{"id":923,"date":"2010-06-21T10:01:09","date_gmt":"2010-06-21T08:01:09","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/daniel\/?p=923"},"modified":"2010-11-03T22:31:43","modified_gmt":"2010-11-03T20:31:43","slug":"fazit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/daniel\/2010\/06\/21\/fazit\/","title":{"rendered":"Fazit"},"content":{"rendered":"<p><font face=\"MS Reference Serif\" size=\"2\"><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So schnell ging meine Zeit hier vorbei. Gute neun Monate sind vor\u00fcber. Ich habe viel gelernt, viel erlebt, viele tolle Menschen kennen gelernt, viel erfahren, viel getan und nichts bereut. Wenn ich die Zeit noch einmal zur\u00fcckdrehen k\u00f6nnte, w\u00fcrde ich nahezu nichts anders machen, au\u00dfer vielleicht noch mehr Thai lernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Thai:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es reicht f\u00fcr eine einfache Unterhaltung: Ich kann dem Taxifahrer den Weg, meine Herkunft, meine T\u00e4tigkeit hier und mein soziales Netzwerk erkl\u00e4ren, die Wohnung habe ich auf Thai aufl\u00f6sen k\u00f6nnen und wenn ich etwas wissen will, kann ich fragen und erfahre meist auch die gew\u00fcnschte Antwort. Ich kann problemlos bis ins Unendliche z\u00e4hlen, die meisten W\u00f6rter richtig lesen, nur wenige richtig schreiben, was dem Stand eines Drittkl\u00e4sslers in Thailand entspricht. Mit M\u00fche kriege ich noch einen Wortwitz auf Thai hin und kann mich an besonders schwierige W\u00f6rter erinnern, mit denen ich oft die Thai-Kinder herausfordern konnte. Mit den T\u00f6nen habe ich keine gro\u00dfen Probleme mehr, vor allem weil ich die Tonregeln der Schrift in etwa beherrsche, oft k\u00f6nnte ich aber aus einem gesprochenen Satz nicht die richtigen T\u00f6ne heraush\u00f6ren. Ich habe gemerkt, dass ich mit meinen Thaikenntnissen, vor allem dank der F\u00e4higkeit zu lesen und zu schreiben, sehr gut bei Thais angesehen bin und auch von den Thai-Kindern und Kollegen in der Schule bewundert wurde. Jedem w\u00fcrde ich also empfehlen, unbedingt so viel wie m\u00f6glich zu lernen; es kann auf jeden Fall nicht schaden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Kultur:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Davon habe ich nahezu gar nichts mitbekommen. Das ist auch schwer, wenn man nicht in einem thail\u00e4ndischen Haushalt lebt. Nat\u00fcrlich habe ich etwas \u00fcber bestimmte Feste, Br\u00e4uche und Kleidungen erfahren, ich kann erahnen, welche Funktion M\u00f6nche haben, und ich kann mehr \u00fcber die thail\u00e4ndische Kultur erz\u00e4hlen als viele Menschen, die jahrelang hier waren oder es noch sind. Aber im Gro\u00dfen und Ganzen lebte ich nur in einer &#8222;deutschen Blase&#8220;, wie man das so sch\u00f6n nennt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Soziales Netzwerk:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich habe die ganze Zeit \u00fcber keine Thai-Freunde gehabt, was den Abschied hier sicher auch leichter macht. Die Sch\u00fcler unserer Schule z\u00e4hle ich nicht zu &#8222;Freunden&#8220;, da ich nie etwas mit ihnen gemacht habe oder zu Geburtstagen gegangen bin. Auch die Kollegen waren einfach nur supernette Kollegen, keine so genannten Freunde. Ich habe viele tolle Menschen auf der Stra\u00dfe kennen gelernt: Meinen Vermieter und seine Familie, Restaurantbesitzer, Motorradtaxifahrer usw., aber da ich von den meisten nicht einmal den Namen kenne, sind das niemals Freunde gewesen. Auf Reisen habe ich besonders viele Backpacker aus den verschiedensten Nationen kennen gelernt, aber zu den meisten habe ich keinen wirklichen Kontakt mehr. Im Deutschcamp im Khao-Yai-Nationalpark, auf dem Vorbereitungsseminar bei Berlin, auf dem Zwischenseminar in Kuala Lumpur und bei sonstigen Events konnte ich interessante Menschen treffen, aber auch da hat sich schnell alles verlaufen. Die mir wichtigsten Menschen hier in Thailand waren meine Kollegen und vor allem die j\u00fcngeren Sch\u00fcler an der DsSB.