{"id":612,"date":"2016-05-20T10:06:57","date_gmt":"2016-05-20T14:06:57","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/?p=612"},"modified":"2016-05-20T10:07:42","modified_gmt":"2016-05-20T14:07:42","slug":"wasser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/2016\/05\/20\/wasser\/","title":{"rendered":"Wasser"},"content":{"rendered":"<p>Bolivien, Cochabamba.<br \/>\nMai 2016<\/p>\n<p><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-size: 14px;line-height: normal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-658 aligncenter\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/500px-CochabambaBolivia-300x84.jpg\" alt=\"500px-CochabambaBolivia\" width=\"571\" height=\"160\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/500px-CochabambaBolivia-300x84.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/500px-CochabambaBolivia.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 571px) 100vw, 571px\" \/><\/span>Das Wasser wird knapp in der Stadt.\u00a0Das letzte Mal richtig geregnet hat es in einer Nacht Ende M\u00e4rz. Kr\u00e4ftig, ohne Wind und wundersch\u00f6n.<\/p>\n<p><em>Seitdem hat es au\u00dfer ein paar Tropfen nichts gegeben.<\/em><\/p>\n<p>Auf dem Markt steigt der Preis f\u00fcr Gem\u00fcse. Manchmal stehe ich ohne Wasser unter der Dusche. Die Lagune, die normalerweise zu dieser Jahreszeit noch zu 3\/4 gef\u00fcllt ist, ist fast trocken. Es wird erst wieder im September regnen, wenn ich gegangen bin.<\/p>\n<p><em>Bis dahin wird es au\u00dfer ein paar Tropfen nichts geben.<\/em><\/p>\n<p><strong>Wasserknappheit? Wo?<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich ist Cochabamba oder\u00a0Qhochapampa <em>(grosser Sumpf)<\/em>, auch La Llajta <em>(Quechua: die Stadt aller)<\/em> genannt, immer mit\u00a0Wasser versorgt gewesen. Zu dem Departemento geh\u00f6rt das Regenwaldgebiet Chapar\u00e9, das etwas tiefer als die Stadt selbst gelegen ist. Im Tal der Viertausender\u00a0hat sich eine gro\u00dfe Stadt entwickelt, mit einer Bev\u00f6lkerung von etwa 700.000 Einwohnern. Mit den umliegenden Dorfgemeinschaften, lebten\u00a0laut dem letzten Census vor drei Jahren etwa 1,1 Millionen Menschen im Tal der\u00a0viertgr\u00f6\u00dften Stadt Boliviens.\u00a0Mit den anwachsenden Bev\u00f6lkerungszahlen musste auch mehr Ackerland f\u00fcr die\u00a0Versorgung bereitgestellt werden. Man legte die S\u00fcmpfe trocken. Der Wasserverbrauch stieg an. Vor 15\u00a0Jahren war Trinkwasser nur f\u00fcr 87% der Bev\u00f6lkerung zug\u00e4nglich. Das Wasser ist schmutzig und aus dem Wasserhahn kann man nicht trinken. So viel zum Hintergrund. In diesem Jahr ist etwas\u00a0besonders.<\/p>\n<p><strong>Die Situation?<\/strong><\/p>\n<p>Ernten verdorren auf den Feldern, es fehlt Wasser. Die Bauern haben weniger zu verkaufen und die Menschen, die wenig haben, k\u00f6nnen weniger kaufen.<br \/>\nEin Beispiel: Die <em>Cuartilla <\/em>(Ma\u00dfeinheit, ca. 1,5kg)\u00a0\u00a0Tomaten kostet nun 28 Bolivianos, vorher\u00a0kostete sie\u00a012 Bolivianos. &#8222;H\u00f6her werden die Preise nicht steigen&#8220;, versichert mir die Gem\u00fcseverk\u00e4uferin meines Vertrauens auf der riesigen <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/2015\/10\/01\/zwischen-melonen-und-vertretungsunterricht\/\">Cancha<\/a>. Sie zieht eine Grimasse und sagt: &#8222;Niemand wei\u00df, was kommt.&#8220; Dann packt sie mir die Tomaten ein und ich bezahle den mehr als verdoppelten Preis.<\/p>\n<p>&#8222;Das sind die Auswirkungen von El Ni\u00f1o,\u00a0die\u00a0Regenzeit war mild&#8220;, wird mir erz\u00e4hlt.<br \/>\nEs hat tats\u00e4chlich weniger geregnet, als ich erwartet hatte.\u00a0Auf\u00a0mich hatte das Wort\u00a0<em>Regenzeit<\/em> einen krasseren Eindruck gemacht als\u00a0<em>Herbst in Hamburg<\/em>.