{"id":9,"date":"2016-09-19T22:06:09","date_gmt":"2016-09-19T20:06:09","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/bratislava\/?p=9"},"modified":"2016-09-20T21:27:40","modified_gmt":"2016-09-20T19:27:40","slug":"ankommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/bratislava\/2016\/09\/19\/ankommen\/","title":{"rendered":"Ankommen"},"content":{"rendered":"<p>Es ist Mittwoch letzter Woche, 6:30 Uhr. Ich bin am Bahnhof angekommen mit 2\u00a0Koffern, Laptoptasche, Beauty Case,\u00a0einem gro\u00dfen Rucksack\u00a0und schaue auf die Anzeigetafel um mein Gleis zu finden. Da ich mich mal wieder schwer entscheiden konnte und fast alles f\u00fcr wichtig erachtet habe, kann ich mein Gep\u00e4ck kaum tragen und komme nur sehr langsam vorw\u00e4rts.\u00a0Auf dem\u00a0Bahnsteig stelle ich fest, dass\u00a0mein Zug nach Prag jetzt schon 20 Minuten Versp\u00e4tung hat&#8230; ich aber in Prag auch nur 20 Minuten zum umsteigen habe. Also wende ich mich an eine Dame von der Deutschen Bahn, welche mir verspricht, dass ich den Anschlusszug bekommen w\u00fcrde. Aufgrund eines fehlenden Wagons wie es jetzt hei\u00dft, hat mein Zug aber fast 1 1\/2 Stunden Versp\u00e4tung, wie ich eine halbe Stunde sp\u00e4ter per Lautsprecher erfahre. Wieder am Schalter bucht man mich dann auf einen anderen Zug, da ich in Prag keinen Anschluss bekommen w\u00fcrde. Ich kann jetzt direkt nach Bratislava fahren, muss aber bis 9:10 Uhr am Bahnhof auf ihn\u00a0warten. Naja, wenigstens ist es nicht kalt.<\/p>\n<p>Dieser Zug kam dann auch mit nur 20 min\u00fctiger Versp\u00e4tung. Da meine Sitzplatzreservierung f\u00fcr 4 Euro vom ersten Zug nicht mit umgebucht wurde, dauerte es etwas bis ich einen Sitzplatz fand. Auf dem Gang im Zug lief ein Mann in Arbeitskleidung hektisch auf und ab,\u00a0und werkelte an verschiedenen Sachen herum. Im Laufe der Fahrt sprach er eine Zugbegleiterin an, warum diese ihn nicht kontrollieren w\u00fcrde, es k\u00f6nne ja Jeder in Bauarbeitermontur schwarz fahren. Beim ersten Halt in Dresden wurde \u00fcber die Lautsprecher ein Bundespolizei Einsatz durchgesagt, ca. 20 Minuten sp\u00e4ter f\u00fchrten 8 Polizisten den &#8222;Bauarbeiter&#8220;, der misslaunig und aggressiv seinen Unmut \u00fcber die Situation zum Ausdruck brachte, in Handschellen nach drau\u00dfen.<\/p>\n<p>Wir konnten weiter fahren. Nach knapp 9 Stunden Fahrt bin ich dann in Bratislava angekommen.<\/p>\n<p>Wolfgang, ein deutscher Lehrer, welcher seit einem Monat in Bratislava wohnt und an der gleichen Schule wie ich unterrichtet, holte mich netterweise ab. Wir fuhren mit der Stra\u00dfenbahn, diese ist das Hauptverkehrsmittel hier, in meine neue Heimat f\u00fcr 6 Monate gute 20 Minuten durch die Stadt Richtung Stadtrand. In Bratislava zahlt man die Stra\u00dfenbahn Minutenweise: 30 Minuten kosten 90 Cent, 15 Minuten nur 70 Cent&#8230;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wolfgang bestand darauf den Gro\u00dfteil meines Gep\u00e4cks zu schleppen und war beeindruckt, dass ich es geschafft habe so viele Sachen\u00a0alleine nach Bratislava zu hieven. Der erste Eindruck war also erstmal positiv \ud83d\ude1b Ich wohne in der Neustadt, einem in den letzten 50 Jahren erbauten Stadtteil; Eine bunte Mischung aus Shopping Centren, modernen Loftwohnungen, Plattenbauten und Einfamilienh\u00e4usern. Nach guten 20 Minuten Fu\u00dfweg \u00fcber Schotter und \u00e4lteren Asphalt fanden Wolfgang und ich das Haus, in dem