten Morgen nicht gehen kann oder besser gesagt darf.

Jetzt mache ich mich weiter daran Rumys Texte zu überarbeiten. Im Moment bin ich sehr fasziniert von ihren Erzählungen und fast ein wenig süchtig. Und dann wird es wohl auch schon wieder Zeit fürs Kochen.

Ich freue mich schon!

 

 

Rumy – Geschichte(n) aus Bulgarien_Folge 1

Wir sind wie die Zellen eines Körpers – des kosmischen Körpers unserer Welt – Sterne, Galaxien, lebende, leblose Systeme. Und alle Menschen, so unterschiedlich sie sind, pochen in einem universellen Puls und messen den Rhythmus der Sanduhr der Welt.

 

Ich bin Rumy, ich wurde in Bulgarien am Ufer der Donau geboren. Der gleiche Fluss, der aus dem Schwarzwald in Deutschland entspringt. Es soll der Beginn eines Baches sein, der im Schloss „Fürstlich Fürstenbergisches Schloss“ bei Donaueschingen entspringt, wo Adolf Heer 1895 über der erbeuteten Quelle im Schlosspark eine skulpturale Komposition errichtete.

Die Skulptur zeigt Mutter Baar – den Namen des Plateaus, auf dem sich die Quelle befindet. Mutter Baar weist den Weg zur jungen Donau. Ich bin sicher, dass Mutter Baar sich Sorgen um die junge Donau gemacht hat. Und die Donau sammelt ihr Wasser in mehr als 14 Ländern.

Sie konnte nicht anders, als mich zu kennen. Als kleines Mädchen verbrachte ich viel Zeit im damals klaren Wasser der Donau. Wir Kinder wagten es, die Hügel zu beobachten, die von den Wellen zu unseren Füßen gefaltet und von tanzenden Sonnenstrahlen durchschnitten wurden. Und in den Muscheln, so groß wie unsere Handflächen, sammelten sich alle Farben des Regenbogens in ihrem Perlmutt!

 

Sie können nicht zweimal in denselben Fluss treten … jetzt ist der Fluss anders, schlammig und zieht sein Wasser hart.

Mutter Baar weist den Weg zur jungen Donau, aber der Fluss reicht mit seinem Wasser nicht aus, um uns in einem Kreis des Friedens und des Teilens zu verbinden.

Bulgarien liegt auf dem Balkan. Das Wort „Balkan“ bedeutet Berg, aber in der öffentlichen Rede der reichen europäischen Länder ist es ein Schimpfwort. Es ist mit Barbarei, Elend und Blut verbunden. Diese strategisch zwischen Ost und West gelegenen Länder auf dem Balkan sind der Apfel der Zwietracht zwischen den Großmächten. Und sie, die Großmächte, verteilen sie, verteilen sie neu, kämpfen um Einfluss, um Macht. Und so häufen sich in den endlosen Kriegen und Auseinandersetzungen Wut und Hass zwischen Serben, Bulgaren, Griechen, Türken, Rumänen, Kroaten, Albanern, Slowenen …

Aber zurück zu meiner Geschichte, bevor ich geboren wurde.

Wusstest du, dass die ersten beiden Fürste von Bulgarien Deutsche waren? Der erste hieß Batenberg und war nicht lange an der Macht. Der zweite, Ferdinand Maximilian Karl Leopold Maria von Sachsen-Coburg und Gotha, regierte das Land 31 Jahre lang zusammen mit kurrupten bulgarischen Händlern.

Bulgarien ist in eine Reihe von wahnsinnigen, endlosen Kriegen verwickelt.

Und jetzt werde ich endlich sagen, was das mit meiner Geschichte zu tun hat, bevor ich geboren wurde.

Meine Vorfahren väterlicherseits lebten in Thrakien, das nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches zur Türkei gehörte.

Eine Million Bulgaren blieben nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches und der Zerlegung und Neuordnung der Gebiete auf dem Balkan durch die Großmächte hinter den Grenzen Bulgariens zurück.

Und als der Balkankrieg aufflammte, während der Prinz und die Generäle träumten, erhaben von dem Ehrgeiz, Konstantinopel / Istanbul, zu erobern, begann ein Massaker an der bulgarischen Bevölkerung in diesen Ländern.

Mein Urgroßvater wurde gehängt. Meine Urgroßmutter und ihre Kinder konnten zusammen mit 100.000 Flüchtlingen aus den Gebieten entlang der Grenzen zur Türkei, nach Griechenland und Serbien fliehen.

Meine Familie väterlicherseits überlebte und erreichte die Grenze Rumäniens. Sie beschlossen, nach Russland zu fliehen. Damals war Russland das freundliche Wort und die große Hoffnung für die Bulgaren.

Aber zu dieser Zeit, nach dem Balkankrieg, fanden sich Banditenbanden zusammen. Die versprochenen Boote, um den Fluss zu überqueren, warteten nicht auf die Flüchtlinge. Eine Bande von Räubern kam. Meine Vorfahren versteckten sich im Wald, ließen aber das Baby, meinen Großvater Stoyan, in einem Karren, eingewickelt in Stroh, um nicht von seinem Gebrüll verraten zu werden. Das Baby schlief ein. Die Räuber, die mit Bajonetten im Karren gruben, verschonten ihn…

Deshalb wurde ich geboren. Wenn Baby Stoyan nicht überlebt hätte, dann hätte ich nie die weise Donau zu sehen bekommen und könnte jetzt nicht von Bulgarien erzählen.

Aber Stoyans Mutter, meine Urgroßmutter, noch erschöpft von der Geburt, starb unterwegs. Sie liegt in einem jahrhundertealten Wald in Dobrogea (Grenzgebiet Rumänien/Bulgarien) begraben. Alles, was übrigbleibt, ist eine Erinnerung an diese Wälder, die jetzt in riesige Felder verwandelt wurden.

Als sie in das Dorf Kamentsi kamen, trennten meine Verwandten eine Ziege, von der Herde und sie fütterten meinen Großvater Stoyan. Die Ziege weinte sogar um ihn. Sie kehrte vom Weiden und Blöken zurück und wollte zum Baby gebracht werden. Man könnte sogar sagen, dass diese süße Mutterziege eine Verwandte von mir ist.

 

Mein Urgroßvater mütterlicherseits, ebenfalls Stoyan, war Dudelsackspieler. Seine Musik nahm den Menschen die Sorgen und Ängste und führte sie in eine andere himmlisch schöne Welt.

Aber der Erste Weltkrieg brach aus. König Ferdinand und die weisen Adligen liehen sich fünfhundert Millionen Mark aus Deutschland. Bulgarien kämpfte auf der Seite Deutschlands. Auf der Seite der Verlierer.

Auf dem Balkan begannen neue Spaltungen und Kürzungen. Und leider ist meine Familie immer noch an einer umstrittenen Grenze, jetzt mit Rumänien.

Es gab einen offiziellen Befehl, die umstrittenen Grenzgebiete zu „entvölkern“. Mein Urgroßvater Stoyan wurde gefangen genommen, er war ein kluger, aufmerksamer Mann, und zusammen mit anderen rollten rumänische Soldaten sie auf dem Dorfplatz gefesselt, ritten auf Pferden über sie hinweg und trampelten auf sie ein, bis sie starben. Meine Großmutter, benannt nach ihrem Vater, Stoyana, war damals fünf Jahre alt. Sie zitterte, schluchzte und ihr ganzes Leben lang bis zu ihrem Tod hörte sie Tag und Nacht die Stimme ihres Vaters: „Tanya, gib mir Wasser!“

Zu dieser Zeit war der Name „Stoyan“, „Stoyana“ sehr beliebt – es bedeutet „widerstehen“ – die Magie des Überlebens auf dem Balkan, um allem „zu trotzen“.

Nach dem Ersten Weltkrieg, als die Menschen in Europa dachten, dass kaum jemand an einen Zweiten Weltkrieg denken würde, brach der Zweite Weltkrieg aus. Mein Vater wurde mobilisiert und sollte nach Berlin gehen… Er erreichte die Donauquelle nicht. Und wieder hat mein Glück funktioniert – er überlebte.

 

Nun, mit diesem Glück, die Donau sehen zu können und 60 Jahre in Bulgarien zu leben und Karla kennenzulernen …

Wie man meine Geschichte fortsetzt – erfahren Sie in der nächsten Folge.

 

Autorin: Rumyana Simeonova

Übersetzung: Soner Rufiev

Probier’s mal mit Gemütlichkeit (Tag 149-155)

7 Uhr. Ich wache auf. Die Sonne scheint in mein Zimmer. Die Wände vibrieren von aufheulenden Motoren vor meinem Balkon. Ich bemerke, dass es viel zu früh ist und kuschle mich in meinen Schlafsack + Decke. Schön warm. 8:33 Uhr. Wecker klingelt. Liegen bleiben bis 8:40 Uhr, realisieren, dass ich mich beeilen muss. Aufstehen, Balkontür öffnen, frische Luft, Wasserkocher anmachen, aufs Klo gehen, Laptop anschalten, Tee trinken auf dem Balkon. Die Sonne genießen. Wieder reingehen. Link suchen für den Online-Unterricht, Word-Dokument oder Powerpoint öffnen. Warten, bis ich von der Lehrerin eingelassen werde. Schüler begrüßen, ein bisschen reden, etwas erklären, Deutschlandquiz, Kahoots, Grammatik, Aufgabe zum Schreiben geben, Stillarbeit, während die Schüler schreiben lese ich mein Buch und beantworte Verständnisfragen, gemeinsam die Sätze der Schüler richtig aufschreiben, loben, wieder ein wenig reden, Präsentationen der Schüler anhören, Fragen beantworten, Hausaufgabe geben, verabschieden.

Bequeme Hose ausziehen, Jeans anziehen, frühstücken, merken, dass ich seit Wochen nur Porridge esse, beschließen endlich mal wieder Brot zu kaufen um mein heißgeliebtes Hagebuttenmarmeladebrot aus Kindheitstagen essen zu können. Mit Soner verabreden zum Einkaufen. Zähne putzen, Einkaufszettel schreiben, Maske nicht vergessen, beeilen, weil Soner immer pünktlicher wird und ich immer unpünktlicher.

Aus dem Einkaufen wird doch eine längere Beschäftigung. Zuerst zur Bank gehen, dann zu Lidl. Einkaufswagen besorgen, weil der jetzt obligatorisch geworden ist (Covid-19 Maßnahme). Vor Lidl warten, weil wir die 10:30 Uhr Regel total vergessen haben. Zuschauen, wie die Ü 65 Rentner an uns vorbei und in den Lidl reingehen dürfen, als ob es ein Exklusivclub ist. Sogar mit Security vor dem Eingang. Langsam bildet sich hinter uns eine immer längere Schlange. Uuuuuuund go! Alle drängen auf den Eingang zu. So muss sich black friday anfühlen. Endlich drinnen. Ärger mit Soner bekommen, weil mein Einkaufszettel nicht auf Bulgarisch ist, alles in den Wagen legen, mickriger Einkauf, durch die Wühltischabteilung gehen, es gibt so viele Sachen, die man vielleicht doch gebrauchen könnte. Und da ist auch schon was! Eine Wärmeflasche, etwas, dass ich Jasmin eigentlich zu ihrem Geburtstag schenken wollte, aber zum jetzigen Wetter passt es viel besser, rein in den Wagen.

