{"id":52,"date":"2020-10-26T22:18:54","date_gmt":"2020-10-26T21:18:54","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/chelmosvouraikos\/?p=52"},"modified":"2020-11-08T21:10:51","modified_gmt":"2020-11-08T20:10:51","slug":"pommes-sind-frittierte-sonnenstrahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/chelmosvouraikos\/2020\/10\/26\/pommes-sind-frittierte-sonnenstrahlen\/","title":{"rendered":"Pommes sind frittierte Sonnenstrahlen"},"content":{"rendered":"<p>Wir sind jetzt schon seit genau zwei Wochen in Kalavryta, einem kleinen Bergdorf mit fast 2000 Einwohnern, in Griechenland. Dieses kann man in Zeiten von Corona nur mit einem Flug nach Athen, zwei Z\u00fcgen und einem Taxifahrer namens George erreichen. \u00a0Mittlerweile haben wir uns\u00a0 sehr gut eingelebt und die letzten Tage sind\u00a0wie im Flug vergangen. Vielleicht erstmal zu uns, wir sind Lara und Maya, unser verbindendes Lieblingshobby ist Essen und wir haben mit der Ausreise Oktober 2020\u00a0 unseren Freiwilligendienst im Geopark Chelmos-Vouraikos \u00a0im Norden des Peloponneses gestartet. Auch wir konnten mit den vielen griechischen Namen erstmal wenig anfangen. Inzwischen wissen wir aber, dass Chelmos die Bergkette und Vouraikos einer der Fl\u00fcsse sowie dessen Schlucht sind. Auch sonst ist unser Geopark sehr facettenreich, wie wir dank unserer ersten &#8222;Aufgabe&#8220;, die Flyer des Parks ins Deutsche zu \u00fcbersetzen, um noch mehr Leute zu erreichen, gelernt haben.<\/p>\n<p>Zum Geopark geh\u00f6rt nicht nur eine K\u00fcstenlinie, an der es gef\u00fchlt immer 10 Grad w\u00e4rmer ist, als im 800 H\u00f6henmeter h\u00f6her liegendem Kalavryta, sondern auch ein Skigebiet, welches in der bis zu 2300 Meter hohen Bergkette liegt. Au\u00dfer Brosch\u00fcren in dem f\u00fcr uns extra eingerichteten B\u00fcro zu \u00fcbersetzten, welches eigentlich der Seminarraum neben der Ausstellung zum Geopark ist, in dem \u00a0es normalerweise Vortr\u00e4ge, Diskussionen und sonstige Veranstaltungen mit Sch\u00fclern, Studenten und Besuchern gibt \u2013 welches allerdings durch Corona nicht m\u00f6glich ist- , sind wir auch schon viel mit den Rangern unterwegs gewesen. Dabei durften wir nicht nur die beeindruckende Landschaft bestaunen, sondern haben auch viel \u00fcber die Entstehung und Geologie des Gebietes von George dem Professor, aber auch \u00fcber die Tiere, vor allem V\u00f6gel, (wir durften zwei Steinadler beobachten) und B\u00e4ume von George dem Waldranger lernen. Warum hier alle &#8211; inklusive dem Chef des Forstamts \u2013 George hei\u00dfen, wissen wir nicht so genau, aber George der Ranger meinte, dass alle Georges super sind. Diese These best\u00e4tigte uns (ein weiterer) George, der F\u00f6rster des Geoparks, indem er uns Kekse zur Arbeit brachte. Da, wie schon erw\u00e4hnt, Essen eine unserer Lieblingsbesch\u00e4ftigungen ist, kam auch das Gespr\u00e4ch mit George dem Waldranger schnell auf die wunderbare griechische K\u00fcche. Die Begeisterung seinerseits erhielt zwar recht schnell einen kleinen D\u00e4mpfer, als er erfuhr, dass er mit zwei Vegetarierinnen in einem Jeep sa\u00df, die beide nicht viel f\u00fcr Gyros, Suvflaki oder Bifteki \u00fcbrig hatten. Dies hielt ihn aber nicht davon hab, mit uns durch das gesamte Dorf zu fahren, um uns die guten bzw. \u00fcberteuerten (\u201eStay away\u201c) Superm\u00e4rkte zu zeigen. Auch zu jeder Taverne gab es einen guten Rat. Schlussendlich endeten wir in der Taverne seines Freundes, dem wird prompt mit \u201eSie essen aber nur vegetarisch\u201c vorgestellt wurden. \u00a0Darauf folgte ein kurzer, zweifelnder Blick und die Aussage \u201enaja ein bisschen was h\u00e4tte man schon da, die Auswahl sei halt nicht ganz so gro\u00df\u201c. Da wir allerdings Goerge versprachen, auf jeden Fall mal bei seinem Freund zu essen, wurde dies noch am selben Abend in die Tat umgesetzt. Obwohl erneut betont wurde die Auswahl sei nur sehr klein, am Samstag h\u00e4tte man zwei vegetarische Gerichte mehr (welche wir am folgenden Samstag nat\u00fcrlich auch direkt probierten), hatten wir ein Festessen aus Zuccinib\u00e4llchen, griechischem Salat, Saganki (frittierter Feta, seht empfehlenswert), griechischem