Baniza, Hummus und bulgarische Märchen (Tag 106-113)

Zdrasdi,

nachdem der letzte Blogbeitrag ein wenig hektisch an Paulas vollgestelltem Küchentisch fertig geschrieben und veröffentlicht wurde, versuche ich es diese Woche, auch mit ein wenig Verspätung, wieder wie immer bei Kerzenlicht, alleine in meinem Apartment.

Vor einer Woche sind Fynn und ich um 03:30Uhr aufgestanden und zum Bahnhof in Sliven gelaufen. Vorbei an einem für uns sehr faszinierenden Phänomen: einem Baum voller Vögel, die den Weg darunter sehr stark verunreinigt haben. Diese Tatsache hat uns sehr amüsiert, aber auch dazu gebracht die Straßenseite zu wechseln.

Meine erste Fahrt bei Nacht mit dem Zug war eine ganz neue Erfahrung. Praktischerweise kann man sich wirklich sehr gut auf den vier Sitzen im Abteil ausstrecken und somit bequem schlafen. Man wird in den Schlaf geschaukelt bei etwas unangenehmen 30 Grad Heizungsluft.

Als ich aufgewacht bin, habe ich draußen zu meinem Erstaunen extrem viel Schnee gesehen. Da die Leitungen des Zuges gefroren waren sah es aus, als ob es Blitzen würde und der Schnee wurde gruselig beleuchtet. Beim Umsteigen sind wir also erstmal in tiefen Schnee getreten.

In der Dämmerung ging es dann durch den Park zu meiner eisigkalten Wohnung. Ein Grund, weshalb jeder, der mich besucht zum Teetrinker wird. So auch Fynn.

Nachdem wir uns ein bisschen ausgeruht hatten ging dann auch schon das Seminar los. Da ich ja nur ein Zimmer habe, habe ich das Seminar in der Küche von meiner Waschmaschine aus gemacht. Das war der Grund, weshalb ich tatsächlich zum ersten Mal seit ich in meiner Wohnung lebe auf einem Stuhl saß. Ansosnten sitze ich immer auf dem Boden oder der Eckbank. Seit über 100 Tagen! Verrückt. Abends gab es einen Spielabend mit den rumänischen Freiwilligen und meinem neuen Lieblingsspiel codenames.

Nach einem etwas nervenaufreibenden Unfall in der Küche, wurde diese am nächsten Morgen blitzeblank geputzt, alles hat also auch Gutes an sich. Dann haben wir abends noch einen Filmeabend gemacht und am nächsten Morgen Shumen erkundet. Natürlich mit warmen Baniza in der Hand und auf gefrorenem Boden nicht ganz einfach bis zum Monument hoch zu kommen, aber die Aussicht hat sich gelohnt. Eine weite Ebene voller Schnee.

Fynn hat sehr coole Bilder gemacht vom Monument und wir sind auf dem Plateau durch den Wald bis zur Festung von Shumen gelaufen. Durchgefroren haben wir dann beschlossen zurück zu laufen um noch ein wenig Zeit zu haben, bevor auch schon Sophia angereist ist.

Sie hat spontan gefragt, ob sie uns Gesellschaft leisten kann, da sie in Rumänien gerade Ferien hat und mich gerne mal besuchen wollte. Also habe ich sie vom Bahnhof abgeholt während Fynn gekocht hat. Wirklich seltsam, dass wir uns das letzt Mal in Deutschland gesehen haben. Ich habe mich riesig gefreut.

Wir haben zusammen gegessen und Bosa getrunken. Fynn ist ganz auf meiner Seite damit, dass es nicht sonderlich schmeckt, aber Sophia hat es überzeugt. Weshalb wir auch gleich zum Frühstück Bosa machen wollten. Aus meinem Wunderschrank haben wir dicke Decken herausgeholt und ich habe tatsächlich noch mehr Dinge entdeckt von deren Existenz ich nichts wusste. Immer wieder eine neue Überraschung.

Sonntags sind die beiden dann früh aufgestanden und nach Varna gefahren. Das Wetter war wirklich toll, ich habe die Zeit für mich allein genutzt um ein paar Dinge zu organisieren und mal wieder im Park Leute zu beobachten. Wir waren also alle drei ziemlich zufrieden vom Tag. Abends gab es dann noch ein leckeres Chili und eine Runde Karten.

Fynn musste wieder früh aufstehen und nach Bukarest fahren, Sophia und ich haben länger geschlafen und dann hat sie Bosa-Porridge gekocht, während ich meinen Sprachkurs hatte. Ein Experiment, das mich nicht ganz überzeugen konnte. Schön sah es trotzdem aus.

