{"id":44,"date":"2011-09-20T12:32:24","date_gmt":"2011-09-20T10:32:24","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/carmina\/?p=44"},"modified":"2016-10-13T09:47:45","modified_gmt":"2016-10-13T07:47:45","slug":"az-utazas-die-reise-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/carmina\/2011\/09\/20\/az-utazas-die-reise-2\/","title":{"rendered":"az utaz\u00e1s \/ die Reise"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mit dem Nachtzug nach Budapest<\/strong><\/p>\n<p>Meine Reise nach Ungarn begann am Samstag, den 17. September, um 17:31 Uhr am Bahnhof in Gifhorn. \u00dcber die Fahrt von dort aus nach Hannover und weiter nach M\u00fcnchen werde ich gar nicht weit ausholen, denn der spannende Teil meiner Reise beginnt zweifelsohne erst mit der Nachtzugfahrt nach Budapest.<\/p>\n<p>Ich bin schon ein paar Mal \u00fcber Nacht im Zug unterwegs gewesen. Es war immer anders. Als ich die kleinen Schlafabteile in dem EuroCity sah, der mich von M\u00fcnchen nach Budapest bringen sollte, war ich zun\u00e4chst ein bisschen best\u00fcrzt. Es gab in der Mitte einen vielleicht 50cm schmalen Gang, zu beiden Seiten ausklappbare \u201eBetten\u201c (auch nicht breiter als 50cm), jeweils drei, \u00fcbereinander. Ich hatte Gl\u00fcck eines der beiden oberen Betten erwischt zu haben, dort konnte man n\u00e4mlich immerhin sitzen. Auf dem mittleren und unteren Bett war nur \u201eSitzliegen\u201c m\u00f6glich. Unser Abteil war vollst\u00e4ndig ausgebucht: Auf den unteren Betten eine \u00e4ltere Deutsche und ein Knacker aus \u00d6sterreich. Zwei koreanische M\u00e4dchen richteten sich in den mittleren Betten ein, auf dem einen oberen Bett war, wie gesagt,\u00a0 ich und auf der anderen Seite noch ein anderer Deutscher. Die meisten von uns hatten mehr als ein Gep\u00e4ckst\u00fcck dabei und es wurde dementsprechend eng, zumal die Koffer zu dick waren, als dass sie unter die Betten gepasst h\u00e4tten. Irgendwie wurde dann aber alles untergebracht, knapp unter dem Dach gab es noch ein weiteres Gep\u00e4ckfach, das wir entdeckten, als wir das Licht anmachten. Jedenfalls war die Gep\u00e4ckfrage nach einiger Zeit dann doch gel\u00f6st und es entstand die ein oder andere Unterhaltung.<\/p>\n<p>Die beiden Koreanerinnen verteilten gleich zu Anfang koreanische Souvenirs, ein kleines P\u00fcppchen in traditioneller Tracht, verpackt in einem Umschlag, beschriftet mit E-Mail-Adresse und facebook-Kontaktdaten. Wirklich nette Geste, die der \u00d6sterreicher erwiderte mit: \u201eI\u2019m sorry, I don\u2019t have gifts for you, but I have plums from Strasbourg!\u201c und eine Brotdose mit Zwetschgen herumreichte. Er erz\u00e4hlte au\u00dferdem, dass er hin und wieder in China Berge besteige und erprobte seine Chinesisch-Kenntnisse an den Koreanerinnen, scheiterte.<\/p>\n<p>Jedenfalls war es eine ulkige Runde. Da unsere Zugfahrt aber erst um 23:40 Uhr begonnen hatte, wurde dann doch bald geschlafen. Ein paar Stunden nur, denn um halb sechs hielten wir in Wien, dort stiegen vier aus meinem Abteil aus, \u00fcbrig blieben ich und die andere deutsche Frau, die \u00fcbrigens flie\u00dfend Ungarisch sprechen konnte. Ich versuchte noch eine Weile weiter zu schlafen, aber gegen sieben Uhr stand ich dann auf und r\u00e4umte meinen Kram zusammen. Nur noch zu zweit hatten wir viel Platz in dem Abteil. Die Betten wurden hochgeklappt und es entstanden zwei einander gegen\u00fcberliegende Sitzreihen.