sich die Wohnung befindet, in der ich ein Zimmer gebucht habe. Auf mein Klingeln reagierte Niemand. Ich rief J. an, den Slowaken der mir das Zimmer vermieten wollte. Er kann sehr gut deutsch und sagte mir, ich solle hinauf in seine Wohnung gehen er selber sei nicht da, aber es w\u00e4re Jemand da der mir alles erkl\u00e4ren w\u00fcrde, da ich doch woanders unterkommen m\u00fcsste. Obwohl er ein sehr netter Mann zu sein schien, ich kannte ihn ja nur vom telefonieren, war mir etwas mulmig und ich war froh Wolfgang bei mir zu haben, der sich bereit erkl\u00e4rte mit hinein zukommen. Oben wurden wir dann von zwei Bewohnern der Wohnung in Empfang genommen, einem Slowaken und einem deutschen Urlauber. Der slowakisch sprechende Mieter bot uns gleich ein Radler an, der deutsche Urlauber wollte lieber, dass wir von ihm ein Getr\u00e4nk nehmen und holte eine angefangene Wasserflasche aus dem K\u00fchlschrank. Wir bedankten uns vielmals und nahmen das Bier. Die Beiden versuchten mir jetzt zu verklickern, dass mein Zimmer aus versehen doppelt\u00a0 vermietet wurde und dass ich nicht in der Wohnung bleiben k\u00f6nne. Der deutsche Urlauber war sehr bem\u00fcht die Situation schnell zu regeln, touchierte des \u00d6fteren meinen Arm oder meine Schulter und sagte, dass J. Ersatz gefunden h\u00e4tte f\u00fcr mich, ein Zimmer in einer anderen Wohnung ganz in der N\u00e4he und dass ich gleich dorthin abgeholt werden w\u00fcrde. Ich f\u00fchlte mich ein wenig bedr\u00e4ngt. Wolfgang bot mir darauf hin an, ich k\u00f6nne sehr gerne bei ihm eine Nacht schlafen, falls mir das nicht &#8222;koscher&#8220; sei. Diese M\u00f6glichkeit nahm ich gerne an, welches dem deutschen Urlauber nicht gefiel. Er sagte scheinbar ein wenig beleidigt, ich m\u00fcsse da jetzt mitmachen, ich d\u00fcrfte die ganze Organisation jetzt nicht \u00fcber den Haufen werfen&#8230; und verabschiedete sich dann mit den Worten, er w\u00fcnsche mir viel Gl\u00fcck, aber das Ganze sei ihm zu viel.<\/p>\n<p>Ich habe mich entschieden erst einmal abzuwarten. Eine halbe Stunde sp\u00e4ter kam eine nette, freundliche Frau, welche sich mir als Vermieterin meines neuen Zimmers vorstellte. Wir liefen dann zu meiner jetzigen Wohnung, auch dahin kam Wolfgang mit. Vielen lieben Dank daf\u00fcr! Die Wohnung liegt ihm Dachgeschoss und hat alles was man braucht, gem\u00fctlich eingerichtet ist sie auch noch und ich f\u00fchlte mich direkt wohl.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag kam dann J., der wirklich ein sehr netter und f\u00fcrsorglicher Mann ist und erkl\u00e4rte mir alle Bedingungen und Zahlungsmodalit\u00e4ten, da er flie\u00dfend deutsch spricht. Ich bedankte mich\u00a0herzlich und war sehr erleichtert und froh, dass alles gut gegangen ist.<\/p>\n<p>Am folgenden Tag war Staatsfeiertag in der Slowakei: Maria Siebenschmerzen. Marvin, ein anderer Freiwilliger und ich machten mit Wolfgang eine kleine Stadtf\u00fchrung, der sich schon erstaunlich gut auskennt f\u00fcr die k\u00fcrze der Zeit. Den Rest des Tages verbrachten Marvin und ich am Kochajder See, einem Naherholungsgebiet ein par Stra\u00dfen von unseren Wohnungen entfernt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Mittwoch letzter Woche, 6:30 Uhr. Ich bin am Bahnhof angekommen mit 2\u00a0Koffern, Laptoptasche, Beauty Case,\u00a0einem gro\u00dfen Rucksack\u00a0und schaue auf die Anzeigetafel um mein Gleis zu finden. 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