Vor dem Lidl warten Debora und Andreya. Debora kommt mit uns mit zu JYSK. Wir suchen neue Möbel aus mit und für Soner. Auf dem Weg bekommen die beiden einen Lachflash, wegen etwas, was ein Mann hinter uns gesagt hat. Ich habe natürlich nix verstanden und will unbedingt wissen, was so lustig ist. Anscheinend der Name, den er gerufen hat. Bei JYSK all die schönen Dinge anschauen. Sofas testen. Debora will sitzen bleiben, aber dann entdecken wir den Massagesessel. Abwechselnd testen wir die verschiedenen Funktionen durch und haben den Spaß unseres Lebens bis Soner kommt und sagt, dass wir zu laut lachen und peinlich sind. Wir schauen uns noch ein bisschen um und machen uns dann auf die Jagd nach dem nächsten heißbegehrten Einkaufswagen um bei Billa reingelassen zu werden. Debora fastet seit gestern (Ostern ist in der Orthodoxen Kirche erst Anfang Mai). Ein Tag ohne Fleisch ist schon sehr hart gewesen für sie. Aber wir unterstützen sie natürlich mental und beim Einkaufen für ihre 40 Tage Vegan-Ostern-Challenge.

Nächster Stopp: Schreibwarenladen Nummer 1. Soners Obsession für Druckerpapier. Er achtet sehr auf die Qualität des Papiers und nun beginne ich tatsächlich auch Unterschiede zu bemerken. Mir zu liebe möchte er Recyclingpapier ausprobieren. Gibt es nicht, also: Schreibwarenladen Nummer 2. Reingehen, sprechen Deutsch, die Verkäuferin gleich: ah Karla. Ich verwirrt. Soner spricht mit ihr. Ihr Sohn geht in die 8.Klasse, die ich unterrichte. Klar, kleine Stadt, überall trifft man immer jemanden, der irgendwen auf irgendeine Weise kennt. Wieder kein Recyclingpapier, und auch kein qualitativ hochwertiges Papier. Also: zurück zum Schreibwarenladen Nummer 1. Papier kaufen.

Letzter Stopp: Bäcker. Endlich! Mein Brot! Duftet gut. So viel leckeres Gebäck. Soner erklärt mir, wie ich korrekt bestelle. Ich bin stolz auf mich, aber werde es bestimmt wieder vergessen. Einkaufsaktion vorbei.

Heimgehen. Einkäufe verstauen, kochen, während das Essen kocht Ideen für den Unterricht am nächsten Tag überlegen, essen, Unterricht vorbereiten, Online-Stunde halten. Wir diskutieren über ein Thema, ich stelle Fragen. Manchmal kommt erstaunlich viel zurück, manchmal schweigen. Lerne neue Ansichten der Schüler. Inspirierend. Sie stellen mir Fragen. Diskussionen machen mehr Spaß, als Grammatik erklären.

Raus gehen, durch die Stadt laufen, Fotos machen von Dingen, die skurril oder schön sind. In den Park gehen, sitzen, lesen, Leute beobachten.

Mit Jasmin verabreden, etwas zu spät losgehen, weil sie zwar auch pünktlicher wird, aber doch nicht so sehr wie Soner. Laufen zusammen zum Beautystudio. Zeit fürs Augenbrauen zupfen. Unsere Augenbrauen wachsen ja jetzt im gleichen Takt. Überreiche ihr die Wärmeflasche. Jasmin Geschenke geben macht Spaß, weil sie sich immer so sehr freut. Schaue zu, wie ihre Augenbrauen gemacht werden, sitze in der Ecke in dem bequemen Sessel. Total behutsam werden Jasmin Schmerzen zugefügt. Hat etwas sehr geborgenes und ist total meditativ und entspannend, hätte ich nie gedacht. Kurze Zeit später bin ich an der Reihe. 10 min., ein tränendes Auge und zwei neue Augenbrauen später, bin auch ich fertig. Zahlen, verabschieden, gehen.

Zuhause putzen, Abendessen vorbereiten, frustriert sein, weil es nicht so klappt, wie ich wollte, weitere Unterrichtsideen überlegen, mit Lehrern schreiben, Tagebuch schreiben, ganz viel Tee trinken, sehr oft aufs Klo müssen, Yoga machen, telefonieren oder lesen. Musik hören. Zähne putzen, Jalousien zumachen, Wärmflasche zubereiten (meine Spezialität), bei Kerzenlicht lesen, Wecker stellen, schlafen.

 

Mein typischer Tagesablauf. Die voll automatisierte Routine. So sieht mein Alltag aus und obwohl es nichts besonderes ist, manchmal anstrengend, ist es doch erstaunlich zufriedenstellend. Total simpel und trotzdem macht es mich so glücklich. Ich freue mich über meinen Tee jeden morgen, neue Musik, die ich entdecke, neue Läden, gute Ideen für den Unterricht.

Am Anfang war es schwer für mich, mich mit dem Online unterrichten abzufinden. Aber nachdem nun zum zweiten Mal wieder alles online ist, habe ich gelernt, die Situation so zu akzeptieren. Obwohl ich immer noch im analogen besser bin, muss ich eben meine Komfortzone verlassen und viel am PC arbeiten. Auch der neu gegründete DeutschClub findet digital statt. Gerade deshalb bin ich so froh, dass die Schüler trotzdem Interesse haben, daran teilzunehmen. Neues Projekt mit neuen demokratischen Ideen. Bin sehr gespannt, wie sich das entwickelt.

Letzten Freitag haben wir morgens bei Debora Tee getrunken und unser erstes organisatorisches Meeting gehabt. Da lag noch Schnee. Am Samstag dann zweistellige Temperaturen. Schon ein bisschen erschreckend. Ich habe mit Nilyay die herausragende Kunst im Studentski Park angeschaut und wir haben über unsere Zukunft, umziehen, Studium geredet.

Als Kunstkenner kann ich sagen, der kommt mal ganz groß raus

Dann hat sie mir die prunkvollsten Häuser der Stadt gezeigt.

Wir saßen auf einer der absolut coolen Schaukeln und ich habe ihr deutsche Wörter beigebracht.

Nach meinem sonntäglichen Frühstück auf dem sonnigen Balkon, habe ich kurzerhand beschlossen ein Picknick zu machen. Also alles eingepackt und los gings! Allerdings habe ich den Weg etwas unterschätzt. Dazu noch 8 Motorradfahrer, die den Weg zu einem Acker umgepflügt haben und dazu meine Strumpfhose mit einem hübschen Dreck-Matsch-Muster besprenkelt hatten. Idylle perfekt. Den Matsch-Schneeberg hochrutschen, im Wald verlaufen, und dann endlich den einzigen Orientierungspunkt finden, den ich habe: der Baum, auf dem sich Rumy manchmal entspannt und liest. Ab da ein Kinderspiel. Endlich angekommen an meinem Picknickort. Die Aussicht genossen. Musik aus Schumen gehört, Hundegebell, Vogelgezwitscher, Autos. Schumen = laut. Kein Witz, Schumen heißt wirklich wortwörtlich „laut“. Habe die Sonne vielleicht ein wenig zu sehr genossen. Leichter Sonnenstich.

Bergabstieg, vor einer etwas beklemmenden Höhle angehalten. Davor war es so kühl. Absurder Moment. Fast schon sommerlich mediterrane trockene Hitze, mit dem Duft von Kiefern in der Luft und dazu diese Kühle der Höhle und ein paar Häufchen Schnee auf dem Boden.

Vor meinem Block habe ich mich dann auf die freie Bank gesetzt und gelesen. Eigentlich ist die oft besetzt von den älteren Bewohnern. Aber ich hatte Glück.

Ein wunderschöner Sonnentag perfekt für ein paar Shumen-Impressionen
Zum Beispiel die einfallsreiche, sehr lange Einfahrt in die Гараж. Und zwischen den Spuren wird der Platz sogar noch zum Gemüseanbau genutzt. Ich liebe es!

Realisiert, dass die Hälfte meines Freiwilligendienstes jetzt offiziell vorbei ist. Connor und Tom sind zurück in Deutschland, die neuen Freiwilligen sind angekommen und wir sind alle ein wenig sentimental geworden. So viele Erlebnisse und Erinnerungen in diesen ersten 5 Monaten. Ich freue mich so sehr auf die nun folgenden 5 Monate. Online oder nicht. All die Dinge und Orte, die mir die Schüler noch zeigen wollen. Alles was ich noch lernen werde. Ich habe noch so viele Ideen und das Gefühl, viel zu wenig Zeit zu haben.

Aber ich versuche, mich nicht stressen zu lassen und alles bewusst zu genießen. Die Zeit geht leider so schnell rum. Woche für Woche bin ich überrascht, dass schon wieder eine Woche vorbei ist. Ich bin viel entspannter geworden und habe bemerkt, dass gerade im Moment, nicht alles so läuft, wie man das gerne hätte. Die Dinge brauchen mehr Zeit, oder es gibt eine totale Planänderung. Von heute auf morgen, neue Maßnahmen, Dinge gehen wieder oder nicht mehr. Alles ist unsicher, deshalb ist es so schön, diese Alltagsroutine zu haben. Genügsam und gelassener werden. Macht das Leben echt einfacher. Früher hätte ich total gehetzt, um schnell meinen Einkauf hinter mich zu bringen. Und jetzt lasse ich mir Zeit, entdecke neue Dinge, stresse mich weniger und zusammen Einkaufen wird zum neuen zusammen einen Ausflug machen oder einen Film schauen. So viel Zeit zu haben, nachzudenken, Dinge zu beobachten und wertzuschätzen. So zufrieden war ich noch nie mit meinem Tagesablauf. Es ist schön so gemütlich zu leben. Jeden Abend die Lichtverhältnisse und Sonnenuntergänge von meinem Balkon aus zu betrachten und mich mehr und mehr in Bulgarien zu verlieben.

 

Aprilwetter im März, dem Monat der Feste (Tag 141-148)

здравейте!

Der Monat der Feste. Die zweite Märzwoche hat begonnen und es geht kaum ein Tag vorbei, an dem nicht massenhaft Blumen verkauft werden. Zuerst war am 1. März Baba Marta, die hier für das „Aprilwetter“ im März verantwortlich ist, am 3. März dann der Nationalfeiertag und letzten Montag Weltfrauentag, der hier so wie Muttertag gefeiert wird.

Zurück zum Nationalfeiertag. Feiertag = keine Schule. Aber ich war trotzdem den ganzen Tag beschäftigt. Vor jedem Denkmal der Stadt, und Schumen hat sehr viele Denkmäler, wurden Blumen gelegt. Traditionell zwei Nelken. Das war schon mein erster Fauxpas, denn ich hatte nur eine…

Vor der Schule gab es dann auch noch eine Zeremonie. Musik vom Band, ein Schüler trug die Flagge von Bulgarien, ein anderer Blumen. Die Mädchen standen als Zierde daneben. Fand ich ein wenig altmodisch.

Dann wurde die Nationalhymne abgespielt, Gedichte vorgetragen und der Direktor hielt eine Rede. Im Anschluss wurden noch zahlreiche Fotos gemacht und sowieso wurde während der ganzen Zeremonie ein Livestream für Instagram gemacht. Danach hat Soner noch ein Video mit mir, unabhängig vom Fest, aufgenommen. Aber das mussten wir am nächsten Tag nochmal filmen, zu schlechte Qualität.

Die Cafés und Restaurants haben jetzt wieder geöffnet, also wollten Soner und ich uns irgendwo hinsetzen, aber alles war rappelvoll. Also sind wir bis zum „Wiener Garten“ gelaufen und haben dort Pizzen zum Mitnehmen bestellt.

Ich habe една малка пица хавай без жунка bestellt. Und was gibt es besser, als auf einer Parkbank, bei strahlendem Sonnenschein und riesigem Hunger, Pizza zu essen? Das war der Himmel! Dann ging es ab zum Sprachkurs und dann auch schon wieder los ins Zentrum, zum Kristall. Auch auf Bulgarisch wird der Ort Kristall genannt. Eine Art Kreuzung, mit Parkplatz, der leer war, weil dort die große Zeremonie stattfand. Wir haben uns zu der Menschenmasse gestellt, ein Orchester hat Marschmusik gespielt, da kamen Dorffesterinnerungen auf. Jedoch bin ich aus Deutschland nicht so viel Patrotismus gewöhnt. Alles neu und aufregend. Bulgarienfahnen wurden verteilt und das Militär ist in voller Montur aufmarschiert. Dazu noch eine Gruppe von Männern in traditioneller Uniform und alles sehr feierlich.

