{"id":887,"date":"2010-05-05T08:47:36","date_gmt":"2010-05-05T06:47:36","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/daniel\/?p=887"},"modified":"2010-11-03T22:04:57","modified_gmt":"2010-11-03T20:04:57","slug":"200-d%e1%bb%93ng-%e2%80%93-und-das-schicksal-nimmt-seinen-lauf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/daniel\/2010\/05\/05\/200-d%e1%bb%93ng-%e2%80%93-und-das-schicksal-nimmt-seinen-lauf\/","title":{"rendered":"200 \u0110\u1ed3ng \u2013 und das Schicksal nimmt seinen Lauf &#8230;"},"content":{"rendered":"<p><font face=\"MS Reference Serif\" size=\"2\"><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\ufeff\ufeff<a name=\"vorwort\"><\/a>Entschuldigt bitte diesen versp\u00e4teten Bericht, aber trotz mittlerweile etwas stressfreieren Nachmittagen komme ich manchmal aufgrund Hu\u1ebf von Studieninformationen, au\u00dferschulischen Pflichten und absoluter M\u00fcdigkeit nicht zum Blogschreiben. Der folgende Artikel ist noch nicht vollst\u00e4ndig und ich habe ihn noch nicht Korrektur gelesen; verzeiht mir also bitte Fl\u00fcchtigkeitsfehlerchen und weist mich netterweise darauf hin.\n<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bilder und kurze Videos gibt es <a href=\"http:\/\/picasaweb.google.de\/DWhodunit\/FotosLaosKambodschaVietnam?authkey=Gv1sRgCKWi3ZWM19bfWA#\">hier<\/a> bereits untertitel zum Anschauen und genie\u00dfen. Manchmal versteht man den Text nur in Zusammenhang mit den Bildern oder andersherum. F\u00fcr den Blog waren es aber zu viele Bilder, deswegen habe ich sie extern hochgeladen. So, nun viel Spa\u00df beim Lesen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Vom 26. M\u00e4rz bis zum 15. April bin ich wieder auf gro\u00dfe Reise gegangen. Mein Ziel war keine bestimmte Stadt, sondern einfach eine Rundreise von Bangkok nach S\u00fcdlaos, durch Ostkambodscha, den gesamten Weg von S\u00fcd- nach Nordvietnam, und zur\u00fcck nach Bangkok durch Nordlaos. Hier k\u00f6nnt ihr die Reiseroute sehen. Der H\u00f6hepunkt meines Trips sollte eigentlich das Songkran-Fest in Chiang Mai darstellen, was ich aber aufgrund gewisser \u00e4u\u00dferer und teils selbst verschuldeter Umst\u00e4nde nicht einhalten konnte. Au\u00dferdem habe ich auf der Reise gelernt, wie man einen Motorroller f\u00e4hrt, dass man niemals etwas aus einem heiligen Ort stehlen sollte (es gibt daf\u00fcr auch keine Wiedergutmachung), dass ich auch mitten im Nirgendwo mindestens zwei Tage \u00fcberleben kann und dass in gewissen Situation Geld und Prinzip auch mal keine Rolle spielen sollten. Auf der Reise bin ich zweimal bestohlen worden, habe mir meinen gro\u00dfen Zeh arg verletzt und angeblich zwei Fortbewegungsmittel zunichte gemacht. Noch nie habe ich mich so sehr \u00fcber einen Bus echauffiert wie in H\u00e0 N\u1ed9i, kaum habe ich je zuvor eine so sch\u00f6ne Natur bestaunen d\u00fcrfen wie im Bolavan-Plateau und noch nie zuvor konnte ich die Geschwindigkeit und die damit verbundene Freiheit vermischt mit Lebensm\u00fcdigkeit f\u00fchlen wie in Phnom Penh \u2026 alles in allem, eine extrem spannende, erlebnisreiche, unvergessliche, nicht gerade stressfreie, aber doch lohnenswerte Reise, von der ich eines wei\u00df: Nie wieder Vietnam, ich bin in diesem Land wohl nicht willkommen!<\/p>\n<p><a href=\"#bangkok-pakse\">Von Bangkok nach Pakse (26.03.2010)<\/a> (Thailand-Laos)<br \/>\n<a href=\"#pakse\">Pakse (27. \u2013 29.04.2010)<\/a> (Laos)<br \/>\n<a href=\"#pakse-dondet\">Von Pakse nach Don Det (29.03.2010)<\/a> (Laos)<br \/>\n<a href=\"#dondet\">Don Det (29. \u2013 30.03.2010)<\/a> (Laos)<br \/>\n<a href=\"#dondet-kratie\">Von Don Det nach Kratie (30.03.2010)<\/a> (Laos-Kambodscha)<br \/>\n<a href=\"#kratie\">Kratie (30.03. \u2013 31.03.2010)<\/a> (Kambodscha)<br \/>\n<a href=\"#kratie-pp\">Von Kratie nach Phnom Penh (31.03.2010)<\/a> (Kambodscha)<br \/>\n<a href=\"#pp\">Phnom Penh (31.03. \u2013 02.04.2010)<\/a> (Kambodscha)<br \/>\n<a href=\"#pp-hcmc\">Von Phnom Penh nach H\u1ed3-Ch\u00ed-Minh-Stadt\/S\u00e0i G\u00f2n (02.04.2010)<\/a> (Kambodscha-Vietnam)<br \/>\n<a href=\"#hcmc\">H\u1ed3-Ch\u00ed-Minh-Stadt\/S\u00e0i G\u00f2n (02. \u2013 03.04.2010)<\/a> (Vietnam)<br \/>\n<a href=\"#nhatrang\">Nha Trang (04. \u2013 05.04.2010)<\/a> (Vietnam)<br \/>\n<a href=\"#nhatrang-hue\">Von Nha Trang nach Hu\u1ebf (05. \u2013 06.04.2010)<\/a> (Vietnam)<br \/>\n<a href=\"#hue\">Hu\u1ebf (06. \u2013 07.2010)<\/a> (Vietnam)<br \/>\n<a href=\"#hue-hanoi\">Von Hu\u1ebf nach H\u00e0 N\u1ed9i (07. \u2013 08.04.2010)<\/a> (Vietnam)<br \/>\n<a href=\"#hanoi\">H\u00e0 N\u1ed9i (08. \u2013 12.04.2010)<\/a> (Vietnam)<br \/>\n<a href=\"#hanoi-vientiane\">Von H\u00e0 N\u1ed9i nach Vientiane (12. \u2013 13.04.2010)<\/a> (Vietnam-Laos)<br \/>\n<a href=\"#vientane-udon\">Von Vientiane nach Udon Thani (13.04.2010)<\/a> (Laos-Thailand)<br \/>\n<a href=\"#udon\">Udon Thani (13. \u2013 14.04.2010)<\/a> (Thailand)<br \/>\n<a href=\"#bangkok\">Zur\u00fcck in Bangkok (15.04.2010)<\/a> (Thailand)<\/p>\n<p><a href=\"#vorwort\">Seitenanfang<\/a><br \/>\n<a name=\"bangkok-pakse\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p><strong>Von Bangkok nach Pakse (26.03.2010)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nachdem ich am Freitag alle zu erledigenden Dinge in der Schule und privat abgeschlossen, meine Sachen f\u00fcr die gro\u00dfe Reise gepackt und den beiden Sch\u00fclern in Bangna Deutschunterricht gegeben hatte, konnte ich gelassen mit dem Taxi (obgleich mir die Maid der Familie in Bangna zu einem Bus, der nie ankam, geraten hatte) zum Hua Lamphong fahren und \u2026 ja, genau, noch zwei Stunden auf meinen Zug nach Ubon Ratchathani (ab jetzt nur noch Ubon) warten, weil ich f\u00fcr die gerade abfahrenden Bahn etwas zu sp\u00e4t angekommen war. So verbrachte ich die Zeit bis 23 Uhr wartend und Verpflegung kaufend auf dem Bahnhof, bis ich endlich in den f\u00fcr thail\u00e4ndische Verh\u00e4ltnisse extrem kalten Zug, der nie w\u00e4rmer wurde, stieg. Ich musste mir eine Vierersitzgruppe mit einer Frau mit ihren zwei Kindern, die mich tats\u00e4chlich noch bis an die laotische Grenze begleiten sollten, und einer anderen \u00e4lteren Dame teilen. Es war nicht leicht, guten Schlaf zu finden und so wachte ich etwas \u00fcberm\u00fcdet gegen halb elf morgens nach zw\u00f6lf Stunden Fahrt in Ubon auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auf dem Bahnhof a\u00df ich zum Fr\u00fchst\u00fcck meinen in Bangkok gekauften Donut und lie\u00df mir von der Information den Weg zum Busbahnhof erkl\u00e4ren. Zwar hatte ich bereits eine Motorradfahrt bis auf 10 Baht f\u00fcr die Strecke ausgehandelt, aber da ich es nicht passend hatte, gab ich dem guten Mann teure 20 Baht. Auf dem Busbahnhof selbst musste ich nur Chong Mek, den Namen der Grenzstadt sagen, und schon sa\u00df ich in einem Bus nach Phibun, weil es keine Direktverbindung gab. Nach einer Stunde fahrt und 35 Baht f\u00fcr die Strecke wurden alle auf ein Songthaew verladen, wobei es sich eher um ein Saamthaew handelte und bei einer Kapazit\u00e4t von h\u00f6chstens 20 Menschen ohne Gep\u00e4ck bei momentanen 30 Reisenden mit Taschen, Reiss\u00e4cken und allerhand Ger\u00e4tschaften etwas sehr voll und unangenehm schien. Die Fahrt dauerte gef\u00fchlt ewig \u00fcber eine endlos lange, gerade Stra\u00dfe und konnte nur durch die sch\u00f6ne bewaldete Landschaft, Berge und Seen relativiert werden. Auf dem Weg bis zur Grenze wurden immer wieder Leute auf kleinen D\u00f6rfern abgeladen, sodass ich fast der Einzige war, der bis Chong Mek geblieben war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es war leicht, das enorme Grenzgeb\u00e4ude zu finden, also aus Thailand hinauszukommen, w\u00e4hrend sich danach die Suche nach einem so genannten \u201evisa upon arrival\u201c als ziemlich kompliziert darstellte, weil sich hinter dem daf\u00fcr vorgesehenen Fenster kein Offizieller blicken lie\u00df. Die Grenze war gar nicht touristisch und haupts\u00e4chlich Thais passierten sie. Ich habe zu der Zeit keinen anderen Touristen gesehen. Irgendwann bekam ich dann das Visum f\u00fcr 30 US-Dollar (mit einem furchtbar schlechten Wechselkurs durfte ich stattdessen auch 1300 Baht hinlegen) und 50 Baht Stempelgeb\u00fchr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In Laos gab es nichts, was nach Pakse f\u00fchren sollte, zumindest keinen \u00f6ffentlichen Bus. Also schlugen mir ein paar Laoten einen erst recht dubios scheinenden Minibus vor, der mich f\u00fcr 100 Baht bis nach Pakse bringen sollte. Im Van unterhielt ich mich mit einem laotischen Jungen in meinem Alter auf Thai und Englisch, wobei ich sein Englisch nahezu gar nicht verstand und ihm es wohl mit meinem Thai genauso ergangen sein musste. Ich hatte nie das Gef\u00fchl, dass die Fahrt klappen w\u00fcrde \u2026<\/p>\n<p><a href=\"#vorwort\">Seitenanfang<\/a><br \/>\n<a name=\"pakse\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p><strong>Pakse (27. \u2013 29.04.2010)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aber schlie\u00dflich kam ich doch in Pakse an und musste mit einem Tuk-Tuk zum \u201eSabaidy 2 Guesthouse\u201c gefahren werden. In der Unterkunft erkundigte ich mich nach einem freien Zimmer zun\u00e4chst bei einem Mann, der sich bald selbst als Tourist entpuppte und den Inhaber aus dem Tiefschlaf holen musste. Das Einchecken verlief etwas ungew\u00f6hnlich, weil ich noch keine laotischen Kip hatte und der Mann meinen gro\u00dfen 1000-Baht-Schein nicht wechseln wollte. Also machte ich mich auf die Suche nach einem ATM, konnte ja nicht so schwer sein in der gr\u00f6\u00dften Stadt S\u00fcdlaos\u2018. War es aber, denn obgleich ich drei verschiedene Geldautomaten fand, wollte mir keiner mein gefordertes Geld geben. So steckte ich die Kreditkarte wieder ein und musste mit meiner Notfallkarte aus Deutschland mit hohen Geb\u00fchren und schlechtem Wechselkurs eine halbe Million Kip abheben. Leider war kein Dorm mehr frei, also musste ich wohl oder \u00fcbel ein teures Einzelzimmer f\u00fcr 40.000 Kip nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nachdem ich mich kurz eingerichtet hatte, ging ich auf Essenssuche und traf die beiden Kanadafranzosen in einem Restaurant wieder, von denen ich den \u00e4lteren Herrn ja aus Versehen nach einem Zimmer im Guesthouse gefragt hatte. Wir sprachen nicht sehr viel miteinander. Die junge Frau und der Mann sprachen ein mir recht fremdes Franz\u00f6sisch, weshalb ich mich nur auf Englisch mit ihnen unterhielt. Danach suchte ich mir ein Fahrrad, was es aber nicht gab. Man verlieh nur Motorroller. In diesem Moment gingen mir zwei Dinge durch den Kopf: 1.) Das hast du noch nie gemacht, lass es lieber! 2.) Das hast du noch nie gemacht, warum nicht jetzt? Gl\u00fccklicherweise entschied ich mich f\u00fcr Letzteres und lie\u00df mir etwa 10 Minuten vom Verleiher zeigen, wie so ein manueller Motorroller funktioniert. F\u00fcr 60.000 Kip bekam ich es leer, das hei\u00dft, ich w\u00fcrde es auch gleich noch auftanken m\u00fcssen. Also fuhr ich zur n\u00e4chsten Tankstelle, v\u00f6llig unge\u00fcbt und sehr wackelig, aber schlie\u00dflich wurde es mir f\u00fcr 20.000 Kip komplett vollgetankt. Was f\u00fcr ein Preis! Damit w\u00fcrde ich mindestens 150 Kilometer kommen, kein Vergleich zu Europa \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich \u00fcbte noch eine Weile in der Stadt, bevor ich mich zum Guesthouse begab, um die Reiseroute f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag zu planen. Eine alte Frau sprach mich bald auf Deutsch an und erz\u00e4hlte mir ihre Lebensgeschichte, von der ich eigentlich gar nichts wissen wollte. Sie beschwerte sich arg \u00fcber den Kommunismus und Leute, die kein Englisch sprechen. Sie behauptete, selbst 18 Sprachen inklusive Thai einst gesprochen zu haben; ich konnte mich immerhin von Deutsch, Englisch und Franz\u00f6sisch \u00fcberzeugen. Es war einfach nur ein ewiges Zuh\u00f6rgespr\u00e4ch, aus dem ich aus H\u00f6flichkeit nicht fliehen wollte, bis ich mich vor M\u00fcdigkeit langsam in mein Zimmer schlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Da ich bereits zeitig am n\u00e4chsten Morgen aufstand, war ich schon halb neun auf dem Motorrad, mit dem ich im T-Shirt (was anfangs sehr kalt, dann aber doch unglaublich hei\u00df war) immer Richtung Ortsausgang von Pakse steuerte. Die Stra\u00dfe war einfach nur ewig lang, aber es war Freiheit pur. Obgleich es nur eine Stra\u00dfe gab, vergewisserte ich mich auf meinen Karten mehrmals, ob die Richtung \u00fcberhaupt stimmen w\u00fcrde, da die Meilensteine (welch tolle Erfindung!) anfangs keine mir bekannten Orte verrieten. Laut Karte war es auch sehr simpel, den ersten Wasserfall innerhalb des so genannten \u201eBolavan-Plateaus\u201c zu finden: Einfach immer geradeaus, bis zu einem kleinen \u00d6rtchen namens \u201eBaan Ithu\u201c, dann rechts abbiegen. Kann ja nicht schwer sein!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Tats\u00e4chlich hie\u00df aber jeder Ort nur \u201eBaan Lak\u201c versehen mit einer Nummer danach. Es gab allerdings im \u201eBaan Lak 38\u201c ein Hinweisschild auf den Tad Fan, dem ich \u00fcber einen Sandweg bis zu einem Parkplatz folgte. Dort musste ich mein Motorrad abstellen, um den Rest zu Fu\u00df zur\u00fcckzulegen. Es gab hier keinen Wasserfall, lediglich einen \u201eView Point\u201c. Von dort aus konnte ich zwar zwei wundervolle absolut hohe und steile, gleichzeitig aber extrem schmale Wasserf\u00e4lle erblicken, deren Tosbecken nicht einmal sichtbar war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nat\u00fcrlich wollte ich als Entdecker den Fu\u00df dieser Wasserf\u00e4lle erreichen und so suchte ich mir einen Weg durch Gestr\u00fcpp, \u00fcber Wurzeln und einen Berghang hinab. Leichter gesagt als getan: Es gab nur einen schmalen Trampelpfad durch laotischen Dschungel, der immer steiler wurde. Nachdem ich eine auf ihren Freund wartende Touristin auf dem Weg \u00fcberholt hatte, st\u00fcrzte ich gleich ein paar Meter den Abhang hinunter und kam erst dank herumliegender Wurzeln zum Halt. Es tat ein bisschen weh, ich war furchtbar dreckig und meine Flip-Flops rutschten noch ein paar Schritte weiter nach unten und hielten nur knapp vor einem noch steileren Abhang an, sodass ich sie gl\u00fccklicherweise noch aus dem Dickicht fischen konnte, bevor ich mich weiter Richtung Wasserfall nach unten durchschlug. Irgendwann traf ich das besagten \u201eFreund\u201c, der mir in klar erkennbaren franz\u00f6sischen Akzent auf Englisch zu verstehen gab, dass er auch keine Ahnung h\u00e4tte, wie man weiter nach unten k\u00e4me, als ich an einer Zwischenstufe eines Wasserfalles mit herrlicher Aussicht \u00fcber den Dschungel angekommen war. Auf der anderen Seite ging es wieder nach oben, aber nirgends weiter nach unten, weshalb ich wohl oder \u00fcbel wieder umkehren musste und den gesamten Abhang unter tropfendem Schwei\u00df wieder hochkroch bzw. mich vorrangig an B\u00e4umen und Wurzeln hochzog.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gegen 10.30 Uhr stieg ich v\u00f6llig nassgeschwitzt und bereits voller Sonnenbrand an den Armen wieder auf den Roller und begab mich zum n\u00e4chsten Wasserfall namens Tad Lo. Ich war nur einmal kurz falsch abgebogen und ansonsten nur richtig gefahren. Dank der Meilensteine wusste ich auch immer in etwa, wo auf der Karte ich mich gerade befinde. Als ich an einem Hinweisschild zum Tad Lo ankam, stand ich nach ein paar Metern pl\u00f6tzlich vor einer Abzweigung, an der zwar etwas auf Laotisch geschrieben stand, jedoch meines Erachtens nichts mit dem Wasserfall zu tun hatten. Zwei andere Motorradfahrer kamen an dieselbe Stelle und wir wussten nicht weiter. Zun\u00e4chst entschieden wir uns f\u00fcr den falschen Abzweig und kamen an einem sch\u00f6nen See mit badenden Leuten an. Ich fragte nach dem Weg, aber sie beschrieben ihn so kompliziert, dass wir drei uns entschlossen, einfach die andere Abzweigung zu nehmen. Gesagt, getan: Bald wurden wir mit einem malerischen kleinen Wasserfall belohnt. Die auch auf dem Motorrad angekommene Franz\u00f6sin Fiona war ebenso hungrig wie ich gewesen und so planten wir beim gemeinsamen Mittagessen, wie man am besten zu dem Tad Lo, an dem wir ja noch nicht waren, kommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bald liefen wir los, aber der Weg schien zu weit. Also stiegen wir auf das Motorrad und fuhren einen Weg neben dem kleinen Wasserfall entlang. Irgendwann landeten wir \u201eauf\u201c dem Tad Lo, an dessen Fu\u00dfe Touristen badeten. Aber irgendwie war er immer noch entt\u00e4uschend klein, also qu\u00e4lten wir die Motorr\u00e4der noch weiter nach oben, Richtung Tad Suong. Nach zwei Kilometern ging es nicht mehr geradeaus, sondern nur noch rechts in ein Dorf. Wir fanden keinen Wasserfall und durchquerten das Dorf, bis uns entgegen kommende laotische Kinder nach unserer Destination fragten. Sie zeigten uns den Weg zum Wasserfall, der uns direkt in das Dorf f\u00fchrte. Wir folgten ihnen etwas skeptisch und mussten bald von den Motorr\u00e4dern steigen. W\u00e4hrend Fiona auf die Bikes aufpasste und mit den kleinen Kindern Fu\u00dfball spielte, folgte ich einem etwa 15-j\u00e4hrigen Dorfbewohner in Richtung Wasserfall. Es ging wieder durch eine verwilderte Landschaft, \u00fcber Stock und \u00fcber Stein, und bald wurde es mir zu \u00f6de. Ich fragte ihn in einem Mix aus Thai und Laotisch, wie viele Meter es denn noch bis zum Wasserfall w\u00e4ren. Dann zeigte er, als w\u00e4re es das Selbstverst\u00e4ndlichste der Welt, eine Zwei mit den Fingern. Ich erschrak und vergewisserte mich \u201esoong phan met?\u201c, was er ebenso gleichg\u00fcltig bejahte. Solange wollte ich die arme Fiona nicht in dem Dorf lassen und wir kehrten um. Wir entschlossen uns, umzukehren und zum ersten Wasserfall zur\u00fcck zu fahren, woraufhin uns die uns umringenden Kinder noch um Geld anbettelten. Ohne Gabe fuhren wir zur\u00fcck, stellten unsere R\u00e4der ab und liefen zu dem Tad Lo, dem zweiten Wasserfall, auf dem wir ja bereits gestanden hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mittlerweile waren nur noch Laoten dort, die sich entsprechend kichernd \u00fcber uns unterhielten, als wir dort in europ\u00e4isch gewohnter Badebekleidung ins erfrischend k\u00fchle Nass sprangen. Ich schaffte es sogar als Einziger, bis direkt unter die Fallkante zu schwimmen und dort eine unvergesslich herrliche Dusche zu genie\u00dfen. Leider gibt es davon kein Foto, weil ich meine Wertsachen nicht unbeaufsichtigt liegen lassen wollte und im Motorradschlie\u00dffach gelassen hatte. Weil Fiona noch einen Tag dort bleiben wollte, fuhr ich am Abend allein nach Pakse zur\u00fcck. Gl\u00fccklicherweise fand ich bald eine Tankstelle in der Wildnis und so konnte ich die 90 Kilometer relativ gelassen zur\u00fccklegen; relativ deswegen, weil es bereits 16 Uhr war und ich das Motorrad bis 17 Uhr zur\u00fcckgeben sollte. Deswegen heizte ich mit H\u00f6chstgeschwindigkeit \u00fcber die Landstra\u00dfen und kam dabei durch zahlreiche D\u00f6rfer. Nach einer Abbiegung fehlten pl\u00f6tzlich f\u00fcr 20 Kilometer Meilensteine mit der Aufschrift Pakse, was mich sehr beunruhigte. Noch dazu stand ich auf einmal vor einer riesigen Baustelle, die von weiter Entfernung aus gesehen keinen Verkehr durchzulassen schien. Ich folgte jedoch guten Mutes diesem Weg und wurde schlie\u00dflich mit einer sehr gut ausgebauten Autobahn nach Pakse belohnt. Noch einmal kurz Kraftstoff f\u00fcr 5.000 Kip geholt und dann konnte ich den Roller auch mal so richtig ausfahren. Ich holte mir beim Verleih meinen Reisepass wieder und lief nach Hause.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auf dem Weg traf ich aber die junge Kanadafranz\u00f6sin Melissa im Restaurant. Wir unterhielten uns eine Weile und verabredeten uns zum Abendessen, zu dem ich sie dann auf Gentleman-Art auch einlud. Schlie\u00dflich setzten wir uns am sp\u00e4ten Abend noch mit einem laotischen Angestellten unserer Unterkunft zusammen, weil der gleichzeitig Englisch und Franz\u00f6sisch lernen wollte. Dieser hatte ein auf Laotisch gehaltenes Buch, das die einfache englische Grammatik erkl\u00e4rt, wobei er jedoch unsere Hilfe ben\u00f6tigte. Er war erstaunt, dass ich die meisten laotischen W\u00f6rter auf Anhieb dank Thai lesen konnte und mich auch in einfachen S\u00e4tzen ausdr\u00fccken konnte. Wer ein bisschen Thai kann und wei\u00df, welche Unterschied es zwischen Thai und dem Laotischen gibt, der kann letztere Sprache recht schnell sprechen. So erkl\u00e4rte ich die Aussprache der englischen W\u00f6rter, Melissa \u00fcbersetzte ein paar \u00dcberlebenss\u00e4tze ins Franz\u00f6sische und der Einheimische korrigierte meine laotischen Vorlesungen. Bald gesellte sich noch ein anderer Angestellter dazu, der erstaunlicherweise vier Sprachen recht flie\u00dfend sprach: seine native Minderheitssprache, Laotisch, Thai und Englisch. Einfach nur beneidenswert!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Leider stand ich am n\u00e4chsten Morgen viel zu sp\u00e4t, das hei\u00dft 7.30 Uhr, auf, sodass ich \u2013 Fr\u00fchst\u00fcck und Anfahrt einberechnet \u2013 erst ein sehr sp\u00e4tes Songthaew in die 4000-Inseln-Region nehmen k\u00f6nnte. Wie Lonely Planet es sch\u00f6n vorschl\u00e4gt, sagte ich dem wartenden Tuk-Tuk-Fahrer netterweise \u201eKriangkai\u201c-Bushaltestelle. Dort sollten angeblich billige Songthaew nach Baan Nakasang nahe Don Det, meinem n\u00e4chsten Ziel, abfahren. Der Tuk-Tuk-Fahrer gehorchte, und da ich wusste, dass es ein weiter weg bis zu der Station w\u00e4re, war ich von Anfang an bereit, ihm einen etwas h\u00f6heren Betrag f\u00fcr die Fahrt zu geben. Nach einer kurzen Fahrt hielt er aber auf einem gro\u00dfen Busbahnhof an und meinte zu mir nur, dass mein Bus bereits abgefahren sei! Nat\u00fcrlich protestierte ich, dass ich nicht auf diese Station wollte, sondern viel weiter au\u00dferhalb der Stadt. Er zeigte mir an einem Schild, dass diese Bushaltestelle den Namen \u201eKriangkai\u201c tr\u00e4gt (ja, Lonely Planet hat auch nicht immer recht!) und dass ich ihm \u201eSouthern Bus Station\u201c h\u00e4tte sagen m\u00fcssen. V\u00f6llig emp\u00f6rt gab ich ihm die versprochenen 10.000 Kip und suchte mir einen viel netteren Saamloo-Fahrer, der mich f\u00fcr nur 8.000 Kip viel weiter brachte, und zwar genau zu Songthaew-Station. Es war mittlerweile kurz vor neun.<\/p>\n<p><a href=\"#vorwort\">Seitenanfang<\/a><br \/>\n<a name=\"pakse-dondet\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p><strong>Von Pakse nach Don Det (29.03.2010)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dort brauchte ich nur \u201eDon Det\u201c zu denken, schon wurde ich in ein Songthaew (was wieder ein Saamthaew war) gezerrt. Der Rucksack landete auf dem Dach, ich im Gef\u00e4hrt und einen Preis konnte ich gar nicht aushandeln. Sch\u00f6n leer war der Dreireiher, der sich jedoch innerhalb weniger Minuten stark f\u00fcllte. Schlie\u00dflich wurde noch der Kanadier Bob aufgeladen, mit dem ich mich aber kaum unterhielt. Wir fuhren los. So schien es zumindest. Nach ganzen einhundert Metern blieben wir stehen. Dieser Zustand sollte auch noch etwa eine halbe Stunde so anhalten. W\u00e4hrend keiner die Warterei verstand, wurden alle herumlaufenden potenziellen Passanten angequatscht, ob sie denn mitfahren m\u00f6chten, bis das Fahrzeug wirklich voller als voll war. Die Kinder sa\u00dfen auf dem Scho\u00df der Eltern, um die Beine herum waren Reiss\u00e4cke gestellt und einige Mitfahrenden mussten auf der Hecktreppe stehen. Es wurde zu einer mehrst\u00fcndigen Fahrt \u00fcber eine einzige gerade Stra\u00dfe, auf der immer wieder Leute auf- und abgeladen wurden, bis in Baan Nakasang praktisch nur noch der Kanadier und ich \u00fcbrig waren. Wir wurden bis an den Mekong gefahren, von wo aus wieder eine teure F\u00e4hre (weil wir nur zu zweit waren) nach Don Det nehmen mussten. Die F\u00e4hre war nichts als ein schwimmendes Brett mit 08\/15-Holzb\u00e4nken und einem nutzlosen Dach, aber es war ganz angenehm, die 4000 Inseln zu durchqueren, um schlie\u00dflich auf einer der Hauptinseln anzukommen.