{"id":616,"date":"2016-05-11T14:41:12","date_gmt":"2016-05-11T18:41:12","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/?p=616"},"modified":"2016-05-11T15:59:22","modified_gmt":"2016-05-11T19:59:22","slug":"lustiger-name-ernste-geschichte-lago-poopo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/2016\/05\/11\/lustiger-name-ernste-geschichte-lago-poopo\/","title":{"rendered":"Lustiger Name, ernste Geschichte: Lago Poop\u00f3"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Tenemos un lago que ha desaparecido, ahora es una pampa; un desierto donde no se puede sembrar nada, ni producir; no hay nada, mucho menos vida&#8220;. &#8211; Valerio Rojas, dirigente campesino.<\/p>\n<p>Valerio Rojas, der Vorsitzende des Bauernverbandes sagt: &#8222;Wir haben einen See, der verschwunden ist, nun ist es eine Pampa; eine W\u00fcste, wo man nichts pflanzen oder produzieren kann; es gibt nichts, am wenigsten Leben&#8220;.<\/p>\n<div id=\"attachment_632\" style=\"width: 556px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/image-954343-breitwandaufmacher-slcp-954343.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-632\" class=\" wp-image-632\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/image-954343-breitwandaufmacher-slcp-954343-300x112.jpg\" alt=\"Bildvergleich: Lago Poop\u00f3 im April 2013 (links) und im Januar 2016 (rechts) \" width=\"546\" height=\"204\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/image-954343-breitwandaufmacher-slcp-954343-300x112.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/image-954343-breitwandaufmacher-slcp-954343-768x286.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/image-954343-breitwandaufmacher-slcp-954343-750x279.jpg 750w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/image-954343-breitwandaufmacher-slcp-954343.jpg 860w\" sizes=\"(max-width: 546px) 100vw, 546px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-632\" class=\"wp-caption-text\">Bildvergleich: Lago Poop\u00f3 im April 2013 (links) und im Januar 2016 (rechts)<\/p><\/div>\n<p>Der See\u00a0ist schon seit Jahren vom Austrocknen bedroht, es hat Zeit f\u00fcr Pl\u00e4ne zur Verhinderung gegeben. Aber nun ist es amtlich: Der Lago Poop\u00f3, nach dem Titicacasee der zweitgr\u00f6\u00dfte See Boliviens, ehemals mit einer Fl\u00e4che von 2300m\u00b2 und durchschnittlich etwa 3m Wassertiefe, ist ausgetrocknet. Er war\u00a0Lebensraum f\u00fcr Flamingos und viele Zugv\u00f6geln, die hier eine Rast auf ihrer Reise von S\u00fcd nach Nord machen. Der Schlamm sei besonders\u00a0nahrhaft gewesen. Auch viele Amphibien, Reptilien und Fischarten lebten\u00a0hier. &#8222;Wir sprechen \u00fcber etwa 200 Arten&#8220;, so\u00a0der Tierforscher\u00a0Carlos Capriles.<br \/>\nNun\u00a0seien\u00a0nur noch drei gro\u00dfe Pf\u00fctzen \u00fcbriggeblieben, konstantiert Rojas.<\/p>\n<p>Das alles hat \u00f6konomische, \u00f6kologische und menschliche Gr\u00fcnde.<br \/>\nDas alles hat \u00f6konomische, \u00f6kologische und soziale Folgen.<\/p>\n<p><strong>Die Minen-Industrie trinkt unser Wasser<\/strong><\/p>\n<p>Der See hatte einen einzigen Zufluss,\u00a0den Rio Desaguardero, der auch dem Lago Titicaca als Quelle dient. Ohne Quelle oder Zufluss\u00a0kann es keinen See geben. Seit Jahrhunderten fliesst dieses Wasser in die Region des Altiplano zwischen Chile und Bolivien. Er bew\u00e4ssert die Landwirtschaft und erm\u00f6glicht Leben in der Andenregion. In dem Departamento Oruro gibt es reichliche Zinn- und Kupfervorkommen. Gemeinsam mit den Silberminen im S\u00fcden des Landes, im Departamento Potos\u00ed, haben sie dem Staat und einigen Privatleuten viel Geld aus dem Berg in die Tasche gebracht. F\u00fcr den Bergbau und die Betreibung der Minen ben\u00f6tigt\u00a0man viel Wasser. Dieses wird dem Rio Desaguardero entnommen. Sp\u00e4ter flie\u00dft\u00a0ein Bruchteil davon als verschmutzte Abw\u00e4sser in den Strom zur\u00fcck.