Die Menschen haben sich dort versammelt um später festlich die Blumenkränze zum Denkmal zu tragen

Traditionelle Uniform und dazu noch ein Lächeln direkt in die Kamera

Es wurden ein paar militärische Übungen gezeigt und dann wurden wieder Gedichte vorgelesen und im Anschluss die Namen von jedem Revolutionär, Helden,…, der Bulgarien zu dem Land gemacht hat, das es heute ist. Auch wenn an anderen Tagen die Leute oft ihren Missmut über Bulgarien, wirtschaftliche und politische Probleme mir gegenüber äußern, habe ich am 3.März doch sehr genau miterleben können, wie stolz die Bulgaren auf ihr Land sind. Wie dankbar sie den ganzen Schriftstellern, Professoren, Politikern, … sind. Dann sind alle Leute in die Hocke gegangen um ihre Dankbarkeit und ihren Respekt zu zeigen. Eine schöne Geste. Überhaupt ist mir am 3.März dieser große Unterschied zu Deutschland aufgefallen. Solche Zeremonien wären in Deutschland undenkbar. Aber gerade diese Dankbarkeit für Revolutionäre hat mir wirklich sehr gut gefallen. Obwohl es von Musik her und Uniformen, könnte bei uns auch an Karneval so aussehen, sehr ähnlich zu Deutschland war, habe ich trotzdem einen Teil der bulgarischen Kultur kennengelernt.

Nach der Zeremonie gab es noch ein ziemliches lautes Feuerwerk. Danach bin ich voll mit neuen Eindrücken und Reizüberflutung nach Hause gegangen.

Mit Bulgarisch schlag ich mich so mehr oder weniger durch. Teilweise werde ich dazu gezwungen zu sprechen. Soner hat eie Art Schnitzeljagd für mich in der Schule organisiert und ich musste zu verschiedenen Lehrern, Schulpersonal und dem Direktor gehen und auf Bulgarisch Fragen stellen. Alle waren eingeweiht und am Ende habe ich mein Geschenk: Blumen, bekommen.

Soner, mein persönlicher Dolmetscher, Assistent und Google in einem. Am Donnerstag habe ich bei ihm Hagen und Blanka kennengelernt. Zwei deutsche Auswanderer und wir haben gemeinsam Bulgarisch gelernt.

Was war sonst noch so los? Am Samstag war es superkalt. Soner und ich saßen trotzdem im Café und haben ein Projekt geplant, bis mir so kalt wurde, dass wir zu dm gegangen sind um uns aufzuwärmen. Wir haben Katzenfutter gekauft und ein paar Straßenkatzen gefüttert.

Ich war auch endlich mal in dem Bio-unverpackt-Laden mit Viki. Es gab sehr viel Körner/Getreide/Samen. Da muss ich noch ein bisschen Bulgarisch lernen, bis ich dort weiß, was ich eigentlich kaufe. Wie es die Tradition bei Viki und mir will: wenn es regnet, dann gehen wir zu Mania. Zuerst habe ich gar nichts gefunden, aber dann haben Viki und ich richtig angefangen zu stöbern, bis mir irgendwann fast der Arm abgefallen ist. Zum Glück stand ein leerer Korb ganz in der Nähe.

Wir waren so vertieft ins Klamotten suchen, dass die zwei damenlosen Körbe einfach so in der Gegend herumstanden und mehrmals von Mitarbeitern zur Seite geräumt wurden

Bei Mania findet man wirklich wahre Schätze. Als nichts mehr in unsere Körbe gepasst hat, sind wir in die Umkleidekabinen gegangen. Ein erfolgreicher Shoppingtrip! Materielles macht eben doch glücklich. Neuste Erkenntnis. Habe sogar eine neue Jeans gefunden die passt. Ein Wunder! Davor hat die einer Marta gehört. Der Name ist reingestickt. Sehr interessant. Die meisten Klamotten kommen als „Spenden“ aus Deutschland, ich kaufe Mania leer und Re-importiere die Sachen im August wieder nach Deutschland. Da schließt sich der Kreis.

Sonntag war meditativer Putztag. War echt mal wieder nötig. Ein Tag ganz für mich allein, ohne Termine. Hätte nie gedacht, dass ich mal so glücklich und zufrieden bin, nur allein in meiner Wohnung zu sein. Im Moment lese ich die Bücher für die Lesefüchse im Akkord. In den letzten 4 Tagen 2,5 Bücher. Ich bin selbst ganz erstaunt.

Weltfrauentag wird hier auch nochmal heftiger gefeiert, als in Deutschland. on zuhause kenne ich Weltfrauentag als etwas, das erwähnt wird, Demonstrationen, ein politischer Tag. Hier schenkt man den Frauen ähnlich wie am Muttertag Blumen um sich dakbar zu zeigen. Ich war echt die einzige Person, die nicht mit Blumen in der Hand durch die Stadt gelaufen ist.

Beim Monument war ich auch endlich mal wieder. Viel zu lange her. Das sagt auch meine Kondition. Soner wollte allen ernstes die Treppen hochjoggen. Nicht mit mir! Ein ganz kurzes Stück sind wir oben gelaufen, aber ich war echt völlig fertig.

Ich habe auch etwas entdeckt, was mir sehr großen Spaß macht: Schüler mit langen deutschen Wörtern zu schocken. Darüber können wir immer wieder lachen. Ich über ihre schockierten Gesichter und sie aus Verzweiflung. Meine Top 2: Versicherungsfachangestellte und Nasennebenhöhlenentzündung.

Im Moment bin ich total im Alltag angekommen und fühle mich so wohl und zuhause, wenn ich die Nachbarn grüße und nach einem langen Tag meine Wohnung betrete. Meine Tage sind so gefüllt mit Erlebnissen und Begegnungen. Trotz Stress und obwohl es mir manchmal passiert, dass ich mich total verplane und Verabredungen zur gleichen Zeit ausmache, fühle ich mich doch entspannt und genieße die Sonnenstunden und Gespräche.

Mit Rumys Hilfe habe ich nun auch Paletten für meinen Balkon bekommen. Luxus-Lieferung mit dem Taxi und Transport in den 1.Stock. Aus meinem trostlosen Balkon wird jetzt hoffentlich ein kleines Paradies.

Da in Bulgarien das Aprilwetter im März passiert, muss ich aber noch ein wenig warten auf Balkonmomente. Heute ist richtig ekliges kaltes Regenwetter. Aber vor ein paar Tagen konnte ich tatsächlich in der Sonne auf dem Balkon frühstücken. Ein richtiges highlight, worauf ich mich die letzten Monate so gefreut habe und es sehr herbeigesehnt habe den Balkon zu nutzen. Ich hoffe, dass ich den Balkon bald in meinen Alltag integrieren kann.

Kleiner Tipp noch zum Schluss: Wenn man Schokolade zu einer Flasche mit heißem Tee in die Tasche legt, dann verändert die Schokolade ihren Aggregatszustand von fest zu flüssig und das Ergebnis verdampft auch leider ncith, weshalb ich jetzt meine Tasche, meinen Block und USB-Stick von Schokolade befreien muss…

Neues vom Nachbarbalkon (Tag 134-140)

здравейте!

Ich habe gerade so viele Aufsätze/Erörterungen korrigiert, dass ich tatsächlich selbst Lust bekommen habe eine zu schreiben, meine ehemaligen Deutschlehrer vieeeel besser verstehen kann, weil man echt irgendwann gar nicht mehr weiß, was man da eigentlich gerade liest und zu guter Letzt habe ich deshalb jetzt das Bedürfnis diesen Text hier besser zu strukturieren.

In diesem Beitrag möchte ich über drei Ereignisse der Woche schreiben und natürlich noch einfach so ein paar Quatschgedanken.

Also als Erstes ein paar Impressionen meines Wochenendausflugs mit Schülern der 8. Klasse nach Preslav, der ersten Hauptstadt Bulgariens. Die Stadt ist etwa 30 Minuten von Shumen entfernt und eine Famlienfreundin einer Schülerin war so freundlich uns dort hinzukutschieren. Treffpunkt war am sonnigen Samstag um 10 Uhr vor der Schule. Maria war schon da und Danelia, samt Auto kam auch pünktlich. Dann noch Nesche und wir waren so gut wie vollständig. Nur auf Gabriel mussten wir noch warten. Unser Gespräch war ein bisschen stockend, smalltalk, aber ein bisschen Bulgarisch habe ich auch verstanden. Wir haben Witze gemacht, dass alle Schüler der Klasse entweder mit nach Preslav kommen, in Varna shoppen sind, oder in der dominikanischen Republik Urlaub machen (ein Schüler). Wir haben Gabi angerufen und waren uns sicher, dass er noch am fortnite spielen war. Doch dann hielt ein Auto hinter uns – der langersehnte Gabi? Nein, eine Frau mit zwei Mädchen, die uns fragte, ob wir nach Preslav fahren, ja. Die anderen waren sichtlich genauso irritiert wie ich und hatten keine Ahnung wer diese Fremden sein könnten. Dann kam endlich noch ein Auto: Gabi samt Bruder und Eltern. Aufklärung: die drei im anderen Auto sind Familienfreunde und die beiden Familien sind im Anschluss nach Varna weitergefahren.

Also bei strahlendem Sonnenschein ab nach Preslav. Mit Danelias Hilfe ging es einmal im Carré um ein Wohnviertel mit ziemlich steilen Straßen. Um ehrlich zu sein habe ich keine Ahnung was wir dort gesucht haben. Jedenfalls ging es dann aus der Stadt raus und ins nahegelegene Kloster Patlejna. Unterwegs nochmal ein kurzer Stopp, bis die nun vier Autos alle beieinander waren. Eine weitere Schülerin plus Mutter übernahmen die Rolle der Reiseleiter. Am Kloster angekommen – Totenstille. Außer ein paar Vögel, absolut idyllische Urlaubsstimmung. Dann habe ich erstmal ein Kompliment für meine Docs bekommen von Gabis Mutter. Da war sie mir natürlich sofort sympathisch. Vorallem weil es dann später noch superleckeres Käsegebäck gab. Im Kloster habe ich dann ne Runde Kerzen ausgegeben und dann ging es auch schon weiter zur Festung (крепоцт Krepost) von Veliki Preslav. Gabis Vater hat mir auf Englisch ein bisschen über Bulgariens Geschichte, Tempelritter usw. erzählt. Echt spannend. Dann haben sie sich verabschiedet für ihren Wochenendtrip, natürlich nicht ohne mich einzuladen mitzukommen in ein Spa mit heißen Quellen. Ich habe dankend abgelehnt und gesagt ein anderes mal gerne.

Also Tschüss Hälfte der Gruppe, und nur noch der weibliche Teil blieb übrig. Es gab eine Einführung über das Gelände auf Bulgarisch und einen Anruf der Deutschlehrerin, die sich vergewissern wollte, dass die Schüler auch ganz viel Deutsch sprechen. Klaro. Geschichtliche Ereignisse in einer Fremdsprache zu erklären, die man gerade mal ein halbes Jahr lernt, ganz schön anspruchsvoll, aber mittlerweile habe ich so halb nen Durchblick über die ganzen Zare und Khane.

Die goldene/runde Kirche

Dann ging es noch weiter ins Museum mit Tresorraum in dem ein Goldschatz aufbewahrt wird. Das Museum ist voll mit Scherben, Schmuck und Werkzeugen. Funfact aus der Region: überall wo gebaut wird findet man irgendetwas von den Römern, Thrakern, Goten oder einem anderen Volk. Das geht so weit, dass manche Privatleute einfach wieder alles zuschütten, bevor sie eine Ausgrabungsstätte im Vorgarten bekommen.

