{"id":835,"date":"2012-05-30T21:58:42","date_gmt":"2012-05-31T00:58:42","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/?p=835"},"modified":"2012-05-30T21:58:47","modified_gmt":"2012-05-31T00:58:47","slug":"espanol-oder-castellano","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/2012\/05\/30\/espanol-oder-castellano\/","title":{"rendered":"Espa\u00f1ol oder Castellano?"},"content":{"rendered":"<p>Spanisch ist Spanisch und Deutsch ist Deutsch? Ja, nein, eben genau nicht. Da kann man schon sch\u00f6n brav in der Schule spanisches Spanisch gelernt haben&#8230; Wenn man dann nach S\u00fcdamerika bzw. nach Argentinien kommt, dann schaut man am Anfang trotzdem erst mal bl\u00f6d.\u00a0Es gibt n\u00e4mlich doch ganz sch\u00f6n viele Unterschiede zwischen dem Spanisch, das ich gelernt hab, und dem hiesigen; zum Einen von der Grammatik her, zum anderen von der Ausprache und zum dritten vom Wortschatz her.<\/p>\n<p>Die W\u00f6rter, die hier benutzt werden, sind ganz andere. Das f\u00e4llt mir vor allem beim Obst und Gem\u00fcse auf. Erdbeere hab ich als <em>fresa<\/em> kennengelernt. Versteht hier kein Mensch, denn es hei\u00dft <em>frutilla<\/em>. Ein Pfirsich ist kein <em>melocot\u00f3n<\/em>, sondern ein <em>durazno<\/em>. Der Paprika hei\u00dft nicht <em>pimiento<\/em>, sondern <em>morr\u00f3n<\/em>. Was ich auch ziemlich witzig finde: &#8222;<em>No me mandes fruta<\/em>&#8220; (w\u00f6rtlich: Schick mir kein Obst&#8220;) bedeutet &#8222;Verarsch mich nicht&#8220;. Wieso wohl gerade von Obst- und nicht von Rindfleisch-Sendungen die Rede ist, wenn man meint, man wird verarscht??? \ud83d\ude09<\/p>\n<p>In meiner ersten Woche an der Schule hab ich mich bei der Vizedierktorin der Grundschule vorgestellt. Ich hab ein bisschen von mir erz\u00e4hlt,\u00a0wir haben nett geplaudert. Auf einmal sagt sie, sie findet das <em>b\u00e1rbaro<\/em>. Das Wort kannte ich nicht. Ich war ziemlich verunsichert: <em>B\u00e1rbaro<\/em>? Barbarisch? Was hab ich denn jetzt Falsches gesagt? Aber ihr Gesichtsausdruck war so freundlich und wollte einfach nicht zu meiner spontan-Assoziation &#8222;barbarisch&#8220; passen. Sp\u00e4ter bin ich dann drauf gekommen, dass sie meine Idee gar nicht furchtbar, sondern toll fand. Ich w\u00fcrd\u00b4s mal frei mit <em>sauguad<\/em>\u00a0\u00fcbersetzen. Die verschiedenen Ausrufe, um Meinungen oder Gef\u00fchle zu \u00e4u\u00dfern, unterscheiden sich stark. In Spanien hat man z. B. immer sch\u00f6n <em>cojonudo<\/em> gesagt, wenn man was toll fand. Hab ich in Argentinien noch nie geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Wenn sich in Spanien junge Leute untereinander angesprochen haben, haben sie (bzw. zumindest viele meiner Bekannten in C\u00e1ceres) &#8211; je nach Geschlecht &#8211; <em>acho<\/em>\/<em>a<\/em> (kommt von <em>muchacho\/a<\/em>) oder\u00a0<em>t\u00edo<\/em>\/<em>a <\/em>(was eigentlich Onkel\/ Tante bedeutet) gesagt. Wenn man jemanden beleidigen wollte, dann war es ein <em>gilipollas<\/em>. Hier dagegen spricht man sich mit\u00a0<em>Che <\/em>oder<em> Che, boludo\/a <\/em>an. Je nach Kontext, Tonlage, Stimmung und zu wem es gesagt wird ist <em>boludo\/a <\/em>entweder eine Art Liebkosung und Wertsch\u00e4tzung oder ein Schimpfwort. <em>Pelotudo<\/em>\/a dagegen ist eindeutig und nur Schimpfwort.<\/p>\n<p>Was mich nach wie vor verwirrt: USTEDES.\u00a0Ich meine, ich benutze es ja auch, um nicht jedes Mal, wenn ich VOSOTROS sage, wie ein Alien angeschaut zu werden, aber&#8230;. aber&#8230;. ganz ehrlich ist es f\u00fcr mich immer noch, als w\u00fcrde ich alle siezen, und wenn sie sechs Jahre alt sind. (Ich wei\u00df, das ist in vielen L\u00e4ndern in S\u00fcdamerika so, nicht nur hier.)<\/p>\n<p>Aber von vorne: Im Deutschen sagen wir ja z. B.:\u00a0<em>Was macht ihr da?<\/em> Ins spanische Spanisch kann man das auch direkt so \u00fcbersetzen (das <em>vosotros<\/em> ist unser IHR). Hier allerdings gibt es keine eigene Form f\u00fcr IHR. Im Plural haben wir im Deutschen ja Verbformen f\u00fcr wir, ihr und sie. Hier gibt es <em>nosotros<\/em>, <strong><em>ustedes <\/em>(statt<em> vosotros)<\/em><\/strong>\u00a0und <em>ellos\/as<\/em>.<\/p>\n<p>Bisher hab ich USTED nur benutzt, wenn ich h\u00f6flich sein wollte: <em>Usted<\/em>, wenn ich zu einer Person h\u00f6flich sein wollte, <em>Ustedes<\/em>, wenn es mindestens zwei Leute waren.