{"id":32,"date":"2013-10-13T09:57:51","date_gmt":"2013-10-13T14:57:51","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/?p=32"},"modified":"2013-10-14T22:23:53","modified_gmt":"2013-10-15T03:23:53","slug":"deutschsein-in-mexiko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/2013\/10\/13\/deutschsein-in-mexiko\/","title":{"rendered":"Deutschsein in Mexiko"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend unseres Vorbereitungsseminars haben wir uns kritisch mit Vorurteilen und Klischees auseinandergesetzt. Ich bin da eigentlich immer sehr bedacht, keine Gemeinpl\u00e4tze einzunehmen oder vorschnell zu urteilen. Wenn man dann aber selbst mit Klischees gegen\u00fcber der eigenen Kultur konfrontiert wird, geraten all diese wohl-reflektierten Gedankeng\u00e4nge und Ideale manchmal ins Wanken. Im Folgenden m\u00f6chte ich berichten, wie ich bis dato \u201edem Deutschen\u201c in Mexiko begegnet bin.<\/p>\n<p>Zum einen w\u00e4re da die Wahlparty, zu der wir am 22. Dezember in die deutsche Botschaft eingeladen worden waren. Fast ausschlie\u00dflich Deutsche hatten sich da zusammengefunden, um die Wahlergebnisse in Deutschland mitzuverfolgen. An sich nat\u00fcrlich ein Ereigniss, dass ich mir nicht entgehen lassen wollte. Zum einen, um die Ergebnisse der Wahl direkt zu erfahren, zum anderen, um auch mal einen Blick in die Botschaft werfen zu k\u00f6nnen. Leider fand das ganze dann allerdings im Innenhof statt und au\u00dfer der Botschafts-G\u00e4ste-Toilette, hab ich leider wenig vom Geb\u00e4ude zu Gesicht bekommen. Im Innenhof war alles dekoriert mit Wahlplakaten und Luftballons in allen Partei-Farben (nat\u00fcrlich hat die Botschaft hier nicht Partei ergriffen). Es gab auch einen Wettbewerb: wer mit seinem Tipp \u00fcber das Wahlergebnis am n\u00e4chsten am tats\u00e4chlichen Ergebniss lag, konnte einen I-Pod gewinnen. Zuf\u00e4lligerweise ging dieser an den Botschafter selbst. Au\u00dferdem gab es Bier aus 1-Liter-Biergl\u00e4sern, Brezeln und Leberk\u00e4s. Man stand zusammen und unterhielt sich. Viele hatten ihre Kinder mitgebracht. Hinteher hab ich mich gefragt: Was die \u00fcberwiegend mexikanischen Bediensteten da wohl f\u00fcr ein Deutschland-Bild erhalten haben? Die Deutschen trinken Bier, und das schon um 13h, sie essen Brezeln und Leber im Br\u00f6tchen. <span style=\"color: #000000\">Dazu k\u00e4me nat\u00fcrlich noch das fachsimpelnde in-Gr\u00fcppchen-Zusammenstehen, die Wette, um die Veranstaltung etwas spannender zu gestalten, und \u00fcberhaupt die Tatsache, dass hier offen und in einer Art feierlichem Rahmen \u00fcber Politik geredet wurde. Und, dass Mutti (leider) Deutschlands Repr\u00e4sentantin bleibt.<\/span><\/p>\n<p>Zuf\u00e4lligerweise begann in der selben Woche das Oktoberfest. Bier, Brezeln und Leberk\u00e4s gibt\u2019s da auch, das wei\u00df wahrscheinlich so gut wie jeder, der dieses Volksfest mit Deutschland verbindet. Und das tun viele. Neben einem Facebook-Post, den ich f\u00fcr dien DAAD M\u00e9xico ver\u00f6ffentlich habe, bin ich auch noch auf anderen allt\u00e4glichen Wegen diesem Klischee-Bild begegnet. Und zwar bietet der Supermarkt <i>Superrama<\/i>, in dem ich immer einkaufe, passend zum Oktoberfest deutsche Wochen an. Fast ein wenig bedrohlich wirkt die \u00fcberdimensionale schwarz-rot-goldene Flagge mit Adler in der Mitte, die direkt im Eingang des Markts trohnt. Daneben ein Riesen-Bierkrug und jede Menge deutsche Produkte. Bier \u2013 nat\u00fcrlich &#8211; Kekse, Zweiback, saure Gurken, Kuchen, Apfelschorle, Sp\u00e4tzle, eine <span style=\"color: #000000\">Kartoffel-Salat-Saucen-Mix-Hilfe<\/span>, Schokolade, Senf und neben einigen anderen Produkten seltsamerweise <i>Gerolsteiner<\/i> Mineralwasser. W\u00fcrstchen konnte ich keine ausfindig machen. Auch wen ich mit denen wurde ich hier in letzter Zeit so h\u00e4ufig konfrontiert wurde, wenn ich neue Bekanntschaften gemacht habe.