Das Panorama in der Region ist traumhaft. Ich dachte, dass ich im Flachland wohne, dabei sind die Berge gar nicht mal so weit entfernt.

Aus dem Souvenirshop wurden mir gleich noch ein paar Andenken gekauft. Sehr süß. Und die Mädchen bringen mir bald ein paar bulgarische dancemoves bei.

Dann wurde ich gefragt, ob ich nicht noch nach Pliska, die zweite Hauptstadt Bulgariens möchte. Klar! Zwei Hauptstädte an einem Tag und damit war ich jetzt in allen Hauptstädten Bulgariens. Pliska liegt 20 Minuten auf der anderen Seite von Shumen. Also ging es auch dort noch ins Museum.

Die Sonne hat mich ganz träge gemacht, obwohl es erst 16 Uhr war, als wir zurück in Shumen angekommen sind, war ich echt fertig von den viele Infos, aber auch echt beeindruckt, wie gut man sich doch verständigen kann mit einem noch kleinen Wortschatz.

Auf dem Heimweg bin ich durch eine volle Fußgängerzone voller Martinitsi Stände gelaufen, dazu gleich mehr.

Ich habe ein paar Nachrichten auf dem Handy beantwortet und plötzlich auf Facebook eine Meldung bekommen: ein Foto von meinem Ausweis. Geschockt bin ich stehengeblieben.

Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich meinen Ausweis verloren habe, kurz darauf aber festgestellt, dass mein kompletter Geldbeutel nicht mehr da ist. Kurz hatte ich richtig bammel. Die Nachricht, die ich bekommen habe war auf Bulgarisch und nachdem klar war, dass der Geldbeutelfinder nur Russisch als Fremdsprache kann, war ich gezwungen die Angelegenheit auf Bulgarisch zu klären. Ich habe den Geldbeutel in Pliska verloren, aber zu meinem großen Glück wohnt der Typ in Shumen um die Ecke.

Also hatte ich meine Sachen nach 4 Stunden wieder zurück. Meine ganzen Karten waren sogar nochmal extra gesichert in meinem Münzfach verstaut worden. Ihm war wohl klar, dass mir öfter was aus dem Geldbeutel fällt. Ich bin echt sehr erleichtert, dass alles so gut gegangen ist. Er wollte mich sogar noch nach Hause fahren, aber ich wollte mein Glück nicht noch mehr herausfordern an diesem Abend.

What a day. Ereignisreich, voller chaotischer und schönen Momente.

Am Sonntag bin ich dann mal wieder mit Viki zusammen Rumy besuchen gegangen. Wie schon vermutet, gab es wieder Baniza, Tee und Obst. Viki hat ihre Martinitsi Materialien ausgepackt und kurz darauf waren wir beide auch schon im meditativen Jenseits des Knüpfens verschwunden, während Rumy für die richtige Stimmung gesorgt hat. Entspannungsmusik, noch mehr Tee und Kekes und später auch noch Wein mit Kräutern. So eintspannt habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Rumy hat ihr komplettes Haus auf den Kopf gestellt und von überall noch mehr Material gebracht. Einzelne Ohrringe, Steine, Muscheln, Wolle, Perlen, …Viki hat uns ihre verschiedenen Techniken gezeigt und kurz darauf war Rumy klar, dass wir das perfekte Team bilden und einen workshop machen sollten.

Unser eigentlicher Grund für den Besuch war ein Waldspaziergang um die Frühlingsblumen zu sehen. Von Rumy wurde ich gleich mit einer ganzen Auswahl an Mützen konfrontiert, nachdem ich ihr erzählt hatte, dass ich meine verloren habe. Nora und Sara (Rumys Hunde) waren auch mit von der Partie. So ging es rauf aufs Plateau. Die friedlich Stille wurde nur von zwei Mopedfahrern gestört, die die Waldwege unbedingt matschig machen wollten. Da war es dann vorbei mit der Beobachtung von Rehen. An Rumys und mittlerweile auch meinem Lieblingsplatz angekommen, haben wir die Aussicht auf die Festung und die in der Sonne liegende Stadt genossen. Rumy im Gras liegend, wir auf einem Baumstamm sitzend. Vitamin D dankend und friedlich schweigend. Immer wieder habe ich es hier im Gefühl: an diesen Moment werde ich mich erinnern. Und diese Momente kommen so viel öfter und spontaner als gedacht.

Auf dem Rückweg hat Rumy noch Müll eingesammelt, die gute Waldfee. Dann haben wir noch ein bisschen gebastelt und geredet, über die große Leidenschaft, die uns drei verbindet: Zeit alleine mit sich zu verbringen. Genau das habe ich dann abends gemacht.

Ästhetik a la Karla: zerflossenes Wachs auf einem Arbeitsblatt mit Reflexivpronomen, der Tisch wurde nicht ganz gerettet…
Noch mehr ramontische Kerzenästhetik

Süßkartoffel-Spinat Curry Kombi gekocht, YouTube videos geschaut, Yoga gemacht und mal wieder realisiert, wie cool es doch meistens ist, alleine zu wohnen.

So nach diesem erholsamen Wochenende war gestern Честита Баба Марта (Glückliche Großmutter März). Ein bulgarisches Fest, dass ich jetzt noch ein bisschen erklären möchte. Nach einer Internetrecherche und nachfragen bei allen möglichen Leuten, denke ich, dass ich es jetzt verstanden habe.

Am 1.März schenkt man hier Freunden und Familie die typischen weiß-roten Armbänder (Martenitsi). Die Armbänder sollen baba marta milde stimmen, damit sie es nicht schneien lässt. Außer Armbänder gibt es auch noch Broschen, die man an diesem Tag trägt. Der Tag wird auch verkörpert von den zwei Figuren Pischo und Penda.

Ob als Whatsappgruß…

 

…auf dem Kreisverkehr…
…oder von den Nachbarskinder gebastelt im Flur, begegnen einem die Figuren überall.

Man wünscht seinen Lieben Gesundheit und Glück für das kommende Jahr. Sie stehen für Fruchtbarkeit. Oft werden sie beim ersten Frühlingszeichen, bspw. einem Storch, an einen Baum gehängt, oder unter einem Stein versteckt. Oder nach einem Monat, also am 1.April. Wenn man das Armband abmacht/aufhängt, darf man sich etwas wünschen. Das ist der Grund warum hier eigentlich überall das ganze Jahr über rote und weiße Armbänder in den Bäumen hängen. Am Anfang habe ich mich schon sehr gewundert.

Kleiner Scherz, der zwischen mir und Sophia entstanden ist. Das ist natürlich keine festliche Dekoration

Also meine Google-Recherche hat ergeben, dass es diese Tradition auf dem ganzen Balkan gibt. Der Ursprung ist nicht eindeutig. Für uns ist Baba Marta am ehesten mit Frau Holle gleichzusetzen, die nochmal den letzten Schnee bringt und dann kommt der Frühling.

Ich habe mich sehr auf mein erstes bulgarisches Fest gefreut, doch gestern war irgendwie überhaupt nicht mein Tag. Wie das manchmal so ist hat einfach nichts so geklappt wie ich wollte. Da war es umso schöner den ganzen Tag beschenkt zu werden. Vorallem mit meiner großen Armbandleidenschaft. Sogar vor meiner Tür lagen Armbänder von meinen Nachbarn. Das hat meinen Tag definitiv gerettet.

Ein typisches Handgelenk am ersten März
Die weniger ästhetische, dafür umso nervigere andere Seite

Aus Umweltgründen werde ich natürlich nicht alle meine Armbänder in der Natur verteilen, aber eins muss schon sein, um der Tradition willen.

In einem Päckchen mit Armband war auch dieser kleine Zettel. Ich dachte es wäre eine Glückskeksweisheit, aber nachdem Soner es für mich übersetzt hat wurde ich doch ein bisschen enttäuscht.

Dort steht: „Richte deinen Pony/deine Frisur, denn du wirst in den Spätnachrichten gezeigt“ Erstmal ziemlich stupide, aber dann auch wieder doch ganz passend, weil der Zettel offenbar in die Zukunft schauen kann. Soner hat mir dann nämlich erzählt, dass er am Mittwoch, Bulgariens Nationalfeiertag, ein Interview mit mir aufzeichnen möchte, also wird es höchste Zeit für mich meine Frisur zu richten, oder mir einen Pony zu schneiden.

So, das war mein Wochenupdate. Fehlt nur noch das update vom Nachbarbalkon. Ich mach so ein clickbaiting, aber da der Balkon so gut ankommt, musste es sein. Aus Datenschutzrechtlichen Gründen möchte ich nicht von meinen Nachbarn dabei beobachtet werden wie ich ihren Balkon fotografiere. Außerdem möchte ich nicht die Fantasie von jedem zerstören, der sich diesen wundersamen Balkom vorstellen möchte.

Also werde ich mal wieder einfach nur mit Worten beschreiben, was sich nun auf dem Balkon abspielt. Wurst und Kuscheltiere wurden ersetzt von einer Bulgarienflagge. Ich denke, die wurde passend für den morgigen Nationalfeiertag gewaschen und hängt dort nun zum Trocknen.

Gestern war mein erstes bulgarisches Fest. Die Armbänder waren wirklich überall, eine wichtige Tradition. Ich bin aber gespannt, wie viele Menschen die Armbänder auch eute noch wirklich tragen. Morgen gibt es dann schon die nächsten Zeremonien, Reden, Blumen an Statuen und Feuerwerke zu sehen. Schulfrei, aber trotzdem eine Veranstaltung an der Schule. Ich bin gespannt.

хубов ден! (schönen Tag noch 🙂

 

 

This is Bulgaria! (Tag 127-133)

Okay, ich muss zugeben, dass es noch nicht ganz die Hälfte von meinem Freiwilligendienst ist. Zum Glück sind erst 4 meiner 10 Monate um. Das bemerke ich immer, wenn ich einmal im Monat zu easypay gehe um meine Rechnungen zu bezahlen.

Aber mit der Sonne, die den Frühling ankündigt und der großen Veränderung, Präsenzunterricht, fühlt es sich so an, als ob mein Freiwilligendienst noch einmal ganz anders wird. Von neuem beginnt.

Nach 10 Städten/Orten, die ich nun gesehen, nachdem ich alle Freiwilligen besucht habe und bald die neuen Freiwilligen kommen, habe ich gerade sehr Lust eine Zwischenbilanz zu schreiben.

Typisch Deutsch habe ich es hinbekommen meine fake-Tupperboxen in ganz Bulgarien zu verteilen. Die kommen ganz schön rum.

Okay das war ein komischer Fakt am Rande. Jetzt geht es aber richtig los. Ich habe so Lust zu schreiben!

Ein halbes Jahr bin ich jetzt schon in der Fremde! Aber kann man eigentlich Fremde sagen? Schließlich habe ich mich hier so schnell eingelebt, Freunde gefunden und so fremd oder anders sind die Menschen hier nicht. Es gibt genauso wenig eine typisch bulgarische Person, wie es eine typisch deutsche gibt. Wir sind eben alle Menschen und da kann es durchaus sein, dass man sich mit einer Person einer anderen Nationalität besser versteht, als mit einer anderen deutschen Person.

Mittlerweile habe ich eine so tiefe Verbundenheit zu Bulgarien entwickelt, wie ich sie für Deutschland nie verspürt habe. Obwohl ich mich, seit ich im Ausland bin deutscher fühle. Aber wenn ich hier durch die Landschaft fahre, von oben auf eine Stadt blicke, dann spüre ich mein Herz schneller schlagen. Meine Liebe beim Anblick der Landschaft, Sonnenuntergänge, Dörfer und Städte ist wirklich groß. Und der Gedanke, dass ich im Sommer wieder gehe bringt mich dazu, mir alles ganz genau einprägen zu wollen.

