{"id":880,"date":"2010-03-26T02:02:09","date_gmt":"2010-03-26T00:02:09","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/daniel\/?p=880"},"modified":"2010-11-03T22:39:54","modified_gmt":"2010-11-03T20:39:54","slug":"buffalo-village-ein-voller-zug-und-langweilige-wochenenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/daniel\/2010\/03\/26\/buffalo-village-ein-voller-zug-und-langweilige-wochenenden\/","title":{"rendered":"Buffalo Village, ein voller Zug und langweilige Wochenenden"},"content":{"rendered":"<p><font face=\"MS Reference Serif\" size=\"2\"><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das war sie also, die Landschulwoche. Das ist \u00fcbrigens das Schweizer Wort f\u00fcr Klassenfahrt. Eigentlich f\u00e4hrt man in solch einer Woche auch auf das Land, aber au\u00dfer der 4. Klasse, die ich begleiten durfte, machte das wohl keine andere. Unser Ziel lautete, den Kindern das Leben auf einem Reisfeld inklusive Feldbestellung mit B\u00fcffeln, Aussaat, Pflanzen und Verarbeitung von Reis sowie dem eigenst\u00e4ndigen Reiten eines B\u00fcffels n\u00e4herzubringen. Das Wochenprogramm war vorgeplant, alles schien organisiert und so ging es auch am Montagmorgen wie geplant gegen acht an der Schule los.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong><em>Montag, 15.02.2010<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Fahrt dauerte nur zweieinhalb Stunden (da ich nichts gefr\u00fchst\u00fcckt hatte, war mir das aber auch zu lange!), wir waren also fr\u00fcher da als geplant. Die Thailehrerin war hinter dem Bus hinterhergefahren, da sie eher wieder nach Hause musste als wir anderen. W\u00e4hrend der Fahrt kamen wir schon an den wundersch\u00f6n hellgr\u00fcnen Reisfeldern vorbei \u2013 und alle freuten sich auf die Woche fernab von Schule, B\u00fcchern und Tests.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach dem Zimmerbeziehen (es waren leider nahezu Hotelzimmer mit Badewanne, Handt\u00fcchern, TV, K\u00fchlschrank und regelm\u00e4\u00dfigem Service, gar nicht l\u00e4ndlich \u2013 und davon hatte ich auch noch ein eigenes) veranstalteten wir ein Suchspiel, bei dem die Kinder verschiedene im Voraus fotografierte Objekte auf dem Gel\u00e4nde finden sollten. Dann gab es das von mir lang ersehnte Mittagessen, chinesische Nudelsuppe. Hmmm, lecker! \ud83d\ude42 Nach einem Nickerchen f\u00fcr alle ging es schon auf das Reisfeld, wo wir<\/p>\n<ol>\n<li>mit einem B\u00fcffel das noch schlammige Feld pfl\u00fcgen<\/li>\n<li>mit zwei B\u00fcffeln noch einmal pfl\u00fcgen<\/li>\n<li>Reis gekonnt auss\u00e4en und<\/li>\n<li>schon vorbereitete Sch\u00f6\u00dflinge setzen.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify\">Es war verdammt hei\u00df, ein Cappi war also sehr hilfreich. Trotzdem hatten die Kinder sehr viel Spa\u00df im Schlamm \u2013 ich auch! \u2013, und das anschlie\u00dfende Abduschen mit einem Schlauch tat bei der Hitze sichtlich gut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Danach gingen wir auf einen zum \u201eBuffalo Village\u201c geh\u00f6rigen Markt, konnten noch einmal richtig im Zimmer duschen und die Kinder sprangen in den lang ersehnten Swimming-Pool. Zum Abendbrot gab es sehr s\u00fc\u00dfes Pad Thai und f\u00fcr die Erwachsenen andere lokaltypische Gerichte (z.B. etwas zu zartes H\u00fchnchen und seltsame Eier), die die Kinder nie gegessen h\u00e4tten. Das Abendprogramm war von vier Jungen organisiert worden: ein rotierender Spiele-Abend mit vier Varianten \u00e0 drei Spieler: Mikado, Labyrinth, Lotti Karotti und UNO. Die Thailehrerin und Khun Num, unser pers\u00f6nlicher \u201eBetreuer\u201c aus dem \u201eBuffalo Village\u201c, lernten so auch ein paar deutsche Spiele kennen. Eine Nachtwache brauchten wir angesichts der erstaunlichen Ruhe in den Zimmern nicht, und so konnten wir vier Aufsichtspersonen alle zeitig schlafen gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong><em>Dienstag, 16.02.2010<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach einem klasse \u201eContinental Breakfast\u201c wurden die Kinder in zwei Gruppen eingeteilt: Zuckerrohrverarbeitung und Reisernte. Ich ging mit der ersten Gruppe zuerst zur Verarbeitung des Zuckerrohrs:<\/p>\n<ol>\n<li>Auspressen der Zuckerfl\u00fcssigkeit mithilfe eines B\u00fcffels an einer daf\u00fcr vorgesehenen Ger\u00e4tschaft, die auch gleich zerbracht<\/li>\n<li>Verr\u00fchren des gewonnenen Zuckers \u00fcber offenem Feuer zu Brei<\/li>\n<li>Gie\u00dfen des Zuckerbreis in runde