{"id":35,"date":"2017-12-30T21:34:52","date_gmt":"2017-12-30T20:34:52","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/danigoesslovakia\/?p=35"},"modified":"2017-12-30T21:34:52","modified_gmt":"2017-12-30T20:34:52","slug":"5-drei-monate-spaeter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/danigoesslovakia\/2017\/12\/30\/5-drei-monate-spaeter\/","title":{"rendered":"5. &#8230;Drei Monate sp\u00e4ter"},"content":{"rendered":"<p>Heute, an einem dieser Tage zwischen Weihnachten in Deutschland mit der Familie und Silvester in Prag mit anderen Freiwilligen, habe ich nun endlich nochmal Zeit gefunden einen weiteren Blogeintrag zu schreiben.<\/p>\n<p>Im Folgenden werde ich nun versuchen, ein paar der zahlreichen Erfahrungen der letzten drei Monate kurz zusammenzufassen.<\/p>\n<p>Eine davon ist die \u201aBiela Noc\u2018 (Wei\u00dfe Nacht). In dieser Nacht ist die ganze Stadt erleuchtet. An Kirchen und andere Geb\u00e4ude werden Lichtanimationen projiziert und \u00fcberall stehen leuchtende Kunstwerke. Ich durfte die \u201aBiela Noc\u2018 sogar zweimal erleben. Einmal in Ko\u0161ice und am Wochenende danach dann in der Hauptstadt Bratislava. In Bratislava waren wir weil die Deutsche Botschaft alle Freiwilligen ins Grand Hotel River Park eingeladen hat, um den Tag der Deutschen Einheit zu feiern. Vor dieser Feier haben wir uns vor der deutschen Botschaft in Bratislava getroffen um bei der Enth\u00fcllung des \u201aBuddyb\u00e4ren\u2018 dabei zu sein. Dieser \u201aBuddyb\u00e4r\u2018 ist eine gelbe Skulptur, auf der verschiedene W\u00f6rter stehen, die die Slowakei und Deutschland verbinden. Er soll die deutsch-slowakische Freundschaft symbolisieren. Nat\u00fcrlich durfte bei diesem wichtigen Event die Presse nicht fehlen, die dann anschlie\u00dfend noch zwei andere Freiwillige und mich danach gefragt hat, was wir \u00fcber den \u201aBuddyb\u00e4r\u2018 denken. Wir haben dann sp\u00e4ter erfahren, dass diese kurzen Interviews auf einem deutsch-slowkischen Sender f\u00fcr die deutsche Minderheit in der Slowakei ausgestrahlt wurden. Nach ein paar Wochen hier waren wir also schon im slowakischen Fernsehen zu sehen. Auch die Feier im Hotel war f\u00fcr uns ein echtes Erlebnis. Wir haben unter anderem den deutschen Botschafter kennengelernt, der uns viel von seiner Arbeit als Botschafter erz\u00e4hlt hat.<\/p>\n<p>In der Woche danach feierte dann das Gymnasium an dem ich arbeite 95.-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um. Dazu wurde eine sogenannte \u201aAkademie\u2018 veranstaltet. Eine Woche lang gab es ein besonderes kulturelles Programm an der Schule. Zum Beispiel haben einige Sch\u00fcler*innen Folklore-T\u00e4nze im Stadtzentrum von Michalovce aufgef\u00fchrt und auch die naturwissenschaftlichen Klassen hatten dort einige St\u00e4nde aufgebaut um z.B. chemische Experimente f\u00fcr Passanten und Interessierte vorzuf\u00fchren. Am letzten Tag gab es im Kulturzentrum, welches gleichzeitig als Kino oder Theater dient, ein B\u00fchnenprogramm welches von Lehrer*innen und Sch\u00fcler*innen gemeinsam organisiert wurde. Es wurden viele Reden gehalten, Fotos gezeigt, T\u00e4nze aufgef\u00fchrt, Geige und andere Instrumente gespielt und gesungen. Das Programm war sehr sch\u00f6n und unterhaltsam zugleich. Da die Reden alle auf slowakisch waren und ich zu dieser Zeit noch so gut wie \u00fcberhaupt keine Sprachkenntnisse hatte, hat mir eine Lehrerin zwischendurch immer wieder einiges \u00fcbersetzt. Ich war absolut begeistert von dieser Veranstaltung und bin mir ziemlich sicher, dass ich keinen besseren Einblick, in die Kultur und Traditionen der Umgebung und der Schule, h\u00e4tte bekommen k\u00f6nnen. Abends gab es dann noch eine Feier auf die alle Lehrer*innen, Freunde der Schule und wichtige Menschen der Stadt eingeladen waren. Am n\u00e4chsten Morgen nach der Party sind wir dann auf den Lehrerausflug nach Poprad, in ein Wellnesshotel, gefahren. Dort habe ich viele nette Lehrer*innen kennengelernt die ich vorher h\u00f6chstens vom Sehen kannte. Ich hatte dort eine tolle Zeit mit viel Wellness, Party und Wandern in der Hohen Tatra, an die ich immer noch gerne zur\u00fcck denke. Das Schulmotto: \u201eGens una sumus \u2013 Sme jedna rodina\u201c (Wir sind eine Familie) trifft wirklich auf die Leute am Gymnasium zu. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Lehrer*innen an meiner alten Schule so viel Spa\u00df auf ihren Lehrerausfl\u00fcgen hatten wie wir. Aber vielleicht kann ich das ja auch einfach nicht beurteilen, weil ich da ja selbst noch Sch\u00fclerin war. Seit ich aber auch mehr Zeit mit Lehrer*innen in meiner Freizeit verbringe und mich immer mehr daran gew\u00f6hne vor verschiedenen Klassen zu stehen, f\u00fchle ich mich jetzt definitiv mehr wie eine Lehrerin. Auch wenn ich als Freiwillige ja immer noch irgendwie zwischen Lehrer*innen und Sch\u00fcler*innen stehe.<\/p>\n<p>Kurze Zeit sp\u00e4ter durfte ich sogar eine Klassenfahrt nach Deutschland begleiten. Zusammen mit einer anderen Lehrerin und acht Sch\u00fcler*innen bin ich, um an dem Projekt \u201aSchulbruecke Europa\u2018 teilzunehmen, nach Greifswald an die Ostsee gefahren. Dort waren auch Sch\u00fcler*innen aus Frankreich, Italien, Schweden, Rum\u00e4nien und Deutschland. Die Sch\u00fcler*innen haben ihr Land und die Schule pr\u00e4sentiert und es gab ein internationales Buffet. Dann haben wir u.a. Vortr\u00e4ge geh\u00f6rt und die Sch\u00fcler*innen haben in Gruppenarbeit auf Deutsch \u00fcber verschiedene aktuelle gesellschaftliche und politische Themen, wie z.B. Krieg\/ Frieden und Demokratie, gesprochen und Plakate erstellt. Ich fand das gesamte Projekt sehr interessant und es war von den Themen teilweise sehr \u00e4hnlich wie das kulturweit Vorbereitungsseminar. Wir haben auch den Film \u201atomorrow- die Welt ist voller L\u00f6sungen\u2018 gesehen. Am letzten Tag haben die Sch\u00fcler*innen dann gemeinsam Zukunftsgeschichten \u00fcber ein utopisches Europa geschrieben. Die Geschichten waren teilweise sehr sch\u00f6n, faszinierend und inspirierend und haben, meiner Meinung nach, auch gezeigt, dass manche der Sch\u00fcler*innen viel weiter denken als manche Menschen die momentan politische Entscheidungen treffen.<\/p>\n<p>Auch in der Zeit nach der Klassenfahrt wurde es nicht langweilig. Ich bin n\u00e4mlich umgezogen. Aus meiner kleinen provisorischen Wohnung ohne K\u00fchlschrank, K\u00fcche, Waschmaschine oder Fenster im Schlafzimmer, in eine sch\u00f6ne, gr\u00f6\u00dfere Wohnung, in der ich all diese Dinge habe und die zudem im Zentrum der Stadt, also nur 5min vom Gymnasium entfernt liegt. Praktischerweise verstehe ich jetzt auch meinen Vermieter, da es ein Kollege von mir ist, der urspr\u00fcnglich aus Amerika kommt und als Englisch-Lektor an der Schule arbeitet. Nachdem er geh\u00f6rt hat, dass ich immer bei anderen Leuten meine Sachen waschen muss, hat er mir sofort die Wohnung angeboten. Auch die anderen Leute an der Schule sind immer sehr hilfsbereit und ein anderer Kollege hat mir z.B. beim Umzug geholfen, wodurch wir innerhalb einer halben Stunde alle Sachen von der einen in die andere Wohnung gebracht hatten. Mittlerweile habe ich mich sehr gut in der neuen Wohnung eingelebt.<\/p>\n<p>Ende November war dann das Zwischenseminar in \u017darnovica. Bzw. au\u00dferhalb von \u017darnovica in Horn\u00e9 H\u00e1mre bzw. in einer Holzh\u00fctte mitten in den Bergen. Die Wahl des Ortes war perfekt. Umgeben von einer traumhaft sch\u00f6nen Landschaft zusammen am knisternden, warmen Ofen zu sitzen und mit den anderen Freiwilligen, die momentan in Tschechien und in der Slowakei sind, die bisherigen Erlebnisse auszutauschen war toll. Au\u00dferdem war es ein super Ort um sich zu erholen, zu reflektieren und sich auf die noch kommende Zeit einzustellen. Ein besonderes Event war der Besuch der Romafrau Jeanette Modlov\u00e1, die mit ihrer NGO \u201aEDUMA\u2018 die Sinti und Roma besser in die Gesellschaft integrieren m\u00f6chte. Sie hat uns durch ihre Erz\u00e4hlungen Einblicke in das Leben und die Werte der Sinti und Roma gegeben und viele sch\u00f6ne, traurige und ber\u00fchrende Geschichten aus ihrem Leben erz\u00e4hlt. Da es ihr Buch \u201aCig\u00e1nka\u2018 nur auf slowakisch gibt, habe ich definitiv einen weiteren Grund die Sprache zu lernen. Au\u00dferdem haben wir die Stadt Bansk\u00e1 \u0160tiavnica besichtigt und viele Sparzierg\u00e4nge in den Bergen gemacht. Durch das Zwischenseminar habe ich auch Inspiration f\u00fcr mein Projekt erhalten.