{"id":24,"date":"2016-09-25T19:00:07","date_gmt":"2016-09-25T17:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/bratislava\/?p=24"},"modified":"2016-09-25T19:00:07","modified_gmt":"2016-09-25T17:00:07","slug":"die-ersten-tage-gedaechtnis-der-schmerzen-mariens-eu-gipfel-erster-schultag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/bratislava\/2016\/09\/25\/die-ersten-tage-gedaechtnis-der-schmerzen-mariens-eu-gipfel-erster-schultag\/","title":{"rendered":"Die ersten Tage: Ged\u00e4chtnis der Schmerzen Mariens, EU- Gipfel, erster Schultag"},"content":{"rendered":"<p>Drau\u00dfen st\u00fcrmt es schon seit Stunden. Die Tanne vor meinem Fenster w\u00f6lbt sich bedrohlich nach links und rechts. Das Wetter ist umgeschlagen, ohne Vorank\u00fcndigung \u00fcber Nacht. Vorgestern lag ich noch bei \u00fcber 30 Grad im Bikini am See und brutzelte in der Sonne. Der See ist von einem hohen Zaun und mehreren Gr\u00fcnfl\u00e4chen umgegeben, auch eine Joggingstrecke f\u00fchrt um ihn herum. Er liegt direkt an der Hauptverkehrsstra\u00dfe die Stadt ausw\u00e4rts f\u00fchrt und ist von dort von Jedermann gut einsehbar, weshalb mir es erst einmal komisch erschien mich dort im Bikini zu sonnen.\u00a0Als ich aber die meisten slowakischen Sonnenhungrigen ebenfalls in Bademode ersp\u00e4hte schien mir diese Sorge unbegr\u00fcndet. Von unserem &#8222;Nachbarn&#8220; auf der Wiese wurden Marvin und ich\u00a0auch so gleich neugierig be\u00e4ugt und zu Salzstangen eingeladen. Dass ich h\u00f6flich nur Eine nahm, empfand er wiederum als unh\u00f6flich.<\/p>\n<p>Auf meinen ersten Arbeitstag hier musste ich l\u00e4nger warten als erwartet. Wie erw\u00e4hnt war letzten Donnerstag Ged\u00e4chtnis der Schmerzen Mariens\u00a0,\u00a0fr\u00fcher Maria Siebenschmerzen genannt und von Wikipedia wie folgt erkl\u00e4rt: &#8222;Der Gedenktag der Schmerzen Mariens folgt unmittelbar auf das Fest der Kreuzerh\u00f6hung am 14. September und steht zu ihm in innerer Beziehung. Wird an Kreuzerh\u00f6hung verehrend auf das Kreuz Jesu Christi als Siegeszeichen und Baum des Lebens geblickt, so wird am Tag darauf das Mitleiden Marias als Mutter und Verk\u00f6rperung der Kirche und Vorbild f\u00fcr alle Glaubenden gepriesen&#8220;. Viele katholische Kirchen boten Gedenkgottesdienste an.<\/p>\n<p>Zuf\u00e4llig traf ich meine Ansprechpartnerin\u00a0Frau Warganova, welche die stellvertretende Schulleiterin der Z\u00e1kladn\u00e1 skola materskou skolou Za kas\u00e1rnou ist, in der Stra\u00dfenbahn. Das ist meine Einsatzstelle und bedeutet Grundschule Za\u00a0kas\u00e1rnou. Za kas\u00e1rnou ist auch der Stra\u00dfenname und auf dem &#8222;s&#8220; und auf dem &#8222;n&#8220; m\u00fcsst ihr euch noch bitte umgedrehte Zirkumflexe denken, die es aber leider auf meiner Tastatur nicht gibt \ud83d\ude1b\u00a0Sie begr\u00fc\u00dfte mich herzlich und sagte mir, dass ich auch Freitag nicht arbeiten kommen m\u00fcsste, weil alle Schulen geschlossen seien. Dieses wusste ich auch schon von Wolfgang und Marvin. Nach dem Brexit sollte der erste EU-Gipfel nach \u00fcber 43 Jahren ohne Gro\u00dfbritanien stattfinden. F\u00fcr ein kleineres Land wie die Slowakei mit nur 5,4 Millionen Einwohnern und f\u00fcr den slowakischen Ministerpr\u00e4sidenten Robert Fico war dies ein gro\u00dfes, geschichtstr\u00e4chtiges Ereignis. Die komplette Innenstadt wurde abgeriegelt. Alle Gesch\u00e4fte, die in Bratislava eigentlich 7 Tage die Woche von fr\u00fch Morgens bis sp\u00e4t Abends aufhaben, wurden