Bambusf\u00f6rmchen<\/li>\n<li>Ausdr\u00fccken der F\u00f6rmchen, nachdem sie getrocknet waren<\/li>\n<li>Verpacken in kleine Plastikt\u00fctchen<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify\">Dieser Prozess geht heutzutage nat\u00fcrlich maschinell und viel schneller, aber die Kinder hatten wieder ihren Spa\u00df. Anschlie\u00dfend kamen beide Gruppen wieder zusammen und ihnen wurde der botanische Garten mit seltsamen Pflanzen \u201ef\u00fcr den Mann\u201c erkl\u00e4rt. Zur Belohnung f\u00fcr die bisher getane Arbeit durften sich die Kinder im Swimming-Pool wieder austoben, den ich bisher noch mied, um ihnen die Vorfreude nicht zu nehmen, bis ich tats\u00e4chlich im Laufe der Woche einmal mit hineinspringe. Das Mittagessen war ganz gut, der Nachtisch mit komisch gr\u00fcnem, laich\u00e4hnlichem Pudding etwas gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nun war Gruppenwechsel. Ich ging mit meiner Gruppe zur Reisernte, dieses mal als einziger Betreuer, da die Thailehrerin in der anderen Gruppe als Dolmetscherin gebraucht wurde. Der Ablauf war wie folgt:<\/p>\n<ol>\n<li>Ausschlagen der Reissamen aus den \u00c4hren (sehr aufw\u00e4ndig, deshalb nicht weiter ausgef\u00fchrt)<\/li>\n<li>Ausbreiten des geernteten Reises auf dem Boden, um die Samen mittels eines B\u00fcffels \u201eherauszutreten\u201c<\/li>\n<li>F\u00fchren des B\u00fcffels \u00fcber den auf dem Boden ausgebreiteten Reis<\/li>\n<li>Heraussuchen der Samen<\/li>\n<li>Trennung der Reisk\u00f6rner von Unreinheiten in einer daf\u00fcr vorgesehenen Maschine<\/li>\n<li>Sch\u00e4len der Reisk\u00f6rner in einer rotierenden Mahltrommel<\/li>\n<li>Trennung fertiger von nicht gesch\u00e4lten Reisk\u00f6rnern mittels eines Siebes<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch dieses Verfahren ist veraltet und wird heute meist vollst\u00e4ndig maschinell durchgef\u00fchrt. Wiederum hatten die Kinder aber Spa\u00df bei der Arbeit, vor allem beim Sieben, da insgesamt etwa 90% des Reises dabei verloren gingen. Nebenbei zeigte mir und einigen anderen Interessierten Khun Num den traditionellen Fischfang mittels eines Netzwurfes, bei dem ich aber kl\u00e4glich scheiterte. Bis zum Abend gab es wieder das \u00fcbliche Programm: Pool, Aufenthalt in den Zimmern, Abendbrot, Tagebuch schreiben. Letzteres mussten die Kinder im Rahmen des Schulunterrichtes tun und wer fertig damit war, durfte mit mir Federball oder Frisbee spielen. Das Abendprogramm gestaltete sich etwas anders als geplant, weil das f\u00fcr diesen Tag vorgesehene Organisationsteam ihr Material nicht mehr finden konnte. So improvisierte der Klassenlehrer ein paar Spiele \u2026 eigentlich h\u00e4tte ich das auch gerne gemacht, aber ich erfuhr erst zu sp\u00e4t von dem nicht planm\u00e4\u00dfig stattfindenden Abendprogramm. Neben Muffins, Zimtschnecken und einem \u00fcberaus lustigen \u201eGummi-Spiel\u201c wurden alle bald sehr m\u00fcde, sodass ich in der Nacht als erste Ansprechperson bei Problemchen keine Arbeit hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong><em>Mittwoch, 17.02.2010<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Fr\u00fchst\u00fcck war leider nicht ganz so lecker wie an den beiden Tagen zuvor, aber daf\u00fcr sollte der gesamte Tag sehr interessant werden. Am Vormittag stand f\u00fcr eine Gruppe eine 15-Kilometer-Fahrradtour mit wahnsinnig guten und teuren Mountainbikes durch die umliegenden D\u00f6rfer und Reisfelder an und f\u00fcr die andere, in der ich unter anderem Betreuer war, das B\u00fcffelreiten. Da die Thailehrerin mit ihrem Auto als Versorgung bei den Radfahrern bei und wir keinen englischsprachigen \u201eGuide\u201c bei den B\u00fcffeln hatte, mussten wir versuchen, diejenigen Kinder, die Thai und Deutsch sehr gut sprechen konnten, davon zu \u00fcberzeugen, den anderen die Erkl\u00e4rungen zu \u00fcbersetzen. Nach anf\u00e4nglichem Z\u00f6gern gelang es uns auch \u2013 und dann stellten wir fest, dass eigentlich fast alle in unserer Gruppe Thai ohnehin verstanden, bis auf eine Sch\u00fclerin, die Frau des Klassenlehrers mit Tochter und ich. Nat\u00fcrlich h\u00e4tte ich f\u00fcr mich pers\u00f6nlich keine \u00dcbersetzung gewollt, da ich mich ja hier zwingen muss, Thai zu sprechen, weil ich es andernfalls nie lernen w\u00fcrde. Die \u00dcbersetzungen klappten sehr gut, zwei Kinder haben das ganz erstaunlich gemacht, die anderen waren etwas sch\u00fcchtern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zun\u00e4chst gab es eine Einf\u00fchrung in das Leben eines B\u00fcffels bzgl. Verbreitung, Aussehen, Verhalten und \u00c4hnlichem, danach mussten alle auf den B\u00fcffel aufsteigen und auf ihm Reiten. Dabei war aber der Aufstieg das wohl Schwierigste. Es gab drei M\u00f6glichkeiten:<\/p>\n<ol>\n<li>\u00fcber die H\u00f6rner: mit dem rechten Fu\u00df auf das linke Horn steigen, dann \u00fcber den Hals krabbeln und sich schlie\u00dflich auf dem B\u00fcffelr\u00fccken umdrehen \u2013 gef\u00e4hrlich!