{"id":670,"date":"2016-06-28T01:17:55","date_gmt":"2016-06-28T05:17:55","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/?p=670"},"modified":"2016-06-28T01:17:55","modified_gmt":"2016-06-28T05:17:55","slug":"qan-wan-mi-rimayta-munani","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/2016\/06\/28\/qan-wan-mi-rimayta-munani\/","title":{"rendered":"Qan-wan-mi rimayta munani."},"content":{"rendered":"<p><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-size: 14px;line-height: normal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-689 aligncenter\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/06\/images-300x63.jpg\" alt=\"images\" width=\"300\" height=\"63\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/06\/images-300x63.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/06\/images.jpg 489w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/span>Es ist f\u00fcnf Uhr und wir treffen uns an der Universit\u00e4t. Leicht verschwitzt und versp\u00e4tet stelle ich mein Rad an den Zaun und beginne zu Suchen. Ein M\u00e4dchen mit zwei dicken B\u00fcchern unter den Armen geklemmt und einem Kopfh\u00f6rer auf den\u00a0Ohren kommt auf mich zu. Ich erkenne sie zu sp\u00e4t, laufe w\u00e4hrenddessen in die falsche Richtung um sie zu Entdecken. Sie tippt mir von hinten auf die Schulter und begr\u00fcsst mich. \u00a8Hola, que tal?&#8220;, &#8222;Bien,\u00a0recien he llegado, estabas esperando mucho?&#8220;, h\u00f6re ich uns H\u00f6flichkeiten austauschen. Ich bin das erste Mal in der Uni und finde es schon jetzt spannend. All die Menschen. Gesch\u00e4ftig laufen sie von A nach B oder sitzen in Lerngruppen zusammen und lachen viel zu viel als um tats\u00e4chlich etwas zu lernen. Sieht toll aus.\u00a0Wir schl\u00e4ngeln uns durch die Gr\u00fcppchen, die den frisch gepflasterten Weg\u00a0f\u00fcr Unterhaltungen nutzen und kommen dabei selber ins Reden.<\/p>\n<p>Ja, ihr Kind schliefe schon zu Hause, aber um drei wird es sicherlich nochmal aufwachen. Nun h\u00e4tten wir aber Zeit um <strong>Deutsch und Quechua<\/strong> auszutauschen.<br \/>\nZwei Studenten verlassen gerade einen freien Tisch mit zwei Steinsitzen und wir ergreifen die M\u00f6glichkeit, die sich uns bietet.\u00a0Auch abends um kurz nach halb acht sind alle Steinsitze besetzt. Es ist nicht kalt, aber es k\u00fchlt langsam ab. Ich lege meinen Schal um und beginne mir ihre Aufzeichnungen und Hausaufgaben anzusehen, um dann wie ein Mechaniker, wenn er die Motorhaube \u00f6ffnet, an einigen Stellen Unverst\u00e4ndliches zu murmeln oder ein zufriedenes <em>Ahh!<\/em> auszustossen. Um\u00a0sie nicht weiter zu verunsichern lasse ich das negative Kopfsch\u00fctteln und die verschr\u00e4nkten Arme weg. Soweit so gut, die Atmosph\u00e4re ist geschaffen, 45 Minuten werde ich ihr alle Fragen so gut es geht zur deutschen Sprache beantworten, und dann alle Fragen zu Quechua stellen, die mir so in den Sinn kommen werden.<\/p>\n<p>Quechua, quichua, quichwa, kichwa, qhiswa, qheswa. Um diese Sprache geht es hier<span class=\"Apple-style-span\">.\u00a0<\/span>Eine neue Sprache also. Obwohl, eigentlich eine sehr alte, seit Jahrhunderten wird sie in Lateinamerika gesprochen, aber nicht geschrieben. Die Kultur, in der fr\u00fcher Quechua gesprochen wurde, schrieb nicht. Mittlerweile gibt es die Sprache auch in schriftlicher Form, zum Lernen eben. Oder\u00a0zum simsen. Aber normalerweise lernst du es als Kind mit deinen Eltern. Ich beginne jetzt, mit 20 und es reizt mich.<\/p>\n<p>Die \u00dcberschrift bedeutet \u00fcbrigens:<em><br \/>\nIch m\u00f6chte mit dir reden.<br \/>\nQan-wan-mi rimayta munani.<\/em><br \/>\nUnd deswegen lerne ich Quechua.<\/p>\n<p>Der Sprachraum des Quechua erstreckt sich vom S\u00fcden\u00a0Kolumbiens\u00a0\u00fcber gro\u00dfe Teile von\u00a0Ecuador,\u00a0Peru\u00a0und Bolivien\u00a0bis in den Norden von\u00a0Chile\u00a0und\u00a0Argentinien. Den gr\u00f6\u00dften Anteil an den Sprechern hat dabei Peru, gefolgt von Bolivien und Ecuador, w\u00e4hrend in den anderen L\u00e4ndern nur kleine Minderheiten die Sprache beherrschen.