Trotz meiner großen Bulgarienliebe merke ich aber auch, wie gut es tut, wenn man sich manchmal auf Deutsch unterhalten kann, ohne darauf zu achten möglichst verständliche Sätze zu bilden. Sieben, mir zuvor völlig unbekannte Deutsche, sind für mich hier zu einem Heimatgefühl, einer Ersatzfamilie geworden, mit der ich mich immer austauschen kann. Wir erleben Bulgarien zusammen auf ganz unterschiedliche Art und Weise.

Wie schnell man sich doch an eine neue Umgebung, neue Situationen und Gegebenheiten gewöhnen kann. Klar, es gibt echt viele Unterschiede und es macht total Spaß sich auszutauschen und neues zu erfahren. Allein dadurch, dass ich nun kyrillische Schrift lesen kann und ein wenig Bulgarisch, kann ich so viel mehr verstehen und habe ganz neue Möglichkeiten, meine Umgebung scheint dadurch vertrauter.

Eine Schülerin der 8. Klasse hat mich gefragt, ob die Kinder in Deutschland anders sind. Gute Frage. Aber wenn ich mir hier so die Klassen anschaue, dann erinnere ich mich an meine eigene Schulzeit zurück und kann sagen, dass es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gibt. Die Entwicklungsschritte sind ähnlich, bis zu einem Punkt, ab dem man in Deutschland mehr Möglichkeiten und bessere Zukunftschancen hat als hier.

Es ist schon verrückt. Vor einem halben Jahr hatte ich wirklich so gar kein Bild von Bulgarien und mittlerweile kann ich mich so gut mit dem Land und den Menschen identifizieren. Mir gefällt die Lebenseinstellung nicht so verkrampft und penibel zu sein, sondern alles etwas lockerer gesehen. Davon habe ich mir auf jeden Fall eine Scheibe abgeschnitten. Eine große Scheibe. Was mir besonders gefallen hat ist ein Satz den Soner letztens zu mir gesagt hat: „In Bulgarien sind die Menschen deshalb so vielseitig interessiert, weil sie alles selbst machen. In Deutschland ruft man schon jemanden an, um eine Glühbirne zu wechseln.“ Das ist meist für die Menschen eher Zwang als Interesse, aber es wird in etwas so nützliches wie Lebenskompetenz umgewandelt. Sehr inspirierend und etwas wonach wohl immer mehr Menschen, die den Luxus der Wahl haben, streben wollen.

Alles Fremde wird zur Gewohnheit. Früher fand ich Plattenbauten echt schrecklich und nun wohne ich selbst in einem Block und der Anblick des grauen Monstrums hat nichts mehr hässliches für mich. Ich liebe die Kontraste Bulgariens: Ein Wohnblock und im Hintergrund der Sonnenuntergang – Plattenbauromantik. So schnell gewöhnt man sich an den Anblick und lernt ihn sogar zu lieben.

Seit ich hier bin, habe ich auch schon mehr über Deutschland gelernt, als vor Ort. Unsere Regierung und generell die Möglichkeiten, die wir in Deutschland haben. Mir ist aufgefallen, wie kulturell vielfältig und offen Deutschland ist.

Auch in Bulgarien gibt es viele Einflüsse aus Asien, dem Balkan, Griechenland. Alles ist vermischt und es ist schwer zu bestimmen von wo nun was herkommt. Es gibt viele gesellschaftliche Probleme (Rassismus, Müllberge, Korruption), ein Staatsoberhaupt gegen das viel demonstriert wird, aber auch sehr viele junge ambitionierte Menschen und wie gesagt eine große Vielfalt.

Ich trinke bulgarisches Bier aus 2 Liter Plastikflaschen, wohingegen die typische deutsche Glasflasche fast schon so schick wie ein Weinglas wirkt. Ich esse griechische Oliven, schaue türkische Filme und Serien, höre russische Musik, tanze auf bulgarischen Partys zu Chalgaliedern Balkantänze, spreche in meinem Alltag ein kaudawelsch aus Deutsch-Englisch-Bulgarisch, vermisse deutsche Duschen und manchmal auch die Straßen in Deutschland, die man praktisch mit geschlossenen Augen entlanglaufen kann, wohingegen man hier aufpassen muss wo man hintritt. Ein kleines Abenteuer.

In meiner westlichen Blase, in der ich aufgewachsen bin und nach der auch hier viele streben, habe ich „kulturelle Einflüsse“ aus Großbritannien und den USA gehabt, alles andere habe ich gar nicht in betracht gezogen. Das ist schon eine ziemlich beschränkte Sichtweise gewesen bei der mir viel entgangen ist.

Ich kenne jetzt Bulgarien in verschiedenen Jahreszeiten. Oh und wie ich mich auf das Lebensgefühl der Bulgaren im Frühling freue! Eine karge felsige Landschaft im Westen und weite Flächen im Osten. Städte und Dörfer, Arm und Reich, Weltoffenheit, Fortschritt, Korruption, Tradition, Fleischnation und Veganer. Das Land der Kaffeeautomaten, einer großen Auswahl an Joghurt, Straßenhunde und Katzen überall. Hauptbeschäftigung: spazieren gehen, andere Menschen im Zentrum des Geschehens treffen. Vieles ist oberflächlich, Aussehen spielt eine große Rolle (es gibt auch wirklich sehr viele bildhübsche BulgarInnen), körperliche Betätigung und Hilfsbereitschaft sind super wichtig. Ich bin beeindruckt von den Englischkenntnissen der Schüler. Wirklich amazing!

Unter meinen persönlichen Begegnungen waren viel mehr positive als negative.

Ich habe gemerkt, was es für einen Unterschied macht, ob man nun Urlaub an einem Ort macht, oder wirklich dort wohnt, der Ort zur Heimat wird, auf Zeit. Auf manchen Luxus muss ich verzichten und doch habe ich so viel Freiheit wie nie zuvor. Ich verdiene mein eigenes Geld, wohne im Zentrum einer Stadt und muss meine eigenen Entscheidungen treffen, meinen Alltag und meine Zukunft gestalten. Manchmal mache ich mir selbst Zeitdruck, denke ich mache zu wenig und verpasse irgendetwas. Aber dann reicht es schon einfach vor die Türe zu gehen und die neuen Eindrücke aufzusaugen.

Das Eisbergmodell der Kulturen passt wirklich treffend. Ich würde sagen mittlerweile bin ich unter der Oberfläche angekommen, verstehe Dinge, die man nur versteht, wenn man eine Weile hier ist, aber bei weitem habe ich noch nicht alles entdeckt und verstanden.

Bulgarien hat so vieles zu bieten. So viele Sehenswürdigkeiten, Geschichte, Natur.

Wenn ich so an kulturweit denke und deren Mission, dan würde ich sagen: Ziel erreicht, bei mir. In den letzten vier Monaten habe ich so viel neues gelernt, einen riseigen kulturellen Austausch, europäische Verbundenheit und ein Zusammengehörigkeitsgefühl erlebt, dass ich vorher nicht so verstehen konnte, wie ich es jetzt fühle.

Meine Lust auf Neues, weitere Reisen, wurde gestärkt, aber entschleunigt. Es braucht eben Zeit um an Orte zu gelangen. Ob mit dem typischen Kleinbus, dem Zug oder einer Mitfahrgelegenheit, ob in die Hauptstadt Sofia, den beliebten Urlaubsort Varna oder die für mich klischeehafteste Stadt Bulgariens Haskovo: die Strecke dorthin ist schon spannend. Was liegt auf dem Weg? Vorfreude, Träumereien, Pannen, Kontakt zu anderen Menschen, Dinge, die schiefgehen und Planänderungen werden nachher zu den besten Geschichten.

Kontakte in ganz Europa zu haben, ein Netzwerk, bringt so viel Sicherheit und neues Wissen. Allein auf unserem Kontinent gibt es so viele unterschiedliche Kulturen und doch kann man sich als Europäer identifizieren. Ich kann es zumindest besser, als mich als Deutsche zu sehen.

Für mich waren so viele Länder Europas früher unsichtbar. Ich dachte an die typischen Urlaubsländer Frankreich, Italien, Spanien, aber Europa ist so viel mehr und die Länder so anders, wenn man nicht zur Hauptsaison dort ist.

Natürlich hat es auch viel mit der eigenen Einstellung und Glück zu tun, wo man letztendlich landet, mit welchen Leuten man zu tun hat und mit der eigenen Lebenssituation.

Meine Erfahrungen sind nicht repräsentativ, sondern genauso individuell, wie die Erfahrungen von allen anderen. Das ist es ja, was alles erst so besonders und schön macht.

Die Zeit zu haben ein ganzes Land zu bereisen, von Einöde zu Hauptstadt, oder besser gesagt, sich die Zeit zu nehmen. Warum habe ich das eigentlich nie so exzessiv in Deutschland gemacht? Bald habe ich mehr von Bulgarien als von Deutschland gesehen. Ich denke ein Punkt sind auf jeden Fall die Bahnpreise in Deutschland, aber Deutschland hat auch noch so vieles zu bieten, was ich nicht kenne. Distanz spielt hier eine kleinere Rolle. Ich lerne es mehr Geduld zu haben und alles geschehen zu lassen. Alles ist gut, so wie es ist. Natürlich ist es auch von Vorteil, dass man Übernachtungsmöglichkeiten hier im ganzen Land hat.

Alleine zu wohnen hat mir viel offenbart. Über mich, was ich will, was mich glücklich macht, was ich zum Leben brauche, dass ich viel zu viel besitze, wie man aus wenig viel machen kann, was meine Ziele sind, was ich vermisse. Wie man allein mit Rückschlägen und Problemen umgeht, dass man sich trotzdem immer auf sein Umfeld verlassen kann, Unterstützung bekommt, wie wichtig zwischenmenschliche Beziehungen sind, weil ich der Überzeugung bin, dass andere Menschen die größte Wissens- und Lernquelle sind. Wie wichtig es ist eine Alltagsroutine zu haben, dass man manchmal auch Dinge machen muss, auf die man absolut keine Lust hat. Und auch, dass es super schwierig ist zwei Leben unter einen Hut zu bekommen, sich zu verändern und trotzdem niemanden zu vergessen, Kontakte zu pflegen. Ich dachte das gelingt mir besser, aber ich lerne dazu.

Ich merke schon jetzt, wie ich mich verändert habe, neue Situationen mir nicht mehr so viel Angst machen, ich besser im improvisieren werde.

Ich habe so viele Unterschiede auch innerhalb von Bulgarien erlebt. Von mit uran verunreinigtem Wasser, über Filterkanne, bis super leckeres Quellwasser. Luxusvillen und Hütten aus Blech. So viele zerfallene Gebäude, Bauruinen und neue Plattenbauten. Monumente, Denkmäler, Statuen ohen Ende. Einen trostlosen Zoo, mit depressiven Tieren, der mich sehr mitgenommen hat, alte Autos, Pferdewagen, Motorräder und SUVs. Menschen, die mich inspiriert haben, Ausblicke, die mich bewegten. So viel Freude, Gespräche und Inspiration.

Habe mich geborgen gefühlt auf der Rückbank eines bulgarischen Autos und doch tatsächlich in diesem Moment wurde ich so an Autofahrten aus der Kindheit, auf dem Heimweg von einer Familienfeier erinnert. Das hätte ich nicht gedacht.

Ich bin zu jeder Tages und Nachtzeit Zug gefahren. Habe die schlammigsten, dornigsten Abkürzungen genommen, kreative Problemlösungen entdeckt.

Ich bin so fasziniert vom Lichtermeer der Städte, von der rauen, felsigen Natur, den wilden Flüssen, den Dörfern in den Bergen. All diese Erfahrungen kann man, das ist meine Überzeugung, in jedem Land machen. Also auch in Deutschland.