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Schule:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mich macht es schon sehr traurig, dass ich am Freitag (18. Juni 2010) meinen letzten Arbeitstag hatte. Ich wei\u00df, dass ich vermutlich einige Arbeitskollegen und insbesondere Sch\u00fcler niemals wiedersehen werde, denn bevor ich einmal wieder nach Thailand komme, sind sie sicher schon in ein anderen Land gezogen und jegliche Spur ist verloren. Ich werde die Kinder aus der Basisstufe, mit denen ich fast vom ersten Tag an und manchmal auch mehrmals t\u00e4glich zu tun hatte, sehr vermissen, auch wenn sie nicht immer leicht waren. Die mir ans Herz gewachsene 4. Klasse wird mir auch sehr fehlen, weil ich ja nicht nur fast jeden Tag im Unterricht bei ihnen war, sondern auch mit auf Klassenfahrt. Einige meiner Nachmittagsbetreuungssch\u00fcler und die 6. Klasse als mit Abstand wohl die schwierigste der ganzen Schule werden mich auch noch lange begleiten. Von all diesen Kindern konnte ich mich in der letzten Woche mit Gummib\u00e4rchen, Eis und Bildern verabschieden. Das von Basisstufe zusammengestellte Bilder- und W\u00fcnschebuch sowie das Jahrbuch, das ich ja komplett Korrektur gelesen hatte, werden die Erinnerung an diese sch\u00f6ne Zeit hier lange aufrechterhalten und ich kann es kaum erwarten, einmal wieder hierher zu fahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Leben:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Wecker klingelt: 5.30 Uhr! Welcher Idiot hat denn den so eingestellt? W\u00fctend stelle ich ihn aus. Der n\u00e4chste Wecker klingelt: 5.40 Uhr! Ich haue drauf und wei\u00df instinktiv, dass er sich in f\u00fcnf Minuten wieder melden wird. Der Handywecker klingelt: 5.50 Uhr! Ich hinke aus dem Bett und stelle das notorisch nervende Handy schlaftrunken aus. Nun sollte ich wach sein, aber ich bin es nicht. Ich lege mich wieder ins Bett und schlafe ein. Zwar klingelt alle f\u00fcnf Minuten dieser eine Wecker, aber binnen neun Monaten hat mein Arm gelernt, auch im Schlaf automatisch auf die &#8222;Snooze&#8220;-Taste zu h\u00e4mmern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Irgendwann wache ich schwei\u00dfgebadet auf, weil ich ein Ostfenster habe und die Sonne gerade mit angenehm k\u00fchlen 35 \u00b0C aufgeht. Ich schaue auf die Uhr: 7.00 Uhr! Oh verdammt, in 30 Minuten muss ich in der Schule sein! Wie eine Rakete renne ich wie wild durch meine 28 m\u00b2, schiebe zwei Toasts in den Toaster, stelle mich unter die Dusche und kann es gar nicht erwarten, endlich sauber zu sein. Auf das Toastbrot wird schnell eine Scheibe Bologna-Wurst geklatscht und bei morgendlicher Thai-Musik aus dem Fernseher hinuntergeschlungen. Schnell Z\u00e4hne geputzt und feines Hemd angezogen. Verdammt: Es lag die ganze Nacht zerknittert auf dem Boden. Schnell ein neues suchen &#8230; im Schrank liegt noch ein von der W\u00e4scherei unten im Haus geb\u00fcgeltes Hemd, was f\u00fcr ein Gl\u00fcck. Hose an, G\u00fcrtel drum, los geht&#8217;s. Ah nein, der Laptop! Auch den muss ich noch einpacken, aber dann geht es endlich &#8218;raus. Es ist schon 7.15 Uhr. Ich will die T\u00fcr schlie\u00dfen und merke, dass ich den Schl\u00fcssel vergeben habe. Also, wieder &#8218;rein, Schl\u00fcssel holen, T\u00fcr zu, abschlie\u00dfen, &#8230; verdammt, Sportzeug vergessen! Also, das muss ich jetzt auch noch schnell in meiner Unordnung zusammensuchen. Geschafft, nun aber los. Die Schuhe werden nicht zugebunden, das hebe ich mir f\u00fcr die Wartezeit am Fahrstuhl auf, denn der muss meist erst bis in den sechsten Stock fahren, um mich dort abzuholen. Im