<\/li>\n<li>von der Seite: mit dem linken Fu\u00df in die \u201eSchulter\u201c des B\u00fcffels steigen und sich dann gekonnt mit dem anderen Bein \u00fcber das Riesenvieh schwingen \u2013 unangenehm!<\/li>\n<li>von hinten: mit etwa f\u00fcnf Schritten Anlauf auf den angespannten Wadenmuskel des B\u00fcffels steigen und von dort \u00fcber den Hintern des Tieres springen, \u00e4hnlich wie bei einem Bocksprung \u2013 extrem gef\u00e4hrlich!<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify\">Nun wurde uns allen die Freiheit gelassen, welche der drei Varianten wir nehmen w\u00fcrden. Nahezu ausschlie\u00dflich entschieden sich alle f\u00fcr Nummer 2, die \u00c4ngstlicheren nahmen das Gel\u00e4nder zu Hilfe, was den Aufstieg um einiges erleichterte. Ich habe nie einen B\u00fcffel sehr schnell laufen sehen und so war auch der Ritt eher entspannend als nervenaufreibend \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Da wir mit dem Programm bereits nach anderthalb Stunden fertig waren, lie\u00dfen wir die Kinder wieder in den Pool. Die Jungen entschieden sich lieber f\u00fcr den Aufenthalt im Zimmer, also spielte ich mit den M\u00e4dchen Frisbee im Pool. Nach dem Mittagessen schlief ich mich noch eine gute halbe Stunde aus, bevor ich mich mit meiner Gruppe f\u00fcr die Fahrradtour sattelte, von der die R\u00fcckkehrer bereits geschw\u00e4rmt hatten. Ihnen stand jetzt der B\u00fcffelritt bevor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Fahrradtour f\u00fchrte \u00fcber Hauptstra\u00dfen, Nebenstra\u00dfen, Sandwege, D\u00f6rfer, Reisfelder und zun\u00e4chst bis zu einem kleinen Rastplatz, an dem wir ein Foto machten und die Aussicht \u00fcber einen See genossen. Die zweite Rast fand an einem Abenteuerspielplatz mit Kletterw\u00e4nden sowie einer Leiter und H\u00e4ngebr\u00fccke \u00fcber Wasser statt, auf dem sich die Kinder richtig austoben konnten, bevor\u00a0 es aufging zur dritten Rast, die an einer traditionellen Thai-Schule stattfand. Die Sch\u00fcler spielten uns etwas auf ihren Instrumenten vor, unsere Kinder weigerten sich aber, auch etwas vorzusingen, w\u00e4hrend es die erste Gruppe getan hatte. Selbstverst\u00e4ndlich wurden wir \u201efarang\u201c (Ausl\u00e4nder) wie Autos angestarrt, oft genug h\u00f6rte man dieses Wort auch, und schlie\u00dflich konnte ich alle noch von meinem tollen Thai \u00fcberzeugen, als ich zu einem Tagrau-Spiel (Fu\u00dfballtennis) eingeladen wurde, indem ich durch die Menge rief \u201emi daai\u201c (ich kann nicht). Auf der R\u00fcckkehr \u00fcber die matschigen Reisfelder machte eine Sch\u00fclerin noch Bekanntschaft mit dem Boden, aber ansonsten verlief alles recht reibungslos. Wir konnten aber dank der Radtour das Reis in allen Stadien von einem brachen Feld bis zur Ernte beobachten, weil man diese Wasserpflanze dreimal im Jahr ernten kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Vor dem Abendbrot war noch Tagebuchschreiben und Federball angesagt, danach eine Geburtstagsfeier einer Sch\u00fclerin mit leckerem Kuchen und danach schliefen die Kinder der Reihe nach beim Kinofilm \u201eMadagaskar 2\u201c ein. So waren alle, inklusive Betreuer, bereits halb 10 im Bett.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong><em>Donnerstag, 18.02.2010<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gleich nach dem Fr\u00fchst\u00fcck ging es f\u00fcr die Kinder und den Klassenlehrer mit dem Pick-up auf den Morgenmarkt von Suphanburi. Die Frau des Klassenlehrers und ich hatten keinen Platz mehr auf dem Gef\u00e4hrt und stiegen in das Auto von Khun Num. Dort sollten sie Zutaten f\u00fcr unser Mittagessen kaufen. Leichter gesagt als getan: Der Einkaufszettel war auf Thai! Das konnten ja die meisten Kinder nicht lesen. Gl\u00fccklicherweise hatten wir (Khun Num, die Thailehrerin, die Thai-Kinder und ich) es ins Englische \u00fcbersetzt, sodass die Kinder danach fragen konnten. N\u00e4chstes Problem: Auf dem Markt verstand man selbstverst\u00e4ndlich kein Englisch. Also war es an den Thai-Kindern, alle Waren f\u00fcr ihre Gruppe einzukaufen. Dabei