{"id":12,"date":"2020-11-23T09:22:09","date_gmt":"2020-11-23T08:22:09","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/bulgariengabrovo2020\/?p=12"},"modified":"2020-11-23T09:22:09","modified_gmt":"2020-11-23T08:22:09","slug":"die-bahnalitaet-des-boesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/bulgariengabrovo2020\/2020\/11\/23\/die-bahnalitaet-des-boesen\/","title":{"rendered":"Die Bahnalit\u00e4t des B\u00f6sen"},"content":{"rendered":"<p>Wer aus Deutschland kommt und ab und zu das Wagnis auf sich nimmt, die Bahn zu benutzten um von<strong> A<\/strong> nach<strong> B<\/strong> zukommen, der wei\u00df<span style=\"font-size: 1rem\"> zu was <\/span><span style=\"font-size: 1rem\">f\u00fcr einem Abenteuer sich solch eine Reise, bei schlechter Planung entwickeln kann.<\/span><\/p>\n<p>Genau so ein Abenteuer sollte uns nach unserer Landung in Sofia erwarten. Da wir nat\u00fcrlich gar keine Planung hatten und nicht vermochten auch nur ein Wort bulgarisch zu sprechen, hatten wir die besten Voraussetzungen unseren Zug zu verpassen. Mehr durch Gl\u00fcck als durch Wissen oder Verst\u00e4ndnis gelangten wir per Bus zum Hauptbahnhof. Dort war dann das n\u00e4chste Ziel an Tickets zukommen. Was in Deutschland schon oft schwierig werden kann wirkte hier schier unm\u00f6glich. Trotzdem ging ich mit ungebrochem Optimismus auf den Ticketschalter zu, w\u00e4hrend Tom auf unsere fast 70kg Gep\u00e4ck aufpasste. Am Ticketschalter fragte ich dann gekonnt:,,<em> Do you speak English<\/em>?\u201c. Auf der andern Seite des, durch die Jahrzehnte verblichen, Glases sa\u00df eine Frau in den 40ern vor einem unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gro\u00dfem, flackerndem Bildschirm, welche mich nun verdutzt anschaute. Auch das weniger gut formulierte:,, <em>Tickets<\/em>? <em>Gabrovo<\/em>!?\u201c erzielte nicht das gew\u00fcnschte Ergebnis. Als ich grade aufgeben wollte sprach mich eine raue Stimme aus meiner Peripherie an:,, <em>Sie wollen Tickets<\/em>?\u201c. Die Stimme geh\u00f6rte einem \u00e4lteren Herren, welchem ich nun v\u00f6llig perplex unser Vorhaben erkl\u00e4rte. Nachdem ich unsere Geschichte und unser Anliegen auf ein paar Worte reduziert wiedergegeben hatte, entgegnete er der Ticketverk\u00e4uferin mehrere unfassbar tiefe Worte, welche dann Augenblicklich zwei Kassenbon-\u00e4hnliche Tickets durch das kleine Fenster der Glasscheibe hielt.<br \/>\nUnser neu gewonnener Freund bestand nun noch darauf uns zu zeigen in welchen Zug wir steigen mussten und wies sogar noch das Personal darauf hin, dass sie uns doch sagen sollten wann wir aussteigen m\u00fcssten.<br \/>\nAls wir unsere abstrakte Menge an Gep\u00e4ck im Zug verstaut hatten, ging die Fahrt auch schon bei moderater Geschwindigkeit los. Der Zug war gleichm\u00e4\u00dfig in angenehm grosse Abteile unterteilt, welche durch T\u00fcren und W\u00e4nde von einander getrennt waren. Von dem Flug und der Hektik am Morgen geschafft d\u00f6sten wir fast die ganze Strecke bis zu unserem erstem Zwischenstop. Als dieser in Sicht kam, sammelten wir unser Gep\u00e4ck und verliessen den Zug. Schon beim Aussteigen merkte ich, dass das lebendige Tageslicht mittlerweile, einer d\u00fcstern D\u00e4mmerung Platz gemacht hatte, welche sich num wie eine dunkle Decke \u00fcber unser Tal legte. Auch Bahnhof an dem wir uns jetzt befanden hatte wenig mit der belebten Szenerie von Sofias Hauptbahnhofs zutun.<br \/>\nAnstatt gestressten Touristen, welche quietschende Rollkoffer hinter sich herzogen, gab es hier nur ein paar dunkle Gestalten, welche am Rande des Grundst\u00fcckes in dem Halbschatten einer von Motten umflogenden Lampe standen. Das Geb\u00e4ude welches sich vor uns auft\u00fcrmte versch\u00e4rfte nur noch den Eindruck welcher sich bereits in meinem Kopf formte. An dieser, einst stolzen cremefarbenen Konstruktion hatte eindeutig der Zahn der Zeit genagt. Die Farbe war an vielen Stellen ausgeblichen und l\u00f6ste sich an manchen komplett, was Wunden des nackten Betons zur\u00fcckgelassen hatte.<br \/>\nSchon nach wenigen Minuten beschlich mich das Gef\u00fchl beobachtet zu werden. Mit unserem Gep\u00e4ck und typischen Touristen-Outfit, konnte man uns leicht ansehen das wir nicht von hier waren, was wohl eine Menge Aufmerksamkeit auf uns zog. Mittlerweile waren auch die letzten Reste des Tageslichtes verschwunden und wir waren von einer schwarzen Kuppel umgeben, welche keine Schluss auf unsere Umgebung zu lie\u00df. Als unser Zug kam,wurde sie von grellen Scheinwerfern durchbrochen und auch die zuvor herrschende Stile wurde von mehrmaligem, Hupen tief ersch\u00fcttert.<br \/>\nDer Wagon den wir nun betraten warf mich zur\u00fcck in eine nostalgische Erinnerung, wie ich einst mit meinem Gro\u00dfvater das alte Eisenbahnmuseum besuchte.<br \/>\nDenn genau das war der Ort, wo man diesen Wagon vermutet. Die Inneneinrichtung bestand komplett aus Holz und selbst die Bez\u00fcge der mit Federn gepolsterten Sitze waren aus gewebtem Stoff. H\u00e4tten ein paar Cowboys auf den Pl\u00e4tzen gesessen, w\u00fcrde er eine sch\u00f6ne Startscene f\u00fcr einen Western abgegeben.<br \/>\nMit einem schmunzeln wies mich Tom dann auf die Sanit\u00e4reinrichtung des Zuges hin. Die ,,Toilette\u201c befand sich in einem kleinem Raum am Ende des Wagons und bestand aus einem Loch welches mit grober Gewalt in den h\u00f6lzernen Fu\u00dfboden geschlagen worden war.<br \/>\nEin Schild neben der \u00d6ffnung empfahl Besuchern die Toilette doch bitte nur bei Fahrt zu benutzen.<br \/>\nAls ich mich dann wieder in meinen Sitz fallen lie\u00df, bekam ich ein gutes Gef\u00fchl. Ich schloss die Augen und genoss den Gedanken an die nun anstehende Zeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer aus Deutschland kommt und ab und zu das Wagnis auf sich nimmt, die Bahn zu benutzten um von A nach B zukommen, der wei\u00df zu was f\u00fcr einem Abenteuer sich solch eine Reise, bei schlechter Planung entwickeln kann. Genau so ein Abenteuer sollte uns nach unserer Landung in Sofia erwarten. 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