{"id":271,"date":"2015-06-03T05:13:47","date_gmt":"2015-06-03T03:13:47","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/bjhustle\/?p=271"},"modified":"2015-06-03T05:14:56","modified_gmt":"2015-06-03T03:14:56","slug":"271","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/bjhustle\/2015\/06\/03\/271\/","title":{"rendered":"\u00dcber Identit\u00e4t und das Deutschsein"},"content":{"rendered":"<p>Bevor ich mit fr\u00f6hlichen Reiseberichten weitermache, wollte ich euch einen <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/2015-05\/adoption-identitaet-china-deutschland\">Artikel aus der Zeit<\/a> empfehlen von der Autorin Tinga Horny, die in den 60er Jahren als Kind chinesischer Eltern von einer deutschen Familie adoptiert wurde. Sie hat gerade ein Buch \u00fcber ihre Geschichte ver\u00f6ffentlicht:<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Die-verschenkte-Tochter-leiblichen-Eltern\/dp\/340460850X\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1433300184&amp;sr=8-1&amp;keywords=tinga+horny\"> <em>Die verschenkte Tochter<\/em><\/a>, 2015, Bastei L\u00fcbbe Verlag, 189 Seiten, 8,99 Euro.<\/p>\n<figure id=\"attachment_272\" aria-describedby=\"caption-attachment-272\" style=\"width: 233px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/bjhustle\/files\/2015\/06\/index.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-272 size-full\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/bjhustle\/files\/2015\/06\/index.jpg\" alt=\"index\" width=\"233\" height=\"346\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-272\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 amazon.de<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ihr Artikel spiegelt meine 21 Jahre in Deutschland als PoC so erstaunlich gut wieder, dass ich mir wahrscheinlich demn\u00e4chst das Buch besorgen werde. So treffend hat noch niemand diesen Spagat-Zustand und dieses Gef\u00fchl der &#8222;Wurzellosigkeit&#8220; ausformuliert wie Frau Horny. Auch ich bin in Deutschland aufgewachsen als Mensch mit Migrationshintergrund, der man auch diesen Migrationshintergrund ansehen konnte. Auch mein Deutschsein wurde stets hinterfragt. Zur\u00fcck in Vietnam wurde ich als Ausl\u00e4nderin entlarvt. Das Erwachsenwerden war stets mit viel Leid, Selbstzweifeln und traumatischen Erlebnissen verbunden.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Den Widerspruch zwischen Deutsch-Sein und Chinesisch-Aussehen konnte ich als Kind nicht begreifen. Niemand hielt mich f\u00fcr das, was ich war, und daran verzweifelte ich. Ich wollte doch nur dazugeh\u00f6ren. Ich wurde ein zorniger Mensch.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Witzigerweise habe ich als Reaktion auf diese Verwirrung genau wie die Autorin Sinologie studiert und ging daraufhin f\u00fcr ein Studium nach China.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;In Deutschland war ich f\u00fcr die meisten eine Ausl\u00e4nderin, aber wenn ich den Mund aufmachte, bestand kein Zweifel mehr daran, woher ich kam. In China wiederum nahmen sie selbstverst\u00e4ndlich an, ich sei eine von ihnen, aber wenn ich Chinesisch sprach, dann war ich sofort als Ausl\u00e4nderin entlarvt. Ich geh\u00f6rte also nirgends dazu, nur in China hat es mir nicht wehgetan, weil ich nicht erwartet habe, dazuzugeh\u00f6ren. Ich war ja nur ein Gast.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich habe mich stets gewundert, warum mich mein &#8222;Ausl\u00e4nderdasein&#8220; in China nie gest\u00f6rt hatte. Und das ist die Antwort darauf. In diesem Land bin ich nur ein Gast, ich lebe hier nicht, ich verbinde meine Wurzeln nicht mit Land und Leute. Gleichzeitig werde ich aber nicht sofort als &#8222;Alien&#8220; entlarvt, da ich in der Masse nicht auffalle. Es ist ein angenehmer ambivalenter Zustand, der vor allem nicht auf Dauer ist.<\/p>\n<p>Ich sehe so viele Parallelen und bin froh, nicht alleine damit zu sein.<\/p>\n<blockquote><p>Ich bin einfach nur ich. Deutschsein ist f\u00fcr mich in erster Linie eine Geisteshaltung, eine Gem\u00fctsverfassung. Das Dritte Reich, die Auseinandersetzung mit dem Holocaust, aber auch die Vielfalt der europ\u00e4ischen Kunst und nicht zuletzt das Bayerische sind Facetten meiner Identit\u00e4t. Darauf bin ich weder stolz noch geniere ich mich daf\u00fcr. Es ist nur so wie eben bei jedem Deutschen \u2013 ganz normal.<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch wenn es ein steiniger Weg war (und immer noch ist), bin ich genauso wie die Autorin heute einfach nur ich &#8211;\u00a0 und irgendwo auch stolz darauf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bevor ich mit fr\u00f6hlichen Reiseberichten weitermache, wollte ich euch einen Artikel aus der Zeit empfehlen von der Autorin Tinga Horny, die in den 60er Jahren als Kind chinesischer Eltern von einer deutschen Familie adoptiert wurde. 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