geschlossen und der komplette Nahverkehr still gelegt. Frau Warganova riet mir zu Hause zu bleiben, die Regierung h\u00e4tte dazu im Fernsehen und im Radio aufgerufen. Auch mein Vermieter Juraij rief mich extra an um mir zusagen, dass ich lieber zu Hause bleiben solle. Es hie\u00df man h\u00e4tte Angst vor einem Anschlag. Die Stra\u00dfen hier bei mir in der Neustadt und auch in der Innenstadt waren tats\u00e4chlich fast Menschen leer. Viele Slowaken waren dem Aufruf der Regierung gefolgt und \u00fcber das Wochenende weggefahren.<\/p>\n<p>Nach dem ich ein entspanntes Wochenende verbracht habe, durfte ich am Montag dann endlich in die Schule. Idealerweise begann dieser erste Tag f\u00fcr mich auch erst um 11:30 Uhr. Das Schulgrundst\u00fcck ist von einem relativ hohen Zaun umgeben. Es gibt ein gro\u00dfes Schulgeb\u00e4ude, welches f\u00fcr die ca. 800 Sch\u00fcler jedoch zu klein ist, eine Turnhalle und eine Mensa, sowie einen gro\u00dfz\u00fcgigen Pausenhof. Geht man durch die Eingangst\u00fcr, kommt man in einen Vorraum, wo es mehrere Couchen gibt. Dort k\u00f6nnen z.B. Nachmittags die Eltern warten, wenn sie ihre Spr\u00f6sslinge abholen. Weiter in die Schule hinein kommt man nur mit einem elektronischen Schl\u00fcssel. Genauso wie in den Korridor, wo sich die B\u00fcros der Schulleitung befinden. Es gibt auch auf dem gesamten Gel\u00e4nde und auf den Fluren, jedoch nicht in den Klassenzimmern, Kameras. Dies dient zur Sicherheit, erkl\u00e4rte mir Frau Warganova, schlie\u00dflich sei die Schule in einer gut bewohnten Gegend mit viel Publikumsverkehr.<\/p>\n<p>Als ich in dem Wohnhaus meines Vermieters war fiel mir gleich auf, dass jedes Stockwerk noch einmal extra mit Metallenen Gittert\u00fcren gesichert ist. In Marvins Wohnhaus gibt es einen Concierge und auch Kameras.<\/p>\n<p>Wer sich jetzt denkt, die Slowakei sei unsicher, irrt. Sie ist grunds\u00e4tzlich ein sicheres Reiseland. Das Ausw\u00e4rtige Amt weist jedoch auf die erh\u00f6hte Diebstahlgefahr bei PKW Reisen und Kleinkriminalit\u00e4t in Form von Taschendiebst\u00e4hlen, Wagen oder Hotelzimmer Einbr\u00fcchen hin.<\/p>\n<p>In der Schule angekommen wurde ich erst einmal durch das Geb\u00e4ude gef\u00fchrt und\u00a0dem Schulleiter und den &#8222;Freunden der deutschen Sprache&#8220;, dieses steht \u00fcber dem Kabinett der\u00a0Lehrerinnen und Lehrer die Deutsch unterrichten, vorgestellt. Man freute sich\u00a0sehr, dass ich da war und ich freute mich auch. \u00a0Danach habe ich ein\u00a0noch nicht ver\u00f6ffentlichtes deutsch\u00a0Lehrbuch im Hinblick auf Rechtschreibung und Grammatik korrigiert. Dazu bekam ich einen Kaffee und eine Packung Toffifee mit der Bitte &#8222;mich ganz wie zu Hause zu f\u00fchlen und sie doch bitte alle aufzuessen&#8220;. Letzteres schaffte ich leider nicht \ud83d\ude1b Mein erster Schultag endete dann mit einem Mittagessen in der Mensa. In der Slowakei muss der Arbeitgeber vom Gesetz her das Mittagessen seiner Mitarbeiter subventionieren. Ich esse hier, auf Grund meiner Freiwilligkeit, wahrscheinlich kostenlos. Wof\u00fcr die Schulgelder ausgegeben werden entscheiden die Eltern, erkl\u00e4rte mir Frau Warganova. Aber diese &#8222;seien auf meiner Seite&#8220; und man w\u00fcrde bestimmt den Eigenanteil am Schulessen, welcher f\u00fcr Sch\u00fcler bei 1 Euro und f\u00fcr Lehrer bei 50 Cent liegt, \u00fcbernehmen. Frau Warganova\u00a0sagte mir, dass\u00a0In der Schulkantine mehrere Langzeitarbeitslose arbeiten und dass es in der Slowakei kein Hartz 4 oder Arbeitslosengeld geben w\u00fcrde. Lediglich einen Zuschuss zum Lebensunterhalt, welcher so gering sei, dass man\u00a0eigentlich nicht von ihm Leben k\u00f6nne. Diesen Zuschuss bekommen Langzeitarbeitslose auch nur, wenn sie daf\u00fcr eine bestimmte Stundenanzahl im Monat, zum Beispiel in\u00a0unserer Schulkantine, ableisten.