<\/p>\n<p><a href=\"#vorwort\">Seitenanfang<\/a><br \/>\n<a name=\"dondet\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p><strong>Don Det (29. \u2013 30.03.2010)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aus reiner H\u00f6flichkeit zeigte mir der Kanadier noch eine billige Unterkunft weit entfernt des touristischen Get\u00fcmmels, woraufhin ich ihn noch zu einem Bier einlud. Nach einer St\u00e4rkung und kurzer Eingew\u00f6hnung mietete ich mir ein klappriges Damenrad ohne Gangschaltung, mit dem ich die Insel und vor allem die umliegenden Wasserf\u00e4lle erkunden wollte. Don Det \u00e4hnelte praktisch einem gro\u00dfen Zeltplatz in Europa. Es war keine Gegend, in der ich mich wohlf\u00fchlte, also radelte ich so schnell wie m\u00f6glich los. Ich hatte keine genaue Karte, nur eine Lonely-Planet-\u00dcbersicht des gesamten Si-Phan-Don-Gebietes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zuf\u00e4lligerweise traf ich unterwegs den Kanadier wieder, der mir erkl\u00e4rte, dass ich etwa vier Kilometer bis zu einer Br\u00fccke fahren sollte und es dann nur noch ein leicht zu findender Zwei-Kilometer-Weg bis zum Wasserfall sei \u2013 er beschrieb mir jedoch den Weg zum Tad Somphamit und nicht zum gr\u00f6\u00dften Wasserfall S\u00fcdostasiens namens Khon Phapheng, was ich erst sp\u00e4ter herausfinden sollte. Die Beschreibung klang ja leicht \u2013 und so\u00a0 kam ich auch problemlos an der besagten Br\u00fccke an, wo sich der so angenehme Sandweg pl\u00f6tzlich in einen Schotterpfad verwandelte. Denkbar ung\u00fcnstig f\u00fcr ein Fahrrad fuhr ich immer weiter geradeaus und ignorierte wohl jegliches Hinweisschild, denn es kam kein Wasserfall. Ich h\u00f6rte nicht einmal Wasser rauschen. Vor mir lag nur ein ewiger, endlos scheinender Waldweg, den ich mit niemals mehr als 5 km\/h bezwingen konnte. Es war hei\u00df, schw\u00fcl, dr\u00fcckend, schwei\u00dftreibend, endlos und aussichtslos, es gab keinen Menschen weit und breit, ich hatte keine Orientierung, aber st\u00e4ndig Angst vor einem Platten. W\u00fcrde ich je irgendwo ankommen? Aber ja, der Weg muss ja irgendwo hinf\u00fchren \u2026 und wenn nicht zu einem Wasserfall, dann zu etwas anderem Interessanten. St\u00e4ndig sagte ich mir: Noch bis zur n\u00e4chsten Abbiegung und wenn dort nichts ist, dann drehe ich um. Aber entweder kam keine Abbiegung oder ich war einfach zu neugierig, was sich hinter der n\u00e4chsten Kurve befinden k\u00f6nnte. Hin und wieder sah ich ein kleines Feuer mitten im staubtrockenen Wald lodern, bis ich schlie\u00dflich nach gef\u00fchlten 10 Kilometern an einer Weggabelung ankam, auf die bald ein kleines Dorf folgte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Hinter dem Dorf befand sich auch ein See \u2026 aber nein, es war der Mekong! Ich hatte also einmal die Insel Don Khon (die ich ja \u00fcber eine Br\u00fccke von Don Det aus erreicht hatte) durchquert. Laut Lonely Planet musste ich am so genannten \u201eDolphin Spot\u201c gelandet sein. Dort sa\u00dfen tats\u00e4chlich auch Touristen, mit denen ich aber kein Wort wechselte. Stattdessen ging ich direkt auf den Mekong zu, wartete, bis keiner der Dorfbewohner mehr hinsah, und sprang dann in den Riesenfluss. Ich schwamm ein paar Meter, bis mich recht gro\u00dfe Fische umringten und mich aus dem Wasser vertrieben. Aber immerhin hatte ich meine Abk\u00fchlung, kaufte mir im Dorf noch ein Wasser und fuhr dann einen anderen, viel k\u00fcrzeren und angenehmeren Weg zur\u00fcck zur Br\u00fccke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich fuhr noch einmal in eine andere Richtung, in der Hoffnung, den Wasserfall zu erreichen, aber ich merkte bald, dass es wieder die falsche Richtung war. So kehrte ich also um und erreichte den Wasserfall tats\u00e4chlich nach einigen Kilometern, allerdings im Mondschein und ohne eine Menschenseele! Nachdem ich ein bisschen \u00fcber die Felslandschaft geklettert war, ersp\u00e4hte ich ein paar badende Einheimische, die ich lieber nicht st\u00f6ren wollte. So versuchte ich, trotz Warnschild mich immer weiter nach unten so weit wie m\u00f6glich an den Wasserfall heran zu tasten, obgleich es ja keinen Weg dorthin gab. Aber ich schaffte es glimpflich, mit meinen Flip-Flops die Steinw\u00e4nde hinab- und erfolgreich wieder hinaufzusteigen. Die Gegend war bei Nacht und im Mondschein einfach nur idyllisch und ich h\u00e4tte ewig dort bleiben k\u00f6nnen. Allerdings hatte ich bis nach Hause noch gute sechs Kilometer ohne Licht am Rad, immer am Wasser entlang (gef\u00e4hrlich!), vor mir. Diese bew\u00e4ltigte ich aber gekonnt und so hatte ich doch einiges an diesem eigentlich kurzen Tag geschafft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In einem Reiseb\u00fcro kaufte ich mir noch ein billiges Ticket nach Stung Treng (sprich: S-t\u00fcng Trscheng) in Kambodscha f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag und begab mich danach in meine Ecolodge. Bereits beim Betreten dieser sehr einfach gehaltenen Unterkunft auf einer Insel, die vor zwei Jahren noch nicht einmal Strom hatte, begr\u00fc\u00dfte mich eine riesige Kakerlake, die im T\u00fcrrahmen sofort zu Bett ging, nachdem sie mich gesehen hatte. Die Nacht selbst war absolut unruhig, weil mir der Ventilator direkt ins Gesicht wehte, drau\u00dfen der Wind das Dach fast abhob und schon gegen vier Uhr morgens die H\u00fchner und Laoten um mein Haus herum zu arbeiten anfingen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So war ich auch am n\u00e4chsten Morgen der erste in jedem touristischen Restaurant, die meisten waren sogar noch geschlossen. Nach einem sehr g\u00fcnstigen Fr\u00fchst\u00fcck wartete ich mit ein paar anderen Touristen am Strand auf das Boot, dass uns zu dem Bus nach Kambodscha bringen sollte.<\/p>\n<p><a href=\"#vorwort\">Seitenanfang<\/a><br \/>\n<a name=\"dondet-kratie\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p><strong>Von Don Det nach Kratie (30.03.2010)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auf der Bootsfahrt lernte ich den K\u00f6lner Chris kennen, mit dem ich mich dann die gesamte Busfahrt unterhielt. Bis zur kambodschanischen Grenze war es nicht weit. Alles raus aus dem Bus, zum Ausstempeln aus Laos anstellen (1 Dollar), dann zum Gesundscheck (noch mal 1 Dollar!), ein kambodschanisches Visum einsacken (23 Dollar) und zu guter Letzt noch mal zum Einstempeln nach Kambodscha (wieder 1 Dollar!?) anstellen, dann war ich in Kambodscha, dem wohl staubigsten Land in S\u00fcdostasien. Alle waren durch die Grenze gekommen und \u2026 warteten, warteten, warteten. Worauf? Das wusste lange keiner. Etwa eine Stunde standen wir ratlos herum \u2013 bis irgendwann eine Kolonne von mindestens zehn schwarzen Lexus-SUVs die Grenzschranke passierte, vor unserem neuen Bus stehen blieb, eine Umschlag\u00fcbergabe stattfand und die Kolonne sich schlie\u00dflich weiter Richtung Kambodscha fortbewegte. Ich will gar nicht wissen, wie viele tausend Dollar sich in dem braunen Umschlag befanden! Jedenfalls ging es sofort nach dieser Aktion mit dem neuen Bus in alter Sitzordnung weiter nach Stung Treng, einem Ort, in dem es angeblich keine Touristen, keine Verleihstellen und nahezu keine Unterk\u00fcnfte f\u00fcr Nicht-Kambodschaner g\u00e4be, so zumindest der Ticket-einsammel-und-kontrollier-Mann in unserem Bus. Lange redete er auf mich ein, weil ich doch angeblich der Einzige, der dort aussteigen wollte, sei. Ich erfuhr, dass noch eine nach Kratie (sprich: Kratschje) wollte, ansonsten w\u00fcrden alle nach Siem Reap (sprich: Sjem Rijap) fahren oder in Stung Treng in einen anderen Bus nach Banlung verladen. Ich lie\u00df mir nichts aufschwatzen und stieg in Kratie aus. Als ich meine Tasche herausholen wollte, sah ich einen anderen Touristen, der Gleiches tat. Er wollte auch in Stung Treng bleiben \u2013 und wieder redete der Ticketverk\u00e4ufer auf uns ein. Das Ticket nach Kratie w\u00e4re von hier aus ja nur sieben Dollar; und um von dieser Stadt wegzukommen, g\u00e4be es nur diesen einen Bus! Wir beide lie\u00dfen uns \u00fcberreden, aber handelten von sieben Dollar pro Person auf acht Dollar zusammen, also vier f\u00fcr jeden, herunter. Das war immer noch teurer als ein urspr\u00fcngliches Direktticket von Don Det nach Kratie, aber nun waren wir schon zu dritt, die in diese Ein\u00f6de wollten.<\/p>\n<p><a href=\"#vorwort\">Seitenanfang<\/a><br \/>\n<a name=\"kratie\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p><strong>Kratie (30.03. \u2013 31.03.2010)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In Kratie angekommen, stiegen also wirklich nur die Belgierin Katleen, der Chilene Alejandro und ich aus. Und wieder nervte uns der Ticketverk\u00e4ufer! Da er ja in dieser Stadt zu Hause sei, kannte er sich bestens aus und empfahl uns gleich ein superbilliges Guesthouse f\u00fcr drei Dollar. Wir lie\u00dfen es uns wenigstens zeigen und entschieden uns schlie\u00dflich daf\u00fcr. Der Chilene und ich teilten uns sogar noch diesen billigen Raum, sodass jeder nur unglaublich 1,50 US$ f\u00fcr eine Nacht bezahlte. Die Belgierin nahm einen eigenen Raum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nachdem wir uns kurz akklimatisiert und eingew\u00f6hnt hatten, gab es noch die Idee, von der uns der Ticketverk\u00e4ufer erz\u00e4hlt hatte, zum so genannten \u201eDolphin Spot\u201c zu fahren, um dort die seltenen Irrawaddy-Delfine in freier Natur zu beobachten. Es schien von Anfang an recht teuer, sodass wir mit allen herumstehenden Motorrad- und Tuk-Tuk-Fahrern diskutierten, bevor wir uns schlie\u00dflich entschieden, uns doch f\u00fcr drei Dollar pro Person darauf einzulassen. In dem besagten Guesthouse gab es noch eine Jugendgruppe bestehend aus Niederl\u00e4ndern, Australiern und einer Kanadierin, die aber die Tour zu den Delfinen nicht mitmachen wollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bevor uns der Fahrer bis zum Ziel brachte, hielten wir erst an einem ATM an, an dem uns der schon altbekannte Ticketverk\u00e4ufer noch einen Bus nach Phnom Penh andrehen wollte. Das Angebot f\u00fcr sechs Dollar klang gut und so nahmen der Chilene und ich eines. Danach hielt er Tuk-Tuk-Fahrer an einer Tankstelle an und verlangte einen Vorschuss der Fahrtkosten, damit er den Preis f\u00fcr den Sprit begleichen konnte. Endlich fuhren wir drei ganze 17 Kilometer mit einem klapprigen Tuk-Tuk durch viele, viele Vororte von Kratie mit freundlichen, uns gr\u00fc\u00dfenden Menschen, bis wir an der Stelle, an der man angeblich die Delfine zu Gesicht bekommen soll, ankamen. Lange diskutierten wir \u00fcber den enormen Preis von sieben Dollar pro Person, aber mit dem Versprechen, das Geld bei erfolgloser Delfinsuche zur\u00fcckzubekommen, willigten wir ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dann begaben wir uns auf ein Boot und warteten \u2026 wie viele andere Touristen (wo die auf einmal alle herkamen?) auch. Ein paar Minuten vergingen, dann bewegte sich etwas im Wasser. Schnell die Kamera gez\u00fcckt, schon war es vorbei. Dort wieder, und da, dort dr\u00fcben, hast du das gesehen?, war das nicht ein Delfin?, oh, schau mal, so nah!, ach Mist, wieder nicht mit der Kamera erwischt \u2026 es war ein Geduldsspiel, die scheuen Tiere mit der Kamera einzufangen. Es war nahezu unm\u00f6glich. Dutzende Bilder eines leeren Sees wurden geschossen, bis zum Sonnenuntergang. Niemals sah man mehr als die R\u00fcckenflosse und den R\u00fccken der Tiere, aber immerhin! Wir fuhren noch auf eine kleine Insel, von der aus wir bessere Bilder schie\u00dfen wollten, aber vergebens. Da es so schw\u00fcl an diesem Abend war, sprangen Alejandro und ich noch von der Bootsanlegestelle aus in den Mekong und hielten es keine zwei Minuten darin aus. Zitat Alejandro: \u201eThere\u2019s a forest underwater!\u201c Nach dem Sonnenuntergang traten wir die Heimreise durch die bereits stockdunklen D\u00f6rfer an, suchten uns in der Stadt ein tolles Restaurant mit g\u00fcnstigem \u201eamok trei\u201c und setzten uns mit den anderen, die wir ja schon vor der Delfintour kennen gelernt hatte, auf das Dach unserer Unterkunft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Deren Bier war aber nach kurzer Zeit bereits leer, sodass wir uns entschieden, die Stadt unsicher zu machen. Im ersten Restaurant handelten wir 24 Dosen Bier f\u00fcr 20 Dollar aus, was uns einige Zeit kostete. Nachdem sich noch zwei Schweizerinnen und der Restaurantbesitzer zu uns gesellten, machten wir uns recht sp\u00e4t noch in die von Letzterem empfohlene Karaoke-Bar auf. Sie kostete f\u00fcnf Dollar pro Stunde und befand sich in einer Privatwohnung auf einer Fl\u00e4che von h\u00f6chstens drei mal vier Metern inklusive Fernsehtisch, Ecksofa, Tisch und Toilette! Es war praktisch kein Platz f\u00fcr neun Leute in diesem K\u00e4mmerchen, aber dennoch hatten wir anderthalb Stunden gro\u00dfen Spa\u00df beim englischen Karaoke mitten im eigentlich absolut nicht touristischen Osten Kambodschas. Zur\u00fcck im Zimmer quatschte ich noch bis gegen drei Uhr nachts mit Alejandro, wobei ich zusehends m\u00fcder wurde, bis ich schlie\u00dflich fertig vom Tag einnickte und erst am n\u00e4chsten Morgen gegen 7.30 Uhr wieder erwachte.<\/p>\n<p><a href=\"#vorwort\">Seitenanfang<\/a><br \/>\n<a name=\"kratie-pp\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p><strong>Von Kratie nach Phnom Penh (31.03.2010)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach einer Dusche und einem sehr teuren, qualitativ aber billigen Fr\u00fchst\u00fcck mussten sich Alejandro und ich gar nicht bem\u00fchen, um den Bus nach Phnom Penh zu bekommen; es stand bereits ein uns abholender Motorradfahrer bereit, der zuerst den Chilenen, dann mich zum Bus brachte. Die Belgierin wollte ja noch mindestens einen Tag unter den Einwohnern Kraties weilen. W\u00e4hrend ich warten musste, wurde ich von einer sehr jungen Kambodschanerin in recht gutem Englisch angesprochen bzw. angebettelt, ob ich ihr nicht ein W\u00f6rterbuch Khmer-Englisch kaufen k\u00f6nnte, weil sie so gerne Englisch sprechen m\u00f6chte, aber kein Geld dazu hat. Den Ansatz fand ich ja sehr gut, aber die Masche war eindeutig: Geld vom Ausl\u00e4nder bekommen. Ich tue solche Sachen einfach nicht mehr; es lohnt sich einfach nicht. Wenn ich einem Menschen Geld gebe, kommen f\u00fcnf weitere an und wollen ebendasselbe. Gebe ich auch diesen etwas, so potenziert sich die Anzahl der Bettler und man lernt gezwungenerma\u00dfen irgendwann, \u201enein\u201c zu sagen, auch wenn es vielleicht schmerzt. Zur\u00fcck zur Reise: Der Motorradfahrer verlangte zun\u00e4chst einen ganzen Dollar f\u00fcr den Service von einer Strecke, die wir in f\u00fcnf Minuten h\u00e4tten laufen k\u00f6nnen, obgleich der Pick-up ja im Ticket enthalten war. Ich steckte ihm emp\u00f6rt 1000 Riel entgegen und damit war gut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir waren uns nie sicher, dass wir im richtigen Bus sa\u00dfen, weil er a) gen Norden fuhr, b) pink war und c) nur Kambodschaner darin sa\u00dfen, von denen der Gro\u00dfteil M\u00f6nche waren. Auf dem Weg wurden immer \u00e4rmere Menschen aufgegabelt, die aussahen und rochen, als k\u00e4men sie gerade vom Feld. Die Z\u00e4hne sahen aus wie noch nie geputzt (gelb und schwarz oder gar nicht mehr vorhanden) und der Geruch dieser Feldarbeiter \u00e4hnelte dem eines Fu\u00dfes, der schon sechs Monate in Gips lag. Nach einem kurzen Stopp an einer Tankstelle, an der man wohl noch nie Ausl\u00e4nder gesehen hatte, waren wir uns recht sicher, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Die Fahrt hatte uns ganze 7\u00bd Stunden gekostet, also w\u00fcrden wir wohl an diesem Tag nicht mehr viel in Kambodscha machen k\u00f6nnen. So w\u00fcrde ich auch einfach noch eine Nacht l\u00e4nger als geplant bleiben \u2013 was ich sowieso musste, da mein vietnamesisches Visums aufgrund eines Fehlers bei der Beantragung erst ab 2. April galt.<\/p>\n<p><a href=\"#vorwort\">Seitenanfang<\/a><br \/>\n<a name=\"pp\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p><strong>Phnom Penh (31.03. \u2013 02.04.2010)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In Phnom Penh wurden wir sofort von Tuk-Tuk-Fahrern umringt, von denen sich einer anbot, uns f\u00fcr einen Dollar bis zum \u201eNumber 9 Guesthouse\u201c zu kutschen. Das tat er wahrscheinlich auch, hielt aber vor einem Typen, der uns unaufgefordert ins \u201eGreen Lake Guesthouse\u201c brachte. Zun\u00e4chst versprach er uns ein Zimmer f\u00fcr drei Dollar, zeigte uns aber nur die f\u00fcr f\u00fcnf Dollar. Auf unseren Wunsch offenbarte er dann eine sch\u00e4bige Kammer f\u00fcr weniger Geld, das wir aber nicht zu zweit h\u00e4tten bewohnen d\u00fcrfen. Wir entschieden uns also f\u00fcr ein Doppelzimmer f\u00fcr f\u00fcnf Dollar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Rezeptionist dieses uns aufgezwungenen Hauses war nicht nur unfreundlich, sondern regelrecht beleidigend. Es fing schon damit an, dass wir die eine Nacht, die wir erst einmal nahmen, um uns die M\u00f6glichkeit offen zu halten, f\u00fcr die zweite Nacht eine andere Unterkunft zu suchen, im Voraus bezahlen sollten. Das an sich ist ja kein Problem, aber er wollte das Geld jetzt haben und uns die Quittung nach dem Auschecken am n\u00e4chsten Tag geben. Den Sinn verstand ich nicht und so protestierte ich: Er bekommt das Geld, wenn wir die Quittung bekommen, oder wir bezahlen einfach am n\u00e4chsten Tag, wenn er bereit w\u00e4re, uns den Beleg auszustellen. Das kapierte er wiederum nicht und schusterte widerwillig einen Zahlungsnachweis zusammen, wobei ihm aber der Kommentar \u201eI\u2019ve seen a German like you\u201c herausrutschte. Ich steckte das Geld zur\u00fcck mit den Worten \u201eOne word like this, and I\u2018ll check out\u201c. Mit einem frechen \u201ePff\u201c schob er mir die Quittung zu und forderte das Geld ein. Ich sah es zwar schlecht angelegt, aber willigte schlie\u00dflich ein, wenigstens eine Nacht dort zu weilen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir besprachen die Situation in unserem tollen Zimmer mit zwei Ventilatoren, bis Alejandro einen g\u00fcnstigeren Preis mit \u201eguten\u201c Worten aushandeln wollte \u2013 ohne Erfolg. Wir bestellten uns in der sehr sch\u00f6n eingerichteten Lobby mit Seeblick etwas zu essen, wobei aber Alejandros Spaghetti niemals kamen und er auch feststellen musste, dass der Rezeptionistenfuzzy einfach nur unglaublich unfreundlich war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir schauten uns in unserem Ghetto um, kamen an einer Art Moschee vorbei und liefen eine lange Avenue entlang, bis wir nach ewigem Fu\u00dfmarsch endlich an dem Motorradverleih \u201eLucky, Lucky!\u201c, der auch von Lonely Planet empfohlen wurde, ankamen. Da ich die ganzen Touristen-Attraktionen schon mal gesehen hatte und Alejandro sowieso noch ein Tag l\u00e4nger als ich bleiben w\u00fcrde, entschieden wir uns daf\u00fcr, uns f\u00fcr vier Dollar am Tag je einen Motorroller zu nehmen und so die Stadt ohne Verkehrsregeln auf unseren Bikes unsicher zu machen. Ich hatte nat\u00fcrlich meinen Reisepass im Zimmer liegen lassen, sodass Alejandro den Kopf herhalten und f\u00fcr beide gemietete Motorr\u00e4der haften musste. Zwar gefiel mir mein Helm \u00fcberhaupt nicht, aber egal, es war Kambodscha! So schwangen wir unsere Hintern auf die Bikes und ab ging es \u00fcber die unendliche Phnom Penher Autobahn in die Nacht hinein. Wir fuhren ziellos immer in eine Richtung und da es eine Art Au\u00dfenring gab, kamen wir schnell wieder in die Stadt hinein. Wir kehrten kurz wieder in unseren Bezirk zur\u00fcck, um pakistanisch zu essen und dann ging es wieder auf die R\u00e4der. Da die Stra\u00dfen mittlerweile immer leerer geworden waren, konnten wir sie gut f\u00fcr ein Stra\u00dfenrennen nutzen. An diesem Tag fuhren wir bereits das erste Mal den Tank leer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir suchten uns besonders dunkle Gassen, schwierige Wege und wenig \u00fcberschaubare Stra\u00dfen aus, um eben gerade nicht die Touri-Gebiete zu sehen \u2026 bis wir kurz vorm Flughafen standen und Alejandro einen Platten beklagte. Was f\u00fcr ein Pech nachts um eins! Aber gl\u00fccklicherweise fanden wir bald jemanden, der zwischen Einzelteilen ohne Dach auf der Stra\u00dfe sa\u00df und eine Honda reparieren konnte. So flickte er f\u00fcr einen Dollar kurzerhand den Hinterreifen, und wir konnten in unsere Unterkunft zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mein Ziel f\u00fcr den folgenden Tag hie\u00df Stung Meanchey, das \u00e4rmste Viertel von Phnom Penh, in dem sich M\u00fcllberge t\u00fcrmen und die Menschen vom Verkauf des angeh\u00e4uften Unrats leben m\u00fcssen. Ich wollte mir diese unglaubliche M\u00fcllstadt in der Gro\u00dfstadt einfach ansehen, denn sie ist auf keiner Touristenkarte verzeichnet und wird in keinem Reisef\u00fchrer erw\u00e4hnt \u2013 so, als w\u00fcrde sie nicht existieren! Grund genug daf\u00fcr, unsere Motorr\u00e4der dorthin zu qu\u00e4len.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Vorher gab es aber noch in einem Restaurant, das nicht f\u00fcr Touristen gedacht war und die Speisen nur auf Khmer hatte, gl\u00fccklicherweise mit Bildern. Mir schmeckte das ungew\u00f6hnliche Fr\u00fchst\u00fcck, w\u00e4hrend es dem Chilenen etwas gegen den Strich ging. Dann ging es los, zun\u00e4chst zum Ticketverkauf f\u00fcr meinen Bus am n\u00e4chsten Tag und dann immer Richtung S\u00fcdwesten, kann ja nicht so schwer sein. Wir irrten aber etwa eine Stunde in der Stadt herum und fanden den \u201eAusgang\u201c nicht. Schlie\u00dflich in Stung Meanchey angekommen, h\u00e4tten wir wohl in eine der Seitengassen, die auf Hinterh\u00f6fe zu f\u00fchren schienen, abbiegen m\u00fcssen, um in den eigentlichen M\u00fcll zu kommen, taten es aber nicht, sondern folgten einer langen Stra\u00dfe immer weiter Richtung S\u00fcden. Es gab dort zwar Deponien und sehr arme Menschen, aber nicht das, was ich eigentlich hatte sehen wollen. Wir versuchten bald, \u00fcber einen Umweg nach Phnom Penh zur\u00fcckzukehren, machten kurz Halt an einem Shop mit zwar k\u00fchlen, aber seltsamen Getr\u00e4nkedosen und einer verwunderten Verk\u00e4uferin, die um einiges j\u00fcnger als wir war, und gelangten in eine wundersch\u00f6ne Stadt namens Ta Khmau am Bassac-Fluss. Ein paar kambodschanische Kinder hatten wahnsinnigen Spa\u00df an uns, aber mehr als \u201eHello\u201c und \u201eSu-e sdei\u201c war an Gespr\u00e4chen nicht drin. Also kehrten wir den Leuten dort bald den R\u00fccken und kamen endlich wieder in Phnom Penh an \u2013 doch warum sollten wir schon wieder zur\u00fcck in unser Guesthouse? Der Spa\u00df sollte erst noch anfangen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Statt direkt weiter in die Stadt zu fahren, bogen wir \u00fcber eine Br\u00fccke nach Osten in einen anderen Randbezirk ab, wonach wir auf eine mehrere Kilometer lange Nationalstra\u00dfe, die sich vollkommen einer Restauration unterzog und so lediglich aus festgefahrenem Sand bestand, gelangten. Trotz Einspurigkeit in beiden Richtungen quetschten sich auch mal kleinere Autos und Tuk-Tuks an den gro\u00dfen Lastern vorbei, selbst wenn ein ebenso riesiges Gef\u00e4hrt entgegen kam. Wir auf unseren Motorr\u00e4dern zogen in dieser Lebensm\u00fcdigkeit mit und waren wohl die Schnellsten auf der gesamten Strecke. Zwischen gesch\u00e4tzten 60 und 80 Stundenkilometern ging es im Slalom um die LKWs herum, um schlussendlich in Kien Svay zu landen. Dort verbrannte sich beim kurzem Trinkstopp Alejandro sein Bein an dem Auspuff meines Motorrads, woraufhin wir uns entschlossen, schnellstm\u00f6glich zur\u00fcck zu unserer Unterkunft in Phnom Penh zu fahren. Es ging also wieder die gesamte Strecke lebensgef\u00e4hrlich mit H\u00f6chstgeschwindigkeit durch die Lasterkolonnen, \u201ezu Hause\u201c tankten wir bei einem Shake wieder etwas Energie und schafften die Bikes dann wieder zur\u00fcck zum Verleih. Wir a\u00dfen noch sehr g\u00fcnstig in einem Restaurant mit einer sehr h\u00fcbschen vietnamesischen Bedienung, weshalb ich mich eigentlich auch auf Vietnam freute, beglichen alle offenen Rechnungen im \u201eGreen Lake Guesthouse\u201c und verabschiedeten uns schon einmal voneinander, weil ich am n\u00e4chsten Morgen ziemlich zeitig aufstehen w\u00fcrde. Zum Abschluss schenkte mir als Hobby-Numismatiker Alejandro noch ein paar chilenische M\u00fcnzen und erz\u00e4hlte mir von seinem Heimatkontinent.<\/p>\n<p><a href=\"#vorwort\">Seitenanfang<\/a><br \/>\n<a name=\"pp-hcmc\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p><strong>Von Phnom Penh nach H\u1ed3-Ch\u00ed-Minh-Stadt\/S\u00e0i G\u00f2n (02.04.2010)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So geschah es dann auch: P\u00fcnktlich 7.30 Uhr wartete ich am Eingang unseres Guesthouse samt Gep\u00e4ck auf das Pick-up-Tuk-Tuk, das mich erwartungsgem\u00e4\u00df zu meinem Bus nach H\u1ed3-Ch\u00ed-Minh-Stadt (im Folgenden nur noch S\u00e0i G\u00f2n) bringen sollte. Stattdessen sprach mich aber ein blau uniformierter Mann an, wo ich denn hinwollte. Nachdem wir beide mitbekommen hatten, dass er mein \u201eAbholer\u201c war, sollte ich ihm zu seinem Wagen folgen. Dieser sah als schwarzer Minivan alles andere als vertrauensw\u00fcrdig aus, aber mir blieb ja keine Wahl au\u00dfer einzusteigen. Noch dazu war ich der Einzige in dem ger\u00e4umigen Auto. Wie konnte man am fr\u00fchen Morgen nur in Phnom Penh ein vierr\u00e4driges Gef\u00e4hrt mit mindestens zehn Sitzen f\u00fcr einen Abholdienst von nur einer Person einsetzen!?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Fahrer hatte auch keine Ahnung, wo ich \u00fcberhaupt hinsollte. Gl\u00fccklicherweise hatte ich am Vortag aufgepasst, als mir die Ticketverk\u00e4uferin nebenbei mitteilte, der Bus fahre nicht wie \u00fcblich an einer Bushaltestelle, sondern nahe dem Olympiastadion ab. Das musste ich meinem klugen Abholer nat\u00fcrlich sagen, denn der fuhr v\u00f6llig falsch. Schlie\u00dflich kamen wir aber doch p\u00fcnktlich an. Zwei Dinge an diesem vietnamesischen Bus merkte ich sofort, die meinen sp\u00e4teren Eindruck von Vietnam noch best\u00e4tigen sollten: Obwohl die Fahrt ewig nicht losging, wurde ich unfreundlich darauf hingewiesen, dass ich doch bitte endlich einsteigen solle. Am Vortag war mir ein Fr\u00fchst\u00fcck und Getr\u00e4nk f\u00fcr die Busfahrt versprochen worden, weshalb ich nichts vorher gegessen und mir nichts gekauft hatte. Fehler, denn wenn Vietnamesen etwas gut k\u00f6nnen, dann ist es, etwas Minderwertiges einem geschickt schmackhaft zu machen: Das Fr\u00fchst\u00fcck bestand aus einem zermatschten, lauwarmen, mit K\u00e4se \u00fcberbackenem (dass ich Letzteres nicht mag, ist ja meine Schuld) Bagel, den ich selbstverst\u00e4ndlich verschm\u00e4hte, und das Getr\u00e4nk war ein warmes Wasser ohne Sprudel, auch nicht gerade lecker.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Vor der Abfahrt wurden die Reisep\u00e4sse eingesammelt und auf ein vietnamesisches Visum \u00fcberpr\u00fcft. P\u00fcnktlich 8.15 Uhr ging es los. Eine kurze Auflockerung zwischendurch gab es nach gut anderthalb Stunden, als wir den Mekong bei Neak Luong \u00fcberqueren mussten. Auf unserer F\u00e4hre befand sich neben Passanten und Motorradfahrern auch ein Personentransport, wie man ihn extrem oft in Kambodscha sieht. So werden meist weit mehr als zwanzig arme Menschen in einen kleinen Van gequetscht, der f\u00fcr nicht einmal die H\u00e4lfte dieser Anzahl vorgesehen ist. <a href=\"http:\/\/picasaweb.google.de\/DWhodunit\/FotosLaosKambodschaVietnam?authkey=Gv1sRgCKWi3ZWM19bfWA#5462735929805389746\">Bilder<\/a> sind in solchen Situationen aussagekr\u00e4ftiger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Kurz vor dem Mittag gab es noch einen Stopp in Bavet, der Grenzstadt auf kambodschanischer Seite, in der ich mich mit Reis, Brot und Fanta f\u00fcr die letzten Kilometer st\u00e4rkte. Bavet schien eine wichtige Spielhallenstadt zu sein, denn neben besagten Casinos fanden sich auch teure Oberklassehotels in n\u00e4herer Umgebung. Nach ein paar Minuten Fahrt erreichten wir die Grenze.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Alle sollten aussteigen und einige, einer davon ich, bekamen ihren Reisepass wieder, um ihn abstempeln zu lassen und danach wieder abzugeben. Danach ging es schon weiter, bis wir das Grenzgeb\u00e4ude von Vietnam in Moc Bai erreichten. Dort standen wir eine gute halbe Stunde sinnlos vor dem Schalter, weil unsere Reisep\u00e4sse ja eingesammelt worden waren. Keiner wusste Rat \u2013 bis der Schaffner, der unserer Passports ja einkassiert hatte, anfing, laut die Namen der vietnamesischen Passagiere aufzurufen und ihnen ihre Reisep\u00e4sse wieder aush\u00e4ndigte. Die Ausl\u00e4nder wurden gem\u00e4\u00df ihrer Nationalit\u00e4ten gerufen: Der Pass war tats\u00e4chlich vollst\u00e4ndig abgestempelt worden und ich war in Vietnam.