{"id":98,"date":"2014-02-13T08:48:27","date_gmt":"2014-02-13T14:48:27","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/?p=98"},"modified":"2014-02-13T09:38:17","modified_gmt":"2014-02-13T15:38:17","slug":"die-kleinen-dinge-machen-den-unterschied-tanzende-apotheker-und-buchsbaum-dinosaurier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/2014\/02\/13\/die-kleinen-dinge-machen-den-unterschied-tanzende-apotheker-und-buchsbaum-dinosaurier\/","title":{"rendered":"Die kleinen Dinge machen den Unterschied: Tanzende Apotheker und Buchsbaum-Dinosaurier"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt neigt sich meine Zeit in Mexiko bereits dem Ende zu. N\u00e4chsten Samstag geht es zur\u00fcck. Die Zeit fliegt. Und wie das so bekannterma\u00dfen ist, gef\u00e4llt es mir gerade jetzt besonders gut. Ich f\u00fchl mich jetzt vollst\u00e4ndig eingearbeitet, bewege mich mit viel mehr Sicherheit und fast schon routiniert durch die Stadt, kenne mein Viertel einigerma\u00dfen gut (der Tamales-Mann an der Metro-Station kennt mich mitlerweile und im Caf\u00e9 um die Ecke wei\u00df man bereits, was ich immer bestelle) und ich habe ein paar Freunde gefunden. Nichtsdestotrotz k\u00f6nnte ich noch getrost 6 weitere Monate hierbleiben, um noch mehr von der Stadt und Umgebung zu entdecken.<\/p>\n<p>Bei aller Routine stelle ich trotzdem w\u00e4hrend meines Alltags immer wieder fest, dass ich in Mexiko-Stadt lebe. Auch wenn ich in einer deutschen Einrichtung mit 50% deutschen Kollegen und ungef\u00e4hr genauso viel verwendeter deutscher Sprache \u2013 wenn nicht sogar mehr, denn ich teile mir schlie\u00dflich mit der deutschen Rike meine Wohnung &#8211; arbeite. Es gibt da einige Unterschiede zum Leben in Deutschland, an die ich mich noch nicht gew\u00f6hnt habe. Dinge, die mich ab und zu stutzen lassen oder \u00fcber die ich mich wundere, weil sie mir unbekannt oder einfach nur ungewohnt sind.<\/p>\n<p>Da w\u00e4re zun\u00e4chst der Blick in den n\u00e4chtlichen Himmel. Heute leider nicht zu sehen, da es bew\u00f6lkt ist: der Mond. Der Mond sieht hier nicht aus wie ein C, sonder viel mehr wie ein L\u00e4cheln (wenn sich gerade nur eine Sichel abbildet). Das scheint wohl ganz logischerweise an der Perspektive zu liegen, die ich von hier aus auf den Mond habe. Irgenwie logisch erkl\u00e4rbar, trotzdem ist es jedes Mal ungewohnt diesen Blickwinkel einzunehmen. Wie ich von einem Freund erfahren habe, lernen die meisten Kinder in der Schule allerdings die Mondphasen anhand eines Models, das aussieht wie das, das man aus europ\u00e4ischer Perspektive kennt<span style=\"color: #000000\">. Eurozentrismus hallo!<\/span><\/p>\n<p>Eine weiteres scheinbar mexikanisches visuelles Ph\u00e4nomen, das mir immer wieder auff\u00e4llt, ist die wei\u00dfe Farbe am unteren Drittel der meisten Baumst\u00e4mme. Dies ist eine Art Insektenschutz. Und eine Mischung aus Kalk und Farbe. Was au\u00dferdem von au\u00dfen bemalt ist, sind die Fassaden der meisten kleinen Gesch\u00e4fte. Meist sehr bunt und es erweckt den Anschein, dass das Werk von Hand und in sehr kunstfertiger und kreativer Weise aufgetragen wurde. Auch Werbungen oder Protest-\u00c4u\u00dferungen begegne ich hier oft in dieser Form.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2014\/02\/P1190308.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-99\" alt=\"P1190308\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2014\/02\/P1190308-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2014\/02\/P1190308-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2014\/02\/P1190308.