{"id":11,"date":"2015-10-01T22:41:44","date_gmt":"2015-10-01T20:41:44","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/?p=11"},"modified":"2016-05-20T10:23:31","modified_gmt":"2016-05-20T14:23:31","slug":"zwischen-melonen-und-vertretungsunterricht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/2015\/10\/01\/zwischen-melonen-und-vertretungsunterricht\/","title":{"rendered":"Zwischen Melonen und Vertretungsunterricht"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/10\/IMG_9599.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-31 alignleft\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/10\/IMG_9599-300x448.jpg\" alt=\"IMG_9599\" width=\"313\" height=\"467\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/10\/IMG_9599-300x448.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/10\/IMG_9599-686x1024.jpg 686w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/10\/IMG_9599-750x1119.jpg 750w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/10\/IMG_9599.jpg 1287w\" sizes=\"(max-width: 313px) 100vw, 313px\" \/><\/a>Erster Oktober, die Sonne scheint, ich musste heute nicht arbeiten, weil ich mit anderen deutschen Freiwilligen einen weiteren Schritt in Richtung Aufenthaltsgenehmigung gehen\u00a0musste. Schreib&#8216; ich doch zwischendurch mal was f\u00fcr meinen Blog..<\/p>\n<p>Eben war ich\u00a0auf der Cancha, einer der gr\u00f6\u00dften M\u00e4rkte in ganz Lateinamerika. Es gibt viel, es gibt mehr, es gibt eigentlich alles. Von Zahnb\u00fcrsten \u00fcber Rinderzungen bis zu selbstgestrickten Wollm\u00fctzen ist f\u00fcr jeden Einkaufenden etwas dabei. Frisches Gem\u00fcse, Mango und Papaya, Lamafleisch und Gew\u00fcrze: In den\u00a0zwei Wochen habe ich schon einiges gekauft. Nein, nat\u00fcrlich nicht das Lamafleisch.<br \/>\nIch\u00a0habe noch keinen \u00dcberblick \u00fcber das Wirrwarr der St\u00e4nde und das Handeln der Verk\u00e4ufer*innen. Es sind\u00a0\u00fcberwiegend\u00a0Frauen, die dort zwischen Paprika und Tomaten sitzen oder Armbanduhren und Handys verkaufen.<\/p>\n<p>Einige traditionell gekleidete Frauen tragen Kinder oder Lebensmittel in gro\u00dfen, bunten Schultert\u00fcchern. Sie werden\u00a0Cholitas genannt, was urspr\u00fcnglich ein abwertender Ausdruck f\u00fcr Kinder von spanischen und indigenen Eltern war. In einigen Regionen wird der Begriff als rassistisch empfunden, in anderen geh\u00f6rt er meines Wissens zur Eigenbezeichnung. Ich glaube, die Tradition der H\u00fcte sind\u00a0beeinflusst\u00a0von den spanischen Kolonialherren. \u00a0Im 19. Jahrhundert war der &#8222;Sombrero Madrid&#8220; f\u00fcr eine solche Frau in Mode, heute ist es die Melone. Moment mal, was? Ist die Melone nicht etwas urbritisches?<\/p>\n<div id=\"attachment_53\" style=\"width: 336px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/10\/IMG_9592.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-53\" class=\" wp-image-53\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/10\/IMG_9592-300x200.jpg\" alt=\"Kleine St\u00e4nde am Stra\u00dfenrand k\u00fcndigen den Anfang der Cancha an.\" width=\"326\" height=\"217\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/10\/IMG_9592-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/10\/IMG_9592.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/10\/IMG_9592-750x500.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 326px) 100vw, 326px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-53\" class=\"wp-caption-text\">Kleine St\u00e4nde am Stra\u00dfenrand k\u00fcndigen den Anfang der Cancha an.<\/p><\/div>\n<p>Eine Geschichte lautet, dass ein italienischer Hutmacher eine Lieferung Herrenh\u00fcte nach Bolivien exportierte, aber unter den M\u00e4nnern keine Abnehmer finden konnte. Wenig sp\u00e4ter wurden die H\u00fcte als letzter Schrei aus Italien an Frauen der Quechua und Aymara verkauft. Bis heute tragen viele Frauen hier einen solchen Hut, wobei das in La Paz noch \u00fcblicher sein soll als in Cochabamba. Hier tragen auch viele den leichten, wei\u00dfen Strohhut (wie auf dem Bild). H\u00fcte sind wegen der Sonne von Nutzen, aber geh\u00f6ren eben auch zur Kultur. Ich habe H\u00fcte f\u00fcr etwa 40\u20ac gesehen, ganz sch\u00f6n viel Geld f\u00fcr viele Frauen auf dem Markt, denke ich mir.