<\/p>\n<p><a href=\"#vorwort\">Seitenanfang<\/a><br \/>\n<a name=\"hcmc\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p><strong>H\u1ed3-Ch\u00ed-Minh-Stadt\/S\u00e0i G\u00f2n (02. \u2013 03.04.2010)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gegen 14 Uhr erreichten wir S\u00e0i G\u00f2n. Auf den letzten paar Kilometern unterhielt ich mich noch mit der Chinesin Li Wei, die zwar schon die ganze Zeit neben mir gesessen, aber mit der ich kein Wort vorher zu wechseln verstanden hatte. Sie gab mir aber einen essentiellen Tipp f\u00fcr meinen Aufenthalt in Vietnam: Die vollst\u00e4ndige Adresse stehe immer in bestimmter Reihenfolge an nahezu jedem Haus, sodass man sofort wisse, in welcher Stadt, welchem Distrikt und welcher Stra\u00dfe man sich gerade befinde. Der Bus hielt gl\u00fccklicherweise in der Ph\u1ea1m Ng\u0169 L\u00e3o, dem Ausl\u00e4nderviertel von S\u00e0i G\u00f2n \u00fcberhaupt, aber ich lief in die falsche Richtung und nahm ein Motorradtaxi zur \u0110\u01b0\u1eddng \u0110\u1ec1 Th\u00e1m, in der sich bekanntlich alle billigen Unterk\u00fcnfte befinden sollten. Ein Zimmer f\u00fcr f\u00fcnf US-Dollar zu finden, stellte sich als schwierig heraus, aber ich hatte Erfolg und mir wurde ein Dorm auf dem Dach eines Hauses namens \u201eY\u1ecbnh Guesthouse\u201c angeboten. Den beschwerlichen Aufstieg bis ins sechste Stockwerk machte die wunderbare Aussicht \u00fcber die Innenstadt von S\u00e0i G\u00f2n wett, sodass ich mich f\u00fcr dieses \u201eZimmer\u201c entschied. Im Prinzip waren es lediglich Betten auf einem Dach, das mithilfe eines Zaunes als W\u00e4nde und einer Pappdecke den Eindruck eines Zimmers erweckte. Beim Einchecken musste ich ungew\u00f6hnlicherweise meinen Reisepass abgeben, was ich aber ohne Murren tat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Anschlie\u00dfend wollte ich mir ein Fahrrad holen, da ich auf diese Weise die Stadt schneller erkunden k\u00f6nnte, aber es gab nur ein nicht sehr viel Vertrauen erweckendes Rad, sodass ich doch lieber einen Motorroller f\u00fcr f\u00fcnf Dollar nahm. Ein Schloss gab es dieses Mal nicht dazu. Wieder sollte ich meinen Reisepass abgeben, aber da ich das ja bereits im \u201eY\u1ecbnh Guesthouse\u201c getan hatte, \u00fcberredete ich den Verleiher, doch meinen deutschen F\u00fchrerschein als Pfand zu akzeptieren. Was f\u00fcr eine Ironie: Ich gebe meinen F\u00fchrerschein ab, um ein motorisiertes Fahrzeug zu steuern! Das versuche mal einer in Europa.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So ging es also \u00fcber die chaotischen Stra\u00dfen von S\u00e0i G\u00f2n bis zur ersten Tankstelle. F\u00fcr 50.000 \u0110\u1ed3ng\u00a0war der Roller voll. Das eigentliche Chaos merkte ich erst im Kreisverkehr: Es gibt in S\u00e0i G\u00f2n praktisch keine Verkehrsregeln, daf\u00fcr aber Millionen Motorroller und umso weniger vierr\u00e4drige Fahrzeuge. Ampeln sind oft Deko, die Fahrtrichtung muss nicht immer eingehalten werden, B\u00fcrgersteige sind auch f\u00fcr Motorr\u00e4der da und wer eine Stra\u00dfe \u00fcberqueren will, tut das einfach. Man kann eine Stra\u00dfe zu Fu\u00df, auf dem Fahrrad oder mit einem Motorroller \u00fcberqueren, ohne dabei auf die einhundert einen umzingelnden Roller zu achten, weil die ja schon auf denjenigen achten, der lebensm\u00fcde \u00fcber die Stra\u00dfe l\u00e4uft. Nicht umsonst wird S\u00e0i G\u00f2n die Stadt mit dem verr\u00fccktesten Verkehr weltweit geschimpft. Mit meinem neu erworbenen Gef\u00e4hrt fuhr ich zun\u00e4chst ein paar Stra\u00dfen S\u00e0i G\u00f2ns ab und orientierte mich an \u2026 hm, woran eigentlich? \u2026 an gar nichts \u2013 bis ich die Probe aufs Exempel machte und versuchte, wieder nach Hause zu finden. Das Ganze kostete mich eine gute Stunde und etwa zwanzigmal anhalten, weil ich bei dieser undurchsichtigen Stra\u00dfenf\u00fchrung st\u00e4ndig auf die Karte schauen musste. Das sollte es f\u00fcr heute auf dem Ding gewesen sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich holte mir einen Hot Dog und wollte den nach einem Shake in einem Restaurant in meinem Bett auf dem Dach essen, doch dazu kam es nie: Die ersten zwei Vorhaben klappten zwar, aber als ich in dem Restaurant sa\u00df, kam ich dank einer Buchverk\u00e4uferin, wie man sie zuhauf in ganz Vietnam und Kambodscha findet, mit dem Reisenden Mike tschechisch-englischer Abstammung und dem \u00e4lteren kanadischen Ehepaar Michelle und Tony ins Gespr\u00e4ch, in dem es haupts\u00e4chlich um Lonely-Planet-Plagiate und Reiseberichte ging. Mit Mike leerte ich noch ein paar Biere und dann suchten wir nach einer billigeren Unterkunft f\u00fcr die n\u00e4chste Nacht, wobei ich aber verga\u00df, dass ich eigentlich nur diese eine Nacht in S\u00e0i G\u00f2n bleiben wollte. Jedenfalls fanden wir die uns empfohlene Bleibe nicht und so gingen wir getrennte Wege.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mittlerweile war der Schwede Kiet mit vietnamesischen Wurzeln in meinem Dorm aufgetaucht \u2013 so waren wir zu zweit auf dem Dach. Also unterhielten wir uns noch eine Weile, bis wir beide hundem\u00fcde ins Land der Tr\u00e4ume verschwanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">F\u00fcr den n\u00e4chsten Tag hatte ich mir einen Ausflug zu den C\u1ee7-Chi-Tunneln mit dem Motorrad vorgenommen. Ich checkte bereits gegen neun aus und lie\u00df meine Tasche im Guesthouse stehen. Lonely Planet meinte, bis zu den C\u1ee7-Chi-Tunneln, einem unterirdischen 200 Kilometer langen Netzwerk aus Tunnelg\u00e4ngen, die von den Viet Cong als Basis und Versteck vor den Amerikanern im Vietnamkrieg genutzt wurden, w\u00e4ren es stadtausw\u00e4rts nur 23 Kilometer. Kann ja nicht so schlimm sein. Also fuhr ich los und fand schon ewig keine Stra\u00dfe, die aus S\u00e0i G\u00f2n herausf\u00fchrte. Noch dazu war es furchtbar hei\u00df und ich hatte keine Sonnencreme dabei. Irgendwann kam ich schlie\u00dflich auf eine Autobahn, die nach C\u1ee7 Chi f\u00fchren sollte. Autobahn in Vietnam hei\u00dft, dass sie problemlos auch mit Motorrollern befahren werden kann, da es daf\u00fcr meist sogar abgetrennte Fahrbahnen gibt. Auf einer Doppelspur in jeder Richtung fahren gew\u00f6hnlich Autos und gro\u00dfe Lastwagen, wahlweise aber auch Motorr\u00e4der. Ich war wieder der schnellste, weil ich nicht verstehen konnte, wieso die Vietnamesen alle so \u00fcber die Schnellstra\u00dfe kriechen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es war eine endlose Fahrt, hei\u00df und staubig, weit mehr als 23 Kilometer. Und dann war ich in C\u1ee7 Chi. Dort entschied ich mich, mal von der Autobahn abzufahren und nach Schildern zu den Tunneln zu suchen, aber Fehlanzeige: Selbst wenn es mal Schilder gab, dann waren sie auf Vietnamesisch. Wie man \u201eTunnel\u201c in dieser seltsamen Sprache sagte, wusste ich nicht. Ich fuhr, fuhr und fuhr einfach durch die Stadt \u2026 bis ich doch tats\u00e4chlich mal einen Hinweis auf Englisch mit einer \u00dcbersetzung ins Vietnamesische darunter sah. So fand ich den Weg und kannte auch das Wort f\u00fcr \u201eTunnel\u201c auf Vietnamesisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Noch ein R\u00fcckschlag: Es standen niemals die noch zur\u00fcckzulegenden Kilometer bis zu den Tunneln an den Schildern. Ich fuhr also wieder lange, lange den Hinweisen hinterher und schlie\u00dflich gab es einen Abzweig, der nach links 14 km und nach rechts wohl 1 km zu den Tunneln anzeigte. Beim schnellen Vorbeifahren registrierte ich nur die linke Seite des Schildes und so dauerte es weitere 20 Minuten und ein heftiges Schlagloch (was ins Auge h\u00e4tte gehen k\u00f6nnen), bis ich endlich an dem ach so touristischen Ausflugsziel nahe S\u00e0i G\u00f2n ankam: den B\u1ebfn-D\u01b0\u1ee3c-Tunneln bei C\u1ee7-Chi.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich sollte mein Motorrad abstellen und 70.000 \u0110\u1ed3ng\u00a0Eintritt hinbl\u00e4ttern. Danach schlenderte ich durch den B\u1ebfn-D\u01b0\u1ee3c-Tempel und suchte den eigentlichen Eingang zu den Tunneln. Mehrere herumlungernde Vietnamesen wiesen mir den Weg zu einer kleinen H\u00fctte, wo mir gleich ein F\u00fchrer aufgedr\u00e4ngt wurde. So hatte ich mir das zwar nicht vorgestellt, aber da die F\u00fchrung kostenlos war, folgte ich dem Menschen halt zun\u00e4chst zu einem langweiligen Schwarz-Wei\u00df-Film und danach einem anderen zusammen mit Koreanern zu den Tunneln. Er zeigte uns ein paar Einstiegsl\u00f6cher, einen Bombenkrater und Fallen, dann stiegen wir hinab in ein paar unterirdische G\u00e4nge mit einer H\u00f6he von h\u00f6chstens einem halben Meter und a\u00dfen schlie\u00dflich eine mir unbekannte, aber dank \u00fcbersprungenen Mittagessens sehr willkommene Frucht, die angeblich die Viet Cong an genau derselben Stelle vor 40 Jahren schon zu sich nahmen. Wir landeten nach ein paar weiteren Tunnelg\u00e4ngen und Erkl\u00e4rungen in geradeso akzeptablem Englisch an einem kleinen Imbiss, wo ich mich bei einer Flasche Wasser ein Weilchen mit den Koreanern unterhielt, die mich dann freundlicherweise in ihrem Auto bis zu meinem Motorrad fuhren. Das war\u2019s schon. Nicht sehr weltbewegend und etwas entt\u00e4uschend f\u00fcr diese weiter Strecke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der R\u00fcckweg gestaltete sich schwierig, weil an vietnamesischen Autobahnschildern nur \u00e4u\u00dferst selten die gr\u00f6\u00dfte Stadt oder Richtung geschrieben steht, sondern meist nur das n\u00e4chste kleine Kuhkaff. Ich fuhr also ewig in die eine Richtung und kein Ort kam mir bekannt vor, also drehte ich um, bis ich nur noch Schilder sah, die den nach Moc Bai anzeigten: Das war die Grenzstadt zu Kambodscha, also auch falsch. Ich fragte kurz einen Dorfbewohner, der sinnlos an der Autobahn herumstand und drehte wieder um. So war ich wenigstens auf dem richtigen Weg, aber zwischen all diesen Motorr\u00e4dern war das gar nicht so leicht. Alles war in Ordnung \u2026 bis ich pl\u00f6tzlich eine junge Fahrerin bei Rechtsverkehr auf der rechten Seite \u00fcberholen wollte. Ja, okay, das macht man eigentlich nicht, aber in Vietnam war das bisher auch immer egal gewesen. Konnte ich wissen, dass sie gerade in diesem Augenblick ohne Blinkzeichen nach rechts von der Autobahn abfahren wollte? Nein, also \u00fcberholte ich sie \u2013 und sie fuhr in meine Seite hinein, fiel hin und tat sich weh. Ich h\u00e4tte weiterfahren k\u00f6nnen, aber aus H\u00f6flichkeit stieg ich ab und versuchte, wenigstens mitleidig zu tun. Da sie und alle umstehenden Menschen ohnehin kein Englisch konnten, bestand der einzige Wortwechsel aus meinem \u201exin l\u1ed7i\u201c und ihrem gequ\u00e4lt gemimten \u201eokay\u201c. Ein anderer Mann schickte mich fort und so fuhr ich von dannen \u2026 direkt zum Verleih. Der Spiegel, der durch ein Schlagloch extrem locker und damit so unbrauchbar geworden war, dass er auch ruhig h\u00e4tte ganz abfallen k\u00f6nnen, wurde nicht beanstandet und ich bekam meinen F\u00fchrerschein wieder. Was f\u00fcr eine Tour! Ach ja, meine Arme waren selbstverst\u00e4ndlich auch verbrannt, mehr als verbrannt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nun musste ich mir noch die Zeit bis 20 Uhr vertreiben. Ich suchte mir ein Restaurant mit g\u00fcnstiger Pizza im Angebot und bestellt wie immer meine leckere Funghi \u2013 aber bitte ohne K\u00e4se. V\u00f6llig irritiert wirft mir die Bedienung vor: \u201eno have\u201c. Ich wollte wissen, wieso sie keine Pizza ohne K\u00e4se h\u00e4tten. Was w\u00e4re denn so schwer daran, einfach den K\u00e4se wegzulassen!? Nun ja, sie w\u00fcrden wohl nur einfach Fertigpizza in den Ofen schieben, schlussfolgerte ich. Prinzipiell falsch bestellte ich in diesem Restaurant einfach etwas anderes. Ich h\u00e4tte das Lokal eigentlich wechseln sollen. Anschlie\u00dfend zog ich mich in meinem bereits abgemeldeten Zimmer des einstigen Guesthouse um und schrieb bei einem Apfel-Shake in einem anderen Restaurant die letzten Erlebnisse in mein Notizb\u00fcchlein. Ich setzte mich allein an einen Vierertisch in der N\u00e4he des Eingangs, was der Bedienung nicht gefiel. Ein in Hongkong lebender Brasilianer bot mir einen Platz an und wir unterhielten uns eine Weile auf Deutsch. Dann musste ich zum Bus. Abfahrt p\u00fcnktlich 20.30 Uhr. Zwar sa\u00df ein Vietnamese neben mir, was automatisch weniger Platz zum Schlafen bedeutete, aber der stieg mitten in der Nacht irgendwo aus, sodass ich mich bald quer den zwei Sitzen ausbreiten konnte.<\/p>\n<p><a href=\"#vorwort\">Seitenanfang<\/a><br \/>\n<a name=\"nhatrang\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p><strong>Nha Trang (04. \u2013 05.04.2010)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir kamen gegen 5.30 Uhr in absolut morgendlicher Fr\u00fche in Nha Trang an und wurden sofort von Motorradfahrern (schlafen die eigentlich nie!?) von Hotelangeboten \u00fcbersch\u00fcttet. Von Anfang an machte ich ihnen klar, dass ich nichts \u00fcber 5 US$ nehmen w\u00fcrde und mich eine Fahrt dahin nicht mehr als 10.000 \u0110\u1ed3ng kosten darf. Ein Fahrer erbarmte sich und fuhr mich zu einem Hotel, das eigentlich noch geschlossen hatte. Da man mir dort nichts f\u00fcr unter sechs Dollar anbieten konnte, verlangte ich eine Weiterfahrt zum n\u00e4chsten. Das Tri\u1ec7u-M\u1eabn-Guesthouse dagegen hatte solch ein billiges Zimmer, sogar mit Fernseher, zwei Betten und nicht zu bedienender Klimaanlage, daf\u00fcr aber mit einem Ventilator und abgetrenntem Bad. Manko war halt, dass die Vermieter des Englischen nahezu nicht m\u00e4chtig waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So wirklich Lust hatte ich zu gar nichts, nicht einmal am Strand liegen wollte ich, weil es einfach noch so fr\u00fch am Morgen war. Also schlief ich bis zum Mittag, ging kurz essen, suchte einen Waschservice, fand aber keinen, wusch also meine Sachen selbst, infolgedessen das Bad zwei Wochen unter Wasser stehen sollte, und legte mich wieder ins Bett. Damit ich \u00fcberhaupt noch etwas Produktives an diesem Tag machte, lief ich gegen 16 Uhr zum Bahnhof und kaufte mir ein unglaublich teures Ticket f\u00fcr fast 300.000 \u0110\u1ed3ng nach Hu\u1ebf f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag. Obwohl es schon sehr d\u00e4mmrig war, begab ich mich noch zum \u201eGiant Buddha\u201c, der auf einer Anh\u00f6he thronte und von weither sichtbar war. Als ich den Aufstieg gefunden, die Treppen bew\u00e4ltigt und an der Statue angekommen war, wurde ich sofort wieder von absolut seltsamen Fliegen, die furchtbar l\u00e4stig wie M\u00fccken waren, nicht stechen konnten, an meinem Schwei\u00df kleben blieben und wie kleine Hausfliegen aussahen, vertrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich holte mir ein Sandwich, verspeiste eine Pizza (ja, ohne K\u00e4se!) und legte mich an den mondbeschienenen Strand von Nha Trang. Nach einer Weile wurde mir langweilig und ich marschierte immer gen S\u00fcden am Wasser entlang, bis ich an einen Hafen kam und \u00fcber die Stra\u00dfe zur\u00fcckkehrte. K\u00f6nnt ihr euch vorstellen, dass ich bei dem Spaziergang \u00fcber die belebte Stra\u00dfe von guten drei Kilometern die ganze Zeit der einzige Fu\u00dfg\u00e4nger war? Wenn ein Vietnamese eine gewisse Strecke zur\u00fccklegen muss, nimmt er seinen Roller (in Ausnahmef\u00e4llen auch sein Auto) oder setzt sich auf einen von jemand anderem oder winkt einen Cyclo-Fahrer heran oder leistet sich ein teures Taxi. Die Alternative, auch einmal zu laufen, gibt es nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Da ich am n\u00e4chsten Tag nicht erst bei absoluter Mittagshitze am Strand verbrennen wollte, hatte ich eigentlich vorgehabt, so zeitig wie m\u00f6glich aufzustehen. Gelang mir aber nicht. Mein Fr\u00fchst\u00fcck hie\u00df Chips \u2013 um 10. Dann checkte ich aus und lie\u00df meine Tasche bis zum Abend im Guesthouse. Eine ganze Stunde hielt ich es am Strand aus, dann wurde es mir wieder langweilig. Ich bin einfach kein Strandlieger. In weiter Entfernung hatte ich eine Schwebebahn gesehen, die eine Nha Trang vorgelagerte Insel mit dem Festland verband. Sie f\u00fchrte direkt zum Erlebnispark \u201eVinpearl\u201c auf der Insel H\u00f2n Tre. Wieder lief ich die Strecke am Strand Richtung S\u00fcden ab, wie in der Nacht zuvor, musste aber ab Hafen auf die Stra\u00dfe wechseln, weil es keinen Strand mehr gab. Das war mir irgendwann zu hei\u00df, also lie\u00df ich mich mit einem Motorrad f\u00fcr 10.000 \u0110\u1ed3ng zur Basis der Schwebebahn bringen (man muss \u201ecapo\u201c sagen, so nennen die Einheimischen dieses Ding n\u00e4mlich). Als ich mich nach den Preisen erkundigte, erschrak ich mich bei den horrenden Summen: 320.000 \u0110\u1ed3ng sind f\u00fcr vietnamesische Verh\u00e4ltnisse kein Pappenstiel, aber nat\u00fcrlich nichts im Vergleich zu unseren deutschen Eintrittspreisen. Dieser Betrag enthielt zwar Eintritt zum Erlebnispark sowie An- und Abreise mit Schwebebahn oder Boot, aber ich hatte das Geld einfach nicht dabei, da ich ja nicht beabsichtigte, in den Park zu gehen, sondern nur die Seilbahn zu nutzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich entschied mich, wieder f\u00fcr 25.000 \u0110\u1ed3ng nach Hause zu fahren, um dort in einem nahe gelegenen Meeresrestaurant extrem teuer schlecht Mittag zu essen, weil die scheinbar billig scheinenden Bananengarnelen mich niemals h\u00e4tten satt machen k\u00f6nnen und ich mir noch unglaublich scharfen Chili-Reis dazu bestellen musste. Um die Zeit bis zum Abend, wenn mein Zug fahren w\u00fcrde, zu \u00fcberbr\u00fccken, surfte ich eine Weile im Internet, legte mich dann an den Strand, schlief dort ein, surfte wieder im Internet und lie\u00df mich dann f\u00fcr 20.000 \u0110\u1ed3ng mit einem Cyclo zum Bahnhof fahren. Die Abfahrt verschob sich bis 19.40 Uhr, sodass ich vor lauter Langeweile viel zu teure Kekse, von denen ich nur die H\u00e4lfte essen w\u00fcrde, kaufte.<\/p>\n<p><a href=\"#vorwort\">Seitenanfang<\/a><br \/>\n<a name=\"nhatrang-hue\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p><strong>Von Nha Trang nach Hu\u1ebf (05. \u2013 06.04.2010)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als der Zug dann endlich einfuhr, wunderte ich mich schon, dass ich f\u00fcr mein teures Ticket lediglich im ersten, also qualitativ schlechtesten Wagen sa\u00df. Dabei w\u00fcrde ich nur nach Hu\u1ebf fahren und nicht, wie andere Passagiere, gleich nach H\u00e0 N\u1ed9i. Der Sitz war wenigstens weich, es gab aber scheinbar keine Platznummern, sodass ich mich einfach irgendwo hinsetzte. Der Schaffner kam und h\u00e4tte ja sp\u00e4testens jetzt meckern k\u00f6nnen, dass ich auf dem falschen Platz s\u00e4\u00dfe, aber das tat er nicht und lochte mein Ticket problemlos. Der Fernseher war vietnamtypisch extrem laut und nervig und ohne Untertitel, sodass ich M\u00fche hatte einzuschlafen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Nacht war ruhig, bis in fr\u00fchester Morgenstunde \u00fcberkorrekte Leute einstiegen, die auf ihrem Platz bestanden, und zwar auf dem, den ich schon viele Stunden lang vorgew\u00e4rmt hatte. Da es noch dunkel war, konnte ich wieder keine Platznummern im Zug entdecken. Noch dazu konnten diese Leute inklusive Schaffner kein einziges Wort Englisch au\u00dfer \u201enine\u201c, meiner Platznummer, was ich sogar auch auf Vietnamesisch konnte! Manchmal erschrak ich regelrecht, dass ich nach ein paar Tagen in Vietnam schon mehr von ihrer Sprache beherrschte als sie Englisch nach vielen Jahren Unterricht! Oder was lernen die denn in der Schule!? Sie zeigten stets auf das andere Ende des Waggons, aber ich beharrte auf meinem Recht, einfach sitzen zu bleiben, solange mir mein richtiger Platz nicht gezeigt w\u00fcrde. Da sie das eben nicht tun konnten beziehungsweise nicht verstanden, blieb ich sitzen und eine stinkende Oma setzte sich auf den gerade neben mir frei gewordenen Platz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Fahrt ging weiter. Die eben \u00fcberkorrekten Leute stiegen aus und \u2026 wer h\u00e4tte es gedacht, an dieselbe Stelle kamen nun neue Reisende, die sich ebenfalls beschwerten, dass ich auf einem mir nicht zugewiesenen Platz s\u00e4\u00dfe. Doch diesmal war es anders, n\u00e4mlich hell. Ich konnte endlich sehen, wo die mickrigen, schlecht lesbaren Platznummern standen, und zwar grau auf schwarzem Untergrund am Vordersitz. Wie h\u00e4tte ich die in der Dunkelheit finden k\u00f6nnen? Ich gab also nach und zog um. So musste sich ein Mann leider von \u201emeinem\u201c Platz entfernen und auf seinen Sitz mit abgebrochener Lehne setzen \u2026 aber ich war nicht schuld. Da ich nun andersherum sa\u00df, war ich v\u00f6llig irritiert und dachte st\u00e4ndig, wir w\u00fcrden in die falsche Richtung fahren, auch wenn die Sicht aus dem Zug herrlich war: Es ging an Steilk\u00fcsten und Felsw\u00e4nden vorbei und man hatte kontinuierlich einen tollen Ausblick auf das Meer bis zum Horizont. Diese Strecke z\u00e4hlt auch zu den sch\u00f6nsten der Welt.<\/p>\n<p><a href=\"#vorwort\">Seitenanfang<\/a><br \/>\n<a name=\"hue\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p><strong>Hu\u1ebf (06. \u2013 07.2010)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gegen acht Uhr morgens kamen wir in Hu\u1ebf an und ich handelte wieder geschickt auf 15.000 \u0110\u1ed3ng herunter, um mit einem Motorrad bis zur Ph\u1ea1m Ng\u0169 L\u00e3o (ja, genau, wie in S\u00e0i G\u00f2n) geschafft zu werden. Die erste Unterkunft namens \u201eThe Hu\u1ebf Backpackers\u2018 Hostel\u201c schien vielversprechend und noch bevor ich \u00fcberhaupt eintreten konnte, starrte mich eine gar nicht so schlecht aussehende Rezeptionistin an und fragte, ob wir uns schon einmal gesehen h\u00e4tten. V\u00f6llig unm\u00f6glich, erkl\u00e4rte ich ihr, aber ich fand sie trotzdem von Anfang an sympathisch \u2013 wie eigentlich jeden in dem Hostel. Es gab einen Australier, der dort viel auf Englisch managte und einige h\u00fcbsche Rezeptionistinnen und Bedienungen. Das Zimmer war als Dorm f\u00fcr ganze 6 US-Dollar ziemlich teuer, aber daf\u00fcr gab es kostenlos Fr\u00fchst\u00fcck und am Abend ein Freibier, wodurch der Preis wieder absolut gerechtfertigt war. Au\u00dferdem gab man mir ein gro\u00dfes Bett zum Preis f\u00fcr ein kleines.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Da noch keine Eincheck-Zeit war, musste ich noch mindestens eine Stunde warten und durfte schon einmal duschen und fr\u00fchst\u00fccken. Nachdem ich endlich meine Sachen im Zimmer ablegen und verschlie\u00dfen konnte, begab ich mich in der bereits angebrochenen Mittagshitze zur so genannten Zitadelle. Schon nach den ersten paar Metern merkte ich, dass ich v\u00f6llig kaputt dort ankommen w\u00fcrde, da die Sonne einfach ungeheuerlich brannte. Auf dem Weg dorthin sprach mich ein seltsamer Motorradfahrer an, der von vornherein behauptete, er sei kein \u201edriver\u201c, sondern lediglich ein Lehrer auf Besuch in Hu\u1ebf. Wir unterhielten uns kurz und er lud mich \u2013 mehr oder weniger \u2013 zu einem Bier am fr\u00fchen Nachmittag ein. Ich lehnte ab und gab an, zu der Zeit lieber etwas zum Mittag zu essen. Was sollte da schon schief gehen? Also verabredeten wir uns f\u00fcr 13 Uhr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich fand zwar schnell zur Zitadelle hin, aber nicht gleich den Haupteingang. Zudem schwitzte ich eimerweise, die Augen brannten von dem herunterlaufenden Schwei\u00df und die Sonne brannte sich abermals in meine ohnehin schon rote Haut ein. Ein Cyclo-Fahrer nervte mich auch noch gute f\u00fcnfzehn Minuten, ich gab aber nie nach und versuchte, den Eingang allein zu Fu\u00df zu finden. Sagen wir, eine halbe Stunde sp\u00e4ter hatte ich das auch geschafft \u2013 die F\u00fc\u00dfe waren bereits verbrannt und ich konnte nicht mehr laufen. Mit 55.000 \u0110\u1ed3ng war ich drin, aber was sich mir bot, war nichts Besonderes: Alte Ruinen, ein gro\u00dfer Tempel, Burgmauern und verfallene Geb\u00e4ude. Den \u201eGarten\u201c, der praktisch nur Wildnis war, z\u00e4hle ich mal nicht auf. Nachdem ich anderthalb Stunden durch die verfallene Stadt geirrt war, mir immer weiter die F\u00fc\u00dfe verbrannt hatte (nur die Stellen, die von Flip-Flops bedeckt waren, schienen wei\u00df hervor) und mit dem Motorrad zur\u00fcck ins Hostel chauffiert worden war, legte ich mich kurz schlafen und erschien dann zum vereinbarten Treffpunkt mit dem Vietnamesen, der mir von seinen deutschen Cousins erz\u00e4hlte. Immerhin war er in deutscher Landeskunde nicht so schlecht und er fuhr mich zu einem lokalen Restaurant und er lud mich zum Essen f\u00fcr 35.000 \u0110\u1ed3ng ein \u2026 alles sch\u00f6n und gut, aber der Hammer kam noch: Als Entsch\u00e4digung f\u00fcr das bezahlte Essen wollte er jedoch ein kleines \u201eGeschenk\u201c von mir haben. Kein Problem, dachte ich mir, suchst du ihm eine Kleinigkeit aus. Er fuhr mich allerdings in ein Tee-Gesch\u00e4ft, wo ich ihm etwas kaufen sollte. Nun gut, Tee ist nicht gerade billig, aber dass er soooo teuer w\u00e4re, damit h\u00e4tte ich nicht gerechnet: Er fragte, ob ich ihm ein Geschenk in der Unter-, Mittel- oder Oberklasse kaufen w\u00fcrde \u2013 wie unversch\u00e4mt! Ich entschied mich fairerweise f\u00fcr einen Mittelklassetee, fragte aber vorsichtshalber nach dem Preis. Schlappe 400.000 \u0110\u1ed3ng w\u00e4re so eine Packung gewesen. Nun gut, etwas teuer, also versuchte ich es mit der Unterklasse: Immerhin nur noch 300.000 \u0110\u1ed3ng! V\u00f6llig entr\u00fcstet, aber noch freundlich gab ich ihm zu verstehen, dass ich lediglich so viel Geld wie f\u00fcr ein Mittagessen notwendig mithatte. Damit gab er sich zufrieden und er fuhr mich zur\u00fcck. Jetzt f\u00fchlte ich mich aber schlecht und stand in seiner Schuld. Also bot ich ihm an, etwas Kleines zu schenken, wusste aber nicht, was. Er hingegen wusste es wieder genau: Mein thail\u00e4ndisches Geld interessierte ihn. Davon hatte ich aber nur 1000er-Scheine. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde ich ihm so einen wertvollen Schein nicht geben. Schnell rechnete ich im Kopf um, machte aber einen Fehler dabei: 1000 Baht seien 20 Euro und 20 Euro seien 400.000 \u0110\u1ed3ng. Falsch! Zum einen waren 1000 Baht mittlerweile fast 25 Euro und f\u00fcr einen Euro erhielt man auch nicht 20.000, sondern gute 25.000 \u0110\u1ed3ng. Ich kalkulierte also schon um 200.000 \u0110\u1ed3ng falsch! Noch dazu hatte er nicht so viel Geld mit und kratzte m\u00fchsam 320.000 \u0110\u1ed3ng zusammen, mit denen ich bl\u00f6derweise einverstanden war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nun ja, zwar hatte ich kostenlos essen d\u00fcrfen, aber auch wiederum viel Geld eingeb\u00fc\u00dft \u2026 was soll\u2019s! Ich ging zur\u00fcck zum Hostel und schlief wieder ein. Nach etwa einer Stunde wurde ich von dem Finnen Nuutti geweckt, dem ich gestand, dass ich f\u00fcr mein Bett weniger zahlte als er f\u00fcr seines \u2013 ich bekam dabei heraus, dass man mir ein breites Bett f\u00fcr zwei Dollar weniger gegeben hatte \u2026 warum, wei\u00df ich jedoch nicht. Ich kaufte mir noch ein Busticket nach H\u00e0 N\u1ed9i direkt vom Hostel, da mir die Z\u00fcge viel zu teuer erschienen und war froh, am n\u00e4chsten Tag bereits das letzte geplante Ziel in Vietnam ansteuern zu k\u00f6nnen. Im Hostel unterhielt ich mich noch eine Weile mit einem neuseel\u00e4ndischen P\u00e4rchen, das vergeblich versuchte, ihr Motorrad wieder zu verkaufen und den Rest des Tages verbrachte ich mit Spazierg\u00e4ngen durch die Gassen Hu\u1ebfs, Erz\u00e4hlungen und einigen Bier zusammen mit dem Finnen, wobei wir versuchten, von einem Restaurant zum n\u00e4chsten zu gelangen, um den Preis immer ein bisschen weiter zu dr\u00fccken. Neben einem Freibier im Hostel gab es alles in der Preisspanne von 5.000 bis 20.000 \u0110\u1ed3ng. In einem Restaurant kamen wir mit zwei Engl\u00e4ndern ins Gespr\u00e4ch, die sich mit dem Kellner \u00fcber thail\u00e4ndische Floskeln unterhielten. Meine Chance zur Korrektur! Es f\u00fchlte sich gut an, ein bisschen mit Thai prahlen zu k\u00f6nnen. Da wir wieder einmal von einem Cyclo-Fahrer angesprochen worden waren, ob er uns zu \u201elady boom boom\u201c bringen solle, machte ich ihm den Vorschlag, dass ich ihn dorthin bringe, wof\u00fcr er mir 10.000 \u0110\u1ed3ng geben w\u00fcrde. Er willigte ein und so setzte ich mich mal auf dieses tolle Gef\u00e4hrt und brachte ihn zu besagtem Puff. Dort stellte sich allerdings heraus, dass ich und nicht er hineingehen solle, was ich selbstverst\u00e4ndlich ablehnte. Deshalb verlangte ich von ihm, dass er mich nun wieder zur\u00fcckbringe. Das tat er zwar auch, aber er wollte Geld daf\u00fcr! Ich hatte auf meinen Reisen nun schon gelernt, dass man manchmal einfach hartn\u00e4ckig sein muss und so gab ich ihm nat\u00fcrlich nichts, ich hatte mich ja schlie\u00dflich auch abgestrampelt und nichts bekommen! Leicht angetrunken fiel ich ins Bett und erwachte am n\u00e4chsten Morgen (07.04.2010) noch gerade p\u00fcnktlich f\u00fcr das Fr\u00fchst\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Da ich an diesem Tag nichts Besonderes mehr vorhatte, bis ich zum Bus nach H\u00e0 N\u1ed9i gebracht w\u00fcrde, lieh ich mir ein Fahrrad gleich um die Ecke vom \u201eBackpackers\u2018 Hostel\u201c aus, im \u201eHello!\u201c-Verleih. Merkt euch diesen Namen, wenn ihr mal in Hu\u1ebf sein solltet: Dort bitte nichts ausleihen, die Geschichte dazu folgt gleich. Das erste Fahrrad, das ich bekam, war mir einfach zu eirig und sah so bauf\u00e4llig aus, dass ich ein anderes bevorzugte. F\u00fcr ebenso 20.000 \u0110\u1ed3ng bekam ich also einen etwas besseren, aber immer noch nicht sehr vertrauenserweckenden Drahtesel, um mich damit in Richtung der heiligen Grabst\u00e4tten fortzubewegen. Immer die \u0110\u01b0\u1eddng \u0110i\u1ec7n Bi\u00ean Ph\u1ee7 entlang und den Schildern ab Ortsausgang Hu\u1ebf folgen. Mehrere Kilometer fuhr ich \u00fcber D\u00f6rfer und kam irgendwann durch W\u00e4lder, in denen sich seltsame Steinskulpturen und -gr\u00e4ber befanden. Ich hielt kurz an einigen dieser heiligen Orte an, konnte aber nichts Besonderes entdecken, sodass ich mich immer weiter zu gewissen \u201eTombs\u201c vorarbeitete. Pl\u00f6tzlich tauchte vor mir etwas Gigantisches aus, dass einer Ruine einer alten Arena \u00e4hnlich sah. Wieder stieg ich von meinem tollen Rad, dass den Weg bis hierher m\u00fchelos \u00fcberstanden hatte, und kletterte an der besagte Ruine hinauf, nur um herauszufinden, dass das, was ich gerade eifrig fotografierte, einfach nur ein v\u00f6llig normaler Friedhof war, jedoch in Form einer kleinen Nekropole. Solch eine Totenstadt hatte ich vorher noch nie gesehen, weshalb ich es spontan v\u00f6llig beeindruckend fand. Teilweise trugen einige Grabsteine sogar Bilder der Verstorbenen und komplette Lebensgeschichten. Dann schwang ich mich wieder auf den Sattel, um endlich zu einer als Touristenattraktion ausgeschriebenen St\u00e4tte zu gelangen, der von Ch\u00edn H\u1ea7m. Wer oder was das war, wei\u00df ich nicht. Aber die Empore sah einfach nur beeindruckend aus: Vier gro\u00dfe S\u00e4ulen markierten den Aufstieg \u00fcber eine endlos scheinende Treppe, um einer Statue mit drei K\u00e4mpfern herum, bis zu einem auf einem Berg thronenden Tempel, der jedoch verschlossen war. Von oben hatte man eine wunderbare Aussicht auf \u2026 na ja, auf die Treppe, die ich hochgelaufen war. Mehr gab es nicht zu sehen. Also wieder hinunter. Dann gab es dort noch kleinere Kammern, auf Vietnamesisch \u201eTunnel\u201c genannt, von denen die meisten ohnehin schon zerfallen und nie restauriert worden waren. Im Tunnel 8 (\u201eH\u1ea7m s\u1ed1 8\u201c) hatte man eine Folterszene plastisch nachgestellt. Ein kleiner Spaziergang durch den Dschungel bildete den Abschluss dieser Grabst\u00e4tte, bevor ich mich mit meinem Fahrrad noch ein St\u00fcckchen weiter zur n\u00e4chsten Reliquie, die irgendwie Huy\u1ec1n im Namen hatte, begab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Seltsamerweise sah ich dort einen Teil des Personals meines Hostels, sprach aber nicht mit ihnen. F\u00fcr mein Fahrrad musste ich eine Standgeb\u00fchr und f\u00fcr die St\u00e4tte Eintritt bezahlen \u2026 hm, schon ein bisschen touristischer, oder? Die Frau am Ticketverkauf verstand zwar nichts als \u201ehow much?\u201c, aber ich kam hinein und wurde erst einmal von einem kleinen Tempel entt\u00e4uscht. Die wahre Sch\u00f6nheit verbarg sich dahinter: Zu einem weiteren Tempel auf einer Anh\u00f6he f\u00fchrte ein Aufstieg, der von einem riesigen, steinernen Drachengel\u00e4nder begleitet wurde. Oben angekommen, hatte ich zwar einen tollen \u00dcberblick \u00fcber die gesamte Anlage, mir fehlte jedoch irgendetwas. So suchte ich mir Irrwege durch den umliegenden Dschungel, kam in eine Sackgasse (wobei mir hier der englische Begriff \u201edead end\u201c besser gef\u00e4llt, weil der Weg tats\u00e4chlich mitten im Gestr\u00fcpp einfach aufh\u00f6rte), vorbei an einem anderen, noch im Bau oder Restauration (?) befindlichen Tempel, von dem aus ich eine noch sch\u00f6nere Aussicht \u00fcber den zentralvietnamesischen Urwald hatte, folgte einem Wegweiser zu einer Statue des Maitreya und kam schlie\u00dflich an eine unglaublich Treppe, die zur so genannten Friedensglocke auf etwas mehr als 100 m \u00fc. NN f\u00fchrte. Zun\u00e4chst bewunderte ich die herrliche Aussicht \u00fcber Hu\u1ebf, das Hupen der Autos in weiter Ferne und die Ger\u00e4usche der Natur in der Umgebung. Alles bestens. Doch ein Problem gab es bei dieser Sache.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Kurze Einleitung: Ich sammle schon seit vielen Jahren zahlreiche W\u00e4hrungen aus verschiedenen L\u00e4ndern, wie ein Hobbynumismatiker. Mir macht es einfach Spa\u00df, die vielen diversen Abbildungen, Pr\u00e4gungen und Schriften auf den M\u00fcnzen und Scheinen zu sehen. Aus Vietnam hatte ich bisher alle Scheine (M\u00fcnzen hat das Land kaum) zusammengesucht, mir fehlte nur noch der kleinste, sich noch in Gebrauch befindliche Geldschein, n\u00e4mlich 200 \u0110\u1ed3ng! Und gerade von diesem sonst so seltenen Schein steckte etwa ein Dutzend zwischen Duftkerzen in der heiligen St\u00e4tte, die wohl Buddha geweiht war. Zu gerne wollte ich diesen Schein haben, also was spr\u00e4che dagegen, einen davon hinauszunehmen und einen etwas gr\u00f6\u00dferen \u0110\u1ed3ng-Schein als Tauschgesch\u00e4ft hineinzustecken? Leichter gesagt als getan, wenn man kein kleines vietnamesisches Geld bei sich hat. In meinem Portemonnaie befanden sich nur 20.000er und h\u00f6her notierte Werte, zudem noch ein paar Dollar. Das war mir zu viel zum Spenden \u2013 und so dachte ich mir, warum nicht einfach den klitzekleinen, nahezu wertlosen 200-\u0110\u1ed3ng-Schein zu nehmen, einzustecken und sich wieder zur\u00fcck nach Hu\u1ebf zu begeben. Es war ja auch niemand in der N\u00e4he. ABER: Es war ein heiliger Ort! Und einen heiligen Ort bestiehlt man nicht, das zeugt von extrem schlechtem Karma! Aber dar\u00fcber dachte ich in dem Moment nicht nach und schwang mich nach einem langen Abstieg wieder auf mein Rad.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Erstens war es noch lange nicht Zeit f\u00fcr die R\u00fcckkehr und zweitens wollte ich noch mehr von den Grabst\u00e4tten sehen. So fuhr ich wieder ein St\u00fcckchen zur\u00fcck und bog auf eine kleine Anh\u00f6he ab. Nachdem ich \u00fcber den Gipfel schauen konnte, offenbarte sich mir eine wundersch\u00f6ne Sicht auf \u2026 tja, auf was? Was war das? Wieder ein Friedhof? Jedenfalls standen links und rechts von mir hohe Grabsteine mit Bildern und Widmungen und Blumen. Aber die Stra\u00dfe f\u00fchrte direkt durch diesen Friedhof, durch diese Totenstadt. Selbst in einer Entfernung von gesch\u00e4tzten 200 Metern Luftlinie konnte ich noch massig Gr\u00e4ber auf einem Berg sehen. An einigen Stellen arbeiteten Leute, die mich selbstverst\u00e4ndlich seltsam be\u00e4ugten. Wo war ich hier gelandet? Zwischen tausenden von Toten? War das vielleicht ein schlechtes Omen? Jedenfalls war es der Beginn einer Pechstr\u00e4hne: Ich kehrte zur\u00fcck, weil ich mir hier einfach unwohl f\u00fchlte. Zur\u00fcck in die Stadt. Wollte ich zumindest. Aber ich muss die kleine Anh\u00f6he, die ich zum Friedhof gekommen war, wieder in entgegengesetzter Richtung erklimmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Also trat ich kr\u00e4ftig im Stehen in die Pedale und \u2026 das Fahrrad verbog ein wenig. Pl\u00f6tzlich lie\u00df es sich nur noch sehr schwer lenken und war so unglaublich eirig, dass ich es schon aufgeben wollte, damit weiterzufahren. Aber ich gab nicht auf. So ging es bald wieder einen kleinen H\u00fcgel (f\u00fcr das Fahrrad wohl einen Berg) hinauf und wieder trat ich im Stehen in die Pedale. Ein Fahrrad sollte doch so etwas aushalten, oder? Nun ja, nicht jedes vietnamesische Rad scheint das zu schaffen: Krack! Da lag ich auf dem Boden. Der mittlere linke Zeh schmerze, meine Wasserflasche rollte davon und ich wusste nicht mehr, wo oben und unten ist! Da lag das Fahrrad nun, ich darauf. Bald realisierte ich, dass das Vorderrad von der Lenkstange abgebrochen war. Ja, tats\u00e4chlich! Es war ab. So verrostet, dass es unter meinem Leichtgewicht zusammenbrach. Der Wasserflasche ging es auch nicht so gut, denn sie hatte nun ein Loch und ich bald nichts mehr zu trinken. Dreckig war ich auch, aber viel schlimmer noch: Ich war planlos, was ich tun sollte! Wie sollte ich die 20 Kilometer zur\u00fcck in die Stadt kommen? Was sollte ich dem Verleih sagen? Wie sollte ich das Fahrrad zur\u00fcck in die Stadt bekommen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mein nicht mehr ganz so klarer Kopf sagte mir: Ruf erst mal beim Verleih an. Ich griff die Visitenkarte aus dem Portemonnaie und w\u00e4hlte die Nummer des Verleihs. Ein Mann nahm ab und verstand mich nicht. Das Telefon wurde an eine Frau weitergereicht. Sie verstand zwar in Teilen und konnte auch geradeso verst\u00e4ndlich antworten, aber das Gespr\u00e4ch scheiterte daran, dass entweder ich die Stra\u00dfennahmen oder Sehensw\u00fcrdigkeiten in so unverst\u00e4ndlichem Vietnamesisch aussprach oder sie sich einfach \u00fcberhaupt nicht in der Gegend auskannten. Sp\u00e4ter sollte ich merken, dass es sich wohl um Letzteres handelte. Ich legte auf und versuchte, eigenst\u00e4ndig in die Stadt zur\u00fcckzukommen. Ein Minibus kam vorbeigefahren, aber der Fahrer verstand kein Englisch und meinte, er f\u00fchre gar nicht nach Hu\u1ebf. Mehrere Motorradfahrer hielten eher schadenfroh als hilfsbereit an \u2026 was f\u00fcr ein Land! Irgendwann fand ich tats\u00e4chlich einen Dorfbewohner, der auf seiner alten M\u00f6hre vorbeigetuckert kam und mich meiner erbarmte. Das Fahrrad fotografierte ich noch schnell und schmiss es dann abseits der Stra\u00dfe ins Gestr\u00fcpp. F\u00fcr 15.000 \u0110\u1ed3ng brachte mich der nette Mann also wieder nach Hu\u1ebf, von wo aus ich noch gute zwei Kilometer bis zum Fahrradverleih laufen musste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dort ging der Spa\u00df dann los: Zun\u00e4chst wunderten sie sich, wo denn mein Fahrrad sei, dann erinnerten sie sich an den Anruf, dann erkl\u00e4rte ich die Geschichte und sie glaubten es kaum. Ich zeigte ihnen das Foto, aber das glaubten sie mir auch nicht. Der Verleihfuzzy wollte das Fahrrad sehen! Ich machte ihm deutlich, dass es noch an der \u201eUnfallstelle\u201c liege. Daraufhin fragte die Frau ganz besorgt, ob ich es denn wenigstens angeschlossen h\u00e4tte! Ja, klar, wer w\u00fcrde schon so ein zerbrochenes und absolut nicht mehr fahrt\u00fcchtiges Rad klauen!? So musste ich also wohl oder \u00fcbel auf das Motorrad des Verleihers steigen und ihm den Weg bis zum zur\u00fcckgelassenen Fahrrad beschreiben. Er konnte kaum Englisch, aber was er konnte, war \u201eoh, very far!\u201c \u2013 und diesen Satz sagte er nach jedem geschafften Kilometer, somit also gute 20 Mal. Als wir endlich ankamen, traute ich meinen Augen kaum: Wo war denn das Fahrrad hin? An der Stelle lag nichts mehr, auch nicht im umliegenden Ge\u00e4st. Verzweifelt versuchte ich zu erkl\u00e4ren, aber vergebens \u2026 Ich fragte Dorfbewohner, die gesehen haben mussten, wie ich den Minivan hatte anhalten wollen, aber sie kannten mich nicht. Dann lief ich mit dem Verleihtypen zu einer nahegelegenen Werkstatt, aber auch dort hatte man das Fahrrad nicht gesehen. Es war verschwunden, ein f\u00fcr alle Mal. Wie arm muss denn ein Land sein, dass solche R\u00e4der geklaut werden!? Gl\u00fccklicherweise fand ich noch einen Metallring an der vermuteten Unfallstelle, aber das war es dann auch und das reichte ihm wohl auch schlie\u00dflich als Beweis. Wir fuhren zur\u00fcck. Mein Geld \u2013 weder f\u00fcr das Fahrrad noch f\u00fcr die Transportkosten nach Hu\u1ebf \u2013 bekam ich selbstverst\u00e4ndlich nicht zur\u00fcck, auch nicht nach einer halbst\u00fcndigen Diskussion. Mit Vietnamesen kann man einfach nicht diskutieren!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So wartete ich noch eine Weile im Hostel, a\u00df Fisch und Pommes und unterhielt mich wieder mit den Neuseel\u00e4ndern, bis mein Sammeltaxi gegen halb f\u00fcnf nachmittags kam und mich zum Bus nach H\u00e0 N\u1ed9i bringen sollte. Wir sammelten noch andere Vietnamesen ein und kamen an einem schon bereit stehenden Bus an. Toll, dachte ich, da wird es ja bald losgehen! Aber weit gefehlt: Meine Tasche war zwar schon im Kofferraum, aber als ich das Ticket zeigte, teilte man mir mit, ich sei im falschen Bus. Ich sollte noch ein paar Minuten warten \u2026 Der Bus kam dann auch bald, nach 20 Minuten, und dann wartete er noch bis etwa 18 Uhr.<\/p>\n<p><a href=\"#vorwort\">Seitenanfang<\/a><br \/>\n<a name=\"hue-hanoi\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p><strong>Von Hu\u1ebf nach H\u00e0 N\u1ed9i (07. \u2013 08.04.2010)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gl\u00fccklicherweise sa\u00df ich allein, so w\u00fcrde ich mich ja in der Nacht ausbreiten k\u00f6nnen. Gegen\u00fcber sa\u00df eine Touristin, die ich aber absolut unsympathisch fand. Irgendwann gegen 22 Uhr stiegen noch mehr Leute ein und so setzte sich ein Vietnamese, der vorher vor mir gesessen hatte, nun neben mich. Ich \u00e4rgerte mich zwar, aber schlie\u00dflich hatte ich ja nur ein Ticket f\u00fcr einen Platz! Ich schlief ein. Zwischenzeitlich wurde ich mal mit Worten von der Touristin gegen\u00fcber, der einzigen im Bus (!), geweckt, um mich darauf hinzuweisen, dass mein toller Sitznachbar st\u00e4ndig an meine Tasche wolle. Ich nahm ihren Hinweis nicht so ganz ernst, aber stellte wenigstens meine Tasche so zwischen mich und das Fenster, dass man sie nicht h\u00e4tte wegnehmen k\u00f6nnen, ohne mich dabei zu wecken. Handy und Portemonnaie lie\u00df ich in den Hosentaschen mit Klettverschluss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gegen drei Uhr (08.04.2010) wachte ich auf. Ich sah mich um: Der Vietnamese neben mir war weg. Toll, endlich Platz zum Liegen! Der obligatorische Griff zum Handy zur Zeitabfrage f\u00fchrte ins Leere. Wo war denn das Handy? Hm, vielleicht aus der Hosentasche gefallen. Ich suchte den Boden ab, aber da war nichts; der Reisverschluss war ja auch noch verschlossen. Dann kombinierte ich: Handy weg, Vietnamese weg! Verdammt, geklaut! Da ich so etwas nicht auf mir sitzen lasse, weckte ich die Touristin gegen\u00fcber und fragte, ob sie denn gesehen hatte, wann der Typ ausgestiegen sei. Sie verneinte, konnte sich aber immerhin an sein Gesicht erinnern und meinte, er habe wohl unter Drogen gestanden. Sie h\u00e4tte den Diebstahl angeblich schon vorausgesehen, aber das n\u00fctzte mir jetzt auch nichts mehr. Ich gab nicht auf und lief mit meinem Vietnamesisch-Phrasebook zum Busfahrer und Schaffner (diesem Ticket-einsammel-und-dann-nicht-wiederfinden-Typen), konnte aber nahezu nichts sagen, da beide wirklich null Englisch sprachen und ich ewig brauchte, um den passenden Satz im Buch zu finden. Ich konnte ihm \u201eklauen\u201c und \u201eTelefon\u201c mitteilen und dabei auf meine Tasche zeigen. Dabei realisierte ich, dass sie aufgeschlitzt worden war! Wie skrupellos! Mein sch\u00f6nes neues Handy, in das ich erst Stunden investiert hatte, um alle Telefonnummern wieder zu speichern. Weg war es.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich suchte noch den Satz \u201eGibt es hier jemanden, der Englisch spricht?\u201c heraus und der Schaffner sch\u00fcttelte nur den Kopf. Auf dem Ticket st\u00fcnde angeblich auch nichts \u00fcber die Herkunft des omin\u00f6sen Fremden und wann und wo er ausgestiegen war, wusste auch keiner. Was f\u00fcr ein Verein! Ich blieb bis H\u00e0 N\u1ed9i auf dem vordersten Sitz, um jeden zu beobachten, der ausstieg. Aber keiner machte den Anschein, etwas verbrochen zu haben, und so kam ich handylos in H\u00e0 N\u1ed9i an \u2013 direkt vor dem B\u00fcro des Busunternehmens.<\/p>\n<p><a href=\"#vorwort\">Seitenanfang<\/a><br \/>\n<a name=\"hanoi\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p><strong>H\u00e0 N\u1ed9i (08. \u2013 12.04.2010)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich schrieb mir das Nummernschild ab, ging ins B\u00fcro und beschwerte mich \u00fcber den sch\u00e4bigen Service auf der Fahrt. Ich war so unglaublich sauer! Nicht unbedingt auf den Typen, der mir das Handy geklaut hatte, sondern auf die Unlust, mir zu helfen. N\u00e4chstes Problem war, dass ich keine Ahnung hatte, wo in H\u00e0 N\u1ed9i ich eigentlich gelandet war. Ich lie\u00df mir im B\u00fcro einen Punkt in meine Karte malen, der aber sowas von falsch lag, dass ich schon wieder h\u00e4tte \u00fcberreagieren k\u00f6nnen. Ich irrte also eine Weile umher und lief zur\u00fcck zum B\u00fcro. Dort bestand ich darauf, mir gef\u00e4lligst die richtige Stra\u00dfe auf einer Karte zu zeigen. An einer Wandkarte fand die nette Frau endlich, wo sie eigentlich arbeitete, sodass ich es mit meiner Karte vergleichen konnte. Hatte ich es mir doch gedacht: Der Bus hatte uns irgendwo im Nirgendwo hinausgeschmissen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nun hatte ich eine Ahnung, wie weit ich noch bis ins geplante Touristenviertel laufen m\u00fcsste. Oder ich f\u00e4nde eine g\u00fcnstige Mitfahrgelegenheit. Handeln hatte ich ja bereits gelernt, also schaffte ich es, f\u00fcr nur 20.000 \u0110\u1ed3ng mit einer Motorradfahrerin bis zur M\u00e3 M\u00e2y zu kommen. Das einzig Nervige daran war, dass die gute Frau mir st\u00e4ndig irgendwelche Fragen auf Vietnamesisch stellte und von mir verlangte, sie zu beantworten. Ich wusste noch nicht einmal, wie man \u201eich wei\u00df nicht\u201c oder \u201eich verstehe nicht\u201c in ihrer Sprache sagte, und da sie auch mein Englisch nicht kapierte, war die Unterhaltung eher einseitig, aber schlie\u00dflich kam ich ja an und steuerte gleich auf eine Unterkunft namens \u201e\u00d0\u00f4ng \u00c1 Hotel\u201c f\u00fcr vier Dollar pro Nacht zu. Es war ein Dorm mit etwa zehn Betten, die an einem langen Korridor entlang als Doppelstockbetten aufgestellt waren. Ich richtete mich kurz ein, duschte endlich mal wieder mit konstant warmem Wasser und erkundigte mich dann sofort in den umliegenden Reiseb\u00fcros nach einem Direktbus nach Vientiane. Das Angebot war \u00fcberw\u00e4ltigend, nahezu jedes Reiseb\u00fcro bot diesen Service an, und zwar von 13 bis 25 Dollar. Ich hatte vorher im Lonely-Planet-Reisef\u00fchrer gelesen, dass es diesen Bus f\u00fcr 24 US$ g\u00e4be, aber darunter seien auch eine ganze Menge \u201eScams\u201c (Betrugsversuche). Ich war froh, g\u00fcnstige Angebote bekommen zu haben, und da mir alle versicherten, dass es der Bus in etwa 18 Stunden schaffen w\u00fcrde, war ich mir meiner Heimreise schon sicher, kaufte aber noch kein Ticket.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Stattdessen lief ich in die Innenstadt, zu Ho Chi Minhs Mausoleum, das aber verschlossen war, am gro\u00dfen \u201eWest Lake\u201c vorbei und entlang dem Verteidigungsministerium, vor dem Soldaten mit tollen Gewehren standen. Immer wieder sah ich diplomatisches Geleit aus verschiedenen L\u00e4ndern in noblen, schwarzen Autos vorbeifahren, aber ansonsten fand ich die Stadt nicht sehr aufregend. Sehensw\u00fcrdigkeiten gab es auch nicht. Ich schneite im Kriegsmuseum hinein, f\u00fcr das ich keinen Eintritt mehr bezahlen musste, weil es nur noch eine Viertelstunde ge\u00f6ffnet hatte. Die Zeit reichte mir als absoluter Gegner jeglicher Kriegshandlungen v\u00f6llig und so marschierte ich zur\u00fcck in die Touristengegend. Dort suchte ich mir ein vietnamesisches Restaurant mit zwar sehr gutem Preis-Leistungs-Verh\u00e4ltnis, aber absolut schlechter Servicequalit\u00e4t (ich sa\u00df 20 Minuten vor meinem leeren Teller und wartete aufs Bezahlen!). Dann ging ich schlafen \u2013 es war ein anstrengender Tag gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Am n\u00e4chsten Morgen (09.04.2010) weckte mich der \u00d6sterreicher Anatol, weil er gerade erst angekommen war und sich noch nicht so auskannte. Zwar war ich mit H\u00e0 N\u1ed9i auch noch nicht sehr vertraut, aber immerhin war ich schon einmal in der Innenstadt gewesen. Wir entschieden uns daf\u00fcr, einfach jeweils ein Motorrad f\u00fcr 100.000 \u20ab auszuleihen und damit zur 100 Kilometer entfernten \u201eHalong Bay\u201c, der Touristenattraktion in Vietnam \u00fcberhaupt, zu fahren. Da wir die Bikes wie immer ohne Sprit bekommen hatten, suchten wir verzweifelt nach einer Tankstelle. Selbst mit Durchfragen dauerte es uns eine gute halbe Stunde, bis wir den Tank endlich voll bekamen. Am Tag zuvor hatte ich mich noch mit Steve, dem momentanen \u201ekulturweit\u201c-Freiwilligen in H\u00e0 N\u1ed9i, per E-Mail bei sich auf Arbeit verabredet und so suchten wir, Anatol und ich, das B\u00fcro des DAAD auf dem Campus einer Technischen Universit\u00e4t. Wir mussten uns wieder auf Englisch und Franz\u00f6sisch durchfragen, bis wir endlich das Deutschzentrum fanden. Unglaublich, dass in Vietnam tats\u00e4chlich Leute unsere Sprache lernen oder gar sprechen! Das Gespr\u00e4ch mit Steve dauerte vielleicht zehn Minuten, dann musste er zum Mittagessen, wir auf unsere Motorr\u00e4der und wir wollten uns am n\u00e4chsten Abend noch einmal treffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Den Weg aus H\u00e0 N\u1ed9i hinaus zu finden, stellte keine gro\u00dfen Schwierigkeiten dar. Und da wir wieder einmal die schnellsten auf der Autobahn waren, kamen wir auch schnell in die l\u00e4ndlichere Gegend. Bald sollten es nur noch 80 Kilometer bis zur Halong-Bucht sein. Die Fahrt war aber zwischen all den LKWs, Bussen, anderen Motorr\u00e4dern und dem aufgewirbelten Staub furchtbar unangenehm, also entschieden wir uns, den Weg \u00fcber die Landstra\u00dfe zu suchen. Wir fuhren also von der Autobahn ab und folgten einem halb gepflasterten Weg, der lange Zeit nur geradeaus f\u00fchrte. In einem Dorf hielten wir kurz an und fragten, wo wir denn seien. Da die Bewohner keine Karte lesen konnten, versuchte ich es mit meinem Sprachtalent. Wo sei denn die \u201eTh\u00e0nh ph\u1ed1 H\u01b0ng Y\u00ean\u201c (Stadt H\u01b0ng Y\u00ean), fragte ich, denn das w\u00e4re die n\u00e4chstgr\u00f6\u00dfere Stadt laut meiner Karte gewesen. Die Dorfbewohner deuteten in eine Richtung, die ich nicht vermutet h\u00e4tte, aber wir glaubten ihnen und folgten einem noch schlechteren Weg. Die Fahrt machte Spa\u00df, f\u00fchrte aber irgendwie zu nichts, schon gar nicht zur Halong-Bucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Anatol hatte sich immer beschwert, dass wir doch einfach mal die kleineren Sandstra\u00dfen und nicht immer die so sch\u00f6n ausgebauten Wege befahren sollten. Gesagt, getan: Ich schlug ihm einfach einen ins Nichts f\u00fchrenden Sandweg auf einem Dorf vor und schon bem\u00fchten wir unsere Motorroller \u00fcber den unebenen Grund. Wir kamen mal wieder an einem Friedhof vorbei (schlechtes Omen!?) und steuerten dann geradewegs die matschigen Reisfelder an. Wir balancierten auf den Grenzwegen zwischen den unter Wasser stehenden Reisfeldern entlang, vorbei an verdutzten Bauern, bis es nahezu nicht mehr weiterging. Irgendwann mussten wir die Motorr\u00e4der mit geschicktem Gangwechsel \u00fcber Abgr\u00fcnde hieven, in denen das Vorderrad auch h\u00e4tte stecken bleiben k\u00f6nnen. Das Ganze lief zwar recht gut, aber da ich ja ohnehin schon recht viel Pech in Vietnam gehabt hatte, st\u00f6rte es mich auch nicht mehr so sehr, dass ich am f\u00fcnften Abgrund mit der Maschine umkippte und zur einen H\u00e4lfte ins Reisfeld, sprich in braunen Matsch, hineinfiel. Meine ganze linke Seite war braun und nass, aber eigentlich war es eher lustig als schlimm. Das Einzige, was ich bei dem Sturz verloren hatte, war die Lust, noch weiter in die Felder hervorzudringen, sodass wir erst einmal die R\u00e4der abstellten und zu Fu\u00df erkundeten, wie sich der Weg entwickeln w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Anatol wollte unbedingt weiterfahren, ich aber nicht. Also starteten wir ein kleines Wettrennen: Anatol w\u00fcrde \u00fcber eine weitere Runde versuchen, zum Ausgangspunkt zur\u00fcckzukehren, w\u00e4hrend ich es in entgegen gesetzter Richtung auf der eben bezwungenen Route schaffen sollte. Ich gewann zwar, aber trotzdem war ich mit meinem Schlamm noch nicht ganz so gl\u00fccklich. Wir trafen noch einen sehr lustigen Dorfbewohner, der sich wohl gerade an seine Arbeit auf dem Feld machen wollte. Er redete etwa zehn Minuten auf Vietnamesisch auf uns ein, bis Anatol sich einen Spa\u00df daraus machte und ihm \u201eunsere\u201c Geschichte auf Deutsch schilderte. So lief das Gespr\u00e4ch etwa zwanzig Minuten \u2013 keiner verstand die andere Partei, aber es war sehr lustig. Das einzige Wort, dass wir immer wieder aus seinen Erz\u00e4hlungen heraush\u00f6rten, war so etwas wie \u201emurat\u201c (sch\u00f6n auf T\u00fcrkisch aussprechen). Dieses Wort w\u00fcrden wir von nun an nehmen, um alles, was mit Reisfeldern und \u201eDreck am linken Arm\u201c zu tun hat, zu beschreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir fuhren weiter und