{"id":578,"date":"2016-04-24T20:57:43","date_gmt":"2016-04-25T00:57:43","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/?p=578"},"modified":"2016-04-24T20:58:19","modified_gmt":"2016-04-25T00:58:19","slug":"sommergoldhaehnchen-in-der-heide-rotkehlchen-zwischen-apfelblueten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/2016\/04\/24\/sommergoldhaehnchen-in-der-heide-rotkehlchen-zwischen-apfelblueten\/","title":{"rendered":"Sommergoldh\u00e4hnchen in der Heide &amp; Rotkehlchen zwischen Apfelbl\u00fcten"},"content":{"rendered":"<p>Ich sammel gerne. Ich habe als Kind Briefmarken gesammelt. Nicht aus einer Leidenschaft heraus, auch nicht um sie zu besitzen, oder sp\u00e4ter, wenn sie noch \u00e4lter w\u00e4ren, als sie sowieso schon waren, einmal Geld damit zu machen, nein &#8211; ich habe sie schlicht gerne sortiert und geordnet. Was jetzt zwanghaft klingt hatte etwas spielerisches, die Ordnungen unterstanden\u00a0zugegebenerma\u00dfen manchmal auch nur meiner eigenen Logik. Ich m\u00f6chte eine kurze Geschichte erz\u00e4hlen, sie handelt von Antiquit\u00e4ten und Eis.<\/p>\n<p>Und ich habe auf der allj\u00e4hrlichen Versteigerung im Gemeindehaus bemalte Sammelteller ersteigert. Mit 12. Gro\u00dfartig, nicht wahr? Fand zumindest ich. Ich habe bemalte Sammelteller gesagt, ihr k\u00f6nntet ruhig ein wenig Begeisterung zeigen, sieht ja schlie\u00dflich keiner, w\u00e4hrend ihr das lest.<br \/>\nDas Prinzip war einfach: Um den Kram an die Bieterschaft zu bringen, wurden Bananenkisten bis obenhin mit Schrott gef\u00fcllt, und gef\u00fchlt pro Kiste eine Kostbarkeit gelegt, f\u00fcr die es lohnte zu bieten. Startgebot: Ein Euro, ein potentieller Schnapper,\u00a0k\u00f6nnte man sagen.<\/p>\n<p>Also, ich habe an den zwei Tagen Versteigerung so viele Kisten f\u00fcr &#8217;nen Appel und &#8217;n Ei ersteigert und hartn\u00e4ckig erboten, dass man sich sp\u00e4ter fragte, was ich denn eigentlich damit wollte. Dazu kam, dass die Kisten wie erw\u00e4hnt bunt zusammengew\u00fcrfelt\u00a0waren, teilweise rangierten die Sammlteller auch nur unter ferner liefen im Inhalt. Nebens\u00e4chlich oder zweitrangig, f\u00fcr mich jedoch entscheidend. Die Kisten waren vorher von mir genau in Augenschein genommen worden, in vielen Kisten lie\u00dfen sich Sammelteller bei der Inspektion finden.<\/p>\n<p>Nach einiger Zeit, wenn eine Kiste aus Puppenspielzeug, einer kaputten Wanduhr, einem Pfannenwender-Set und einer Ansammlung aus allerlei anderem, das garantiert\u00a0kein Mensch brauchte, keinen Bieter fand,\u00a0erw\u00e4hnte\u00a0der Pastor, der die Versteigerung mit dem\u00a0Hammer auf einer\u00a0Leiter in mitten des Get\u00fcmmels passioniert leitete, es bef\u00e4nden sich nun ja auch gewisse Sammelteller in der Kiste. Jackpot!<br \/>\nMeine Mutter, die neben mir stand, schaute ihn halb b\u00f6se, halb besorgt an und sch\u00fcttelte den Kopf, doch ich ergriff die Chance und hob die Hand f\u00fcr das erste, einzige und letzte Gebot. So habe ich an zwei Tagen viel Taschengeld gegen viel Ger\u00fcmpel und Sammelteller tauchen m\u00fcssen\u00a0und wusste, wie es sich anf\u00fchlt, reich zu sein, aber nicht zu wissen, wie ich mir ein Eis kaufen w\u00fcrde. Unter einigen irritierten Blicken, verlie\u00df ein Zw\u00f6lfj\u00e4hriger gl\u00fccklich grinsend die Versammlung, in dem Wissen einen gute Investition get\u00e4tigt zu haben.<br \/>\nDie Kisten musste ich an einem anderen Tag abholen, das ging mit dem Fahrrad schlie\u00dflich alles nicht.\u00a0Mein Taschengeld wurde der\u00a0Gemeinde in Schlesien gespendet,\u00a0was aber nie eine Rolle spielte.