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Einkauf: Wir haben eingekauft, was wir brauchten und haben danach eine leckere Gem\u00fcsereispfanne gekocht. Von unserem Haus aus f\u00e4hrt man etwa eine halbe Stunde zum Markt.<br \/>\n\u00dcbrigens: Man kann auch Brot kaufen, also wenn man will. Sogar K\u00f6rnerbrot, nat\u00fcrlich kein Pumpernickel, aber mehr als Wei\u00dfbrot. Man muss nur bereit sein etwas Geld auszugeben, aber das verdiene ich ja schlie\u00dflich. Ich lebe hier ziemlich gut, kann mir also nicht nur Alkohol sondern auch K\u00e4se und Brot leisten. Einige deutsche Sparf\u00fcchse leisten sich so etwas nicht. Ich will aber einfach nicht am Essen sparen.<\/p>\n<p>Gestern hatte ich das erste Mal Sprachkurs. Die Sprachlehrerin Evelyn ist eine liebe Frau, die mir mit Geduld und Spa\u00df die spanische Grammatik beibringen m\u00f6chte: Gerne, ich gebe mir M\u00fche! Aus ihrem Unterricht kann ich bestimmt sogar einige Dinge in meinen Unterricht mitnehmen, ich schreibe also flei\u00dfig in meinem kleinen B\u00fcchlein mit. Auf die anderen Seiten schreibe ich n\u00e4mlich mittlerweile auch die Dinge, die ich in den anderen Klassen versucht habe zu unterrichten.<br \/>\nWo wir gerade bei der Schule sind, es gibt da einen Trick: Wenn ich die Kinder bitte, etwas von der Tafel abzuschreiben und dabei Musik anmache, sind sie ruhig, konzentrieren sich aufs Abschreiben und quatschen nicht, sondern h\u00f6ren die Musik. Fettes Brot oder Die \u00c4rzte sind daf\u00fcr nicht so\u00a0geeignet, Mighty Oaks und Tonbandger\u00e4t schon \ud83d\ude42 Sobald die Musik aus ist, wissen alle, dass es weitergeht und sind ruhig. Ansonsten habe ich gerade viel zu tun, weil diese Woche eine Deutschlehrerin auf einen Kongress in Chile unterwegs ist und ich sie vertrete. Komplett. 22 Stunden. Klingt jetzt erstmal gar nicht so viel, aber wenn du Unterricht f\u00fcr mehrere Klassen und die Nachhilfestunden vorbereiten sollst, dann sind diese 45-min-Onemanshows anstrengend. Also, ich lasse auch die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler zu Wort kommen, aber so ganz ungezwungen kommt das selten vor. Ich werfe den Redeball durch die Klasse und genie\u00dfe die ruhigen Minuten, wenn sie sprechen. \u201eAm Montag habe ich in der 4. Stunde Sport. Was hast du am Mittwoch in der 2. Stunde?\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_51\" style=\"width: 296px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/10\/IMG_9653.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-51\" class=\" wp-image-51\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/10\/IMG_9653-300x200.jpg\" alt=\"Eine Wiese, nahe der Schule. \" width=\"286\" height=\"190\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/10\/IMG_9653-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/10\/IMG_9653.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/cochabamba\/files\/2015\/10\/IMG_9653-750x500.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 286px) 100vw, 286px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-51\" class=\"wp-caption-text\">Eine Wiese, nahe der Schule.<\/p><\/div>\n<p>Im n\u00e4chsten Post erz\u00e4hle ich mal was von meinem Salsakurs, warum ich eigentlich nicht in Deutschland bin und wie meine Wanderung auf 4000m war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erster Oktober, die Sonne scheint, ich musste heute nicht arbeiten, weil ich mit anderen deutschen Freiwilligen einen weiteren Schritt in Richtung Aufenthaltsgenehmigung gehen\u00a0musste. 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