{"id":1393,"date":"2012-08-01T07:54:37","date_gmt":"2012-08-01T10:54:37","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/?p=1393"},"modified":"2012-08-01T07:54:37","modified_gmt":"2012-08-01T10:54:37","slug":"alfajores-eine-studie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/2012\/08\/01\/alfajores-eine-studie\/","title":{"rendered":"Alfajores \u2013 eine Studie"},"content":{"rendered":"<p>Ok, gelogen. Der Titel ist falsch. Zumindest halb. Wenn man etwas studiert, dann befasst man sich intensiv damit, man setzt sich mit einem Thema auseinander, beleuchtet es von verschiedenen Seiten, denkt dar\u00fcber nach, lernt es im Optimalfall sowohl in der Theorie als auch in der Praxis kennen.<\/p>\n<p>Das hier ist eher ein pers\u00f6nlicher Eindruck, eine nicht ganz neutrale Bewertung. Meine traumatischen ersten Geschmackserlebnisse und die daraus resultierende Abneigung gegen Alfajores f\u00fchren zu einem nur k\u00fcmmerlich ausgepr\u00e4gten Erfahrungsschatz: Um gr\u00f6\u00dfere \u00dcbel abzuwenden wurde die praktische Experimentierphase, in der exakt drei Alfajores degustiert wurden, vorzeitig abgebrochen\u2026<\/p>\n<p>Zum Mitschreiben: Ganz am Anfang wurde mir ein Alfajor geschenkt. Er war als Spezialit\u00e4t angepriesen worden. Nicht ganz ohne Vorahnung (er war doch verd\u00e4chtig klebrig) biss ich, die doch sogar bei der ansonsten absolut tadellosen, Eins-A-Bilderbuch-Weincreme-Torte von meiner Oma die Zuckerglasur abkratzt, in das runde Ding hinein\u2026 Ein Biss war genug Zucker f\u00fcr die folgenden zwei Wochen.<\/p>\n<p>Mein Alfajor Nummer zwei folgte lange sp\u00e4ter, irgendwann Mitte Mai: Auf dem Zwischenseminar in Villa General Belgrano. Eines Morgens standen auf unserem Fr\u00fchst\u00fcckstisch mehrere K\u00f6rbe mit Alfajores aus dem Ort &#8211; mind. einer f\u00fcr jeden Freiwilligen. Eine nette Geste unserer Gastgeber. Eigentlich wollte ich meinen Alfajor nach Moreno mitnehmen und verschenken. Aber irgendwann hab ich dringend was S\u00fc\u00dfes gebraucht und es war nix da. Au\u00dferdem war ich zugegebenerma\u00dfen auch ein bisschen neugierig auf den Geschmack. Die meisten meiner Mit-Freiwilligen waren hin und weg von Alfajores&#8230; Vielleicht hatte ich ganz am Anfang einfach einen sehr schlechten probiert&#8230; Ja, den VGB-Alfajor hab ich sogar aufgegessen. Ich muss sagen, er war auf jeden Fall viel besser als mein erster (ganz weich der Biskuit und mit Quittenmarmelade statt <em>dulce de leche<\/em>), aber auch ein Zuckerschock.<\/p>\n<div id=\"attachment_1399\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1399\" class=\"size-medium wp-image-1399\" title=\"Wie so ziemlich \u00fcberall in ARG, gab es auch in VGB Schaufenster voller Alfajores.\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/files\/2012\/08\/CIMG5195-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/files\/2012\/08\/CIMG5195-225x300.jpg 225w, https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/files\/2012\/08\/CIMG5195.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><p id=\"caption-attachment-1399\" class=\"wp-caption-text\">Wie so ziemlich \u00fcberall in ARG, gab es auch in VGB Schaufenster voller Alfajores.<\/p><\/div>\n<p>Dann bin ich nat\u00fcrlich \u00fcberm\u00fctig geworden. Wie man das in Argentinien so macht, wenn man unterwegs ist, hatte ich in C\u00f3rdoba Alfajores gekauft, um meiner Vermieterin auch was vom Zwischenseminar mitzubringen. Jede Gegend macht die Dinger ja ein bisschen anders und es ist einfach so \u00fcblich, dass man, wenn man unterwegs ist, den Daheimgebliebenen eine Kostprobe der \u00f6rtlichen Alfajores mitbringt. Von den C\u00f3rdoba-Alfajores musste ich dann auch einen probieren. Aber der war so b\u00e4h, dass ich beschlossen hab, mich fortan ausschlie\u00dflich in der Theorie mit diesen s\u00fc\u00dfen Verirrungen zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>In den meisten Internetquellen hab ich gelesen, dass der Aljfajor urspr\u00fcnglich von den Arabern nach Spanien gebracht wurde. Fand ich logisch, hei\u00dft ja auch AL- fajor.\u00a0 Es hie\u00df, in vielen Teilen Spaniens, vor allem in Andalusien seien Alfajores nach wie vor sehr beliebt. Das, was in Spanien als Alfajor galt und gilt, besteht u. a. aus Mandeln und Honig und hat vom Aussehen nicht so wirklich was mit dem argentinischen Alfajor zu tun \u2013 au\u00dfer, dass es s\u00fc\u00df ist und evtl. zwischen zwei Lagen eine F\u00fcllung hat (teils Oblate in der spanischen, immer Keks\/Biskuit in der argentinischen Version.)<\/p>\n<p>Das ist wahrscheinlich wie mit dem K\u00e4se: Parmesan und Mozzarella gibt es ja auch nur einen. Eigentlich. Und trotzdem werden auf der ganzen Welt zig K\u00e4se, die absolut nichts mit dem Original zu tun haben, unter dem gleichen Namen verkauft. Mit der Nachfrage, der geographischen Entfernung, dem Einfallsreichtum der Verk\u00e4ufer und den jeweils vorhandenen Rohstoffen und Techniken wurde da halt scheinbar immer was erfunden, was sich mehr oder weniger gut verkauft. Anders kann ich es mir nicht erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Wie, wann, wo und von wem der argentinische Aljafor jetzt genau erfunden wurde &#8211; kein Plan. Das hier soll ja keine Doktorarbeit werden, sondern einfach ein bisschen was \u00fcber den Alfajor &#8211; dieses faszinierende, runde Ding &#8211; erz\u00e4hlen. Die Vergangenheit ist eben eins\u2026 Die Gegenwart ist aber auf jeden Fall wichtiger: In den Texten, die im www kursieren, hab ich so liebevolle Formulierungen gelesen, wie \u201ewir Argentinier haben den Alfajor adoptiert.