\u00a0Was jedoch sehr wohl eine Rolle spielte:\u00a0Meine Ansammlung von bemalten Tellern. Meistens waren sie nicht sonderlich h\u00fcbsch\u00a0anzusehen oder besonders interessant von den Motiven oder Pl\u00e4tzen, Figuren oder St\u00e4dten, denen sie huldigten, aber das machte nichts. Sie hatten jeder ihre eigene Geschichte und nun waren sie beinahe alle versammelt auf unserem Dachboden, und das war nun Teil ihrer Geschichte. Poliert, sortiert, umsortiert und in Kisten gepackt. Abwechselnd sortierte ich nach Jahreszahlen, Sonderausgaben, Erstausgaben, Motivserien (Tiere, Kircht\u00fcrme, Blumen, Stadtbilder, Jahreszeiten, usw.), Herkunft der Porzellanmanufaktur, Farben usw..<br \/>\nJa, das war vielleicht eine Arbeit. Meine Mutter fand sp\u00e4ter noch verborgene Sch\u00e4tze unter dem l\u00e4stigen Beifang, so hatte jeder etwas davon.<\/p>\n<p>Ein halbes Jahr sp\u00e4ter, als mein Vater meinte, das mit den Kisten n\u00e4hme aus Gr\u00fcnden\u00a0\u00dcberhand, sa\u00df ich stolz wie Oskar auf dem Gl\u00fcckst\u00e4dter Kinderflohmarkt und hatte die bestsortierteste Sammelteller-Sammlung der ganzen Stadt auf meiner Decke anzupreisen, w\u00e4hrend andere sich andere blo\u00df von ihren Pokemon-Karten trennten.<\/p>\n<p>Nun ja, dieser Fakt wurde nicht mit\u00a0au\u00dferordentlichem Interesse \u00fcbersch\u00fcttet, nur ab und zu blieb jemand stehen, um Fachgespr\u00e4che anzufangen oder nach einem bestimmten Teller zu suchen. Ansonsten blieben blo\u00df Blicke f\u00fcr den jungen Mann mit den bunten Tellern. Am Abend des Kinderflohmarktes der Matjeswochen diesen Jahres hatte ich zwei Omas sehr gl\u00fccklich gemacht und nun\u00a0fand sich\u00a0ein gro\u00dfz\u00fcgiger und interessierter K\u00e4ufer vor meiner Decke ein.\u00a0Woher ich denn so viele von denen h\u00e4tte. Ja, da k\u00f6nnte ich ihm was erz\u00e4hlen, das war vielleicht ein Fang, gab ich zu.<\/p>\n<p>Mein Stand wurde nach kurzer Pr\u00fcfung und vielsagenden Blicken in einem Zug aufgekauft, nachdem die sonstigen Einnahmen und Verkaufsgespr\u00e4che an diesem Tag ehr m\u00e4\u00dfig bis schleppend liefen.<br \/>\nVon dem gewonnen Geld kaufte ich mir einen Sommer lang Eis.<\/p>\n<p>Wer sich nun die ganze Zeit gefragt hat, wie denn so ein Sammelteller aussehen k\u00f6nnte, hier sind die beiden titelgebenden Teller.\u00a0Schluss mit verlogener Zur\u00fcckhaltung: Geschmackstechnisch auf der Pole-Position.<br \/>\nAlle H\u00fcte ab: HERE COMES THE REAL SHIT!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/04\/95botuzglazrjmc8iq1z6o9jltpy3w-pre.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-581\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/04\/95botuzglazrjmc8iq1z6o9jltpy3w-pre-300x300.jpg\" alt=\"95botuzglazrjmc8iq1z6o9jltpy3w-pre\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/04\/95botuzglazrjmc8iq1z6o9jltpy3w-pre-300x300.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/04\/95botuzglazrjmc8iq1z6o9jltpy3w-pre-150x150.jpg 150w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/04\/95botuzglazrjmc8iq1z6o9jltpy3w-pre.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/04\/xpouamwd1ima86skju6c4yti1ox36b-pre.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-582\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/04\/xpouamwd1ima86skju6c4yti1ox36b-pre.jpg\" alt=\"xpouamwd1ima86skju6c4yti1ox36b-pre\" width=\"299\" height=\"299\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich sammel gerne. 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