So jetzt habe ich wohl alles rausgeschrieben, mein innerer Monolog hat ein Ende, auch wenn es vielleicht ein bisschen durcheinander ist und ich manches einfach nicht so formulieren konnte, wie ich es fühle. Im Moment verspüre ich eine große Lust auf die wärmere Zeit, bin wohl gerade ziemlich euphorisch.

Jetzt muss ich mich ein wenig beeilen um noch rechtzeitig zum Unterricht zu kommen. Die Sonne scheint und ich habe gerade kreativen Überschuss!

 

 

 

 

хотдог und ein rein platonisches einjähriges (Tag 121-126)

хотдог – Das Schild, welches ich jeden Morgen auf meinem Weg zur Schule sehe. Lange habe ich gerätselt um was es sich bei dieser ominösen Aneinaderreihung kyrillischer Buchstaben handelt. Auch bei Billa. Bis mir letztendlich klar geworden ist, dass es einfach die wörtliche Übersetzung von „hotdog“ ist. Ich finds zum Schießen – chotdog!

Mit Soner habe ich Material für Martenitsa-Armbänder gekauft und heute trefen wir uns das erste Mal um diese herzustellen. Danach waren wir noch bei dm, Soner wollte eine neue Zahnpasta kaufen. SO intensiv und lange habe ich mich noch nie mit Zahnpasten beschäftigt. Nach unserem Einkauf wollten wir mit ein paar anderen Schülerinnen einen Kaffee/Tee to go bestellen, aber in dem Moment in dem wir unsere Bestellung aufgeben wollten, gingen plötzlich Licht und Musik aus – Stromausfall. Klassische Shumenaktion, wie die Schüler finden. „Shumen, get it together!“ Ich fand es trotzdem ne lustige Aktion und zurück in der Schule schien auch alles wieder wie gewohnt zu funktionieren.

In der Schule habe ich endlich einen eigenen Schlüssel fürs Deutschzimmer bekommen und fühle mich jetzt sehr cool. Meine täglichen „Sprechstunden“/Treffen sind auch ziemlich entspannt.In der Pause kommt Ebru, eine Achtklässlerin zu mir, wir sprechen ein bisschen mit der Hilfe von Google-Übersetzer und auch manchmal nach der Schule kommt sie in mein Klassenzimmer und wir erklären uns gegenseitig deutsche/bulgarische Grammatik.

Der plötzliche Kälteeinbruch, noch dazu mit starkem Wind ist nicht so erfreulich, aber es ist auszuhalten. Vorallem, als ich mit Josi telefoniert habe, die währenddessen im Park in Sofia stand und mit ihren Schuhen in den Schnee gemalt hat.

Am vergangenen Freitag (12.02.2021) hatte ich dann mein einjähriges mit Sophia. Kaum zu fassen, aber vor einem Jahr haben wir uns in Bonn beim Bewerbungsgespräch kennengelernt und seit dem Kontakt gehabt. Über die Zeit hinweg haben wir dann immer wieder den Witz über unser platonisches einjähriges gemacht und jetzt ist es tatsächlich so weit. Wie verrückt, dass wir uns vor einem Jahr kennengelernt haben, noch keinen Plan von der ganzen Pandemie hatten und wo wir in einem Jahr sein würden und dann doch tatsächlich zufällig in Nachbarländern gelandet sind, mit der Möglichkeit uns gegenseitig zu besuchen.

Am Wochenende stand mal wieder ein Ausflug ins nahegelegene Varna an. Leider war der Zug sehr voll mit Menschen mit der gleichen Idee. Das eisblaue Meer in der winterlichen Kälte ist aber auch wirklich traumhaft. Vorallem mit dem Schnee im Kontrast.

Ereignisreiches Wochenende voller neuer Eindrücke von Varna. Das Planetarium dort ist leider geschlossen, aber auch so war es schön im Meergarten auf einer, dank der Kälte, Premiumbank mit toller Aussicht im Sonnenlicht zu sitzen und aufs Meer zu schauen. Der Wind war eisig, sodass man sein Gesicht fast nicht mehr gespürt hat. Am Hafen hat ein Container gebrannt. Viele Menschen haben etwas irritiert zugeschaut. Klassischer Fall von „nobodies business“. Doch dan kam doch noch die Feuerwehr. Genügend Wasser gab es auf jeden Fall 🙂

Weil ich nun endlich mal am Samstag in Varna war, hatte auch das Museum der römischen Thermen geöffnet. Leider haben wir zu spät gemerkt, dass man sich auch durch den Hintereingang hätte reinschleichen können. Dieser Eingang wird wohl oft von Einheimischen benutzt, die von der Existenz der öffentlichen Toilette dort wissen. Die Tür geht nicht zu, das Licht geht nicht an und generell erinnert das ganze eher an einen Bunker, aber eine Toilette ist da. Das ist die Hauptsache. Beim Gang durch die Ruinen hat man sich in die Antike zurückversetzt gefühlt.

Auf dem Bild wirkt es gar nicht so eisig kalt wie es in Wirklichkeit war…

Ach, wie sehr habe ich mir da gewünscht, dass die Bäder noch erhalten wären. So ein schönes warmes Bad hat doch echt was. Am Strand hat es davor nicht nur vom Feuer geraucht, sondern auch Wasserdampf war zu sehen. Nicht vom Meer, aber von einem Pool am Strand. Und ich hatte meinen Bikini nicht dabei…

Wegen der Kälte ging es dann ab ins Archäologische Museum. Schönes Gebäude, schöne Decken, Böden und in den Gängen Pflanzen, was sehr an einen botanischen Garten erinnert und das Beste: es war warm!

Auf die Ausstellung konnten wir uns leider nicht sehr lange konzentrieren. Unser Hunger war zu groß. Trotzdem ein paar facts. Laut dem Museum war Varna früher Mittelpunkt des Geschehens und hieß Odessos. Rumänien hieß Dacia und in Nordafrika gibt es eine Stadt, die hieß wie der bulgarische Käse „Sirene“. Ja, an den Landkarten haben wir sehr viel gefallen gefunden.

Also wegen unseres unstillbaren Hungers wieder ab in die Kälte. In einer Bäckerei wurden uns versichter, dass die von uns gewählte Pizza vegetarisch sei. Ein Bissen später ud die Lüge flog auf. Pizza mit Schinken, Ketchup und Gurke? Nein Danke, nicht mein Geschmack! Mit jedem Bissen wurde es ekliger. Dazu wurde man auch von immer mehr sehr zutraulichen Spatzen und Möwen ins Visier genommen. Ein entspanntes Mittagsmahl sieht anders aus. Also doch lieber Falafel und Ayran, wodurch die Situation halbwegs gerettet wurde.

Dann ging es mit dem Bus durch die halbe Stadt. Ein paar Mal falsch ausgestiegen, einen Kaba in dem dünnsten, wabbeligsten Plastikbecher der Welt, einer 2-minütigen Trampfahrt und einem 12-minütigen Lauf später, waren wir an unserem Ziel, dem Leuchtturm von Galata angekommen. Ein echter Geheimtipp und bei Sonnenuntergang ein wahrhaft grandioser lost place. Im Sommer wahrscheinlich noch 100 mal angenehmer. (Minus Minusgrade). Direkt über dem Meer zu sehen und auf Varna im Abendlicht zu schauen, wirklich eine friedliche Atmosphäre. Dazu noch die coolste Treppe der Welt und wir waren zufrieden mit unserem Tagesausflug.

Wir haben uns wirklich sehr für die Treppe begeistert

Überall Löcher in Bulgarien…

 

Anders als bei meinem Trip nach Sozopol, an das mich das ganze sehr erinnert hat, ging dann doch auch tatsächlich noch ein Bus zurück nach Varna. Was für ein Glück! Mehr als zufrieden mit dem Tag, wurde der Ausflug noch mit einer Runde GUTER!!! Pizza beendet.

Wer sich hier wohl verbirgt?

Da die Schüler natürlich auch am Wochenende noch Fragen haben zum Thema DSD, wurde am Abend noch eine kurze Telefonsession eingelegt um alle zu beruhigen. Vor aluter Müdigkeit, wir konnten unsere Augen kaum offen halten, habe ich Shutter Island genau bis zu der Stelle geschaut, an der ich das letzte Mal auch schon abgebrochen habe. Aber irgendwann werde ich den Film beenden!

Wenn man im Moment draußen läuft, muss man dem ein oder anderen Fluggeschoss ausweichen. Die Tauben fliegen verdammt tief. Vorallem, wenn man noch müde ist, wird man dadurch aber definitiv wach.

Also, ich werde weiterhin den Tauben ausweichen und hoffe, dass es bald wieder wärmer wird und somit weniger seltsame Kopfeinzieher meinerseits nötig sein werden.

Gerade habe ich noch erfahren, dass Boza einen Alkoholgehalt von 0,5 % hat. War ja irgendwie klar. Alkohol traditionell zum Frühstück. Aber ich glaube bei dem minimalen Alkoholgehalt kann man schonmal ein Auge zudrücken, da hier auch Schwangere und Kinder Boza trinken.

Und ganz zum Schluss noch bessere Nachrichten: Josi und Pius bleiben beide länger in Bulgarien! Natürlich habe ich sie ganz objektiv bei ihrer Entscheidung unterstützt und freue mich riesig mit den Beiden noch länger Bulgarien unsicher zu machen.

Also verabschiede ich mich hiermit mit Josis und Pius Lieblingsgrußwort:

хайде чао!

Горе-долу (Tag 114-120)

Zdraveyte,

der Titel, der die vergangene Woche gut zusammenfasst heißt wörtlich übersetzt oben-unten (gore-dolu).

Es ist, als ob nochmal ein ganz anderes FSJ für mich begonnen hat. Am DOnnerstag bin ich ganz schwer aus den Federn gekommen. Denn es ist nun nicht nur wieder Präsenzunterricht, zum Halbjahr haben auch die Schichten gewechselt und die 8. Klasse mit der ich viel mache hat nun vormittags Unterricht. Für mich heißt das also im Dunkeln aufstehen und am Donnerstag eben auch, im Nebel, Hitchcock-reif von den rufen der Raben (okay es waren Möwen) begleitet auf zur Schule.

In der Schule dann mein erstes „gore-dolu“. Da sich die Schüler so lange nicht gesehen haben waren sie ganz aufgeregt. Geräuschpegel Presslufthammer und nicht wie gewöhnlich in meiner Wohnung, in der ich während des Online-Unterrichts nur ab und zu meine Nachbarn habe hämmern hören.

Es müssen sich eben alle an die neue/alte Situation gewöhnen. Also gab es erst einmal eine Märchenstunde mit eigens geschriebenen Märchen. Dann wurde das etwas triste Klassenzimmer noch mit den Bildern zu den Märchen verschönert.

Ganz schöner act war es, das Plakat irgendwo aufzuhängen. Nachdem sich die Steckdose als nicht sehr vertrauenswürdig herausgestellt hat, ist es doch das seltsame Rohr an der Wand geworden.

Außerdem habe ich jetzt ein eigenes Klassenzimmer für Sprechstunden bekommen. Dort erkläre ich den Schülern, die Hilfe mit etwas brauchen, in der Pause Grammatik oder helfe bei Präsentationen. Super interessant sich in einem kaudawelsch auf deutsch-englisch-bulgarisch zu verständigen.

Bisher ist noch keine wirkliche Routine eingekehrt und ich switche eher von Klasse zu Klasse, stelle mich vor, spreche über Karneval in Deutschland und überlege mir Spiele. Der Kopierer und ich werden auch so langsam Freunde.

Aber schon jetzt habe ich gemerkt, dass es mich viel mehr erfüllt vor der Klasse zu stehen, trotz Lautstärke, und ihnen etwas am Whiteboard zu erklären, auch wenn ich da wohl eher wie eine verrückte Professorin draufschreibe. Ich habe also jetzt mehr zu tun. Nach meinen Stunden setze ich mich gegenüber der Schule in dem Stadtgarten auf eine Bank, esse mein Frühstück, eine Birne, und lese die Bücher für das Projekt der Lesefüchse.

