{"id":171,"date":"2015-10-06T21:33:24","date_gmt":"2015-10-06T19:33:24","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/?p=171"},"modified":"2016-01-18T06:04:48","modified_gmt":"2016-01-18T05:04:48","slug":"von-besoffenen-muettern-auf-klassenausfluegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/2015\/10\/06\/von-besoffenen-muettern-auf-klassenausfluegen\/","title":{"rendered":"Von besoffenen M\u00fcttern auf Klassenausfl\u00fcgen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/files\/2015\/10\/BeFunky-Collage.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-172 size-full\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/files\/2015\/10\/BeFunky-Collage.jpg\" alt=\"BeFunky Collage\" width=\"1024\" height=\"838\" \/><\/a><\/p>\n<p>Sonntagmorgen, acht Uhr drei\u00dfig. Ich beeile mich, damit ich es rechtzeitig zum Treffpunkt schaffe. Um neun Uhr ist Abfahrt. Schon fast alle Sechstkl\u00e4ssler sind im Bus, ein paar M\u00fctter stehen davor. Als ich mit meiner Mentorin Zeiko und ihrem Sohn Nika einsteige, erkl\u00e4rt sie mir, dass die M\u00fctter gew\u00f6hnlich auf den Ausflug mitfahren. Sie selbst war noch nie dabei, weil sie das erstens nicht so gut findet, wenn die Eltern dabei sind und zweitens Lehrerin an der Schule ist und manche Eltern sie nicht leiden k\u00f6nnen &#8211; und andersrum auch. Macht nichts, uns kann ja eh keiner verstehen &#8211; so habe ich die ein oder andere Story erz\u00e4hlt bekommen. (:<\/p>\n<p>Um neun Uhr f\u00fcnfzig geht es dann endlich mit ungef\u00e4hr 20 Kindern und 16 Erwachsenen los. Nach knapp drei Stunden erreichen wir das alte Dorf Gremi, das f\u00fcr seine Burg und seine Kathedrale bekannt ist. Es spielte eine wichtige Rolle in der mittelalterlichen Geschichte Georgiens und war nicht nur Residenz der K\u00f6nige von Kachetien sondern auch ein gro\u00dfes Handelszentrum. Nach einem kurzen Museumsbesuch und einer F\u00fchrung fahren wir weiter. Im Bus brauch man sich \u00fcbrigens, wie in Autos auch, nicht anschnallen, darf\u00a0 herumlaufen, tanzen, essen und trinken. (;<\/p>\n<p>Vom Fenster aus sehe ich einen Bergr\u00fccken, der sich steil aus dem flachen Alasanital empor erhebt. Dort oben, v\u00f6llig abgeschieden, befindet sich der\u00a0 Klosterkomplex Nekresi. Hier steht die \u00e4lteste erhalten gebliebene Kirche Georgiens, eine kleine Basilika aus dem vierten Jahrhundert. Ich h\u00e4tte den wunderbaren Blick auf die &#8222;bekannte Wiese&#8220; und die frische Luft gerne mit nach Tiflis genommen.<\/p>\n<p>Das Programm ist \u00fcbrigens noch nicht zu Ende: Beim Ilia See angekommen, spielen die Kinder Ball, leihen sich Fahrr\u00e4der (ein M\u00e4dchen &#8211; wie soll es auch anders sein &#8211; st\u00fcrzt dabei und schl\u00e4gt sich die Lippe auf), toben herum und es wird erst einmal ordentlich aufgetischt. Hier probier das mal: Selbstgemachter K\u00e4se! Das musst du unbedingt auch kosten! Hast du das schon gegessen?! Jede Mutter hat Essen f\u00fcr eine ganze Fu\u00dfballmannschaft dabei.\u00a0 Es ist nicht so wie in Deutschland: Du bringst Obst mit, du Kartoffelsalat,\u00a0 du Baguette, du Kuchen und du Nudelsalat. Wie schon erw\u00e4hnt &#8211; Planung existiert hier nicht &#8211; man plant keinen Urlaub und auch keinen Klassenausflug. Selbst das Geld wird nicht im Voraus eingesammelt. Vor Ort werden die Preise abgecheckt und jede Mama gibt ein paar Lari dazu bis es eben passt.<\/p>\n<p>Manchmal denke ich mir, ein bisschen mehr Lockerheit w\u00fcrde den Deutschen echt gut tun, aber \u00fcbertreiben muss mans ja auch nicht. :D<\/p>\n<p>Mich hat es schon gewundert, dass die Elfj\u00e4hrigen Kaffee von ihren Mamas bekommen, aber als eine Mutter eine Flasche Wodka ausgepackt hat, war ich dann doch leicht verwirrt. Eine von den vier Frauen, die mit angesto\u00dfen haben und auch die ein oder andere Zigarette geraucht haben, war am Ende total betrunken. Zeiko hat das auch zum ersten Mal erlebt &#8211; und ich bin mir auch sicher, dass das hier wahrscheinlich fast nie so abl\u00e4uft. Die Klassenleiterin hat sich wirklich gesch\u00e4mt und meine Mentorin gefragt: &#8222;Wen soll ich denn erziehen: Die Kinder oder die Eltern!?&#8220;. Sie war echt w\u00fctend, doch gesagt hat nat\u00fcrlich keiner was. Jaja, der Eltern-Lehrer-Konflikt ist hier auch so ne Sache.<\/p>\n<p>Die R\u00fcckfahrt hat sich dann so angeh\u00f6rt (:<\/p>\n<!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-171-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/files\/2015\/10\/Sprachmemo-014-mp3cut.net_.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/files\/2015\/10\/Sprachmemo-014-mp3cut.net_.mp3\">https:\/\/kulturweit.blog\/comeawaywithme\/files\/2015\/10\/Sprachmemo-014-mp3cut.net_.mp3<\/a><\/audio>\n<p>Um nochmal auf das fehlende Organisationstalent zur\u00fcckzukommen: Zu Hause war ich um halb elf. Normalerweise sollte ein Ausflug nur bis f\u00fcnf Uhr nachmittags dauern, aber Vorgaben werden hier eben nicht so eng genommen wie ich es gew\u00f6hnt bin.<\/p>\n<p>Trotz M\u00fcdigkeit war es ein sehr interessanter, witziger und naja, eben anderer Ausflug. In einer siebten Klasse haben wir am Montag dar\u00fcber diskutiert, ob die Eltern ihre Kinder bei Exkursionen begleiten sollten. Der Gro\u00dfteil der Klasse hat wohl kein Bock auf Selbstst\u00e4ndigkeit. Fanden wir es fr\u00fcher nicht immer peinlich, wenn ausgerechnet einer unserer Eltern auf den Klassenausflug mitgefahren ist?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonntagmorgen, acht Uhr drei\u00dfig. Ich beeile mich, damit ich es rechtzeitig zum Treffpunkt schaffe. Um neun Uhr ist Abfahrt. Schon fast alle Sechstkl\u00e4ssler sind im Bus, ein paar M\u00fctter stehen davor. 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