<\/p>\n<p>Es ist eine\u00a0Sprache, die ich nicht \u00fcberall lernen kann. Es gibt viele regionale Unterschiede, in Peru spr\u00e4che man ganz anders als in Bolivien, wird mir erkl\u00e4rt. Und auch\u00a0<span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-size: 14px;line-height: normal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-690 alignleft\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/06\/map.png\" alt=\"map\" width=\"246\" height=\"254\" \/><\/span>innerhalb der beiden L\u00e4ndern kommt es noch auf die regionale Herkunft an. Ich lerne von Spanisch zu Quechua und bin \u00fcberrascht, wie viel ich verstehe. Die Aussprache ist nicht einfach. Ich bekomme eine Kopie mit Bildern von Tieren und\u00a0Buchstaben dazu, die anders ausgesprochen werden, als ich es erwarte.\u00a0Die Grammatikstruktur sei\u00a0nicht allzu komplex, es g\u00e4be nur eine Konjugation, man benutzt also immer die gleichen\u00a0Endungen f\u00fcr die Personen. Auch die\u00a0Satzstellung sei theoretisch immer die selbe, nur hielte sich daran niemand.<\/p>\n<p><span class=\"Apple-style-span\">Nach der Christianisierung hat sich die Sprache ein wenig ge\u00e4ndert. Jetzt wird oft auf Gott Bezug genommen,\u00a0vorher standen vor Allem der Pachamama im Mittelpunkt.<\/span><\/p>\n<p>Aymara, die andere weitverbreitete,\u00a0indigene Sprache hat viele Gemeinsamkeiten mit dem Japanischen, ich bleibe aber erstmal beim Quechua, der Sprache der Inkas. Ein <a href=\"http:\/\/quechua-ayacucho.org\/es\/index_es.php?folder=poemas&amp;page=pocodecalma\">sch\u00f6nes Gedicht<\/a> hat mir meine Austauschpartnerin schon vorgetragen, es klang\u00a0vertr\u00e4umt und ruhig, trozt\u00a0der sonst so energischen Aussprache.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-688 alignleft\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/06\/descarga.jpg\" alt=\"descarga\" width=\"256\" height=\"188\" \/><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=23n2s8j40yo\">Hier<\/a>\u00a0kann man sich das\u00a0Achahala anh\u00f6ren, das Alphabet der Quechua\u00a0h\u00f6ren.\u00a02004\u00a0waren es noch 8-10 Millionen Sprecher*innen, neueste Zahlen aus diesem Jahr belegen, dass es weniger geworden sind: <a href=\"http:\/\/www.ethnologue.com\/statistics\/family\">7,8 Millionen.<\/a><\/p>\n<p>In den Schulen wird Quechua\u00a0kaum unterrichtet und ger\u00e4t so, wie auch viele andere indigene Sprachen, in Vergessenheit. Die, die es noch sprechen, sprechen es mit einer erfrischenden Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Als ich vor etwa 4 Monaten\u00a0in einem Dorf war, um von dort aus eine Wanderung zu starten, fragte\u00a0ich auf Spanisch nach einem Ort, wo es essen g\u00e4be. Ich war zu der Zeit schon recht stolz auf mein Spanisch, wurde aber nicht verstanden. Der Mann, der an der Hauswand stand, sprach nur Quechua. In seinem Dorf m\u00fcsse man kein Spanisch k\u00f6nnen, erkl\u00e4rte mir eine Tante, die die Szene verstand und lustig fand. Er hat nie Spanisch gelernt und lebt schon seit immer hier.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/06\/275b868799100d4821c963f51dd291dco.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-687 alignleft\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/06\/275b868799100d4821c963f51dd291dco-300x239.jpg\" alt=\"275b868799100d4821c963f51dd291dco\" width=\"300\" height=\"239\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/06\/275b868799100d4821c963f51dd291dco-300x239.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/06\/275b868799100d4821c963f51dd291dco.jpg 377w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Auch mein Mitbewohner spricht Quechua, aber nur, wenn er betrunken ist. Ich h\u00f6re es logischerweise sehr oft. Ein Tequila geht noch, kann ich nun auch auf Quechua verstehen.<\/p>\n<p>Sie erkl\u00e4rt mir die Kultur die hier auf diesem Kontinent vor den Konquistadoren gelebt hat. Bevor man hier Spanisch sprach. Ein Teil davon hat man sich hier bewahrt, der gr\u00f6ssere Teil ist verschwunden. Aber durch das Chicha trinken, das Koka kauen und die Sprache zu erlernen und dar\u00fcber zu berichten, l\u00e4sst sich vielleicht ein kleiner Teil erhalten.<\/p>\n<p><span class=\"Apple-style-span\">Taytatacha pagarapusunki<br \/>\n<\/span><span class=\"Apple-style-span\">Tupananchis Kama<\/span><\/p>\n<p>Danke und\u00a0Tsch\u00fcss<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist f\u00fcnf Uhr und wir treffen uns an der Universit\u00e4t. Leicht verschwitzt und versp\u00e4tet stelle ich mein Rad an den Zaun und beginne zu Suchen. 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