war den \u201efarang\u201c-Kindern etwas ganz Einfaches nie eingefallen: Sie h\u00e4tten ja den Verk\u00e4ufern einfach nur den Einkaufszettel zeigen m\u00fcssen \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dann kehrten wir zum \u201eBuffalo Village\u201c zur\u00fcck und bereiteten in Gruppen die Speisen zu: Tom Jam Gung, Som Tam und Med Khanun. Das Herumr\u00fchren und -stampfen im Essen machte den Kindern sichtlich Spa\u00df. Nebenbei konnte sich jeder mal am Papaya-Salat probieren; Khun Num bekam dabei Chili ins Auge und schrie f\u00fcrchterlich, was wir alle zun\u00e4chst f\u00fcr einen Scherz hielten, dann aber ziemlich ernst wurde \u2026 Schlie\u00dflich schmeckten die drei Gerichte aber wunderbar, noch dazu hatte die K\u00fcche Extraspeisen zubereitet, sodass dieses Mittagessen das wohl beste war, dass ich je in Thailand hatte. Auch den Kindern schmeckte es au\u00dferordentlich gut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach dem Mittagessen fuhr die Thailehrerin nach Hause und wir gingen mit den Kindern noch einmal auf den \u201eBuffalo Village\u201c-Markt, auf dem ich mir nun endlich einen Sonnenhut kaufte. Anschlie\u00dfend ging es zum lang ersehnten \u201eWater Park\u201c in Suphanburi mit richtig teuren Minivans. Ich fuhr bei den M\u00e4dchen im Bus mit, in dem auch Khun Num sa\u00df, der immer wieder Witze auf Thai erz\u00e4hlte, sie dann \u00fcbersetzte und schlie\u00dflich auch noch den vollst\u00e4ndigen Namen Bangkoks zum Besten gab. Der \u201eWater Park\u201c war im Prinzip entt\u00e4uschend klein, aber es gab vier von f\u00fcnf funktionierende Rutschen mit verschiedenen Geschwindigkeiten. Der Eintritt war mit 60 Baht auch spottbillig. Wir hatten im Wasserpark sehr viel Spa\u00df, auch der Klassenlehrer und ich!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Am Abend wurde wieder Tagebuch geschrieben, Federball gespielt und f\u00fcr diesen letzten Tag eine Disko vorbereitet. Vor dieser wirklich gelungenen Disko gab es aber noch leckeres Barbecue mit H\u00fchnchen- und Schweinefleischspie\u00dfen. Ich glaube, ich habe die meisten Spie\u00dfe gegessen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Disko wurde ein voller Erfolg f\u00fcr die Kinder, denn das kleine Organisationsteam hatte wirklich gute Arbeit geleistet. F\u00fcr die bei gutem Benehmen verdienten \u201eB\u00fcffel-Doller\u201c im Laufe der Woche konnte sich die Kinder an der Bar verschiedene S\u00fc\u00dfigkeiten und Getr\u00e4nke kaufen. Luftballons, gute Musik und Taschenlampen machten die Atmosph\u00e4re perfekt. Alle wurden zum Tanzen animiert, indem das Organisationsteam mehrere Limbo-, Stopp- und Zeitungst\u00e4nze vorbereitet hatte, bei denen nat\u00fcrlich auch wir Betreuer uns nicht lumpen lie\u00dfen und zur Freude der Kinder begeistert mitmachten. Gegen halb 10 war die Disko dann beendet und ab ging es ins Bettchen \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong><em>Freitag, 19.02.2010<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die R\u00fcckfahrt war auch f\u00fcr die Kinder sehr angenehm. Mittlerweile hatte ich ja ein sehr gutes Verh\u00e4ltnis zu ihnen aufgebaut und konnte auch im Bus mit ihnen spa\u00dfen. Nebenbei lud ich noch die Fotos von der Kamera des Klassenlehrers auf meinen Stick, sodass ich sie \u00fcber das Wochenende zu einer sch\u00f6nen DVD verarbeiten konnte \u2026 leichter gesagt als getan! Wie sollte ich gut 1500 Fotos, die aus meinem Apparat und den Kameras der \u00fcbrigen drei Begleiter entstanden waren, bis zum Montag bearbeiten, in ein Videoschnittprogramm einf\u00fcgen, mit Effekten versehen, mit Musik unterlegen und auch noch mindestens 15 Mal brennen? Eine unl\u00f6sbare Aufgabe, aber ich hatte es ja versprochen \u2026 selbst schuld!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als wir gegen Mittag in der Schule ankamen, bot mir die Frau des Klassenlehrers, die ja auch mitgefahren war, mich in ihrem Taxi mit nach Hause zu nehmen. Das war \u00e4u\u00dferst praktisch, denn ich durfte keine Zeit mehr verlieren \u2013 wegen der vielen Fotos. Au\u00dferdem gab ich an diesem Tag noch den Deutschf\u00f6rderunterricht im zwei Stunden entfernten Bangna, der mir den gesamten Freitagabend raubte. Gegen zw\u00f6lf Uhr nachts zu Hause angekommen, konnte ich nur noch todm\u00fcde ins Bett fallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wochenende, 20.