<\/p>\n<p>Wieder zur\u00fcck in Michalovce gab es dann das Stu\u0161kova. Es ist ein Fest \u00e4hnlich wie der Abiball in Deutschland. Halt nur im November\/ Dezember und gr\u00f6\u00dfer. Es wurden Reden von Sch\u00fcler*innen, der Schulleiterin der Klassenlehrerin und einem Vater gehalten. Dann tanzten die Sch\u00fcler*innen mit ihren Partner*innen, den Eltern und mit uns, den Lehrer*innen. Danach gab es ein sehr leckeres Essen mit mehreren G\u00e4ngen und Programm. Die Sch\u00fcler*innen u.a. haben einen Film selbst gedreht, lustige Szenen aufgef\u00fchrt, Folklore getanzt, gesungen und insgesamt einen sehr sch\u00f6nen und lustigen Abend organisiert. Eine weitere Tradition ist es, dass die Mitsch\u00fcler*innen \u00fcber jeden einzelnen ein Gedicht schreiben und dieses am Stu\u0161kova vorlesen. Jeder h\u00e4lt ein kleines Licht in der Hand, w\u00e4hrend eine Person den Text den alle zusammen geschrieben haben vorliest. Am Ende trinken dann alle Sch\u00fcler*innen und der\/ die Klassenlehrer*in aus einem Kelch und schmei\u00dfen diesen auf den Boden. Jeder bekommt eine Scherbe und die meisten behalten ihre Scherbe ein Leben lang. Nach dem Programm kann jeder tanzen der m\u00f6chte und das Stu\u0161kova geht bis in den Morgen weiter. Es war ein unglaublich tolles Fest.<\/p>\n<p>Zwischen Stu\u0161kova und dem n\u00e4chsten Fest lag dann eine sehr arbeitsintensive Zeit, da die Sch\u00fcler*innen ihre m\u00fcndliche DSD II Pr\u00fcfung hatten. Aber das Ergebnis war die ganze Vorbereitung definitiv wert, denn alle Sch\u00fcler*innen haben die Pr\u00fcfung bestanden und die Vortr\u00e4ge, die sie daf\u00fcr vorbereitet haben, waren sehr gut und interessant.<\/p>\n<p>Kurz vor Weihnachten war dann noch die Weihnachtsfeier, die auch wieder sehr sch\u00f6n war und quasi von da aus bin ich dann nach Hause geflogen um Weihnachten mit meiner Familie zu verbringen. Es war das sch\u00f6nste Weihnachten das ich bis jetzt erlebt habe, denn dieses Jahr war es f\u00fcr uns alle etwas besonderes. Als ich meine Familie und meine Freundinnen wiedergesehen habe, ist mir erst klar geworden wie sehr ich sie eigentlich vermisst habe. Aber so sch\u00f6n es auch war wieder zu Hause zu sein war es auch ein bisschen komisch. Ich musste an eine Freundin aus \u00c4gypten denken, die nach einem FSJ in Deutschland jetzt wieder zur\u00fcck in \u00c4gypten ist und meinte, dass sie sich am Anfang ein bisschen wie eine Fremde in ihrem eigenen Land gef\u00fchlt hat. Ein bisschen so war es auch als ich zur\u00fcck gekommen bin. Als ob ich ewig weg gewesen w\u00e4re und gleichzeitig als ob ich nie weg gewesen w\u00e4re. Der kleine Heimaturlaub war also sehr sch\u00f6n aber ich freue mich jetzt auch wieder zur\u00fcck in Michalovce in\u00a0 meiner Wohnung zu sein.<br \/>\nUnd morgen geht es dann weiter nach Prag zum Silvester feiern.<\/p>\n<p>Nach nun insgesamt vier Monaten hier bin ich mir absolut sicher, dass es die richtige Entscheidung war das FSJ hier zu machen und w\u00fcrde es auch jedem weiter empfehlen. Ich hoffe, dass die n\u00e4chsten Monate auch so aufregend und sch\u00f6n werden und ich versuche wenigsten etwas regelm\u00e4\u00dfiger zu schreiben. \ud83d\ude00<\/p>\n<p>Bis dann, Dani<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute, an einem dieser Tage zwischen Weihnachten in Deutschland mit der Familie und Silvester in Prag mit anderen Freiwilligen, habe ich nun endlich nochmal Zeit gefunden einen weiteren Blogeintrag zu schreiben. Im Folgenden werde ich nun versuchen, ein paar der zahlreichen Erfahrungen der letzten drei Monate kurz zusammenzufassen. 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