{"id":400,"date":"2016-01-18T17:45:59","date_gmt":"2016-01-18T21:45:59","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/?p=400"},"modified":"2016-01-19T09:29:04","modified_gmt":"2016-01-19T13:29:04","slug":"vielen-dank-fuer-die-einladung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/2016\/01\/18\/vielen-dank-fuer-die-einladung\/","title":{"rendered":"Vielen Dank f\u00fcr die Einladung"},"content":{"rendered":"<p>Alkohol hat mir dann die Angst vor misslungenen S\u00e4tzen genommen. Halt, das ist nicht richtig. Ich habe auch sonst keine Angst vor fehlerhaften S\u00e4tzen, ich plappere einfach drauf los. Nicht, dass ich mir keine Gedanken \u00fcber die Grammatik oder Verst\u00e4ndlichkeit mache. Doch der Alkohol verschafft meiner Zunge einen Vorteil von Sekunden und noch ehe ich dar\u00fcber nachdenken kann, wie richtig oder falsch die Grammatik sein wird, habe ich sie schon ausgesprochen.<\/p>\n<p>So war es jedenfalls auf der Hochzeit, auf der ich k\u00fcrzlich eingeladen war.<br \/>\nVorweg: Es war sehr sch\u00f6n!<\/p>\n<p>In den Tanzpausen habe ich dann etwas <em>Grammatik-Lockerer<\/em> zu mir genommen und meinen Energietank auff\u00fcllen k\u00f6nnen. Und mit neuen Freunden von der Tanzfl\u00e4che Geschichten am Festtisch ausgetauscht. Dann setzte die Musik wieder ein und ich war so wunderbar gl\u00fccklich, mit meiner Tanzpartnerin in den Armen, mittendrin. Wir haben die Schritte nicht immer ernst genommen, und trotzdem ernsthaft fr\u00f6hlich getanzt. Mir zwinkerten viele Leute anerkennend oder aufmunternd zu, nicht immer ganz leicht zu unterscheiden.<\/p>\n<h2>Verst\u00e4ndnisvoll<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/01\/12606940_10152824125939567_1391999947_n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-405 alignleft\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/01\/12606940_10152824125939567_1391999947_n-300x300.jpg\" alt=\"12606940_10152824125939567_1391999947_n\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/01\/12606940_10152824125939567_1391999947_n-300x300.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/01\/12606940_10152824125939567_1391999947_n-150x150.jpg 150w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/01\/12606940_10152824125939567_1391999947_n.jpg 581w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Sie hatte mich eingeladen auf diese Hochzeit lauter Fremder, auf der eigentlich ich der Fremde war. Ich bin ihr daf\u00fcr sehr dankbar, denn wir hatten unglaublich viel Spa\u00df. Unter all den Leuten habe ich mich sehr wohl gef\u00fchlt. In einer Tanzpause antwortete sie mir auf meinen Halbsatz \u201e <em>\u2026 jaja, mein spanisch ist echt nicht so gut, wird schon noch\u2026<\/em>\u201c Es w\u00e4re schon okay, sie w\u00fcrde schlie\u00dflich verstehen, was ich meinte. Aber ich k\u00f6nne eben nicht wirklich sagen, was ich meinte, wie k\u00f6nne sie dann verstehen, was ich meinen w\u00fcrde?<br \/>\nDen Satz hat sie dann nicht verstanden. War grammatikalisch auch\u00a0echt knifflig. Ein einleuchtendes Nicken erhielt ich nach zwei Minuten der Versuche mich auszudr\u00fccken dann aber doch: Die Hauptsache w\u00e4re doch, dass ich jetzt hier sitzen w\u00fcrde, nach 4 Monaten mich in einer neuen Sprache verst\u00e4ndigen k\u00f6nne und dabei Spa\u00df h\u00e4tte. Oder Spa\u00df machte, da war ich mir nicht sicher.<br \/>\nIn diesem Moment wurde mir klar, dass ich, solange ich mich nicht anst\u00e4ndig ausdr\u00fccken k\u00f6nnen w\u00fcrde, hier keine ernsthafte Beziehung aufbauen konnte. Aber f\u00fcrs Gespr\u00e4ch zwischen dem Tanzen reichte es zum Gl\u00fcck und wir verstanden uns &#8211; im wahrsten Sinne des Wortes \u201everstehen&#8220; &#8211; tats\u00e4chlich erfreulich ausgezeichnet.<br \/>\nNachdem F\u00fcnfzehn Minuten um waren und die Phase des Tanzens erneut begann, waren wir wieder auf der Tanzfl\u00e4che. Diesmal sehr schnell, ja sogar Polka spielte die Live-Band.