{"id":261,"date":"2021-04-26T18:04:03","date_gmt":"2021-04-26T16:04:03","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/bulgarienweit\/?p=261"},"modified":"2021-04-26T22:21:06","modified_gmt":"2021-04-26T20:21:06","slug":"pommes-im-doener-und-kutschen-auf-den-strassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/bulgarienweit\/2021\/04\/26\/pommes-im-doener-und-kutschen-auf-den-strassen\/","title":{"rendered":"Pommes im D\u00f6ner und Kutschen auf den Stra\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/bulgarienweit\/files\/2021\/04\/DSC02338.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-264\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/bulgarienweit\/files\/2021\/04\/DSC02338-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"282\" height=\"188\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/bulgarienweit\/files\/2021\/04\/DSC02338-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/bulgarienweit\/files\/2021\/04\/DSC02338-768x512.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/bulgarienweit\/files\/2021\/04\/DSC02338.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 282px) 85vw, 282px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><em>Momentaufnahmen aus 6 Monaten Bulgarien<\/em><\/p>\n<p>Ich suche die Maske in meiner Tasche, krame 2 lev f\u00fcr das Metroticket zurecht, meine 6-Monats Karte ist vorige Woche abgelaufen, und steige gekonnt die Treppen herunter. Eine Babuschka sitzt auf einem Absatz oberhalb der Metro. Unter ihr ein St\u00fcck Karton, soll gegen die K\u00e4lte helfen, die hemmungslos durch die ganze Stadt jagt. Der Blick ist nach unten gesenkt, ein Tuch verdeckt ihre grauen Haare. Ihre H\u00e4nde zeigen sich alt und voller Falten, sie wollen uns eine Geschichte erz\u00e4hlen. F\u00fc\u00dfe, Schritte, Menschen hasten an ihr vorbei. Neben ihren F\u00fc\u00dfen steht ein Eimer mit Narzissen.<\/p>\n<p>Zwischen Stra\u00dfe und Block steht ein Container, vor ihm ein \u00fcberf\u00fcllter M\u00fclleimer, ein schlammiges St\u00fcck Wiese und eine bunt bemalte Bank, die ihre Farbe schon l\u00e4ngst veloren hat. Halb volle Pappbecher mit Kaffee s\u00e4umen die unebene Reihe an Pflastersteinen, eine Schokoriegelverpackung fliegt vorbei. In mehreren Kurven bildet sich eine lange Menschenschange auf dem kleinen B\u00fcrgersteig. Der D\u00f6ner hier muss gut sein, denken wir. Falaffel bestellt, Pommes gibt&#8217;s dazu, zusammengerollt und auf die Hand. Ayran und Fanta in der Tasche. Die graue Bank bietet uns ihre Dienste an.\u00a0 W\u00e4hrend Mayonnaise \u00fcber unsere Finger tropft, zerf\u00e4llt der D\u00f6ner schlussendlich in den eigenen H\u00e4nden. Papierumwickelung, Plastikt\u00fcte und Serviette werden in den Container am Stra\u00dfenrand geworfen. Die Menschenschlange wird l\u00e4nger, es ist Mittag.<\/p>\n<p>Alte M\u00e4nner in noch \u00e4lteren Adidas Jogginghosen t\u00e4nzeln um eine Tischtennispaltte und fixieren den grell orangenen Ball mit ihren Augen. Der Schl\u00e4ger bestimmt die Hand. Bulgarische Ausrufe \u00fcber Ballgewinn- und verlust pr\u00e4gen die Szenerie. Drei Tauben schlagen mit den Fl\u00fcgen und eilen \u00fcber uns hinweg in den blauen Himmel hinein.<\/p>\n<p>Im Auto Richtung Meer. Was wir hier erleben ist mehr, denke ich mir und drehe mich zum Fenster. Gebirgsketten brechen sich langsam aber stetig auf. Sonnenstrahlen tanzen in der Ferne, ein Luftsto\u00df kitzelt meine Augen, M\u00f6wen segeln in \u00fcber den Baumwipfeln, wir erreichen die K\u00fcste.<\/p>\n<p>Socken trocknen in der L\u00fcftung des Autos. Zwei H\u00e4nde spielen am Lenkrad. Serpentinen f\u00fchren uns den Pass hinunter und im R\u00fcckspiegel kann ich das Abendrot sehen. Sanfte Stimmen f\u00fchren leise Gespr\u00e4che. Es wird w\u00e4rmer im Auto, die Socken sind trocken.<\/p>\n<p>Das Gras ist schon feucht, ich hebe die F\u00fc\u00dfe und stehe vor einem Block. Der Block ist gro\u00df, aber nicht zu gro\u00df. Er ist Zuhause in dieser trostlosen Gegend. Sattelietensch\u00fcsseln Strecken ihre Antennen in die Luft wie M\u00fccken, die nach Blut gieren. Ist das der Empfang zur Au\u00dfenwelt? Im Hintergrund verschwimmen Himmel und schneebedeckte Gipfel zu einem wei\u00dfen Band. Viel d\u00fcnnere B\u00e4nder tragen die W\u00e4sche der Bewohner auf den Balkonen. Die bunte Kleidung wiegt sich ruhig im Wind. Rechts im Bild erstreckt sich Kette aus Strommasten, ein Ende ist nicht in Sicht, es wird von den grauen \u00c4sten der gro\u00dfen B\u00e4ume im Hintergrund, verdeckt.