kamen endlich in der gro\u00dfen Stadt H\u01b0ng Y\u00ean an. Die Autobahn machte uns abermals keinen Spa\u00df, also entschieden wir, vom Weg abzufahren und durch die kleinen Gassen der Stadt zu d\u00fcsen. Der Hunger qu\u00e4lte uns bereits und so hielten wir wohl oder \u00fcbel an einem restaurant\u00e4hnlichen H\u00e4uschen an, vor dem eine Frau sa\u00df und irgendwelche seltsamen Sachen frittierte. Dahinter sa\u00df eine ganz schar sich am\u00fcsierender Vietnamesen. Das sollte uns nicht st\u00f6ren und so setzten wir uns einfach vor die Pfanne, aus der uns die gute Frau ein paar flache, von der Konsistenz her Kroketten \u00e4hnelnde, frittierte St\u00fcckchen reichte. Etwas skeptisch probierte ich zuerst, und nachdem ich den guten Geschmack best\u00e4tigen konnte, kostete auch Anatol davon. Dann gab es ballf\u00f6rmigen, gekochten Teig, von dem wir nicht erfuhren, was eigentlich enthalten war, aber er schmeckte definitiv. Jedes St\u00fcck kostete uns schlappe 2.000 \u0110\u1ed3ng; was f\u00fcr ein Schn\u00e4ppchen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bald wurde uns die Stadt zu langweilig und es ging wieder ins \u201eMurat\u201c. Unsere mittlerweile zu Dirtbikes gewordenen Motorr\u00e4der machten schier alles mit und teilweise wussten wir selbst nicht, ob die Reiswege \u00fcberhaupt irgendwie hinf\u00fchren w\u00fcrden. Nach einigen Anl\u00e4ufen, einen sinnvollen Weg zu finden, landeten wir auf einem D\u00f6rfchen, in dem die Bewohner wohl noch nie Touristen gesehen hatten. Einer verwehrte mir sogar das Fotografieren eines seltsam anzuschauenden Baumes. Schulm\u00e4dchen, die gerade Pause hatten, kreischten aus den Fenstern und vom Schulhof, weil sie uns beide schicke Westler vorbeifahren sahen, und waren sichtlich verwundert, wenn nicht gar geschockt, dass wir die Feldwege den gepflasterten Stra\u00dfen vorzogen! In einem Dorf konnte man sich wirklich verirren, da die Wege zwischen den H\u00e4usern zwei Meter hoch eingemauert waren \u2026<br \/>\nAls wir genug vom Dorf hatten, traten wir den Heimweg an. Wir kamen an einem gro\u00dfen bank\u00e4hnlichen Geb\u00e4ude vorbei, in dem ich mich endlich von meinem \u201eMurat\u201c am linken Arm befreien konnte. Es schien wohl eine B\u00f6rse gewesen zu sein. Jedenfalls verstand man \u201etoilet\u201c und verwies mich in ein recht gepflegtes Bad. Um unseren anhaltenden Hunger zu stillen, kauften wir vor der B\u00f6rse noch riesige, preisg\u00fcnstige Baguettes und unterhielten uns wieder auf Deutsch und Vietnamesisch zun\u00e4chst mit einem Baum-, dann mit einem Schlangenverk\u00e4ufer. Wer auch immer solche Sachen kaufte, wir jedenfalls erschienen den beiden wie potenzielle Interessenten, auch wenn wir schlie\u00dflich ohne Baum und ohne Schlange heimkehren sollten. Auf der Heimreise \u00fcbte Anatol noch ein paar Burn-outs mit dem Motorrad in dickem Sand neben (!) der Autobahn und dann war es auch nicht mehr schwer, den Weg zur\u00fcck nach Hanoi zu finden. Schwer war es aber, wieder zur\u00fcck zu unserer Unterkunft zu kommen, weil die Stra\u00dfenf\u00fchrung im \u201eOld Quarter\u201c nicht geradlinig verl\u00e4uft, sondern meist halbkreisf\u00f6rmig, weshalb man bei dreimal nach links abbiegen wieder am Ausgangspunkt ist, w\u00e4hrend man daf\u00fcr gew\u00f6hnlich viermal in dieselbe Richtung abbiegen muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bei einem gem\u00fctlichen Abendessen in einem gem\u00fctlichen Restaurant kamen wir mit drei deutschen Teenagern ins Gespr\u00e4ch, von denen einer ein Jahr zuvor ebenfalls ein Auslandsjahr beim SFD Kassel in Peking, wof\u00fcr ich mich auch einst beworben hatte, vollendet hatte. Zu f\u00fcnft klapperten wir alle m\u00f6glichen Restaurants in der Umgebung ab, aber da es nirgends mehr \u201ebia h\u01a1i\u201c (Bier vom Fass) gab, war der Abend bald zu Ende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">W\u00e4hrend Anatol am n\u00e4chsten Morgen (10.04.2010) sein Motorrad gleich zur\u00fcckgeben wollte, hatte ich eigentlich vor, es bis 10 Uhr noch zu behalten, um damit zu H\u1ed3-Ch\u00ed-Minhs Mausoleum zu fahren, aber soweit sollte es gar nicht kommen. Viel Gl\u00fcck hatte ich ja schon die letzten Tage nicht gehabt, also sollte es mit dieser Pechstr\u00e4hne weitergehen: Mein Hinterrad hatte einen Platten. Na klasse! Wir entschieden also, die Roller zur\u00fcck zum Verleih zu bringen. Mit einem platten Reifen konnte ich ja ohnehin nichts mehr anfangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Lange lie\u00df der Verleiher auf sich warten, da wir die R\u00e4der \u00fcber eine Reiseagentur, also einen Zwischenh\u00e4ndler, gemietet hatten. Freundlich wies ich den Mann auf den Platten hin, damit er ihn flicken lassen k\u00f6nnte, falls ihn denn jemand zerstochen hatte. Der Typ verstand das aber nicht so, sondern notierte es sich gleich als M\u00e4ngel und meinte, wir m\u00fcssten sofort den Reifen wechseln lassen. Bei Anatol wurde unterdessen ein kaputtes R\u00fccklicht festgestellt, das aber schon beim Ausleihen nicht funktionierte. So etwas hatten wir nat\u00fcrlich nicht beanstandet, denn mein Tacho ging auch nicht, jedes Mal sprang bei mir der Gang heraus, wenn das Motorrad stand, und der \u00d6sterreicher beklagte sich \u00fcber einen instabilen Lenker bei hohen Geschwindigkeiten. Was war da schon ein R\u00fccklicht? F\u00fcr uns nichts, f\u00fcr den Verleiher eine willkommene Gelegenheit, uns Geld aus der Tasche zu ziehen. Mein Motorrad wurde gleich zur Werkstatt geschoben, aber statt den Reifen zu flicken oder \u00fcberhaupt erst einmal auf Sch\u00e4den zu untersuchen, sollte er gleich ausgewechselt werden. Das wird nat\u00fcrlich wieder ein Grund, um mich tierisch aufzub\u00e4umen, aber im Endeffekt brachte es nichts: Ich musste 50.000 f\u00fcr den Reifen hinlegen und Anatol hatte die gleiche Summe zu blechen. Na klasse! Das war zusammen wieder eine volle Motorradmiete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Jetzt fragt ihr euch, warum wir nicht einfach abgehauen sind und das Geld bezahlt haben? Tja, weil der Verleihfuzzy den Reisepass von Anatol als Pfand bekommen hatte. Auch wenn es der wichtigste Gegenstand auf Reisen ist, muss man ihn gew\u00f6hnlich bei Motorradausleihen abgeben und bekommt ihn erst bei Aufl\u00f6sung des Vertrages beziehungsweise ordnungsgem\u00e4\u00dfer R\u00fcckgabe zur\u00fcck. Da kann man nichts machen, es sei denn, man besteht auf einer vollst\u00e4ndigen Abschrift oder Kopie (bestenfalls einer beglaubigten von einer internationalen Beh\u00f6rde), einem Ersatzdokument (F\u00fchrerschein, Personalausweis) oder Geldpfand (gew\u00f6hnlich zwischen 20 und 100 Dollar).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">V\u00f6llig ver\u00e4rgert ging ich mir dann noch ein Ticket bei einer der weder teuren, noch billigen Agenturen nach Vientiane kaufen, hoffte damit also auf ein gutes Mittelma\u00df an Service. Sie hatten mir ja schon einmal die Reiseroute und den Ablauf an der Grenze erkl\u00e4rt; alles schien verl\u00e4sslich. Aber als ich an diesem Tag ankam, gab es nur einen Schlafbus \u2013 ich mag diese Schlafbusse aber nicht, nicht nur, weil sie teurer sind, sondern weil ich ohnehin im Sitzen besser in einem Bus schlafen kann. Die Betten sind ja meist auch zu klein und viel zu hart. Da es also mein Ticket f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag nicht gab, begab ich mich zu einer billigeren Agentur, in der mehr die Chefin h\u00f6chstpers\u00f6nlich tats\u00e4chlich einen Sitzbus f\u00fcr 14 US-Dollar anbot. Mehrmals vergewisserte ich mich nach der Route und hoffte so herauszufinden, ob sie verl\u00e4sslich seien. Die Chefin schien kompetent und so kaufte ich die Fahrkarte \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Anatol wollte demn\u00e4chst nach Indien und brauchte ein Visum daf\u00fcr. Wir nahmen ein extrem teures Taxi zur Botschaft, nur um feststellen zu m\u00fcssen, dass sie verschlossen war. Der W\u00e4chter konnte wieder einmal kein einziges Wort auf Englisch und so zeigte er eine \u201e2\u201c mit den Fingern. Wir deuteten es als \u201enoch 2 Stunden geschlossen\u201c, weshalb wir uns die Zeit in einem kleinen, extrem schwer zu findenden und von einer Australierin gef\u00fchrten Buchladen und danach in der wohl uninteressantesten Sehensw\u00fcrdigkeit Hanois namens \u201eTemple of Literature\u201c (der rein gar nichts mit B\u00fcchern zu tun hatte) vertrieben. Auf der Suche nach Essen und einem Zeitvertreib, lies: Kino, landeten wir einem von \u201eLonely Planet\u201c beschriebenen Hinterhof, der, nachdem er von au\u00dfen ganz und gar nicht einladend aussah, sich als Luxusrestaurant mit integriertem Kino und Hotel herausstellte. Es war uns aber viel zu teuer, wenn auch \u201eurgem\u00fctlich\u201c, wie der \u00d6sterreicher zu sagen pflegte. In einem kleinen Restaurant an der Stra\u00dfe bestellten wir uns dann billigeres \u201elocal food\u201c, aber die Sprachbarriere war auch hier mehr als deutlich. Wenn selbst \u201eWasser\u201c und \u201eSalz\u201c auf Englisch nicht in einem Restaurant verstanden werden, wo dann? Ich musste also die W\u00f6rter in meinem Phrasebook zeigen, um uns verst\u00e4ndlich zu machen, denn meine Versuche, die beiden W\u00f6rter auf Vietnamesisch auszusprechen, scheiterten ebenso. Das Essen war billig, aber nicht lecker.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zur\u00fcck zur Botschaft: Immer noch verschlossen, es waren bereits drei Stunden verstrichen. Wir fragten den W\u00e4chter noch einmal und wieder zeigte er eine \u201e2\u201c mit den Fingern. Dieses Mal deuteten wir es als \u201enoch 2 Tage geschlossen\u201c. Wir zogen von dannen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit Steven, dem \u201ekulturweit\u201c-Freiwilligen in Hanoi, machte ich mir ein erneutes, hoffentlich l\u00e4ngeres Treffen f\u00fcr um sechs per Internet aus, da weder ich noch Anatol ein Handy besa\u00df. Dieses Treffen schlug aber fehl, weil Steven die Mail zu sp\u00e4t gelesen hatte, da er vorher noch auf einem Samstagsausflug f\u00fcr seine Arbeit war. Ich spazierte also mit Anatol ein bisschen um den gro\u00dfen See im \u201eOld Quarter\u201c und wir f\u00fchrten philosophische Gespr\u00e4che \u00fcber dies und \u00fcber das.<br \/>\nDas eigentlich Verwunderliche kommt jetzt aber: In einem Restaurant bestellten wir uns beide ein Pizza. Wie immer reichte es mir ja nicht, einfach nur den Namen der Pizza zu sagen, ich muss ja stets hinzuf\u00fcgen, dass ich \u201ekeinen K\u00e4se\u201c will. Zun\u00e4chst erwartete ich einen erschrockenen Blick von der Bedienung (was auch eintraf) und dann nat\u00fcrlich einen ebenso \u00fcberraschten Gesichtsausdruck von meinem Tischnachbarn. Aber der sagte ganz normal, dass er auch keinen K\u00e4se m\u00f6chte. Wow, das hatte ich noch nie erlebt! Er erkl\u00e4rte mir auch, dass die originale neapolitanische Pizza in zwei Ausf\u00fchrungen kommt: einmal mit und einmal ohne K\u00e4se. Dort sei diese Eigenart Standard. Noch in Saigon hatte mir eine Bedienung doch tats\u00e4chlich weismachen wollen, dass sie \u201ekeine Pizza ohne K\u00e4se\u201c habe. Diese Reaktion konnte ich mir nur durch Tiefk\u00fchlpizza erkl\u00e4ren \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als Abschluss unseres langweiligen Tages in Hanoi machten wir noch ein \u201eSpiel\u201c, das sich nur in Hanois \u201eOld Quarter\u201c so gut spielen l\u00e4sst. Wie schon einmal erw\u00e4hnt, sind die Stra\u00dfen dort nicht rechtwinklig angeordnet, sodass man nicht genau wei\u00df, wie oft man in dieselbe Richtung abbiegen muss, um wieder am Ausgangspunkt zu landen. Wir wollten uns einfach auf der anderen Seite unseres Hauses wiedertreffen, w\u00e4hrend ich nach links und Anatol nach rechts l\u00e4uft. Das ging schief. Ich schaffte es problemlos, aber Anatol war verschwunden. Ich lief den Weg in beide Richtungen dreimal ab und auch in die Nebenstra\u00dfen. Er war weg. Ich ging duschen, dann schlafen. Der \u00d6sterreicher war immer noch weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Am n\u00e4chsten Morgen (11.04.2010) lag er wie ein Stein im Bett. Ich sollte sp\u00e4ter erfahren, dass er am Vorabend vom Weg abgekommen und in einer dunklen Gasse gelandet war, von wo aus er aus Angst einen Motorradfahrer bis nach Hause anheuerte. Ich lie\u00df ihn schlafen und machte mich nach einem kurzen Fr\u00fchst\u00fcck (zum vierten Mal im selben Restaurant) endlich auf zum Mausoleum des ber\u00fchmten H\u1ed3 Ch\u00ed Minh. Ich wurde sofort von einer gut hundert Meter langen Menschenschlange empfangen, die sich langsam fortbewegend immer weiter in das gro\u00dfe Geb\u00e4ude mit dem Leichnam der Ber\u00fchmtheit hineinschob und wahrscheinlich auf der anderen Seite wieder hinauskommen musste. Es war schwierig, sich zurechtzufinden, vor allem aber das Ende der Schlange zu finden. Eintritt kostete es nicht, lediglich die Kamera musste man abgeben. Bald war ich Teil der Schlange, dann ging es viele Stufen im Zickzack hinauf und schlie\u00dflich einmal um den Sarg H\u1ed3 Ch\u00ed Minhs herum, auf der anderen Seite wieder hinaus, wo ich \u00fcberraschenderweise meine Kamera sofort wieder in der Hand halten durfte, als h\u00e4tte sie jemand dorthin gebeamt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Man landete im Hinterhof des Mausoleums, von wo aus man noch in einen Garten oder in ein Museum gehen konnte. Ich erbarmte mich Letzterem, aber bis auf die erstaunliche Innen- wie Au\u00dfenarchitektur des Geb\u00e4udes fand ich das Museum nicht sehr museumshaft. Vielleicht hatte ich einfach keine Ahnung von der Geschichte, vielleicht auch einfach kein Interesse mehr an Vietnam, nach allem, was mir hier schon passiert war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bis 17 Uhr musste ich mir nun noch die Zeit vertreiben. Anatol auch, dann w\u00fcrde sein Bus nach Hu\u00e9 gehen \u2013 und meiner eben nach Vientiane. Ich freute mich darauf, endlich aus Vietnam hinauszukommen. Das Land gefielt mir nicht, die Mentalit\u00e4t der Leute sagte mir nicht zu und ich hatte viel Pech hier erlebt. Nun sollte es wieder in mein sicheres, gewohntes Thailand gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es war 17 Uhr. Wie ausgemacht sollte ich mich in der Agentur, bei der ich das Ticket gekauft hatte, einfinden, weil man mich von dort aus zum Bus per \u201ePick-up-Service\u201c bringen w\u00fcrde. Super. Konnte ja nichts mehr schiefgehen, au\u00dfer \u2026 Schon von Weitem, ohne dass die Frau einen Ton hervorbringen konnte, h\u00f6rte ich ein mitleidiges \u201eohhh, soooorry\u201c. Als der Ton an meinen Ohren ankam, best\u00e4tigte sich dieser Verdacht. Ich wollte, ohne dass ich \u00fcberhaupt wirklich wusste, warum, der Frau schon ins Gesicht schreien: \u201eIch hab\u2019s doch gewusst\u201c. Und wirklich hatte ich es geahnt: Mein Bus, f\u00fcr den ich ja das Ticket schwarz auf wei\u00df in der Hand hielt, existierte nicht. \u201eYour bus is not available\u201c, versuchte mir die Praktikantin klarzumachen. Sie war nicht h\u00fcbsch, sie war nicht superfreundlich und sie war schon gar nicht einsichtig, sie war einfach typisch vietnamesisch. Das best\u00e4tigte leider noch einmal den Eindruck, den ich aus diesem Land gr\u00f6\u00dftenteils mitnehmen konnte. Mir war es doch egal, ob es diesen Bus g\u00e4be oder nicht, ich wollte einfach am n\u00e4chsten Tag in Vientiane sein. Grund: In zwei Tagen w\u00fcrde Songkran in Chiang Mai gefeiert werden. DAS buddhistische Fest \u00fcberhaupt, da w\u00fcrde ich nat\u00fcrlich dabei sein m\u00fcssen und so etwas d\u00fcrfte ich einfach nicht verpassen, schon gar nicht wegen eines nicht existierenden vietnamesischen Busses!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nun stellte ich mich quer: Ich wollte meinen Bus, f\u00fcr den ich ja mein Ticket hatte. Schlie\u00dflich gab die gute Frau nach und offerierte mir einen Angebot f\u00fcr einen Schlafbus, der noch genau einen Platz heute f\u00fcr mich h\u00e4tte. Klar, den w\u00fcrde ich nehmen. Das Ticket hatte ich  ja schon. Aber genau darin lag das n\u00e4chste Problem. MEIN Ticket galt ja nur f\u00fcr einen Sitzbus, der ach so viel komfortablere Schlafbus w\u00e4re nat\u00fcrlich teurer gewesen, und zwar nur 15 Dollar. Daraus erg\u00e4be sich ein Gesamtaufpreis von \u00fcber 100%! Was f\u00fcr ein Gesch\u00e4ft \u2026 Abzocke pur. Aber ich bin ja jemand, der angeblich nie auf solche \u201eScams\u201c (Betr\u00fcger) hereinfallen w\u00fcrde, also willigte ich nat\u00fcrlich nicht ein. Warum sollte ich auch noch mehr bezahlen, wenn es meinen Bus, f\u00fcr den ich ja ein Ticket hatte, urpl\u00f6tzlich nicht mehr gab? Unverst\u00e4ndlich, vietnamesisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Eine Stunde war bereits vergangen. Anatol hatte bisher hinter mir gesessen und mit einer anderen Angestellten geflirtet. Er verabschiedete sich nun auch. Ich hatte keinen Bus, war gefangen in Hanoi. Nach weiterem Bedr\u00e4ngen der ach so armen Studentin auf dem Drehstuhl bekam ich endlich mal die tolle Chefin ans Telefon, die zun\u00e4chst einen bedauerlichen gro\u00dfen Fehler gemacht habe und dann ganz zuf\u00e4llig im Ausland und damit nicht zu erreichen sei. Ich hatte mich durchgesetzt und nun die Tante am H\u00f6rer. Ich lie\u00df sie nat\u00fcrlich nicht ausreden und musste mich zusammenrei\u00dfen. Ich bat um Alternativen: Schlafbus, Privatbus, Flugzeug, was auch immer, Hauptsache f\u00fcr denselben Preis bis zum n\u00e4chsten Abend bis nach Vientiane. Aber es half nichts, die Frau war unbelehrbar, uneinsichtig, hartn\u00e4ckig, teils unfreundlich, kurz: vietnamesisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach einer Weile ein winziger Erfolg: Einen ganzen Dollar wollte sie mir doch erlassen, sodass ich nur noch 14 Dollar draufzuzahlen h\u00e4tte. Wie l\u00e4cherlich! Es war so l\u00e4cherlich, dass ich laut lachen musste, obgleich mir gar nicht mehr zum Lachen zumute war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich schrieb mir den Namen der Praktikantin, der Chefin und der Reiseagentur auf. Ob es mir etwas helfen sollte? Ich schund zumindest Eindruck. Damit wer auch immer diesen Bericht liest, nicht in dieselbe Falle ger\u00e4t, halte er sich lieber von \u201eNamdo Tours\u201c in der M\u00e2 M\u00e3y 33, geleitet von Nguy\u1ec5n Ho\u00e0ng Anh, an diesem Tag mit Praktikantin Nguy\u1ec3n Th\u1ee7y, fern. Ein eingangs billig scheinendes Angebot wird bald zum b\u00f6sen und vor allem teuren Erwachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Irgendwann tauchte noch der Pick-up-Service auf. Ich bestand darauf, dass er mich wenigstens zu dem Schlafbus fahren sollte. Aber ohne meine \u201eNachzahlung\u201c w\u00fcrde er das nicht tun. Die Praktikantin meinte, ich schuldete dem Busfahrer 15 Dollar, wenn ich den Bus nehmen w\u00fcrde. Genau deswegen wollte ich ja zum Bus! Ich verlangte also mein vor zwei Tagen bezahltes Geld f\u00fcr das nichtige Ticket zur\u00fcck, behielt aber geschickterweise das Ticket in der Hand. Nun hatte ich ja immerhin 14 Dollar wieder und ein immer noch eigentlich g\u00fcltiges Ticket f\u00fcr einen nicht vorhandenen Bus. So lief ich schnell zum Pick-up-Service und reichte ihm das Geld, mit dem er mich gef\u00e4lligst zum Bus fahren sollte. Bl\u00f6derweise war die Praktikantin auch nicht ganz so dumm und erkl\u00e4rte dem Typen \u2013 nat\u00fcrlich auf Vietnamesisch \u2013, dass das so einfach nicht gehe und dass ich entweder die gesamten 29 Dollar bezahle oder gar nicht mit dem Bus fahren w\u00fcrde. Man brachte mich also weder zu dem angeblichen Schlafbus, noch kam er zur Agentur. Irgendwann war er angeblich abgefahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es war schon acht Uhr abends. Drei Stunden Diskussion. Kein Erfolg, au\u00dfer dem einen Dollar Erlass. Ich nahm noch einmal Anlauf und fragte nach Alternativen. G\u00e4be es denn wenigstens einen Zug nach Vinh, einer Stadt 100 km vor der laotischen Grenze, von wo aus ich wieder auf einen Tourbus springen k\u00f6nnte? Da die Praktikantin als Reisekauffrau v\u00f6llig unf\u00e4hig schien, schob ich sie vom Stuhl, setzte mich vor ihren Computer und fand im Internet im Handumdrehen die Zugverbindungen, die sie vergeblich gesucht hatte \u2026 was f\u00fcr eine Agentur! Es stellte sich heraus, dass es sehr zeitig fr\u00fch am Morgen einen Zug nach Vinh geben w\u00fcrde, von wo aus ich es einfach auf eigene Faust nach Vientiane versuchen w\u00fcrde. Das Angebot, den gleichen Bus einen Tag sp\u00e4ter von der Agentur zu nehmen, schlug ich aggressiv ab. Warum sollte ich auch? Bei dieser Agentur? Hier wollte ich kein Geld mehr lassen. Die 14 Dollar hatte ich ja bereits in \u0110\u1ed3ng zur\u00fcckbekommen, das Ticket daf\u00fcr abgegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Da ich aber gerade in der richtigen Diskussionsstimmung war und keine Einbu\u00dfen wegen dieser d\u00e4mlichen Agentur machen wollte, fehlte noch eine Unterkunft f\u00fcr die Nacht. Ich verlangte mindestens vier Dollar, um in meinem vorherigen Dorm n\u00e4chtigen zu k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich wollte sie das wieder nicht einsehen, also diskutierte ich immer weiter. Irgendwann schlug sie mir ein nahegelegenes Hotel vor, in dem ich kostenlos schlafen d\u00fcrfte. Sie gab mir eine Adresse, ich sollte es suchen gehen. Selbst mit Durchfragen fand ich es nicht. Diese Adresse schien falsch zu sein. Auch den Namen des Hotels verstand keiner \u2013 er war ja auch englisch! Ich ging zur\u00fcck und lie\u00df nun die Praktikantin suchen \u2026 Ewigkeiten \u2026 Unterdessen fragte ich in einer anderen Unterkunft nach einem m\u00f6glichst zeitnahen Bus nach Vinh oder Vientiane, den es aber nicht gab. Ich w\u00fcrde wohl den Zug nehmen m\u00fcssen.<br \/>\nIrgendwann kam die Reiseb\u00fcroangestellte v\u00f6llig au\u00dfer Atem zur\u00fcck und teilte mir voller Freude, aber auch vorwerfend (siehe, was ich alles f\u00fcr dich tue!) mit, sie habe den Schuppen gefunden. Wir gingen hin. Auf den ersten Blick wirkte alles sehr nobel. Ich bekam das oberste Zimmer. Das sah ich mir an: Fernseher, gro\u00dfes Bett, eigenes Bad, Klimaanlage, sogar einen kleinen K\u00fchlschrank gab es. Da sagte ich schnell zu und war froh, auch noch kostenloses Internet in der Lobby dazuzubekommen. Ich war zufrieden und bedankte mich f\u00fcr das Angebot.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zur\u00fcck in der Agentur kam gegen neun, nach vierst\u00fcndiger Diskussion, eine Freundin der Praktikantin, um sie abzuholen. Diese schien sich in dem Metier auszukennen und half mir sofort, eine g\u00fcnstige Zugverbindung zu finden. Sie bedauerte, keine Tickets mehr im Voraus reservieren zu k\u00f6nnen, weil es daf\u00fcr schon zu sp\u00e4t sei. Man k\u00f6nne sie nur direkt im Bahnhof holen. Damit ging die Diskussion auch zu Ende. Ich hatte zwar immer noch keine Fahrgelegenheit nach Laos, aber immerhin einen Plan und eine kostenlose \u00dcbernachtung \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u2026 in einem Zimmer, das tr\u00fcgerischer nicht h\u00e4tte sein k\u00f6nnen: Als erstes fielen mir die wahnsinnig vielen kleinen Fliegen an den W\u00e4nden auf, die ich vorher gar nicht gesehen hatte. Da es ziemlich stickig war, wollte ich die Klimaanlage sch\u00f6n anschalten, doch oh weh, die Fernbedienung war nicht aufzufinden. Ich suchte und suchte, fand sie aber nicht. Da es auch keinen Ventilator gab und man nicht ohne Ventilator oder Klimaanlage \u00fcberleben k\u00f6nnte, stolperte ich alle Stufen wieder hinunter, fragte nach einem \u201efan\u201c, bekam einen und trug ihn wieder bis in den f\u00fcnften Stock. Oben angekommen, wollte ich ihn anstellen, doch er funktionierte nicht, egal was ich tat. Ich schaffte ihn wieder hinunter, besorgte mir einen neuen, kletterte wieder alle f\u00fcnfzig Stufen nach oben und sah, dass er diesmal funktionierte, zwar nur auf der h\u00f6chsten Stufe, aber na ja. Nun probierte ich weiter: Der Fernseher funktionierte auch nicht, ging einfach nicht an. Das Wasser war nicht wirklich warm und das Bad voller Fliegen. Alles in allem war das Zimmer trotz seiner Gr\u00f6\u00dfe nicht einmal f\u00fcnf Dollar wert. Aus diesem Grund und weil ich den Zug um 5.55 Uhr nicht verpassen wollte, verbrachte ich praktisch die halbe Nacht vor dem kostenlosen Internet in der Lobby. Da ich meist der Einzige im Eingangsfoyer war, musste ich \u00f6fter mal die T\u00fcr f\u00fcr einkehrende G\u00e4ste \u00f6ffnen, die ohne mich wahrscheinlich nicht mehr in ihr tolles Hotel gekommen w\u00e4ren. Dann ging ich schlafen und wachte gl\u00fccklicherweise gegen halb f\u00fcnf morgens wieder auf, sodass ich mich nach einer angemessenen Dusche davonschleichen konnte. \u201eDavonschleichen\u201c trifft es wohl am besten, denn als gewisse Rache klaute ich mir zwei Cola-Dosen aus dem funktionierenden K\u00fchlschrank, legte den Zimmerschl\u00fcssel an die Rezeption und schob mich aus der Glast\u00fcr, die sich nur von Innen mit einem Stock \u00f6ffnen lie\u00df, in die morgendliche Fr\u00fche \u2013 auf zum Bahnhof, ohne auch nur noch einen \u0110\u1ed3ng in Hanoi zu lassen! Ich lief also.<\/p>\n<p><a href=\"#vorwort\">Seitenanfang<\/a><br \/>\n<a name=\"hanoi-vientiane\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p><strong>Von H\u00e0 N\u1ed9i nach Vientiane (12. \u2013 13.04.2010)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Den Bahnhof erreichte ich recht p\u00fcnktlich, das Ticket kostete auch nur einen Hunderttausender und ich musste nicht auf den Zug warten, denn er stand schon da. Da ich mit der dritten Klasse wirklich die unterste Kategorie jeglicher Fahrgelegenheit erstanden hatte, musste ich mich nach sechsst\u00fcndiger Fahrt auf Holzb\u00e4nken nicht \u00fcber R\u00fcckenschmerzen wundern. Interessant waren vor allem die M\u00f6glichkeiten, die sich die Vietnamesen in dem engen, stickigen und billigen Zug ausdachten, um bequem schlafen zu k\u00f6nnen. Das reichte von angezogenen Beinen auf der Bank \u00fcber hochgestreckte Beine am Fenster bis hin zum Schlafen unter den B\u00e4nken auf dem Boden. Faszinierend!