\u00a0Zu allen anderen hab ich du \/<em>tu<\/em> und ihr\/<em>vosotros<\/em> gesagt. Tja, mal damit angefangen, dass du hier auch nicht <em>tu, <\/em>sondern<em> vos <\/em>ist<em>, <\/em>sagt man <em>ustedes<\/em>, wenn man mit mehreren Personen spricht. Das geht mir so gegen den Strich, dass ich es quasi immer in meinem Kopf nachhallen h\u00f6re, wenn ich mal wieder eine Gruppe Zweitkl\u00e4ssler gefragt habe: <em>&#8222;Haben Sie das verstanden?&#8220;<\/em> Normalerweise denke ich nicht mehr auf Deutsch, wenn ich spreche, aber dieses USTEDES ist was besonderes&#8230;<\/p>\n<p>Mal davon abgesehen, gibt es auch noch andere Eigenheiten, zum Beispiel bei den Verbformen und der Betonung.<\/p>\n<p>Die Unterschiede liegen vor allem bei der zweiten Person Singular und beim Imperativ. Das Verb <em>k\u00f6nnen<\/em> (poder) z. B., ist ja im Deutschen wie im spanischen Spanisch unregelm\u00e4\u00dfig. <em>Du kannst<\/em> hab ich immer mit <em>(tu) puedes<\/em>\u00a0\u00fcbersetzt. Hier sagt man aber <em>(vos) pod\u00e9s<\/em>. Man hackt bei den Verben einfach das R ab, setzt ein S hin, macht den Akzent auf den letzten Vokal und feddisch. So ist dann <em>du nimmst<\/em>, nicht mehr <em>tomas<\/em> (Betonung aufm O), sondern <em>tom\u00e1s<\/em>, <em>du zeigst<\/em>, nicht mehr <em>muestras<\/em>, sondern <em>mostr\u00e1s<\/em>, <em>du kommst<\/em> nicht mehr <em>vienes<\/em>, sondern <em>ven\u00eds<\/em>, usw.<\/p>\n<p>Beim Imperativ ist\u00b4s \u00e4hnlich: Statt <em>ven<\/em> sagt man <em>ven\u00ed<\/em>, statt <em>c\u00e1llate<\/em> (erstes A betont), <em>callate<\/em> (zweites A); statt <em>si\u00e9ntate<\/em>, <em>sent\u00e1te<\/em>; statt <em>cierra<\/em>, sagt man <em>cerr\u00e1<\/em>; statt <em>pon<\/em>, <em>pon\u00e9<\/em>; statt <em>muestra<\/em>, <em>mostr\u00e1\u00a0<\/em>usw.<\/p>\n<p>Ja, und zum Schluss noch das SCH. Nein, nicht das schw\u00e4bische, das <em>rioplatense<\/em>, also, das SCH der Leute, die in der N\u00e4he vom R\u00edo de la Plata wohnen. Doppel-L und Y werden wie SCH ausgesprochen. Ganz anders als im spananischen Spananisch sagt man dann also: &#8222;SCHo me SCHamo XY.&#8220;, wenn man sich vorstellt.<\/p>\n<p>So, das soll reichen als kleine\u00a0\u00dcbersicht. Der Artikel war wahrscheinlich eh recht Gehirnwinden-anstrengend und\/oder einschl\u00e4fernd\u00a0f\u00fcr alle Nicht-Spanier (Sorry daf\u00fcr. N\u00e4chstes Mal gibt\u00b4s wieder leichtere Kost.)<\/p>\n<p>Achso, nur noch schnell was zur\u00a0\u00dcberschrift (f\u00fcr die, die\u00b4s noch nicht wussten): In Spanien wird man (zumindest in den meisten Regionen) gefragt, ob man <em>espa\u00f1ol<\/em> spricht. Hier dagegen fragen die meisten, ob man\u00a0<em>castellano <\/em>spricht.\u00a0Spanisch ist ja nicht nur die Sprache der Spanier. Die Bezeichnung e<em>spa\u00f1ol<\/em>\u00a0(von\u00a0<em>Espa\u00f1a) <\/em>schlie\u00dft somit irgendwie ziemlich viele spanisch-sprachige Menschen in gewisser Hinsicht aus.<em>\u00a0<\/em>Daher bevorzugen hier viele den Ausdruck <em>castellano<\/em>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spanisch ist Spanisch und Deutsch ist Deutsch? Ja, nein, eben genau nicht. Da kann man schon sch\u00f6n brav in der Schule spanisches Spanisch gelernt haben&#8230; Wenn man dann nach S\u00fcdamerika bzw. nach Argentinien kommt, dann schaut man am Anfang trotzdem &hellip; <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/2012\/05\/30\/espanol-oder-castellano\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":763,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[582,48,563,164,565,585,65,81,589],"tags":[24,46991,11211,44562,44563],"class_list":["post-835","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bildung","category-bildungsarbeit","category-erlebnis","category-freiwilligenarbeit","category-gastland","category-gesellschaft","category-kulturweit","category-sprache","category-wissen","tag-argentinien","tag-aussprache","tag-grammatik","tag-spanisch","tag-unterschiede"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/835"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/wp-json\/wp\/v2\/users\/763"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=835"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/835\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=835"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=835"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=835"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}