<\/p>\n<p>Ich unterhielt mich mit der deutschen Frau und erfuhr, dass sie 60 Jahre alt ist und schon seit \u00fcber 30 Jahr in Ungarn lebt, in einer Kleinstadt \u00f6stlich von Budapest. Sie fahre seit ein paar Jahren aber regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr ein paar Monate nach Deutschland, um dort als Altenpflegerin zu arbeiten. Ja, bereits hier wurde ich damit konfrontiert, dass die Geh\u00e4lter in Ungarn sehr tief sind und Geld im Ausland viel mehr und leichter verdient werden kann. Sie kommentierte aber auch die Landschaft und Stationen. \u00dcbrigens waren die Fahrkarten (und Reservierungen) am Vorabend eingesammelt wurden, was mich zun\u00e4chst beunruhigte, aber kurz vor der jeweiligen Ankunft wurden sie wieder ausgeteilt. Ich musste in Budapest Kelenf\u00f6ld umsteigen, einem Vorort von Budapest. Das war mir bis kurz vor dem Aussteigen gar nicht so klar, aber zum Gl\u00fcck erfuhr ich es noch rechtzeitig (die Stationen wurden nicht angesagt!) von meiner Mitreisenden und sie half mir meine drei Gep\u00e4ckst\u00fccke zur T\u00fcr zu bringen. Und dann betrat ich zum ersten Mal in meinem Leben ungarischen Boden.<\/p>\n<p>Anderthalb Stunden Aufenthalt hatte ich dort in Kelenf\u00f6ld, deswegen setzte ich mich erstmal auf eine Treppe in der N\u00e4he des Busbahnhofes und lie\u00df all das Neue auf mich einwirken. Nach einiger Zeit wechselte ich auf eine Bank gegen\u00fcber des heruntergekommenen Bahnhofgeb\u00e4udes, um Blick auf die Anzeigetafel f\u00fcr die abfahrenden Z\u00fcge zu erhalten, ich wusste n\u00e4mlich noch nicht von welchem Gleis aus mein n\u00e4chster Zug nach P\u00e9cs fahren w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>\u00a0Eine Begegnung:<\/strong><\/p>\n<p>Die Frau kam direkt auf mich zu, setzte sich neben mich auf die Bank. Sie hatte kurze Haare, wirkte ein bisschen verwahrlost, nicht schmuddelig, war m\u00f6glicherweise um die vierzig Jahre alt, vielleicht \u00e4lter. Ich sa\u00df da, mit meinem knallgr\u00fcnen Koffer, meiner gr\u00fcnen Laptoptasche, meinem Wanderrucksack, den Mp3-Player in der Hand, Musik h\u00f6rend, innerlich woanders. Sie wollte die Uhrzeit wissen, erst auf Ungarisch, dann gestisch auf ihr Handgelenk tippend, ich zeigte meine Handgelenke: keine Uhr. Ich meine mich zu erinnern, dass sie sogar das Wort \u201eUhrzeit\u201c erw\u00e4hnte (vielleicht habe ich es mir aber auch nur eingebildet). F\u00fcr einen Moment glaubte ich, sie wolle mich bestehlen, denn sie wurde immer ein- und aufdringlicher und bedeckte mit ihrer Jacke meine Tasche, w\u00e4hrend sie sich zu mir r\u00fcberbeugte. Instinktiv zog ich die Tasche weg. Erneut gestisch machte sie mir verst\u00e4ndlich, dass sie nur etwas zum Aufschreiben haben wolle. Ich riss von meinem Schreibblock ein Blatt ab und reichte es ihr zusammen mit einem Kugelschreiber. \u201eGY\u00d3RBE\u00c9N\u201c. Keine Ahnung, was das Wort bedeutet (GoogleTranslate konnte mir eben auch nicht helfen). Jedenfalls wollte sie offenbar immer noch die Uhrzeit wissen. Letztlich zeigte ich ihr die kleine digitale Uhrzeitanzeige auf meinem Handydisplay. Sie bedankte sich mit einem H\u00e4ndedruck und einem L\u00e4cheln. Und blieb.