Wein, gef\u00fcllten Auberginen, Brot \u00a0und Pommes, all das schmeckte so wundervoll, dass man sich wie im Urlaub vorkam. Nicht zu vergessen ist an dieser Stelle der fantastische Tzaziki, mit dem wir uns in den letzten zwei Wochen so vollgestopft haben, dass wir eine ganze Armee von Vampiren mit einem Atemzug erledigen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit hatte sich der Fakt, dass wir kein Fleisch oder Fisch essen, schon, wie gef\u00fchlt alles, in Lichtgeschwindigkeit im ganzen Dorf verbreitet. So hatte es anfangs die Leute noch \u00fcberrascht, dass wir ganze 6 Monate hier bleiben, (die durchschnittliche Zeit der meisten Touristen, die von den Bussen oder der Zahnradbahn hier ausgespuckt werden sch\u00e4tze ich auf wenige Stunden), mittlerweile scheint das aber allen bekannt zu sein. Genau wie die Tatsache, dass wir keine Waschmaschine in unserem Apartment haben, allerdings wurde uns beim Einkaufen in dem von George dem Ranger empfohlenen Supermarkt, versichert, dass man sich darum k\u00fcmmere. Mittlerweile haben wir zum Gl\u00fcck eine L\u00f6sung: die liebe und sehr verst\u00e4ndnisvolle Frau von der \u00f6rtlichen Reinigung k\u00fcmmert sich nun drum. Wie lange es wohl dauern wird, bis diese Nachricht alle erreicht hat? Vermutlich hat es das l\u00e4ngst, da gegen\u00fcber von unserer Haust\u00fcr ein kleines Cafe ist, welches anscheinend den Klatsch und Traschtreff \u00fcberhaupt darstellt (au\u00dferdem scheint es auch das Polizeirevier zu sein, da der Dorfsheriff eigentlich immer dort anzutreffen ist, wenn er nicht gerade mit seinem Auto durchs Dorf d\u00fcst). Da wir mit unserer gesamten Dreckw\u00e4sche an eben diesem Cafe vorbei gelaufen sind, wird man die Neuigkeit vermutlich schon bis Athen wissen.<\/p>\n<p>Manchmal ist es aber auch sehr hilfreich, wenn alle Bescheid wissen, so gab uns George, der F\u00f6rster, aufgrund unserer gem\u00fcsereichen Ern\u00e4hrung, den Tipp, dass es Samstags in Kalavryta einen kleinen Markt g\u00e4be, an dem lokale Bauer aus der Region ihr Gem\u00fcse und ihr Obst verkaufen. Diesen hatten wir bislang noch nicht entdeckt, da er ein bisschen versteckt ist. Allerdings war es ein hervorragender Hinweis, denn so kamen wir nicht nur in den Genuss frische Feigen zu probieren, sondern konnten die griechischen S\u00e4tze, die uns George der Ranger beigebracht hatte, gleich testen und siehe da, wir kamen auf einem einheimischen Markt zurecht.<\/p>\n<p>Wir fanden nicht nur auf dem Markt neue Freunde, die unsere Begeisterung \u00fcber alles Essbare teilten, sondern auch in einem kleinen niedlichen Laden, an dem wir unter der Woche mehrfach vorbeigelaufen sind, der aber immer geschlossen war. Es stellte sich heraus, dass der Laden von Nikki, der Englischlehrerin der \u00f6rtlichen Schule, als Hobby am Wochenende betrieben wird. Dort sind wir innerhalb der letzten zwei Wochenenden zu Stammg\u00e4sten geworden. Denn bei Nikki gibt es nicht nur warme Bubblewaffeln mit Eis, sondern auch Loukoumades, ein typisch griechisches Dessert:\u00a0 frittierte Teigb\u00e4llchen, die so \u00e4hnlich schmecken wie kleine Donuts. Dazu gibt es eine schier unendliche Auswahl an Schokoso\u00dfen, sodass wir jedes Mal aufs Neue Entscheidungsschwierigkeiten haben. Auch hier freut man sich \u00fcber jedes neue griechische Wort, das wir pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen, und w\u00e4hrend uns Nikkis Tochter stolz ihre, in der Schule gelernten, deutschen W\u00f6rter aufz\u00e4hlt, kommt der Vater der Familie, nicht weniger begeistert, mit seinem selbstgemachten Gl\u00fchwein \u201enach griechischer Art\u201c um die Ecke, welchen man \u00a0allerdings eher als Gl\u00fchschnaps bezeichnen sollte.<\/p>\n<p>Nach diesen zwei doch sehr aufregenden Wochen sitzte ich hier nun an einem Montagabend und habe endlich Zeit gefunden all das aufzuschreiben, Morgen geht\u2019s wieder mit George dem Ranger durch den Park, mal sehen, welche neuen W\u00f6rter wir morgen lernen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind jetzt schon seit genau zwei Wochen in Kalavryta, einem kleinen Bergdorf mit fast 2000 Einwohnern, in Griechenland. 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