{"id":248,"date":"2015-12-19T13:54:22","date_gmt":"2015-12-19T17:54:22","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/?p=248"},"modified":"2015-12-31T13:01:49","modified_gmt":"2015-12-31T17:01:49","slug":"tourismus-trifft-auf-tradition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/2015\/12\/19\/tourismus-trifft-auf-tradition\/","title":{"rendered":"Tourismus trifft auf Tradition"},"content":{"rendered":"<p><em>Reiseblog #5\u00a0<\/em><br \/>\nIn der N\u00e4he von Cusco, 17\/12\/15<br \/>\n<a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/12\/IMG_0521.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-303 alignleft\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/12\/IMG_0521-300x225.jpg\" alt=\"IMG_0521\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/12\/IMG_0521-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/12\/IMG_0521-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/12\/IMG_0521.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Wir sind unterwegs mit einem Pass, welcher den Eintritt zu kleineren Inka-St\u00e4tten mit einem Guide erm\u00f6glicht. 130 Soles kostet er, nicht gerade wenig, etwa f\u00fcnf Hosteln\u00e4chte. Die Stopps sind so geplant, dass die \u00f6rtlichen M\u00e4rkte mit ihrem farbenfrohen Kunsthandwerk von uns profitieren, ich vermute eine Absprache, kann es aber niemanden anlasten. Sie sind gef\u00fcllt mit Ohrringen, bunten T\u00fcchern, selbstgestrickten Lamapullis und Schals, mystischen Quarzen, bestickte oder bemalte Leinw\u00e4nde und vielem Mehr.<\/p>\n<p>Ich aber habe genug von den &#8222;amigo, amigo&#8220;-Rufen der Verk\u00e4ufer*innen und ausserdem Hunger. Also suche ich nach Empanadas und lasse den Einkaufsrummel hinter mir. Ich finde ein Haus am Fluss vor der Ortschaft und trete hungrig ein. Vor der Br\u00fccke steht ein Schild, das mich gl\u00fccklich macht: Hay Empandas!<br \/>\nHinter der Br\u00fccke treffe ich auf Juliana, sie ist klein, Mitte 40 und lebt in diesem Haus\u00a0mit ihren vier Kindern. Sie verkaufe\u00a0hier\u00a0vier Sorten, alle mit Quinoa gebacken und gef\u00fcllt von s\u00fcss bis herzhaft. Fabelhaft, denke ich und fange an zu probieren. Sie lacht \u00fcber mein Gesicht, als ich den mit Fricasee im Mund habe,\u00a0ich hatte die Sch\u00e4rfe erst bei dem Exemplar &#8222;picante&#8220; erwartet..<br \/>\nWir kommen ins Gespr\u00e4ch, so gut das mit meinem castellano eben zul\u00e4sst, es\u00a0scheint ihr recht zu sein. &#8222;Normalerweise&#8220;, beginnt sie, &#8222;muss ich keine Empanadas verkaufen, ich bin B\u00e4uerin. Nichts ist einfach im Moment, es fehlt der Regen hier&#8220;. Ich bin froh, dass ich mich nicht lange vorstellen muss oder eine Frage formulieren muss und h\u00f6re zu. Sie wirft ihr Gesicht in Falten, &#8222;Es h\u00e4tte schon den ganzen Dezember regnen m\u00fcssen, aber es ist einfach nur trocken&#8220;, nein, ob das mit El Ni\u00f1o zusammenh\u00e4nge, wisse sie jetzt auch nicht. Dann deutet sie auf den flackernden Ofen, &#8222;Hier backe ich die Empanadas aus unserem Quinoa mit meinen S\u00f6hnen und T\u00f6chtern.&#8220;\u00a0Ihr Mann habe eine Arbeit auf dem Bau in Cusco gefunden. In der Stadt werde immer gebaut. &#8222;Wenn der Regen kommt, ist er wieder da, dann k\u00f6nnen wir unser Land bewirtschaften. Dann kann ich das tun, was ich gerne tue. Tourismus ist anstrengender als Landwirtschaft. Weil\u00a0man viel\u00a0daran verdienen kann, versuchen viele\u00a0ihr Gl\u00fcck als Touranbieter, Schmuckverk\u00e4ufer oder als Bedienung in einem neuer\u00f6ffnenten Restaurant.&#8220; Ich zeige auf meinen Lama-Pulli, den ich zwei D\u00f6rfer weiter in einem schwachen Moment bei 40% Preisnachlass gekauft habe. Sie nickt und sagt, die Gewinnspanne sei sehr hoch, bei solchen Podukten, besonders wenn sie von Hand gefertigt wurden. Es wundere sie nicht, dass der Verk\u00e4ufer soweit runtergehen konnte mit dem Preis. Die Touristen k\u00fcmmere es nicht, ob sie 200 Soles oder 120 Soles ausgeben. Dass man von den 80 Soles mindestens 6 Mal ein Menu (sopita, segundo, refresco) in einem Restaurant essen kann, bemerkten viele nicht. Sie w\u00fcrden\u00a0nur denken: 54,50\u20ac f\u00fcr einen selbstgestrickten Pullover aus Baby-Alpaka ist ein guter Preis, g\u00fcnstiger als Kaschmir-Pullover bei Zalando.\u00a0So oder so \u00e4hnlich ist es bei mir angekommen, als sie ihre spanischen S\u00e4tze auf die Reise zu meinen Ohren schickte.<br \/>\nDie\u00a0Kinder haben gerade Sommerferien und helfen ihrer\u00a0Mutter beim Backen und Verkaufen. Aber auf dem Feld k\u00f6nnten sie ihr viel mehr helfen, auch deswegen erwartet sie den Regen. &#8222;Bald ist es vielleicht schon zu sp\u00e4t f\u00fcr eine gute Ernte.&#8220; Ob sie schon f\u00fcr den Regen gebetet habe, frage ich. Sie schaut mich b\u00f6se an und sch\u00fcttelt den Kopf, was habe ich den f\u00fcr eine Vorstellung von ihrer Kultur. Sie hat nat\u00fcrlich Recht, ich habe keine Ahnung von der Kultur der Menschen in den Anden.<\/p>\n<p>Aber nun habe ich einen Einblick erhalten und sie l\u00e4chelt wieder, wie k\u00f6nnte ich auch, nach drei Monaten in Lateinamerika, sagt sie vers\u00f6hnlich. Ich kaufe noch einen Empanada f\u00fcr den Weg und setze mich wieder in den Bus zur n\u00e4chsten Inkast\u00e4tte. Wie die Anderen. Und weg bin ich, verschwunden aus Julianas Welt, aber mit einem Teil davon im Gep\u00e4ck zu anderen\u00a0Orten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/12\/IMG_0661.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-305 aligncenter\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/12\/IMG_0661-300x225.jpg\" alt=\"IMG_0661\" width=\"339\" height=\"254\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/12\/IMG_0661-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/12\/IMG_0661-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/12\/IMG_0661.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 339px) 100vw, 339px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reiseblog #5\u00a0 In der N\u00e4he von Cusco, 17\/12\/15 Wir sind unterwegs mit einem Pass, welcher den Eintritt zu kleineren Inka-St\u00e4tten mit einem Guide erm\u00f6glicht. 130 Soles kostet er, nicht gerade wenig, etwa f\u00fcnf Hosteln\u00e4chte. 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