Wir haben uns auf den Weg zur Tombul-Moschee gemacht, Baniza gegessen, ich habe die ganze Zeit einen Ohrwurm vom Baniza-song. Nach der Moschee haben wir auf dem Markt noch ein paar Tüten Obst und Gemüse gekauft und dann habe ich meine Unterrichtsstunde gehalten. Wir haben gegessen und wieder viel geredet, bis wir irgendwann zum Monument losgelaufen sind. Diesmal ohne Schnee. Dann ging es noch ab zu Mania. Wir dachten Beide nicht, dass wir wirklich etwas finden würden und haben uns dann gleichzeitig in verschiedene Pullis und diverse andere Kleidungsstücke verliebt. Ein voller Erfolg.

Abends haben wir dann beschlossen einen Ausflug zu machen. Dafür mussten wir dann natürlich, wie es sich richtig gehört, ein großes Vesper richten. Also wurden um 23 Uhr noch Kichererbsenküchle gebraten. Ob wir wohl eine einseitige Ernährung haben mit Kichererbsenküchle, gerösteten Kichererbsen und Hummus? Ich denke nicht, es gab auch ordentlich Erdnussbutter in dieser Woche. Bevor wir unseren leckeren Salat gegessen haben, ja diese Woche hat Essen eine sehr zentrale Rolle gespielt, haben wir noch gemeinsam eine Runde Yoga gemacht und meditiert. Das hat so gut getan.

Am nächsten Morgen sind wir dann wieder früh aufgestanden und zum Bahnhof gerannt um den Zug zu bekommen. Hach Zug fahren, unsere große Leidenschaft. Sophia hat mich gefragt, woran ich als erstes denke, wenn ich an Bulgarien denke und das ist definitiv mit dem Zug durch das Land zu fahren.

Bahnarbeiter in ihrem gelben Arbeitsfahrzeug zu winken ist immer eine große Freude

Wir hatten beide eine riesige Vorfreude auf unser kleines Abenteuer, welches wir auf jeden Fall hatten, so viel ist sicher. Trotz Nebel, oder vielleicht gerade deshalb, war es eine surreale Wanderung durch die Pampa Bulgariens mit ein paar kleinen Hindernissen, die alle gut und mit einem Lachen im Gesicht bewältigt wurden. Höhepunkt des Ausflugs, das Schreien mit anschließendem Echo auf einem Felsen. Wir haben uns gefühlt, als ob wir die einzigen Menschen dort waren, was wahrscheinlich auch gestimmt hat. Unsere Snackpausen waren natürlich auch ein highlight. Wer träumt Bitteschön nicht davon auf einem Hügel in der Einöde Bulgariens eingelegten Blumenkohl zu essen?

Auf dem Rückweg haben wir uns sehr lange und intensiv über Kuchen unterhalten. Am Abend zuvor wollten wir uns noch über Utopien und neue Staatsformen unterhalten, ich denke, die beiden Gesprächsthemen sind auf einem Niveau. Wir haben uns wieder sehr auf die Zugfahrt gefreut und uns fürs gemeinsame Abendessen mit Jasmin verabredet. Sophia und Jasmin. Da haben sich zwei gefunden. Im Zug haben wir uns noch gegenseitig bulgarische Märchen vorgelesen und sehr gelacht. Entweder sind deutsche Märchen genauso seltsam und wir merken es nur nicht, weil wir daran gewöhnt sind, oder aber bulgarische Märchen sind wirklich sehr besonders.

Wir waren beide müde und hungrig, weshalb wir uns sehr beeilt haben ein Curry zu kochen und uns sehr schön mit Jasmin unterhalten haben. Als sie gegangen ist haben wir noch eine Runde Hummus gesnacked und der guten alten Zeiten Willen Simsalagrimm geschaut. Im Bett mussten wir sehr lachen, als wir unseren verrückten Tag revue passieren lassen haben. Ganz schön schwierig an so einem Tag eine Top 3 zu erstellen. Zumindest beim Bergschrei waren wir uns einig, dass dieser auf Platz eins gehört.

Heute morgen gab es wieder eine Runde Yoga und zur Freude aller Porridge ohne Bosa. Dann mussten wir uns auch schon wieder verabschieden. Voneinander und ich mich auch von meiner kleinen Erholung, Ferienstimmung. Denn ab morgen geht es hier wieder mit dem Präsenzunterricht los. Ich bin ganz schön aufgeregt wieder in die Schule zu gehen. Nach so langer Zeit. Alles neu und chaotisch. Das braucht wieder ein wenig Zeit, bis ich zu meiner neuen Routine finde, aber ich bin sehr gespannt.