\u201c Oder \u201eder Alfajor hat auf jeden Fall einen kreolischen DNI.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_1402\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1402\" class=\"size-medium wp-image-1402\" title=\"Ein typischer S\u00fc\u00dfigkeiten-Laden. Links vorne\/Mitte: verschiedene Alfajores (mit Zucker- oder Schokoglasur, ohne \u00dcberzug)\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/files\/2012\/08\/CIMG9842-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/files\/2012\/08\/CIMG9842-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/files\/2012\/08\/CIMG9842.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-1402\" class=\"wp-caption-text\">Ein typischer S\u00fc\u00dfigkeiten-Laden. Links vorne\/Mitte: verschiedene Alfajores (mit Zucker- oder Schokoglasur, ohne \u00dcberzug)<\/p><\/div>\n<p>Der Alfajor spielt tagt\u00e4glich eine \u00fcberragende Rolle im Leben abertausender Argentinier \u2013 als Fr\u00fchst\u00fcck, Zwischenmahlzeit, Mittagessen, Dessert, Nachmittagssnack oder Abendessen, wenn nichts anderes da ist (wobei man da schon drei oder so essen muss). 2004 hat eine Statistik angeblich gezeigt, dass in Argentinien 6 Millionen Alfajores pro Tag gegessen werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_1396\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1396\" class=\"size-medium wp-image-1396\" title=\"Jorgel\u00edn. Nur eine von gef\u00fchlt tausend Marken.\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/files\/2012\/08\/CIMG4378-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/files\/2012\/08\/CIMG4378-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/files\/2012\/08\/CIMG4378.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-1396\" class=\"wp-caption-text\">Jorgel\u00edn. Nur eine von gef\u00fchlt tausend Marken.<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_1398\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1398\" class=\"size-medium wp-image-1398\" title=\"Neben den industriellen gibt es nat\u00fcrlich auch die selbstgemachten Alfajores... in jeder B\u00e4ckerei, die was auf sich h\u00e4lt.\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/files\/2012\/08\/CIMG5082-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/files\/2012\/08\/CIMG5082-225x300.jpg 225w, https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/files\/2012\/08\/CIMG5082.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><p id=\"caption-attachment-1398\" class=\"wp-caption-text\">Neben den industriellen gibt es nat\u00fcrlich auch die selbstgemachten Alfajores&#8230; in jeder B\u00e4ckerei\/Konditorei, die was auf sich h\u00e4lt.<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_1397\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1397\" class=\"size-medium wp-image-1397\" title=\"Mini-Aljajores aus Maismehl.\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/files\/2012\/08\/CIMG9858-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/files\/2012\/08\/CIMG9858-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/files\/2012\/08\/CIMG9858.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-1397\" class=\"wp-caption-text\">Mini-Aljajores aus Maismehl.<\/p><\/div>\n<p>Was ich unglaublich witzig find: Im argentinischen Nahrungs-Kodex (Artikel 132 oder doch 761???) ist halt echt geregelt, was ein Alfajor ist! N\u00e4mlich: \u201eEin Produkt, das aus zwei oder mehreren Kekschen, Keksen oder\u00a0 gebackenen Teigschichten, die voneinander mit F\u00fcllungen wie Marmelade, Gelee oder anderen S\u00fc\u00dfigkeiten getrennt sind, besteht, wobei es eine Glasur haben kann.\u201c\u00a0 Alfajores werden generell in <em>simples<\/em> (zwei Kekse, eine F\u00fcllung) und <em>triples<\/em> (drei Keksen, zwei F\u00fcllungen) aufgeteilt.<\/p>\n<div id=\"attachment_1401\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1401\" class=\"size-medium wp-image-1401\" title=\"Wie ES hei\u00dft, wei\u00df ich nicht. Von der Definition her k\u00f6nnte es allerding auch ein Aljafor sein: zwei KeKsChEn und ein bisschen F\u00fcllung. Der Gr\u00f6\u00dfe nach, dem gesch\u00e4tzten Zucker- und Kaloriengehalt nach k\u00f6nnte es wohl auch als ganze Torte durchgehen...\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/files\/2012\/08\/CIMG9834-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/files\/2012\/08\/CIMG9834-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/corinainargentina\/files\/2012\/08\/CIMG9834.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-1401\" class=\"wp-caption-text\">Wie ES hei\u00dft, wei\u00df ich nicht. Von der Definition her k\u00f6nnte es allerdings auch ein Aljafor sein: zwei KeKsChEn und ein bisschen F\u00fcllung. Der Gr\u00f6\u00dfe nach, dem gesch\u00e4tzten Zucker- und Kaloriengehalt nach k\u00f6nnte es wohl auch als ganze Torte durchgehen&#8230;<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ok, gelogen. Der Titel ist falsch. Zumindest halb. 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