\u00a0Das Kantinenessen schmeckt wirklich gut. Es gibt strenge Angaben vom Staat f\u00fcr das Schulessen betreffend den N\u00e4hrwertgehalt. Man legt gro\u00dfen Wert auf gesundes, salzarmes Essen f\u00fcr die Kinder. So gab es diese Woche: Reisfleisch, Kartoffeln mit paniertem slowakischen K\u00e4se, Szegediner Gulasch oder Fisch mit Schinken-K\u00e4se Kruste. Traditionell gibt es in der Slowakei IMMER eine Suppe vorweg und es gibt auch immer Obst oder Rohkost als &#8222;Nachtisch&#8220;.<\/p>\n<p>Am 2. Schultag lernte ich dann die Kinder kennen, zumindest Einige von Ihnen. Ich und Frau Warganova, die ich\u00a0in der ersten\u00a0Woche begleitet habe,\u00a0hatten in einer 2., einer 3. und einer 5. Klasse Unterricht. Die Grundschule geht hier bis zur 9. Klasse und in einer Klasse sind zwischen 20 und 26 Sch\u00fcler. Zuerst half ich beim Hausaufgaben kontrollieren, dann musste mir Jeder Sch\u00fcler ein deutsches Lied, welches sie vorher ge\u00fcbt hatten, einzeln vorsingen und ich sollte entscheiden, ob Er oder Sie es gut gemacht hat. Da es nat\u00fcrlich alle gut gemacht haben, bekam jedes Kind einen Stempel in sein Hausaufgaben Heft. Es gibt 4 verschiedene Stempel mit z.B. einem Tier oder einem Smiley und darunter steht: Super, Ausgezeichnet&#8230; F\u00fcr\u00a05 Stempel gibt es eine 1 und wenn man die Hausaufgaben nicht gemacht hat, wird ein Stempel wieder durchgestrichen. Das Notensystem entspricht dem Deutschen, au\u00dfer das es hier keine 6 gibt. Ich war sehr \u00fcberrascht wie motiviert viele Sch\u00fcler hier im Deutsch Unterricht sind und wie gut Einige schon Deutsch sprechen k\u00f6nnen. Nach dem wir ein par \u00dcbungen im Deutschbuch gemacht haben, endete die Stunde mit einem Lieblingsspiel der Kinder: Der, Das, Die. Auf eine der 3 Tafelseiten wird jeweils &#8222;Der&#8220;, &#8222;Das&#8220; oder &#8222;Die&#8220; geschrieben und 3 Kinder werden ausgew\u00e4hlt und stellen sich vor die Tafel. Ich habe dann gelernte W\u00f6rter aus dem Unterricht gesagt, wie: M\u00e4ppchen, Radiergummi oder Buntstift und die Kinder mussten sich dann vor die Tafel stellen, wo sie den richtigen Artikel vermuteten. Lag ein Kind falsch, musste es sich setzten und ein Anderes kam dran. Wer zuletzt \u00fcbrig bleibt hat gewonnen. Artikel zu benutzen f\u00e4llt den Slowaken besonders schwer, denn in der slowakischen Sprache gibt es Keine. Den restlichen Tag wurde ich dann noch verschiedenen Sch\u00fclern unterschiedlicher Klassen vorgestellt, welche begabt in der deutschen Sprache sind und sich im normalen Deutsch Unterricht langweilen. Mit Ihnen sitze ich dann in der Deutschstunde auf dem Flur und lese ein Buch oder spreche \u00fcber Ihre Hobbies. So werden sie weiter gef\u00f6rdert und st\u00f6ren nicht den Unterricht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drau\u00dfen st\u00fcrmt es schon seit Stunden. Die Tanne vor meinem Fenster w\u00f6lbt sich bedrohlich nach links und rechts. Das Wetter ist umgeschlagen, ohne Vorank\u00fcndigung \u00fcber Nacht. Vorgestern lag ich noch bei \u00fcber 30 Grad im Bikini am See und brutzelte in der Sonne. 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