\/21.02.2010<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Eint\u00f6niges Wochenende: Bilder bearbeiten, in ein Videoschnittprogramm einf\u00fcgen, mit Effekten versehen, mit Musik unterlegen und auch noch mindestens 15 Mal brennen \u2026 davon schaffte ich immerhin die ersten drei Sachen bis zum Sonntagabend. Freizeit gab es nicht, es war Stress pur. Ich arbeitete teilweise bis sp\u00e4t in die Nacht und stand zu ungewohnt fr\u00fcher Stunde wieder auf, sodass ich am Montagmorgen v\u00f6llig \u00fcberm\u00fcdet eine SMS an den Klassenlehrer der 4. Klasse verfassen musste, dass ich die DVD noch nicht vorzeigen k\u00f6nne. Ich nutzte jede freie Minute in der Schule, um weiter an den Effekten und vor allem der passenden Musik zu arbeiten, wovon Letzteres teilweise wirklich mehrere Stunden in Anspruch nahm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong><em>Woche vom 22. bis 28.02.2010<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die gesamte Woche bestand also aus Schule am Morgen und Video am Nachmittag. Nebenbei hatte ich ja auch noch Thai, musste irgendwann mal etwas essen und wollte nicht nur so schnell mit der ach so tollen DVD fertig werden, sondern auch am Wochenende in den S\u00fcden Thailands, um mich von meinem Stress zu erholen. Andere wichtige Sachen in der Schule beinhalteten die Installation der deutschen Rechtschreibpr\u00fcfung f\u00fcr die Sch\u00fcler der 9. Klasse, damit sie einwandfrei ihre Praktikumsberichte schreiben k\u00f6nnen, die Korrektur der unz\u00e4hligen Jahrbuchbeitr\u00e4ge, der sich mittlerweile weiter etablierte und recht erfolgversprechende, wenn auch schleppend vorangehende Deutsch-F\u00f6rderunterricht einer thaisprachigen Sch\u00fclerin in der 3. Klasse, einen Begleitservice eines kleinen verletzten Sch\u00fclers bis ins Krankenhaus tief in der Innenstadt sowie die Auswertung und zuk\u00fcnftige Verfahrensweise mit dem Deutschland-Test f\u00fcr die 12er, die ja bald nach Europa gehen w\u00fcrden. Bei Letzterem mussten wir, die Deutschlehrerin und ich, feststellen, dass der Test f\u00fcr die Schweizer selbstverst\u00e4ndlich unfair gewesen war, weshalb nun noch die Projekte Schweiz-Test und Europa-Test anstehen. Die sich aus dem Deutschland-Test entwickelte Diskussion unterstrich jedenfalls den Erfolg, denn dabei erfuhren nicht nur ich, sondern auch die Sch\u00fcler selbst, was es \u00fcberhaupt hei\u00dft, in Deutschland zu leben, wenn man vorher aus einem Land mit einer v\u00f6llig anderen Mentalit\u00e4t kommt. Au\u00dferdem gab es am Mittwoch noch den interessanten \u201eOpen House Day\u201c, der im Prinzip einem \u201eTag der offenen T\u00fcr\u201c gleichkommt, wobei jedoch der Unterricht ganz normal stattfindet. Die Eltern nehmen daran teil, k\u00f6nnen ihre Kinder bestaunen, sich in der Pause mit den Kollegen und anderen Eltern unterhalten und selbstverst\u00e4ndlich alle Lehrer befragen. Dazu bekamen wir alle, auch \u201ekulturweit\u201c, ein tolles Namensschildchen, mit dem wir richtig wichtig tun konnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich war bis zum Wochenende jede freie Minute mit der DVD \u00fcber die Landschulwoche besch\u00e4ftigt. Da hatte ich mir wirklich etwas aufgebrummt! Zwar war der Film bereits Mittwoch fertig, aber er musste ja noch rendern! Dieses Rendern kann bei einem Film von 50 Minuten, wie es meiner war, zwischen zwei und zwanzig Stunden dauern \u2026 wenn der Computer mitmacht und nicht abst\u00fcrzt! Als er dann Mittwochnachmittag fertig war, musste ich mit Bedauern feststellen, dass die einst so hoch aufl\u00f6senden Bilder auf der DVD nur noch unscharf und verpixelt dargestellt waren. So konnte ich das Video nat\u00fcrlich nicht vorf\u00fchren, schon gar nicht den Kindern mit nach Hause geben. Da ich dieses Problem mit den verpixelten Bildern bis zum Wochenende nicht l\u00f6sen konnte, hatte ich auch keine richtige Lust auf Strandurlaub \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich gab dem Computer eine letzte Chance, startete den Brennvorgang und zog am Freitagabend schon leicht versp\u00e4tet los, um meinen Zug in den S\u00fcden, f\u00fcr den ich noch nicht mal eine Fahrkarte hatte, zu bekommen. Ich war recht p\u00fcnktlich, halb elf, auf dem Bahnhof, f\u00fcrchtete aber angesichts der langen Schlange am Ticketverkauf um meinen Zug. Immer wieder sah ich in der Schlange vor mir Leute etwas am Ticketschalter erfragen und danach mit leeren H\u00e4nden weggehen. Ich dachte schon, der Zug nach Surat Thani w\u00e4re ausgebucht! Aber das kann doch nicht sein, oder? Das war mir in Thailand noch nie passiert. Aber vielleicht