<\/p>\n<p>Erneut verlangte sie nach dem Papier: \u201eLACI\u201c. Mit Schulterzucken und verst\u00e4ndnislosen Blicken versuchte ich ihr klar zu machen, dass Kommunikation mit mir nicht mehr m\u00f6glich sei. Sie lie\u00df nicht locker. In meiner Laptoptasche, gleich oben auf lag ein abgepacktes Schokocroissant, ich hatte es diesen Morgen zusammen mit einem P\u00e4ckchen Orangensaft, welches ich bereits ausgetrunken hatte, vom Zugbegleiter als Fr\u00fchst\u00fcck erhalten. Ehrlich gesagt hatte ich auch gar nicht vor das Croissant zu essen, zu viel Chemie dadrin&#8230; Als die Frau nun mit begierigen Gesten nach dem Croissant verlangte, viel es mir nicht schwer dasselbe an sie zu verschenken. Sie k\u00fcsste mir die Hand und wollte teilen. Ich lehnte ab. Einen Moment sa\u00dfen wir noch nebeneinander, dann stand sie auf, verabschiedete sich und ich f\u00fchlte mich erl\u00f6st.<\/p>\n<p>Kurze Zeit sp\u00e4ter wurde mein Zug auf der Anzeigetafel angezeigt und ich begab mich auf den entsprechenden Bahnsteig. Eigentlich hatte ich eine Platzreservierung, aber weil der Zug so gut wie leer war und ich meinen Waggon nicht auf Anhieb fand, setze ich mich einfach in ein leeres Abteil. Die folgenden zweieinhalb Stunden Zugfahrt waren recht ereignislos. Ich genoss die Ruhe, die Landschaft, die Freiheit.<\/p>\n<p><strong>Angekommen<\/strong> am Bahnhof in P\u00e9cs (Viertel vor Eins) musste ich nicht lange warten. Meine Mentorin Agnes erkannte mich und nahm mich in Empfang. Es war ein erleichterndes Gef\u00fchl wieder verstehen zu k\u00f6nnen und verstanden zu werden. Sie brachte mich gleich zu meinem neuen Zuhause, einer ger\u00e4umigen Altbauwohnung, mitten in der Innenstadt. Ich lud mein Gep\u00e4ck ab, Agnes hatte auch schon ein paar Lebensmittel f\u00fcr mich besorgt, die im K\u00fchlschrank untergebracht wurden.<\/p>\n<p>Dann stiegen wir wieder ins Auto und Agnes fuhr mich zu dem Haus, in dem sie seit etwas mehr als einem Monat zusammen mit ihrem Sohn wohnt. P\u00e9cs ist \u00fcbrigens wundersch\u00f6n an einem Berg gelegen und zu dem Haus ging es etwas den Hang hinauf. Mir gef\u00e4llt die Stadt \u00fcbrigens ausgesprochen gut! Bald werde ich auch Fotos ver\u00f6ffentlichen, es ist hier wirklich sehr h\u00fcbsch (und sauber)! Bei Agnes benutzte ich kurz das Internet, um eine E-Mail an meine Eltern zu schicken und meinen facebook-Status zu aktualisieren. \ud83d\ude09 Dann gab es Mittagessen. Zur Vorspeise eine Suppe mit Bohnen, Tomaten und Zwiebeln (alles aus eigenem Anbau!). Ich hatte Agnes nicht informiert, dass ich Vegetarierin bin, sie hatte irgendwas mit H\u00fchnchen vorbereitet, aber machte dann spontan noch zwei Spiegeleier f\u00fcr mich und r\u00f6stete Kartoffelspalten in einer Pfanne. Es war k\u00f6stlich! Zum Nachtisch gab es noch etwas Kuchen, den ich der H\u00f6flichkeit halber auch probierte. Anschlie\u00dfend zogen wir eine Stadtkarte von P\u00e9cs zu Rate und Agnes zeigte mir darauf ein paar Dinge. Der Weg von meiner Wohnung aus zur Schule ist sehr einfach und kurz (zu Fu\u00df etwa 10-15 Minuten).