<br \/>\nDer Vizeminster ist &#8222;emp\u00f6rt&#8220;.<\/p>\n<p>Nun kann man entgegnen, das sei ja nicht ganz so wirklich bewiesen, wie es die Minenbetreiber in Nordperu gemacht haben:<\/p>\n<p><em>Als\u00a0in den Fl\u00fcssen, die die Minen in Nordperu speisen und auch deren Abw\u00e4sser aufnehmen, eine starke Verunreinigung durch Schwermetalle gemessen wurde, behaupteten die Minenbetreiber, man wisse nicht genau, ob das Wasser\u00a0nicht vorher schon verunreinigt gewesen sei. Es hatte vorher schliesslich keine Messungen dazu gegeben.<\/em><\/p>\n<p>Ungef\u00e4hr so lautet auch die Argumentation in Bolivien.<br \/>\nDazu empfehlenswert ist die Doku: Hija de la Laguna.<\/p>\n<p><strong>Ideen aus den 90ern? Umsetzen!<\/strong><\/p>\n<p>Es geht um den Wasserstand im Lago Titicaca. Und indirekt geht es auch um den Wasserstand im Lago Poop\u00f3. Die peruanisch-bolivianische Verwaltungsstelle f\u00fcr den Titicacasee hat einen Plan aus den 90ern wiederentdeckt. Das Wasser aus dem Fluss, der die beiden Seen speist, k\u00f6nnte komplett zu Gunsten des Titicacasees umgeleitet werden. Dadurch w\u00e4re\u00a0ein\u00a0Absinken\u00a0des Wasserstandes im\u00a0Titicacasee ausgeschlossen.<\/p>\n<p>&#8222;Die Massnahmen k\u00f6nnten n\u00f6tig werden, um hier nicht auf dem Trockenen zu sitzen&#8220;, meinen\u00a0Experten. &#8222;In Ordnung, das mit dem auf dem Trockenen sitzen, \u00fcberlassen wir den anderen&#8220;, beschliessen die Verwalter des gr\u00f6\u00dften Sees Lateinamerikas.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_623\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/151223142630_poopo_bolivia_624x351_reuters_nocredit.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-623\" class=\"wp-image-623\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/151223142630_poopo_bolivia_624x351_reuters_nocredit-300x169.jpg\" alt=\"151223142630_poopo_bolivia_624x351_reuters_nocredit\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/151223142630_poopo_bolivia_624x351_reuters_nocredit-300x169.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/151223142630_poopo_bolivia_624x351_reuters_nocredit.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-623\" class=\"wp-caption-text\">Und so ist es gekommen: Am Lago Poop\u00f3 sitzt man auf dem Trockenen. \u00a0Foto: Reuters<\/p><\/div>\n<p>Schlie\u00dflich speisen zwei weitere Fl\u00fcsse unterhalb des Sees den Rio Desaguadero mit Wasser. Wasser, das von den Bauern f\u00fcr die Bew\u00e4sserung ihrer\u00a0Felder abgezweigt wird. Die gewaltige Menge, die die Minenindustrie ben\u00f6tigt, ganz vergessen. Kommt da denn eigentlich noch gen\u00fcgend am Lago Poop\u00f2 an? Ach, mach dir mal keinen Kopf. Immerhin der eine See hat Wasser. Undzwar endlich wieder mehr als genug.<\/p>\n<p><strong>Mit anderen Worten:<\/strong><\/p>\n<p>Der grosse Bruder Titicaca hat sich im Streit um den Wasserschlauch durchgesetzt.<br \/>\nDer Lebensraum ist zerst\u00f6rt. Weder Flora noch Fauna waren zu einem Interview zu erreichen. Auch die sonst so gespr\u00e4chige Flamingo-Vertreterin lehnte entt\u00e4uscht das Gespr\u00e4ch ab. In diesen Zeiten m\u00fcsse sie sich um ihre Familie k\u00fcmmern.