{"id":543,"date":"2016-03-17T12:46:38","date_gmt":"2016-03-17T16:46:38","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/?p=543"},"modified":"2016-03-21T10:13:14","modified_gmt":"2016-03-21T14:13:14","slug":"ankommen-neuentdecken-geil-ueberraschend-visum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/2016\/03\/17\/ankommen-neuentdecken-geil-ueberraschend-visum\/","title":{"rendered":"Ankommen, Neuentdecken, geil, \u00fcberraschend, Visum"},"content":{"rendered":"<p>Ja, ich k\u00fcmmere mich morgen (wieder) um mein Visum.<br \/>\nNein, ich geh\u00f6re nicht zur neuen Ausreise-Generation, die seit dem 12.M\u00e4rz in aller Welt ist.<\/p>\n<p>Ich lese in vielen Blogbeitr\u00e4gen gerne\u00a0die W\u00f6rter\u00a0<em>Ankommen, Neuentdecken, sch\u00f6n, \u00fcberraschend,<\/em> <em>Visum.<br \/>\n<\/em>Nun gut, vieles trifft nach einem halben Jahr auch auf mich zu, aber im besonderen\u00a0geht es mir im Moment um das letzte Wort: <em>Visum<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/03\/IMG_2556.jpg\" rel=\"attachment wp-att-546\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-546 alignright\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/03\/IMG_2556-300x400.jpg\" alt=\"IMG_2556\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/03\/IMG_2556-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/03\/IMG_2556.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/03\/IMG_2556-750x1000.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Ich habe nun alle meine Papiere zusammen und bin <strong>m<\/strong><em>otiviert<\/em> um 5 Uhr aufgestanden um meine Dokumente bei der Migrationsbeh\u00f6rde abzugeben.<br \/>\nHm, da war jetzt &#8217;ne L\u00fcge dabei: <em>otiviert<\/em> l\u00e4sst sich durch <em>\u00fcde<\/em> austauschen, das m darf bleiben.<br \/>\nUm kurz vor halb sechs stehe ich verschlafen als zehnte\u00a0Person in der Schlange vor der Migrationsbeh\u00f6rde. Dort bleibe ich bis um halb neun, wenn die Beh\u00f6rde ihre T\u00fcren \u00f6ffnet. Ich lasse meinen Blick \u00fcber die Leute schweifen, die schon vor mir sich aufgemacht haben um hier zu Warten. Oder vielleicht einfach gestern nach Schlie\u00dfung der Beh\u00f6rde hier in der Schlange sitzengeblieben und eingeschlafen sind. Einige trinken Tee, andere schlafen, wieder andere unterhalten sich mit Sitznachbarn \u00fcber ihr Leid.<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen kommen andere Menschen angehastet, fragen (meist in Anf\u00e4nger-Spanisch) nach dem Ende der Schlange und setzen sich ermattet auf den kalten Boden. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen und so bin ich froh, meine Jacke dabei zu haben, auch wenn es sp\u00e4ter 30\u00b0C werden sollten. Meine Dokumente sind schwer in der Tasche und ich setze mich hin.<br \/>\nAuf den kalten Steinboden, gegen die kalte Wand gelehnt.<br \/>\nZum Gl\u00fcck habe ich einen solchen Berg an Dokumenten beantragt, dass ich mir einen Stuhl basteln kann und nicht im Kalten sitze. Ein US-Amerikaner blickt mich an, z\u00f6gert kurz und tut es mir mit einem zunicken &#8222;<em>gosh great idea man&#8220;<\/em>\u00a0nach.<br \/>\n<em>Scheint wohl jetzt schon wegen Trump hier zu sein.<\/em><br \/>\nDie restlichen Wartenden frieren sich weiter den Arsch ab. Nur einer, mit einem mexikanischem Sombrero auf dem Kopf, hat sich einen Hocker mitgebracht.<br \/>\n<em>Scheint nicht das erste Mal zu warten.<\/em><\/p>\n<p>Weitere Stunden vergehen, ein sehr aufgeregter Uruguayer erscheint und fragt auch <em>genauso<\/em>\u00a0<del>aufgeregt und uruguayisch<\/del> nach dem Ende der Schlange, welches sich mittlerweile um die Ecke verlagert hat. Er wird bis zur \u00d6ffnung der T\u00fcr noch dreimal fragen, ob wir auch alle wegen des Visums hier sind. F\u00fcr diejenigen, die noch nicht so viele aufgeregte Uruguayer sprechen geh\u00f6rt haben: Es klang in etwa so, als wenn ein Schwabe nicht mehr wei\u00df wohin. Kleines Beispiel? Aus <em>fila<\/em>,\u00a0was so etwas wie Warteschlange<em>\u00a0(Reihe)<\/em> bedeutet, wird <em>fischa<\/em>. Aus <em>Playa<\/em> wird <em>Plascha<\/em>. Und das alles mit einem sorgenerf\u00fcllten Gesicht und schlotternden\u00a0Beinen. Das sollte reichen, um sich meinen einzigen Spa\u00df an diesem Morgen vorzustellen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/03\/12768093_1105937369437188_649475730_o.jpg\" rel=\"attachment wp-att-547\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-547 alignleft\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/03\/12768093_1105937369437188_649475730_o-300x225.jpg\" alt=\"12768093_1105937369437188_649475730_o\" width=\"190\" height=\"142\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/03\/12768093_1105937369437188_649475730_o-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/03\/12768093_1105937369437188_649475730_o-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/03\/12768093_1105937369437188_649475730_o.