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2014\/02\/PA060801.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-100\" alt=\"PA060801\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2014\/02\/PA060801-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2014\/02\/PA060801-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2014\/02\/PA060801.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Ein Protest-Gem\u00e4lde gegen den Ausbau der Autobahn in Tepotzl\u00e1n<\/em><\/p>\n<p>Wasser ist eine weitere Sache, mit der hier anders umzugehen ist bzw. umgegangen wird. Zun\u00e4chst w\u00e4re da die Tatsache, dass Leitungswasser nicht genie\u00dfbar ist. Sprich, den Kaffe bereit ich mir morgens mit gekauftem, abef\u00fclltem Wasser zu. Mancheiner putz sich sogar die Z\u00e4hne nur mit abgepacktem Wasser. Auf so gut wie jedem Dach befinden sich hier gro\u00dfe schwarze Wassertanks, denn das Wasser bleibt auch mal aus \u2013 so wie jetzt gerade zum Beispiel\u2013 oder der Wasserdruck ist sehr gering. Die Wasserversorgung ist in dieser Riesen-Stadt mit ihren 20-Millionen Einwohnern ein gro\u00dfes Problem \u2013 1,6 Milliarden Liter werden hier pro Tag verbraucht und viele Stadtteile haben des \u00d6fteren einen oder mehrere Tage lang kein Wasser. Kein Wunder, da die Stadt n\u00e4mlich keine eigenen Wasservorkommnisse besitzt. Sie wird mit Grundwasser und Wasser, das aus einem im umliegenden Bundesstaat befindlichen Stausee angeliefert wird, versorgt. Dass sie sich dadurch quasi selbst den Boden unter den F\u00fc\u00dfen wegzieht, bringt weitere Probleme hinzu. Mehr gibt es dazu <a href=\"http:\/\/www.berliner-zeitung.de\/archiv\/die-22-millionen-einwohner-von-mexiko-city-verbrauchen-riesige-mengen-wasser--doch-schon-bald-koennte-es-versiegen-die-durstige-megastadt,10810590,10567896.html\">hier<\/a> zu lesen.<\/p>\n<p>Das gleiche gilt f\u00fcr das Stromnetz, das hier oberirdisch verl\u00e4uft. In der letzen Woche hatten beispielsweise einen Tag lang keinen Strom. Zum Gl\u00fcck ist an unser B\u00fcro ein Generator, der mit Gas l\u00e4uft, angeschlossen und der im Notfall anspringt. Trotzdem gibt es da meist den ein oder anderen PC, der dann nicht anspringt und man muss D\u00e4umchen drehen. Schlimmstenfalls gehen dabei auch Ger\u00e4te kaputt, sowie vor einigen Jahren der gesamte Server des B\u00fcros. Leider bemerkt man den dadurch veursachten Datenverlust manchmal heute noch.<\/p>\n<p>T\u00e4glich zwischen 9.30 und 10h h\u00f6re ich au\u00dferderm aus meinem B\u00fcro heraus den Kaffee-Mann \u00fcber die Stra\u00dfe laufen und lauthals br\u00fcllen: \u201e<i>Haaaaay Cafeeeee\u201c. <\/i>Nicht t\u00e4glich aber doch auch mehrmals pro Woche gesellt sich zu ihm der Schrottwagen, aus dessen Lautsprechern eine Frauenstimme anpreist, was alles angekauft wird: Matratzen, Mirowellen, Mixer und und und. Sp\u00e4ter am Tag f\u00e4hrt au\u00dferdem, der in diesem Blog schon \u00f6fter erw\u00e4hnte, <i>Tamales<\/i>-Mann mit seinem Fahrrad um die H\u00e4user. Auch hier ert\u00f6nt ein entsprechendes Tonband mit sehr machanisch klingendem Verkaufsspruch. Ein akustischer Eindruck, den ich sicherlich vermissen werde.