hatten auch andere Leute die Idee gehabt, den kommenden freien Montag wegen Makha Bucha f\u00fcr einen Kurztrip in den S\u00fcden zu nutzen \u2026 Jedenfalls war ich nun an der Reihe und schon, als der Mann \u201eSurat Thani\u201c aus meinem Mund h\u00f6rte, fiel ihm schnell \u201efull\u201c ein; da war nix zu machen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich fand einen anderen Reisewilligen auf dem Bahnhof \u2013 vielleicht war er Thai oder Laote oder wer wei\u00df. Er wollte nach Yala, also mit dem gleichen Zug wie ich fahren, hatte aber auch kein Ticket mehr bekommen. So einigten wir uns darauf, es noch mit einem Bus, der gegen elf (es war zehn vor elf!) am Bangkoker s\u00fcdlichen Busbahnhof abfahren sollte, versuchen. Aber so richtig Lust schien der andere Typ auch nicht zu haben. Nachdem wir uns mit den nervigen Taxifahrern auf eine Fahrt dorthin geeinigt hatten, sprang der seltsame Andere ab und ich stand allein da. Ich wollte aber unbedingt in meinen verdienten Urlaub! Also stieg ich in ein Taxi ein und forderte den Fahrer auf, das Taxameter anzustellen, was er aber partout nicht tun wollte. So wechselte ich das Taxi und kam schlie\u00dflich auch ganz gut im weit entfernten s\u00fcdlichen Busbahnhof an. Doch es gab keinen Ticketverkauf mehr um diese Zeit!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich nervte die Kassiererinnen an der Toilette, die kein Wort Englisch sprachen, wie ich denn nun nach \u201eSukhothai\u201c k\u00e4me. Erst viel sp\u00e4ter merkte ich, dass ich nat\u00fcrlich nach \u201eSurat Thani\u201c wollte! Deshalb verwiesen sie mich immer auf \u201eMo Chit\u201c, den n\u00f6rdlichen Busbahnhof, und ich begriff nicht \u2026 ich brauchte eine Auszeit, drehte eine Runde auf dem Busbahnhof und kehrte wieder zu den Damen zur\u00fcck, nun mit \u201eSurat Thani\u201c. Schlie\u00dflich kapierten sie und ich erfuhr, dass gegen drei Uhr nachts ein Minivan, in dem man eigentlich keine 10 Stunde aush\u00e4lt, f\u00fcr viel zu teure 700 Baht nach Surat Thani fahren w\u00fcrde. Das wollte ich nicht und mein \u201eph\u00e4\u00e4ng g\u00f6\u00f6n pai\u201c (zu teuer) gefiel den Ticketverk\u00e4ufern auch nicht. Also streunte ich \u00fcber den Busbahnhof, wieder zur\u00fcck zur Hauptstra\u00dfe, lief durch mir bisher unbekanntes Gefilde und hielt irgendwann ein Taxi an, um nach Hause zu kommen. Ich wollte nicht zu viel bezahlen, also sagte ich dem Fahrer \u201eKhao San\u201c (als w\u00e4r ich irgendein Touri), von wo aus ich einen Bus nehmen w\u00fcrde. Der Fahrer erkl\u00e4rte mir, dass zu dieser sp\u00e4ten Stunde keine Busse mehr fahren w\u00fcrden und dass er mich f\u00fcr nur 150 Baht bis an die Ramkhamhaeng bringen w\u00fcrde. Dieser Preis beeindruckte mich \u2013 und er schaffte es tats\u00e4chlich! Die gesamte Fahrt war sehr unterhaltsam: Ich konnte ihm auf Thai erkl\u00e4ren, dass ich eigentlich in den S\u00fcden fahren wollte, aber es keine Tickets mehr gab, und dass ich in der Ramkhamhaeng wohne. Minburi, was noch viel weiter entfernt war, wollte ich dann doch nicht zugeben! Daf\u00fcr w\u00fcrde ich ein zweites Taxi nehmen. Da ich dem Fahrer immer wieder etwas auf Englisch beibrachte, wollte er am Ende noch meine Telefonnummer haben und berechnete mir nur 100 Baht! Wow, wie nett. Ich \u00e4rgerte mich etwas, dass ich nun in ein zweites Taxi steigen musste, aber was soll\u2019s.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zu Hause angekommen, musste ich mit Bedauern feststellen, dass die DVD, die das Endergebnis sein sollte und die ich vor der Klasse vorf\u00fchren wollte, wieder nichts geworden war. Das Wochenende bestand also ausschlie\u00dflich aus Tests, wie ich die DVD ordentlich hinbekommen k\u00f6nnte, denn ich wollte unbedingt bis zum Montag fertig sein. Irgendwann gelang es mir, immerhin eine riesige Datei auf dem Computer in guter Qualit\u00e4t zu sichern, die ich nur noch auf eine DVD komprimieren musste. Nebenbei zerst\u00f6rte ich noch mein Programm, indem ich irgendein d\u00e4mliches Plug-in installierte, und benannte aus Versehen alle Bilder in meinem Ordner um, sodass das Programm sie nicht wiedererkannte. Voller Schwei\u00df konnte ich meine Arbeit aber noch retten und schaffte es schlie\u00dflich irgendwann, ein zufrieden stellendes Ergebnis auf DVD zu erwirtschaften. Was f\u00fcr ein seltsames, unerwartetes Wochenende!