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gegen 12 Uhr kamen wir an \u2013 in Vinh, einer Stadt, in der es wohl extrem selten Touristen gibt und in der man selbstverst\u00e4ndlich auch nichts mit Englisch anfangen konnte. Hier war mein bisher erlerntes Vietnamesisch essentiell. Eine Stadtkarte hatte ich nat\u00fcrlich auch nicht. Ein Motorradfahrer empfing mich und dr\u00e4ngte nat\u00fcrlich auch gleich darauf, mich an meinen Zielort zu fahren. Doch der war gar nicht so leicht zu beschreiben: Ich wollte zu einem Busbahnhof, der Busse hat, die nach Laos fahren: \u201e\u0111i xe bu\u00fdt \u0111i L\u00e0o\u201c (sprich: die se b\u00fct die laau) sollte verstanden werden. Und tats\u00e4chlich schien der Motorradfahrer zu kapieren und fuhr los. An einem gro\u00dfen Busbahnhof kam ich an. Ich fragte alle m\u00f6glichen Busfahrer nach \u201e\u0111i L\u00e0o\u201c, aber was auch immer sie verstanden, den Sinn hatten sie wohl nicht kapiert. Also versuchte ich es anders, zeigte meine Landkarte und erkl\u00e4rte ihnen, ich m\u00f6chte gerne Richtung T\u00e2y S\u01a1n (sprich: dai s\u00f6nn), denn das war das letzte gr\u00f6\u00dfere Dorf vor der Grenze, von wo aus ich bis zur Grenze trampen k\u00f6nnte. W\u00fcrde schon irgendwie gehen \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bald zerrte mich ein Fahrer in seinen Bus und meinte, er w\u00fcrde nach Laos fahren. An dem Bus stand tats\u00e4chlich eine Grenzstadt namens M\u01b0\u1eddng X\u00e9n, schien also gar nicht so falsch zu sein. Erst sp\u00e4ter sollte ich realisieren, dass man an diesem Grenz\u00fcbergang kein Visum bekommt, sondern vorher eines ben\u00f6tigt. Ich fuhr also eine Weile mit diesem Bus, der bereits voll war, in dem auch ein Motorroller Platz fand und der noch weiter Leute von der Stra\u00dfe einsammelte. Meine Fahrt sollte 100.000 \u0110\u1ed3ng kosten, das schien in Ordnung. Eigentlich freute ich mich, dass das alles so gut klappte, bis mich jemand, der vor mir sa\u00df, auf Englisch fragte, wo ich hinwollte. Ich meinte: nach Laos. Sie beredete etwas mit dem Geldeinsammler (praktisch: Schaffner), der mich dann bald hinauswarf. Zwar noch in Vinh, aber weit weg vom Busbahnhof. Es war unglaublich hei\u00df und ich stand mit meinem Gep\u00e4ck wieder auf der Stra\u00dfe. Eine gute Stunde hatte mich der Quatsch gekostet, gekonnt hatte ich damit nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich sprach ein paar herumlungernde Motorradfahrer an, ob sie mich bis Laos fahren k\u00f6nnten. Selbst einen Taxifahrer fragte ich. Aber obwohl ich von guten 600.000 auf schlie\u00dflich 300.000 \u0110\u1ed3ng herunterhandeln konnte, war mir das alles viel zu viel. Also suchte ich nach einer weiteren M\u00f6glichkeit. In einem Luxushotel, in dem man kaum Englisch sprach, fragte ich nach einer Alternative, um nach Laos zu kommen, aber die kapierten es nicht oder wollten mir nicht helfen. Also lief ich wieder zum Busbahnhof und sah mich dort genauer um. Es gab tats\u00e4chlich einen Ticketverkauf, aber nichts an den Fahrpl\u00e4nen erinnerte mich an Laos, C\u1ea7u Treo (Grenzdorf) oder T\u00e2y S\u01a1n (laut Lonely Planet letztes Dorf vor der Grenze). Trotz meiner Bem\u00fchungen, C\u1ea7u Treo (sprich: Gau Tscheeo) und T\u00e2y S\u01a1n (Dai S\u00f6nn) richtig auszusprechen, verstanden sie Ersteres nahezu nie und Letzteres fast immer als englisch \u201estation\u201c (sprich: s-teyschn). Keine Ahnung, wie schlecht das Englisch der Vietnamesen sein musste, um so falsch zu verstehen, aber na ja, irgendwann schrieb ich es auf und lie\u00df am Schalter nicht locker, bis eine wenigstens ann\u00e4hernd hilfreiche Frau mir sagte, ich sollte mich zum \u201ebu\u00fdt xe ch\u1ee3\u201c (sprich: b\u00fct se go) begeben, denn nur dort f\u00fchren Busse nach Laos. Na, mal sehen \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich merkte mir den Wortlaut und setzte mich in eine herannahendes Taxi mit Taxameter, weil ich keine Ahnung hatte, wie weit es sein w\u00fcrde und ich so keinen Preis mit einem Motorradfahrer h\u00e4tte aushandeln k\u00f6nnen. Der Taxifahrer brauchte eine Weile, bis er kapierte, und dann fuhr er immer geradeaus. Wir kamen an einem gro\u00dfen Markt, ch\u1ee3 eben, an, wo ich ausstieg, weil ich dachte, wir w\u00e4ren da, und weil der Fahrer auch unsicher schien, wo ich hinwollte. So lief ich also durch die \u201eMall\u201c, wie man sie in Gro\u00dfst\u00e4dten nennen w\u00fcrde, fand aber nichts Bus\u00e4hnliches. Ich fragte also wieder einen Motorradfahrer, ob er mich zu besagtem \u201ebu\u00fdt xe ch\u1ee3\u201c fahren k\u00f6nnte, brauchte dieses auch eine Weile, bis jemand verstand, und \u00e4rgerte mich schlie\u00dflich \u00fcber abermals 15.000 \u0110\u1ed3ng, die ich f\u00fcr keine 400 Meter opfern musste, denn dieser Busbahnhof befand sich direkt hinter der Einkaufspassage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So, nun war ich also endlich da, von wo aus Busse nach Laos fahren sollten. Endlich! Was f\u00fcr ein Stress \u2013 in dieser Hitze, einfach unertr\u00e4glich! Ich suchte nach dem Ticketschalter und wurde schon von allen Seiten seltsam be\u00e4ugt. Na klar, es war ein \u00f6rtlicher Busbahnhof, der Touristen gew\u00f6hnlich, falls sie mal nach Vinh kommen sollten, vorenthalten wird. Mit meinem mittlerweile perfekten Vietnamesisch fragte ich souver\u00e4n nach einem Bus nach Laos. Ich sollte bis 14.30 Uhr warten, ein Ticket brauchte ich nicht. Warten musste ich nur f\u00fcnf Minuten, schon kam der erste Minibusfahrer und zerrte mich in seinen Bus, indem er meinte, er f\u00fchre nach Laos. Mehrmals vergewisserte ich mich mittels meiner Landkarte, dass er auch wirklich die richtige Route fahren w\u00fcrde. Er schien die Karte nicht lesen zu k\u00f6nnen, aber immerhin T\u00e2y S\u01a1n sagte ihm etwas. Er bot mir die Fahrt f\u00fcr 100.000 an und ich machte ihm klar, dass ich eigentlich T\u00e2y S\u01a1n bis C\u1ea7u Treo, also direkt zur Grenze wollte. Diesen Ort kannte er nicht, aber ich w\u00fcrde ja dann schon diskutieren k\u00f6nnen und ihm sicher kein Geld geben, bevor ich nicht ank\u00e4me. So sicher war ich mir meiner Sache schon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Zeit bis 14.30 Uhr verging einfach nicht. St\u00e4ndig wurde geschleppt und gemacht um den Bus herum, Leute stiegen ein und stiegen aus, es war hei\u00df und ein Vietnamese rauchte in der T\u00fcr, an der ich sa\u00df. Aber wir fuhren schlie\u00dflich p\u00fcnktlich ab. Ein paar Leute waren schon drin. Damit ist ein vietnamesischer Bus aber nicht voll und somit nicht abfahrbereit. Also wurden in ganz Vinh noch mehr Menschen eingesammelt, die in diese Richtung fahren wollten. Das ganze dauerte mindestens eine Stunde. Dann waren alle Pl\u00e4tze belegt. Aber damit ist ein vietnamesischer Bus immer noch nicht voll. Wir fuhren also noch eine halbe Stunde durch Vinh, die selbe Strecke wie zuvor, um den Bus richtig vollzustopfen. Es war furchtbar hei\u00df und stickig und ich hatte keine Orientierung, wie sp\u00e4t es eigentlich war und wo wir hinfuhren, weil ich die Orte nicht kannte und die meisten davon gar nicht auf meiner Landkarte eingezeichnet waren. Als einzige Zeitorientierung hatte ich meine Kamera, mit der ich immer ein Foto machen konnte, um dann zu sehen, wann das letzte Foto eben geschossen wurde. Die Richtung schien zu stimmen, denn es ging immer zur untergehenden Sonne, also gen Westen, wo ja Laos lag. Unterwegs wurden immer mehr Menschen abgeladen und einige neue aufgenommen. Auf dem Dach hatten neben zig Holzkisten auch viele Gebrauchsgegenst\u00e4nde und ein Motorrad Platz gefunden, in dem Bus selbst wurde der restliche Platz, der noch nicht von Menschen belegt war, mit Reiss\u00e4cken, Rucks\u00e4cken, Koffern und Metallstangen ausgef\u00fcllt. Bald war ich fast nur noch der Einzige in dem Fahrzeug und mir wurde mulmig. Wieso? Weil ich merkte, dass ich keine 100.000 \u0110\u1ed3ng so hatte, wie sie es haben wollten. Ich hatte 90.000 \u0110\u1ed3ng, 20 Dollar, 3000 Baht und ein paar \u00fcbrig gebliebene Riel. Wie sollte ich die Fahrt also bezahlen? Die Dollar brauchte ich definitiv f\u00fcr das laotische Visum und mit Baht und Riel w\u00fcrden sie in Vietnam nichts anfangen k\u00f6nnen. Nun gut, warten wir mal ab, wo sie mich hinbringen \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">An einem Stra\u00dfenrand in einem Dorf \u2013 es war wohl T\u00e2y S\u01a1n \u2013 sah ich ein paar Ausl\u00e4nder herumstehen. Ich lachte schon insgeheim, dass sie dort wohl von einem Busfahrer herausgeworfen worden waren. Vieles hatte ich bereits \u00fcber den Trip von Hanoi nach Vientiane gelesen, vor allem viele Horrorstorys. Ich war mir meiner Sache aber sicher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dann hielt der Busfahrer und befahl mir auszusteigen. Nein, hier sei doch keine Grenze, meinte ich. Wir waren ja erst in T\u00e2y S\u01a1n. Ich protestierte, dass ich nichts zahlen w\u00fcrde, wenn ich hier aussteigen m\u00fcsste. Also gut, sie gaben nach, ich hatte Angst, aber die Fahrt ging noch ein paar Kilometerchen weiter. Dann hielt der eklige Fahrer wieder und zeigte auf ein Schild, auf dem in englischer, laotischer und vietnamesischer Sprache eindeutig \u201eGrenzgebiet\u201c stand. Immer noch protestierte ich, dass ich nicht an der Grenze sei, dachte mir aber, dass ich vielleicht nur noch ein paar Meter laufen m\u00fcsste. An einigen Meilensteinen zuvor hatte ich immer gelesen, dass Kaew Nuea, der laotische Grenzort, noch \u00fcber 30 Kilometer entfernt sei, hatte aber gedacht, dass es sich dabei um einen Ort nach der Grenze in Laos handeln w\u00fcrde. Und da mit Vietnamesen, wenn sie sauer werden, nicht zu spa\u00dfen war, gab ich schlie\u00dflich nach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich hatte aber kein vern\u00fcnftiges Geld und bot ihnen erst einmal die 90.000 an. Eifrig z\u00e4hlte der eine recht junge Fahrbegleiter und meinte, es fehlten zehntausend. Die hatte ich nun mal nicht. Ein-Dollar-Scheine hatte ich auch nicht, nur einen Zehner und zwei F\u00fcnfer. Also bot ich f\u00fcnf Dollar an, die umgerechnet genau 95.000 \u0110\u1ed3ng w\u00e4ren, und gab noch einen 5.000er-Schein dazu. Es dauerte lange, sie zu \u00fcberzeugen, dass es das gleiche Geld war, aber schlie\u00dflich schaffte ich es. So stieg ich also aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wo ich gelandet war, wusste ich nicht genau, es muss wohl am Ortsausgang von T\u00e2y S\u01a1n gewesen sein. Dort stand ich nun vor dem Schild mit der Aufschrift \u201eFrontier Area\u201c. Und wo war nun das Kontrollh\u00e4uschen? Ich lief also mit meinem gro\u00dfen Rucksack los und folgte der Stra\u00dfe. Die Leute schauten aus ihren H\u00e4uschen und wunderten sich und kicherten und riefen mir \u201e\u0111i \u0111\u00e2u\u201c (wohin gehst du?) zu. Ich antwortete sicher: \u201e\u0111i C\u1ea7u Treo\u201c oder \u201e\u0111i  L\u00e0o\u201c. Da lachten die meisten noch mehr. Ich lief und lief und lief. Es war nun kurz vor sechs Uhr abends, die Grenze w\u00fcrde bald schlie\u00dfen. Immer wieder hielten Motorrad- und Autofahrer an und witterten ihre Chance auf das gro\u00dfe Geld. F\u00fcr schlappe 15 Dollar oder 300.000 \u0110\u1ed3ng wollten sie mich gerne mitnehmen. Lonely Planet hatte geschrieben, man k\u00e4me f\u00fcr 50.000 von T\u00e2y S\u01a1n bis zur Grenze. Also versuchte ich es immer wieder, auf 30.000 herunterzuhandeln. Diese Zahl, \u201eba m\u01b0\u1eddi ngh\u00ecn \u0111\u1ed3ng\u201c, wurde bald zu meinem Wanderspruch. Jeder, der mich mitnehmen wollte, bekam diese Zahl zu h\u00f6ren. Keiner aber lie\u00df sich darauf ein. Einer, dessen Mund so aussah, als h\u00e4tte er gerade ein Tier lebendig gefressen, fing bereits an, seine Kr\u00fccke von Auto auszur\u00fcmpeln, um mir Platz auf einem nur noch halb vorhandenen Beifahrersitz zu schaffen, bis ich den Preis erfuhr und weiterlief. Immer wieder musste ich \u201eba m\u01b0\u1eddi ngh\u00ecn \u0111\u1ed3ng\u201c sagen, aber es half nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bald gesellte sich eine Sch\u00fcler- und Sch\u00fclerinnengruppe mit Fahrr\u00e4dern um mich und am\u00fcsierte sich \u00fcber meine \u201eba m\u01b0\u1eddi ngh\u00ecn \u0111\u1ed3ng\u201c. Sie wiederholten es auch dauernd. Sie wollten wissen, wo ich denn hinwollte. Nun ja, nach Laos, wohin denn sonst? Ich freute mich, eine Unterhaltung gefunden zu haben, obgleich es schon etwas d\u00e4mmerte und ich keine Ahnung hatte, wann und ob ich \u00fcberhaupt ankommen w\u00fcrde. Irgendwann bot mir ein Junge an, dass ich mich auf seinen Gep\u00e4cktr\u00e4ger setzen k\u00f6nnte. Wie nett! Aber das ging nicht, er schaffte es nicht. Ich bot ihm also an zu tauschen, sodass ich mich abstrampelte und er auf dem Gep\u00e4cktr\u00e4ger Platz fand. So ging das eine ganze Weile ziemlich gut, bis er irgendwann nach Hause musste und ich das Fahrrad wechselte. Die Kinder \u00fcbten ihr Englisch und hatten ihre Freude an mir. Das mit dem Fahrradwechsel ging noch ein Weilchen so weiter und schnell waren gute vier Kilometer \u00fcberbr\u00fcckt. Von Grenze nat\u00fcrlich keine Spur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Irgendwann kamen die letzten zu Hause an, an einem gro\u00dfen Haus. Ich sagte der Gro\u00dffamilie, die im \u201eVorgarten\u201c sa\u00df, nett \u201exin ch\u00e0o\u201c und verabschiedete mich dann von den M\u00e4dchen. Von nun an w\u00fcrde ich mich alleine durch den Dschungel bis zur Grenze durchschlagen m\u00fcssen. Was soll\u2019s!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aber pl\u00f6tzlich riefen mich die M\u00e4dchen, mit denen ich gerade gekommen war, zur\u00fcck und boten mir an, ob ich nicht bei ihnen zu Abend essen wollte. Das lie\u00df ich mir nat\u00fcrlich nicht zweimal sagen, nachdem ich schon Fr\u00fchst\u00fcck und Mittag ausgelassen hatte. Sie boten mir sogar einen Schlafplatz an, was ich auch nicht verneinte. Zuerst durfte ich duschen gehen. Wow! Total nett! Das Wasser war warm, die Familie schien wohlhabend und nett, ich bekam Abendessen und ein Bett f\u00fcr eine Nacht. Die Kinder waren \u00fcberdies auch noch total hilfsbereit, freundlich, interessiert und niedlich. Besser h\u00e4tte es ja kaum laufen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich lernte noch die Namen der vier interessiertesten M\u00e4dchen (es gab eine ganze Menge Kinder in der Familie): Dung (sprich: Jung), Ngan, Lanh (sprich: Lang) und L\u00ea, und war danach stolz, dass ich mir die Namen weitestgehend behalten konnte. Meine Erkl\u00e4rung, dass ich aus Deutschland k\u00e4me und dass es in Europa liege, lief ins Leere. Das Abendessen war fertig. Es gab \u2026 Reis und anderen Reis und wahrscheinlich Schwein oder Huhn oder so und noch vieles anderes, was ich niemals sonst essen w\u00fcrde. Aber ich qu\u00e4lte mir das meiste, was mir angeboten wurde, herein. Erstens hatte ich Hunger, zweitens wusste ich nicht, wann ich das n\u00e4chste Mal essen k\u00f6nnen w\u00fcrde und drittens wollte ich nicht unh\u00f6flich sein. Aber es schmeckte grauenhaft. \u00dcber meine St\u00e4bchenk\u00fcnste am\u00fcsierten sie sich auch sehr. Die M\u00e4nner sa\u00dfen alle im Schneidersitz und die Frauen mit nach hinten angewinkelten Beinen auf dem Boden um ein gro\u00dfes Tuch mit viel Essen, w\u00e4hrend diejenigen, die bereits fertig waren, aufstanden, sodass noch andere Platz nehmen konnte. Von vielen T\u00f6chtern und S\u00f6hnen gab es \u00fcber Eltern, Gro\u00dfeltern, Tanten und Onkel alles. Es war ja auch ein riesiges Haus im Vergleich zu den anderen Bruchbuden im umliegenden Dorf. Ich f\u00fchlte mich sehr gut aufgehoben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dann sollte ich den M\u00e4dchen bei ihren Englischhausaufgaben helfen. F\u00fcr mich ja kein Problem, ich helfe ja gerne. Also gingen wir in ihr Zimmer. Irgendwann kam ein anderes Kind und wollte etwas von mir. Alle diskutierten eine Weile, wussten aber nicht, was sie mir sagen sollten. Ich ging davon aus, dass sie meine ID haben wollten, wer ich denn eigentlich sei. Als ich den Personalausweis hervorholte, lehnten sie ihn ab und beredeten weiter. In meinem Phrasebook suchten sie nach der passenden \u00dcbersetzung und fanden es schlie\u00dflich: Den Reisepass wollten sie sehen. Etwas skeptisch und misstrauisch holte ich ihn hervor und zeigte ihn ihnen. Sie wollten ihn haben! Das ging nat\u00fcrlich unter keinen Umst\u00e4nden. F\u00fcr nichts in der Welt sollte ein Reisender dieses wichtige Dokument in fremde H\u00e4nde geben! Ich diskutierte, bis der Vater kam. Er wollte unbedingt meinen Reisepass haben, aber ich hielt ihn fest. In einfachstem Englisch versuchte ich zu erkl\u00e4ren, dass ich f\u00fcr immer in Vietnam bleiben m\u00fcsste, wenn ich diesen Pass nicht mehr h\u00e4tte. Sie verstanden nicht, hatten ja keine Ahnung von der Welt. Der Vater wurde sauer und wurde aggressiv. Er drohte, mich hinauszuwerfen, wenn ich ihm den Reisepass nicht g\u00e4be. Also ging ich \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Meine B\u00fccher, Stifte und Zettel hatten die M\u00e4dchen unterdessen in meinen Rucksack gepackt und brachten ihn mir nun. Ich suchte meine Flip-Flops und ging \u2026 in die Dunkelheit. Hm, keine gute Idee. Ich versuchte es noch einmal mit Vernunft gegen\u00fcber dem Vater: Hier, ich gebe dir das Ding, dann darf ich hier schlafen und du gibst es mir morgen fr\u00fch zur\u00fcck, okay? Er war ein sturer Bock und schmiss mich von seinem Grundst\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So stand ich nun irgendwo im Nirgendwo in der Dunkelheit in einem Grenzgebiet zwischen Laos und Vietnam auf einem Dorf, in dem man praktisch ohne Vietnamesisch kaum \u00fcberleben konnte, und hatte keinen Plan, wie ich nun weiterverfahren sollte. Ich rechnete mir aus, dass ich wohl noch gute 25 Kilometer zu laufen hatte und dass ich am n\u00e4chsten Morgen ja an der Grenze ank\u00e4me, wenn ich nun losliefe. Immer wieder bereute ich diverse Entscheidungen: H\u00e4tte ich doch die 200 \u0110\u1ed3ng nicht gestohlen, h\u00e4tte ich doch den Schlafbus aus Hanoi mit Aufpreis genommen, w\u00e4re ich doch auf die teure Bedingung eingegangen, mit einem Motorradtaxi f\u00fcr 300.000 bis zur Grenze zu fahren, h\u00e4tte, w\u00e4re, k\u00f6nnte \u2026 so war es nicht und nun musste ich damit leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Vor mir lag also ein stockdunkler Weg, der leicht aufw\u00e4rts ging. Noch war Dorf, ein paar nahezu unbeleuchtete H\u00e4uschen links und rechts, doch was w\u00fcrde danach kommen? W\u00fcrde ich die Nacht bis zur Grenze \u00fcberleben? Sollte ich mich einfach in den Stra\u00dfengraben legen und schlafen? Was sollte da schon passieren? Erfrieren, ausgeschlossen. Verschlafen, ausgeschlossen. Ausgeraubt werden, m\u00f6glich. Von Hunden attackiert werden, wahrscheinlich. Sollte ich es wagen, mich meinem Schicksal hingeben, aufgeben, einfach aufgeben? Nein, ich w\u00fcrde k\u00e4mpfen, bis zum Ende!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich marschierte weiter. Es war dunkel, stockdunkel. Es war warm, aber dunkel. Ich sah nichts. Es kam ein Motorrad von vorne, dann eines von hinten. Wieder war es dunkel. In der Ferne bellten Hunde. Ich hatte Angst, tierische Angst. Das Bellen wurde lauter und schien sich auf mich zuzubewegen. Ich hatte h\u00f6llische Angst und rannte zu einem nahegelegenen Haus, dessen Umrisse ich nur dank des Kerzenscheins aus dem Hausinneren erahnen konnte. Davon schienen Leute zu sitzen. \u201eEgal, die fragst du jetzt\u201c, sagte ich mir und lief auf sie zu. Ich erkundigte mich nach einer Schlafgelegenheit, was ich auf Englisch beziehungsweise in internationaler Geb\u00e4rdensprache zu verstanden gab, und sie erlaubten mir wohl, bei ihnen zu n\u00e4chtigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich legte meinen Rucksack ab, war froh, den Hunden entkommen zu sein und holte mein W\u00f6rterbuch heraus. Ich schlug \u201ehier\u201c und \u201eschlafen\u201c nach und war froh, dass sie meine beiden einzigen vietnamesischen W\u00f6rter tats\u00e4chlich bejahten! Ich hatte mir also einen Schlafplatz irgendwo zwischen Vietnam und Laos, in dem kleinen D\u00f6rfchen S\u01a1n Kim 1, gesichert. Hier konnte ich bleiben. Das Haus hatte dreieinhalb W\u00e4nde, immerhin ein Dach, einen Tisch und eine Kerze. Die Bewohner schienen sehr irritiert ob meiner dreisten, aber in Vietnam normalen Art, mich hier niederzulassen. Nachdem ich ihnen kurz zu verstehen gab, dass ich auf dem Weg nach Laos sei, luden sie mich zum Abendessen ein. Wieder gab es Reis. Und ich erfuhr, dass auch noch H\u00fchnchen und Fisch im Angebot waren, denn einer der \u00e4lteren Bewohner sprach ein bisschen Laotisch, was ich dank meines bisher erlernten F\u00e4higkeiten der thail\u00e4ndischen Sprache sogar einigerma\u00dfen verstand. Ich probierte alles, obwohl mir nichts au\u00dfer dem rohen Reis wirklich zusagte. Zum Trinken gab es klares Wasser, wahrscheinlich aus einem nahe gelegenen Bach. Immerhin gab es etwas, denn nachdem ich ja sowohl Fr\u00fchst\u00fcck als auch Mittagessen ausgelassen hatte, hungerte ich nicht nur, sondern sehnte mich unglaublich nach Fl\u00fcssigkeit! Mein Proviant war bereits aufgebraucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aber ich war froh, dass ich mir f\u00fcr diese Nacht eine Unterkunft gesichert hatte. Irgendwo zwischen Laos und Vietnam, etwa 25 Kilometer vor der lang ersehnten Grenze. Es war der 70. Geburtstag meines Opas und ich war erfreut, dass ich nach allem Pech, das ich immer noch auf den verhexten 200-\u0110\u1ed3ng-Schein schob, endlich wieder einen Hauch von Gl\u00fcck sp\u00fcren konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bevor ich mich nach diesem konfusen, anstrengenden, unvergesslichen und entmutigenden Tag geruhsam schlafen legen konnte, tauchten pl\u00f6tzlich ein paar fremde Gestalten auf, w\u00e4hrend ich mich bei Taschenlampen- und Kerzenlicht mit den mir mittlerweile etwas bekannteren Gastgebern um ein sinnvolles Gespr\u00e4ch bem\u00fchte. Doch so fremd waren diese Gestalten gar nicht, denn da kamen doch tats\u00e4chlich die M\u00e4dchen Lanh und L\u00ea mit ihren Englischheften und einem kleinen Zettelchen. Ich las es stillschweigend und l\u00e4chelnd durch:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>I am Le and Lanh. I\u2019m sorry<br \/>\nwe are satting and we cryed.<br \/>\nWe will miss you, forever.<br \/>\nWe are looking forward to seeing soon.<br \/>\nWe want to stay of you but it can\u2019t<br \/>\nSee you again!<br \/>\n\t\t\tGirl \u2026<br \/>\n\t\t\t\tLe Lanh<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dann schoben sie mir vorsichtig und kichernd ihr Englischheft zu und baten mich, ihre Hausaufgaben zu machen. Das fiel mir zwar nicht besonders schwer, aber ich wollte ihnen nat\u00fcrlich auch erkl\u00e4ren, wieso an einer bestimmten Stelle gerade dieses und nicht jenes Wort passte. Dabei musste ich jedoch vorher erst einmal klarstellen, was Verben, Substantive und Adjektive sind, denn im Vietnamesischen wird wie auch in den meisten anderen ostasiatischen Sprachen nicht unterschieden. Das Interessante daran war aber eigentlich, dass ich es ihnen irgendwie in einer Sprache zu erkl\u00e4ren hatte, die sie auch verstanden. Ihr Englisch war besser als das der \u00fcbrigen Bewohner des Dorfes, lie\u00df aber trotzdem sehr zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Also versuchte ich es mit wenigen W\u00f6rtern Vietnamesisch und meinem tollen Sprachf\u00fchrer, aber ob sie es kapierten, wei\u00df ich bis heute nicht. Jedoch gefiel es mir, dass die beiden M\u00e4dels meine Hilfe brauchten und so waren auch die Bewohner des einsamen Hauses umso freundlicher und interessierter an mir. Die Fragen, die sie an mich stellten, mussten die beiden jungen Frauen aus der Nachbarschaft genauso \u00fcbersetzen wie sie es mit meinen Antworten taten. So kam dann doch eine recht lustige Gespr\u00e4chsrunde zustande. Ich k\u00e4mpfte derweil mit herumfliegenden Insekten, die sich ebenso sehr wie die Gastgeber an meiner ausziehbaren und blinkenden Taschenlampe erfreuten. Dann verlie\u00dfen die Kinder meine tolle Wohnung und verabschiedeten sich noch mit einer gro\u00dfen Entschuldigung f\u00fcr ihren Vater \u2013 ich sollte sie danach niemals wiedersehen, auch wenn sie die bisher wohl nettesten Vietnamesinnen gewesen waren, die ich je getroffen hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mein Schlafplatz bestand aus einer geschirrtuchd\u00fcnnen Decke, die auf einem Holzboden im Haus, das lediglich aus einem Zimmer bestand, ausgelegt worden war. Ich packte alle mir wichtigen Sachen aus dem gro\u00dfen Wanderrucksack in die kleine alltagstaugliche Tasche, die ich als Kopfkissen nutzte. Ich hatte kein wirkliches Zeitgef\u00fchl, da mir das Handy bereits entwendet worden war; doch auch dabei wusste ich mir zu helfen: Mit meiner Kamera, mit der ich schon durch Dick und D\u00fcnn gegangen war, schoss ich einfach ein beliebiges Foto und ermittelte dann anhand der Detailansicht des zuletzt aufgenommenen Fotos die momentane Zeit. Das war zwar immer etwas umst\u00e4ndlich, aber sehr hilfreich! Die Kerze war bereits gel\u00f6scht, aber die anderen Bewohner legten sich noch nicht schlafen. Ich tat auch nur so, denn ich wollte ja mitbekommen, was mir noch so im Laufe dieser verwirrenden Nacht geschehen w\u00fcrde. Schlafen konnte ich ohnehin nicht richtig, denn zum einen nutzten zahlreiche Fliegen und K\u00e4fer mich als Flughafen und zum anderen nervte mich so ein sinnloses Spielzeug, das wohl zu jeder halben Stunde eine Art Geckoger\u00e4usch von sich gab. Ich hatte in diesem Moment die Schnauze voll vom Reisen, h\u00e4tte am liebsten aufgegeben, wenn es ein Spiel gewesen w\u00e4re, doch es war die Realit\u00e4t. Da lag ich nun, mitten in der Nacht, in einem wildfremden Zimmer mit dreieinhalb W\u00e4nden, mitten in Vietnam, \u00fcber 100 Kilometer von einer Gro\u00dfstadt entfernt, ganz allein, ohne Handy und mit extrem wenig Geld in der Tasche, von dem ich noch die Visageb\u00fchren f\u00fcr Laos, falls ich je dorthin kommen sollte, sowie einen Bus bis nach Vientiane bezahlen musste. Dieser besagte Bus musste ja auch erst einmal gefunden werden, doch laut Lonely Planet, meiner Reisebibel, sollte das an der Grenze kein gro\u00dfes Problem mehr sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Endlich schlief ich ein. Doch nicht sehr lange, wieder weckte mich dieses Geckoger\u00e4uschspielzeug. Und wieder bekrabbelten mich kleine Tierchen. Es war einfach nur schrecklich. Neben mir schliefen zwei, drei Bewohner, die anderen hatten sich wohl ins Esszimmer zur\u00fcckgezogen. Ich hatte vor, so zeitig wie m\u00f6glich zu verschwinden und m\u00f6glichst unbemerkt, da ich f\u00fcrchtete, dass sie mich noch eine Weile da behalten wollten, wie die Asiaten ja so sind \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gegen 7 Uhr morgens erwachte ich aus einem unruhigen Schlaf und war pl\u00f6tzlich wieder voll Ehrgeiz, dass ich es heute \u00fcber die Grenze nach Laos schaffen w\u00fcrde. Meine Gastgeber waren auch schon auf den Beinen, die Sonne schien bereits und ich packte schnell meine Sachen zusammen, putzte mir die Z\u00e4hne und wusch mein Gesicht in einer Wassertonne vor dem Haus. Ich lief los. Nichts im Magen, zwei Rucks\u00e4cke von insgesamt rund 10 Kilogramm auf dem R\u00fccken und noch gute 23 Kilometer Fu\u00dfmarsch bergauf vor mir. Diese Zahl verriet mir ein Meilenstein, die man \u00fcberall auf l\u00e4ndlichen Stra\u00dfen in Vietnam und Laos vorfindet. Ich rechnete mir anhand der gelaufenen Zeit von einem Kilometer aus, wie lange ich denn wohl zur Grenze brauchen w\u00fcrde, doch hoffte ich immer wieder auf ein Wunder, denn ich wollte schon vor dem Mittag in meinem geliebten Laos sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Weg schien endlos, aber die Landschaft war herrlich. Immer wieder kam ein vermeintlich netter Vietnamese vorbei und wollte mich f\u00fcr einen sagenhaft g\u00fcnstigen Preis von 25 US-Dollar oder 500.000 \u0110\u1ed3ng (jeweils etwa 20 Euro) bis zur Grenze bringen. Doch dieses Angebot w\u00e4re f\u00fcr gerade mal 20 Kilometer selbst f\u00fcr Deutschland reiner Wucher, deshalb beugte ich mich meinem Schicksal und watschelte die Stra\u00dfe weiter hinauf. Ich hoffte eigentlich auf einen netten Laoten, der mal mit seinem Auto vorbeikam, aber immer wenn ich ein laotisches Nummernschild ersp\u00e4hte, war das Gef\u00e4hrt schon viel zu weit entfernt. Es n\u00fctzte nichts, ich lief weiter. Die Kilometer wurden zwar weniger, aber der Rucksack schwerer und die mentale Last fast untragbar. Zu alledem kamen auch noch die wilden Hunde, bei denen ich immer schon aus weiter Ferne die Aggressivit\u00e4t heraush\u00f6ren konnte. Ich hatte nichts zum Schutze, kein Messer, keinen harten Gegenstand, keine Ahnung; lediglich mein Wissen aus anderen asiatischen St\u00e4dten, wie man mit solchen K\u00f6tern umzugehen hat. Ich lief also schnurstracks auf die Biester zu und so sehr sie mich auch ankl\u00e4fften, ich ver\u00e4nderte mein Schritttempo nicht und versuchte, die Rudel zu durchbrechen. Das klappte nicht immer sehr gut, aber auch dabei wusste ich mir zu helfen: Mit ausgestreckter Handfl\u00e4che nach vorn, \u00e4hnlich dem Warnzeichen f\u00fcr \u201eZutritt verboten\u201c, ging auf die entsprechenden Hunde zu und schrie sie mit sicherer Stimme lautstark an, womit ich sie mir hierarchisch unterwarf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So schaffte ich es, mehrere Kilometer weiter in Richtung Laos vorzudringen, bis ein Motorradfahrer langsam neben mir herfuhr. Ich ging davon aus, dass er wie alle seine Vorg\u00e4nger auch \u00fcber mich lachte und wieder Geld von mir verlangen w\u00fcrde, doch nach dem \u00fcblichen kurzen Smalltalk auf Vietnamesisch von \u201e\u0110i \u0111\u00e2u \u0111\u1ea5y?