<\/p>\n<p><i><b>Salchica y cervaza<\/b><\/i> \u2013 <b>Wurst und Bier<\/b><\/p>\n<p><i>Deutschland? Wie schmeckt dir denn das mexikanische Bier? Trinkt ihr eigentlich immer zum Essen Bier? Ihr habt doch so unglaublich viele Wurst-Sorten. <\/i>So oder so \u00e4hnlich, wurde sich schon h\u00e4ufig \u00fcber die deutsche Kultur ge\u00e4u\u00dfert. Ich stelle fest, das mexikanische Bier schmeckt mindestens genauso gut wie das Deutsche. Ich habe ziemlich wenig Ahnung von Alt- und Schwarzbier und von deutscher Wurst. Gestern wurde ich, nachdem ich ein Hotdog verdr\u00fcckt hab, gefragt: <i>Und? Die Wurst schmeckt hier nicht so gut wie bei euch, oder?<\/i> \u00c4hhm, dar\u00fcber hatte ich mir beim Essen eigentlich keine Gedanken gemacht. Auff\u00e4llig anders hat die Wurst nicht geschmeckt. Irgendwie ist es ja schon absurd, dass ich mir hier viel mehr Gedanken \u00fcber Wurst und Bier mache, als da, wo ich anscheinend immer davon umgeben sein m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Eine weitere, etwas surreale, Begegnung mit deutscher Kultur, habe ich diese Woche in Form des \u201edeutschen B\u00e4ckers\u201c gemacht. Auf einmal, rief meine Ansprecheperson im B\u00fcro <i>Der deutsche B\u00e4cker ist da, kommt doch mal mitrunter und guckt mal ob ihr was kaufen m\u00f6chtet.<\/i> Deutscher B\u00e4cker? Wo kommt der denn her? Und warum steht der pl\u00f6tzlich vorm B\u00fcro des DAADs? Neugierig bin ich mit vor die T\u00fcr und erblickte einen kleinen wei\u00dfen Lieferwagen. Daneben eine blonde Frau. Die hinteren T\u00fcren des Wagens waren ge\u00f6ffnet und darin. befand sich ein gut organisiertes Plastik-Schubladen-Sortier-System, das randgef\u00fcllt war mit allen erdenklichen Teilchen, Brot (geschnitten und ungeschnitten), Br\u00f6tchen, Croissants, Schokobr\u00f6tchen und und und. Die blonde Verk\u00e4uferin, infromierte uns mit ihrem bayerischer Dialekt gerne \u00fcber ihr variationsreiches Angebot. Und dann haben wir tats\u00e4chlich ziemlich zugeschlagen und uns \u00fcber K\u00f6rner-Br\u00f6tchen und Nussz\u00f6pfe gefreut. Der \u201edeutsche B\u00e4cker\u201c bietet einen Lieferservice innerhalb D.F.s an und f\u00e4hrt u.a. deutsche Institutionen, wie den DAAD an. H\u00e4tte die Dame noch Bier und W\u00fcrstchen dabei gehabt, h\u00e4tte mich das irgendwie nicht gewundert. H\u00e4tte ich pl\u00f6tzlich Lust drauf gehabt, h\u00e4tte ich auch eine Ecke weiter ins <i>Weltweit Bierhaus <\/i>spazieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Klischees sind ungenaue Verallgemeinerungen. Aber irgendwas ist dann vielleicht manchmal doch wahr dran.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2013\/10\/PA060790.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-35 aligncenter\" alt=\"PA060790\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2013\/10\/PA060790-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2013\/10\/PA060790-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/df13\/files\/2013\/10\/PA060790.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend noch ein sch\u00f6nes Zitat, das ich in Teoptzl\u00e1n am Eingang zu einer Schule gelesen hab:<\/p>\n<p>\u201eSi esperas cambiar t\u00fa, cuando haya cambiado el mundo, morir\u00e1s sin haber vivido. Si comienzas cambiando t\u00fa, ya est\u00e1s cambiando el mundo\u201c (F. Macero)<\/p>\n<p><i>Wenn du erwartest dich zu ver\u00e4ndern, wenn sich die Welt ge\u00e4ndert hat, wirs du sterben ohne gelebt zu haben. Wenn du aber selbst anf\u00e4ngst dich zu ver\u00e4ndern, dann bist du bereits dabei die Welt zu ver\u00e4ndern. (frei \u00fcbersetzt)<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend unseres Vorbereitungsseminars haben wir uns kritisch mit Vorurteilen und Klischees auseinandergesetzt. Ich bin da eigentlich immer sehr bedacht, keine Gemeinpl\u00e4tze einzunehmen oder vorschnell zu urteilen. Wenn man dann aber selbst mit Klischees gegen\u00fcber der eigenen Kultur konfrontiert wird, geraten all diese wohl-reflektierten Gedankeng\u00e4nge und Ideale manchmal ins Wanken. 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