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong><em>Woche vom 1. bis 7. M\u00e4rz<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nun musste ich noch einen passenden Termin f\u00fcr die Videovorf\u00fchrung bekommen. Ich hatte auch noch nicht die DVDs f\u00fcr die Sch\u00fcler gebrannt, noch nicht einmal alle Fotos auf eine CD, sodass der Montag noch nicht ging, Dienstag zeitlich schlecht lag, am Mittwoch ich nicht mit der gesamten 4. Klasse zusammen w\u00e4re und der Donnerstag als Auff\u00fchrungstag festgelegt wurde. Nebenbei lud ich auch die Thai-Lehrerin, die ehemalige Klassenleiterin der jetzigen 4. Klasse und die DaF-Lehrerin ebenderselben Klasse ein; sie alle freuten sich schon auf die Vorf\u00fchrung, rechneten aber mit nichts Au\u00dfergew\u00f6hnlichem.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der Schule verfolgte ich weiterhin meine diversen Aufgaben: Jahrbuchkorrekturen, Unterst\u00fctzung in verschiedensten F\u00e4chern, Vertretungen und Brennen von zig DVDs &#8230; bis zum lang ersehnten 4. M\u00e4rz 2010, 3. Stunde im Raum der 4. Klasse:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Computer geholt, aufgestellt, angeschaltet. Beamer? Oh, nicht reserviert, hoffentlich ist er nicht gerade unterwegs. Gl\u00fcck gehabt, es gibt einen Beamer f\u00fcr mich. Beamer anschlie\u00dfen? Passt nicht in die Steckdose. Die Sch\u00fcler sind schon da, aber der Beamer geht nicht. Neues Kabel holen, passt zwar, aber Beamer geht immer noch nicht. Langes Hin- und Her, dann geht alles. Lautsprecher angestellt, Fenster abgedunkelt, Projektion gestartet und alles l\u00e4uft perfekt! Die Kinder sind die gesamte Vorstellung \u00fcber begeistert, lachen \u00fcber und mit sich, wundern sich \u00fcber die tollen Fotos und ich bekomme aus allen Reihen nur positives Feedback bez\u00fcglich der Hintergrundmusik, in die ich stundenlange Arbeit investiert hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es gab keine Fehler, Unterbrechungen oder Missgeschicke, alle Fotos und Effekte sa\u00dfen perfekt und ich war einfach nur gl\u00fccklich, erleichtert und auch ein bisschen stolz auf meine Leistung, aus gut 1500 urspr\u00fcnglichen Fotos nicht nur 1300 gute auszusuchen und komplett zu bearbeiten, sondern auch noch etwa 300 der authentischsten Bilder zu einer DVD in Bewegung, fernab jeglicher langweiliger Diashow, zusammenzustellen, die sowohl Klein als auch Gro\u00df begeisterte! Anschlie\u00dfend zeigte der Klassenlehrer noch kurz die Vorschau von \u201e1, 2 oder 3\u201c, wo drei der Viertkl\u00e4ssler gegen Deutschland und \u00d6sterreich angetreten waren. Die gesamte Show sollte kommende Woche innerhalb der Klasse und innerhalb des n\u00e4chsten Monats vor der gesamten Primarstufe gezeigt werden, doch dazu sp\u00e4ter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Schon innerhalb eines Tages, also noch am selben Abend nach der Landschulwochen-DVD-Pr\u00e4sentation, bekam ich sogar von einigen Eltern eine best\u00e4tigende E-Mail, wie toll doch der Film sei, nachdem sie sich ihn schon mehrmals mit ihren Kindern zusammen angesehen hatten. Das best\u00e4rkte mich nat\u00fcrlich umso mehr, mich nun auch weiter f\u00fcr die 4. Klasse zu engagieren. Am kommenden Tag bekam ich sogar eine Art \u201eUrkunde\u201c daf\u00fcr vom Klassenleiter mit den Unterschriften aller Kinder der Klasse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Wochenende wollte ich nun endlich mal daf\u00fcr nutzen, mich ein bisschen in Bangkok umzusehen, ein typisches Touri-Programm mit Bootsfahrt auf dem Chao Phraya und Besuch der zahlreichen Tempel Bangkoks durchzugehen und einfach die Stadt zu genie\u00dfen, in der ich nun schon ein halbes Jahr lebe. Auf der Busfahrt zur n\u00e4chsten U-Bahn-Station lernte ich zwei Tschechen kennen, die erst in der Nacht zuvor angekommen waren und sich ein Hotel nahe dem Flughafen, also dort, wo sich keine anderen Touristen aufhalten (in Minburi!), genommen hatten. Ich war stolz, ihnen erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen, mit welchen Bussen sie g\u00fcnstig bis zur Khao San kommen k\u00f6nnten. Au\u00dferdem konnte ich mittlerweile viel \u00fcber Thailand sowie die Sitten, Br\u00e4uche, \u00c4ngste und Verhaltensweisen dieser Nation erz\u00e4hlen. Als ich endlich an meiner U-Bahn-Station angekommen war und den tschechischen Touristen erl\u00e4utert hatte, wie sie am besten den Bus wechseln, stieg ich aus und fuhr mit der Metro und dem Skytrain bis zur Bootsstation des Chao Phraya. Dort dauerte es ewig, bis ich das richtige Pier fand, weil ich nicht in so ein teures Touristenboot einsteigen wollte. Ich sagte der Kassiererin auf