\u201c \u2013 \u201e\u0110i L\u00e0o\u201c (\u201eWohin gehst du?\u201c \u2013 \u201eIch gehe nach Laos\u201c) bot er mir an, dass ich mich auf seinem Motorrad niederlassen d\u00fcrfe. Dieses Angebot schien zu gut um wahr zu sein, also vermutete ich versteckte Kosten, die am Ende der Tour auf mich zukommen w\u00fcrden. Aber nachdem er auf meine Geldfrage keine Antwort gab, stieg ich dann doch auf. Er fuhr und fuhr und fuhr. Gute acht Kilometer kam ich so binnen einer Vietelstunde voran, bis wir an einem kleinen Waldweg Halt machten. Ich dachte, er m\u00fcsse nur kurz austreten, doch er forderte mich auf, ihm zu folgen. Er hatte seltsame Blumen und andere Utensilien bei sich. Ich folgte ihm, was blieb mir auch anderes \u00fcbrig? Wir kamen an einem kleinen privaten Schrein an, den der Herr zun\u00e4chst von Spinn-weben und Bl\u00e4ttern befreite und schlie\u00dflich wieder mit Opfergaben auf Vordermann brachte. Es schien sein eigener zu sein und so fing er an zu beten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Er forderte mich auf, es ihm gleichzutun. Ich habe noch nie in meinem Beten aus freien St\u00fccken ernsthaft gebetet, weder bei fr\u00fcheren Kirchenbesuchen noch bei irgendwelchen \u00c4ngsten, die ich je zuvor in meinen Leben versp\u00fcrt hatte, aber dieses Mal war es so weit. Ich war am Ende und mir ging es richtig schlecht. Ich betete zu Gott, zu Buddha und zu allen anderen G\u00f6ttern oder Allm\u00e4chtigen, dass ich gesund und munter wieder nach Laos und dann zur\u00fcck nach Bangkok kommen w\u00fcrde und dass ich es bestenfalls so schnell wie m\u00f6glich schaffe. Eine unm\u00f6gliche Bitte war das, aber daf\u00fcr spendete ich auch ungeheure 11.000 \u0110\u1ed3ng (ca. 50 Cent). Ich solle doch bitte erh\u00f6rt werden!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Mann, der mich an diesen Ort gebracht hatte, setzte sich dann gen\u00fcsslich vor seinen Schrein und lud mich zu einem Gl\u00e4schen Whiskey ein. Na klasse, das hatte ich ja jetzt gebraucht! Ich nahm also zwei davon und dann erkl\u00e4rte ich ihm, dass ich nun endlich nach Laos wollte. Er bot mir an, mich f\u00fcr unschlagbare 200.000 \u0110\u1ed3ng (7 Euro) bis zur Grenze zu fahren, aber obgleich der Herr sehr nett schien, wollte ich ihm erstens das Geld nicht geben und zweitens hatte ich es auch nicht. In meinem Portemonnaie befanden sich nur noch kleine Dollarscheine und die brauchte ich ja f\u00fcr die Weiterreise. In dieser gottverlassenen Gegend gab es nat\u00fcrlich keinen Geldautomaten \u2013 und dass es einen an der Grenze geben sollte, bezweifelte ich auch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich lehnte sein Angebot also ab und lief weiter; etwas entt\u00e4uscht, dass mich der gute Mann nicht weiter mitnehmen konnte, da er sich wieder auf dem Heimweg begab, und aber auch sehr erleichtert, dass ich nun nur noch gute 13 Kilometer vor mir hatte. Ich lief eine Anh\u00f6he hinauf, ein alter Van \u00fcberholte mich und stoppte kurz vor mir. Ich war v\u00f6llig verwundert ob dieser hilfsbereiten Art vietnamesischer Leute und n\u00e4herte mich nur langsam dem Fahrzeug. Sie fragte, wo ich denn hinwolle und ob sie mich ein St\u00fcck mitnehmen sollten. Nat\u00fcrlich wollte ich das, aber bitte ohne zu bezahlen, da ich ab jetzt bis zur Grenze nichts mehr ausgeben durfte, um die Visumskosten noch begleichen zu k\u00f6nnen. Ich hatte zwar noch mehrere tausend Baht (1000 Baht sind heute etwa 25 Euro), aber die nahm hier in Vietnam ohnehin kein Mensch an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich ging zum Beifahrerfenster des Vans und entschuldigte mich einem kl\u00e4glichen \u201ekh\u00f4ng c\u00f3 ti\u1ec1n\u201c (sprich: khomng go tjenn), was so viel wie \u201eich habe leider kein Geld dabei\u201c hei\u00dfen sollte. Das st\u00f6rte sie nicht und sie meinten, ich k\u00f6nne hinten einsteigen. War mein Gebet doch erh\u00f6rt worden? Ich sa\u00df nun irgendwo zwischen Dutzenden von gestapelten Kisten in einem uralten Van, dessen T\u00fcren nur mit viel Kraft zu \u00f6ffnen waren, und wurde doch tats\u00e4chlich den gesamten Weg bis zur Grenze mitgenommen. Dabei muss ich zugeben, dass der Weg immer steiler wurde und selbst das Auto k\u00e4mpfen musste, um nicht wieder r\u00fcckw\u00e4rts hinunterzurollen. Ich versuchte, mich mit dem Fahrer und seiner Beifahrerin zu unterhalten, musste aber gr\u00f6\u00dftenteils alles aufschreiben, weil sie mein wahnsinnig gutes Vietnamesisch nicht verstanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Und um ziemlich genau 9 Uhr morgens kamen wir an: Die Grenze lag vor mir, ich hatte es doch tat-s\u00e4chlich bis C\u1ea7u Treo\/Nam Phao geschafft. Ich bedankte mich unendlich bei den beiden Leuten, die mich mitgenommen hatten, und eilte ins Grenzh\u00e4uschen. So verlassen, wie ich es mir hier auf dem Berg vorgestellt hatte, war es dann doch nicht. Im Gegenteil: Von beiden Seiten k\u00e4mpften die Leute darum, endlich ihre riesigen Scheine in Dollars, \u0110\u1ed3ng, Kip oder Baht tauschen zu k\u00f6nnen. Es gab dort n\u00e4mlich eine Art Wechselstube mit zwei Angestellten, die immer wieder Stapel von Geldscheinen in die Hand gedr\u00fcckt bekamen und auf den Gegenwert in der gew\u00fcnschten W\u00e4hrung warteten. So stellte ich mich auch eine Viertelstunde an, hatte aber keine Chance gegen die anderen Leute und blieb so auf meinen Baht sitzen. Ich ging also zum Grenzposten, gab dem Beamten meinen Reisepass und einen Dollar Stempelgeb\u00fchr, die ich ohnehin immer l\u00e4cherlich finde, womit er sich aber wahrscheinlich sein Mittagessen finanziert. Dann war ich raus aus Vietnam, endlich weg aus diesem mir Ungl\u00fcck bringenden Land! In diesem Moment war ich nirgendwo auf der Welt, zwischen zwei L\u00e4ndern gefangen, denn ich hatte keine 25 US-Dollar mehr f\u00fcr das laotische Visum! Was tun?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So marschierte ich also zum n\u00e4chsten Grenzh\u00e4uschen, in dem nun alles laotisch war. Ich f\u00fchlte mich auf dem Weg bis dorthin ganz allein, aber dann tauchte eine jugendliche Reisegruppe vor mir auf. Sie f\u00fcllten gerade den Visumsantrag aus und diskutierten mit den Grenzbeamten. Ich sch\u00f6pfte Hoffnung, dass ich notfalls in ihrem Bus mitfahren k\u00f6nnte, wenn es keine \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel an der Grenze geben sollte. So beeilte ich mich mit meinem Visumsantrag und durfte sogar mit unversch\u00e4mt hohem Wechselkurs in Thai-Baht bezahlen (1400 Baht, also 47 Dollar!), denn f\u00fcr den normalen Dollarpreis hatte ja mein Geld nicht mehr gereicht. Aber ich bekam das Visum und ich war wieder gl\u00fccklich. Eine riesige Last fiel von meinen Schulten, doch das n\u00e4chste Problem stand kurz bevor: Wie sollte ich nun nach Thailand kommen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es gab zwei m\u00f6gliche Routen: Einen direkten Touristenbus nach Vientiane suchen und von dort aus ganz leicht \u00fcber die thail\u00e4ndische Grenze nach Nong Khai zu marschieren oder mich bis in die n\u00e4chs-te Stadt durch trampen, laufen und bezahlen vorzuk\u00e4mpfen, um einen \u00f6rtlichen Bus in Richtung Thailand zu ergattern. Die erste M\u00f6glichkeit schien komfortabler, aber das Gl\u00fcck, einen solchen Bus zu finden, musste man auch erst einmal haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich erinnerte mich an die Backpacker, die ich zuvor im Grenzh\u00e4uschen gesehen hatte, und suchte den dazugeh\u00f6rigen Bus, denn irgendwie mussten sie ja zur Grenze gekommen sein. Und tats\u00e4chlich ersp\u00e4hte ich pl\u00f6tzlich vor mir einige gro\u00dfe Fahrzeuge, neben riesigen Lastern auch einen Bus, dessen R\u00fcckscheibe die Aufschrift \u201eHanoi Vientiane Travel\u201c zierte. Den nimmst du jetzt!, sagte ich mir und steuerte auf ein paar Leute zu, die gerade m\u00fchevoll Koffer und Taschen in und auf dem Bus verstauten. Man h\u00e4lt es immer kaum f\u00fcr m\u00f6glich, wie viel Gep\u00e4ck in solch einem Bus bef\u00f6rdert werden kann! Ich erwischte den Busfahrer und fragte h\u00f6flich in den drei Sprachen Laotisch, Vietnamesisch und Englisch, ob er denn nach Vientiane mitfahren w\u00fcrde und ob ich noch einsteigen k\u00f6nne. Wie die Vietnamesen so sind, erlaubte er mir die Fahrt f\u00fcr 25 Dollar. Doch leider hatte ich nur noch 20 dabei und so handelte ich herunter. Mit den Worten \u201ebut just standing\u201c (aber nur stehen) nahm er mein Geld und ich betrat den Bus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nat\u00fcrlich konnte man in diesem Bus nur noch stehen, wenn \u00fcberhaupt! Er war bis zum Rand gef\u00fcllt: Alle Sitzpl\u00e4tze waren belegt, meist sa\u00dfen sogar mehrere Menschen auf einem Sitz oder standen zwischen den Sitzen. Der Gang war nicht zu betreten, denn \u00fcberall hockten, sa\u00dfen und lagen Menschen. Dort, wo kein Mensch mehr hingepasst hatte, lagen Taschen, Reiss\u00e4cke oder anderes Ger\u00f6ll. Kaum zu glauben, dass dieser Bus tats\u00e4chlich schon 400 Kilometer seit Hanoi unterwegs gewesen sein musste! Aber wieso sollte ich nicht auch noch in dem Bus Platz nehmen d\u00fcrfen? Ich legte meinen gro\u00dfen Rucksack quer auf in Gang und setzte mich darauf. Das sparte Platz, aber besonders bequem war es auf nicht einmal 70 mal 70 Quadratzentimetern keineswegs. Aber ich war gerettet und f\u00fcr 20 Dollar sollte es nun etwas unangenehm bis nach Vientiane gehen. Es lagen nur noch gut 400 bis 500 Kilometer vor mir, was dieser Bus eigentlich in sieben bis acht Stunden schaffen sollte. W\u00e4hrend ich es mich so in dem Bus einrichtete, wurde ich von den Vietnamesen im Bus angemacht und von anderen Backpackern gewarnt, wieso ich denn hier einsteige und dass ich f\u00fcr den Preis, der mir angeboten wurde, niemals hier h\u00e4tte einsteigen sollen. Aber sie kannten ja meine Geschichte nicht \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Kurz nachdem der Bus losgefahren war, konnte ich mir einen \u00dcberblick \u00fcber die Sitzordnung ver-schaffen: Es war ein Multi-Kulti-Bus aus Vietnamese, Laoten und internationalen Backpackern. Die Insassen waren alle zwischen 80 Tagen und 80 Jahren alt. Manche hatten einen Sitzplatz bekommen, andere sa\u00dfen auf denjenigen, die einen Sitzplatz hatten, wieder andere sa\u00dfen zusammengekauert in den G\u00e4ngen, auf Rucksacken oder Ger\u00e4tschaften, wieder andere sa\u00dfen auf kleinen, selbstgebastelten St\u00fchlen, einige standen vorne am Fenster auf der Treppe und eine hockte doch tats\u00e4chlich auf der Lehne des Busfahrers. In diesem Bus befanden sich wohl mehr als 80 Leute, obwohl kaum Platz f\u00fcr die H\u00e4lfte gewesen w\u00e4re. Demzufolge war das Gep\u00e4ck auch auf dem Dach festgeschnallt, in die Kofferr\u00e4ume gew\u00fcrgt und unter den Sitzen verstaut worden. So ging es dann gem\u00fctlich weiter bergauf bis zur ersten Rast an einem kleinen laotischen Restaurant.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nun mussten alle der Reihe nach aus diesem \u00fcberf\u00fcllten Gef\u00e4hrt aussteigen und konnten sich endlich etwas zu essen g\u00f6nnen. Das lie\u00df ich mir nat\u00fcrlich nicht zweimal sagen und bestellte eine Suppe, von der ich wenigstens wusste, was sie enthielt. Die anderen Backpacker setzten sich zu mir und fragten mich nat\u00fcrlich sofort aus, wie ich denn ihren Bus gefunden hatte und warum ich unbedingt dort einsteigen musste. Ich erkl\u00e4rte ihnen meinen H\u00f6llentrip von Hanoi bis hierher und erfuhr, dass sogar drei Deutsche unter ihnen waren. Sie erkl\u00e4rten mir, dass sie zwar in Hanoi eingestiegen waren, aber dass der Bus schon von Anfang an voller Vietnamesen gewesen sei, sodass die internationalen Reisenden, die nat\u00fcrlich viel mehr f\u00fcr die Platzkarten bezahlt hatten, um ihre Sitze k\u00e4mpfen mussten. Der Bus war in Hanoi noch eine Weile im Kreis gefahren, um ihn weiter aufzuf\u00fcllen, und unterwegs wurden einfach ein paar Sitze hinausgeschmissen, um noch mehr Platz auf dem Boden zu schaffen. Nebenbei erfuhr, dass der Schlafbus, den ich wahrscheinlich in Hanoi zugesprochen bekommen h\u00e4tte, unterwegs auf der Grenze zusammengebrochen sein musste und erst am n\u00e4chsten, also diesen Morgen wieder weiterfahren konnte, weil \u00fcber Nacht ja die Grenze geschlossen wird. Somit w\u00e4re ich auch nicht schneller gewesen als auf die Weise, wie ich getan hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nachdem sich alle in dem Restaurant gest\u00e4rkt hatten, musste der Bus wieder der entsprechenden Reihenfolge nach bef\u00fcllt werden. Dabei trampelten selbstverst\u00e4ndlich alle \u00fcber meinen Rucksack, der ja mitten im Gang lag. Fast als Letzter stieg ich dann ein und nahm wieder auf meinem \u201eBackpack\u201c, so nennt man n\u00e4mlich diesen gro\u00dfen Reiserucksack, Platz. So ging es dann weiter bis zur n\u00e4chsten Rast mit gleicher Einstieg-Ausstieg-Prozedur \u2026 bis wir nach 7,5 Stunden um halb acht abends in der laotischen Hauptstadt Vientiane ankamen!<\/p>\n<p><a href=\"#vorwort\">Seitenanfang<\/a><br \/>\n<a name=\"vientane-udon\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p><strong>Von Vientiane nach Udon Thani (13.04.2010)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir Backpacker verlie\u00dfen eilig den Bus und suchten gemeinsam nach einem billigen Tuk-Tuk in die Innenstadt. Wir wussten nicht, wo in Vientiane uns der Bus hinausgeschmissen hatte, und so ver-suchten wir, es anhand von herumstehenden Tuk-Tuk-Fahrern zu erfragen. Ich \u00fcbernahm, da ich ja schon ein bisschen Thai sprach, was vom Laotischen ungef\u00e4hr so weit entfernt ist wie Bairisch vom Hochdeutschen. Wenn man die Regeln kennt, durch die sich die Sprachen unterscheiden, so kann man beide verstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir einigten uns auf eine Fahrt von einem Dollar pro Insasse bis in die Stadt, wo wir uns dann wieder auskennen sollten. Auf dem etwa zehn Kilometer weiten Weg dorthin sp\u00fcrte ich zum ersten Mal das, worauf ich mich schon wochenlang gefreut und dank des furchtbaren Hanoi-Vientiane-Busses fast verpasst h\u00e4tte: Songkran, das buddhistische Neujahrsfest! In Laos nannte man es Songkan, aber gefeiert wurde es genauso: Alle Menschen gehen mit Wasserk\u00fcbeln und Schl\u00e4uchen auf die Stra\u00dfe und bespritzen Vorbeifahrende und Passierende, egal ob im Auto, auf dem Motorrad oder im Tuk-Tuk! Da bereitet es den Kindern nat\u00fcrlich besonderen Spa\u00df, die Ausl\u00e4nder einzuseifen und ihnen auf Kommando eine eiskalte Dusche zu verpassen, was angesichts der in S\u00fcdostasien herrschenden Temperaturen zur hei\u00dfesten Zeit des Jahres die perfekte Abwechslung schlechthin darstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als wir in der Stadt ankamen, waren wir zwar pitschnass, aber ich hatte wieder Kraft und Hoffnung getankt, tats\u00e4chlich heute noch \u00fcber die Grenze und direkt nach Thailand zu kommen, mit viel Gl\u00fcck sogar bis nach Chiang Mai \u00fcber Nacht, weil dort das gr\u00f6\u00dfte Songkran-Fest \u00fcberhaupt gefeiert wird! Ich hatte ja von Anfang an den Weg verfolgt, die Schlaufe von Bangkok \u00fcber S\u00fcdlaos durch Kambodscha, schlie\u00dflich hinauf entlang der vietnamesischen K\u00fcste und zur\u00fcck durch Nordlaos direkt nach Chiang Mai ins Songkran-Fest hinein zu nehmen. Und so sollte es auch weitergehen: Ich trennte mich von den anderen Reisenden, die ihre Zeit noch in Vientiane genie\u00dfen wollten, wir tauschten kurz die E-Mail-Adressen aus, wie man das bei fl\u00fcchtigen Bekanntschaften auf Backpacker-Reisen eben so macht, und w\u00fcnschten einander ein sch\u00f6nes Leben. Sodann machte ich mich auf, einen Bus nach Nong Khai zu finden. Wo ich suchen musste, war mir sofort klar, aber am offiziellen Busbahnhof fuhr zu dieser Zeit nichts mehr nach Thailand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dann hie\u00df es umplanen und Tuk-Tuk suchen: Das war angesichts meines ausl\u00e4ndischen Aussehens und der ungeheuren Anzahl der herumstehenden Tuk-Tuks auch keine gro\u00dfe H\u00fcrde, doch der Preis hatte es wieder einmal in sich. Ich wollte den Fahrern ja auch nicht zu viel geben, aber ich erinnerte mich daran, dass ich es schon einmal f\u00fcr 50 Baht (1 Euro) auf dieser Distanz in entgegen gesetzter Richtung geschafft hatte. Diesen Preis wollte ich auch wieder haben, aber das schaffte ich nicht. Ich startete wieder meine Handeltechnik und entfernte mich von den Angeboten, als k\u00f6nnte ich die Strecke selbst laufen. Wieder einmal bekam ich dann ein Angebot von 200 Baht (4 Euro) und ich nahm es an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Fahrer versprach mir, mich bis zur Grenze, also zur Freundschaftsbr\u00fccke zwischen Laos und Thailand, zu fahren. Das konnte ich mittlerweile schon gut auf Thai erkl\u00e4ren. Doch statt mich direkt dorthin zu bringen, lud er mich auf einer dunklen Stra\u00dfe ab und meinte, ich solle in ein anderes Tuk-Tuk umsteigen. Da stand ich nun, kein St\u00fcck weiter als vorher \u2013 und Zeit hatte ich auch noch verschwendet. Es war schon weit nach 20 Uhr und ich wusste nicht genau, wann die Grenze schlie\u00dft. Doch nun hie\u00df es erst mal wieder Verhandeln: Ich sollte dem ersten Fahrer die versprochenen 200 Baht geben und mich dann in das andere Tuk-Tuk setzen; aber wenn ich eins auf Reisen gelernt hatte, dann dass man niemals Geld geben sollte, bevor man die gew\u00fcnschte Ware, in diesem Falle den Transport, erhalten hat. Also machte ich den herumstehenden Laoten klar, dass ich das Geld erst an der Grenze aush\u00e4ndigen w\u00fcrde, egal, wer mich bis dorthin fahren w\u00fcrde. Schlie\u00dflich kam noch ein anderer Passagier, mit dem ich mir dann ein Tuk-Tuk teilte und der die Sache dann ebenso aufzukl\u00e4ren versuchte wie ich. Wir einigten uns daran, dass ich die 200 Baht tats\u00e4chlich erst an der Grenze \u00fcbergebe, daf\u00fcr der zweite dem ersten Fahrer aber die H\u00e4lfte schon bezahlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Was f\u00fcr ein Chaos! Aber schlie\u00dflich ging es fr\u00f6hlich weiter bis zur Grenze \u2013 und als Bonus durfte ich mich die ganze Zeit mit meinem Mitfahrer unterhalten. Er war Thai und so redete er Englisch und ich Thai, um uns gegenseitig die Sprache ein bisschen beizubringen. Wir stellten fest, dass wir den gleichen Weg hatten und so nahmen wir auch an der laotisch-thail\u00e4ndischen Grenze, wo wir zum einen den Betrag von 60 Baht f\u00fcr den Stempel und zum anderen noch 15 Baht f\u00fcr die so sp\u00e4te Grenz\u00fcberquerung hinbl\u00e4ttern mussten, denselben Grenzbus nach Nong Khai und dort dasselbe Tuk-Tuk zum Busbahnhof, welches er mir spendierte. Ich erkundigte mich \u00fcberall auf dem Busbahnhof, ob es in dieser Nacht noch einen Bus nach Chiang Mai g\u00e4be, aber das schien wohl nicht der Fall zu sein. Man versicherte mir, dass es absolut keinen Direktbus von Nong Khai nach Chiang Mai gebe. Ich gab mich nach allen Strapazen und mit dem Wissen, dass ich an jenem Morgen ja sogar noch auf dem vietnamesischen Dorf S\u01a1n Kim 1 aufgewacht war, damit zufrieden, dass ich es in dieser Nacht maximal bis Udon Thani schaffen w\u00fcrde und erst am darauffolgenden Tag nach Chiang Mai aufbrechen k\u00f6nnte. Da mein bisheriger thail\u00e4ndischer Begleiter namens Book auch diesen Weg einschlug, teilten wir uns wiederum einen Bus und so ging es f\u00fcr 60 Baht in einem luxuri\u00f6sen Bus etwa anderthalb Stunden durch den thail\u00e4ndischen Nordosten (Isaan) und gegen 23 Uhr standen wir beide verloren mitten in Udon Thani, in einer Stadt, die wir beide nicht kannten und in der wir noch keine \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeit hatten.<\/p>\n<p><a href=\"#vorwort\">Seitenanfang<\/a><br \/>\n<a name=\"udon\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p><strong>Udon Thani (13. \u2013 14.04.2010)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Also fragten wir uns durch und erkundigten uns nach einem g\u00fcnstigen Hotel. Die nette Empfangsdame im Sritakarn-Hotel bot mir ein schlichtes Zimmer ohne Klimaanlage zum Preis von 200 Baht an \u2013 und obwohl mir das zu teuer f\u00fcr die entsprechende Einrichtung erschien, nahm ich es dann doch, w\u00e4hrend Book sich f\u00fcr ein klimatisiertes und damit viel teureres Zimmer entschied. Obgleich wir in getrennten Zimmern \u00fcbernachteten, trafen wir uns an diesem Abend noch einmal bei einem gemeinsamen Bierchen beim Abendessen auf einem Festival. Ich bestellte mir gleich zwei Portionen und wie das bei Thais so ist, gaben wir uns gegenseitig das Essen aus, ohne dass sich der jeweils andere benachteiligt f\u00fchlen musste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So unterhielten wir uns recht entspannt, ich erz\u00e4hlte ihm von meinem Vietnam-Trip, er mir von seiner Arbeit und ich beobachtete die h\u00fcbschen Kellnerinnen bei ihrer Arbeit. Man k\u00f6nnte denken, dass das einzige Auswahlkriterium, um an einer Bar, in einem Restaurant oder auf einem Festival als Bedienung eingestellt zu werden, das verlockende Aussehen ist, denn meistens ist der Service so schlecht, dass er in Deutschland verboten geh\u00f6ren w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir gingen, als das Fest mit Live-Band auch langsam zu Ende ging und es kein Essen mehr gab. Ich war froh, dass ich ein Zimmer f\u00fcr diese Nacht hatte und es morgen direkt nach Chiang Mai gehen sollte. Die Telefonnummer von Book, meinem ersten richtigen Thai-Freund, hatte ich auch bekom-men! So konnte ich mich beruhigt schlafen legen, nachdenken und noch einmal reflektieren, was ich an diesem Tag alles erlebt hatte: Aufgestanden in dem vietnamesischen Dorf S\u01a1n Kim 1, war ich etwa 25 Kilometer betend, hoffend, ausgepowert und ohne Nahrung gelaufen, getrampt und mitgenommen worden, \u00fcberquert zu Fu\u00df die laotische Grenze, \u00fcberlebte im Gang eines mehr als \u00fcbervollen Busses die gesamte Strecke zwischen Zentralvietnam und Nordthailand und boxte mich schlie\u00dflich bis nach Udon Thani durch!