{"id":26,"date":"2012-03-28T22:33:18","date_gmt":"2012-03-28T20:33:18","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/beograd\/?p=26"},"modified":"2012-03-28T22:46:32","modified_gmt":"2012-03-28T20:46:32","slug":"am-24-marz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/beograd\/2012\/03\/28\/am-24-marz\/","title":{"rendered":"Am 24. M\u00e4rz"},"content":{"rendered":"<p>&#8230;fielen Bomben auf Belgrad. 1999.<\/p>\n<p>Das soll jetzt kein Blogeintrag werden, in dem irgendwem die Schuld in die Schuhe geschoben wird und in dem ich mir anma\u00dfe zu sagen was richtig und falsch gewesen w\u00e4re. Ich m\u00f6chte auch nicht den Eindruck erwecken, dass man sich in Serbien st\u00e4ndig mit dem Krieg besch\u00e4ftigt. Das tut man zwar, aber in einem gesunden Ma\u00dfe (ich f\u00e4nde es verwunderlicher, wenn man sich \u00fcberhaupt nicht mit dem Thema auseinandersetzt). Aber es war eben gerade erst der 24. M\u00e4rz. Und das war f\u00fcr mich ein Anlass mal dr\u00fcber nachzudenken. So richtig.<\/p>\n<p>Alles, was ich sagen will: das alles ist f\u00fcr mich unvorstellbar.<\/p>\n<p>Man denkt nie dar\u00fcber nach. Klar liest man in der Zeitung st\u00e4ndig von irgendetwas, was damit zu tun hat (90er Jahre, Kosovo). Von Kriegsverbrechern, Wiederaufbau, Verurteilungen, sonstwas. Das ist ja nat\u00fcrlich. W\u00e4re ja auch komisch wenn nicht. Aber wenn ich das in der Zeitung lese, dann ist es etwas anderes, als wenn ich Poster in der Stadt sehe, die mich daran erinnern, dass vor 13 Jahren die NATO beschlossen hat hier mal ihren ersten Krieg zu f\u00fchren. Viele Poster. \u00dcberall.<\/p>\n<p>Dann f\u00e4ngt man an dr\u00fcber nachzudenken und dann f\u00e4ngt man auch wieder an die kaputten Geb\u00e4ude zu sehen, die vor der Bombardierung noch ganz waren und an denen man mittlerweile v\u00f6llig gedankenlos vorbeigelaufen ist (nicht dass ein falscher Eindruck entsteht\u2026 so viele Geb\u00e4ude sind das nicht). Und man fragt sich wie das so ist, wenn Bomben auf die Stadt fallen, in der man lebt. Und dann stellt man fest: das kann man nicht.<\/p>\n<p>Ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Gut, muss man wahrscheinlich auch nicht. Aber jetzt, wo ich hier lebe und wo ich mich hier so wohl f\u00fchle und gleichzeitig auch so geborgen \u2013 da kommt mir das alles noch ein bisschen surrealer vor.<\/p>\n<p>Diese Stadt \u2013 die wei\u00dfe Stadt \u2013 die ist wie bei uns, blo\u00df ein bisschen anders. Diese Stadt ist von uns zu Hause gar nicht weit entfernt?! Man setzt sich in ein Flugzeug, in einen Bus, einen Zug und schwupps ist man da. Man braucht keine Tage, man braucht kein Verm\u00f6gen. Das alles ist einen Katzensprung von uns entfernt. Wie krass ist es denn, dass man nichts dr\u00fcber wei\u00df?<\/p>\n<p>Es ist nicht lange her. F\u00fcr Leute in meinem Alter, die hier gro\u00df geworden sind, ist das alles gar nicht so unvorstellbar. Sie m\u00fcssen sich das auch nicht vorstellen, da sie ja zum Teil dabei waren.<\/p>\n<p>Und ich bin gro\u00df geworden in meiner friedlichen Welt in Deutschland, noch friedlicher: Bayern. Dort, wo der Krieg schon ewig zur\u00fcckliegt. Der Krieg, den man langsam St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck aufgearbeitet hat und immer noch aufarbeitet. Man ist schon eine gro\u00dfe Strecke diesen Weges gegangen und geht immer noch weiter.<\/p>\n<p>Ich bin aufgewachsen &#8211; sicher vor allem B\u00f6sen und Gef\u00e4hrlichen. Ich war ein Jahr alt und alles ist noch friedlicher geworden. Ost und West vereint. Wir sind das Volk. Und alles, was mich bis jetzt besch\u00e4ftigt (und wovon ich wenig wusste) ist die DDR-Zeit \u2013 doch auch die liegt schon eine Weile zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Wie absurd. Bei uns die Einigkeit. Und dort der Zerfall.<\/p>\n<p>Man denkt viel zu selten dr\u00fcber nach wie gl\u00fccklich\/dankbar man sein sollte \u2013 gl\u00fccklich dar\u00fcber, was f\u00fcr ein Gl\u00fcck man hatte. Ich bin in Deutschland geboren. Man denkt zu selten \u00fcber so etwas nach.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230;fielen Bomben auf Belgrad. 1999. Das soll jetzt kein Blogeintrag werden, in dem irgendwem die Schuld in die Schuhe geschoben wird und in dem ich mir anma\u00dfe zu sagen was richtig und falsch gewesen w\u00e4re. 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