dem Boot zwar, dass ich zum Wat Phra Kaew wollte, allerdings kam ich dort nie an, weil ich die Ausstiegsstation verpasst hatte. So fuhr ich gem\u00fctlich weiter in den Norden und wunderte mich bald \u00fcber die fehlenden Touristen auf dem Kutter. Irgendwann entschied ich mich auszusteigen und war somit fast der einzige an dieser Stelle. Ich hatte keine Ahnung, wo ich gelandet war; war es noch Bangkok? In einer ziemlich leeren Gasse orientierte ich mich erst einmal und fand dann bald heraus, dass ich in Bangsue, einem der n\u00f6rdlichen Distrikte Bangkoks, gelandet war. So suchte ich nach M\u00f6glichkeiten, wieder von dort wegzukommen und lief viele Kilometer, bevor ich einen Hinweis auf eine Metro fand. Nach einer St\u00e4rkung und einem kleinen Einkauf im wohl fast gr\u00f6\u00dften Tesco Lotus Bangkoks kam ich auch endlich an der Metrostation an, fuhr zur\u00fcck zum Siam Square und entschied mich aufgrund der bereits weit vorangeschrittenen Zeit, mit dem Bus wieder nach Hause zu fahren. Was f\u00fcr ein sinnloser Ausflug, oder?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Sonntag war ebenso wenig sinnvoll. Ich arbeitete ein wenig an meinem Sprachwissenschaftszeug, zu dem ich sonst keine Zeit habe, bereitete ein wenig die Schule vor und schlief mich aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong><em>Woche vom 8. bis 14. M\u00e4rz<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich hatte von einem Lehrer geh\u00f6rt, dass der Vater einer Zweitkl\u00e4sslerin Deutsch-F\u00f6rderunterricht f\u00fcr seine Tochter w\u00fcnschte. Da ich erstens montagnachmittags noch Kapazit\u00e4ten hatte und es sich um die Schwester einer Basisstufensch\u00fclerin, die ich sehr mag, handelte, schrieb ich den Vater gleich an und erkundigte mich nach der M\u00f6glichkeit, die Nachhilfe zu \u00fcbernehmen. So hatte ich bald einen Job f\u00fcr die \u00dcberbr\u00fcckungszeit zwischen meinem mont\u00e4glichen Vormittag und Thai in der Schule am Nachmittag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Den Montagnachmittag hatte ich freibekommen, um mein Visum in der vietnamesischen Botschaft f\u00fcr die gro\u00dfe Reise \u00fcber Songkran zu ergattern. Gleich nach dem Mittagessen bestellte ich mir ein Taxi (was gar nicht so leicht war), kam in einen furchtbaren Stau, den es immer am Mittag in der Innenstadt gibt, und betrat bald das Geb\u00e4ude der Botschaft Vietnams. Es sah ziemlich heruntergekommen aus, aber daf\u00fcr hatte ich keine Probleme mit dem Visum. Formular ausgef\u00fcllt, abgegeben, Geld bezahlt und Reisepass dort gelassen. Das war\u2019s. Nach nicht mal einer Viertelstunde konnte ich wieder gehen und so sparte ich Geld, indem ich den Bus zur\u00fcck nach Hause nahm. Insgesamt brauchte der Bus wegen des anhaltenden Staus mehr als zwei Stunden, um bei mir zu Hause anzukommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So \u2026 mehr schaffe ich vor der gro\u00dfen Reise nicht, Fotos leider auch nicht. Ich melde mich in drei Wochen wieder. Aber trotzdem will ich noch verraten, was zwischen dem bisher Erz\u00e4hlten und meinem momentanen Leben alles passiert ist:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich war:<\/p>\n<ul>\n<li>live bei den politischen Unruhen dabei und lief zu Fu\u00df durch eine Stra\u00dfenblockade<\/li>\n<li>ziemlich krank, bin aber mittlerweile wieder reisetauglich<\/li>\n<li>ziemlich oft als Vertretungslehrer eingesetzt<\/li>\n<li>extrem mit riesigen Aufgaben in der letzten Woche besch\u00e4ftigt: Heraussuchen der Definitionen \u00fcber 100 englischer W\u00f6rter, Anfertigen des Schweiz-Tests f\u00fcr die 12. Klasse, Evaluation des Freiwilligendienstes nach einem halben Jahr, Erstkorrekturen aller Jahrbuchbeitr\u00e4ge (mittlerweile etwa 150 Seiten), Abrechnung von konsumiertem Wasser, Kaffee und Cola in der Lehrerschaft, Reisevorbereitung (Reiseroute, Basisvokabular) und Schreiben dieses endlos langen Beitrags<\/li>\n<li>Lichtassistent beim Musical der Primarstufe<\/li>\n<li>Klassenleiter der 4. Klasse f\u00fcr zwei Tage<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify\">Bis demn\u00e4chst!<\/p>\n<p><\/font><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das war sie also, die Landschulwoche. Das ist \u00fcbrigens das Schweizer Wort f\u00fcr Klassenfahrt. Eigentlich f\u00e4hrt man in solch einer Woche auch auf das Land, aber au\u00dfer der 4. Klasse, die ich begleiten durfte, machte das wohl keine andere. 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