{"id":441,"date":"2016-02-27T17:11:34","date_gmt":"2016-02-27T16:11:34","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/?p=441"},"modified":"2016-02-28T21:52:43","modified_gmt":"2016-02-28T20:52:43","slug":"mein-freiwilligendienst-feiert-halbgeburtstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/2016\/02\/27\/mein-freiwilligendienst-feiert-halbgeburtstag\/","title":{"rendered":"Mein Freiwilligendienst feiert Halbgeburtstag"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/files\/2016\/02\/DSC_0314-2.jpg\" rel=\"attachment wp-att-442\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-442\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/files\/2016\/02\/DSC_0314-2.jpg\" alt=\"DSC_0314 (2)\" width=\"1024\" height=\"679\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/files\/2016\/02\/DSC_0314-2.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/files\/2016\/02\/DSC_0314-2-300x199.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/files\/2016\/02\/DSC_0314-2-768x509.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/files\/2016\/02\/DSC_0314-2-750x497.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><br \/>\nAus dem Feiern komme ich gar nicht mehr raus. Heute im Angebot: Bergfest. Und weil man in Georgien in der Gegenwart lebt, schwinge ich jetzt keine gro\u00dfen Reden \u00fcber die vergangene Zeit oder das, was mich noch erwartet. Da muss ich euch leider entt\u00e4uschen, liebe Leser. Aber trotzdem beantworte ich euch zu diesem besonderen Anlass, inspiriert von Melles Abreise, ein paar Fragen.<\/p>\n<p>Worauf ich nicht verzichten kann? Auf meine WG-F\u00e4m, die Landschaft, das Popcornaroma in der Luft, meine Lieblingskolleginnen und -sch\u00fcler, die Spontanit\u00e4t, die K\u00fche auf den Landstra\u00dfen, die Gastfreundschaft, das Essen, neue Freunde aus aller Welt, mein gem\u00fctliches Zimmer und seine Aussicht, den Geruch von frischem Puri, in manchen Situationen nicht verstanden zu werden (die deutsche Geheimsprache macht&#8217;s m\u00f6glich), den Puls der Stadt, Reisen ohne sich dabei gro\u00df \u00fcber das Geld Gedanken machen zu m\u00fcssen und nicht zuletzt die Lockerheit:<\/p>\n<p>Am Stra\u00dfenhorizont erblicke ich einen gelben Punkt. Der Bus kommt. Ich quetsche mich hinein. Der Busfahrer steigt aus. Er kommt erst nach einer Weile wieder zur\u00fcck. Klar: Er musste sich erst noch Zigaretten am Kiosk kaufen. W\u00e4hrend er sich ununterbrochen Kekse in den Mund schiebt, f\u00e4hrt er mit dem Handy am Ohr los und der Bus schwappt, bis zum Rand gef\u00fcllt mit Leuten, \u00fcber die verstopften Stra\u00dfen. Ich muss grinsen.<\/p>\n<p>Ihr merkt schon: Das Gl\u00fcck ist auf meiner Seite, ich bin verliebt in das Land und froh hier gelandet zu sein. Aber es gibt ja immer ein paar Dinge, die einem nicht so in den Kram passen. Was mich nervt? Die Umweltverschmutzung, die Stra\u00dfenf\u00fchrung und der Verkehr, die bettelnden Kinder, das Zusp\u00e4tkommen, die Stra\u00dfenhunde &#8211; und katzen, die viele Polizei, das Laufen im Schneckentempo und die &#8222;Ohne-Facebook-l\u00e4uft-nichts-Attitude&#8220;.<\/p>\n<p>Letztens war ich mit Melle in einem der Weinshops. Ein Typ, der dort arbeitet, wollte unsere facebook-Namen wissen. Georgien ist die facebook-Nation Nummer Eins. Man wird hier nicht nach seiner Nummer gefragt. Das ist hier eben so. Als ich ihm sage, dass ich kein facebook habe, schaut er mich an und sagt: &#8222;I know people like you. You don&#8217;t have facebook, you hate cities, you feel free in the nature and you hate money.&#8220; Ob das alles so stimmt, sei mal dahin gestellt. Ich beginne trotzdem zu schmunzeln. Denn irgendwie sehe ich das als Kompliment. (;<\/p>\n<p>Was ich vermisse? Ganz klar: Die Spessartluft, geregelten Verkehr, Stille, das Verbot in Restaurants und Caf\u00e9s zu rauchen, Hotel Mama &amp; Papa &#8211; insbesondere die K\u00fcche (obwohl\u00a0 ich die Freiheit genie\u00dfe auch ohne Holzl\u00f6ffel aus beschichteten Pfannen und T\u00f6pfen zu essen :D), M\u00fclltrennung, Tatortabende vorm Kamin, eine Sp\u00fclmaschine, meine Lieblingsmenschen, Planung, Krotzebojer Leitungswasser, gutes Vollkornbrot &#8211; ja, das Klischee macht auch vor mir nicht Halt &#8211; und den Verkehr.<\/p>\n<p>Apropos . Ein georgischer Freund meinte mal zu mir: &#8222;Wei\u00dft du was der gr\u00f6\u00dfte Unterschied ist zwischen Deutschland und Georgien? In Deutschland h\u00e4lt man sein Auto, wenn man n\u00fcchtern ist, gerade in einer Spur und wenn man getrunken hat, f\u00e4hrt man in Schlangenlinien quer \u00fcber die Stra\u00dfe. In Georgien ist das genau andersherum. Nur Besoffene fahren geradeaus.&#8220;<\/p>\n<p>Vom Leben gelernt habe ich, dass&#8230;. aufgew\u00e4rmter Kaffee nicht schmeckt, Tatortschauen nur mit Mama Spa\u00df macht, es sich manchmal lohnt den unbequemen Weg zu gehen, die Welt ungerecht ist, Ungeduld nichts bringt, Kranksein sch\u00f6ner zu zweit ist, die Guten gar nicht mal so gut und die B\u00f6sen gar nicht mal so b\u00f6se sind, man die komischsten Dinge vermissen kann und das irgendwie etwas Sch\u00f6nes hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus dem Feiern komme ich gar nicht mehr raus. Heute im Angebot: Bergfest. 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