{"id":128,"date":"2016-05-17T12:21:53","date_gmt":"2016-05-17T10:21:53","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/derexotischenachbar\/?p=128"},"modified":"2016-05-19T11:14:30","modified_gmt":"2016-05-19T09:14:30","slug":"momentaufnahme-mohammed-und-sein-gewaehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/derexotischenachbar\/2016\/05\/17\/momentaufnahme-mohammed-und-sein-gewaehr\/","title":{"rendered":"Momentaufnahme | &#8222;Mohammed und sein Gewehr&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Am Wochenende gehen wir in die Disko. Mohammed ist auch da. Er ist mit seinem Maschinengewehr da. Aber zum Gl\u00fcck ist auch Polizei da und nimmt ihn mit.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dieser kurze Text entstand letzte Woche w\u00e4hrend einer kreativen Gruppenarbeit zum Thema &#8222;Freizeit&#8220;, die ich in einer Klasse durchgef\u00fchrt habe. Jeweils vier Sch\u00fclerInnen sollten vier Texte auf vier Zetteln schreiben. Hierzu schreiben alle einen Satz auf einen Zettel und geben diese Zettel dann im Kreis weiter. So entstehen vier unterschiedliche Text von vier Sch\u00fclerInnen zum gleichen Thema, weil sich jeder Text in eine unterschiedliche Richtung entwickelt. Eigentlich ganz harmlos, dachte ich. Bis ich beim umhergehen und korrigieren auf diese Zeilen gesto\u00dfen bin, deren Syntax ich aus \u00e4sthetischen Gr\u00fcnden und zum besseren Verst\u00e4ndnis etwas aufpoliert habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich denke, bisher konnte ich mit Alltagsrassiusmus, wie er in meinem Umfeld vorkommt, ganz gut umgehen. Besonders am Anfang, als ich mich jeder Klasse vorstellte und die Sch\u00fclerInnen mir in diesem Zusammenhang Fragen zu mir und Deutschland stellen konnten, wurde ich des \u00f6fteren damit konfrontiert. &#8222;Muss ich Angst haben, wenn ich mit meiner Freundin im Sommer nach Deutschland fahre?&#8220; (wegen der K\u00f6lner Silvesternacht), &#8222;Wie findest du Angela Merkelova?&#8220; (wegen ihrer Fl\u00fcchtlingspolitik im Sommer 2015) und &#8222;Findest du es gef\u00e4hrlich in Deutschland zu leben?&#8220; (wegen den vielen Fl\u00fcchtlingen) sind Fragen, die mir mehr als einmal gestellt wurden. Mit einem charmanten L\u00e4cheln im Gesicht, habe ich dann nach bestem Wissen und Gewissen von meinen ausschlie\u00dflich positiven Erfahrungen berichtet und naive Gegenfragen gestellt. Und auch wenn ich die meisten Sch\u00fclerInnen sicherlich nicht von meiner Sichtweise \u00fcberzeugen konnte, so gaben sie sich wenigstens mit meiner Antwort zufrieden und dachten (hoffentlich) weiter dar\u00fcber nach. Mehr ist leider auch nicht drinnen, f\u00fcr eine ernsthaft Diskussion reicht das Deutsch der Sch\u00fclerInnen nicht aus, und mein Tschechisch erst recht nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Letzte Woche Dienstag kam es schlie\u00dflich zu oben beschriebener Situation. Sp\u00e4testens auf dem Vorbereitungsseminar habe ich f\u00fcr mich beschlossen beim Thema Diskriminierung und Rassismus stark zu bleiben. Ich wollte niemandem meine \u00dcberzeugungen einpr\u00fcgeln, aber souver\u00e4n und nachhaltig antworten oder Gegenfragen stellen. Das ist mir letzte Woche nicht gelungen, zu sehr hat mich dieser Text aus der Fassung gebracht. Eigentlich wollte ich, wenn ich diesen Artikel ver\u00f6ffentliche, schon eine L\u00f6sung parat haben, eine perfekte Reaktion. Nach einer Woche des Dar\u00fcbernachdenkens f\u00fchle ich mich genau so leer, wie in der Situation selbst. Was h\u00e4tte ich tun k\u00f6nnen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Update: Es kam die Frage auf, ob der Sch\u00fcler das wirklich so erlebt hat, oder ob es eine fiktive Geschichte ist. Mit absoluter Sicherheit kann ich das nat\u00fcrlich nicht sagen, aber in diesem Kontext und unter Ber\u00fccksichtigung seiner &#8218;Emotionen&#8216; abseits des Blattes gehe ich davon aus, dass er es sich ausgedacht hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Am Wochenende gehen wir in die Disko. Mohammed ist auch da. Er ist mit seinem Maschinengewehr da. 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