{"id":251,"date":"2015-11-18T14:45:03","date_gmt":"2015-11-18T13:45:03","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/?p=251"},"modified":"2016-01-18T06:10:36","modified_gmt":"2016-01-18T05:10:36","slug":"grossstadtleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/2015\/11\/18\/grossstadtleben\/","title":{"rendered":"Gro\u00dfstadtleben"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/files\/2015\/11\/halloween201512h.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-254\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/files\/2015\/11\/halloween201512h.jpg\" alt=\"halloween20151(2)h\" width=\"917\" height=\"486\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/files\/2015\/11\/halloween201512h.jpg 917w, https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/files\/2015\/11\/halloween201512h-300x159.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/files\/2015\/11\/halloween201512h-750x397.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 917px) 100vw, 917px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Gerade sitze ich im sunday-morning-chillin&#8216;-mood an meinem Schreibtisch und blicke aus dem Fenster. Es ist kalt geworden. Von drau\u00dfen starrt mich unser maunzender Kater an, den ich so eben ausgesperrt habe und nun halbwegs erfolgreich versuche zu ignorieren. Seid mir nicht b\u00f6se, liebe Katzenfreunde, aber ich kann ein auf meiner Tastatur herumlaufendes Tier momentan nicht gebrauchen und noch viel wichtiger: mein Fr\u00fchst\u00fcck soll sich weiterhin in Sicherheit wissen. Der Kater ist f\u00fcr die negativen Schwingungen, die ich ihm t\u00e4glich vergeblich versuche zu senden, irgendwie nicht so richtig empf\u00e4nglich. Es kommt schon mal vor, dass ich nachts von einem auf mir herumschleichenden Wollkn\u00e4ul aus dem Schlaf gerissen wurde.<\/p>\n<p>Meine Liebe zum Kater w\u00e4chst genauso wenig wie meine Liebe zu Plastikt\u00fcten. Nicht nur, wenn ich f\u00fcr meine Eink\u00e4ufe im Supermarkt, die man hier \u00fcbrigens &#8211; genau wie einige Restaurants\u00a0 &#8211; 24 Stunden das ganze Jahr besuchen kann, einen Stoffbeutel auspacke, werde ich komisch be\u00e4ugt.* Nein, auch wenn ich eine T\u00fcte f\u00fcr eine Flasche oder eine Tafel Schokolade dankend ablehne.<\/p>\n<p>Mein Au\u00dfenseiterdasein weitet sich auch noch auf andere Bereiche aus: Ich bin eine der Wenigen, die sich beim Vorbeikommen an einer Kirche nicht bekreuzigt &#8211; egal, ob zu Fu\u00df, im Bus, Taxi oder in der Maschrutka unterwegs. Hierzu passend ein Zitat von einem katholischen Tourist, den ich traf: &#8222;Lieber Taxifahrer, ich kann f\u00fcr dich beten, halt&#8216; du bitte die H\u00e4nde am Lenkrad.&#8220;<\/p>\n<p>Naja, zur\u00fcck zum Text. Apropos Einkaufen: In unserer WG kauft &#8211; ich wei\u00df, ein bisschen eigenartig &#8211; jeder sein eigenes Klopapier, damit weniger verbraucht wird. Eigentlich ist sonst alles ganz normal. Waschpulver und Essen besorgt jeder f\u00fcr sich. Wir teilen Geschirr, \u00d6l (auch wenn ich mir mein eigenes Oliven\u00f6l zugelegt habe&#8230; :D), Gew\u00fcrze, Gas, Strom, Wasser, Sp\u00fcli, Putzmittel, Internet und alles was f\u00fcr die Allgemeinheit eben so ausgegeben wird, wie eine Duschmatte oder den Handwerker. F\u00fcr unglaubliche 20 Lari, das sind ungef\u00e4hr acht Euro, hat er diese Woche Heizung und Dusche in Ordnung gebracht.