Sophia und ich hatten wirklich ein grandioses Bulgarienerlebnis zusammen. Wie schön, dass wir uns für immer gemeinsam an unseren Ausflug erinnern können, da es wahrscheinlich für andere gar nicht greifbar ist, wie wir diesen intensiven Moment auf dem Berg erlebt haben.

Heute habe ich mit Freuden festgestellt, dass die ersten Martenitsa Stände aufgebaut haben und man in der Fußgängerzone nun die ersten Armbänder für das Fest am 1. März kaufen kann. Darüber werde ich noch ausführlich berichten, schließlich freue ich mich auf dieses für mich so passende Fest, seit ich im Oktober oder November davon erfahren habe.

 

Human of Shumen

Hallo! Mein Name ist Christina und ich bin 17 Jahre alt! Ich bin eine Schülerin an dem Fremdsprachengymnasium in Schumen und ich bin dort in der Leistungsgruppe. Ich finde es sehr interessant neue Sprachen wie Deutsch und Englisch zu lernen, aber ich kann sagen, dass es mein größter Traum ist, eine Ärztin zu werden. Zuerst muss ich zu einer medizinischen Universität gehen, aber natürlich sind die Prüfungen sehr schwierig, weil es ein sehr verantwortungsbewusster Job ist. Aber ich habe Vertrauen in mich selbst und ich denke, ich werde es schaffen. Deshalb möchte ich jedem von Ihnen sagen, dass wenn es etwas gibt, das wir wirklich wollen, müssen wir glauben, dass wir es schaffen können, nicht aufgeben und uns weiterhin bemühen, egal wie schwierig der Weg zum Erfolg ist! Glauben Sie mir, das Endergebnis wird es wert sein. Es mag zu klischeehaft klingen, aber es ist eine Tatsache, also wünsche ich Ihnen viel Erfolg! 🙂

Diese Woche bin ich an der Reihe, über Karlas Blog zu schreiben, und ich möchte diese wunderbare Möglichkeit nutzen. Ich vermute, dass Sie schon von meinen Mitschülern wissen, dass Bulgarien das älteste Land in Europa ist. Es hat eine sehr lange und reiche Geschichte, die viele Touristen aus der ganzen Welt anzieht. Aber wenn ich Ihnen einen Ort in Bulgarien empfehlen muss, den Sie besuchen sollen, wäre dies das Denkmal der Freiheit – „Schipka“.

Das Denkmal der Freiheit – „Schipka“ befindet sich auf dem Gipfel “Sveti Nikola” in dem Berg “Stara planina”. Das Denkmal wurde zum Gedenken an die Präsentation der gefallenen Soldaten für die Freiheit Bulgariens während des Russisch-türkischen Krieges im Sommer 1877 errichtet.

Die Verteidigung des Shipka-Passes war eine der heldenhaftesten und entscheidendsten Schlachten während des russisch-türkischen Befreiungskrieges von 1877-1878. Die Schlachten zwischen dem 21. September und dem 13./26. August 1877 zwischen den Passverteidigern und der türkischen Armee. Geben Sie die bulgarische Geschichte unter dem Namen Shipka Epic ein.

Die Aufgabe der kleinen russisch-bulgarischen Abteilung unter dem Kommando von Gen. Nikolai G. Stoletov, der etwa 7.500 Mann zählt, sollte die überlegene Armee von Suleiman Pasha (etwa 27.000 Mann und eine Reserve von 10.000 Mann) stoppen, um zu verhindern, dass sie den Balkan überquert und sich den türkischen Streitkräften im Nordosten Bulgariens anschließt, um der belagerten Armee zu helfen von Osman Pasha in Pleven. Die Kämpfe um Shipka begannen am 9./21. August 1877.

Sechs Tage lang schlugen Bulgaren und Russen die ständigen Angriffe der türkischen Lager mit Feuer und Bajonetten zurück. Der schwierigste und entscheidende Punkt für die Verteidigung ist der dritte Tag – der 11./23. August, an dem die Türken die Schlinge um die Verteidiger zunehmend enger machten und die Munition ausging. Am Nachmittag warf Suleiman Pascha alle seine Reserven in den Kampf gegen das Verteidigungszentrum.

Ausstellung im Denkmal mit dem Gemälde des russischen Künstlers Alexei Popov “Zaschtitata na Orlovo gnezdo (Schipka)”.


