{"id":677,"date":"2016-07-01T15:45:37","date_gmt":"2016-07-01T19:45:37","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/?p=677"},"modified":"2016-07-01T15:45:37","modified_gmt":"2016-07-01T19:45:37","slug":"donnerstags","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/2016\/07\/01\/donnerstags\/","title":{"rendered":"donnerstags"},"content":{"rendered":"<p>Es ist morgens sehr kalt. <em>Arschkalt<\/em>, um es in den Worten des gro\u00dfartigen Bierherstellers\u00a0Astra zu formulieren. Dann ist es nachmittags warm, sehr warm. Das Wetter wechselt von <strong>Winternacht auf Sommertag<\/strong> w\u00e4hrend des Tages. Wenn ich aufstehe, sind es knackige\u00a0<em>drei\u00a0Grad,<\/em> wenn ich aus der Schule komme, werden es <em>35 Grad<\/em> sein. Da komme ich mir manchmal komisch vor, wenn ich meine dicke Winterjacke mit Ski-Unterw\u00e4sche mittags zum T-Shirt wechsle. Abends schlafe ich mit Omas W\u00e4rmflasche und Tee im kalten Bett ein. Die Fenster sind nicht im Ansatz isoliert und die Sonne blinzelt\u00a0erst sp\u00e4t und flach in mein Fenster. Die N\u00e4chte sind sternenklar, ebenso wie sp\u00e4ter der wolkenlose, blaue Himmel, der t\u00e4glich wieder gr\u00fc\u00dft. Aber genug der Einleitung, ich wollte von Donnerstagen sprechen.<\/p>\n<p>Es sind drei Stunden, die ich donnerstags gebe \u00a6\u00a04., 10. und 12. Klasse \u00a6<br \/>\nMorgens bereite ich die Stunden vor, recherchiere\u00a0zu Uni-Bewerbungen in Kiel und Hamburg und trinke Kaffee und Tee gegen die K\u00e4lte. Heute sitzen die Bibliothekarin und zwei Lehrer in unserem Lehrerzimmer und wir wiederholen, was sie letzten Donnerstag an Adjektiven, Possessivpronomen und Verben im Perfekt gelernt haben. Wir sind schon eine Weile dabei und sie machen erste Fortschritte. N\u00e4chstes Mal wird die Aussprache ge\u00fcbt. Ein Themenbereich, in dem ich mir nicht m\u00fchsam so viel anlesen musste.<\/p>\n<p>Joaquin, der Mathelehrer, verbessert durchg\u00e4ngig mein Spanisch, ich gebe ihm noch einen Keks und er schiebt ihn sich in den Mund, ich habe einige S\u00e4tze, bei denen Joaquin zwecks gef\u00fcllten Mundes nichts sagen kann, daf\u00fcr\u00a0grinst er breit.<br \/>\nSie haben sich daran gew\u00f6hnt, dass ihnen ein j\u00fcngerer, privilegierter, gringo-\u00e4hnlich-aussehender, motivierter, aber minderbemittelter Brillentr\u00e4ger etwas \u00fcber die deutsche Sprache und Kultur vermittelt.<\/p>\n<p>Es ist also endlich mittags, die Kurse beginnen, die Kurse enden, die anstehenden Bimester-Pr\u00fcfungen werden so vielleicht leichter, ich w\u00fcnsche es ihnen.<br \/>\nNach der Arbeit treffe ich mich auf ein Eis in der Stadt, die Wintersonne blendet und ich setze meine Sonnenbrille auf. Wir fahren zum\u00a0Markt, steigen aus dem Bus aus, weil dieser nicht voran kommt im Wirrwarr am Anfang des Marktes, schlendern durch die Gassen, weichen rollenden Verkaufsst\u00e4nden aus, essen etwas leckeres, riechen etwas ekeliges, kaufen unser Gem\u00fcse und erz\u00e4hlen uns von unserem Leben.<br \/>\nAm Busterminal trinken wir einen frischen Orangensaft und laufen zur\u00fcck ins Zentrum.<br \/>\nIch gehe zu meinem Quechua-Kurs, der vor zwei Wochen angefangen hat. Melissa bringt mir viel \u00fcber die Sprache bei und ich helfe ihr mit ihren Deutsch-Hausaufgaben.<br \/>\n<em>Quechua<\/em>, das\u00a0ist die Sprache, die vor Spanisch in dieser Region gesprochen wurde. Geschrieben wurde sie selten, ich lerne durch das Sprechen.<\/p>\n<p>Danach gehe ich ein kleines Caf\u00e9 an einem gro\u00dfen Platz, rauche einige\u00a0Zigaretten und lese Zeitung. Einmal pro Woche ist das in Ordnung \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Die Musik schwappt aus den vorbeifahrenden Autos herein, dr\u00f6hnende Lautsprecher verk\u00fcnden eine Demonstration drau\u00dfen. Mein Kaffee &#8222;cortado grande&#8220; kommt und ich frage die Kellnerin nach einem Wort in der Zeitung. Sie erkl\u00e4rt es mir geduldig. Mein Mitbewohner kommt zuf\u00e4llig mit einem Date rein, wir gr\u00fc\u00dfen uns, bieten uns gegenseitig Zigaretten an und sie setzen sich an den Nachbartisch. Die Zeitung ist dick und h\u00e4ngt an einem Holzstab, mit dem sie auch wieder in der Halterung aufgeh\u00e4ngt werden kann. Die Themen sind: &#8222;Tische und St\u00fchle im Wert von einer Million Bolivianos f\u00fcr 33 Schulen in Quillacollo, ein Schulessen soll bis 2020 f\u00fcr alle Schulen finanziert werden und kostenlos ausgeteilt werden&#8220;, ein anderes Thema <a href=\"http:\/\/www.lostiempos.com\/actualidad\/opinion\/20160602\/columna\/bloqueos\">&#8222;Die Bloqueos sind kriminell, es muss aufh\u00f6ren&#8220;<\/a>, au\u00dferdem &#8222;Die Opposition in Venezuela ist nicht einverstanden mit den Beschl\u00fcssen der <a href=\"http:\/\/www.humanrights.ch\/de\/internationale-menschenrechte\/regionale\/amerika\/oas\/\">OAS<\/a>, ebenso wenig Bolivien&#8220;, und zu guter letzt &#8222;Cybereducation SI, Cybercensura\u00a0No&#8220;.<\/p>\n<p>Heute ist ein Konzert zu Ehren eines M\u00e4dchens, das von Geburt an eine Erbkrankheit hat und nun eine n\u00e4chste Operation ben\u00f6tigt. Da treffe ich eine Kollegin und trinke ein sch\u00f6nes Bier. Zwar kein <a href=\"http:\/\/www.astra-bier.de\/de\/astra.html\">Astra Arschkalt<\/a>, aber ein <a href=\"http:\/\/www.flens.de\/produkte\/sortiment\/spezialitaeten\/winterbock\/\">Flens Winterbock<\/a>, denn es wird schon wieder Winter heute Nacht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist morgens sehr kalt. Arschkalt, um es in den Worten des gro\u00dfartigen Bierherstellers\u00a0Astra zu formulieren. Dann ist es nachmittags warm, sehr warm. Das Wetter wechselt von Winternacht auf Sommertag w\u00e4hrend des Tages. 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