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen bin ich zwar verschlafen, aber voller Freude auf eine funktionierende, warme Dusche ins Bad gegangen. Das Wasser lie\u00df jedoch auf sich warten. Ein paar Stunden ohne Gas, Strom oder \u00c4hnliches gelten in dieser Stadt als Normalit\u00e4t. Das Duschen ist dann ja mal wortw\u00f6rtlich ins Wasser gefallen, aber wenigstens gibt es Notfallwasserkanister in unserer WG.<\/p>\n<p>Wenn wir schon beim Thema Haushalt sind: In meiner Schublade sammeln sich schon die ersten einsamen Socken, deren Partner spurlos verschwunden sind. Und es gibt leider keinen Backofen. Aber daf\u00fcr: Achtung Papa &#8211; einen Gasherd! (: Meine Kochgewohnheiten haben sich schon merklich ver\u00e4ndert: Jetzt gibts nur noch alles was relativ schnell geht, meistens in der Pfanne und ohne Rezept. Maria, die Mitbewohnerin aus Polen, scheint eine sehr begeisterte K\u00f6chin zu sein. Oft stehen die Reste ihrer Gerichte verf\u00fchrerisch in der K\u00fcche herum. Da hilft nur Selbstbeherrschung. :D Es ist schon irgendwie doof, dass man nicht mehr alles Essen kann, man ans Einkaufen denken muss und seine Lebensmittel rechtzeitig verbrauchen muss, weil man sie nur alleine isst.<\/p>\n<p>Und da ist nat\u00fcrlich das Ding mit dem Putzen. Das ist gar nicht so schlimm, da wir vier Leute sind. Also hei\u00dft es f\u00fcr mich nur einmal im Monat den Besen schwingen und M\u00fcll raus bringen. Trotzdem sind wir alle keine Profis &#8211; naja, die anderen schon mehr als ich, aber zu meiner Verteidigung: sie sind mir zehn Jahre im Voraus. So sauber wie in der Heimat wirds halt nicht &#8211; au\u00dfer die gute Annika kommt mal r\u00fcber geflogen. (;<\/p>\n<p>\u00dcbrigens sind die WG-people, wie das Klingelschild verspricht, wirklich cool. Ich bin echt bei netten M\u00e4dels gelandet, die mich gerne zu etwas einladen &#8211; sei es auf eine Halloweenparty, auf eine s\u00fcd-afrikanische moderne Carmen-Balettauff\u00fchrung, auf ein Gitarren-Quartett-Konzert oder auf einen Spaziergang.<\/p>\n<!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-251-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/files\/2015\/11\/Gitarrenquartett-1-mp3cut.net_.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/files\/2015\/11\/Gitarrenquartett-1-mp3cut.net_.mp3\">https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/files\/2015\/11\/Gitarrenquartett-1-mp3cut.net_.mp3<\/a><\/audio>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-251-2\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/files\/2015\/11\/Gitarrenquartett-2-mp3cut.net_.mp3?_=2\" \/><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/files\/2015\/11\/Gitarrenquartett-2-mp3cut.net_.mp3\">https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/files\/2015\/11\/Gitarrenquartett-2-mp3cut.net_.mp3<\/a><\/audio>\n<p>Trotzdem ertappe ich mich beim Nach-Hause-Kommen schon manchmal dabei mich zu freuen, wenn niemand da ist. Es ist auch einfach mal sch\u00f6n f\u00fcr sich zu sein.<\/p>\n<p>So viel zu meinem Alltagsleben. Gr\u00fc\u00dfe aus der Zukunft, ich bin euch ja jetzt drei Stunden im Voraus. (;<\/p>\n<p>*Was man hier auch 365 Tage lang hat: Silvester. Jeden Abend, ungelogen, h\u00f6rt man es irgendwo knallen. Ich habe geh\u00f6rt, dass bei jeder Geburt ein Feuerwerk gez\u00fcndet wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade sitze ich im sunday-morning-chillin&#8216;-mood an meinem Schreibtisch und blicke aus dem Fenster. Es ist kalt geworden. Von drau\u00dfen starrt mich unser maunzender Kater an, den ich so eben ausgesperrt habe und nun halbwegs erfolgreich versuche zu ignorieren. 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