<\/p>\n<p>Gegen halb vier machten wir uns aber schon wieder auf in die Innenstadt. Auf dem Domplatz wurde an jenem Sonntag der \u201eDeutsche Tag\u201c festlich begangen. Gruppen von Kindern und Jugendlichen (aus deutschsprachigen Kinderg\u00e4rten und Schulen in P\u00e9cs) traten dort in Trachtenkleidung auf, spielten Musik (Akkordeon und Bl\u00e4ser), sangen deutsche Volkslieder und f\u00fchrten traditionelle ungarndeutsche T\u00e4nze auf. Insgesamt ein f\u00fcr mich erstmal etwas befremdliches Geschehen. Trotzdem durchaus interessant. Ich lernte am gleichen Nachmittag auch bereits ein paar weitere Deutschlehrer des Le\u0151wey Kl\u00e1ra Gimn\u00e1ziums kennen.<\/p>\n<p>Nach dem Spektakel, um etwa sechs Uhr, war ich ziemlich erledigt, verabschiedete mich von Agnes und machte mich auf den Weg zu meiner Wohnung. Dort duschte ich (lauwarm bis kalt, das Wasserheizding habe ich nicht in Gang bekommen, jetzt funktioniert es aber!) und a\u00df etwas von dem Brot und den Paprikas, die Agnes mir mitgebracht hatte. Zu meinem Missfallen hatte ich gestern nicht mehr die M\u00f6glichkeit ins Internet zu gehen. Aber ich war auch sowieso ziemlich kaputt, sodass ich ohne Probleme noch vor neun eingeschlafen bin und bis zum Weckerklingeln am n\u00e4chsten Morgen durchgeschlafen habe.<\/p>\n<p>Weitere Berichte folgen&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>PS:<\/strong> Ich hatte den Artikel eigentlich schon fertig, musste aber beim Lesen feststellen, dass ich etwas v\u00f6llig unerw\u00e4hnt gelassen habe, was ich aber unbedingt erw\u00e4hnt haben wollte: Das \u00bbkulturweit\u00ab-Vorbereitungsseminar am Werbellinsee. Das waren unbeschreiblich gute, ereignisreiche und unvergessliche zehn Tage! Ich bin sehr dankbar f\u00fcr all die Begegnungen und Erfahrungen, die ich in der Zeit machen konnte. Es war schon eine Welt f\u00fcr sich: Fast 200 einander fremde junge Menschen, auf einem Seminargel\u00e4nde irgendwo in Brandenburg, so unterschiedlich, aber mit \u00e4hnlichen \u00c4ngsten, Hoffnungen, W\u00fcnschen. Besonders vermisse ich nat\u00fcrlich die anderen Hasen aus meiner Hasenh\u00f6hle \u2013 ich hoffe, dass ich einige von euch noch in den n\u00e4chsten paar Monaten mal wieder sehen werde (die MSOE-Hasen), ansonsten trifft der Gro\u00dfteil von uns ja auf dem Nachbereitungsseminar im September 2012 erneut auf einander! \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Kurz auch noch zu den letzten paar Tagen zu Hause: Die sind viel zu schnell vergangen! Ich war froh endlich losziehen zu k\u00f6nnen, h\u00e4tte aber noch (mindestens) einen Tag l\u00e4nger gebrauchen k\u00f6nnen, um mir mehr Gedanken beim Packen machen und mich ausf\u00fchrlicher verabschieden zu k\u00f6nnen. Es kam alles doch recht pl\u00f6tzlich und ich habe es noch nicht vollst\u00e4ndig realisiert, dass mein Zuhause f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr nun wirklich in P\u00e9cs, Ungarn, sein wird.<\/p>\n<p>Eure Carmina<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Nachtzug nach Budapest Meine Reise nach Ungarn begann am Samstag, den 17. September, um 17:31 Uhr am Bahnhof in Gifhorn. \u00dcber die Fahrt von dort aus nach Hannover und weiter nach M\u00fcnchen werde ich gar nicht weit ausholen, denn der spannende Teil meiner Reise beginnt zweifelsohne erst mit der Nachtzugfahrt nach Budapest. 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