<\/p>\n<p>Eine weitere L\u00e4rm verursachende Tatsache, an die ich mich nicht so ganz gew\u00f6hnen will, sind die Apotheken. Zun\u00e4chst werden hier viel mehr Dinge verkauft, als in deutschen Apotheken. Und zwar Produkte, die dort eher nicht zu finden sind, wie Softdrinks, Kekse oder auch mal Zigaretten. Hinzu kommt au\u00dferdem die laute Musik \u2013 jeder Art \u2013 die vor allem in den \u201eDr. Simi\u201c-Apotheken erschallt. Diese Apotheken-Kette wirbt mit einem dicken, l\u00e4chelnden, schnurb\u00e4rtigen Apotheker, dessen rundes Gesicht auf allen Produkten abgedruckt ist. Hinzu kommt au\u00dferdem ein als Dr Simi verkleideter Mensch, in einem \u00fcberdimensionalen Pl\u00fcsch-Kost\u00fcm. Dieser steht dann vor der Apotheke und bewegt sich zur Musik, mal weniger mal mehr verausgabend. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=jNOJD2gNN_s\">Hier<\/a> gibt es eine sehr sehenswerte Tanzeinlage zu bewundern. In meiner von Deutschland gepr\u00e4gten Weltsicht, will Musik, Tanz und Arzneiprodukte auch nach 5 Monaten noch nicht zusammenpassen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2014\/02\/PC271806.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-101\" alt=\"PC271806\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2014\/02\/PC271806-300x400.jpg\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2014\/02\/PC271806-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2014\/02\/PC271806.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wenn ich hier in Mexiko einen Park oder einen gr\u00fcnen Platz betrete, begegne ich au\u00dferdem h\u00e4ufig Buchsbaum-Figuren. Wie zum Beispiel diesen hier:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2014\/02\/P9140518.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-103\" alt=\"P9140518\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2014\/02\/P9140518-300x400.jpg\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2014\/02\/P9140518-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2014\/02\/P9140518.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2014\/02\/P1190309.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-104\" alt=\"P1190309\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2014\/02\/P1190309-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2014\/02\/P1190309-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2014\/02\/P1190309.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das l\u00e4sst mich immer an Tim Burtons \u201eEdward mit den Scherenh\u00e4nden\u201c denken, da manchmal auch sehr bizarre Figuren darunter sind.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfen m\u00f6chte ich meine Auflistung mit einem verbalen Eindruck: <i>Buen provecho! \u2013<\/i> Guten Appetit! Was mich anfangs zun\u00e4chst verwirrt hat, ist meiner Ansicht nach einer der sch\u00f6nsten Unterschiede, die ich hier im Vergleich zu meinem Alltag in Deutschland feststelle. Beim Betreten oder Verlassen eines Lokals wird den Essenden ein Guter Appetit gew\u00fcnscht, sodass es sein kann dass einem w\u00e4hrend einer Mahlzeit 5 Mal ein<em> Buen Provecho<\/em> hin\u00fcbergworfen wird und das von Menschen, die man meistens nicht ansatzweise kennt.<\/p>\n<p>Ungewohnte Dinge, die in Deutschland oft sehr viel mehr Chaos anrichten w\u00fcrden bzw. einfach viel seltener oder garnicht vorkommen. Wie sch\u00f6n solche Unterschiede zu bemerken. Sicherlich werden mir noch sehr viel mehr auffallen, wenn ich erstmal wieder zur\u00fcck bin und dann werde ich anfange diese zu vermissen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt neigt sich meine Zeit in Mexiko bereits dem Ende zu. N\u00e4chsten Samstag geht es zur\u00fcck. Die Zeit fliegt. Und wie das so bekannterma\u00dfen ist, gef\u00e4llt es mir gerade jetzt besonders gut. 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