<br \/>\nIm \u00dcbrigen verlieren etwa 350 Fischerfamilien ihre Lebensgrundlage.<\/p>\n<p>Die bolivianische Regierung twitterte dazu sinngem\u00e4\u00df:<br \/>\n<em>In den letzten 50 Jahren hat sich das Klima in der Region Oruro ver\u00e4ndert. Es ist im Durchschnitt um zwei Grad w\u00e4rmer geworden. Und es hat deutlich weniger geregnet. Nun muss man wissen, dass der See, \u00fcber den wir sprechen, auf 3600m gelegen war\u00a0und eine durchschnittliche Wassertiefe von etwa 3 Metern hatte. In den letzten Jahrzehnten war der See fast j\u00e4hrlich kleiner geworden.<\/em><br \/>\n<em> Kleiner als klein ist eben trocken<\/em>. #shithappens<\/p>\n<p>Das Umweltministerium erg\u00e4nzte sp\u00e4ter trocken:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/151223132404_pez_sequia_624x351_reuters_nocredit.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-642 alignleft\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/151223132404_pez_sequia_624x351_reuters_nocredit-300x169.jpg\" alt=\"151223132404_pez_sequia_624x351_reuters_nocredit\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/151223132404_pez_sequia_624x351_reuters_nocredit-300x169.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/151223132404_pez_sequia_624x351_reuters_nocredit.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><br \/>\n<em>&#8222;Besonders ungl\u00fccklich ist es f\u00fcr die Tiere, die nicht wie die Zugv\u00f6gel weiterfliegen k\u00f6nnen um einen neuen \u00a0Lebensraum\u00a0zu finden. Namentlich: Amphibien, Reptilien und Fische.&#8220;<\/em><br \/>\n<em> #kondolonzschreiben2.0<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nun gibt es noch eine Idee: Den Lago Uru Uru mit dem Lago Poop\u00f3 zusammenlegen. Der ist aber hundert Kilometer weiter im Norden. Wie das gehen k\u00f6nnte? Wissen weder Zeitungen noch Wissenschaftler. Geschweige denn die Verwaltung des Titicacasees.<\/p>\n<div id=\"attachment_628\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/151223132508_carcasa_ave_624x351_reuters_nocredit.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-628\" class=\"wp-image-628 size-medium\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/151223132508_carcasa_ave_624x351_reuters_nocredit-300x169.jpg\" alt=\"151223132508_carcasa_ave_624x351_reuters_nocredit\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/151223132508_carcasa_ave_624x351_reuters_nocredit-300x169.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/151223132508_carcasa_ave_624x351_reuters_nocredit.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-628\" class=\"wp-caption-text\">Na dann, gute Nacht, liebe Flamingos. \u00a0Foto: Reuters<\/p><\/div>\n<p>Gab es da nicht 2010 ein 15 Millionen US-Dollar schweres Programm zur Rettung des Sees? Zwischen der EU und Bolivien? Stimmt, gab es. Was war da nochmal passiert?<\/p>\n<p>Man sei &#8222;unverantwortungsvoll&#8220; mit dem Geld umgegangen und habe &#8222;sinnlose Projekte&#8220; initiiert, gibt der Ex-Senator des Departamentos Oruro zu.<br \/>\n<em>Das Geld ist praktisch im Sande verlaufen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Tenemos un lago que ha desaparecido, ahora es una pampa; un desierto donde no se puede sembrar nada, ni producir; no hay nada, mucho menos vida&#8220;. &#8211; Valerio Rojas, dirigente campesino. 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