{"id":756,"date":"2016-08-12T15:21:15","date_gmt":"2016-08-12T19:21:15","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/?p=756"},"modified":"2016-08-13T12:53:22","modified_gmt":"2016-08-13T16:53:22","slug":"ueber-rassismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/2016\/08\/12\/ueber-rassismus\/","title":{"rendered":"\u00dcber Rassismus."},"content":{"rendered":"<p>Als Christoph Kolumbus das erste Mal amerikanischen Boden betritt, leitet er damit eine \u00c4ra der Kolonisierung ein, deren Ergebnis die brutale Pl\u00fcnderung der kolonisierten Territorien, Genozide und der Sklavenhandel sein wird. Die Trennung und Hierarchisierung der Menschen nach \u201aRassen\u2018 ist die Ideologie, die dem Kolonialismus zugrunde liegt und aus dem Blickwinkel der Kolonisatoren seine grausamen Folgen &#8222;rechtfertigte&#8220;.<\/p>\n<h2>Einf\u00fchrung Schritt f\u00fcr Schritt<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/08\/mr-bean-6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-759 alignleft\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/08\/mr-bean-6-300x378.jpg\" alt=\"mr-bean-6\" width=\"256\" height=\"322\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/08\/mr-bean-6-300x378.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/08\/mr-bean-6.jpg 463w\" sizes=\"(max-width: 256px) 100vw, 256px\" \/><\/a>Der Begriff &#8222;Rassismus&#8220; besteht aus dem Wort \u201cRasse\u201d, welches seit dem 15. Jahrhundert in Europa benutzt wird. Es geht hier im ersten Schritt\u00a0um ph\u00e4notypische, also \u00e4usserliche Merkmale. Beispielsweise werden Hautfarbe, Gr\u00f6sse, Gewicht oder Ohrengr\u00f6sse \u201c<em>bedeutungsgeschw\u00e4ngert<\/em>\u201d. Sp\u00e4ter wird Tr\u00e4gern des Merkmales eine kulturelle Komponente hinzugef\u00fcgt, die sie nun unverwechselbar klassifiziert und neben den k\u00f6rperlichen Merkmalen erkennbar macht. Damit wird nun der Gruppe der<em> Klein-Ohrigen<\/em> beispielsweise generell\u00a0<em>Gastfreundlichkeit und Lockerheit<\/em>\u00a0unterstellt. Das wir dann\u00a0kulturelles Merkmal aller Anh\u00e4nger der Gruppe gesehen.<\/p>\n<h2>Soziale Mechanismen, schlimme Folgen<\/h2>\n<p>Das bedeutet, es gab nie eine wissenschaftliche Grundlage f\u00fcr die Aufteilung der Menschen in &#8222;Rassen&#8220;. Das Thema wurde zwar in der neueren Genforschung nochmals aufgenommen, es konnte aber schnell gezeigt werden, dass es nicht m\u00f6glich ist, Menschen nach der H\u00e4ufigkeit des Auftretens einer bestimmten Genkombination einzuteilen. Die Unterschiede innerhalb einer als genetisch gleich definierten Gruppe sind genauso gro\u00df, wie die Unterschiede zwischen zwei als genetisch unterschiedlich definierten Gruppen. Diese Tatsachen bedeuten allerdings nicht, dass es keinen Rassismus gibt, sondern nur, dass er nicht auf biologischen Fakten beruht.<\/p>\n<h2>Das ist doch rassistisch!