Fahrstuhl gibt es einen Spiegel, sehr praktisch, so kann ich mich noch zurecht machen. Unten angekommen, wartet noch der Fingerscanner auf mich, der mich manchmal ein bisschen \u00e4rgern will und meinen Finger absichtlich nicht erkennt, wenn ich schon in Eile bin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Jetzt gilt es nur noch, per Zufall einen schnellen Motorradtaxifahrer, der mir gerade entgegen kommt, zu erwischen oder mich so schnell wie m\u00f6glich bis zum Motorradtaxistand zu begeben. Mittlerweile wissen sie ja, dass sie mit mir schnell fahren k\u00f6nnen, anfangs waren sie noch sehr vorsichtig mit mir. Nun geht es in Rekordzeit durch den Perfect Place, sodass ich 7.25 Uhr am Gate 8 bei der RIS ankomme. Weiter darf der Motorradfahrer nicht, hier muss ich absteigen und 30 Baht m\u00f6glichst passend bezahlen. Die restlichen 500 Meter muss ich laufen, was hei\u00dft, dass ich fr\u00fchestens Punkt 7.30 Uhr in der Schule bin. Im Lehrerzimmer erscheine ich gew\u00f6hnlich zu sp\u00e4t, dann muss ich auch noch in die jeweilige Klasse, aber keinen st\u00f6rt es: Ich bin ja nicht angestellt. \ud83d\ude09<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diesen Rhythmus werde ich vermissen, aber ich bin auch froh, dass ich erst einmal wieder ausschlafen kann. Ich werde auch den Bus 113 vermissen, mit dem ich immer bis in die Stadt kam und der ein sicheres Zeichen daf\u00fcr war, dass ich stets zur\u00fcck nach Hause finden w\u00fcrde. Zu gut kenne ich schon die Speisekarten der Restaurants in unserer Soi, als dass ich je das leckere und vor allem unglaublich preisg\u00fcnstige Thai-Essen vergessen k\u00f6nnte. Wenn ich jetzt aus Bangkok gehe, wei\u00df ich, dass ich immer wieder nach Hause kommen k\u00f6nnte, egal, wo man mich aussetzt. Das k\u00f6nnte sicher auch ganz preisg\u00fcnstig klappen, da ich oft nicht mal mehr auf Taxis angewiesen bin. Ich freue mich darauf, irgendwann den Airport-Link und die Skytrain-Erweiterungen in vollem Umfang nutzen zu k\u00f6nnen, sollte ich einmal wiederkommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Besonders stolz bin ich auf meine Reisen in diverse thail\u00e4ndische St\u00e4dte und andere L\u00e4nder, ohne die ich die so angenehme, unkomplizierte und liebensw\u00fcrdige Thai-Art wahrscheinlich niemals h\u00e4tte zu sch\u00e4tzen lernen k\u00f6nnen. Ich m\u00f6chte keine meiner bisherigen Erfahrungen missen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Dank:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich bin nat\u00fcrlich vor allem &#8222;kulturweit&#8220; dankbar, dass ich diese Chance bekommen habe, ein Land f\u00fcr fast ein ganzes Jahr in vollem Umfang kennen zu lernen und in einem Unternehmen arbeiten zu k\u00f6nnen, dass vor netten Menschen, liebensw\u00fcrdigen Kindern und toller Atmosph\u00e4re nur so strotzt. Ich bin auch dankbar, dass ich wie auch die anderen drei Freiwilligen so herzlich aufgenommen und integriert wurden und vor allem, dass uns so viel selbst \u00fcberlassen und zugetraut wurde. Ich durfte teilweise selbst unterrichten, ohne jemals studiert zu haben, konnte aus bestimmten Gr\u00fcnden auch mal einen Tag frei bekommen, hatte immer die M\u00f6glichkeit, zu jemandem zu gehen, und ich hatte immer das Gef\u00fchl, ein Teil der Schule zu sein. Ich durfte bei einer riesigen Musical-Vorf\u00fchrung Lichtassistent sein, auf eine Klassenfahrt mitkommen, internationale Sch\u00fcler im Deutschcamp betreuen, mit Kindern lachen, spielen und lernen, mit Gleichaltrigen feiern, arbeiten und in den Urlaub fahren, mit Erwachsenen reden, streiten und ausgehen &#8230; was will man mehr?<\/p>\n<p><\/font><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So schnell ging meine Zeit hier vorbei. Gute neun Monate sind vor\u00fcber. 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