Da ich jetzt so früh aufstehe, bin ich doch tatsächlich von der Sonne angenehm gewärmt auf der Bank eingenickt. Gerade ist das Wetter wirklich traumhaft und ich bin viel mehr draußen. Am Freitag soll es aber wieder eisig werden. Ich kann nicht sagen, dass ich mich darauf freue wieder im Kühlschrank zu wohnen.

Ich sammle weiterhin erste Male. So zum Beispiel, habe ich jetzt zum ersten Mal meine Augenbrauen professionell zupfen lassen. Jasmin war als meine Übersetzerin dabei. Alles was ich so verstanden habe war nur ein Kompliment für meine Augenbrauen. Während ich also mit geschlossenenen Augen und erstaunlich wenig Schmerzen, also mit großer Entspannung, auf der Liege lag, habe ich dem Gespräch von Jasmin und der Kosmetikerin gelauscht und mir die Unterhaltung zusammengedichtet. Ich lag gar nicht mal so falsch.

Bei einem Spaziergang mit Soner, Lora und DeboraH (eigentlich heißt sie Debora, aber ich habe es das letzte Mal falsch geschrieben und sie liebt das H also bekommt sie das jetzt wieder :), haben wir uns Fragestellungen für die DSD-Mappen überlegt. EIne ganz schön große Heruasforderung. Wir sind schnell abgeschweift zu kommenden Ereignissen wie dem Martenitsa-Basar, den die Schüler an der Schule veranstalten wollen um die selbstgemachten Armbänder passend zum Fest zu verkaufen, dem anstehenden Valentinstag, an dem auch gleichzeitig der Tag des Weins gefeiert wird (je nach Beziehungsstatus) und haben auch schon Pläne gemacht mit den Fahrrädern in Deboras Dorf zu fahren.

Lora hat mir von ihrem Traum Tierärztin zu werden erzählt. Ich freue mich immer, wenn die Schüler mir ihre Träume und Pläne erzählen. So inspirierend.

Am Samstag war das Wetter so schön. Eigentlich wollte ich nur in einen nahegelegenen Park gehen um zu lesen, aber kaum, dass ich draußen war, habe ich mich von der Stadt treiben lassen und habe mich vom Zentrum entfernt. Ich war in einem ruhigen Wohnviertel mit kleinen Läden, Opas mit ihren Enkelkindern auf der Straße, der Geruch von Fleisch und frischer Wäsche in der Luft. Einfach nur das Gehen, Riechen und Sehen war so schön.

Impressionen aus Schumen

Ganz zufällig bin ich bei der Arena von Schumen vorbeigekommen. Deren Existenz hatte ich völlig vergessen, da ich sie nur einmal im Dunkeln gesehen habe. Aber sie ist ganz neu.

Also habe ich mich dort auf eine Bank gesetzt und gelesen. Wieder zuhause zurück habe ich vor lauter Frühlingsenthusiasmus angefangen aufzuräumen und das erste Mal auf meinem Balkon gegessen.

Meine heißgeliebte Schüssel mit super leckeren griechischen Oliven.

Der ist leider meistens im Schatten, weshalb es dann doch etwas kalt war.

Ein Erfolgserlebnis der Woche war auf jeden Fall noch, dass ich es endlich geschafft habe mir an einem Kaffeeautomaten eine heiße Schokolade rauszulassen und rechtzeitig das richtige Zuckerlevel einzustellen! Das hat mich wirklich sehr stolz gemacht.

Woran man noch merkt, dass es Frühling ist? Meine Nachbarn haben nun kein Fleisch mehr auf dem Balkon hängen, sondern haben auch mit dem Frühjahrsputz begonnen. Jetzt hängen lauter Stofftiere auf der Leine.

Es ist auch echt schön alle Kollegen wieder zu sehen und generell das Schulpersonal, mit dem ich mich mehr oder weniger gut mit Zeichensprache verständigen kann. Und wenn es mal keinen Nebel gibt, dann ist es wirklich wunderschön bei Sonnenaufgang zur Schule zu laufen. Die Stadt erwacht erst langsam, wenn ich mich mittags auf den Heimweg mache, dann gibt es keine freie Bank mehr in der Fußgängerzone. Alles besetzt von den Senioren der Stadt.

Mittlerweile bin ich etwas genervt von den aufgemotzten Autos und Motorengeräuschen. Es ist, als ob sie aus dem Winterschlaf erwacht sind. Bei jedem zeigen sich die Frühlingsgefühle anscheinend anders.

Heute war ich nach dem Unterricht mit der jüngsten Lehrerin, Veselina, den besten Duner (Döner) der Stadt essen. Der Dönermann konnte sogar ein bisschen Deutsch. Sehr cool. Dann waren wir noch im historischen Museum. Super groß, hätte ich nicht gedacht. Bald kenne ich mich besser mit bulgarischer, als mit deutscher Geschichte aus. Leider war nicht alles auf Englisch übersetzt und für Veselina war es auch schwierig mir DInge wie „Streitwagen“ zu übersetzen. Auch gut, dass mein Gehirn einfach mal ein bisschen mehr denken muss. Veselina hat jedenfalls Feuer gefangen und freut sich meine Reiseleiterin zu sein. Sie plant schon den ersten Ausflug. Ich bin gespannt.

Da ich im Bulgarischkurs jetzt endlich mal alle Zahlen bis 1000 geübt habe, fällt es mir auch deutlich leichter auf dem Markt einzukaufen. Lebensschule, die Verkäufer probieren mir auch immer noch ein neues Wort beizubringen.

Ich freue mich schon auf die nächsten Stunden und Gespräche mit den Schülern.

Alles gore-dolu, aber so mag ich das ja auch, wenn ich ab und zu eine Pause habe.

 

Baniza, Hummus und bulgarische Märchen (Tag 106-113)

Zdrasdi,

nachdem der letzte Blogbeitrag ein wenig hektisch an Paulas vollgestelltem Küchentisch fertig geschrieben und veröffentlicht wurde, versuche ich es diese Woche, auch mit ein wenig Verspätung, wieder wie immer bei Kerzenlicht, alleine in meinem Apartment.

Vor einer Woche sind Fynn und ich um 03:30Uhr aufgestanden und zum Bahnhof in Sliven gelaufen. Vorbei an einem für uns sehr faszinierenden Phänomen: einem Baum voller Vögel, die den Weg darunter sehr stark verunreinigt haben. Diese Tatsache hat uns sehr amüsiert, aber auch dazu gebracht die Straßenseite zu wechseln.

Meine erste Fahrt bei Nacht mit dem Zug war eine ganz neue Erfahrung. Praktischerweise kann man sich wirklich sehr gut auf den vier Sitzen im Abteil ausstrecken und somit bequem schlafen. Man wird in den Schlaf geschaukelt bei etwas unangenehmen 30 Grad Heizungsluft.

Als ich aufgewacht bin, habe ich draußen zu meinem Erstaunen extrem viel Schnee gesehen. Da die Leitungen des Zuges gefroren waren sah es aus, als ob es Blitzen würde und der Schnee wurde gruselig beleuchtet. Beim Umsteigen sind wir also erstmal in tiefen Schnee getreten.

In der Dämmerung ging es dann durch den Park zu meiner eisigkalten Wohnung. Ein Grund, weshalb jeder, der mich besucht zum Teetrinker wird. So auch Fynn.

Nachdem wir uns ein bisschen ausgeruht hatten ging dann auch schon das Seminar los. Da ich ja nur ein Zimmer habe, habe ich das Seminar in der Küche von meiner Waschmaschine aus gemacht. Das war der Grund, weshalb ich tatsächlich zum ersten Mal seit ich in meiner Wohnung lebe auf einem Stuhl saß. Ansosnten sitze ich immer auf dem Boden oder der Eckbank. Seit über 100 Tagen! Verrückt. Abends gab es einen Spielabend mit den rumänischen Freiwilligen und meinem neuen Lieblingsspiel codenames.

Nach einem etwas nervenaufreibenden Unfall in der Küche, wurde diese am nächsten Morgen blitzeblank geputzt, alles hat also auch Gutes an sich. Dann haben wir abends noch einen Filmeabend gemacht und am nächsten Morgen Shumen erkundet. Natürlich mit warmen Baniza in der Hand und auf gefrorenem Boden nicht ganz einfach bis zum Monument hoch zu kommen, aber die Aussicht hat sich gelohnt. Eine weite Ebene voller Schnee.

Fynn hat sehr coole Bilder gemacht vom Monument und wir sind auf dem Plateau durch den Wald bis zur Festung von Shumen gelaufen. Durchgefroren haben wir dann beschlossen zurück zu laufen um noch ein wenig Zeit zu haben, bevor auch schon Sophia angereist ist.

Sie hat spontan gefragt, ob sie uns Gesellschaft leisten kann, da sie in Rumänien gerade Ferien hat und mich gerne mal besuchen wollte. Also habe ich sie vom Bahnhof abgeholt während Fynn gekocht hat. Wirklich seltsam, dass wir uns das letzt Mal in Deutschland gesehen haben. Ich habe mich riesig gefreut.

Wir haben zusammen gegessen und Bosa getrunken. Fynn ist ganz auf meiner Seite damit, dass es nicht sonderlich schmeckt, aber Sophia hat es überzeugt. Weshalb wir auch gleich zum Frühstück Bosa machen wollten. Aus meinem Wunderschrank haben wir dicke Decken herausgeholt und ich habe tatsächlich noch mehr Dinge entdeckt von deren Existenz ich nichts wusste. Immer wieder eine neue Überraschung.

Sonntags sind die beiden dann früh aufgestanden und nach Varna gefahren. Das Wetter war wirklich toll, ich habe die Zeit für mich allein genutzt um ein paar Dinge zu organisieren und mal wieder im Park Leute zu beobachten. Wir waren also alle drei ziemlich zufrieden vom Tag. Abends gab es dann noch ein leckeres Chili und eine Runde Karten.

Fynn musste wieder früh aufstehen und nach Bukarest fahren, Sophia und ich haben länger geschlafen und dann hat sie Bosa-Porridge gekocht, während ich meinen Sprachkurs hatte. Ein Experiment, das mich nicht ganz überzeugen konnte. Schön sah es trotzdem aus.

Wir haben uns auf den Weg zur Tombul-Moschee gemacht, Baniza gegessen, ich habe die ganze Zeit einen Ohrwurm vom Baniza-song. Nach der Moschee haben wir auf dem Markt noch ein paar Tüten Obst und Gemüse gekauft und dann habe ich meine Unterrichtsstunde gehalten. Wir haben gegessen und wieder viel geredet, bis wir irgendwann zum Monument losgelaufen sind. Diesmal ohne Schnee. Dann ging es noch ab zu Mania. Wir dachten Beide nicht, dass wir wirklich etwas finden würden und haben uns dann gleichzeitig in verschiedene Pullis und diverse andere Kleidungsstücke verliebt. Ein voller Erfolg.

Abends haben wir dann beschlossen einen Ausflug zu machen. Dafür mussten wir dann natürlich, wie es sich richtig gehört, ein großes Vesper richten. Also wurden um 23 Uhr noch Kichererbsenküchle gebraten. Ob wir wohl eine einseitige Ernährung haben mit Kichererbsenküchle, gerösteten Kichererbsen und Hummus? Ich denke nicht, es gab auch ordentlich Erdnussbutter in dieser Woche. Bevor wir unseren leckeren Salat gegessen haben, ja diese Woche hat Essen eine sehr zentrale Rolle gespielt, haben wir noch gemeinsam eine Runde Yoga gemacht und meditiert. Das hat so gut getan.