<\/p>\n<p>Wir essen Eis auf der Bank am Vitsohka. Sonne scheint uns in die B\u00e4uche, Obdachlose fragen uns nach ein bisschen Geld, wir geben Nichts und eine Taube kackt neben uns auf die Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Die Vorstadt einer bulgarischen Kleinstadt erstreckt sich links von uns. Aus dem Autofenster hinaus beobachte ich passiv die vorbeiziehenden Fabriken und Steinbr\u00fcche. Am Stra\u00dfenrand arbeitet eine Gruppe Sinti und Roma. \u00c4ste der, die Stra\u00dfe umgebenden, B\u00e4ume werden abgeschnitten und gesammelt. Der alte VW Bus dient als Transporter. Im Radio l\u00e4uft ein Lied mit dem eingehenden Refrain &#8222;Jesus comes&#8220; und die Arbeitenden verschwinden aus meinem Sichtfeld.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Ameisen errichten einen Konstrukt auf dem Weg zwischen unseren Schuhen. Mein Blick schweift aus der Vogelperspektive in Richtung Stra\u00dfe. Die Kirschb\u00e4ume am Rand versuchen sich gegenseitig an Fr\u00fchlingsgef\u00fchlen zu \u00fcbertreffen. Wir h\u00f6ren Schritte und eine alte Frau zieht durchs Blickfeld. Ihr Gummistiefel streifen unabl\u00e4ssig den Boden. Die braune Weste h\u00e4lt sie warm. Ihr Lachen springt \u00fcber die Bl\u00fctenpracht und den Ameisenhaufen zu uns hin\u00fcber. Ihr Gesicht ist gepr\u00e4gt durch tiefe und dunkle Falten, die unter dem blumembedeckten Kopftuch verschwinden. Den Holzstock tr\u00e4gt sie in der Linken, ihr Smartphone in der Rechten.<\/p>\n<p>Parkplatz- Ein Kind h\u00e4lt die Hand auf, bittet um einige Stotinki. Der Mann daneben geht zum Auto, \u00f6ffnet den Kofferraum. Hinter den beiden spiegelt sich die ganze Tristesse eines Landes in einem Ladenfesnter wieder. Es ist grau und kalt. Der H\u00e4nde des Mannes halten nun ein Kuscheltier und ein Spielauto. Die H\u00e4nde des kleines Jungens kommen n\u00e4her, die Augen werden gr\u00f6\u00dfer. Er traut sich nicht zu l\u00e4cheln. Der Mann geht weg und \u00f6ffnet die T\u00fcre zum Restaurant. Der Junge verl\u00e4sst den Parkplatz. Mit dem Kuscheltier streicht er \u00fcber seine Wange.<\/p>\n<p>Eine kleine Stra\u00dfe. Am Rand gro\u00dfe Autos. Links und Rechts mittelgro\u00dfe Blocks. Die Sonne strahlt direkt von vorne auf mich und die Stra\u00dfe und die Autos und die Blocks. Um die Kurve n\u00e4hert sich eine Kutsche. Die Ohren des Pferdes streifen die Sonnenstrahlen, verdecken sie kurz und geben sie dann wieder frei. Vater und Sohn sitzen hinter dem Tier. Durch die kleine Stra\u00dfe, zwischen den gro\u00dfen Autos hindurch und mitten zu dem n\u00e4chsten mittelgro\u00dfem Block, wird die Kutsche gesteuert. Ein vollbeladener Anh\u00e4nger wippt auf und ab und tanzt zwischen den Schlagl\u00f6chern im Boden herum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Haide, Ciao!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/bulgarienweit\/files\/2021\/04\/DSC03592.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-271\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/bulgarienweit\/files\/2021\/04\/DSC03592-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/bulgarienweit\/files\/2021\/04\/DSC03592-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/bulgarienweit\/files\/2021\/04\/DSC03592-768x512.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/bulgarienweit\/files\/2021\/04\/DSC03592.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/bulgarienweit\/files\/2021\/04\/DSC03593.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-272\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/bulgarienweit\/files\/2021\/04\/DSC03593-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/bulgarienweit\/files\/2021\/04\/DSC03593-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/bulgarienweit\/files\/2021\/04\/DSC03593-768x512.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/bulgarienweit\/files\/2021\/04\/DSC03593.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/bulgarienweit\/files\/2021\/04\/DSC03594.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-273\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/bulgarienweit\/files\/2021\/04\/DSC03594-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/bulgarienweit\/files\/2021\/04\/DSC03594-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/bulgarienweit\/files\/2021\/04\/DSC03594-768x512.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/bulgarienweit\/files\/2021\/04\/DSC03594.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Momentaufnahmen aus 6 Monaten Bulgarien Ich suche die Maske in meiner Tasche, krame 2 lev f\u00fcr das Metroticket zurecht, meine 6-Monats Karte ist vorige Woche abgelaufen, und steige gekonnt die Treppen herunter. 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