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich musste erst einmal ausschlafen. Es war der 14. April 2009 und das Songkran-Fest war bereits in vollem Gange in ganz Thailand. Aber mich hielt eigentlich nichts in Udon Thani und so checkte ich aus dem Hotel aus. Die nette Rezeptionistin erkl\u00e4rte mir nach einem guten Fr\u00fchst\u00fcck in ihrem Hotel noch, mit welchem Songthaew ich zum Busbahnhof, wo die Busse nach Chiang Mai abfahren sollten, kommen k\u00f6nne, sodass ich mich schnellstens dorthin begab. Book, den ich am Tag zuvor kennen gelernt hatte, war schon sehr zeitig nach Bangkok aufgebrochen, weshalb ich nun wieder auf mich allein gestellt war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dass es in ganz Udon Thani keine Stadtbusse gab, hatte mich schon etwas verwundert, aber ich kam auch mit den Songthaew klar. F\u00fcr jeweils 10 Baht sollte ich bis zum Nordwest-Busbahnhof und zur\u00fcck kommen, was in der Tat auch klappte. Auf dem Weg dorthin bekam ich nat\u00fcrlich immer wieder eine ordentliche Dusche verpasst und hatte echt Spa\u00df an dem Wasserfest. Die Linie des Songthaew f\u00fchrte mich auch durch einige kleinere Gassen und so durfte ich Udon Thani ganz unfreiwillig auch ein bisschen kennen lernen. Am Busbahnhof war es nicht ganz so leicht, Tickets zu kaufen. Ich fragte mich durch und versuchte, das Wort \u0e15\u0e31\u0e27 (tua, deutsch: Ticket) irgendwo zu entziffern, aber ich scheiterte. Irgendwann fand ich schlie\u00dflich einen sehr, sehr alten Mann in einem Schuppen sitzen, der wohl die Tickets auszustellen schien. Ich erkl\u00e4rte ihm auf Thai, dass ich heute noch nach Chiang Mai wollte, woraufhin er mir einen Bus um 14 Uhr anbot. Zum einen sah ich aber darin enormen Zeitdruck, da schon Mittag war, und zum anderen w\u00fcrde dieser Bus mitten in der Nacht in Chiang Mai eintreffen, was f\u00fcr eine Unterkunftssuche immer \u00e4u\u00dferst ungeeignet ist. So bekam ich einen Bus f\u00fcr den sp\u00e4ten Nachmittag, in dem auch nur noch insgesamt zwei Sitze frei gewesen waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Voller Stolz, alles auf Thai geregelt zu haben, nahm ich mein Ticket in Empfang, bezahlte die 526 Baht und berichtete der Dame im Hotel, dass ich es geschafft hatte. Da ich mich nach allem bei irgendwas um die 40 Grad Celsius unbedingt abk\u00fchlen und meinen Hunger stillen musste, empfahl sie mir den nahe gelegenen CentralPlaza in der Stadtmitte, den ich mir somit als Notl\u00f6sung, falls ich sonst nichts anderes zum Mittag auf der Stra\u00dfe finden sollte, im Hinterkopf speicherte. Doch vorher wollte ich die Stadt und das immer heftiger werdende Songkran-Fest genie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So schlenderte ich gem\u00fctlich durch die Gassen, \u00fcber die Stra\u00dfe und immer wieder \u201eganz zuf\u00e4llig\u201c an Leuten vorbei, die mit ihren Wassereimern, Schl\u00e4uchen und K\u00fcbeln am Stra\u00dfenrand standen und besonderen Spa\u00df daran hatten, die vorbeifahrenden Songthaew-Passagiere durch die seitlichen \u00d6ffnungen pl\u00f6tzlich zu durchtr\u00e4nken. Teilweise wurden sogar Feuerwehren aufgefahren und es schien mir, als k\u00f6nnte jeder, der mit einem Wasserger\u00e4t bewaffnet war, auf so einen Pick-up aufsteigen oder auch von der Stra\u00dfe aus mitmischen. Ich hielt mich lieber zur\u00fcck und lie\u00df mich begie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als ich genug von der Stadt gesehen hatte und sich mein Magen immer heftiger meldete, begab ich mich zwischen Wasserstrahl und Schaum in den gro\u00dfen CentralPlaza, wo ich mir im KFC mein Mit-tagessen besorgte und mich nach einem kurzen Rundgang in der Shopping Mall auf die Toilette begab. Jeder mag sich an dieser Stelle wundern, wieso ich hier so ins Detail gehe, aber es ist notwendig, denn wenn einem Reisenden so etwas auf der Toilette passiert wie mir, dann ist es in jedem Falle erw\u00e4hnenswert. Vor allem w\u00fcrde mich die folgende Geschichte selbst in Deutschland noch verfolgen: Da ich es nicht mag, in einem recht frequentierten stillen \u00d6rtchen die Herrentoiletten zu benutzen, suchte ich mir eine Kabine f\u00fcr mich, in der ich mir nat\u00fcrlich alle Zeit der Welt lassen konnte; und so besch\u00e4ftigte ich mich nach getaner Arbeit mit meinem Portemonnaie, z\u00e4hlte das noch vorhandene Geld in Dollar, Riel, Kip, \u0110\u1ed3ng und Baht und legte es dann auf der Toilettenpapierhalterung ab, damit ich beide H\u00e4nde frei hatte, um die Hose hochzuziehen. Fatal! Denn in dem Moment, als ich die Sp\u00fclung dr\u00fcckte, musste ich wohl v\u00f6llig vergessen haben, wo ich gerade das so kostbare Portemonnaie mit allen erdenklichen Wertgegenst\u00e4nden und Papieren hingelegt hatte. Und tats\u00e4chlich verlie\u00df ich die Kabine, wusch mir anst\u00e4ndig die H\u00e4nde, trocknete sie ab und tat genau einen Schritt aus der T\u00fcr zum Herrenklo. In diesem Augenblick bemerkte ich den Fehler. Der gewohnte Griff an die Hosentasche ging ins Leere; wo war mein Portemonnaie? Du hast es doch nicht wirklich auf der Toilette liegen lassen, oder!? Ich konnte es nicht glauben und d\u00fcste sofort zur\u00fcck zu der Kabine, die ich gerade eben noch mein eigen genannt hatte. Die Kabinent\u00fcr stand offen, aber das Portemonnaie war verschwunden. Es lag nicht mehr auf der Halterung, nicht auf der Sp\u00fclung, war nicht hinuntergefallen und ich hatte es auch nicht! Hatte es tats\u00e4chlich jemand entdeckt, eingesteckt, sein Gesch\u00e4ft vergessen und war dann verschwunden? Konnte es solche grausamen Menschen geben? Wahrscheinlich schon \u2013 und sofort brauch eine Welt zusammen. Ich informierte eine herumstehende Reinigungskraft, fragte andere Toiletteng\u00e4nger und bettelte, dass jemand mein in diesem Moment v\u00f6llig versagendes Thai auch nur ann\u00e4hernd verstehen konnte, doch es half nichts. Niemand verstand. Keine konnte Englisch und mir fehlten die entscheidenden W\u00f6rter wie \u201ePortemonnaie\u201c, \u201estehlen\u201c oder \u201everlo-ren\u201c auf Thai. Ich war aufgeschmissen, aber aufgeben wollte ich nicht. Wieder suchte ich alle Kabinen ab, aber die Geldb\u00f6rse lie\u00df sich einfach nicht finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In meiner Verzweiflung raste ich im Eiltempo eine Etage tiefer zur Information und textete die beiden v\u00f6llig verschreckten jungen Frauen halb auf Englisch, halb auf Thai zu, in der Hoffnung, sie w\u00fcrden meine Notlage erkennen. Wie erw\u00fcnscht, verstanden sie auch, aber schienen in dieser Situation ebenso \u00fcberfordert wie ich. Dann setzten sie, wie Thais nun mal so sind, ohne Z\u00f6gern alle Hebel in Bewegung, um mir zu helfen. Durch Lautsprecher wurde angesagt, dass ein Portemonnaie auf der Herrentoilette abhanden gekommen war, verschiedene Mitarbeiter sollten die Toilette noch einmal durchsuchen und die beiden M\u00e4dels versuchten, mich zu beschwichtigen. Ich konnte nichts machen, au\u00dfer immer nur zu fragen \u201eTham arai?\u201c (Was soll ich tun?). Ich hasste mich daf\u00fcr, dass ich das Portemonnaie \u00fcberhaupt aus der Hosentasche genommen hatte, aber vor allem war ich sauer auf die Person, die mir damit mein gesamtes Hab und Gut entwendet hatte. Abgesehen davon, dass es ein recht teures Portemonnaie und voller Geld war, fehlten zudem auch meine Kreditkarte, beide EC-Karten, mein F\u00fchrerschein, mein Hausschl\u00fcssel, s\u00e4mtliche Telefonnummern und Adressen (auch die von Book) sowie mein gerade erst erstandenes Busticket nach Chiang Mai. Ich hatte nun also weder Bargeld noch eine M\u00f6glichkeit, an Geld zu kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In dieser Situation gab es nur einen Gedanken: Kreditkarten sperren! Aber wie sollte ich denn das bitte machen? Mein Handy war mir ja schon auf der Fahrt von Hu\u1ebf nach Hanoi gestohlen worden, und damit nat\u00fcrlich auch die Notfallnummern f\u00fcr die Bank. Ich konnte mir in diesem Moment also nichts mehr kaufen, niemanden anrufen und mich nicht mehr aus Udon Thani entfernen. Ich hatte ja gar nichts mehr, bis auf meine Kamera und meinen Reisepass. Immerhin! Um die Karten sperren zu k\u00f6nnen, brauchte ich also die Sperrnummer meiner beiden Banken. Dazu wiederum brauchte ich Internet und das bekam ich nat\u00fcrlich ohne Geld, was ich ja nicht mehr hatte. Es war ein Teufelskreis, also erflehte ich jedwede Hilfe von den beiden Informationsdamen. Eine nahm sich dann meiner an und empfahl mir ein Internetcaf\u00e9 ein Stockwerk weiter oben, wof\u00fcr sie mir ein bisschen Geld lieh. Niemals h\u00e4tte ich so eine Freundlichkeit erwartet, aber f\u00fcr gro\u00dfes Bedanken blieb mir keine Zeit, also schoss ich \u00fcber die Rolltreppen zum Internetcaf\u00e9 und ergatterte mir einen freien Computer. Obwohl ich nur f\u00fcnf Minuten daran sa\u00df, verlangten die etwas irritierten Angestellten den vollen Stundenpreis. Es war nicht teuer und so musste ich mich nicht aufregen. Die Notfallnummern fand ich so auch heraus, mir fehlte nur noch ein Handy. Ich dachte an Internettelefonie, aber mit Kopfh\u00f6rer und Mikrofon konnte man nicht dienen. Also hastete ich zur\u00fcck zu meiner Retterin am Informationsschalter und bat um ihr Handy. Sie erkl\u00e4rte mir, was ich f\u00fcr Auslandsgespr\u00e4che w\u00e4hlen m\u00fcsste und so lie\u00df ich immerhin die Kreditkarte und eine EC-Karte sperren. Zum Telefonieren musste ich immer in das Treppenhaus gehen, weil nat\u00fcrlich drau\u00dfen auf der Stra\u00dfe eine riesige Wasserschlacht mit Krach und Musik veranstaltet wurde \u2013 w\u00e4hrend ich drinnen verzweifelte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die zweite Bank konnte ich nicht aus dem Ausland erreichen und so setzte ich mich mit meiner Familie in Verbindung, wie ich denn nun weiter verfahren k\u00f6nnte. Nach knapp drei Minuten Gespr\u00e4chszeit war die Telefonkarte auch schon leer. Ich teilte der Dame den Status ihres Handyguthabens mit und sie erbarmte sich meiner ein weiteres Mal und gab mir Geld, um es wieder aufladen zu gehen. Nach einiger Zeit fand ich auch einen geeigneten Shop daf\u00fcr und so konnte ich weiter flei\u00dfig nach Deutschland telefonieren. Es hielt wieder etwa drei Minuten, doch dieses Mal hatte ich es geschafft, dass zum einen die andere Bank meine Karte gesperrt hatte und dass ich demn\u00e4chst einen R\u00fcckruf von meiner Entsendeorganisation \u201ekulturweit\u201c erhalten sollte. Wieder war das Guthaben alle, wieder erschlich ich mir ein bisschen Geld und wieder musste ich die Karte aufladen gehen. Das Spielchen wiederholte sich noch einmal, bis ich ihr erkl\u00e4rte, dass man mit TrueMove viel g\u00fcnstiger ins Ausland telefonieren k\u00f6nnte. Sie gab zu, dass sie tats\u00e4chlich eine TrueMove-Karte im Handy hatte und fortan konnte ich diese auch verwenden. Dennoch war ich nicht viel weiter: Ich wollte ja eigentlich nach Chiang Mai, was ich mir mittlerweile aus dem Kopf geschlagen hatte, weil ich sowieso keinen Spa\u00df mehr an Songkran gehabt h\u00e4tte. Also ging es nun darum, irgendwie zur\u00fcck nach Bangkok zu kommen und an mein Geld auf dem Konto zu gelangen, da sich ja jegliche Bankkarten nun irgendwo in Udon Thani, nur nicht bei mir befanden!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Um an Bargeld zu kommen, bekam ich von \u201ekulturweit\u201c per Telefon geraten, es doch einmal per Western Union zu versuchen. Davon hatte ich noch nie etwas geh\u00f6rt, aber ich wusste ja bereits, an wen ich mich bei solchen Fragen wenden konnte. So fand ich sogar einen Western-Union-Standort innerhalb der CentralPlaza-Shopping-Mall und erkundigte mich, wie ich an Geld kommen k\u00f6nnte. Ich ben\u00f6tigte meinen Reisepass und die andere Seite der Welt m\u00fcsse sich online oder in einer Filiale registrieren, um mir Geld in beliebiger H\u00f6he schicken zu k\u00f6nnen. Es w\u00fcrde dann direkt vor mir in der Landesw\u00e4hrung ausgezahlt. Tolles Prinzip, dachte ich mir, und so hielt ich R\u00fccksprache mit meinen Eltern, ob sie das machen k\u00f6nnten. Da sie sich erst noch lange beraten musste, nicht wussten, wo und wie sie das machen k\u00f6nnten, und ich ohnehin noch meinen Reisepass auf meinem Rucksack zu holen hatte, brach ich die Aktion erst einmal an und versprach der mich beratenden Dame, dass ich sp\u00e4ter wieder kommen w\u00fcrde. Also lief ich zur\u00fcck zum Sritakarn-Hotel, in dem ich meine Tasche mit dem Reisepass hatte stehen lassen, und verletzte mir auf dem Weg dorthin auch noch arg meinen gro\u00dfen Zeh an einer aus dem Boden ragenden Eisenstange, weil ich ja nur mit Flip-Flops unterwegs war. Was f\u00fcr ein Pech ich aber auch hatte! Einfach unglaublich \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Hotel fasste ich kurz meine bisherige Story auf Thai zusammen, da ich die W\u00f6rter f\u00fcr \u201ePortemonnaie\u201c und \u201eklauen\u201c bereits von der netten Informationsdame namens Ying gelernt hatte, und so empfand auch die Rezeptionistin tiefes Mitgef\u00fchl f\u00fcr mich und bat mir ihre Hilfe an. Sie wollte mir auch Geld leihen, aber diesmal wies ich ab. Ich hatte ja bereits eine unglaublich g\u00fctige Spenderin gefunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit meinem Reisepass bewaffnet kehrte ich zur\u00fcck zu Western Union und versuchte mein Gl\u00fcck noch einmal. Meine Eltern hatten es zwar mittlerweile geschafft, sich Online zu registrieren, aber irgendwie klappte es mit der Transaktionsnummer nicht. Ich brach die Aktion wieder ab und lief zu meiner Helferin Ying.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sie verstand, dass die Problematik mit Western Union einige Zeit in Anspruch nehmen w\u00fcrde, also zeigte sie wieder einmal ihre G\u00fcte und suchte mir indes m\u00f6gliche Verbindungen nach Bangkok mit Zug und Bus heraus. So erfuhr ich, dass es an diesem Tage tats\u00e4chlich einen vom Staat gesponserten Zug von Udon Thani nach Bangkok g\u00e4be, der aber wahrscheinlich so vollgepfropft sein w\u00fcrde, dass ich darin keine zehn Stunden aushalten k\u00f6nnte. Nach einigen Anrufen stellten Ying und ihre Mitarbeiterin fest, dass es keine freien Pl\u00e4tze mehr in staatlichen Bussen und Z\u00fcgen g\u00e4be. Ich gab diesen Gedanken also  auch wieder auf und mir fiel etwas anderes Wichtiges ein: In Deutschland w\u00fcrde ich sicherlich einen Polizeibericht ben\u00f6tigen, falls ich dieses Missgeschick \u00fcber die Versicherung abwickeln k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Also bat ich abermals um ein bisschen Geld, um zur Polizei zu gehen. So \u00fcberlie\u00df Ying also mir, einem dahergelaufenen Ausl\u00e4nder, der vorgab, nichts mehr zu haben, und kaum Thai sprach, nicht nur 1000 Baht, sondern auch ihr Handy mit dem Vertrauen, dass ich ihr irgendwann alles heil wieder zur\u00fcckbringen w\u00fcrde. Von dieser Herzlichkeit war ich wirklich \u00e4u\u00dferst angetan; so etwas hatte ich noch nie erlebt. Mein Kopf war aber leider bei einer ernsteren Sache: Ich musste zur Polizei, noch bevor sie schloss! Ich suchte ich mir einen Tuk-Tuk-Fahrer, der mich nach einigen Verhandlungen f\u00fcr 60 Baht zur Polizeistation und zur\u00fcck fahren sollte. Das stellte sich als sehr schwierig heraus, aber schlie\u00dflich schaffte ich es. Er fuhr los und brachte mich tats\u00e4chlich zur Polizei. Sein Geld sollte er bekommen, nachdem er mich zur\u00fcckgebracht hatte. Ich ging hinein und irrte in dem Revier umher. Da ich keine Ahnung hatte, wohin ich mich begeben sollte, lief ich in ein Zimmer, in dem ein paar Leute und ein Beamter sa\u00dfen. Da sich keiner meiner annahm, steuerte ich auf den Polizisten zu und meinte nur kurz \u201eMii bpanhaa\u201c (Ich habe ein Problem). Er fragte, wie er helfen k\u00f6nne, also stammelte ich irgendetwas von Portemonnaie, klauen und kein Geld. Als n\u00e4chstes stellte ich ihm die Frage, ob er denn Englisch spr\u00e4che, was er mit der Gegenfrage, ob ich denn Thai spr\u00e4che, beantwortete. Ich schien es tats\u00e4chlich besser zu sprechen als er Englisch, aber das half nun nichts und so bem\u00fchte ich mich, ihm mein Problem zu schildern. Aber dass ich ein offizielles Protokoll oder unterzeichnetes Dokument von der Polizei f\u00fcr die Versicherung haben m\u00f6chte, konnte ich ihm beim besten Willen nicht in seiner Sprache erkl\u00e4ren. Dann wandte er sich an den armen Tuk-Tuk-Fahrer, der mich doch lieber zur Touristenpolizei h\u00e4tte bringen sollen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Etwas ver\u00e4rgert ob meiner schlechten Sprachkenntnisse und der Unfreundlichkeit des Beamten begab ich mich also zur Touristenpolizei; dieses Mal jedoch kostenlos, da es ein offensichtlicher Fehler meines Fahrers gewesen war, mich hierher zu bringen. Ich fand es schon erstaunlich, dass es in diesem \u00d6rtchen, das nun nicht gerade als Touristenhochburg bekannt ist, eine Polizei eigens f\u00fcr Touristen gab. Ich betrat das kleine Zimmer, in dem sich drei Beamte befanden, von denen einer wie ein Praktikant auf mich wirkte. Den Ersten sprach ich wieder mit den gleichen S\u00e4tzen wie vorher an, aber dieses Mal bejahte er die Frage nach seinen Englischkenntnissen. Also schilderte ich ihm alles im Detail auf Englisch und sollte es anschlie\u00dfend auch zu Protokoll geben. Das gefiel mir schon besser, aber nicht unbedingt, dass er sich meinen Text vornahm, ihn in die thail\u00e4ndische Sprache \u00fcbersetzte, seinen Stempel darunter knallte und mir den Wisch zur\u00fcckschob. Ich fragte ihn, was ich denn in Deutschland mit dieser Handschrift auf Thai anfangen sollte. Darauf erwiderte er nur gleichg\u00fcltig, dass ich doch mit diesem offiziellen Dokument, wie es gew\u00fcnscht hatte, zur Botschaft gehen und es \u00fcbersetzen lassen k\u00f6nne. Na, vielen Dank auch!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mehr oder weniger erfolglos, aber mit einem netten Souvenir in der Hand lie\u00df ich mich zur\u00fcckchauffieren und h\u00e4ndigte meinem Fahrer die 60 Baht aus. Das w\u00e4re als gekl\u00e4rt, nun brauchte ich dringend noch Geld und ein R\u00fcckfahrticket nach Bangkok, wo ich Leute kannte, die mir notfalls \u00fcber die Runden helfen k\u00f6nnten. Ich hatte ja das Handy von Ying die ganze Zeit mitgehabt und so erfuhr ich auch, dass meine Eltern mittlerweile die korrekte Transaktionsnummer f\u00fcr Western Union erhalten hatten und wir die \u00dcberweisung starten k\u00f6nnten. Es klappte tats\u00e4chlich und ich erhielt Bargeld, das f\u00fcr die n\u00e4chsten paar Wochen reichen sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nun war ich erleichtert, dass ich wieder Geld hatte, meine Kreditkarten gesperrt waren ich ein offizielles Schreiben der Polizei, wenn auch komplett auf Thai, in der Hand halten konnte, froh war ich aber dennoch nicht. Mein Bus nach Chiang Mai, f\u00fcr den ich ja das Ticket auch verloren hatte, war bereits abgefahren und nun blieb nur noch die Option, zur\u00fcck nach Bangkok zu fahren. Ying und ihre Kollegin telefonierten wieder und recherchierte, w\u00e4hrend ich, dieses Mal ohne ihr Handy, zum Bahnhof lief und mir selbst ein Bild von den angeblich so vollen Z\u00fcgen in ganz Thailand an den Festtagen machen wollte. Auf dem Weg dorthin kam ich neben einem riesigen Stau auch an einem roten Laster mit Rothemden vorbei, aus deren Megafonen klar und deutlich \u201eAbhisit, ook bpai\u201c (Abhisit raus!) zu h\u00f6ren war. Damit spielten sie auf den schon seit einiger Zeit laufenden Konflikt zwischen Rot und Gelb in der thail\u00e4ndischen Regierung, der sich alsbald auf die gemeine Bev\u00f6lkerung ausgeweitet hatte, an. Am Fahrtkartenschalter des Bahnhofs fragte ich nach einem beliebigen Zug nach Bangkok: Ausgebucht. Wie s\u00e4he es denn am morgigen Tag aus? Ausgebucht. Ich h\u00e4tte gerne irgendwann einen x-beliebigen Zug innerhalb der n\u00e4chsten drei Tage nach Bangkok: Ausgebucht. Verdammt, ich sa\u00df in Udon Thani fest! Auf dem R\u00fcckweg holte ich mir von meinem gerade erhaltenen Geld eine schlecht schmeckende Wurst und gleich ein neues Portemonnaie zu einem Hammerpreis. Doch ich hatte immer noch keine L\u00f6sung, wie ich zur\u00fcck nach Bangkok kommen sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aber Ying w\u00e4re nicht Ying, wenn sie nicht auch f\u00fcr dieses Problem eine L\u00f6sung f\u00fcr mich gehabt h\u00e4tte. Sie hatte ja den ganzen Tag mit mir mitgefiebert und keinen Ort hatte ich so oft in Udon Thani besucht wie ihren Informationsschalter! Es ergab sich nach langer Suche also die M\u00f6glichkeit, einen Privatbus, der innerhalb weniger Minuten abfahren w\u00fcrde, von Udon Thani nach Bangkok zu einem echt g\u00fcnstigen Preis von 418 Baht zu ergattern. Ich verabschiedete mich von ihr, bedankte mich tausendmal und versicherte ihr hoch und heilig, dass ich ihr die entstandenen Kosten in jedem Falle auf ihr Konto erstatten w\u00fcrde \u2013 ihre Kontonummer hatte ich daf\u00fcr bekommen, aber nat\u00fcrlich hatte sie keine Garantie daf\u00fcr, sie hatte lediglich Vertrauen in mich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich holte meinen Rucksack aus dem Hotel, verabschiedete mich bei der Empfangsdame, die mir f\u00fcr den Notfall noch ihre Kontaktdaten mitgab, und beeilte mich dann zum Busbahnhof, um noch ein Ticket f\u00fcr den Bus nach Bangkok zu erstehen. Tats\u00e4chlich erhielt ich eines und da ich das so fein auf Thai kl\u00e4ren konnte, fragte mich der Ticketverk\u00e4ufer eher im Scherz als ernsthaft, ob ich denn Thai spr\u00e4che. Ich bejahte und er war erstaunt. Dann wollte er einen draufsetzen und fragte auf Laotisch, ob ich denn diese Sprache spr\u00e4che. Dieses Mal verneinte ich, aber auf Laotisch. Das verwunderte nun nicht nur ihn, sondern auch alle in diesem Raum wartenden Leute, die nat\u00fcrlich nicht damit gerechnet hatte, dass ich die Frage verstehen und dann sogar noch darauf antworten k\u00f6nnte. Wieder einmal hatte ich einen Pluspunkt dank meines Interesses an Sprachen gesammelt! Ich fragte noch freundlich, wo denn der Bus abfahren w\u00fcrde, aber au\u00dfer, dass er gelb sei, drei gro\u00dfe Neunen daran st\u00fcnden und dass ich vor der T\u00fcr warten sollte, erfuhr ich nichts. So wartete ich \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u2026 und wartete. Es war bereits nach geplanter Abfahrzeit und so wurde ich unruhig. Ich lief also dorthin, wo alle staatlichen Busse auch abfuhren und siehe da: Ich erblickte den gelben 999-Bus, der bereits voller Passagiere war! Ich klopfte an der T\u00fcr, zeigte ihnen mein Ticket und wurde doch noch auf einen Sitz verfrachtet. Ja, ich hatte es geschafft. Ich war auf dem Weg nach Bangkok, auf dem Weg nach Hause! Was sollte jetzt noch schief gehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Alle Insassen bekamen Getr\u00e4nke, Snacks, aber wahrscheinlich auch eine Erk\u00e4ltung, weil die Klimaanlage wieder auf Hochtouren lief und die Fahrt damit etwas unangenehmer machte, als sie eigentlich sein m\u00fcsste. W\u00fcrde man diese Klimaanlage \u00fcber Nacht ausschalten, h\u00e4tte man eine optimale Temperatur im Bus, alle w\u00e4ren gl\u00fccklich und es w\u00fcrde nebenbei sogar noch Strom sparen! Aber leider verstehen viele Asiaten diese Logik nicht, da sie meinen, wenn man schon so modern ist und eine Klimaanlage besitzt, dann m\u00fcsse man sie auch auf Teufel komm raus pr\u00e4sentieren. Deshalb nutzte ich jede Pause, um mich au\u00dferhalb des Busses kurz aufzuw\u00e4rmen.<\/p>\n<p><a href=\"#vorwort\">Seitenanfang<\/a><br \/>\n<a name=\"bangkok\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p><strong>Zur\u00fcck in Bangkok (15.04.2010)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gegen 5.30 Uhr kamen wir auf dem Suvarnabhumi, dem internationalen Flughafen Bangkoks, an, aber w\u00e4hrend einige in die Terminals hasteten und andere eilig zu ihren Autos liefen, bequemte ich mich gem\u00e4chlich aus dem Bus, betrat behutsam den gewohnten Boden Bangkoks und suchte mir eine Bank, auf der ich noch eine Weile schlafen konnte. Warum ich das tat? Nun ja, in dem Porte-monnaie, das mir auf so ungl\u00fcckliche Weise in Udon Thani abhanden gekommen war, befand sich dummerweise auch mein Hausschl\u00fcssel, den ich jetzt auch nicht mehr mein Eigen nennen durfte. Ich musste also zwangsweise auf den Hausmeister vertrauen, dass er meine T\u00fcr dann mit seinem Universalschl\u00fcssel aufsperren k\u00f6nnte. Da dieser aber wohl noch nicht um sechs Uhr morgens auf den Beinen sein w\u00fcrde, entschied ich, die Zeit auf dem Flughafen totzuschlagen und mir anzuschauen, welche Busse tats\u00e4chlich in meinen Bezirk Minburi fahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es gab zwar einen, an dem Minburi auf Thai stand, aber jedes Mal, wenn ich den Busfahrer fragen wollte, stieg er entweder gerade aus und verschwand sofort oder kam gerade wieder und fuhr sogleich auch ab. Also suchte ich mir irgendwann ein Taxi, zahlte aus Unwissen auch noch die zus\u00e4tzlichen 50 Baht Flughafengeb\u00fchr und kam gegen acht Uhr morgens zu Hause in meinem Apartment an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich begab mich direkt zu meinem Zimmer, legte die schwere Last von meinem R\u00fccken ab und suchte das Foyer nach dem Hausmeister ab. Welch Gl\u00fcck, dass ich ihn sofort erwischte! Ich trat wieder mit meinem Lieblingssatz an ihn heran: \u201eMii bpanhaa\u201c (Ich habe ein Problem), woraufhin er sich sofort zu mir setzte und sich meine Geschichte anh\u00f6rte. Das Aufschlie\u00dfen der T\u00fcr ging ruck, zuck und so konnte ich endlich wieder sagen: \u201eIch habe es geschafft, ich bin zu Hause!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich wartete eine Weile, stellte meine W\u00e4sche an und klopfte dann sofort an der T\u00fcr des Matheleh-rers, der mir gegen\u00fcber wohnte. Ich erz\u00e4hlte ihm alles von A bis Z, von den tollen Wasserf\u00e4llen in Laos, von Delphinen in Kambodscha, vom Motorradabenteuer in Saigon, vom verh\u00e4ngnisvollen 200- \u0110\u1ed3ng-Schein, vom nichtexistenten Bus ab Hanoi, von meiner Spontanunterkunft auf dem vietnamesischen Dorf, vom \u00fcberf\u00fclltesten Bus aller Zeit, vom verlorenen Portemonnaie, von Ying und vom fehlenden Hausschl\u00fcssel! Als ich ihn \u00fcber seine Songkran-Zeit in Bangkok ausfragte, meinte er nur, ich sollte mir diesen Spa\u00df nicht entgehen lassen und trotz allem Ungl\u00fcck auf jeden Fall an diesem Abend auf die Khao San, die Partymeile Bangkoks schlechthin, fahren, um auch noch Teilhaber dieses unvergesslichen Spektakels sein zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So geschah es dann auch: Nach einem geruhsamen Schlaf den ganzen Tag \u00fcber entschied ich mich am Abend dazu, auf die Khao San zu fahren und mich einfach mal gehen zu lassen. Ich kam an und sah auf den ersten Blick, dass das ein echter Spa\u00df werden w\u00fcrde. Man muss sich Songkran in Bang-kok so vorstellen: Tausende von partywilligen Thais und Hunderte von ebenso losgel\u00f6sten Touristen liefern sich auf zwei kleinen Parallelstra\u00dfen eine Wasserschlacht mit einer Mixtur aus eisgek\u00fchltem und fast zu hei\u00dfem Wasser, das im Laufe des Abend dank der dazu kommenden Reinigungssalbe immer tr\u00fcber wird. Man muss einfach nur mit seiner schlechtesten Kleidung mit oder entgegen dem Strom laufen und bekommt alle drei Meter eine feuchte Hand voller Kraft spendender Seife mit den Worten \u201eSawatdii bpii mai\u201c oder \u201eHappy New Year\u201c (jeweils: \u201eFrohes Neues Jahr\u201c) ins Gesicht geklatscht, denn dies ist das buddhistische Neujahrsfest. Die Kleidung kann man danach wegschmei\u00dfen, soviel steht fest, aber die Erinnerung an diese  Szenen bleibt ewig. Und das Sch\u00f6ne daran ist: Es wird jedes Jahr gefeiert und immer mindestens drei Tage lang. Das ist damit die l\u00e4ngste gesetzliche Urlaubszeit in Thailand! Die meisten Familien verreisen an diesen feierlichen Tagen oder treffen sich mit ihren entfernt wohnenden Verwandten; Kinder und Jugendliche genie\u00dfen dieses Fest besonders! Ich finde, gegen dieses Brauchtum ist unser westliches Silvester ein Kindergeburtstag. Leider l\u00e4sst man dieses Fest in der westlichen Welt zum Jahreswechsel kaum realisieren, da jeder Wasserstrahl sofort zu Eis gefr\u00f6re und alle am n\u00e4chsten Tag krank im Bett l\u00e4gen. Schade eigentlich!<\/p>\n<p><a href=\"#vorwort\">Seitenanfang<\/a><br \/>\n<\/font><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\ufeff\ufeffEntschuldigt bitte diesen versp\u00e4teten Bericht, aber trotz mittlerweile etwas stressfreieren Nachmittagen komme ich manchmal aufgrund Hu\u1ebf von Studieninformationen, au\u00dferschulischen Pflichten und absoluter M\u00fcdigkeit nicht zum Blogschreiben. Der folgende Artikel ist noch nicht vollst\u00e4ndig und ich habe ihn noch nicht Korrektur gelesen; verzeiht mir also bitte Fl\u00fcchtigkeitsfehlerchen und weist mich netterweise darauf hin. 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