Luftbild des Denkmals vor seiner Fertigstellung (gegen Ende der 1920er Jahre)

In diesem kritischsten Moment, als es so aussah, als würde Schipka fallen, kam die erste vom General gesendete Verstärkung aus Gabrovo. Радецки. Am Abend trafen alle Kompanien des 16. Gewehrbataillons ein und nach einem heftigen Kampf zogen sich die Türken zurück. Shipka war gerettet!

Der Marmorsarkophag, in dem einige Knochen der Soldaten aufbewahrt werden

Die Kämpfe dauerten die nächsten drei Tage, aber der Durchgang war nun fest in den Händen der russischen Armee. Schipkas Verteidigung wurde im Herbst und Winter 1877 fortgesetzt. Diese Periode ging als „Winter Schipka Standing“ in die Geschichte ein. Trotz der Kälte und des Nebels, trotz der Schneestürme und Schneestürme verteidigen die Verteidiger von Shipka den Pass heldenhaft. Für diese Tage voller Mut und Selbstaufopferung kündigte der Telegraph mit dem kurzen Satz an: „Auf Schipka ist alles ruhig.“

Nach dem Fall von Pleven (29. November / 10. Dezember 1877) überquerten russische Truppen unter extrem strengen Winterbedingungen den Balkan und eroberten am 28. Dezember 1877 / 9. Januar 1878 die türkische Armee von Veysel Pascha im befestigten Lager Sheynov. Sheynovo ist ein würdiges Ende des Shipka-Epos.

Die Opfer, die die russischen Regimenter und die bulgarischen Kompanien Schipka und auf dem Gebiet von Sheynovo gegeben haben, sind etwa 11.000 – getötet, verwundet und spurlos verschwunden, und über 9.000 Menschen sind während des Winter-Shipka-Lagers erfroren und krank geworden.

Ich glaube wirklich, dass Sie diesen Ort mögen und Ihnen helfen wird, ein wenig mehr über die Geschichte Bulgariens zu lernen und Ihnen den patriotischen Geist des bulgarischen Volkes zu zeigen. Dieser Ort wird Sie in den Mut, die Tapferkeit und die Opferbereitschaft der Bulgaren einführen. Um an die Spitze zu gelangen, müssen Sie 700-800 Stufen hinaufsteigen. Dies ist ein guter Weg, um aktiv zu werden und Sport zu treiben.

Tipp: Holen Sie sich Oberbekleidung bei starkem Wind!

Ein interessanter Ort in der Nähe des Denkmals ist das Rosental. Das Rosental ist ein Gebiet in Bulgarien, das sich südlich des Balkangebirges und nördlich von Sarnena Sredna Gora befindet und seinen Namen Mitte des 19. Jahrhunderts nach den Traditionen des Anbaus einer ölhaltigen Rose erhielt. Im Tal der Rosen wird jedes Jahr in den ersten Junitagen das Fest der Rose gefeiert.

In der Stadt Kazanlak, die als Hauptstadt des Rosentals gilt, wurde der historische und ethnografische Komplex „Tower“ errichtet, in dem Touristen den primitiven Rosenkranz beobachten und die Produkte mit der ölhaltigen Rose probieren können. Es gibt auch ein spezialisiertes Museum der Rose.

Rosenernte von 1870

Im Jahr 1800 wurde der Beginn der Produktion von Rosenöl in der Stadt Klisura dokumentiert. Bulgarien erlangte Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts als Produzent von Rosenöl die größte Popularität. Als Parfümerie, Kosmetik und Pharmazeutika ist es ein unverzichtbarer Bestandteil der von ihnen hergestellten Produkte. Das Tal der Rosen umfasst die drei wichtigsten Rosenproduktionszentren – Karlovo, Kazanlak und Kalofer sowie mehrere große Familien – Shipkovi, Kidovi und Bonchevi sind wichtige Rosenzüchter und Händler von Rosenöl.

Das Tal ist berühmt für den Anbau von Rosen für industrielle Zwecke und gehört zu den Symbolen Bulgariens. Die Sorte Rosa damascena wird seit Jahrhunderten angebaut. Daraus wird durch Destillation und andere Verfahren Rosenöl gewonnen, das in der Pharmazie, Parfümerie und anderen weit verbreitet ist.

Falls ich Ihnen ein Souvenir aus Bulgarien empfehlen soll, dann mussen Sie die berühmten Rosenölfläschchen kaufen. Das Aroma ist einzigartig und wird Sie sicherlich an Bulgarien erinnern! Ich hoffe es hat euch gefallen und die Informationen waren nützlich! Vielen Dank an Кarla für die Gelegenheit, es mit Ihnen zu teilen!

Christina

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