{"id":49,"date":"2019-11-09T13:00:17","date_gmt":"2019-11-09T12:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/clarainmexiko\/?p=49"},"modified":"2026-07-30T14:09:00","modified_gmt":"2026-07-30T12:09:00","slug":"praegende-ereignisse-rueckblick-monat-zwei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/clarainmexiko\/2019\/11\/09\/praegende-ereignisse-rueckblick-monat-zwei\/","title":{"rendered":"pr\u00e4gende Ereignisse &#8211; R\u00fcckblick Monat Zwei"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe das Gef\u00fchl, dass diesen Monat drei sehr pr\u00e4gende beziehungsweise wichtige Dinge passiert sind.<\/p>\n<p>In chronologischer Reihenfolge:<\/p>\n<p>Wie ich in meinem letzten Post schon kurz erw\u00e4hnt habe, war ich in den Herbstferien mit meiner Gastfamilie in Bucerias, einem Ort in der N\u00e4he von Puerto Vallarta. Dort, wo das salzige Wasser des Pazifiks an den Strand trifft.<\/p>\n<p>Und als ich dort so im Meer stand. Umgeben von den hohen Bergen und Palmen, versp\u00fcrte ich nicht nur das Gef\u00fchl von unglaublicher Dankbarkeit, sondern auch Vertrauen.<\/p>\n<p>Denn so poetisch und bescheuert, wie es auch klingt: Jedes Mal, wenn mich eine der gro\u00dfen Wellen hochriss und ich den Boden nicht mehr unter den F\u00fc\u00dfen sp\u00fcrte, konnte ich mir trotzdem sicher sein, dass ich wieder sicher auf dem Boden abgesetzt werde. Egal, wie hoch die Welle und egal, wie sehr ich es wollte oder nicht. Und in diesem Moment dachte ich mir, wieso nur der Welle trauen und nicht gleich dem ganzen Leben. Wieso mir den Kopf zerbrechen, wenn ich auch einfach tief durchatmen und mir sicher sein kann, dass am Ende des Tages schon irgendwie alles gut sein wird. Und um ehrlich zu sein hat mir diese Denkweise bis jetzt so viel Gutes, Zuversicht und innere Ruhe gebracht.<\/p>\n<p>Wie zum Beispiel bei \u201eGeschehnis\u201c Nummer zwei.<\/p>\n<p>Ich will meinen Blog offen gestalten. Nicht jeder Tag meines Lebens in Mexiko ist perfekt, auch wenn ich hier sehr gl\u00fccklich bin. Es gibt wie im Ozean, wie eine Welle immer H\u00f6hen und Tiefen und ich gebe zu, dass ich letzte Woche ein kleines Tief hatte. Beziehungsweise einfach etwas, dass mich sehr besch\u00e4ftigt hat.<\/p>\n<p>An einem Sonntagmorgen (um genau zu sein den 27. Oktober) hatte ich, nach einer gewissen Partynacht zu der ich sp\u00e4ter noch kommen werde, ein Gespr\u00e4ch mit meiner Gastfamilie.<\/p>\n<p>Es ging haupts\u00e4chlich um das bekannte Problem mit meinem Gastbruder, welches ich schon etwas in dem Blogeintrag \u00fcber meine Gastfamilie (Klick!) erw\u00e4hnt habe. Im Folgenden m\u00f6chte ich keinen als schuldig darstellen, sondern will lediglich das Gespr\u00e4ch und meine Emotionen dabei schildern.<\/p>\n<p>Meiner Gastfamilie war n\u00e4mlich auch aufgefallen, dass irgendetwas nicht richtig bei meinem Gastbruder und mir hinhaut. Ich erkl\u00e4rte ihnen die Situation, dass ich manchmal das Gef\u00fchl h\u00e4tte, dass er Angst vor mir h\u00e4tte und mich einfach nicht mag. Zu h\u00f6ren, dass dies stimme, war hart f\u00fcr mich. Insbesondere das Gespr\u00e4ch, was dann folgte, indem mein Gastbruder toll dargestellt wurde und mir das Gef\u00fchl gegeben wurde, dass alles mein Fehler ist und sie total entt\u00e4uscht von mir sind, war sehr \u00fcberraschend f\u00fcr mich\u2026 ein bisschen wie ein Schlag in Gesicht. Schlie\u00dflich hatte ich davor all meinen Freunden und meiner Familie berichtet, wie klasse meine Familie ist, wie super wir uns verstehen und das ich nicht mal Heimweh habe! Zu h\u00f6ren, dass sie nicht dasselbe f\u00fchlen, hatte mich sehr getroffen. Grund daf\u00fcr waren unter anderem, dass ich viel in meinem Zimmer bin und mich zu wenig im Familienleben integriere und dass ich mehr mit Samuel Deutsch \u00fcben und ihn ansprechen soll. Auch wenn ich froh war, dass sie es mir gesagt hatten, musste ich diesen Klo\u00df an Negativem erstmal verdauen.