Am nächsten Morgen sind wir dann wieder früh aufgestanden und zum Bahnhof gerannt um den Zug zu bekommen. Hach Zug fahren, unsere große Leidenschaft. Sophia hat mich gefragt, woran ich als erstes denke, wenn ich an Bulgarien denke und das ist definitiv mit dem Zug durch das Land zu fahren.

Bahnarbeiter in ihrem gelben Arbeitsfahrzeug zu winken ist immer eine große Freude

Wir hatten beide eine riesige Vorfreude auf unser kleines Abenteuer, welches wir auf jeden Fall hatten, so viel ist sicher. Trotz Nebel, oder vielleicht gerade deshalb, war es eine surreale Wanderung durch die Pampa Bulgariens mit ein paar kleinen Hindernissen, die alle gut und mit einem Lachen im Gesicht bewältigt wurden. Höhepunkt des Ausflugs, das Schreien mit anschließendem Echo auf einem Felsen. Wir haben uns gefühlt, als ob wir die einzigen Menschen dort waren, was wahrscheinlich auch gestimmt hat. Unsere Snackpausen waren natürlich auch ein highlight. Wer träumt Bitteschön nicht davon auf einem Hügel in der Einöde Bulgariens eingelegten Blumenkohl zu essen?

Auf dem Rückweg haben wir uns sehr lange und intensiv über Kuchen unterhalten. Am Abend zuvor wollten wir uns noch über Utopien und neue Staatsformen unterhalten, ich denke, die beiden Gesprächsthemen sind auf einem Niveau. Wir haben uns wieder sehr auf die Zugfahrt gefreut und uns fürs gemeinsame Abendessen mit Jasmin verabredet. Sophia und Jasmin. Da haben sich zwei gefunden. Im Zug haben wir uns noch gegenseitig bulgarische Märchen vorgelesen und sehr gelacht. Entweder sind deutsche Märchen genauso seltsam und wir merken es nur nicht, weil wir daran gewöhnt sind, oder aber bulgarische Märchen sind wirklich sehr besonders.

Wir waren beide müde und hungrig, weshalb wir uns sehr beeilt haben ein Curry zu kochen und uns sehr schön mit Jasmin unterhalten haben. Als sie gegangen ist haben wir noch eine Runde Hummus gesnacked und der guten alten Zeiten Willen Simsalagrimm geschaut. Im Bett mussten wir sehr lachen, als wir unseren verrückten Tag revue passieren lassen haben. Ganz schön schwierig an so einem Tag eine Top 3 zu erstellen. Zumindest beim Bergschrei waren wir uns einig, dass dieser auf Platz eins gehört.

Heute morgen gab es wieder eine Runde Yoga und zur Freude aller Porridge ohne Bosa. Dann mussten wir uns auch schon wieder verabschieden. Voneinander und ich mich auch von meiner kleinen Erholung, Ferienstimmung. Denn ab morgen geht es hier wieder mit dem Präsenzunterricht los. Ich bin ganz schön aufgeregt wieder in die Schule zu gehen. Nach so langer Zeit. Alles neu und chaotisch. Das braucht wieder ein wenig Zeit, bis ich zu meiner neuen Routine finde, aber ich bin sehr gespannt.

Sophia und ich hatten wirklich ein grandioses Bulgarienerlebnis zusammen. Wie schön, dass wir uns für immer gemeinsam an unseren Ausflug erinnern können, da es wahrscheinlich für andere gar nicht greifbar ist, wie wir diesen intensiven Moment auf dem Berg erlebt haben.

Heute habe ich mit Freuden festgestellt, dass die ersten Martenitsa Stände aufgebaut haben und man in der Fußgängerzone nun die ersten Armbänder für das Fest am 1. März kaufen kann. Darüber werde ich noch ausführlich berichten, schließlich freue ich mich auf dieses für mich so passende Fest, seit ich im Oktober oder November davon erfahren habe.

 

Human of Shumen

Hallo! Mein Name ist Christina und ich bin 17 Jahre alt! Ich bin eine Schülerin an dem Fremdsprachengymnasium in Schumen und ich bin dort in der Leistungsgruppe. Ich finde es sehr interessant neue Sprachen wie Deutsch und Englisch zu lernen, aber ich kann sagen, dass es mein größter Traum ist, eine Ärztin zu werden. Zuerst muss ich zu einer medizinischen Universität gehen, aber natürlich sind die Prüfungen sehr schwierig, weil es ein sehr verantwortungsbewusster Job ist. Aber ich habe Vertrauen in mich selbst und ich denke, ich werde es schaffen. Deshalb möchte ich jedem von Ihnen sagen, dass wenn es etwas gibt, das wir wirklich wollen, müssen wir glauben, dass wir es schaffen können, nicht aufgeben und uns weiterhin bemühen, egal wie schwierig der Weg zum Erfolg ist! Glauben Sie mir, das Endergebnis wird es wert sein. Es mag zu klischeehaft klingen, aber es ist eine Tatsache, also wünsche ich Ihnen viel Erfolg! 🙂

Diese Woche bin ich an der Reihe, über Karlas Blog zu schreiben, und ich möchte diese wunderbare Möglichkeit nutzen. Ich vermute, dass Sie schon von meinen Mitschülern wissen, dass Bulgarien das älteste Land in Europa ist. Es hat eine sehr lange und reiche Geschichte, die viele Touristen aus der ganzen Welt anzieht. Aber wenn ich Ihnen einen Ort in Bulgarien empfehlen muss, den Sie besuchen sollen, wäre dies das Denkmal der Freiheit – „Schipka“.

Das Denkmal der Freiheit – „Schipka“ befindet sich auf dem Gipfel “Sveti Nikola” in dem Berg “Stara planina”. Das Denkmal wurde zum Gedenken an die Präsentation der gefallenen Soldaten für die Freiheit Bulgariens während des Russisch-türkischen Krieges im Sommer 1877 errichtet.

Die Verteidigung des Shipka-Passes war eine der heldenhaftesten und entscheidendsten Schlachten während des russisch-türkischen Befreiungskrieges von 1877-1878. Die Schlachten zwischen dem 21. September und dem 13./26. August 1877 zwischen den Passverteidigern und der türkischen Armee. Geben Sie die bulgarische Geschichte unter dem Namen Shipka Epic ein.

Die Aufgabe der kleinen russisch-bulgarischen Abteilung unter dem Kommando von Gen. Nikolai G. Stoletov, der etwa 7.500 Mann zählt, sollte die überlegene Armee von Suleiman Pasha (etwa 27.000 Mann und eine Reserve von 10.000 Mann) stoppen, um zu verhindern, dass sie den Balkan überquert und sich den türkischen Streitkräften im Nordosten Bulgariens anschließt, um der belagerten Armee zu helfen von Osman Pasha in Pleven. Die Kämpfe um Shipka begannen am 9./21. August 1877.

Sechs Tage lang schlugen Bulgaren und Russen die ständigen Angriffe der türkischen Lager mit Feuer und Bajonetten zurück. Der schwierigste und entscheidende Punkt für die Verteidigung ist der dritte Tag – der 11./23. August, an dem die Türken die Schlinge um die Verteidiger zunehmend enger machten und die Munition ausging. Am Nachmittag warf Suleiman Pascha alle seine Reserven in den Kampf gegen das Verteidigungszentrum.

Ausstellung im Denkmal mit dem Gemälde des russischen Künstlers Alexei Popov “Zaschtitata na Orlovo gnezdo (Schipka)”.

Luftbild des Denkmals vor seiner Fertigstellung (gegen Ende der 1920er Jahre)

In diesem kritischsten Moment, als es so aussah, als würde Schipka fallen, kam die erste vom General gesendete Verstärkung aus Gabrovo. Радецки. Am Abend trafen alle Kompanien des 16. Gewehrbataillons ein und nach einem heftigen Kampf zogen sich die Türken zurück. Shipka war gerettet!

Der Marmorsarkophag, in dem einige Knochen der Soldaten aufbewahrt werden

Die Kämpfe dauerten die nächsten drei Tage, aber der Durchgang war nun fest in den Händen der russischen Armee. Schipkas Verteidigung wurde im Herbst und Winter 1877 fortgesetzt. Diese Periode ging als „Winter Schipka Standing“ in die Geschichte ein. Trotz der Kälte und des Nebels, trotz der Schneestürme und Schneestürme verteidigen die Verteidiger von Shipka den Pass heldenhaft. Für diese Tage voller Mut und Selbstaufopferung kündigte der Telegraph mit dem kurzen Satz an: „Auf Schipka ist alles ruhig.“

Nach dem Fall von Pleven (29. November / 10. Dezember 1877) überquerten russische Truppen unter extrem strengen Winterbedingungen den Balkan und eroberten am 28. Dezember 1877 / 9. Januar 1878 die türkische Armee von Veysel Pascha im befestigten Lager Sheynov. Sheynovo ist ein würdiges Ende des Shipka-Epos.

Die Opfer, die die russischen Regimenter und die bulgarischen Kompanien Schipka und auf dem Gebiet von Sheynovo gegeben haben, sind etwa 11.000 – getötet, verwundet und spurlos verschwunden, und über 9.000 Menschen sind während des Winter-Shipka-Lagers erfroren und krank geworden.

Ich glaube wirklich, dass Sie diesen Ort mögen und Ihnen helfen wird, ein wenig mehr über die Geschichte Bulgariens zu lernen und Ihnen den patriotischen Geist des bulgarischen Volkes zu zeigen. Dieser Ort wird Sie in den Mut, die Tapferkeit und die Opferbereitschaft der Bulgaren einführen. Um an die Spitze zu gelangen, müssen Sie 700-800 Stufen hinaufsteigen. Dies ist ein guter Weg, um aktiv zu werden und Sport zu treiben.

Tipp: Holen Sie sich Oberbekleidung bei starkem Wind!

Ein interessanter Ort in der Nähe des Denkmals ist das Rosental. Das Rosental ist ein Gebiet in Bulgarien, das sich südlich des Balkangebirges und nördlich von Sarnena Sredna Gora befindet und seinen Namen Mitte des 19. Jahrhunderts nach den Traditionen des Anbaus einer ölhaltigen Rose erhielt. Im Tal der Rosen wird jedes Jahr in den ersten Junitagen das Fest der Rose gefeiert.

In der Stadt Kazanlak, die als Hauptstadt des Rosentals gilt, wurde der historische und ethnografische Komplex „Tower“ errichtet, in dem Touristen den primitiven Rosenkranz beobachten und die Produkte mit der ölhaltigen Rose probieren können. Es gibt auch ein spezialisiertes Museum der Rose.

Rosenernte von 1870

Im Jahr 1800 wurde der Beginn der Produktion von Rosenöl in der Stadt Klisura dokumentiert. Bulgarien erlangte Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts als Produzent von Rosenöl die größte Popularität. Als Parfümerie, Kosmetik und Pharmazeutika ist es ein unverzichtbarer Bestandteil der von ihnen hergestellten Produkte. Das Tal der Rosen umfasst die drei wichtigsten Rosenproduktionszentren – Karlovo, Kazanlak und Kalofer sowie mehrere große Familien – Shipkovi, Kidovi und Bonchevi sind wichtige Rosenzüchter und Händler von Rosenöl.

Das Tal ist berühmt für den Anbau von Rosen für industrielle Zwecke und gehört zu den Symbolen Bulgariens. Die Sorte Rosa damascena wird seit Jahrhunderten angebaut. Daraus wird durch Destillation und andere Verfahren Rosenöl gewonnen, das in der Pharmazie, Parfümerie und anderen weit verbreitet ist.

Falls ich Ihnen ein Souvenir aus Bulgarien empfehlen soll, dann mussen Sie die berühmten Rosenölfläschchen kaufen. Das Aroma ist einzigartig und wird Sie sicherlich an Bulgarien erinnern! Ich hoffe es hat euch gefallen und die Informationen waren nützlich! Vielen Dank an Кarla für die Gelegenheit, es mit Ihnen zu teilen!

Christina