<\/p>\n<p><strong>El Ni\u00f1o<\/strong><\/p>\n<p>Bei diesem globalen Wetterph\u00e4nomen sammeln sich warme Wassermassen im zentralen und \u00f6stlichen Pazifik, die Folge sind weltweite Wetterextreme. Die Vereinten Nationen hatten im November gewarnt, der diesj\u00e4hrige El Ni\u00f1o sei der schlimmste seit mehr als 15 Jahren und einer der st\u00e4rksten seit 1950. Weltweit gibt es dann vermehrt Ernteausf\u00e4lle durch D\u00fcrren. Auch Seuchen und Hungersn\u00f6te werden immer wieder\u00a0dadurch verursacht. Im Abstand von 2 oder 7 Jahren kehrt das &#8222;Christkind&#8220; wieder. In der Region Cochabamba regnete es deswegen weniger. In Brasilien gab es sowohl \u00dcberschwemmungen als auch D\u00fcrren. In den letzten drei Jahre gab es keine Wasserversorgungsprobleme hier, es hatte immer ausreichend geregnet in der Regenzeit.<\/p>\n<p>Eine zwei Minuten Erkl\u00e4rung, was genau El Ni\u00f1o genannt wird zeigt\u00a0<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Ug4V2BozT94\">wetteronline.de<\/a>\u00a0bei YouTube.\u00a0Die weltweiten Auswirkungen, auch mit einem Fokus auf Lateinamerika kann man\u00a0in einem Multimedia-Dossier bei <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/multimedia-el-ni-o-ein-satan-14049803.html\">faz.net<\/a>\u00a0verstehen. Was sich deswegen gerade an Chiles K\u00fcste abspielt hat die <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/tagesschau\/videos\/10154200498134407\/\">Tagesschau<\/a> k\u00fcrzlich zusammengefasst.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/klimadiagramm-85223-cochabamba-airport-niederschlag-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-655 alignleft\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/05\/klimadiagramm-85223-cochabamba-airport-niederschlag-1-300x183.png\" alt=\"klimadiagramm-85223-cochabamba-airport-niederschlag\" width=\"457\" height=\"279\" \/><\/a><\/p>\n<p>Im Klima-Diagramm sieht man deutlich den Unterschied zwischen Regen- und Trockenzeit. Es sind weniger als 3 Regentage \u00fcblich in den Monaten Mai, Juni, Juli, August. Dieses Jahr sollen es noch weniger werden. Die Zahlen sind ein Durchschnitt aus den Aufzeichnungen zwischen 1956 und 1990. In diesem Jahr waren die Regenf\u00e4lle an den R\u00e4ndern des Jahres weniger heftig ausgefallen, fast ausgeblieben.<\/p>\n<p><strong>Die Auswirkungen in Cochabamba<\/strong><\/p>\n<p>Die Lagune Alalay ist der einzige Wasservorrat der Gro\u00dfstadt. Normalerweise ist er zu 3\/4 gef\u00fcllt. Jetzt sind\u00a0es nur noch 1\/4, die verbleiben. Nicht alle Haushalte sind an das Wasserwerk angeschlossen, viele\u00a0haben eigene\u00a0Wasserspeicher (10 000, 5000, 1000 Liter) auf dem Dach. Diese Preise steigen. Unser Haus ist mit einer Leitung verbunden, durch die zu einigen Tageszeiten kein Wasser mehr flie<span class=\"Apple-style-span\">\u00df<\/span>t. Weil man das Wasser nicht trinken sollte, hat fast jeder Haushalt hat einen Wasserspender im Haus. Die Preise steigen ebenfalls.\u00a0<em>Wasser abkochen<\/em> wird eine ernsthafte Alternative f\u00fcr viele. Der B\u00fcrgermeister hat die Bewohner aufgerufen Wasser zu sparen. Im Supermarkt sind die Wasserpreise noch stabil. Zu einigen Tageszeiten wird es kein Wasser geben, man muss sich Gedanken machen, wie man sich daran anpasst.<\/p>\n<p>Ich musste mir nie Gedanken um Wasser machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bolivien, Cochabamba. Mai 2016 Das Wasser wird knapp in der Stadt.\u00a0Das letzte Mal richtig geregnet hat es in einer Nacht Ende M\u00e4rz. Kr\u00e4ftig, ohne Wind und wundersch\u00f6n. Seitdem hat es au\u00dfer ein paar Tropfen nichts gegeben. 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