<\/h2>\n<p>Auf dem Vorbereitungsseminar von kulturweit wurde die Theorie von Kalpaka (1990) verbreitet, dass es wichtig ist, von wem eine \u201cRasse\u201d definiert werde. Wird es von Priviligierten, beispielsweise weissen Freiwilligen definiert, so ist es Rassismus. Eine solche Definition der betroffenen Gruppe\u00a0hilft zwar nicht unbedingt zur Aufbrechung von Stereotypen, aber da die unterpriviligierte Gruppe nicht die Macht hat, die Bezeichnung der st\u00e4rkeren Gruppe zu \u00e4ndern, kann es nicht als Rassismus bezeichnet werden. Ich stimme dem Ansatz grunds\u00e4tzlich zu, habe ihn aber in der Praxis noch nicht erlebt. Sollte mich aber jemand aus einer potenziell unterpriviligierten Gruppe daraufhinweisen, etwas sei f\u00fcr sie aus meinem Mund rassistisch oder in diesem Sinne verletzend, werde ich nicht mit ihr diskutieren, sondern mich entschuldigen. Als jemand, der niemals Opfer von Rassismus geworden ist, noch dazu viele T\u00fcren nach und nach ge\u00f6ffnet bekommen hat, sehe ich kein Recht, mich einer solchen Beschuldigung zu widersetzen. Auch wenn ich in Bolivien als Gringo bezeichnet werde, ist das f\u00fcr mich nicht als Rassismus, allerh\u00f6chsten ist es eine Art von Diskriminierung, die ebenfalls auf Vorurteilen aufbaut, aber in einer globalen Welt mit ihren Herrschafts- und Machtverh\u00e4ltnissen f\u00fcr mich recht\u00a0verst\u00e4ndlich ist.<\/p>\n<h2>Weiterentwicklung und unsere Position<\/h2>\n<p>Nach dem zweiten Weltkrieg und dem damit einher gehenden Genozid an J\u00fcdinnen und Juden sowie Sinti und Roma wurde der Begriff \u201aRasse\u2018 diskreditiert. Das bedeutet allerdings nicht, dass es Rassismus seitdem nicht mehr gibt, im Gegenteil, er offenbart sich meistens, indem explizit auf eine bestimme &#8222;Ethnie&#8220; oder &#8222;Kultur&#8220; einer Person hingewiesen wird.<\/p>\n<p>Nach der Hochzeit des Kolonialismus, nein &#8211; nicht die im Standesamt oder in der Kirche, sondern der besonders aktiven \u00c4ra des Kolonialismus, nach dieser jedenfalls wird nicht mehr von unterschiedlichen &#8222;Rassen&#8220; gesprochen, sondern also von Kulturen. Von Unterschieden, von Unvereinbarkeiten und Stereotypen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><em>\/\/ Wir, als Menschen, die zwischen den Kulturen ein halbes oder ganzes Jahr verbringen\u00a0\/\/ Wir, die den Begriff &#8222;Transkulturalit\u00e4t gesch\u00e4tzte 50-Mal auf unseren Seminaren h\u00f6ren \/\/\u00a0<\/em><em>Wir, die kulturweit-Freiwilligen und Alumnis\u00a0<\/em>sollten den Neorassisten von AfD, FP\u00d6, Geert Wilders aus den Niederlanden und Marine le Pen und ihrem rechten Front National entschieden entgegentreten.<\/p>\n<h2>Ein Zitat zum Schluss<\/h2>\n<p style=\"text-align: left\">&#8222;Das vornehme Wort Kultur tritt anstelle des verp\u00f6nten Wortes Rasse, bleibt aber blo\u00df ein Deckbild f\u00fcr den brutalen Herrschaftsanspruch.&#8220;<\/p>\n<p>Theodor W. Adorno<\/p>\n<p>Kolumbus nicht glorifizieren \ud83d\ude09 Position auch in Deutschland reflektiert einnehmen und \u00fcberlegen, wie man eigene Erfahrungen teilt.<\/p>\n<p><em>Teile des Beitrags sind aus folgenden Beitr\u00e4gen entsprungen:\u00a0http:\/\/www.whitecharity.de\/wp-content\/uploads\/Konrad.pdf und\u00a0http:\/\/content.ub.hu-berlin.de\/monographs\/toc\/ethnologie\/BV025907546.pdf<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Christoph Kolumbus das erste Mal amerikanischen Boden betritt, leitet er damit eine \u00c4ra der Kolonisierung ein, deren Ergebnis die brutale Pl\u00fcnderung der kolonisierten Territorien, Genozide und der Sklavenhandel sein wird. 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