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/03\/12768093_1105937369437188_649475730_o-750x563.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/><\/a>Ansonsten habe ich festgestellt, dass ich Hunde tats\u00e4chlich nicht viel abgewinnen kann. Nicht, dass ich das nicht in meinen t\u00e4glichen Zusammenleben mit f\u00fcnf von ihnen <em>(und einem s\u00fc\u00dfes Rottweiler-Baby, aber das wird ja wahrscheinlich auch noch gr\u00f6\u00dfer..)<\/em> feststellen k\u00f6nnte, aber heute wird es mir besonders deutlich.<br \/>\nAuf dem Weg im Dunkeln f\u00fchlten sich zwei kl\u00e4ffende Stra\u00dfenhunde zu einem Wettrennen mit meinem Fahrrad herausgefordert, was mich leicht aus der Spur brachte, und nun im Park vor der Beh\u00f6rde, ging die Eine unvermittelt\u00a0weg, als der Andere mit ihr Sex hatte.<br \/>\n<em>Wirklich\u00a0nicht so das Verhalten, was\u00a0mir zusagt.<\/em><\/p>\n<p>Gut, es wird also endlich 8.30 und ich bekomme eine Marke mit der <em>Nummer 10<\/em> zugewiesen und bin sofort an einem Schalter mit einem Mitarbeiter bedient. Ich gr\u00fc\u00dfe freundlich, gebe meine Dokumente ab und warte auf seinen pr\u00fcfenden Blick. Dieser wird geblickt und es folgt ein kritisches Kopfsch\u00fctteln. Innerlich zittere ich nun wie der Uruguayer und warte auf ein erl\u00f6sendes Zeichen. Doch es kommt nur der ersch\u00fctternde Satz: &#8222;Diese Dokumente sind ung\u00fcltig, sie haben eine G\u00fcltigkeit von 90 Tagen.\u00a0Sie werden sie neu beantragen m\u00fcssen.&#8220;<\/p>\n<p>Man stelle sich das vor: Sie\u00a0haben l\u00e4nger als drei Monate von der ersten bis zur\u00a0letzten Unterschrift auf diesen nutzlosen Bl\u00e4ttern gebraucht und nun\u00a0darf ich\u00a0erneut so lange um Unterschriften auf nutzlosen Bl\u00e4ttern bitten, bis auch die letzten nutzlosen Bl\u00e4tter\u00a0abgelaufen sind und ich diese neu beantragen darf. \u00a1Carajo!<br \/>\nUnd als Sahneh\u00e4ubchen habe ich auf diese Erkenntnis\u00a0drei\u00a0Stunden\u00a0gewartet.<\/p>\n<p>Das checke ich jedoch erst, als ich auf meinem Fahrrad sitze. \u00dcberlege kurz, ob diese Erkenntnis es wert ist die Migrationsbeh\u00f6rde anzuz\u00fcnden oder zu mindestens dem Sachbearbeiter gr\u00fcndlich meine Meinung zu geigen, entscheide mich jedoch gegen beide Optionen.<br \/>\nEs ist alles ein Witz. Und zwar leider ein sehr schlechter.<\/p>\n<p>Jetzt geht es nur noch mit <em>Geld<\/em> voran. Vielleicht sogar schneller als gedacht. Am n\u00e4chsten Mittwoch l\u00e4uft mein Tourismus-Visum ab und ich ben\u00f6tige\u00a0dringend etwas\u00a0neues.<br \/>\nIch habe einen <em>gutvernetzten<\/em> Anwalt empfohlen bekommen und ich ihm meinen Pass und mein Geld gegeben.<\/p>\n<p>So sind hoffentlich bald nur noch die W\u00f6rter\u00a0<em>Ankommen, Neuentdecken, geil, \u00fcberraschend <\/em>zutreffend<em>.<\/em><\/p>\n<p>Zum Abschluss noch ein s\u00fc\u00dfes Hundebild, weil sie\u00a0so s\u00fc\u00df ist:<\/p>\n<div id=\"attachment_548\" style=\"width: 358px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/03\/12765569_1105589599471965_210223536_o.jpg\" rel=\"attachment wp-att-548\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-548\" class=\"wp-image-548\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/03\/12765569_1105589599471965_210223536_o-300x225.jpg\" alt=\"12765569_1105589599471965_210223536_o\" width=\"348\" height=\"261\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/03\/12765569_1105589599471965_210223536_o-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/03\/12765569_1105589599471965_210223536_o-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/03\/12765569_1105589599471965_210223536_o.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/03\/12765569_1105589599471965_210223536_o-750x563.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 348px) 100vw, 348px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-548\" class=\"wp-caption-text\">Kiera &lt;3 Auch wenn du mein Netzteil-Kabel zerbei\u00dfen musstest, ich mag dich.<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja, ich k\u00fcmmere mich morgen (wieder) um mein Visum. 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