{"id":59,"date":"2019-11-23T13:00:08","date_gmt":"2019-11-23T12:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/clarainmexiko\/?p=59"},"modified":"2026-07-30T14:08:59","modified_gmt":"2026-07-30T12:08:59","slug":"kein-ende-in-sicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/clarainmexiko\/2019\/11\/23\/kein-ende-in-sicht\/","title":{"rendered":"Kein Ende in Sicht&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Nach den letzten Wochen dachte ich eigentlich, dass es nicht schlimmer kommen kann. Aber es geht und zwar das schlimmste, was ich mir je h\u00e4tte vorstellen k\u00f6nnen. Meine Oma ist am 19. November im Alter von 96 Jahren gestorben.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df gar nicht, was ich sagen oder f\u00fchlen soll. Um ehrlich zu sein, haben meine Familie und ich uns schon seit l\u00e4ngerem darauf versucht vorzubereiten und an den Gedanken zu gew\u00f6hnen, aber nat\u00fcrlich kann man sich darauf nie vorbereiten und ich bin unendlich traurig und geschockt.<\/p>\n<p>Nach einer Nachricht meiner Schwester, dass sie meine Oma im Pflegeheim besucht hatte und sie sich weigerte, etwas zu essen, zu trinken und zu reden, wusste ich irgendwie, dass etwas nicht in Ordnung ist&#8230; also noch weniger als sonst. Sie a\u00dfen wohl noch ein St\u00fcck Kuchen zusammen und meine Oma sagte, wie gut ein Glas Sekt dazu passen w\u00fcrde und dann schlief sie ein und wachte nicht mehr auf. Eigentlich ein sch\u00f6ner Tod.<\/p>\n<p>Bereue ich es, nicht bei ihr gewesen zu sein in den letzten zwei Monaten? Nein. Ich wei\u00df, dass meine Oma sich so gefreut hat, dass ich die M\u00f6glichkeit habe nach Mexiko zu gehen und das sie so stolz auf mich war. Am selben Tag, als ich nach Guadalajara geflogen bin, habe ich sie nochmal im Pflegeheim besucht. Als ich ihr erz\u00e4hlte, dass wenn ich n\u00e4chstes Jahr im August zur\u00fcck komme sie 97 Jahre alt ist, sagte sie &#8222;Das ist zu alt&#8230; das mach ich nicht.&#8220; und sp\u00e4testens da hatte ich die be\u00e4ngstigende Vorstellung sie nicht mehr wiederzusehen. Ich umarmte sie ganz fest und sagte ihr, dass ich sie unglaublich doll lieb habe und sie dr\u00fcckte meine Hand so fest sie es konnte.<\/p>\n<p>Was mache ich jetzt also? &#8222;Fliegst du zur\u00fcck nach Deutschland?&#8220;, fragte mich Isabell eigentlich sofort nachdem ich auf einmal weinend im Kindergarten vor ihr stand und erz\u00e4hlte, was passiert war. Und ich glaube ja. Es w\u00fcrde sich f\u00fcr mich einfach falsch anf\u00fchlen, es nicht zu tun. Ich wei\u00df nicht wann und ich wei\u00df nicht f\u00fcr wie lange und ich muss auch erst mal mit meinen Eltern, der Schule und kulturweit reden. Denn, wenn ich zur\u00fcck nach Deutschland fliege, m\u00f6chte ich vermutlich auch \u00fcber Weihnachten bleiben. Auch, wenn das \u00fcberhaupt nicht der Plan war. Aber ich m\u00f6chte auch unbedingt wieder zur\u00fcck nach Mexiko. Ich habe mein Leben hier, trotz der ganzen Strapazen so lieb gewonnen und ich k\u00f6nnte mir nicht vorstellen, alles jetzt einfach abzubrechen. Der Gedanke nicht wieder zur\u00fcck zu kommen, ist genauso komisch wie wieder nach Deutschland zu fliegen, wenn man sich eigentlich darauf eingestellt hat ein ganzes Jahr zu bleiben. Ich wei\u00df aber auch, dass ich alles andere bereuen w\u00fcrde. Ob ich es auch mache, oder machen darf, ist noch etwas anderes, aber es w\u00e4re mein Wunsch.<\/p>\n<p>Am Freitag fliege ich erst mal nach Kolumbien zum Zwischenseminar und dann sehe ich weiter.<\/p>\n<p>Ich hab dich ganz doll lieb Omi.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach den letzten Wochen dachte ich eigentlich, dass es nicht schlimmer kommen kann. Aber es geht und zwar das schlimmste, was ich mir je h\u00e4tte vorstellen k\u00f6nnen. Meine Oma ist am 19. November im Alter von 96 Jahren gestorben. Ich wei\u00df gar nicht, was ich sagen oder f\u00fchlen soll. 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