<\/p>\n<p>Samuel war bei dem Gespr\u00e4ch nicht anwesend, sondern bei meiner Gasttante. Nachdem Gespr\u00e4ch sind meine Gasteltern mehr oder weniger vom Fr\u00fchst\u00fcckstisch aufgesprungen und ihn abholen gefahren und ich stand da wie ein begossener Pudel. Ich wusch das Geschirr ab und dachte \u00fcber das nach, was mir gerade passiert ist und konnte nicht anders als zu weinen. Ich war immer noch so \u00fcberrascht, wie ich mich so hatte t\u00e4uschen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich rief meine Familie in Deutschland kurze Zeit sp\u00e4ter an und erkl\u00e4rte ihnen, was passiert ist. Das was mir eigentlich schon klar war, stand nach dem FaceTime-Gespr\u00e4ch fest: Ich musste nochmal mit meiner Gastfamilie \u00fcber alles reden.<\/p>\n<p>Wie ich so war verbrachte ich viel Zeit mit nachdenken, reflektieren und \u00fcberlegen, was und wie ich es am besten sage.<\/p>\n<p>Den Tag darauf sprach ich also meine Gastmutter nach dem Abendbrot nochmal darauf an. Ich erkl\u00e4rte ihr, dass ich das Gef\u00fchl h\u00e4tte sie entt\u00e4uscht zu haben und dass es mir leidtue. Der Grund, wieso ich bei geschlossener T\u00fcr in meinem Zimmer sei, hatte gar nichts damit zu tun, dass ich mich von meiner Gastfamilie bel\u00e4stigt f\u00fchle, sondern einfache Gr\u00fcnde wie meine fast immer offenen Fenster, wegen denen die T\u00fcr immer zu fiel, dass ich Spanisch \u00fcbe und meine Gastfamilie nicht st\u00f6ren will oder ich insbesondere w\u00e4hrend des ersten Monats einfach k.o. von meinem neuen, langen und abwechslungsreichen Tagesablauf war. Ich erz\u00e4hlte, dass ich es einfach nicht gewohnt war, jeden Tag von fr\u00fch bis sp\u00e4t beim \u201eLaserTag\u201c, Familientreffen, Restaurants oder Einkaufszentren zu sein. Meine Gastmutter verstand dies und meinte, dass sie sich einfach Sorgen gemacht h\u00e4tten, dass ich Heimweh h\u00e4tte. Insbesondere nach dem ersten Monat komme dies schlie\u00dflich h\u00e4ufig vor. Ich erz\u00e4hlte ihr, dass das Gegenteil der Fall sei und ich mich ehrlich gesagt sehr wohl f\u00fchle und das Gespr\u00e4ch deshalb sehr \u00fcberraschend f\u00fcr mich war. Was f\u00fcr mich auch noch ein wichtiger Punkt war, war das Thema \u201eSamuel Deutsch beibringen\u201c. Ich wusste, dass mein Gastbruder nicht der beste in Deutsch war und seine Lust und Laune die Sprache zu lernen, beziehungsweise die Zeit zu investieren auch eher gering. Ich bin keine ausgebildete (Deutsch-) Lehrerin und wenn meine Gasteltern mich bitten mit ihm Deutsch zu \u00fcben, ohne genau zu sagen was, kann ich keine Unterrichtsstunde mit perfekten Materialien her zaubern und wei\u00df, wo seine Probleme sind. Ich helfe immer gerne und so gut ich kann, aber am Ende des Tages, muss mein Gastbruder selber die Vokabeln lernen, da kann ich noch so viele Vokabel-Memorys basteln und mit ihm spielen.<\/p>\n<p>Wir einigten uns also darauf, dass ich die darauf folgende Woche mit Samuels Deutschlehrerin sprechen w\u00fcrde und mich \u00fcber die Dinge, die nicht so gut laufen informiere und mit Samuel jeden Tag, wenn auch nur kurz, \u00fcbe. Dass ich meiner Gastfamilie so viel wie m\u00f6glich sage, was ich in meinem Zimmer mache, sowie einmal die Woche koche und das Haus fege und wische, weil die Haushaltshilfe nur montags und mittwochs kommt.