<\/p>\n<h2>Auf ein\u00a0Bier<\/h2>\n<p>Leicht verschwitzt und mittlerweile ohne Krawatte wurde ich auf der Toilette angesprochen. Ein \u00e4lterer Herr, ebenfalls verschwitzt vom Tanzen, aber noch mit Krawatte, fragte mich, wie ich denn \u201e<em>so<\/em>\u201c tanzen k\u00f6nne. Das habe er ja noch nie gesehen. Tja, was soll man darauf antworten. Ich entschied mich verlegen f\u00fcr ein schlichtes \u201e<em>gracias<\/em>\u201c und stellte mich vor. Und wenn ich also aus Deutschland komme, ob ich denn aus<em> Alemania Occidental<\/em> oder <em>Alemania Oriental<\/em>\u00a0k\u00e4me? Na gut, also Ost und West ist Geschichte in Deutschland, eigentlich komme ich aus der N\u00e4he von Hamburg. Und ja, er d\u00fcrfe mich sehr gerne auf ein Bier einladen. <em>Deutsche lieben Bier,<\/em> verk\u00fcndigte ich vollmundig. Schnell schob ich nach: \u201e<em>Das gilt vor allem erstmal f\u00fcr mich, vom Tanzen bekomme ich so einen schrecklichen Durst<\/em>.\u201c<br \/>\nWir sprachen \u00fcber die Vertrauensw\u00fcrdigkeit der Nord-Amerikaner, den Kapitalismus, die Olympia-Bewerbung und Fu\u00dfball in Deutschland, den Bergbau und das Alkoholproblem der bolivianischen Gesellschaft. Gro\u00dfe Themen f\u00fcr mich. Immerhin hatte ich keine grammatikalischen Bedenken mehr. Wobei ich nach 20 Minuten zugeben musste, dass ich mich schriftlich sicherlich besser ausdr\u00fccken k\u00f6nne, wir k\u00f6nnten per Mail in Kontakt bleiben. Das nahm er gerne an und konnte sich die Frage nach meinem Alter anscheinend doch nicht verkneifen. 20, sagte ich. Mit erstauntem Blick verabschiedete er sich auf die Tanzfl\u00e4che. Heute hat er das erste Mal geschrieben. Gegen den Kapitalismus, gegen die Amerikaner. F\u00fcr das Grundeinkommen, f\u00fcr Freiwilligendienste im Ausland. Mal sehen, was da noch so kommt.<\/p>\n<p>Ja, so eine Hochzeitsfeier ist etwas Sch\u00f6nes. Der kirchliche Part der Trauung war recht \u00e4hnlich wie bei der letzten Hochzeit bei der ich war, nur katholischer, aber das macht ja nichts.<\/p>\n<h2>Das Ende vom Lied<\/h2>\n<p>Als um halb drei das Gasthaus schlie\u00dfen wollte und wir die Tanzfl\u00e4che r\u00e4umten, wurde ich eingeladen mit der restlichen Familie, die noch nicht ausreichend zu Ehren des Ehepaars getanzt hatte, in die Zona Sur zu fahren. Dort g\u00e4be es einen Onkel und mehr Bier. Mit den Cousins meiner Tanzpartnerin ging es mit dem Auto (<em>wer auch immer das noch fahren durfte<\/em>) los quer durch die Stadt und eine halbe Stunde sp\u00e4ter wurde die erste Bierdose am Sofatisch ge\u00f6ffnet. Zu lauter <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Cumbia\">Cumbia-Musik<\/a> haben wir bis in den Morgen gefeiert und um acht, als das Fr\u00fchst\u00fcck aufgetischt wurde, verabschiedete ich mich. Ich sei bald wieder willkommen und es sei eine gute Entscheidung gewesen mich eingeladen zu haben. Sowas h\u00f6rt man gerne \ud83d\ude42<br \/>\nDas gute am langen Feiern, abgesehen von dem langen Feiern, ist, dass man morgens einfach mit den \u00d6ffentlichen zur\u00fcck fahren kann und sich das Taxi spart.<\/p>\n<p>Ein langer Text f\u00fcr eine lange Nacht &lt;3<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/01\/12583840_10152824131344567_1933956623_n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-404\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/01\/12583840_10152824131344567_1933956623_n-300x169.jpg\" alt=\"12583840_10152824131344567_1933956623_n\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/01\/12583840_10152824131344567_1933956623_n-300x169.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2016\/01\/12583840_10152824131344567_1933956623_n.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alkohol hat mir dann die Angst vor misslungenen S\u00e4tzen genommen. 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