<\/p>\n<p>Ich bin froh, dass wir noch einmal dar\u00fcber reden konnten, aber ich f\u00fchle mich sehr unter Druck gesetzt. Ich wei\u00df jetzt, dass der einzige Grund, wieso ich bei meiner Gastfamilie lernen kann, der ist, dass ich meinem Gastbruder Deutsch beibringe. Hinzukommt, dass ich jetzt das Gef\u00fchl habe die ganze Zeit von ihnen beobachtet und analysiert zu werden, wodurch ich mich einfach nicht wie ich selber f\u00fchle und als wenn ich Dinge mache\/sage\/tue, weil ich es will, sondern weil ich sie machen muss. Auch wenn ich sie davor vielleicht ohne dr\u00fcber nachzudenken gemacht h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Auf die Frage meiner Freunde und Familie, ob ich nicht meine Gastfamilie wechseln oder ausziehen will, antworte ich immer mit nein. Denn ich mochte\/mag meine Gastfamilie und hoffe einfach, dass dies nur eine Phase ist und bald wieder besser wird.<\/p>\n<p>Kommen wir also zu Ereignis Nummer drei.<\/p>\n<p>Mein neuer Freund! Ja, ich wei\u00df es klingt total bescheuert, dass ich mich so dar\u00fcber freue und es als Ereignis betitle. Aber so ist es nun mal. Leo habe ich \u00fcber Tinder kennengelernt und bevor alle aufschreien: Er ist ganz normal und wir haben uns irgendwelche Hintergedanken kennengelernt. Ehrlich gesagt, haben wir eigentlich kaum gesprochen, bevor wir uns getroffen haben. Ich habe auf Tinder lediglich geschrieben, dass ich gerne ein paar Leute kennenlernen w\u00fcrde, wir haben gematched, uns kurz dar\u00fcber unterhalten, was ich in Guadalajara mache und dann war erstmal wieder Sendepause. Er lud mich ein paar Wochen sp\u00e4ter zu einer Party ein, zu der ich aber nicht kommen konnte, weil ich ich im Urlaub war. Dann war wieder Ruhe und auf einmal fingen wir an zu schreiben und ich erz\u00e4hlte ihm, dass ich eine Liste h\u00e4tte mit Museen zu denen ich gerne gehen w\u00fcrde und er bot mir an mitzukommen. Wir trafen uns also am Samstag im Hospicio Caba\u00f1as (einem sehr interessanten Museum, \u00fcber die Geschichte Mexikos und ganz vielen tollen Kunstwerken von unfassbar begabten Menschen aus dem Norden Mexikos)\u00a0 und ich war eigentlich sofort dankbar und begeistert von seinem Wissen \u00fcber die mexikanische Kultur\/Kunst und seinem sehr guten Englisch, auch wenn er dies immer abstreitet). Obwohl ich mir vor unserem Treffen gesagt habe, dass wenn es nichts ist, ich einfach nach dem Museumsbesuch wieder nach Hause und ihn nie wieder sehen muss, verstanden wir uns so gut, dass wir beschlossen durch die Stadt zu schlendern, in eine Bar zu gehen (wo ich gef\u00fchlt jedes existierende mexikanische Bier probiert habe) und danach feiern zu gehen. Ja, das alles war definitiv nicht geplant! Wir trafen uns direkt am Mittwoch nochmal und dann wieder am Samstag, wo ich seine Freunde kennenlernte und sind eigentlich st\u00e4ndig dabei zu schreiben und unser n\u00e4chstes Treffen zu planen. Und tja, was soll ich sagen? Ich bin unglaublich froh und dankbar ihn hier zu haben. Bei dem ganzen Drama mit meiner Gastfamilie stand er mir immer zur Seite und ich kann mit ihm \u00fcber jeden K\u00e4se reden und er w\u00e4re f\u00fcr mich da&#8230; und umgekehrt nat\u00fcrlich genauso. Wir k\u00f6nnen den ganzen Tag lachen, essen, schreiben, trinken, uns gegenseitig piesacken und die Ohren voll heulen und es w\u00fcrde trotzdem nie langweilig werden. Wer h\u00e4tte gedacht, dass ich so schnell einen so tollen Menschen und besten Freund kennenlernen w\u00fcrde? Ein Gl\u00fcck hatte ich an diesem Samstag meine Paranoia zu Hause gelassen und einfach mal dem Leben vertraut \ud83d\ude42<\/p>\n<p>So <em>viel <\/em>von mir heute! Wie immer sind Fragen, Kommentare und Anregungen herzlich Willkommen&#8230; Bis bald!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe das Gef\u00fchl, dass diesen Monat drei sehr pr\u00e4gende beziehungsweise wichtige Dinge passiert sind. In chronologischer Reihenfolge: Wie ich in meinem letzten Post schon kurz erw\u00e4hnt habe, war ich in den Herbstferien mit meiner Gastfamilie in Bucerias, einem Ort in der N\u00e4he von Puerto Vallarta. 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